Indiana Tribüne, Volume 29, Number 103, Indianapolis, Marion County, 22 December 1905 — Page 6

ol

I-.-W Jttdiana Tribünc, L2. Dezember 1905

Nützliche WeiWachts-GeschenK

sind: hübsche Morris Stühle, (eder Ruhe Stühle, Davenports, Schreibpnlte, Musik-Cabinette, Bücherschränke, j)iedestale, parlor Tische, Toiletten Tische, parlor Tabinette, grauen Schreibpulte, Thiffoniers, in schönster Auswahl zu den mäßigsten Preisen WILLIG'S ...Mödel-Sandlnng... U) West Washington Straße. Deutsche Wirthschaft ...von ... Gus. Amann, (Nachfolger von Con. tzeeß.) 852 Massachusetts Ävenue. DaS berühmte Home Brno" stets an Zapf. Die besten Weine, Liquöre und Cigarren. .Jeden ?!ag extra feinen warmen Lunch Morgens und Abends. Zu einem Besuch ladet freundlichst ein. ns. Aniann, 852 Mass. Ave Wrn. Stoeff ler Seileepi. 3to, 202 Nord Noble Straße. ReukS Televhon 2001, Geschafts-Uebernahme Hierznt die ergebene Anzeige. &a& ich die Wirth schaft. erblinden mit Pool.Zimmer und Vereins Halle, bisher bekannt unter dem Name Skekchweln Hll. Lüdweft.EZe Market und Noble Ltr über ntamtn habe. Ich habe die Halle, Klubzimmer oTdv den übrigen Theil bei Gebäudes gänzlich neu renodiren lasten und wird dieselbe ia Zuknast unter dem Name Mocller'S Halle bekannt sein. Halle sowie Elubraume stehe Vereinen und TeseSlchasten zur Bersugung. Jedermann ist fn . di n eingeladen, mich in jntiitm Plitz zu besuche. Achtungsvoll Hcrnian Ziselier, Südroeö Ecke Noble und TIarket Str, IVL Fredrick Der Kohlenmann, Verkauft die besten Kohlen aller Sorten im Markte Office u. Yards 800- 900 Beecher Str. 31. neu, 9394; a!t,.Maiu 1130 JEDWAßD W. MESSMER, t02S Madiso Vve. emr i. w. Alleiniger Agent der berühmte' , Williams Pumpen "TO FIX". -Sarontirt int ftoliymnth aul ffHn lfmnit.t Revarawren an Pum r eu wrden vrvmvt und billig augksu?rr. evaramre an faulern rote wiege neuer Rinnen oder bringen neuer Abflubrbhre au ginn oder galvauifirtem Eisen werden X jeder jjeu rmiozi. Qerzte. 3)r. j. A. Suteliffe, Wnnd-Arzt, ' c!kschkchts, Urin unlctectan Arankhsiten. dp : 155 OS 3taW Stt. Xcl. 341 OfKcSttadt, : Ull 10 C5r Ba. ; 9 di iBhi. Dr. Carl G.Winter Deutscher Vrzt. t5r.5lt a3 akute und chronische ÄMtf UUra. SedurtShillfe Spezialität. Ofst: 14 Desi CWo Gte, f8oRsg: 80 ad? Gprechkund : T Kl tat, Couutagi : b RachN. r,,g rlVh : llt. d, K, KJ atm. ach. ! t U-UN8n, MtliZlit, TUu it.

Cf r 3

"NO TRIX"

Europaische Nachrichten.

Ireie Städte. Hamburg. Letztens bat sich in Hammerbrook eine schwere Blutthat ereignet, die einen Vater von sechs Kindern unter die Anklage des Todtschlages gebracht hat. In der Jdastraße 33 in Hammerbrook wohnen der Kornumstecher Warneke und die Braut eines im Bäckergang domizilirten Decksmannes Lösch. Kürzlich brachte Losch seine Braut .nach Hause und stand noch einige Zeit mit ihr. im Hauseingang, als Warneke nach Hause kam. Es fand zunächst eine Rempelei zwischen den Männern statt, dann aber verstand das junge Mädchen sie zu trennen. Gleich darauf kam Warneke nochmals zurück und versetzte Losch einen Schlag gegen den Unterleib. Der Getroffene . brach sofort zusammen. herbeigeholte Schutzleute brachten ihn zur nächsten Polizeiwache; als' man nach ihm sah, war er bereits verblutet. Ein Arzt constatirte, daß er einen tiefen Stich in den Unterleib erhalten hatte. Warneke wurde verhaftet, auch wurde ein großes Messer bei ihm aufgefunden. Sein 25jähriges Amtsjubiläum beging Realschullehrer C. F. Schulz von der Realschule in St. Pauli. Auf eine vierzigjährige Thatigkeit als Distriktshebamme :n Hamm blickte die an der Hammerlandstraße 130 wohnend? Frau Wilhelmine Ramm zurück. Sein 25jähriges Dienstjubiläum feierte der BörsenOffiziant Heinrich Heuer. Der Jubilar hat sich stets als ein treuer und zuverlässiger Angestellter erwiesen und erfreut sich derGunst aller semer Vorgesetzten und College. 'Bremen. Als Nachfolger Heinrich Bulthaupt's ist der Göttinger Professor Henry Seedorf zum hiesigen Stadtbibliothekar erwählt worden. Der Arbeiter Oehmker tödtete seine Braut, eine Plätterin, durch einen Revolverschuß in die Schläfe; darauf jagte er sich selbst eine Kugel in den Kopf. Der Mörder war sofort todt, das Mädchen starb auf dem TransPort nach dem Krankenhause. Als Grund zu der That werden Ehehindernisse angeführt. Cuxhaven. Silberne Hochzeit feierten Consul Adolf. Reincke und Frau. An mannigfaltigen Ehrungen des Jubelpaaresfehlte es nicht. Schweiz. Bern. Vor einiger Zeit hat der Redakteur der Berner Volksztg." von Herzogenbuchsee, Nationalrath Dürrenmatt, da! Jubiläum seiner 25jährigen Thätigkeit an diesem Blatte gefeiert. Ferner konnte ein anderer hiesiger Journalist, der zwar das Heu nicht auf der gleichen Bühne hat wie Dürrenmatt, aber wie dieser schon manchem mit seiner Lieder Gabe das Herz erquickte, Dr. I. V. Widmann, der litterarisch? Redakteur des Bund" und bekannte feinsinnige Poet, den Jahrestag, da er vor 25 Jahren in die Redaktion des hiesigen Blattes eintrat, begehen.. Viel. Ingenieur Alfred Neuhaus von hier, Sohn des ehemaligenSchultheißen von Bern, hat für gemeinnützige Zwecke circa 180,000 Francs vermacht. darunter 25,000 Francs dem hiesigen Gemerndespital.' Courgevaux. Hier brannte das große, dem Alfred Etter gehörende Bauernhaus nieder. Große Futtervorrathe gingen zu Grunde. E n a i. Vor kurzem ist' Stände rath Blumer, der bedeutendste Jndufirielle des Sernftthals und Schöpfer der Sernftthalbahn und demokrtischer Fuhrer, gestorben. Montreux. Vor kurzem starb an einem Herzschlag im Alter von 31 Jahren der Direktor der hiesigen Volksbank, Emile Nersin, einziger Sohn des verstorbenen Generaldirek tors der Schweizerischen Volksbank. Ölten. Kürzlich ist auf dem hiesigen Bahnhof ein einfahrender Gu terzug entgleist. Sieben Wagen wurden aus denSchienen geworfen und der Bremser Splllmann aus Basel getod tet. Der Materialschaden ist beträcht lich. Hesterreich-'Zlngarn. Wien. Auf dem Kaiser Ferdi nandsplatz schoß sich der 20jährige Kaufmann Johann Grimmelsen, Ta borstraße 102 wohnhaft, wegen Neu rasthenie eineKugel in die rechte Brustseite und verletzte sich schwer. Un längst sprang der 48jährige Schriftsetzer Anton Wickel in der Reinprechtsdorferstraße auf einen in voller Fahrt begriffenen Waggon der städtischen Straßenbahnen. In dem Moment entriß ihm der starke Wind den Hut und wirbelte ihn davon. Bickel sprang sofort wieder ab, stürzte jedoch und schlug mit dem Kopf auf's StraßenPflaster auf. Besinnungslos und tödtlich verletzt wurde er vom Platz ge:?a gen und ist nach kurzer Zeit im Sophienhospital gestorben. Kürzlich fand in der Pfarrkirche zur schmerzhaften Mutter Gottes" in Neulerchen feld die goldene Hochzeit des Ehepaa res Franz und Marie Krenn in feier lieber Weise statt. B r e g e n z. Ein erschütternder Unalücksfall bat die Familie des Instrumentenmachers Eduard Weidlich in Trauer versetzt. Weidlich war mit einem Fuhrwerk ausgefahren, um ein zur Reparatur bestimmtes Klavier abzuholen; auf dem Rückwege scheute das Pferd, der Fuhrmann verlor die Herrschaft über das Thier, so daß

Weidlich vom Wagen herunterspringen

wollte. Er wurde aber gegen oen Trottoirrand aesckleudert. wobei er einen Schädelbruch erlitt. Kaum in's Haus gebracht, starb er. Feldkirch. Vor .kurzem verschied derReichsrathsabgeordnete Hans Drexel, die Seele des deutschen VolksVereins. Er war. 1843 in Hohenems (Voralberg) geboren. (Siifli. Der Leite? des Unterrichtsministeriums hat die Beschlüsse der betreffenden Professoren - Collegien auf Zulassung des Dr. Adolf Steuer als Privatdozeiuen tut. 30010 rie an der Universität in Innsbruck und des Privatdozenten an der hiesigen Universität, Stadtrathes Rudolf Biscboff als Vrivatdozenten sur osterr. Verwaltungsgesetzkunde an der hiesigen technischen Hochschule bestätigt. Preßburg. )er pennonine Rickter Dr. Ferdinand Jelentsig, Bruder des pensionirten Feldzeugmeisters 5lelentna. bat sich in einem An alle atu stiaer Störuna durch einen Revolverschuß getödtet. Jelentsig war 75 Jahre alt. Salzburg. Vor .einiger Zeit spielte sich auf dem Mönchsberg ein erschütterndes Drama ab. Drei Hanowerksburscben Namens Lechner. Griebernia und Bukmüller hatten verabredet, gemeinsam zu sterben, und legten diesen Entschluß zu emer von ihnen unterschriebenen Erklärung nieder. Sie hatten sich von ihrer. Baarschaft einen Revolver gelaust und den vttt von 2 Kronen 40 Heller vertranken sie. Sie begaben sich sodann auf den w... -, on . . i-. 'rf . . n Moncysoerg. uymiucr gav Scküise auf seine Kameraden ab und tödtete dieselben, dann legte er die Waffe gegen sich selbst an und verwundete sich schwer. Bußmüller gab noch an, daß er und seine beiden Kameraden beschlossen hatten, gemeinsam zu sterben, weil sie sich in Noth befanden und keine Aussicht auf Arbeit hatten. Tukan. Oberlehrer oses kachle schied nach 42jahriger Thätigkeit im Schuldienste aus dem Amte. Lnxemburg. Luremburq. Hier starb im Alter von 83 Jahren Lothar Huberty, Rentner und Ehren - Obergeometer, aus Grevenmacher gebürtig. . o 1 1 c x i cb. Bei einem Neubau in Hollerich verunglückte der Plafonmer Zimmer. Er stand aus den obersten Svrossen einer Leiter, als die e m's Wanken kam. Zimmer sprang von der Leiter herab, erlitt aber durcb den Svruna aus betrachtlicher Hohe emen Schenkelbruch. Keisvelt. Der 25iabrme Mich. Mickelbruch aus Keispelt verunglückte auf dem Heimwege bei seinem Fuhrwerk; nach Hause gebracht, verschied er alsbald Die General di rekrion d?r Schweizer Bundesbahnen hat einen Vertrag mit der Firma Vrown, Vover: & Eo. m Baden (Schweiz) geschlössen, wodurch sich letztere verpslichtet, den elektrischen Bahnbetrieb im Simplon - Tunnel bis spätestens zum 1. Mai 1906 einzurichten. Die Firma übernimmt zeoes Rlsiko. Für eventuelle Verspätungen sind hohe Eondentionalstrafen ausbedungen. Auß:r dem elektrischen Bahnbetrieb führen Vrown, Boveri & Co. auch die elektnsche Einrichtung des Tunnels aus. Der elektrische Betrieb derBahn erfolgt vorerst durch Brown, Boveri & Co. während eines Jahres gegen mäßige Entschädigung. Die Bundesbahnen können alsdann einRückkaufsrecht ausüben. Die Bundesbahnen behalten sich jedoch vor, jederzeit den elektrischen durch den Dampfbetrieb zu ersetzen, falls ersterer nicht befriedigen sollte. An der Grenze von OstPreußen wird in dunklen Nächten der Spiritus schmuggel nach Rußland wieder schwunghaft betrieben. So wollte eines Samstags Abends ein Trupp Schmuggler die Grenze durch die Auxkaller Bucht, überschreiten, um aus dem Gollubier 'Kruge Spiritus zu. holen. 5in russischer Grenzsoldat wollte ihnen - bei ihrem Vorhaben behilflich sein. Unvermuthet kam der russische Wachtmeister, um den Posten nachzusehen. Als auf seinen Zuruf die Rufsen ausrückten, schoß er und traf einen der Männer in den Rücken, der sofort todt zusammenbrach. Einen anderen oerwundete er schwer am Halse und einsm dritten schoß er den Daumen der rechten Hand ab. Die anderen entkamen übe? die Grenze nach Preußen, ließen ück ibre Bebälter füllen und qrnqen in derselben Nacht wieder zu rück. Der russische Soldat warf die Flinte weg, ging über die Grenze nach dem Dorfe Matznorkehmen und vermiethete sich bei dei einem Besitzer als Knecht. Deutlich. Warum haben Sie eigentlich Ihre Verlobung aufgehoben? Sie hatten doch schon eine Wohnung besichtigt!" Allerdinas: cber meine zukünftige Schwiegermutter meinte, diese sei etmaS klein für drei Personen, und deshalb hab' ich Mich zurückgezogen. . Gemüthlich. Hrrr: El, gentlich bin ich Jbnen zu Dank verpflichtet. - Als Sie noch Weinreisender waren, haben Sie mir einmal solchen Schund geliefert, daß ich mir daZ ganze Trinken abgewöhnte!" Cigarrenreisender: Kaufen Sie jetzt ein paar Mille Cigarren da gewöhnen Sie sich auch das Rauchen ab!"

Die beiden Ninglein.

Erzählung von Hedwig Biemeg, Bautzen. Aber, gnädige Frau, es wäre doch wohl besser, wenn dieses häßliche, rothhaarige Mädchen vx ihrer dürftigen Kleidung von unserem Heinz ferngehalten würde. Das ist doch wohi kein passender Umgang!" Lieber Herr Doktor, ich spreche ja Ihren Fähigkeiten, Heinz auf das Beste für das Gymnasium vorzubereiten, volle Berechtigung zu, aber ein Urtheil darüber, ob es für Hein,! nützlich oder fchädlich ist, wenn er ein paar Wochen im Jabre nach Herzenslust mit den Dorfkindern sich herumtummelt, müssen 'Sie mir als Mutter doch wohl überlassen. Wir wollen doch bei unseren Kindern nicht schon einen Klassenunterschied gelten lassen. Kinder sind sich alle gleich, ich meine natürlich woblerzogene Kinder, und die kleine, F?lice t em denkbar armes Kmo. Die alte Näberin. die meiner 9snfirftt nrrrf fos sere Taße gesehen hat, thut wirklich ihre Schuldigkeit m der Erziehung Felicens." Also, gnädige Frau. Sie billigen diesen Umgang?" Jawohl, mein lieber Serr Doktor." Dann erlauben Sie wobl. dafc ick mich nur in den Schulstunden um Heinz kümmere." Wie Sie wünschen, ich werde selbst viel nach meinem Jungen sehen, und Diese Kleine, die einen so wohlthätigen Einfluß auf mein Kind ausübt, mag kommen, so oft. sie Lust hat." Etwas beleidlat nabm der 5auslehrer seinen Hut. entfernte sich und murmelte noch zwischen den Zäynen: (2ui vivra vcrra. 'Heinz durfte also nach Herzenslust mit einiaen Dorfkindern berumsvringen, aber das dauerte niemals lange. Man fand ihn sehr bald bei ruhigem toptti allein mit fteltce. für welche die paar Wochen im Tiahxt aleickbedeutend mit Festtagen waren. Von den Dorflindern wurde sie wegen ihres ruhigen, zurückhaltenden Wesens als stolz verschrien. Und Vettelstolz" hörte man verächtlich auch von einigen Erwachsenen saaen. die dies anders als andere Dorfkinder geartete Mädchen nicht verstehen konnten. Alles das ertrug Felice ruyig. nur wenn sie auf emer Fußbank zu Füßen ihres 'lieben 3roßchens" faß. brach sie manchmal in Schluchzen aus. Großchen. warum habe ich gar Niemand weiter außer Dir, der mich lieb hat? Grokcken. warum sind nicht andere Kinder wie Heinz, dak ich die lanae 5Zeit. wo Heinz nicht hier ist. auch Jemand hätte, mit dem ich spielen und vom lieben Gott, von den Menschen, von den guten und bösen Thieren, von den Bäumen und Blumen, und von allem Anderen reden kann? Großchen, wo ist mein Vater und meine Mutter?" Und Großchen nahm dann Felicens Kopf zwischen ihre Hände, sagte ihr immer und immer wieder, Vater und Mutter seien gestorben, als sie noch ganz klein gyve5 TsX nn 5! Vn sl ni u uuis uit uiic jiutytiiu, iauc dann Felice zu sich genommen. Und Fellce qao sich dann wieder auf eme Zeit zufrieden. So verging ein Jahr nach dem anderen. Aus dem rothhaarigen, mageren, häßlichen Kinde war ein schlankes, schönes junges Mädchen geworden. Die früher verschmähten rothen Haare schimmerten wie lichtes Gold und wurden nicht mehr in feste Zöpfe geslochten und möglichst fest am Hinterkopfe aufgesteckt, sondern' eine Spange hielt sie lose zusammen, so daß sie in langen Locken über Schultern und Rücken herabfielen. Noch alljährlich verbrachte die Familie G. ihre Sommerferien in dem Gebirgsdörfchen. Heinz und Felice spielten nicht mehr im Garten und auf der Wiese, aber sie pflückten Blumen zusammen und das Erzählen dabei hatte kein Ende. Felice, half ihrer Pflegerin bei der Schneiderei; daher kam es, daß sie nur zu Mittag. wenn die alte Näherin ein wenig ausruhte und auch die Mutter von Heinz ihre Mittagsruhe zu halten pflegte, mit Heinz kurze Zeit zusammen sein konnte. Als Heinzens Mutter von diesen, wie sie sich einbildete, heimlichen Zusammenküuften erfuhr, verbot sie Heinz diese jetzt ein für allemal. Aber die beiden waren schon zu eng miteinander verwachsen, und ob auch Heinzens Mutter eine etwaige Heirath als gänzlich ausgeschlossen bezeichnete, und ob auch die alte Näherin ihrem Pflegling in den grellsten Farben schilderte, daß hieraus nur Elend entstehen könnte, so hielten die beiden doch fest zusammen und begnügten sich jahrelang mit ganz kurzen Zusammenkünften ein paarmal in der Ferienzeit. Aber ein reger Briefwechsel entspann sich zwlschen diesen beiden, weit entfernt von den üblichen Liebesbriefen. Heinz erzählte in seinen Briefen von dem Leben und Treiben in der Großstadt, von den großartigen Bauten, von den Museen, von Kunst und Wissenschaften. Er r i vr r v i r C l 2t icyraie tfciicc Annauen, ianoic 191 Bücher und fand bei Felice für Alles reges Interesse und ein sehr gutes Ver ständniß. , Felice wartete mit Sehnsucht immer auf eine Sendung. Das war ihre Welt, darin bestand ihr Le ben! Die alte Näherin nahm theil an Allem, was Felice betraf, und . war, dank ihrer eigenen guten Erziehung, Fencens eigentliche Lehrmeisterin. Als nnes Sonntags die schon lange sich nicht wohl fühlende Naherrn nicht,

wie sonst üblich, mit Felice'zur Kirche gehen konnte und Felice mit ihrer klaren Stimme ihr Gesangbuchliedec vorsang, kam von Heinz ein Brief. Heinz schrieb: Felice, mein Onkel ist von England gekommen, er will mich schon m der nächsten .eit mit nach London

nehmen. Gewiß ist das eine verabredete Solche zwischen Mama und ihm. Sie denken uns auf diese Welse zu trennen.. Aber nichts soll uns auseinander bringen! Also, nicht verzagt, Felice, ich kehre nach einem Hahre zuruck. Morgen mit dem ??rümuae komme ich, um Dir Adieu zu sagen. Hinz." Felice war vollständig ruhig, sie verrichtete ihre Arbeit wie immer, aber ihre Augen leuchteten im höchsten 'Glück und kein Gedanke kam ihr, daß ihrer Liebe Gefahr drohen könnte, fo fest war ihr Vertrauen auf Heinz. Armes Kind, Du kanntest Welt und Menschen nicht. Du wußtest nichts von der Wandelbarkeit des menschlichen erzens, auch nicht, daß Verhältnisse Menschen ändern können. Felice, war sehr frifch aufgestanden, sie ordnete sorgfältig ihr Haar vor dem Spiegel, zupfte immer und immer wieder ihre Schleife zurecht und ging Heinz, entgegen. Hand rn Hand langten beide in dem sauberen Stübchen der alten Nfc herin an, die, auch wenn sie gewollt hätte, nichts vermocht hätte gegen zwei Liebende, welche ihre Zukunft nur im schönsten Lichte sahen, wenn diese auch noch so weit m die Ferne geruckt war. Heute wußten sich Heinz und Felice wemg zu sagen, sie sahen sich nur immer an, als wollten sie sich ihr gegenseitiges Bild so recht fest' einprägen. Und schneller als sie gedacht hatten, war die Zeit des Abschiedes herangerückt. Heinz hatte Felice noch ein goldenes Kettchen mit einem Kreuz um den Hals gelegt und Felice streifte das einzige Kleinod, was sie besaß, vom Finger und gab es Heinz, trotz der Gegenrede ihrer Pflegerin, da dies das einzige .Andenken ihrer seligen Mutter fei. Großchen, laß es geschehen, das Kleinod ist so gut bei Heinz aufgehoben wie bei mir selbst, sprach Felice. Es wird uns noch fester zusammenhalten, denn Heinz wird sich bei dessen Anblick immer wieder sagen müssen, daß ich ihn über Alles lieben muß, wenn ich ihm das Einzige, was ich von meiner Mutter besitze, zum Pfand gebe." Und so gingen denn die beiden auseinander, ernst, ruhig, aber voller Vertrauen einer auf den anderen. Heinz verfchwieg Mutter und Onkel seine Reise nfcch dem Gebirgsdörfchen nicht. Heinzens Mutter hatte ihren Sohn auch ruhig reisen lassen. Ihrer Ansicht nach war diese Kinderliebelei nun mit der Abreise nach England zu Ende. So sagte diese auch zu ihrem Bruder, der es ruhig anhörte, aber keinesfalls überzeugt davon war. Das war aber, feine Sache auch nicht, er wollte Heinz zu einem tüchtigen Kaufmann heranbilden, da er diesen als Nachfolger bestimmt hatte. Heinz war am Abend in zufriedenster Stimmung zurückgekehrt, und als die Mutter sich zur Ruhe begeben hatte und Onkel und Neffe noch bei einer Cigarre im gemüthlichen Wohnzimmer beisammen saßen, fchüttete Heinz seinem Onkel sein übervolles Herz aus, schilderte Felicens .Schönheit, ihre Geistesgaben. ihr nettes, feines Wesen so lebhaft, daß der Onkel stiller und stiller wurde. Sein Neffe hatte ein Bild bei ihm heraufbeschworen, das durch die Länge der Zeit wohl verblaßt, aber niemals vergessen war. Nur von dem Ringlein erzählte Heinz nichts. Wer kann uns manchmal sagen, warum wir etwas verschweigen? Hätte Heinz das Ringlein gezeigt, vieles Herzeleid wäre unserer armen Felice erspart geblieben. Kaum in seinem Zimmer angekommen, nahm er aber den Ring aus seinem Versteck und gewahrte zu seinem Erstaunen auf der. Innenseite die Worte: Hilfreich und gut." Es .war ein glattes Reifchen mit einem kleinen Brillant in Form eines Herzens. Sollte da nicht ein Gegenstück irgendwo sich vorfinden? Vorübergehend nur streifte ihn diesev Gedanke. Die Abreise von Onkel und Neffe rückte immer näher.. Und die damit verbundenen Abwechselungen ließen Heinz nicht allzuviel an Felice denken. Während der Reise aber lebte er im Geiste ganz mit ihr; er ließ sie brieflich an allem, was er erlebte, theilnehmen. Felice antwortete auch dann nach London, und Heinz zählte zuerst Tag und Stunde bis zur jedesmaligen Ankunft einer Nachricht von Felice. Diese kamen auch immer pünktlich an, aber nach einiger Zeit geschah es öfter, daß Heinz mit dem besten Willen, wie er sich vor sich selbst rechtfertigte, zum festgefetzten Tage nicht -zum Schreiben kommen konnte. Einestheils hatte er viel im Geschäft zu thun, anderntheilö aber wurde auch durch rauschende Vergnügungen aller Art abgehalten. So wurden Heinzens Briefe immer spärlicher, und die Briefe von Felice erschienen ihm in ihrer ernsten Art gar nicht mehr so interessant wie früher. Er ärgerte sich selbst darüber, konnte es aber nicht über sich gewinnen, andern Sinnes zu werden. Nun stellte er auch Vergleiche an zwischen Felice und den Damen seines jetzigen Be kanntenkreises; und diese fielen nicht immer zu Felicens Gunsten aus. Ei Zustand des Unbefriedigtseins, der ihn unfreundlich und arbeitsunlustig machte. Dazu kam noch, daß ein

2cava)en. welches er in einer Verein!gung junger Kaufleute kennen lernte, ihn durch ihr lustiges Wesen vollständig eingenommen hatte. Gerade noch -twr rerhhn rfn , r.

" 7 V. MJUU fclUtUfc . Onkel die triftigsten Gründe, die ihn ä veranlaßten, mit der Dame abzubre-. ' chen. Junge", sprach der Onkel aus einem Spaziergang zum Neffen' mach' keine Dummheiten, son ' könnte es Dir ergehen wie Deinem a. ten Onkel, der nun einsam du?ch's Leben geht. Auch ich liebte m Deinen fahren ein Mädchen. Die Schilderung Deiner Felice paßt eigenthümlicherweise ganz auf meine damalige Braut. Ich nahm ihr das Versprechen ewiger Liebe und Treue ab und reiste herüber nach England. Fast dieselbe ,Msm(t,t w,? STht tobt TY-rh ?4k - jvp, yuvl Uil Mir erleor. Xit Erinnerung an Meine Braut trat durch die Länae der Zeit immer mehr und mehr in den Hintergrund; ich verliebte mich in eine Schönheit, aber kalt, huh, so kalt, daß ch mich heute nicht begreifen kann. Nun setzte ich ei- en Brief auf. Phrasewuver Pyraje.., und Das Ende war, meine Braut in der öeimatb möae mich vergessen, ich hätte mich getäuscht in Mir selbst; na, was man eben schreibt, um sich aus der Klemme m Ziehen. Wie' Du siehst, bin ich unbeweibt geblieben, von dieser Lady will ich gar nicht reden. Meine Braut hat später einen bedeutend älteren Mann geyelrathet. Ich horte, beide seien kurz nacheinander aestorben. Ein einziges Andenken an meine glückliche Zeit habe ich noch. Und wenn ich mich f r i -r r" , . r- r. einmal u recyi einsam juoic, icmieße ich eine kleine Trübe auf. Dort lieatgebettet in getrockneten Blumen, im goldenes Ringlein. Ich nehme dann den Ring heraus, lese zum wohl tausendeten Male seine Inschrift: Edel sei der Mensch", wo mag wohl das Gegenstück fein?" svrack der alte Mann wie zu sich selbst. Heinz blieb sem Herz fast still stehen. Schweigend legten beide den Weg bis zur Wohnung zurück. Der Onkel ging unverzüglich in sein Zimmer, schloß die erwähnte Truhe auf und nahm das Ringlein heraus.. Nach kurzer Zeit trat Heinz mit seinem Ringe zu dem Onkel. Edel sei der Mensch", las der Onkel, . und ohne ein Wort hinzuzusetzen zeiate Heinz dem Onkel seinen Ring. Beide Ringe, die so lange von einan- ! I . 5 5 oer geirenni waren, lagen oicyr oeieins ander. An diesem Abend fand Heinz Zeit und .Stimmung, feiner Felice einen langen, ausführlichen Brief zu schreiben, und der Onkel fügte an die Tochter seiner ehemaligen Braut noch herz liche Grüße hinzu. Nach zwei Iah-, ren kehrte der Onkel mit seinem Neffen nach Deutschland zurück. Heinz' Mutter hatte sich sehr bald mit der Wahl ihres Sohnes ausgesöhnt. Man feierte ein fröhliches Verlobungsfest. Onkel steckte selbst sein Kleinod Hinz an den Finger und las, nun wohl zum letzten Male: Edel sei der Mensch" und hilfreich und gut" fügte Heinz hinzu, während er seiner Felice den anderen Ring gab. Graf Lerchenfeld im Salou. Von dem Grafen Hugo Lerchenfeld, der sein diayriges uviiaum als vayerischer Gesandter in Berlin gefeiert hat, wird folgende, kleine' Geschichte erzählt, die eine amüsante Probe von dem schlagfertigenWitze dieses gewandten Diplomaten giebt. Graf Lerchenfeld war auf irgend einem Diner der Tischnachbar einer der bekanntesten und damals schönsten Damen der hauptstädtischen Haute Finance geworden. Zwischen beiden entspann sich bald ein sehr anregendes munteres Geplauder, in dessen Verlaufe die Frau Geheimräthin. der man eine kleine Schwäche für die Träger vornehmer Adelstitel nachsagt, ihren Partner erst Excellenz", dann Graf Lerchenfeld", schließlich .lieber Grafnannte. Als sie ihn beim Dessert aber gar mit lieber Lerchenfeld- anredete, neigte der Graf sich zu dem Ohre der liebenswürdigen Schönen und flüsterte ihr mit schalkhaftemLächeln zu: Mein Vorname ist Hug?!" C;hI?HT s9?n rrMtmmh l . v ww. ''- zwanzigjähriges Mädchen wird gewohnlich erst nach Jahren dreißig. Kaffee st udie. Sommerfrischler: Herr Wirth. Ihr Kaffee hat, wie alles in der Welt, zwei Seiten: eine gute und eine schlechte!" Wirth (pikirt): So? Da bin ich aber neugierig!" Sommerfrischler: Die gute Seite, sehen Sie. ist, daß keine Zichorie drin ist!" Wirth: Na, und die schlechte?" Sommerfrischler: Daß auch kein Kaffee drin ist!" Nichtgarsodumm. Gattin: Jeder staunt, wie ich einen solch' dummen Mann heirathen konnte, wie Du bist!" Gatte: Ja. der Dumme hat's Glück!" Unbesonnen. Mann (zu feiner jungen Frau): Wenn Du viel-. leicht glaubst, an mir einen Wafchlappen'zu haben, da kommst Du gerade an den rechten." Mildernder Umstand. Gläubiger: Ihre Schulden bezahlen Sie nicht, aber in's Theater gehen Sie!" Schuldner: Ja, aber nur zu Trauerspielen." Selbstgespräch.' Redak teur (ärgerlich): Nun hat man mir schon so viele Autlerscherze zugesandt, daß der Papierkorb schon, ganz. nach. Bemin riecht!" .