Indiana Tribüne, Volume 29, Number 102, Indianapolis, Marion County, 21 December 1905 — Page 7

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rs? i r 14 HumsresKe von töiltjclm ?rrrk!nz. (Schluß) r Z i

Alles das und' noch eine Schornsteinftgerin, ein Müller-Gretchen, ein V Milchmädchen mit blanker Kanne und verschiedene andere geistreiche Typen des weiblichen Geschlechtes mußten sich

Adele und ihr lieber Gustav ansehen und anhören, und es war nur ein Glück, daß Rudolf Kiinsemiiller so einsichtsvoll war. dein Bräutigam von f )fci j,U .Qfcli HU ilUyw9 OWiUU handgerecht zu stellen. Den' Schluß der Aufführunaen sollUn die beiden Kleinsten machen, Schwer sierchen Mimi und Vetter Adolf, der Sohn des Oberlehrers. Mimi setzte mit ihrer Deklamation recht tapfer ein, rourde aber plötzlich, als von dem Scheiden aus dem Eltern Hause und dem Walten am eigenen Herde in rührenden Worten die Rede Vtt 11t t tn nl.-' IM IMnVnl war, so von Wehmuth befangen, daß sie den Faden verlor und, anstatt ihr Gedicht zu Ende zu bringen, das Schlüsselkörbchen mit der gestickten n , r je, , . , n . : v ajuiiz unjuu vit u;ujqici ui uui Schooß legte und daneben, krampfhaft schluchzend, ihr inRührung und Scham erglühendes Köpfchen. Adele hatte genug zu streicheln und zu trösten, um das sonst so muntere Kind einiger maßen zu beruhigen, und selbst Karl wurde für den Augenblick still und nachdenklich. Auf Vetter Adolf, den Quartaner, aber machte dieses Fiasko seiner Kousine, die doch um ein ganzes Jahr älter war als er, einen so niederschmetternden Eindruck, daß er sich auf's Entschiedenste weigerte, die von seinem Later ad hoc" gedichteten Verse aufzusagen. Vergebens redete der an Autorität gewöhnte Papa Oberlehrer auf seinen Sprößling ein, vergebens auch setzte er dann in der Verschwiegenheit des entferntesten Zimmers seine Ueberredungsversuche in etwas energischerer Form fort o3 half alles nichts. Mehr als vor der Repetition sämmtlicher unregelmäßiger Verben fürchtete sich der Quartaner vor dem Vortrage seines Gedichtes, das in schwungvoller Weise an dem Beispiele der klassischen Penelope und ihres Odysseus den Werth der Gattentreue besang. So mußte denn zum Schaden der Mitwelt die herrliche Dichtung ungesprochen bleiden. Mit geratheten Gesichtern bei dem Vater erglänzte besonders die hochgeschwollen Stirnader in höherem Inkarnate, bei dem Sohne mehr das linke Ohr und die zunächst liegende Backenv Partie kamen die beiden uneinigen Verwandten nach einer Weile wieder zum Vorschein. In den vorderen Zimmern hatte sich unterdessen die Gesellschaft nach Alter und Neigung gefondert. Herr Künsemüller hatte zu dieser Sortirung," wie er es nannte, den ersten Anstoß gegeben, und so saßen nun die jungen Leute im Wohnzimmer, während die älteren Jahrgänge sich in die beiden anstoßenden Räume vertheilten. Bei der Jugend ging es schon recht lustig her. Herr Künsemüller hatte, um das Verfahren abzukürzen," einen erheblichen Theil, der gemeinschaftlichen Bowle in das neue, von ihm und sei nen Freunden gestiftete Gefäß geschüttet .und ganz heimlich aus der vom Theetische eskamotirten Kognakslasche etwas veredelt," so daß der Stoff nun auch von den Herren als nahezu menschenwürdig anerkannt wurde. Die glänzenden Augen der jungen Damen, die zerötheten Gesichter und die laute, lustig: Unterhaltung, die in lebhafter Weise um den langen Tisch herum gepflogen wurde, gaben bereits von der Wirkung des Getränkes Zeugniß. Ein lautes Räuspern des Onkels Oberlehrer, der seit seine? erzieherischen Unterhaltung mit Adolfchen still vor sich niedergeblickt hatte, kündigte an. daß er gesonnen sei. die Gesellschaft durch eine Rede zu erfreuen. Es follte wohl eine Entschädigung für die aus gebliebene Deklamation seines Sohnes HU.

Mit wohlberechneter Pose nahm der würdige Herr in dem Thürrahmm zwischen den beiden größten Zimmern Aufstellung und begann in gewählten Worten eine Uebersicht über das Ansehen und die Behandlung der Frauen seit den ältesten Zeiten zu geben. Die Verhältnisse der vorgeschichtlichen Vergangenheit streifte er nur flüchtig, verweilte aber mit um so größerer Ausführlichkeit bei den Zuständen der zendischen Arier, die er frei nach dem Zendvaesta des weisen Zoroaster behandelte, kam dann auf die Alt-Assyrer und schlug sich durch die Perser und Phöniker allmälig zu den Juden, Griechen und Römern durch. Während der ersten Viertelstunde seines Vortrags ließ die AufmerksamNeit der Hörer kaum etwas zu wünschen ! übrig. Besonders Herr Künsemüller ' nahm nicht nur im Stillen den wärmsten Antheil an den lehrreichen Schi!- . z derungen, sondern suchte durch lebhafte .Bekundung seine Heiterkeit an allen ihm nur irgend dafür geeignet scheinen'den Stellen der Rede, sowie foircf n gelegentliches Hört, hört!" auch ine übrigen Gäste zu gleicher Begeisterung anzufeuern. Karlchen, dem auch dieses Beginnen seines erwählten Vorbildes mächtig imponirte, erhielt leider für eine recht gut gelungene Nachahmung dieses Zwischenrufes, der doch selbst in den wichtigsten ' Parlamentsvcrhandlunzen unzerügt. hingenommen wird.

vom Vater eine schallende Ohrfeige,' worauf er schamhaft in einer Ecke des

Wohnzimmers verschwand. Wahrend des weiteren Verlaufes der kulturqeschichtlichen Rede des Herrn Oberlehrers wurde Herr Künsemülle? jedoch immer stiller. Wie in ernsiem Sinnen sank das lockige Haupt auf die Brust herab, bis endlich ein langgezogener kräftiger Schnarchton sich aus der Tiefe seines Innern losrang. Der Redner schien das als eine Mahnung zu möglichster Kürze aufzu fassen; obwohl er erst bis in die ersten Anfänge der karolingischen Zeit gekommen war. führte er mit einem ziemlich unvermittelt auftretenden Hoch auf das deutsche Haus im Allgemeinen und die Familie der Braut im Besonderen einen etwas gewaltsamen Schluß herbei. Von dem Geräusche des Hochrufens und Anstoßens erwachte auch Herr Künsemüller. Anfangs über die Situa iion nicht ganz .im Klaren, verlangte er nach dem Kellner, um zu zahlen. fand sich dann aber schnell und sicher in di: obwaltenden Zustände und stieß wacker nach allen Seiten mit. den übrißen Festgästen an. Dem Redner sprach er noch ganz speziell seine Anerkennung wegen der famosen Rede aus, was dieser jedoch mit kühler ZurückHaltung aufzunehmen schien. Die Bowlen waren inzwischen bis auf die Raaclprobe geleert, weshalb sich nun der Bräutigam unter Assistenz einige? kundiger Freunde an das Vierfaß machte. Beim Einschlagen des avfhahns konnte es natürlich nickt fehlen, daß einige der jungen Damen. die wißbegierig ren Herren aus den engen Vorplaß gefolgt waren und nun eine onmuthigc Korona um das Jag und die daran Hanhrenden bildeten. von umherspritzenden Bierstrahlen getroffen wurden.' Namentlich Klärchen Fröhlich bekam einen recht erheblichen Schuß über ihre neue seidene Bluje. deren zartes Rosa für Flecken besonders empfänglich zu sein schien. Nur mühsam qelang es den qemeinschaftlichen Versicherungen aller jungen Herren, daß Bier nicht flecke, die beforgte Jungfrau einigermaßen zu beruhigen. Als dann die schaumenden Bierglaser die Gesellschaft wieder um die verschiedenen Tische versammelt hatten, wurde das kleine Malheur bald vergessen. Rudolf Künsemüller aber konnte angenchts seines Liebnngsgetrankes nun ünmöalick länaer an sick Kalten. Mit einem laut in die Gesellschaft hin-. mingerufenen Silentium! stieg er auf seinen Stuhl und hielt eine fulminante Vierrede, die damit anfing. daß es bei jedem Lebewesen lediglich an der Ernährung liege, ob es sich zu einem Walroß oder zu einer Stopfnadel au-wachse, und an deren Schlüsse er die Feftgenoen aufforderte, dem merehrlichen Brautpaare einen kraftigen Salamander zu reiben. Wenn auch mancherlei burschikose Wendungen im Verlaufe der Rede dem Herrn Kanzleirath durchaus nicht am Platz? dünkten, so hatten die jungen Damen um so mehr Freude an der Sache, besonders an dem Salamander, der erst einmal zaghaft zur Probe, dann aber mit voller Energie unter Herrn Künsemüllers schneidigem Kommando zur Ausführung kam. Es waren dabei nur drei Gläser in die Brüche gegangen, worüber Herr Künsemüller die etwas scheel blickende Brautmutier mit der Versicherung zu trösten suchte, daß der nächste schon besser. klapven werde. Am Tische des jungen Volkes jagte nun eine neue Unterhaltung bie andere. Einer der Herren war unerschöpflich und unermüdlich in der Vorführung von allerlei allerliebsten Schnurrpfeifereien. Wie man aus einer Serviette einen beweglichen Hasen bilden, wie man ein Geldstück auf dem dünnen Rande eines Weinglases balanciren, wie man mit Streichhölzchen die amüsantesten Legespiele ausführen kann alles das und noch eine Menge andere? lustiger Sachen zeigte er mit der Gewandtheit eines geübten Taschenspielers.. .Während nun der ganze Tafelkreis mit Aufme?ksam!eit den niedlichen Spielereien folgte, war es auffallend, daß bald das eine, bald das andere der jungen Mädchen plötzlich aufzuckte und dann, halb verlegen, halb mißtrauisch auf seine nächste Nachbarschaft blickte. Einige rückten dabei auch etwas vom Tische ab end zogen die Füße ängstlich unter ihren Stuhl. Eine Erklärung fand ds seltsame Gebaren, als plötzHerr Künsemüller aufsprang und behauptete, entweder müsse ein Hund sich unter 'dem Tische aufhalten, oder es müsse in der Wohnung Mäuse geben. Soeben sei ihm etwas Lebendiges über den Fuß gelaufen. Bei dem Worte Mäuse" fuhren selbstverständlich sämmtliche junge Damen auf's Aeußerste erschreckt in die Hohe und suchten, um sich in Sicherheit zu bringen, höher gelegene Standörter zu .gewinnen, meistens den Sitz ihres Stuhles. Noch bevor aber die letzten Gäste des Altentheils" so hatte man die beiden kleineren Zimmer ihrer zeitweiligen Insassen wegen genannt bevor also die letzten Altentheiler" den Schauplatz des Aufruhrs erreichen konnten, war das Räthsel schon aelöst. Die Lösung hieß Karlchen. Da man doch wegen einer väterlichen Ohrftige. und sei sie noch so wohlgerathen, nicht zeitlebens den Gekränkten svielen und die menschliche Gesellschaft, in der an diesem Abende noch dazu sogar Pudding und Obft zu

erwarten war, meiden konnte, so hatte der strebsame Knabe nach seinem früheren Untertauchen in der Ecke neben dem Sopha Mittel und Wege gesucht, sich wieder mit der Außenwelt in Verbindung zu setzen. Am die Anknüpfung in zarter Weise zu vermitteln, schien ihm der verborgene Raum unter dem langen Ausziehtische ungemein geeignet, weswegen er von seinem Schmollwinkel aus dorthin gekrochen und dabei mit den Füßen der Umsitzenden in eine wohl nicht immer ganz ungewollte Berührung gekommen war. Jetzt hatte ihn der Vater' beim Ohre hervorgezogen und schickt? ihn. eine endgiltigeAbrechnung für den kommenden Tag in Aussicht stellend, vorläufig zu Bette. Um den Eindruck dieses Zwischenfalle) zu verwischen, bemühten sich namentlich die jungen Herren sehr, durch mancherlei amüsante Unternehmungen den Geist der Befangenheit zu bannen.' In seinem Eifer und offenbar auch in momentaner Verkennung dcr Situa-

tion ließ sich Freund Rudolf sogar hinreißen, das Wirthshaus an der Lahn" in Vorschlag zu bringen, als es sich um ein gemeinschaftlich zu singendes Lied handelte, worauf er von seinen Freunden mit besonderer Aufmerksarnkeit behandelt und in möglichst weiter Entfernung von dem noch immer fröhlich rinnenden Vierfasse gehalten wurde. Allein die frühere ungezwungene Stimmung wollte weder durch In einem kühlen Grunde" mit Rädergeklapper und täuschender Nachahmung des Mühlbachrauschens durch Reiben alter Zeitungen auf dem Fußboden, noch durch lebende Rebus" und dergleichen Gesellschaftsspiele sich wieder herstellen lassen. Karlchens Rückzug aus dem festlichen Treiben, so unec, wartet und unfreiwillig er sich vollzogen hatte, mußte wohl auch in den übrigen Gästen die Sehnsucht nack Ruhe erweckt haben, denn mit Eifer wurde bald von diesem, bald von jenem die Uhr gezogen, und als der Oberlehrer bald darauf erklärte, daß er nun für sich und die Seinen die Zeit der Heimkehr gekommen erachte, zumal man doch am morgigen Hochzeitstage wiederum größerer Nervenanspannung entgegensehe, da war sofort der allgemeine" Aufbruch im Gange. Nach einigem Suchen hatten alle ihre Garderobestücke zusammengebracht, wobei der Herr Oberlehrer allerdings nicht mit Unrecht ungehalten wurde über die groß: Beule in seinem Cylinderhute, den einer der jungen Herren im Laufe des Abends ohne Wissen des Eigenthümers zu einem hübschen Zauberkunststückchen gebraucht hatte. Mit Händeschlltteln und gegenseitigen Danksagungen wurde dann an der Vorplatzthür das Abschiednehmen betrieben. Herrn Künsemüller passirte dabei der kleine Irrthum, daß er die Braut mit der Frau Kanzleiräthin ver wechselte, und der erröthenden Adel? über die Zukunft ihrer Tochter an der Seite seines Freundes Gustav die beruhigendsten Versicherungen gab, da dieser ein sehr forscher Kerl sei und sich Nicht an die Wimpern klimpern lasse. Endlich waren Alle draußen; auch der Bräutigam war nach emer kleinen Welle den Gasten gefolgt. In den Zimmern öffnete man die Fenster, damit, der kalte Cigarrenrauch sich nicht gar so unaustilgbar in den Vorhangen und Mobelbezugen festsetzen sollte, während der Kanzleirath mit starren Blicken auf das Bild der Verwüstung sah, das seine sonst so nette und peinlich ordentliche Wohnung in diesem Augenblicke darbot. Die Bierncigen und Bowlenreste in den überall umherstehenden Glasern, die Aschenbecher mit den halb ausgerauch ten Cigarrenstummeln, die Rückstände von Obit und Mandeln auf den Tellern, die wüste Unordnung der Stühle. die beim Aufbruche willkürlich durcheinander geschoben waren ein entsetz licher Zustand, der den pedantischen Herrn fast wie ein körperlicher Schmerz berührte. Indeß die weiblichen Familienglie der sich mit der trinkgeldfrohen Dorette um die Wette muhten, mtt und da schnell noch etwas Ordnung in das schauervolle Chaos zu bringen, spitzten sich Herrn Wendemuths stille Betrachtungen zu dem laut und energisch ausgesprochenen Entschlüsse zu: Niemals wieder ein Polterabend! Aber, Vater," versuchte die Gattin mit einem vielsagenden Blick auf die geschäftige Frida einzulenken, bedenke doch" Das ist Alles bedacht und. ein- für allemal abgemacht, schnitt der Kanz leirath jeden Einspruch ab; Frida wird ja außerdem Lehrerm. Die auf so kategorische Art zum Cö libat verurtheilte Jungfrau schien die Aeußerungen des Vaters ganz zu über hören. Aber es schien nur so, denn innerlich dachte sie: Wer weiß!" und dabei schwebte ihr das schnurrbärtige Gesicht eines schneidigen Postassistenten vor. scnne:oergeielle als Einjähriger. In Döbeln, Sachsen, wurde einem Schneidcrgesellen Namens Kühnau in Anbetracht seiner hervorragenden Leistungen bei der abgelegten Gesellenprüfung der Verechtigungsschein zum einjährig-freiwilligen .Militärdienst Zuerkannt. ?ceu-uo-Äi;azes. Vluttra lien, hat zur Hebung der Einwänderung aus England 50 Farmen von 200 bis 300 Acker ausgesetzt, welche den ersten besten Applikanten unter den günstigsten Zahlungsbedingungen (SO bis 73 Cents per Jahr für einen Ncker) zugetheilt werden sollen.

(ltt griechisch. rttmättischerCottflikt.

Noch vor wenigen Jahren, nach der Zusammenkunft der Könige von Griechenland und von Rumänien m Abbazia und nach dem Besuche der rumänisehen Studenten in Athen, fehlte nicht viel am Zustandekommen eines Vündmsses der' zwei nichtslawischen christ lichen Staaten der Balkanhalbinsel. Heute ist es nur die geographische Lage, die dem Abbruch des diplomatischen Verkehrs zwischen denselben Staaten nicht auch den Ausbruch emes Krieges folgen läßt. So sehr dieser plötzliche Wechsel in den politischen BeZiehungen der beiden civilirtesten Länder der Halbinsel auch zu bedauern ist, da vielleicht ein Bündniß das unglückliche Macedonien in den letzten Jahren von manchem Unheil verschont hätte, so war er doch .schon längst vorauszu sehen dank der thörichten Politik Ru. mäniens in der macedonischen Frage. Diese Politik, die mit aller Gewalt neben den griechischen, bulgarischen und serbischen Ansprüchen auf das Vaterland Alexanders des Großen auch solche rumänischer Art schaffen wollte, ist es, die die heutige Spannung zwischen Athen und Bukarest herbeigeführt hat. Es ist zwar nicht zu leugnen, daß ein Theil der kutzowallachischen Bevöl kerung der europäischen Türkei des Streitobjektes rumänischer Abstam nmng und Gesinnung ist. Wenn man aber bedenkt, ' daß die Kutzowallachen an Zahl' sehr hinter den Griechen und den Bulgaren zurückstehen, und daß mehr als einmal von verschiedenen Gelehrten und Politikern nachgewiesen ist, daß der größere Theil derselben griechisch fühlt und spricht, so darf man sich nicht wundern, daß sogar Rumänen in hoher amtlicher Stellung, der Stimme des Gewissens gehorchend, der Wahrheit die Ehre gaben und Lffentlich erklärten,' daß die rumänische Regierung mit ihrer Propoganda unter den Kutzowallachen von Macedonien und Epirus absolut nichts erreichen würde, und daß das viele Geld viel besser zu anderen Zwecken verwendet werden könnte. Zu diesen aufrichtigen Männern, die nur das Beste für ihr rumänisches Vaterland im Auge hatten, geHort Haret, der im Jahre 1901 als damaliger Kultusminister in der Kammer offen erklärte, daß unter der kutzowallachischen Bevölkerung Makedoniens und Epirus keine natio-nal-rumänische Gesinnung herrsche. Es ist nicht zu verwundern, daß ein Staat (in diesem Falle Griechenland), der es für eine seiner höchsten Pflichten hält, für das Wohl seiner Landeskinder im Ausland zu sorgen, die diplomatischen Beziehungen bricht mit dem Land, das nicht nur in einem dritten Staat durch alle nur möglichen Mittel eine ihm nicht angehörende Bevölkerung auf seine Seite zu bringen sucht, sondern das auch innerhalb der eigenen Grenzpfähle die Unterthanen des schon beleidigten -Sraates schwer bedrückt, wie es im vergangenen Sommer Rumänien that. Als es seine Pläne in Macedonien und Epirus infolge des Widerstandes der dortigen griechischen Bevölkerung scheitern sah, wies es viele von den im Lande lebenden griechischen Unterthanen aus, und zwar Personen, die sich gar nichts hatten zuschulden kommen lassen. Die rumänischen Behörden sahen ruhig zu, wie die griechische Flagge auf offener Straße vom Pöbel zerrissen wurde, griechische Geschäfte in der Hauptstadt Rumäniens demolirt und dem blühenden griechischen Handel in den rumänischen Städten, besonders an der Küste des Schwarzen Meeres, alle möglichen Hindernisse in den Weg gelegt wurden. Griechenland hat also nur das gethan, was kein anderer Staat unterlassen hätte: es hat einfach den diplomatischen Krieg an Rumänien erklärt. Neuerdings macht nun die rumänische Regierung und Presse und ein Theil der ausländischen Presse Hellas den Vorwurf, daß griechische Banden an der rumänischen Bevölkerung der Türkei schwere Grausamkeiten verüben. Auch dieser Vorwurf, falls überhaupt etwas Wahres . daran ist, ist nicht so tragisch zu nehmen. Auge um Auge, Zahn um Zahn." Im Königreich Griechenland gibt es nur ganz wenige Rumänen, denen man mit denselben Repressalien erwidern könnte. Das Natürliche wäre also, wenn die Griechen sich an den rumänischen Kutzowallachen. in Macedonien und Epirus schadlos zu halten suchten. Die griechische Regierung und der Verband Hellenismos" handeln somit nur nach dem Grundsatz der nationalen Selbsterhaltung, falls sie wirklich im Geheimen oder offen die griechische Bandenbewegung unterstützen. BerufSänderung. Geheimraths Fritz besucht zum ersten Male die Vorschule. Nachdem zunächst die Namen der kleinen Schüler vom Lehrer notirt worden sind, wird an einen und den anderen die Frage gerichtet, für welchen Beruf er sich entschieden habe. Fritz antwortet auf die Frage: Droschkenkutscher"! Zu Hause angekommen wird er von seinen Geschwiste'rn ob dieses seltsamen Entschlusses gründlich ausgelacht. Ganz verstört vor Aufregung kommt er am nächsten Morgen gleich zum Lehrer gelaufen: Herr Lehrer, ich habe gestern gesagt, daß ich Droschkenkutscher werden will, acht das noch u ändern .

lur immer schlau. Humoreske von Hugo Just. .Morg'n, Felix!" rief der ganze Stammtisch. Kommst Du' auch einmal wieder zum Frühschoppen? Hast Dich lange nicht beaugapseln lassen." Aber Kinder," entgegnete der Angeredete und ließ sich im Kreise der Eommilitonen nieder, wenn man vor dem Ezamen steht, furchtbar pauken und sich nur zu oft sagen muß: Was ich nicht weiß, macht mir jetzt heiß!" Freilich, freilich!" riefen einige. Hast Du denn Deine sieben Sachen so ziemlich intus?" 's schleicht. Mein Einpauker hat ja seine Schuldigkeit gethan, und es ist auch so manches im Schädel sitzen geblieben." Ohne durch das dazu ngebrachte Siebbein wieder herauszurutschen," warf ein Mediziner ein. Aber nur mit einem steht's faul," fuhr Felix fort, mit dem Staatsund Kirchenrecht." , , Prüft das nicht der alte Wurzelmann?" fragte einer. . Allerdings." Da sieh Dich vor, das ist kein Guter!". rief ein anderer, ein sehr gelehrtes Haus, aber er hat seine Mucken und soll nach Gunst und Laune prüfen." . Und das weißt Du ja," ergänzte ein dritter, daß es beim Examen meist auf die Art ankommt, in der gefragt wird." Kinder," sagte Felix, schlau muß der Mensch sein. Bin ich- auch im Staats- und Kirchenrecht nicht ganz firm, so denke ich docr mit dem alten Wurzelmann auszukommen." So? Bist Du ihm besonders empfohlen?" ' ' Das nicht. Aber als ich noch das Gymnasium in Berlin besuchte, war ich mit seinem Neffen befreundet und verkehrte auch im Hause seines Bruders, der Kammergerichtsrath in Berlin ist." Das ist allerdings eine Empfehlung," riefen einige, das muß den alten Kauz milde stimmen." Wechselst Du mit dem Neffen noch Briefe?" fragte einer. Felix verneinte und sagte dann mit seinem pfiffigsten Gesicht: Diskretion, Kinder!" Selbverständlich!" rief alles. Ich bin ja mit den Leuten schon längst auseinander, ich hatte mit dem Sohne einen Streit, der mit Ohrfeigen endigte. Das Einzige, was ich weiß, ist, daß der letztere in Jena und Göttingen studirte. Aber nur immer schlau! Natürlich erzähle ich dem Alten, daß ich mit seinem Neffen correspondire und daß ich mir jedesmal, wenn ich nach Berlin komme, die Ehre gebe, seinen Bruder, den Herrn Kammergerichtsrath, aufzusuchen u. s. w."

Em chlaulop! rief der ganze Kreis lachend. Der wird's dem Alten zeigen. Famos!" Feli hielt sich heute nicht ' lange mehr aus, sondern ging bald davon, um noch zu ochsen, wie er sich in zarter Weise ausdrückte. Am nächsten Tage stellte er sich dem Professor Wurzelmann vor. Dieser, ein wunderlicher, wegen seiner Launen allgemein bekannter Hage stolz, nahm den jungen Mann ohne sonderliches Interesse auf. Als ich noch das Gymnasium zu Berlin besuchte," sagte Felix, hatte ich die Ehre, im Hause Ihres Herrn Bruders, des Herrn Kämmergerichtsraths, verkehren zu dürfen. So, meines Bruders?" Der Professor verzog bei diesen Worten sem runzeliges Gesicht, über welches die Haare wie ein Dach herüber hingen, gar sonderbar. Ihr Herr Neffe ist ein Schulfreund von mir, ich darf wohl sagen. ein intimer Freund. (Bis auf die Ohrfeigen, fügte er imShllen hinzu.) Wir correspondiren noch immer. So, so," sagte Wurzelmann schon halb freundlich. Jedesmal, sobald ich i den Ferien nach Aerlin komme, nehme ich mir die Freiheit, Ihren Herrn Bruder aufzüsuchen." Bei diesen Worten zuckte der Pro fessor mit dem ganzen Gesicht, etwa so, als ob ihn Jemand aus Versehen mit einem Spazierstock unter das Auge gestoßen hätte. Er schien etwas sagen zu wollen, doch begnügte er sich wieder mit emem so, so! Was mackt denn ixt für Faxen?" dachte sich Felix. Doch jetzt nur flott weiter gesohlt! Der Herr Kammergerichtsrath, fuhr er fort, ist stets so gütig, mich immer zu erneuten Besuchen auszufor dern." Schön, schön," machte Wurzel mann. ' Ihr Herr Bruder war so liebens würdig, für den Fall, daß ich die Ehre hätte, Ihnen, Herr Professor, meine Aufwartung zu machen, mir seine herzlichsten Grüße aufzutragen." Besten Dank!" sagte Wurzelmann. Es ist mir ungemein erfreulich," fuhr er dann in wohlwollendem Tone fort, in Ihnen einen so treuen und aufrichtigen Freund meinesBruders und Neffen kennen gelernt zu haben. Wenn es möglich ist, daß ich Ihnen in irgend einer Weise behilflich sein kann, so soJ es gern geschehen ganz nach Verdienst, ganz nach Ihrem Verdienst." Damit entließ den Hocherfreuten. Der Tag des Examens war gekommen. ' Felix schwitzte und stöhnte unter Lebensmüh", um mit Hamlet zu

reden, aber e8 ging unter Hangen und

Würgen doch vorwärts. Zwar schrie jetzt die .schauerliche Bummelei" der ersten Semester, nach Rache, aber der 5vellnquent pardon! Examinand hatte tüchtig eingepaukt, und so schien alles gut oder wenigstens leidlich auszugehen, wenn ihm Wurzelmann heraushalf, der gegen das Ende hin prüfen sollte. Der aber ließ ihn aewiß nicht im Stiche, da er ihn doch mit freundlichen, tröstlichen Worten entlassen hatte! Felix war ev. beim dritten Schweißtuch anaelanat. als der Professor an die Reihe kam. Gottlob! Ter mnge Mann athmete auf. Der alte, wunderlicheProfessor, des sen vom Haardach überschattetes Runzelgesicht heute ein seltsames Muskelspiel produzme, beantwortete die tiefe Verbeugung des Examinanden mit einem freundlichen Nicken. Er that eine Frage Felix blieb stumm. Er that eine zweite Frage Felix öffnete den Mund, schnappte nach Lust uno blieb stumm. . So ging es fort. Jedermann Im Pfand, und der Examinand am innigsten, daß der Professor die denkbar schwierigsten, die ausgesucht knisflichsten Fragen stellte. Alle diese Fragen beantwortete Felix mit dem Schweigen eines Grabes, in dem ein todter Fisch ruht. Nur einmal rasfte er sich auf und gab, durch trügerische Luftgebilde verleitete, eine so confuse und lustige Erklärung, daß sämmtliche Anwesenden nur mühfam einen lauten Ausbruch der Heiterkeit unterdrückten. Wurzelmann hatte heute seinen grilligen Tag, das mußte jeder zugeben. als sich der Professor mit sonderbarem Gesichterschneiden zurückgezogen hatte. Während deö letzten desExamens bewies Felix die Besttmenheit tu nes Menschen, der mit einer Axt oder derlei passenden Instrumenten vor die Stirn geschlagen ist. . Das Resultat war daher einheitlich und klar: der Examinand war mit Glanz und Glorie durchgefallen. Wie kam es, daß der Professor, der sich neulich so wohlwollend gezeigt, heute so ganz andere Saiten aufgezogen? Dieses. Räthsel verdrängte im derwirrten Haupte des. Examinanden für einen Augenblick seine wohlberechtigts Zerknirschung. Als Felix in geknickter Haltung den Saal verlassen wollte trat der Professor Wurzelmann auf ihn zu und gab ihm ein zusammengefaltetes Papier. Lesen Sie," sagte er ruhig, lesen Sie das roth roth Angestrichene zu freundlicher Belehrung!" Felix entfaltete draußen das Papier. Es war ein drei Jahre altes Berliner Zeitungsblatt. -Bald fand er das.roth Angestrichene, eine Traueranzeige. Aus dieser erfuhr aber der erstaunte Schlaukops, daß der Kammergerichtsrath Wurzelmann zu Berlin bereits vor drei Jahren verstorben war. Vertraulich.

Hawaii'sche Dienstboten .sind die besten der Welt," sagte eine Dame, die in dieser Beziehung Erfahrung hat, , aber sie sind schrecklich naiv. So können sie es sich zum Beispiel nicht abgcwöhnen, die Herrschaft mit dem Bornamen anzureden. Unser Koch sagt zu meinem Gatten nicht anders als Ja, John", oder Allright John", und zu mir Schön, Anna", oder Anna, ich geh' jetzt aus". Schließlich wurde ich dessen überdrüssig und sagte meinem Mann, wie wir einen neuen Koch ev gagirten: John, ruf mich in Gegen- ' wart des Kochs nie bei meinem Vor--namen; dann wird er mich doch nicht anders als Madame" anreden können, wenn er meinen Vornamen, nicht weiß." John richtete sich darnach, nannte mich einmal Schatz", das andere Mal Liebchen" und dergleichen, und der Koch, ein sonst geweckter Mensch, gab mir überhaupt keinen Titel. Eines Tage5 hatten wir Gesellschaft, ein paar englische Offiziere; ich erzählte ihnen, wie ich in Bezug auf die erwähnte Eigenheit mit unserem Koch fertig geworden, und sagte: Bei diesem Koche werden Sie nicht hören, daß er mich mit dem Vornamen anspricht." , In diesem Augenblicke kam der Koch ins Zimmer, verbeugte sich respektvollst und sagte: . ,.4 Schatzchen, das Dinner ist fertig.?.?Was?!" stammelte ich. ' Das Dinner ist fertig, Liebchen," sagte der neue Koch, und ich wußte nicht, wohin ich vor Verlegenheit blicken sollte.

Unartig aufrichtig. Mutter (einer heirathyähigen Tochter): Sie wollen also meine Tochter nicht heirathen?" junger Mann: Nein, das Fräuleins d'arf nur ein Offizier heirathen. :nn dazu gehört besonderer Muth."' Derrichtige-Prasident. Führer (der Deputatic): Und so erlauben wir uns Euer Hochwohlgeboren zu bitten', das Präsidium unseres Vereins gegen Alkoholismus gütigst anzunehmen." Baron: Ich nehme dankend Ihr Anerbieten an und werde rjoch halt meine Herren, ein Glas Kognak wird ja jeder von Ihnen trinken Johann, eine Flasche Kognak!" . . . . ,

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