Indiana Tribüne, Volume 29, Number 101, Indianapolis, Marion County, 20 December 1905 — Page 7
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! ' Polterabend.
T, jurncrtshc von IDilhclin jrrrking. , Groß: Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus und bei einer Hochzeit heißt der letzte dieser vorausfallenden Schatten Polterabend. Kanzleirath Wendemuth, stand vor einem solchen Ereignisse, das den stillen und etwas pedantisch geführten Hausbalt des Beamten In einen unglaublichen Zustand versetzte. Scfo die vorhergegangene Zeit seit Adelens Verlobung hatte ja allerhand Unruhe mit sich gebracht. Herr Gustav Spannold, ein junger MaschinenIngenieur, wollte anfangs mit seinen noch etwas studentischen' Manieren nicht recht in btn ruhigen Verkehrston der Familie passen, und der würdig? Kanzlcirath mußte oft genug an sich halten, um nicht über ein burschikoses Wort, über eine mit seinen eigenen Ansichten wenig hannonuende Lebensanschauung aufzufahren. Was thut man aber nicht für das Glück feiner Kinder! Und gut, herzensgut war der junge Mann ja ohne Zweifel, eine sichere Stellung hatte er als leitender Ingenieur einer aufblühenden Maschinenfabrik ebenfalls und so konnte man nach menschlichem Ermessen für ihn und seine Auserwählte einer gesicherten Zukunft entgegensehen. Eine solche Partie will viel sagen für die Tochter eines Beamten, bei dem es mit den Glücksgütern nur sehr schwach bestellt war, und deshalb' nahm ber gute Kanzleirath diese und jene Eigenheit seines künftigen Schwiegersohnes geduldig mit in den Kauf. Jetzt stand also der Polterabend bevor, der dem Herkommen gemäß in der Wohnung der Brauteltern gefeiert werden sollte. Seit Wochen schon waren die Vorbereitungen für diesen wichtigen Tag im Gange. Die Frage der Bewirthung war allerdings leicht erledigt: einige große Schüjftln Häringssalat und sonstige kalte Beilagen, dazu als Getränk einige Bowlen und später echtes dunkles Vier, für schwache Gernüther auch eine Tasse Thee das ist das feststehende bürgerliche Polier-abend-Menu, von dem man auch bei Kanzlciraths nicht abging. Aber die Herrichtuna der Raume zum Empfange so viele? Gäste da lag die SchwierigZeit. Man hatte ja die Einladungen beschränkt, so viel nur irgend anging; indessen die Verwandtschaft konnte bis zu einer gewissen Grenze nicht gut übergangen werden, und ebenso mußtz man Adelens Jugendfreundinnen einladen, schon als Brautjungfern zum Kirchgange, und für diese waren wieder junge Herren erforderlich als TischHerren und Tänzer. So kamen denn doch reichlich vierzig Personen zusam"men, und die in einer Wohnung von fünf Zimmern einigermaßen behaglich unterzubringen, ist keine Kleinigkeit. Im Wohnzimmer konnten schlimmsten Falls sechzehn Personen zu Tische sitzen, wenn man den Schreibtisch des Zausherrn hinaus brachte und nach der Fensterseite zu an den großen Ausziehetisch noch einige kleinere Tische anbaute. Bei der Konfirmation der beiden Aeltesten war es auch so gemacht worden und recht gut gegangen, wenn auch der angebauten Tische wegen das eine Viertel der Tafelrunde den Platz nicht verlassen konnte, ohne daß der übrige Theil der Gesellschaft ebenfalls aufstehen mußte. In dem anstoßenden kleineren Raume, wo gewöhnlich die Mahlzeiten eingenommen wurden und den daher Frau Kanzleirath gern mit dem hochtönenden Namen Eßzimmerbelegte, konnten zur Noth zwölf Gäste untergebracht werden, und so sehr sich der Kanzleirath gegen eine vollständige Nmkrempelung der Wohnung sträubte, so mußte doch auch das dann folgende .Kinderzimmer mit in den Betrieb der Polterabendfeier hineingezogen werden. Die Betten der beiden Kleinsten vertheilte man dabei wohl am besten auf das Schlafzimmer der Eltern und das kleine halbdunkle öofstübchen, das den beiden ältesten Töchtern als Schlafräum diente, und zwar sollte Karlchen, der Sextaner, bei den Eltern Unterschlupf finden und die dreizehnjährige Mimi bei den Schwestern. Kachdem solchergestalt auch der Schauplatz für die Feier bestimmt war, konnte man an das Arrangement im Einzelnen denken, woran sich, da sowohl die beiden Kleinsten wie - auch Frida, die das Lehrerinnenseminar besuchte, eben Herbstferien hatten, die ganze Familie betheiligte. Einiges Geschirr, drei Tischlampen und einen Armleuchter entlieh die Kanzleiräthin zur Ergänzung des eigenen Inventars von Bekannten und Verwandten, zwei Ausziehetische und zwei Dutzend Wiener Stühle besorgte ein M'öbelverleihinstitut für eine billige Miethe; dann wurden noch einige Bilder aus der Wohnstube in das Kiaderzimmer gehängt, wo, an dem Platze des auf den Bodei?überfllhrten Bücherbörtes und über Karlchens Arbeitspult die Tapete sehr abgescheuert war, und als nun am Spätnachmittage der schön bräunlich schimmernde Kalbsbraten in mundgerechte Scheiben zerlegt war, die beiden mächtigen Häringssalatschüsseln eine schöne Garnitur von Petersilie empfangen hatten und neben den hohen Stößen geschnittenen Schwarzbrodes auch die Assietten mit halbirten harten Eiern, Sardellen, Zunge, Mettwurst und Schinken bereit standen, meinte dn Kanzleirath, man könne nun mit Ruhe den kommenden Dingen ent-gecensehen.
Das war allerdings nur eine Redensart, denn mit der Ruhe war es vorbei, als gegen Abend zum ersten Mal die Vorplatzglocke erklang und Torette. die geschäftige Hausmagd, ein umfangreiches Packet mit einer schönen Empfehlung von Herrn und Frau Soundso einabändiat bekam. Ein Polterabendgeschenk. Ja richtig daran hatte man im
Laufe der aufgeregten letzten Tcge gar richt mehr gedacht! Natürlich lies die ganze Familie zusammen. um der feierlichen Enthüllung des Lilör-Services beizuwohnen, und der Bote, der in der halboffenen Vorplatzthür stehen geblieben war, mußte sich erst wiederholt räuspern. bevor der Herr Kanzleirath s ch semer Trinkaeldvcrpflichtung als 5.ochzeitsVater erinnerte und ihn durch em FünfZigpfennigstück ablohnte. Im Triumphe wurde dann das reizende Service, das aus einer in Metall gefaßten. Flasche und zwölf geschliffenen Gläsern bestand, in die Wohnung getragen, um auf einem schnell arrangirten, weißgedeclten Tischchen Parade-Aufstellung zu finden. Und nun, nachdem der Bann einmal gebröchen war, wurde des Klingelns lein Ende. Immer neue Boten erschienen mit inhaltreichen Sendunaen, bis schließlich neben dem ersten noch vier andere Likör-Service auf dem Gabentische prangten, ems immer noch zierlicher als das andere, und außerdem sieben silberplattirte Kuchenkörb?, vier Tischlampen, drei große japanische Basen, fünf Butterglocken mit KühlVorrichtung und eine Menge anderer, nicht weniger ansehnlicher und nützlicher Gegenstände. Inzwischen war auch der glückliche Bräutigam eingetroffen , und äußerte über die Fülle der Geschenke seine Freud: in einer Weise, die dem Kanzleirath nicht ganz passend vorkam. Besonders schien es ihm ungeheuren Spaß zu machen, daß für jeden Wochentag in seinem künftigen Haushalte ein besonderer Kuchenkorb reservirt werden könne, und daß man seiner Neigung zu einer gelegentlichen Hcrzstärkung durch die stattliche Versammlung von sechzig Schnapsgläsern so ausgiebig Rechnung getragen habe. So war es unter den mancherlei Aufregungen des Staunens, des FrcuenS und Bewunderns schon fast Abendbrodszeit geworden, als noch einmal die Vorplatzklingel schrill ertönte. Diesmal war es der Postbote. der mit einem umfangreichen Kollo in die Erscheinung trat. Aus Lübeck." sagte der mittheilsame Beamte, indem er den für Bemerkungen bestimmten Streifen der Packetadresse abtrennte, und: Von Tante Adele!" erscholl es einstimmig im Kreifc der Familienglieder. Tante Adele war zugleich der Stolz und der stille Verdruß der Verwandtschaft. Stolz war man auf sie, weil 'sie als Wittwe eines Schlächtermeisters und mehrfachen Hausbesitzers , einen in's Sagenhafte gehenden Reichthum besitzen sollte, von dem sie jedoch, obgleich selbst kinderlos, bislang weder dem Bruder Kanzleirath noch dessen Töchtern gegenüber irgend welche praktische und erfreuliche Verwendung gemacht hatte. Darum war auch ihre Absaoe zur Hochzeitsfeier ihrer Nichte Adele, die zugleich ihr Paihenlino war, von Allen insgeheim als eine schnöde Umgehung des Hochzeitsgeschenkes ausgefaßt worden. Um so angenehmer überraschte jetzt die große Kiste, die protzig und vielverheißend inmitten des Familienkreises auf dem Fußboden des Vorplatzes dastand. Schon wollte das vorwitzige Karlchen. um einen Angriffspunkt zum Oeffnen zu erspähen, sie mit Gewalt umlernten, als die Mutter ihm erschreckt in den Arm fiel und mit Hinweis auf die Votschaft des Adressenabschnitts größte Schonung gebot. Die warnende Inschrift lautete: Inhalt zerbrechlich, darum Vorsicht beim Aufmachen!" Nun war es natürlich allein Sache des Vaters, das verantwortungsreiche Werk, zu beginnen, und nach, einiger Ueberlegung gebot er, Hammer, Kneifzang: und Stemmeisen zu holen. Karlchen, an dem dieser ehrenvolle Auftrag hängen geblieben war, kam jedoch nach längerer Zeit mit der Meldung zurück,daß derNagelkasten, worin die verlangten' Geräthe aufbewahrt wurden, nicht aufzufinden sei. Das Sckuhbört der. Kinder, in welchem der Kasten seinen Stammplatz hatte, fei von Dorette beim Ausräumen des Kinderzimmers auf den Boden getra gen worden, von dem Nagelkasten aber wisse sie mchts. Für den ordnungsliebenden Kanzleirath war das eine seh? anstößige Meldung. In dem Haushalte eines Beamten mußte man jederzeit über den Aufenthalt jedes einzelnen Stückes Hausrath Bescheid wissen, auch am Polterabend der Tochter so etwa lautete in's Wörtliche übersetzt die abfällige Meinung, die sich in feiner Miene ausdruckte. Den Familiengliedern mit Aus: nähme Adelens. die von dem rücksichtslosen Bräutigam einfach festgehalten wurde galt dieser Gesichtsausdruck des Hausherrn als ein Signal zum Ausschwärmen, um den Vermißten zu suchen. , Während die Mutter, die inzwischen auch herbcigecilte dicke Dorette und Frida dies Geschäft mit großem Ernste begannen, benutzte Karl die Gelegenheit in seiner Weise zum Ulken, indem er
mit lautem Pfeifen und. Zungenichnal zen den flüchtigen Handwerks kästen unter allen Möbeln hervorzulocken suchte, als ob es sich um einen widerspenstigen Hund handele. Erst eine ernste Rüge des Vaters lene seinen leichtfertigen Sinn in ander: Bahnen, aber auch nicht für lange; denn schon nach wenigen Augenblicken hörte man die kleine Mimi, welche die Küche absuchte, laut aufschreien, weil Karlchen sie aus Versehen." wie er es nachher darzustellen strebte in die dunkle Speisekammer gestoßen und dort eingeschlossen hatte. Das Triumphgeschrei Dorettens, die den Naaelbcbälter scklienlicb unter dem Tol!?t1etischchcn der beiden jungen M'idchcn aufgestöbert hatte, bewahrte den übermüthigen Sextaner diesmal vor der rächenden Nemesis; denn alles Interesse richtete sich jetzt mit erneuter Stärke auf die geheimnißvclle Kiste aus Lübeck. Kunstgerecht handhabte der Kanzleirath seine Werkzeuge, und bald z?ig:e sich unter dem abaelösten Deckel in
Holzwolle und Papierschnitzel sorgfaltig verpackt ein größeres Etwas, das sich bei näherer Besichtigung als ein: reizende Gruppe aus Meißener Porzellan darstellte. Diesmal war auch der Bräutigam ehrlich entzückt. Porzellanfiguren waren seine Schwärmerei, natürlich nur wenn sie künstlerisch ausgeführt waren, und hier hatte man es offenbar mit einer Arbeit von seltener Feinheit zu thun. . Aber sein Entzücken ging in Bedauern über, als der letzte Rest der Umhüllung beseitigt war und nun zu Tage trat, daß der Schäferin, die hinter dem zart gemodelten Gebüsch hervor nach ihrem born an einer Quelle sitzenden Seladon ausschaute, der linke Arm fehlte und außerdem ein Stück des feinen Spitzengewebes, womit ihr zierlicher Anzug geschmückt war. Jammerschade! So eine reizende Gruppe, die sicher einen schönen Posten Geld gekostet hatte, mußte nun durch die Ungeschicklichkeit' beim Verpacken oder durch irgend einen unglücklichen Stoß oder Wurf während der Beförderung so bedauernswerth verleht werden! Und dabei durfte man der guten Tante, die sich ganz ihrer sonstigen Gepflogenheit entgegen in diesem Falle so feinsinnig und freigebig gezeigt hatte, wohl nicht einmal den Schaden klagen, um sie nichi zu verstimmen! Fatal! Aber wenigstens mußten die abgestoßenen Theile aufgesucht und gerettet werden, bevor man die Emballage den Flammen überantwortete, und nachdem der Bräutigam und sne Schwiegermutter. von dem gleichen Gedanken beseelt, zunächst über der Kiste dröhnend mit den Köpfen zusammengefahren waren, begann ein emsiges Forschen nach den Scherben, vorläufig allerdings ohne Resultat. Bis auf den Grund war alles durchwühlt, ohne daß auch nur ein Atom der fehlenden Stücke gefunden wurde. Noch einmal mußte die Verpackung auseinander gezerrt und geprüft werden und dabei fand endlich Mimi unter den Schnitzeln, die zu allererst aus der Kiste genommen waren, etwas Hartes, das bei näherer Prüfung richtig das Gesuchte ergab. Abc? o Wunder! der zierliche Arm der Schäferin und die, Spitzensalbel waren fein säuberlich in ein Blatt Seidenpapier mit der aufgedruckten Firma eines Lübecker LuxusWaarengeschäfts eingewickelt. Sprachlos vor Staunen umstand die Familie den sonderbaren Fund. Jede? blickte zunächst rathlos aus die Anderen, in deren Mienen eine Erklärung des Zusammenhanges suchend, bis endlich der Bräutigam zuerst Worte fand, die Worte nämlich: der alt: Geizkragen!" Auf den mißbilligenden und zugleich fragenden Blick des Kanzleiraths fuhr er dann fort: Nun, das ist doch klar! die alte Schachtel hat da für ein paar Groschen diese zerbrochene Ehose gekauft und will sich damit nun bei uns als die große Wohlthäterin aufspielen! So eine Gaunerei!" Etwas stark ausgedrückt war diese Kritik des Geschenkes und seiner Gebcrin allerdings, und der Kanzleirath nahm schon ne: t Anlauf, um die verwittwete Frau Schwanendiet, die als Schwester des Hausvaters doch immerhin eine Respektsperson in der Familie war, in Schutz zu nehmen, als er unterbrochen wurde von dem lustigen Lachen Fridas und ihrer Bemerkung, daß doch eigentlich nur der Handler an der Mißstimmuna schuld sei, da dieser offenbar die Weisung der Tante, die abgebrochenen Stucke btizu legen, nicht richtig aufgefaßt und aus geführt habe. So oder ähnlich mußte die Sache in der That wohl zusammenhängen, und der Vater erinnerte sich dabei plötzlich : !i . an einen noro nin yerriicyem suowein, das Geschenk der Tante Adele zu seinem Dienstjubiläum; damals waren von den zehn Flaschen im Korbe sieben gleichfalls zerbrochen und auf dem Transporte ausgelaufen. Darum blieb es diesmal in einem mißbilligenden Blicke- für Gustav und die kecke Frida, und ohne ein weiteres Wort wanderte die porzellanene Rokokogruppe in die äußerste Ecke des Geschenktisches, wo die beiden zusammenstoßenden Wände am besten die schwache Seite der Schäferin- und damit zugleich die lichtscheue That der Tante verbargen. Währenddessen war es .vollständig Abend geworden; man konnte nun jeden Augenblick dii Gäste erwarten. Und nun kamen sie.
Zunächst gab es einige Verleqenheit
wegen der Garderobe. In der Frage um die Unterbringung der Geladenen selbst war an deren äußere Hüllen gar nicht gedacht worden, nun aber sollten nicht nur die Mäntel und Hüte einen angemessenen Ort finden, sondern die jungen Mädchen führten auch noch große Kleiderbündel mit sich und fragten, wo denn-das Kostüm für die Aufführungen" bis zum Umkleiden aufbewahrt werden sollte. Nothgedrungen mußte das Stübchen derTöchter zur Damengarderobe und das Schlafzimmer der Eltern zu gleichem Zwecke für die Herren bestimmt werden; in Ermangelung von Hakenbörten und Kleiderständern bediente man sich der Betten als Ablagerungsplatz. Unter den ersten, welche erschienen, waren die vier Freunde und Studiengenossen des Bräutigams, die als geschlossene Gruppe auftraten und als gemeinschaftliches Geschenk eine riesige Bowle nebst Zubehör mitbrachten. . Es war ein Prachtstück. Der getriebene Knauf des Deckels stellte einen Studenten in Wichs dar, und an dem Gefäße selbst sowie an den Humpengläsern war das Wappen der Verbindung angebracht, der Gustav Spannold auf der technischen Hochschule angehört-hatte. Auf dem reich geschnitzten hölzernen Tablett aber waren die tiefsinnigen Wort? zu lesen: Die ftiifce hübsch trocken, die KeUe sle'Z feucht, So wlrd das gejundeste Alter erreicht! Die Uebergabe des Geschenkes geschah feierlich mit einer Ansprache des Herrn Rudolf Künsemüller. der dabei zum Schrecken des Herrn Kanzleiraths und zum Gaudium seines KarlchenS den Bräutigam ein liebes altes Rauhbein" nannte, das eine so niedliche Braut und Frau gar nicht verdient habe. Zum Glück waren erst wenige Gäste anwesend, so daß ein eigentliches Aergerniß durch die burschikose Rede nicht entstanden war. Auf Karlchen aber hatte sie einen so nachhaltigen Eindruck gemacht, daß er sich aufs Engste an den Sprecher anschloß und jede Gelegenheit wahrnahm, um Jemand mit dem Kosenamen altes Rauhbein" zu belegen. Nachdem die Gesellschaft nach und nach vollzählig geworden war und vorläufig ganz flüchtig und probeweise dem Büffet und der Ananasbowle zugesprochen hatte, trat eine erwartungsvolle Pause ein. Die jungen Damen drängten sich kichernd an der Thür der Damengarderobe, bis man endlich das Brautpaar nöthigte, im Sopha der Wohnstube Platz zu nehmen. Aha meinte Freund Künsemüller, jetzt werden sie an den Marterpfähl gebunden," eine Wendung, die ihn in den Augen Karlchens, eines erfahrenen Kenners und passionirten Verehrers der Indianerbücher. noch bewundernswerther erscheinen ließ. Der Vergleich war nicht ganz im passend, denn da saßen nun die beiden schuldlosen jungen Leute auf dem Sopha und mußten mehr als eine Stunde lang über sich ergehen lassen, was gute Freunde und zweifelhafte Poeten an Überraschungen für sie ausgesonnen hatten. Jede Freundin hatte wenigstens eine Nummer in petto, manchmal hatten sich auch zwei zusammengethan, um etwas ganz besonders Effektvolles gemeinschaftlich zu verüben. So kamen Sopyiechen Kleine und EmmalDegenhard in geblümten Umschlagetüchern und großen altmodischen Hüten, die aussahen, als ob man sich eine garnirte Fußmatte um den Kopf gebunden habe, und stellten sich mit viel Eifer. Kopfnicken und Tabakschnupfen als alte Jungfern vor, die der kleinen Braut ihr Glück nicht g'önnten und den Bräutigam bei ihr anschwärzen wollten. Mit kühnem Schwünge lief der Dialog natürlich war er in Versen zum Schlüsse auf die Ueberreichung eines Pompadours an die Braut und eines gestickten Haus-schlüsscl-Futterals an den glücklichen Bräutigam' hinaus. Dann trat Tilly Vrösecke auf als Gärtnerin, sah zuerst stark verschämt auf den kurzen, Rock und das knappe Mieder ihres Phantasie-Anzuges und brachte dann, nachdem sie in einem mehr langen als interessanten Gedichte eine größere Anzahl bekannter und unbekannter Blumen mit allerhand guten und bösen Menschen, unter Anderem das sinnige Veilchen mit Adele Wendemuth verglichen hatte, bet Braut den Kranz dar. Einen Pantoffel überreicht; Fräulein Sporleder, ebenfalls mit weit ausgesponnenen Versen. Daß sie dabei ein Zigeunerinnenkostllm trug, war auf das letzte Winterfest im Gesangvereine zurückzuführen, bei dem sie in einer Zigeuner-Quadrille mitgewirkt hatte. Als Jägerin mit Amors Pfeil und Bogen bewaffnet, wußte Klärchcn Fröhlich viel Scherzhaftes von zündenden Blicken und verwundeten Herzen zu sagen. Wie sich die übrigen jungen Mädchen hinter vorgehaltenen Fächern und Taschentüchern zuflüsterten, mußte sie ja darüber am besten Bescheid wissen, da sie unzweifelhaft alt genug und auch bereits dreimal beinahe verlobt ciwefcn war. (Schluß folgt.) L h a s s a . die verbotene Stad! von Tibet, besitzt 10.000 Einwohner. von denen zwei Drittel Frauen find, in deren Händen der ganze Geschäftsbeiriefc der Stadt liegt. , 1 Infolge vulkanischer Ausbrüche auf Savaii, einer der Samoainseln, hat sich dort in dir Nähe von Matantua ein neuer, 1000 Fuß ; boher Vera aebildet.
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