Indiana Tribüne, Volume 29, Number 99, Indianapolis, Marion County, 18 December 1905 — Page 6
Indiana Tribüne, IS. Dezember 1905
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Europäische Nachrichten.
Frovinz ZJrnösnOurg. Berlin. Der Geheime Archivrath Professor Dr. Ernst Berner, langjähriger Hausarchlvar, ist gestorben. Als auf dem Neubau Warschauerstraße 34 ein etwa 12 Meter langer Hebebäum mittels Windevorrichtuna aufgerichtet werden sollte, stürzte .x aus halber Hohe aus nicht ermittelter Ursache hinab und traf den 18 Jahre aU ten Arbeiter Vincenz Kubiak an den Kopf. Der lebensgefährlich Verletzte wurde zur Unfallstation in der Warschauerstraße gebracht, wo nur noch der inzwischen eingetretene Tod des junge Mannes festgestellt werden konnte. Nach Bekundung von Augenzeugen soll lediglich ern unglücklicher Zufall den Unfall herbeigeführt haben. Eine große Zuwendung ist der hiesigen Universttat von Frau Geheimrath Anna Weinhold, der Wittwe des berühmten Germanisten, zuthen geworden. S hat nach dem Wunsche ihres Gatten die Hochschule zur alleinigen Erbin ihres rund 100.000 Mark betragenden Vermogens eingesetzt, mit derBestlMmung, daraus eine Weinhold'sche Stiftung zu errichten, die im Sinne der schon beste- . . . i-. r rr l r i . yenoen iir,siaic an oeoursllge Hin terbliebene von Professoren der Umversttat Unterstützung gewähren soll. -In der Handelsstätte Bellalliance, Friedrichstraße 16, stürzte aus . dem zweiten Stockwerk beim Reimgen der Fensterscheiben der Gravieranstalt von Kurt Hepner der 38jährige FensterPutzer Ernst Schulz, Forsterstraße 7 wohnhaft gewesen, auf den Haupthof etwa 8 Meter tief hinab. Er wollte beim Reinigen der Scheiben von einem Fenster zum andern gehen, ohne angeseilt zu sein, und glitt oabei ab. Mit gebrochenem Schädel blieb Schulz todt liegen. Sein 25jahnges Arbeusiubiläum beging der Gürtler Karl Wormsee in der Lampenfabrik von Carl Rakenius & Co. Er ist der 31. Jubilar bei dieser Firma. Beim Nanglren auf dem Görlltzer Bahnhose wurde der 23 Jahre alte Rangier Hermann März, Reichenbergstraße 74, von einem Eisenbahnwagen übersah ren. Er trug schwere Quetschungen beider Unterschenkel und eine Kopfverletzung davon. Die Cigarrenfirma F. Boglesang. Neue Roßstraße 18, feierte kürzlich ihr 60jähriges Geschäftsjubiläum. Gleichzeitig konnte der jetzige alleinige. Inhaber A. Brumng auf seine Löjähriae Thätigkeit in dem Geschäft zurückblicken. Potsdam. Der Oberburaermelsier Jähne, der schon seit längerer Zeit nervenleidend ist und vomRegierungsPräsidenten einen Nachurlaub bis zum Ende d. I. erhalten hat, ist m einer Nervenheilanstalt zu Jena von einem erneuten- Schlaganfall, betroffen worden. so daß zur Zelt wenig Aussicht auf seine völlige Genesung besteht. Zu feiner Pflege ist seine Gattin nachJena abgereist. B r i tz. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf der hiesigen Bersuchsstation für drahtlose Telegraphie. Der auf dieser Station beschäftigte Monteur Emil Hütel aus der Linienstraße 16 in Berlin war damit beschäftigt, Kupferrohr zu biegen. Er hatte es zu diesem Zweck mitColophonium gefüllt. Als Hütel nun das Rohr wieder über die Flamme hielt, platzte es plötzlich mit einem lauten Knall, und ein großer, heftiger Feuerstrahl schoß dem Monteur in das Gesicht. Die ganze Gesichtshaut hing in Fetzen herunter. Das rechte Auge wurde so schwer verbrannt, daß es verloren ist. In besinnungslosem' Zustande wurde der Schwerverletzte in die Rizdorfer Augenklinik gebracht. Ehar'lottenburg. Ein tödtsicher Unfall ereignete sich auf der Eisenbahnstrecke nach Halensee. Als der Stadtbahnzug in den Bahnhof Halensec einlief, vermißte man den 43jäh?:gen Zugführer Funke von hier, der schon lange Jahre im Dienste ' stand, fand ihn mit abgefahrenem Kopfe auf dem iöeleise' liegen. Es wird vermuthet,' daß er bei einer Zugrevidirung abgestürzt sei. Falkenhagen. ' Ein Opfer sei, nes Berufes ist der Rangirer Friedrich Jakelski von hier auf dem Lehrter Güterüahnhof in Spandau geworden. Er kam bei der Arbeit zu Falle und wurde überfahren. Beide Beine und der rechte Arm wurden dem Unglücklichen vom Körper getrennt. Er starb bald darauf infolge von Verblutung. Wittenberge. Der 29 Jahre alte Rangirer Albrrt Fredrich wollte einen fahrenden Eisenbahnwagen be steigen, stürzte ab und wurde übersah ren; er erlitt so schwere Verletzungen. daß er auf der Stelle todt war. Provinz Ostpreußen. Königsberg. Dem in akade mischen Kreisen sehr bekannten Diener beim pbtzskvloaischen Institut der Kiesi gen Universität, Karl Borowsky, ist bei seinem Uebertntt in den Ruhestanr das Allgemeine Ehrenzeichen verliehe? worden. Borowsky hat . seine Stell 28 Jahre lang verwaltet. Vor Kur zem beging das Fest der goldenenHoch zeit in voller Rüstigkeit der hier wohn bafte Kantor em. jedermann. Dai Jubelpaar siebt im Älter von 75 unr 74 Jahren. Kantor Federmann ist l irr' . i. . l dcz senior riner iveiiorrzmeigieil rcrfamilie. ' . Borkowinnen. Im hiesiger Schulbause waren die Besitzer derOrt , schaft, Lehrer der Kirchspiele Scharey
ken und Oienio unv Freunde des ey-
rers Frisch versammelt, um ihm zu seinem 25jährigen Dienstjubilaum ihre Glückwünsche darzubringen. I ä g l a ck. Das Fest 'der goldenen Hochzeit feierte das Schuhmacher Grokmann'scbe Ebevaar. Der Ebe, mann zählt bereits 83 Jahre und ist noch so rüstig, daß er sein Handwerk betreiben kann, die Ehefrau ist 78 Jahre alt. K a i s e r a u. Vor einiger Zeit wurde die Dienstmagd Pallokat verhaftet und dem Gerichtsgesängniß zugeführt, weil sie ihr neugeborenes Kind erwürgt und im Walde verscharrt hatte. Die Kindesleiche ist dort gefunden worden. L ö tz e n. Letztens wurde auf dem hiesigen Bahnhof der Arbeiter Karl Barthkun beim widerrechtlichen Ueberschreiten des geschlossenen Ueberwe ges durch einen Schnellzug angefahren und auf der Stelle getödtet. Ortelsburg. Einen schweren Unfall erlitt der hiesige Schlossermeister Gallmeister. Auf der Fahrt von hier nach Klein-Jerutten stürzte Gallmeiste? derart vom Motorfahrrad, daß er in einem Graben besinnungslos liegen blieb. Ein nach längerer Zeit vorüberfahrender Besitzer brachte .den Unglücklichen nach hier, wo ihm die erste ärztliche Hilfe zutheil wurde. Q u i l i t t e n. Ein .bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich in der nahen Mühle. Der 23 Jahre alte Knicht Hermann Dröse aus Haselau, der in der Mühle in Dienst stand, kam den Windmühlenflügeln zu nahe, ohne darauf zu achten; plötzlich erhielt er von einem Flügel einen Schlag gegen den Kopf, wodurch er sofort getödtet wurde. Tapiau. Kürzlich stürzte der nahezu 80jährige Rentenempfänger Lau von hier, .wahrscheinlich beim Schneiden von Weidenruthcn, an einer steilen Uferstelle in den Pregel und ertrank, ehe ihm Hilfe gebracht werden konnte. Wil'lenberg. Knieend erhängt fand man in seiner Wohnung den Käthner Schimanski aus Glauch. Das Motiv zur That ist unbekannt. Schimanskl soll stark getrunken haben uno im Rausche zu der That geschritten sein. Provinz Westpreußen. D a n z i g. Infolge eines Unglücksfalles ist die Familie des Uhrmachers Schlacht aus dem nahen Oliva in tiefe Trauer versetzt. Der 11jährige Sohn ist so unglücklich von einem Baume auf darunter stehende eiserne Stühle gestürzt, daß er sich die Schadeldecke eingedrückt und beide Beine gebrochen. Die Eltern brachten den Knaben sofort in das hiesige Krankenhaus. Ohne dqs Bewußtsein wieder erlangt zu haben. ist der Verunglückte gestorben.' B a l d r a m. Eine größere Feuersbrunst hat unser Dorf heimgesucht. Betroffen hiervon sind der Pächter der Wafchau'schen Besitzung E. Schultze und der Besitzer Otto Klatt. Ihre sämmtlichen Stallungen und Scheunen sind in Asche gelegt. 5k o n l tz. Auf dem Gute von Rcdes war die Arbeiterfrau Ossowski mit der Stubennachbarin Reimann in Wortwechsel gerathen. Hierbei ergriff die Ossowski plötzlich eine in der Nähe stehende Kartoffelhacke und hieb sie de: Reimann derartig in den Kopf, daß sie stecken blieb. Blutüberströmt mußte die Unglückliche zum Arzte .geschafft werden. Marienburg. Erstochen wurde vor dem hiesigen Bahnhofsgebäude der Kutscher Quednau aus Schönau von, einem anderen Arbeiter, weil zi keinen Schnaps ausgeben wollte. Er erhielt einen Messerstich in den Hals, schleppte sich noch bis in den Wariesaal 4. Klasse und starb dort nach kurzer Zeit. Quednau hinterlaßt Frau und fünf Kinder. Der Mörder ist der 25 fln.i... fv . l f r , Jahre alte Ärveuer Peier aian aus Stobbendorf. R i e s e n b u r g. Ertrunken ist in einem kleinen Teich der Militarinvalide Prosotowik. Der 66 Jahre alte Mann, der schon längere Zeit kränklich war, muß die. That in einem Anfall geistiger Umnachtung ausgeführt ha ben. Schwenke. Vor einiger Zeit begingen die Lehrer a. D. Schülke'schen Ebeleute das Fest der goldenen Hochzeit. Schülke waltete 44 Jahre lang seines Amtes und war zehn Jahre lana in Neu - Zippnow und 34 Jahre hier. Das Fest wurde in höchst feierlicker Weise beaangen. Tiegenhof. Der Arbeiter Kirschen aus Jungfer, welcher in der hiesigen Zuckerfabrik infolge eines Fehltrittes vor einiger Zeit aus dem obersten ins unterste Stockwerk stürzte, ist seinen Verletzungen erlegen. Frovinz Vsnrmern. v t e t t i n. Selbstmord beging die bei einer Herrschaft :m Hause Breite straße 5 bedienstete Hedwig Kluge. Die Leiche wurde nach der Leichenhalle ae schafft. Der Grund zu dem Selbst. mord ist nicht bekannt geworden. A h l b e ck. Vor Kurzem erschoß sich der Bäckermeister Ernst Stock hier. Das Motiv der That soll darin zu suchen sein, daß der Bedauernswerthe, der als sehr ehrenhafter und strebsa mer Geschäftsmann bekannt war, in letzter Zert ,n schwere finanzielle Verwicklungen gerathen ist, welche aus Bürgschafts Verpflichtungen zurückzuführen sind, die er gutmüthigerweise sur andere übernommen hatte.
Immer fürs Höhere.
Humoreske von Adolf Thiele. Mit behenden Schritten eilte Ferdinand Moppler die breite Treppe empor, die zum zweiten Rang des Berliner Theaters" führte. Nachdem er sich auf seinem numerirten Platz niedergelassen, legte er seinen steifen Sonntagshut sorgfältig unter seinen Klappsitz und blickte dann mit Spannung auf den Vorhang. Endlich' öffnete sich dieser, und nun verwandte der junge Mann keinen Blick mehr von der Buhne. Es war ein klassisches Stück, das sich da unten abspielte, und diese sah Moppler am liebsten. Auch sonst that er etwas für Bildung. Er besaß Schillers und Körners Werke,, und Abends, wenn er aus dem Modewaarengeschäft. in welchem er als Verkäufer angestellt war. in sein drei Treppen . st r - ? i r, . . . qoa) gelegenes Viniernuocyen: heimgekehrt war, widmete er sich unter gleichzeitigem friedlichen Genusse von Butteroroten, die mit Kase oder Wurst belegt und zeitweilig auch von einer sauren Gurke akkompagnirt waren, der Lektüre seiner beiden Klassiker. Wenn er dabei Körners Nachtwächter" mit derselben Ehrfurcht betrachtete, wie Schillers ..Wallenstein", so durfte man dies nur seinem Respekt vor allen Versen zuschreiben. Heute sah er nun die aus dem Buche wohlbekannten Räuber" da unten agiren. und ' er schauderte bei den schrecklichen Szenen, die der eisgraue alte Moor und sein schofler Sohn' Franz miteinander aufführten. Der alte Freiherr , saß in der Lehnstuhlszene in der linken Ecke der Bühne, und Moppler, der heute ebenfalls der Linken" angehörte, konnte ihn nicht recht fehen. Er erhob sich daher bei einem recht schauerlichen Fluche des Alten und bog sich gespannt vor. ' Als der Fluch verhallt war, setzte sich der tragisch erschütterte junge Mann wieder zurück, bedachte jedoch nicht, daß inzwischen sein Klappsitz in die Höhe gegangen war. Cr fuhr daher beinah bis zur Erde hinab, dabei seinen steifen Hut 'ein wenig eindrückend. Das plötzliche Verschwinden eines Menschen hat stets etwas Schauerliches an sich, es war daher nicht zu verwundern, daß von weiblicher Stimme dicht hinter Mopplers Sitz ein erschrecktes Ach Gott!" ertönte. Mit aller Kraft seiner Knie hemmte der hockende Moppler seinen Sturz, zog seinen Sitz wieder herab und blickte hochroth und starr auf die Bühne, dabei aber bloß an sein Malheur dentend. Daß sein Nachbar, ein borstenhaariges Individuum, sich gar nicht beruhigen konnte und von Zeit zu Zeit in krächzende Lachanfälle verfiel, beängstigte den Auferstandenen nicht wenig. Im Zwischenakt wagte er es, sich nach der gefühlvollen Seele hinter sich umzublicken.. Welch angenehmes Erstaunen! Das war ja das hübsche blonde Mädchen, das er schon einige Male im. Theater gesehen hatte. Auch sie schien 'eine Freundin der Klassiker zu sein, und gerade ihr gegenüber fühlte sich Ferdinand tief beschämt. Als neulich der schöne Barnay als Kean" auf der Bühne gar so schrecklich unglücklich that, da hatte das junge Mädchen Thränen vergossen und auch unseres Mopplers weiches Herz gerührt, und seit jener Zeit war er ihr stiller Verehrer geworden. Und wie eine eigenartige innere Gewalt oft gerade den Weichsten löwenkühn macht, sa ermannte sich jetzt auch Ferdinand zu den Worten: Verzeihen Sie, mein Fräulein, daß ich Ihnen vorhin durch mein Ungeschick einen kleinen Schrecken bereitete!" Das blonde Mädchen schlug die Augen nieder und erwiderte: O, bitte! Sie haben sich doch nicht weh gethan?" Ferdinand, einen neuen Krächzanfall seines borstenhaarigen Nachbars ignorirend, versicherte, daß er unbeschädigt geblieben sei, und begann mit einer ihm in späteren Stunden unbegreiflichen Gewandtheit über das Theater zu sprechen. In den folgenden Zwischenakten wechselte er wie dies in seinem Gemüthszustande erklärlich war zwischen Stockstummheit und überfließen der Beredisamkeit ab, doch unterließ er in seinem Gespräch nicht, zu bedauern, daß ein so schönes Stück" wie der Zriny" gar nicht gespielt würde. Andächtig hörte das junge Mädchen, welches einen recht hübschen Anstand bewies, ihm zu, und gern hätte er sich ihr nach Beendigung' des Stückes angeschlossen. Aber in seiner Kunstbegeisterung war ihm leider ein Bein eingeschlafen, und ehe er sich erheben konnte, war die Holde im allgemeinen Gewirr verschwunden. , Je mehr er sich nun beeilte ihr nachzukommen, desto mehr Verwicklungen hatte er mit Leuten, die von ihm getreten und gestoßen wurden, und so mußte er denn schließlich allein nach Hause gehen. Dafür dachte er um so, eifriger an die Verschwundene, und eines Abends wurde die Erinnerung so lebhaft, daß er seinen altbewährten Theekocher umwarf und den dritten Band von ' -Schillers Werken nur mit Muhe .aus
der duftenden Überschwemmung rettete. . Mit bangem Herzen kletterte er am nächsten Sonntag zum zweiten Rang hinauf. Was er erhofft, fand Erfüllung, !das Blondköpfchen hatte sich wieder eingefunden. Diesmal wußte es der liebes'ühne Ferdinand so einzurichten, daß er sich ihr beim Verlassen des Theaters auf der Treppe anschließen konnte.' Seine Unterhaltung war etwas schüchtern, und die Kleine, die in ihrem Hütchen gar hübsch 'und sein aussah, ermunterte ihn. auch nicht gerade zum Weiterreden,, sondern ging still und sittig neben ihm her. Ferdinand redete natürlich vom Theater, und er versäumte nicht! sie zu fragen ob sie noch öfter das Berliner
Theater besuchen würde. Durch die Worte Ja, und auch das Schauspielhaus" beseligte ihn die Uirbekannte. Am Leipziger Platz verabschiedete sie sich freundlich, aber entschieden von ihrem Kavalier, der der zierlichen Erscheinung träumerisch nachschaute. Nun trafen sie sich öfters, ja zuletzt jeden Sonntag, und jedesmal verabredeten sie, welches Theater sie über acht Tlge besuchen wollten. Immer stärker wurde Ferdinands Liebessehnen, doch wagte er nie ein kühnes Wort, denn sie wußte ihn stets in enggezogenen Grenzen zu halten, und dies wurde ihr auch um so leichter, als sie sich stets am Leipziger Platz verabschiedete. ' Wer sie sei, hielt sie ihm verborgen, nur eins erfuhr er: daß s Adelheid heiße, fönst blieb sie ihm unnahbar, und gerade dieses Entschwinden wie in ein unbekanntes Reich hatte für den schwärmerischen jungen Mann einen eigenartigen romantischen Reiz. Aber einmal sie hatten gerade das hingebende Käthchen von Heilbronn" auf der Bühne gesehen schien es ihm. als ob sie zutraulicher wäre, und Ferdinand, der heute, drei Tage nach dem Ersten" des Monats, . mit tausend Masten in den Ozean des Lebens segelte, lud sie, zu einem kleinen Abendessen ein. iSie nahm an, und bald saßen sie in einem Restaurant für sich an einem Tischchen allein. ' Mit Grazie aß und trank Adelheid, jede Bewegung jedes Wort war nett und schick. Und dabei sah das gute Mädchen in ihrem einfachen Kleide so elegant aus! Dem guten Ferdinand entging nichts von alledem, und endlich flüsterte er ihr zu: Sie sind nicht das, was Sie vor mir scheinen wollen. Sie stehen hoch über mir " Die Fremde lächelte geheimnißvoll und nickte ein klein wenig. Dies alles erfüllte Ferdinand Mit viel Respekt. Als sie gingen, holte er sogar, um ihrer würdig zu erscheinen, ein Paar Glacös aus der Tasche und zog sie an. . ' Ferdinand hatte etwas kräftig gerathene Hände, sie schmiegten sich jedoch ganz gut in die Handschuhe, nur daß sie dann freilich! wie gefüllte Tauben aussahen. , ' Heute war Adelheid entgegenkommender als je, Ferdinand durfte sie sogar an die Ccke der Regentensträße begleiten, denn hier wohnte sie, wie sie ihm verrieth. - ' Nachdem sie ihm noch die Nummer des Hauses genannt, verabschiedete sie sich, und Ferdinand wagte es, mit seiner gefüllten Taube ihre Hand leise zu drücken, ehe er beglückt und verwirrt davonstürmte. Die Seele des jungen Mannes war so voll, so voll wie seine Handschuhe, und eine halbe Stunde verging, ehe er in, seinem Liebesrausche die Pein fühlte, die feine Hände, in den ungewohnten Glaces erlitten. Im Seesturm seiner wogenden Gefühle aber tönte wie Möwengesch! das Wort: Negentenstraße Nummer 25! Einige Tage nach diesem denkwürdigen Abend war Ferdinand allein im Laden und gerade damit beschäftigt, einen Bilderrahmen von Metall, den er in treuem Gedenken an die Dame seines Herzens hatte auf den Boden fallen lassen, wieder zurechtzuklopfen, 'als sich die Ladenthür öffnete und ein Dragoneroffrzier eintrat. Der Käufer fuchte 'einige hübsche Sachen aus, schrieb eine Adresse und gab seine Karte dazu, die einen hocharistokratischen Namen trug. Ferdinand nahm sich als kulanter Verkäufer vor lauter Komplimenten nicht die Zeit, die Adresse zu lesen, und begleitete den Offizier, der nochmals 'um baldige Abfendung der Gegenstände bat, zur Thür. Als er nun aber die Adresse näher ansah, 'da fuhr er zusammen, zitterte und mußte sich auf einen Stuhl setzen, auf dem sonst nur Käufer 'zu sitzen pflegten. Die Adresse lautete: An Komtesse Adelheid von Merksmerks - Merks. heim, Regentenstraße 25." Der Vorname ist derselbe," siammelte Ferdinand, indem er seine Arme schlaff medersinken ' ließ und gebeugt auf dem Kundenftuhl saß, die Straße und die Nummer stimmt, und dazu ihr feines Wesen! O ,o, sie ist eine Komtesse, sie hat mit mir nur Scherz getrieben! Sie ist für mich verloren! O, o!" Der Aermste war zu bedauern, er schien ganz verstört. Als bald darauf eine Dame den Laden betrat und ine Korallenkette verlangte, legte er ihr
Vernsieinbroschen anstatt dieser vor, blickte sie nach Wiederholung- ihres Wunsches eine Weile starr an und schrie dann: Ah so, so, so!" . Die Dame erschrak und bewegte sich mit möglichster Geschwindigkeit zum Laden hinaus. Doch endlich faßte sich Ferdinand. Rache, Rache!" knirschte er. Ja, selbst will ich ihr entgegentreten, in's Gesicht will ich ihr den Vorwurf fchleudern. daß sie mich Arglosen getäuscht! Du Schlange sollst es büßen!" Er vereinigte die Geschenke des Osfiziers zu einem Packet und nahm es in der Mittagspause selbst mit. Daß er nicht, wie gewohnt, seinen Mittaastisch aufsuchen konnte, machte
seine Stimmung nur noch wüthiger, und so schritt er denn in' gewaltigem mimm .der Negentenstraße zu. Die Eleganz und Pracht des Sauses. das er betrat,' stimmte seine Gefühle allerdings etwas herab, und der Ton der Glocke, den er in der Beletage durch einen Druck auf den elektrischen Knopf hervorrief, war ihm gerade kein angenehmer Klang. Und als ihm nun ein Diener öffnete, als er in den halbdunklen Vorsaal trat, da stotterte erogar etwas, als er sagte: Ich muß dieses Packet der Komtesse persönli übergeben." Die gnädige Komtesse ist' ausaegangen," erwiderte der Lakai, sie wird zedoch dald zurückkehren. Bitte, treten Sie in das Wartezimmer ein'i" Ferdinand betrat das mit vornehmem. Geschmack ausgestattete Borgemach. Ehe er sich jedoch weiter umsehen konnte, hörte er, wie der Diener draußen sagte: Jawohl, Fräulein Lieschen!" Zugleich trat, den Abstäuder in der Hand, eine Zofe aus dem Vorsaal ein. ' Bitte, nehmen Sie Platz!" sagte, sie. Die Komtesse wird nicht lange ausblei " Da blieb ihr jedoch das Wort im Munde aus, und auch Ferdinand starrte sie plötzlich an, als sähe er ein Gespenst. Ja, sind Sie denn." stammelte er, nicht die Komtesse Ad'elheid?" Seine Flamme aus dem Theater denn diese war es wurde zuerst verlegen, sie erröthete und schlug die Augen nieder - Dann aber, gewann sie ihr ihm wohlbekanntes Wesen wieder, freundlich sah sie ihn an und sprach in bescheidenem Ton: Sie werden mir gewiß recht böse sein, ich heiße gar nicht Adelheid, ich heiße Lieschen, aber der Name Adelheid gesiel mir so gut ' Hurrah, so sind Sie also nicht die Komtesse," rief Ferdinand, dem. es jetzt ganz einerlei war, wo er sich 'befand. Nun brauche ich, mit ihr gar nicht zu reden, bitte, geben Sie ihr nur das Packet! Und, Fräulein Lieschen, ich darf . doch hoffen, Sie am nächsten Sonntag wieder im Berliner Theater zu sehen, nicht?" 'Lieschen blickte ihn treuherzig an und sagte: Wenn Sie es wünschen, Her Moppler, recht gern!"' Na und. ob!" sagte Ferdinand, drückte ihr kräftig die Hand und sah ihr fest in's Auge. Da laö er aber, daß sie ihm nicht verloren war. Und als sie ihn zur Vorsaaltbür begleitete, flüsterte er ihr noch zu: Also zweiter Rang,. Balkon, nicht wahr, Fräulein Lieschen?" Freundlich lächelnd nickte sie ihm zu. Zweierlei Turft. ' Ueber den Begriff des Durstes äußerte sich unlängst der Rostocker Hygieniker Professor Kobert. Er unterscheidet zwei Arten von Durst, erstens den Rachendurst und dann den Durst, der aus dem Gefühl der allgemeinen Wasserverarmung des Körpers entsteht. Erstere Art entsteht bei Eintrocknung des Nachens beim Sprechen, Singen, Offenlassen des Mundes, sowie durch Berührung des Gaumens mit sehr salzigen oder gewürzigen Speisen oder reizenden Flüssigkeiten, wie Alkohol. Daher wird der Trinker auch trotz eifrigen Bemühens nie recht über das Durstgefühl hinwegkommen. Diese Art des Durstes entsteht übrigens auch beim Raucher. Die andere Art des Durstes ist eine sehr nützliche Reaktion des Körpers gegen Eindickung der Säfte, denn es steht fest, daß durch reichliche Flüssigkeitszufuhr den Nieren ihre. Aufgabe, überflüssige Substanzen aus dem Körper fortzuführen, erleichtert wird. Es ist eine weitverbreitete, aber ebenso falsche Anschauung, .daß der Mensch durch Enthaltsamkeit im Trinken die Nieren schont. Gerade das Gegentheil ist der Fall. Gegen den Rachendurst brauchte man allerdings überhaupt nicht zu trinken, zu seiner Beseitigung würde Gurgeln mit Wasser genügen. Zur Aufnahme von. Flüssigkeiten sollte nur das Allgemeingefühl der WasserVerarmung Anlaß geben. Ahnungsvoll. Begleiter: Warum steigst Du denn mit einem Male vom Pferde?" Sonntagsreiter: Hm, weißt Du. ich möchte meinem Gaul zuvorkommen." D i e A n p r o b e. Restaurateur (der einen Gast dabei ertappt hat, wie 'gerade einen fremden Ueberzieher anziehen wollte): Leugnen Sie nicht, Sie wollten den Ueberzieher stehlen den Sie gerade vom Haken genommen hatten!"' Gast: Auf Ehrenwort nicht heute wollte ich ihn nur anprobin!"
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