Indiana Tribüne, Volume 29, Number 99, Indianapolis, Marion County, 18 December 1905 — Page 5
Der listige Zreier. Humoristische Skizze von . Fahrom. Der Marquis und der Baron saßen ivie gewöhnlich nach den? Theater noch eine Stunde im , Club zusammtn: Der Marquis hatte bereits die zehnte Cigarette geraucht, und noch immer war ihm die erleuchtende Idee nicht gekommen, nach der er nun schon seit Tagen fahndete. Endlich gab er das Rauchen auf. 2)i Cigaretten taugen nichts", sagte er elegisch. Jch muß mir eine andere Mischung zusammensetzen lasfen." Lieber Marquis, es sind nicht die Cigaretten. die nichts taugen," sagte der Baron mit dem ihm eignen ruhige Spott. 2Öir verdienten alle beide moderne Lustspieldichter zu sein es fallt uns eben nichts ein!" Jch geb's auch auf, Freund! Ich fange an, die ganze Sache fad zu fmden! Ist es denn auch zu glauben? Die Damen, bei der wir alle beide Vorzugsfreunde waren. . Der Baron zog die Augenbrauen in einer besonderen Weise hoch, so daß es wie ein Messerschnttt wirkte. Na was ist denn?" fragte der Marquis. - Ich würde, doch etwas vorsichtiger mit meinen Ausdrücken sein!" Ach, Unsinn niemand hört uns zu."' Auch vor sich selbst soll man delikat sein,' mein Lieber." Bester Baron, setzen Sie bloß nicht Ihre lehrhaste, Miene auf! Dann sind. Sie nämlich sind Sie na, sagen wir, greulich! Da wir alle bei'ht grundgenau wissen, wie nah, oder vielmehr wie fern wir der Gräfin stehen, so können wir uns.doch nicht mißverstehen! Aber gebrauchen wir ganz einfach das Wort Freunde".' Ganz kameradschaftlich. Damit basta. Und nun plötzlich diese Laune? Denn etwas anderes ist es doch nicht! Eine Frauenlaune! Man empfängt uns nicht mehr! Will uns vier sechs Wochen nicht empfangen! ' Warum? Ich frage Sie, warum?" ' Das hat doch die Gräfin ziemlich deutlich ausgesprochen! Es soll eine Art von Prüfung für uns sein. Eine Art von Muthsprobe oder ein Exempel auf unsern Scharfsinn. Sie sagte, daß es leider nicht mehr wie im Mittelalter möglich sei, daß ein Ritter für seine Dame Drachen erlege oder dergleichen. Darum solle, er auf andere Art beweisen, daß er Schwierigkeiten zu überwinden wisse, wenn es seine Liebe gelte Und nun sitzen wir da und können nicht einmal diese kleineSchwierigkeit überwinden, dem Verbot der Dame unseres Herzens zu trotzen und zu ihr zu dringen!" Ja. Es ist schauderhaft. Nichts zu machen." Der Marquis sah so traurig aus. daß der Baron lachen mußte. Dies war überhaupt das' Schicksal des Marquis, daß man ihn nicht ernst nahm. Er merkte es aber meistens nicht. Wie drückten Sie sich soeben aus?" fragte er plötzlich. Sie sagten, der Dame unseres Herzens?Nun ja. Haben Sie etwas dagegen? Sie lieben doch die Gräfin?" Ja, allerdings. Aber wir können doch nicht alle beide. . ." ' Was dieselbe Dame lieben? Doch ich glaube, so etwas kommt vor. Es- ist nur zwischen uns ein großer Unterschied: Sie lieben die Gräsin nur, ich werde sie heirathen. - Der Marquis fuhr auf. Sie sagen das mit einer Bestimmtheit . . hat man Ihnen etwa Versprcchungen gemacht?" er Baron hob beschwichtigend die Fand. ' Aber bester Marquis, dann würde ich doch davon nicht reden! Ich sage Ihnen nur, daß ich die Gräfin heirathen werde, weil ich weiß, daß ich , in dr schwebenden Frage Sieger bleiben werde. Ich weiß noch nicht wie aber ich werde siegen." So ruhig die Worte gesprochen waren, um so mehr brachten sie den Marquis auf. Er sprudelte über von Gestikulationen und Beweisen. Er erzählte, wie er vergebens, versucht habe, die Dienstboten,in der gräflichen Villa zu . bestechen, wie er mit seinem Automobil täglich auf den unmöglichsten Wegen in der Nähe der Villa umhergestrichen seium vielleicht dem Gefährt der schönen Frau zu begegnen, und wie er immer und überall nur denselben unübersieiglichen Hindernissen begegnet sei die Gräfin bleibe unsichtbar und sei nicht zu sprechen. Er sei schon auf die Vermuthung gekommen, daß sie verreist sei und d::se ganze sogenannte Liebesprobe nur Znscenirt habe, um ihre getreuen Ritter zu necken. Jedenfalls glaube .er nicht mehr an den Ernst der Sache, und werde sich nicht länger wie ein Toggenburg da herumdrücken. Da baben Sie auch sehr recht", sagte der Baron,' indem er sich erhob. Wenn es eine Sorte von Menschen gibt, die die Damen nicht leiden können, dann sind es die TögaenbucgS Gute Nacht, amico, und schlafen Sie ruhig im Bewußtsein, daß zuletzt dennoch ich und kein anderer die Gräfin heimführen werde." Während sich die Herren in diese: Weise mit ihr beschäftigten, saß die schöne Gräfin vor ihrem Spiegel und lieft fi6 das lange, schwarz braune
Haar bürsten. Dabei tropfte hier und
oa eine. Bemerkung von :yren tppen. Von der Zofe zu längerem Plaudern aufgegriffen. . Wenn Frau Gräfin den Herrn Marquis gesehen hätten," kicherte sie, wie er gestern, in einer Art von Verkleiduna einzudringen suchte ??rau Gräfin hätten sicher auch lachen müssen." .Was ist das? 'Davon hast du mir ja noch qarnichts gesagt. . Der Marquis hat sich verkleidet?" Nun, so ungefähr. Er hatte eine Brille auf und einen großen Reisemantel um, und ich glaube, er hatte sich den Seitenbart abnehmen lassen." Was das betrifft, so glaube ich eö nicht. Ter Marquis findet, daß ihm der Seitenbart steht! Und das merke dir gleich für deine zukünftige Ehe. Lina wenn ein Mann findet, daß ihm etwas steht, so könnte ein Erzen-' gel vom Himmel steigen und ihm das Gegentheil beweisen er würde es nicht glauben. Uebrigens aber sei nun noch vorsichtiger ich will unter keinen Umständen die Herren empfangen und ebensowenig andere Leute. Der Arzt hat mir einige Wochen absoluter Einsamkeit empfohlen, und die will ich einhalten so langweilig es auch ist."- ' Am nächsten Morgen sah die Gräsin , durch die ' Spitzengardinen ihres Zimmers, wie der Marquis auf seinem Fuchs vorritt. Er bestellte dem Diener, daß er verreise, und daß er in acht oder vierzehn Tagen wieder da sein werde. , Thörichter Mensch!" dachte .die Gräfin. Ob er wohl denkt, daß ich ihn vermissen werde? Wenn er ein bißchen mehr Schneid hätte, so würde er schon ein Mittel gefunden haben, um zu mir zu dringen. Aber er ist folgsam wie ein kleines Hündchen ach Gott, was sind doch die Männer für. . ." Der Rest ihres Ausrufs verlor sich in einem herzhaften Gähnen. Es war klar, daß die Klausur der lieblichen Frau nicht besonders behagte. Zwei Tage später kam die Zofe herein: Frau Gräfin, . der Geldbriefträger." Ach. so laß doch irgend jemand unterschreiben." Er sagte, das sei gegen die Vorschrift." Was bedeutet denn überhaupt das? Meine Gelder kommen doch nie durch die Post!" X Da aber die Zofe nur bedauernd die Achseln zuckte, blieb nichts übrig, als den Mann hereinzulassen. Er kam, nahm die Mütze ab und legte der Gräfin eine rosa Karte von der üblichen Form zur Unterschrift vor. Sie hob den Kopf erst jetzt von dem Buche, in dem sie las und warf einen flüchtigen Blick auf die Karte. Darauf stand geschrieben: Umsiehenden Betrag erhalten." (Name.) Die Gräfin wandte das Blatt um, und dort las sie die Worte: Anweisung auf, die Rechte einer Verlobten und zukünftiaen ' Gattin. , An Gräfin. .V Sie hob den Kopf jetzt zu dem Geldbriefträger auf. ' Es war wahrhaftig der Baron! Und da sie fassungslos und erröthend keine Worte fand, bückte er sich rasch und drückte einen Kuß auf ihre weiße Stirn. So!" sagte er. Diese Anzahlung genügt' für den Moment." Da sprang sie auf und wollte zornig werden. Aber er ließ es nicht dazu' kommen. Bewundern Sie mich!" rief er, indem er sie mit stolzen Blicken ansah. Um zu Ihnen zu dringen, hab? ich mich zu einer-gefährlichen Maskerade entschließen müssen. Vier Studenten und fünf junge Damen haben mich am Rockschoß festhalten wollen, wohl in der Meinung, daß ich ihnen eine Geldsendung brächte. Ich habe mich nur durch eiliae Flucht retten könhin. Dicht vor Ihrer Villa war mir ein Kriminalschutzmann auf den Fersen wenn Sie mich nicht vorgelassen hätten, wäre ich ins Gefängniß gewandert." Um Gotteswillen", rief die .Gräfin, die seiner biederen Miene glaubte, wie furchtbar leichtsinnig von Ihnen! Was sollen wir jetzt thun, um Sie zu retten?" Es bleibt' uns eins übrig", sagte der Baron ernsthaft, Sie behalten mich bis zum Abend hier und lassen sofort die Verlobungsanzeigen drucken. damit man nicht behauptet, Sie hätten ein stundenlanges Stelldichein mit einem Geldbriefträoer aebalten." Die Gräfin drach'in ein Helles Gelächter aus. Aber ein stundenlanges Stelldichein mit Ihnen das schadet nichts, nicht wahr?" ' Es ist wahr, geliebte Gräfin, Sie sind auf alle Fälle unheilbar kompro mittirt. wenn ich hier bleibe. Und wenn ich nicht hier bleibe, so ergreifen mich die Häscher und ich bin verloren. Wählen Sie. ich überlasse Ihnen die Entscheidung." Die Gräfin lag in ihrem Florent!ner Sessel und lachte Thränen. Als sie wieder zu Worte kommen konnte, sagte sie: . Ich glaube Ihnen zwar kein Wort von Ihren Gefahren und von meiner Kompromittirung" aber Sie Haien sich wirklich ganz leidlich aus der Affäre gezogen. Und darum geschehe denn Ihr Wille." -
Darum?" flüsterte der Baron, während er die zarte Gestalt an sein Herz zog. Wirklich nur darum?" Er erhielt keine deutliche Antwort darauf; doch die erwartete er auch gar nicht. Er war zufrieden, daßer als Sieger durch's Ziel gegangen war. Die Geldbriefträger-Uniform aber wurde später in dem" jungen Haushalt als Reliquie aufbewahrt, bis sie die Motten fraßen.
Der fliegende Hut. De? fliegende Hut bildet während eines stürmischen Wetters eine beständize Erscheinung in den Straßen der Großstadt. Ohne Rücksicht auf Alter, Geschlecht, Stand und Beruf reißt der freche Wind einem Passanten den Hut vom Kopfe, führt ihn durch die Lüfte und rollt ihn dann durch den glibbrigen Schmutz der Straße, den Besitzer des Kopfschmuckes zu den verzweifeltsien Sprüngen ' nöthigend. Wenige Menschen können sich derartig beHerrschen, daß sie dem Hut in demselben gleichmäßigen Schritt, den sie innehielten, bevor ihnen ihre Behauptung" davonflog, weiter nachgehen. Das sind aber die Klugen und Erfahrenen; denn diejenigen, die mit Känguruh - Sätzen dem Hute nachspringen, lernen die Perfidie ihres Kopfdeckels kennen welcher immer in dem Augenblick, in dem sie die Hand nach ihm ausstrecken, wieder aufspringt und weiterrollt - oder liegt. Hat der nichtswllrdige Filz seinen Besitzer auf diese Weise drei- bis viermal zum Narren gehabt, dann fliegt er sicher zwischen die Schienen der Elekirischen, und im nächsten Augenblick rollt einer der Riesenwagen über .ihn dahin. Natürlich sind mindestens hundert Passanten in den belebten Straßen stehen geblieben, und in ihren Gesichtern malt sich jener Ausdruck von Spannung und Grausamkeit, den man wahrscheinlich im römischen Eircus bei den Besuchern sehen konnte, wenn diese durch Umkehren des Daumens dem siegreichen Gladiator das Zeichen gabe; , den Gegner zu tödten. Ein eigenthümliches Grinsen erscheint auf allen Gesichtern, wenn der elektrische Wagen den Hut passirt hat und dieser gänzlich unbeschädigt zwischen den Schienen liegtt Mit einem Freudenrufe stürzt sich der Besitzer auf den verloren Geglaubten. Im nächsten Augenblick aber und bevor er r.och den ungetreuen Filz ergreifen kann, springt er, entsetzt über den gellenden Zuruf des Kutschers eines im Trabe daherkommenden Geschäftswagens, beiseite, um sein Leben zu retten und in demselben Moment geht das Hinterrad des Gesäftswagens über den Hut und vernichtet ihn: eine gerechte , Strafe für seine Nichtswürdigkeit. Sein Unglücklicher Besitzer aber macht ein'langeS Gesicht, und aus dem Antlitz der Zuschauer kann er deutlich den Weisheitssatz herauslesen: Schadenfreude ist doch die reinste Freude." Wer auf so tückische Weise seines Hutes beraubt ist, thut am besten-, mit gleichgiltigem Gesichte davonzugehen. Er sicigt dadurch entschieden in der Achtung feiner Mitmenschen, die sich eben über seinen Unfall amüsirten, und in den Herzen zarter Frauen steigt das Mitleid mit ihm und seinem unbedeckten Haupte auf. Noch verwickelter wird die Sache, wenn der tückische Hut, nacho:m er eine halbe Meile weit über die Straße getrudelt ist, sich in die Fluthen des Kanals stürzt. Seinem Besitzer ist dann nur zu rathen, sich schleunigst in eine Droschke zu werfen, nach dem nächsten 5utladen zu fahren und sich dort einen Ersatz zu beschaffen. Er kommt entschieden billiger weg, als wenn er wartet, bis einer der herumlungernden Gassenjungen m Hilfe des an der nächsten Brücke liegenden Rettungskahns und im Beisein einer nach Hunderten zählenden Volksmenge den Hut aus dem Wasser aekisckit bat. i'urn ihn dem Besitzer zu überreichen. ergelohn", den der oder die Hutretter fordern und der ihnen nach Ansicht der vielhundertköpfigen Volksmenge zusteht, übersteigt bei weitem den Wertheines neuen Nothhutes. ' Verdächtig. Sie waren noch nicht lange verheirathet, und das glückliche, segensreiche Vertrauen, das junge Eheleute einander zu schenken Pflegen, war noch nicht gestört worden. Eines schönen Morgens aber sprach öie junge Frau zu ihrem Gatten: John, mein Schatz, ich habe daö Loch in Deiner Hosentasche zugestopft, als Du gestern Abend schon im Bett lagst. Bin ich nicht eine fürsorgliche kleine Frau?" Hm," meinte Johz zweifelnd, hm ja Du Du bist fürsorglich, ja aber, jag mal, Liebchen, wie kam's denn eigentlich. daßDu das Loch in meiner Hosentasche bemerktest?" Niederträchtig. Neffe: Warum ist denn Tante Sabine an ihrem Gtnrtstag so wüthend?" Onkel: Es hat ihr Jemand anonym eine Schnurrbartbinde zugesandt!" Vertheidigungsblüthe. Advokat (der einen Autler vertheidigt): Wenn auch durch-die Schuld des Angeklagten dem Kläger beide Füße abgefahren wurden, so kommt doch der Umstand als strafmildernd in Betracht, daß der Kläger nunmehr von seinem langjährigen Podagra befreit wurde!"
pnmanerueoe. ' '' Humoreske von Karl Cassau. Ich hatte soeben die Prima betreten! Wenn man in jenem Alter, worin eben alles Sprießen ünd Sprossen ist, einen solchen Ordinarius bekommt, wie ich den Professor Brauns, so heißt das. alle jungen Triebe unterdrücken und zerstreuen,denn seine griechischenLektionen waren die vollendetste Langeweile, die Zch.je empfunden. Uns wurden die schönsten Kapitel der Jlias dadurch verödet! Mitten in den Kampf ztoischen Hektor und Patroklos schob Professor Brauns einen Exkurs über den Schildebau der Griechen ein; den Entscheidungskampf zwischen Hektor und Achilles machte er durch eine Belehrung über die Bauart und Behandlung der Speere fast unaenießbar; beim Wettlauf zwischen "Paris und Achilles brachte er eine Anwendung des Laufes als Sport zu unserer Kenntniß und verbreitete sich LberPfeile und Bogen, so daß einem fast übelard vor Langweiligkeit! Welch' ein anderer Mann war dagegen der junge OberlehrerDoktor Griphius, der uns Frauzösisch. Englisch und deutschen Aufsatz lehrte! Wie scherzhaft und doch wie ernstlich wußte er uns die Regeln beizubringen, wie sicher führte er uns in den Text ein. wie interessant gestaltete er unsere Uebungen! Ich erinnere mich deutlich, wie er uns einst die Aufgäbe stellte, das Gedicht von Gotter "Que le jour me dure Passö loin de toi" in formgerechte .deutsche Verse zu übertragen, und wie er uns einst als englischen Aufsatz das Thema gab: Lord spring. Ich weiß auch nock. wie er meine in eckiger Schdift üevrreichten Darbietungen belobte und andeutete, ich habe viel Talent zur Poesie, wie aufmunternd und entgegenkommend er war! Kurz, er war unser aller Liebling! Damals heiratheteDoktor Griphius. aber niemand kannte seine junge Gattin; nur so beiläufig hörte ich einmal sagen,' sie fähe wie ein junges Fräulein aus. Ich befand mich damals in dem Zustand, worinman jeder Schürze nachläuft, und wußte noch keinen rechten Unterschied zwischen den Frauen zu machen. Meine Wohnung befand sich damals in einem Schlächterhause, wo ich eine gute Pension hatte. Da bemerkte ich 'denn oft, wenn ich vom Gymnasio kam oder bisweilen aus dem Fenster auf die Straße schaute., eine junge Dame, welche sich in abhängiger Stellung zu befinden schien, weilte offenbar einkaufen ging, sich aber dabei so schick und schneidig trug, , daß ich mein 'armes Primanerherz an sie verlor. Endlich bemerkte ich zu meiner Genugthuung auch, daß sie bei meinem Penstönsvater im Laden kaufte. " Eines Tages, als ich sie gesehen, fragte ich den .Schlächtermeister: Wer ist das?" Der Schlächter sagte: Sie ist mir auch schon aufgefallen, stets so adrett, so schick und so nett, aber wer sie ist, kann ich nicht sagen. Sie muß fremd zugezogen sein, denn sonst kennte ich sie! Auch meine anderen Kunden wissen nicht, wen sie vor sich haben. Das aber steht fest, daß sie fremd ist, denn sie spricht einen harten, wenn ich nicht irre, friesischen Dialekt. Aber das muß ich sagen, gebildet'und sehr fein drückt sie sich aus, ebenso wie sie stets sehr freundlich und artig ist." So war meine Wissenschaft denn zu Ende, meine Liebe aber noch mehr entflammt. Ich nannte sie nun das Mädchen aus der Fremde" und richtete meine glühendsten Gedichte an sie. So weit aber waren wir damals, vor fünfzig Jahren, noch nicht wie die heutiqen-Primaner, die auf der offenen Straße - flirten. Ich bes ang sie' nur aus der Ferne, und es währte eine geraume Zeit ,bis ich den Muth fand, die sich bietende Gelegenheit wahrzunehmen.als sie ihrKörbchen bei meinem Schlächtermeister einstellte, um ihr das jüngste Kind meiner Muse in den Korb zwischen Blutwurssund Schweinefleisch zu praktiziren, so daß sie es beim Auspacken finden mußte. Die Worte stehen mir noch heute in Erinnerung: An 'zas Mädchen aus der Fremde. . Du kämest aus der Ferne In unsern kleinen Ort, Ich sah Dich gleich so gerne. Weiht' Dir mein Herz sofort! Nun mußt Du's schon ertragen, Daß ich Dein Schatten bin; Nie werde ich es wagen, Zu trüben Deinen Sinn! Laß mich Dich nur begleiten Wie die Frau Sonn' Herr Mond; Mir gilt's für Ewigkeiten. Wenn nur Dein Blick mich lohnt!" Aber mir ward kein Lohn, denn meine Schöne verschwand bald darauf ganz aus meiner Beobachtungssphäre. Dafür'machte ich die Entdeckung, daß meines. Oberlehrers Doktor Griphiuö Blicke oft auf meinem Knabengesichte ruhten. Max Hübner," fragte er eines TageS, wie alt sind Sie eigentlich?".. Achtzehn, Herr Oberlehrer!" Achtzehn! Schöne Zeit, in welcher der Frühling in .die Menschenherzen Zieht!". . . ; . Ich. starrte ihn ganz verwundert an.
va er vavon redete, was sich etgenlttcy doch ganz von selbst verstand. Noch mehr verwunderte' ich mich, als unser nächster Aufsatz lautete: . h Schiller's Mädchen aus d'n Fremde". Sollte er etwas von meinem" Madcken aus der fremde wissen? 'Wie war ich aber erstaunt, als er nach der Korrektur der Aufsätze fagte: Max Hübner, Ihr Aufsatz' war wieder mal der allerbeste, ein Zeichen geistiger Gereiftheit! Sie müssen sich nur hüten, die Grenzen zu überschreiten, welche uns Sterblichen die Natur selbst bei achtzehn Jahren ezogen hat! Mit. anderen Worten, wir müssen uns in acht nehmen, uns in die Gefühle der Liebe hineinzudenken, die erst im nächsten Dezennium berechtigt sein würden!" Ich war roth geworden. . Mir fiel plötzlich das verschwundene Mädchen aus der Fremde ein. Sollte er davon Wind bekommen haben? Vielleicht hatte mein Schlächtermeister geplaudert? Der, fiel mir jetzt ein, konnte ja nichts wissen! Aber fo viel stand fest, Doktor Griphius wußte etwas von der Geschichte, denn die Hinweise ließen, wenn sie auch meinen Kommilitonen unverständlich waren, doch für mich nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig. Inzwischen ward es Ostern, und wir bereiteten uns auf das Abiturium vor. Ich erhielt eine Auszeichnung, indem man mich vom mündlichen Examen dispensirte. Gleichzeitig schrieb mir mein Vater aus der kleinen NachKarstadt, der ich entstammte, Doktor Griphius sei bei ihm gewesen und habe mir das Studiumder Philologie empfählen, ob das auch meine Meinung sei? Das konnte ich nun mit gutem Gewissen bejahen, obwohl es für meinen Vater eine Enttäuschung war, denn ich sollte, wie er gedacht, sein Geschüft fortsetzen. Er schrieb aber von dieser Enttäuschung nichts, ein Beweis dafür, wie warm Doktor Griphius meine Sache bei ihm geführt haben mußte! Der Vater gestand mir alles zu, was ich wünschte. Ich ging zur Universität ab. Am Pfingstfeste, dem Feste der Maien, kehrte ich auf kurze Zeit zurück und wunderte mich, einen Brief von Doktor Griphius vorzufinden, worin er mich eine seltene Auszeichnung! zu derTauffeier seines ersten Söhnchens einlud, den man meinen Namen Max' beizulegen gedenke. Ich sagte freudig zu und stellte mich auch am Tauftage pünktlich in der Wohnung meines geliebten Oberleh-, rers, jetzigen Peofessors, ein. Ich ward in's Taufzimmer geführt, wo schon ein Pastor im Ornate saß, wie ich nachher hörte, der Schwiegervater meines Professors. Dieser - hieß mich warm willkommen und stellte mir seine Gattin vor, .die den zukünftigen Max Griphius in einem Steckkissen auf dem Arme trug. Aber ich bekam fast die Ohnmacht, als ich die Dame erkanntet mein Mädchen aus der Fremde! Wie ich erschrak! Aber kein Laut kam über ihre, über seine Lippen! Meine ganze Befangenheit konnte ich sehr gut unter der Bewunderung des winzig kleinen Menschenkindes verstecken, über welches wir uns alle drei beugten! Der Professor aber sagte: Gebe Gott, daß er ein Dichter werde, wie sein Pathe, denn im Leben sagt jnan, daß die Pathenkinder stets, etwas von ihren Pathen erben!" Und ebenso treu und ehrenhaft wird!" fügte die Frau Professor hinZU. Ich verbeugte mich stillschweigend, ebenso tief gerührt, als beschämt. Daß meine Primanerliebe ein solches Ende nehmen sollte, hatte ich nicht geddcht! Uebrigens war sie längst vergessen! Als ich das gastliche aus verließ, hinterließ ich für meinen Pathen einen schweren Silberbecher! Als ich zehn Jahre später als wohlbestallter Professor meinen einstigen Oberlehrer, jetzt Direktor des Gymnasiums, besuchte, begrüßte er mich herzlich und fragte: Sind 'Sie verlobt?" Ja," sagte ich, Herr Direktor, ein deutscher Mann muß doch auch ein liebreizendes Weib haben!" Recht!" nickte er. Auch ein Mädchen aus der Fremde?" Aus der Reichshauptstadt, Herr Direktor!" lachte ich. Gut gesagt! Uebrigens, wollen Sie meine Gattin und Ihren Pathen nicht begrüßen? Ich glaube, er komm! Ihnen nach!" Vor allem wohl seinem Papa!" Schmeichler!" lachte er, faßte mich unter dem Arme und schob mich in's Familienzimmer hinein.
Uebrig gebliebene Del färbe begießt man etwa fingerhoch mit Wasser, damit sich keine Haut bildet; beim Gebrauch wird das Wasser abgegossen. Man bewahrt sie im Keller auf.' um tchenmöbel zu retnlgen, reibt man sie zuerst mit einem wollenen Lappen, der mit lauwarmem Bier befeuchtet wurde, ab. Alsdann kocht man. ein Stück Wachs von der Größe eines Hühnereies und halb so viel Zucker in zwei Tassen Bier, läßt die Masse ein wenig abkühlen und bestreicht die Möbel damit. Wenn sie trocken sind, polirt man mit - einem wollenen Lappen blank. . .
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