Indiana Tribüne, Volume 29, Number 98, Indianapolis, Marion County, 16 December 1905 — Page 7
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Ll'Mabcr-Tgeater.
Aovellktte von Emma Merk. I Helga war zornig wüthend war .sie! Vor den fremden Leuten hatte sie sich ja noch zusammennehmen und ;iachcfa und gute Miene zum bösen Spiel machen müssen. Als sie dann auf ihrem Rad nach Hause fuhr, war eZ auch noch so lebhaft auf der Straße gewesen, daß sie nicht ihren Gedanken nachhängen konnte. Aber nun, in ihrem Zimmer, als sie den kleinen Hut abnahm und die Handschuhe auf dcn Tisch schleuderte, kam es ihr erst, zum Bewußtsein, wie Alles in ihr prickelte vor unterdrücktem Aerger. Sie erschrak ordentlich über ihr 5c sicht im Spiegel. Ganz heiß brannten ihre Wangen. Ihre Augen funkelten trotzig. Wie bös sie aussehen konnte! Ja, bös wollte sie sein! Ein rechter Teufel! Hermine sollte sie kennen lernen. Sie lachte plötzlich wieder übermüihig auf. Und das Gesicht, das nun im Spicgel erschien, dieses feine, temperamentvolle, erregte junge Gesicht, war wirklich fährlich hübsch mit den blitzenden weißen Zähnen zwischen den tief.rothen Lippen, mit den sprühenden grauen Augen, die fast schwarz wirkten unter den dunklen Brauen. Helga kam von einer Leseprobe zu einem Dilettanten-Theater, das nachstens stattfinden und bei dem sie mitwirken sollte. Hofrath Steinweg feierte nämlich in ein paar Wochen seinen siebzigsten Geburtstag und seine Enkelin Hermine hatte den liebenswürdigen Einfall gehabt, eines der Lustspiele, die der alte Herr in seinen Mußestunden verfaßt, heimlich abzuschreiben,' um ihn mit einer möglichst guten Aufführung zu iiberraschen. Der Hofrath, dem seine Stellung els königlicher Administrator Zeit getiug zu einer 'schriftstellerischen Thätigkeit übrig ließ, war viel zu bescheiden, um mit seinen Arbeiten an die Oeffentlichkeit hervortreten zu wollen. Man wandte sich höchstens an ihn, wenn es sich um ein: Gelegenheitsdichtung zu irg:nd einem festlichen Anlaß handelte. Aber seine Enkelin wußte, wie er die Schriftsteller beneidete, deren Worte von den Lippen guter Schauspieler von der Bühne herabklangen; wie er man ches Mal mit tiefer Wehmuth aufseufzte, wenn irgend einem- mitte!mäßigen Machwerk durch Protektion, vielleicht auch nur durch die Keckheit des Autors, dieses Glück zu theil wurde, das er nie zu beanspruchen gewagt hatte. Ein: Aufführung an einem großen Theater vermochte Hermine nun freilich dem guten Großvater nicht zu derschaffen. Dagegen war es ihr ein Leichtes, ihre Mama für die Idee zu begeistern. Bei der Mama fetzte sie immer ihren Willen durch, besonders jetzt, seit sie verlobt war; obendrein mit Doktor Stahl, der bei der Mama schon deshalb einen Stein im Brett hatte, weil er Arzt war; denn sie hatte, trotz ihres guten Aussehens und ihres trefflichen Appetits, immer eine Klage eine Besorgniß mit ihrer Gesundbett, und der künftige Schwiegersohn mkßiz ihr geduldiger zuhören als der Hausarzt, der ihr Anliegen nie ernst nehmen wollte. Sie bewohnten ja auch ein eigenes Haus und in dem großen Geftllschaftszimmer, das seit dem Tode des Vaters nie benutzt worden, ließ sich bequem die Bühne aufschlagen. Hermine wollte ihren vollen Ehrgeiz dareinsetzcn, hübsche Menschen zusammenzubekommen und für die einzelnen Rollen die passendsten Vertreter zu sin den. Daß sie für den Afrikareisenden, der in dem Stücke vorkam, den neuernannten Professor Rethel gewönnen, der allerdings nicht in Afrika doch in Indien und in China und Japan gewesen war und sehr interessant aussah, schien ihr schon als ein gutes Zeichen für das weitere Gelingen. Helga hatte die Idee ihrer Institutsfreundin Hermine sehr reizend gesurden. Dem lieben Hosrath, der immer so nett und freundlich zu ihr gewesen, hätte sie unter allen Umstanden gerne eine Freude gemacht. Aber Theater spielen, das war für sie obendrein ein Genuß! ein erfüllter Traum! Sie war in der sicheren Erwartung zur Leseprobe gekommen, daß man ihi die Hauptrolle übertragen würde, den edlen Charakters Hildegard," die Heldin des Stückes, ist mit einundzwanzig Jahren selbstständige und alleinige Besitzerin eines großen Vermögens und eines Prachtvollen Gutes mit einem alten Park, in dem sie bisher in weltabgeschiedenem Frieden ihre Tage verträumt hat. Aber die idyllische Ruhe fand ihr Ende, als sie Leo Buchdorf kennen lernte eben den interessanten Afrikareisenden, den Professor Rethel spielen sollte der nach seiner Rückkehr in die Kultur ein bekannter Schriftsteller geworden war. Sie liebten sich, als das Stück beginnt. Ab',? er ist zu stolz und trotzig, um daS erlösende Wort zu sprechen. Sein Vater ist sehr unglücklich geworden durch eine Heirath mit einem reichen Mäd'chen; er hat in das -Herz des Sohnes förmlich einen Haß eingepflanzt gegen eine Eeldbeirath. Leo Buchdorf fühlt obendrein, daß er eö nicht ertragen konnte, auf dem einsamen Gut zu leben und schreckt doch vor der Verantwor'iung zurück, das junge Mädchen aus ihrer schonen Gevorgenheit tn das un
Wanderleben mit fortzureißen. daS
ihm allem behagt. Hildegard erfährt turc") einen Zufall, wie glühend er sie, irok u:::es Schweigens, liebt. Sle faßt i: großmüthiger Begeisterung dcn Eritichluß. ihr Gut an einen Äetter zu rcrsc5:u!cn. nur um dem Geliebten zu beweisen, daß aller Besitz ihr werthlos ist, ohne ihn. Diese baden Hauptfiguren waren stark idealisirt. Die nüchternen Menschen von heute begriffen diesen seltsamen Schwärmer nicht mehr und früaen sich: Warum ist der Afrikareisende dem Geld gar so abgeneigt? Ein Gut läßt sich ja auch verkaufen." Aber der Hofrath hatte nun einmal sein Stück auf diese Idee aufgebaut, vielleicht um ln scherzhafter fform zu sagen, daß e$ in der Mitte dieses Jahrhunderts doch noch Menschen gab, denen der Mammon die Million nicht das Höchste auf der Welt war. Helga traute cs stch iedensalls zu. die hübschen Worte, die die Heldin zu saaen hatte, zur Geltung zu bringen und deren Liebesopfer möglichst glaubwürdig darzustellen. toie hatte sogar schon em paar Wendüngen auswendig gelernt, die ihr besonders gefielen. Man nahm an dem runden Tifche Platz, auf dem Hermine die ausgechriebenen Rollen vertheilt hatte, und iberlcgte die Besetzung. An Personal stand zur Verfügung: vermine Steinerz, ihr Bräutigam Doktor Stahl, Professor Rethel; ein Fräulein Minny Lechner, einrothhaartaes. mcht mehr ganz junges Mad chen. das sich das schüchterne Backfischerrothen nock mcht abgewohnt, und dem , Helga deshalb den Spitznamen Mimosa" aufgebracht hatte. Ein dicke? Kollege Stahls, der sich entschieden mehr für das Komische eignete, eine blonde Schwester Herminens, die behauptete, sie möchte mit einer schwarun Perücke einen schwarzen Charakter spielen, und ein paar ältere Damen. die sich bescheiden einfügen wollten, wo man sie eben brauchen konnte. Frau Steinerz hatte mit drolligem Entsetzen erkläit: Mich laßt aus dem Spiel, Kinter!" Also vor Allem muß die Rolle der Hildegard besetzt werden. Den Helden haben wir ja, Gott sei Dank!" begann Hermlne. die sich als Rcgiijeur sehr wichtig fühlte, mit einem freundlichen Blick zu dein jungen Professor hinüber. , Sie. gnädiges Fräulein! Wollen Sie nicht selbst?" frug man einstimmig, da man es doch für höflich hielt. der Tochter des Hauses die Hauptrolle anzubieten. Ich keinesfalls, nem! Erstens wage ich mich nicht daran und zweitens werde ich an dem Abende die Hände voll Arbeit haben. Es muß doch Jemand da sein, ter als eine Art Jnspizient dafür sorgt, daß auf der Buhne Alles klappt. Dazu muß man im Hause Bescheid wissen, nicht wahr?" Ich mochte auch sehr darum bitten, meiner Hermine nur eine kleine Rolle zu geben, am liebsten gar keine!" warf die Mutter 'em. Sie soll mir doch helfen, die Gäste empfangen!" Aber dann muß d)ch Fraulein Helga die Hildegard spielen!" rief Doktor tahl. Ja. Fraulem Durlach, unbedingt!" bestätigte sein Kollege Doktor Hermann. Und nun kam s. Nun kam die Beleidigung, die Helga ihrer Freundin niemals verzeihen wurde! Nie! Für die sie sich unerbittlich rächen wollte. Hermine zuckte nämlich Mit den Achseln und zog mit einem ganz bedenklichen Gesicht die blonden Äugenbrauen in die Höhe. Ich fürchte. Helga ist für die Rolle der .Hildegard' nicht mädchenhaft, nicht weidlich genug! Sie ist zu kühl! Ich bitte Sie. ihr glaubt doch kein Menscb. daß sie so schwärmerisch verliebt ftin kann! Ich wenigstens kann mir Helga nur vorstellen auf dem Rad, mit der Cigarrette im Mund, mit dem Rakett in der Hand! Eine Königin im Sport, eine Emanzipirte, ein unnahbares, unheimlich kluges Weib das würde sie ja famos spielen! Aber Großpapas etwas altmodische, fast sentimentale Hildegard? Nein! das paßt meiner Meinung nach nicht zu ihr! Hela ist zu modern! zu sehr neues Jahrhundert!" Na, Du mußt.es ja wissen!" hatte Helga ein klein wenig pikirt gerufen. Sie wunderte sich jetzt, daß sie doch im Stande gewesen, sich so zu beherrschen, daß sie nicht aufgesprungen und irgend etwas ganz Ungezogenes, Ungebildetes gethan, Herminen das Buch vor die uße geworfen hatte oder so was dergleichen, wonach es ihr doch zu Muthe war Hatte sie wirklich nicht hell ausgelacht, als die siebengescheidte junge Thcaterunternehmerin dann meinte:" Die flotte Amerikanerin in dem Stück eignet sich doch brillant für Helga! Und ich meine, Fraulem Lech ner soll die Hildegard übernehmen!" Die Mimosa! Dieses affektirte. ältliche Ganschen! Na, der Afrika reisende" mußte einen guten. Geschmack haben, wenn ihn diese schmachtenden wasserblauen Auoen begeisterten! Helga hatte das zum Glück nur gedacht, auch ihr höhnisches Lachen unterdrückt. Aber wie sie die Freundin durchschaute, wenn' diese sich auch noch so schlau dcn Anschein gab, als sei sie nur als vorsichtiger Regisseur für die richtige Besetzung ihrer Rollen besorgt! Im Hintergrunde lauerte doch die ganz persönlich: Absicht, ihre .Freundin"
'Helga emen unangenehmen' Charakter r. . f rr l r? . t .11. !i
spielen zu iaien, uno jie yanc in Wonne die Gelegenheit ergriffen, um die Unweiblichkeit, das kühle" Wesen, die Hypermodernität des jungen Mädchens so recht zu betonen. Gerade vot dcn Ohren ihres Bräutigams! O ja, er sollte hören, wie schrecklich er hereingefallen wäre, wenn er sich in Helga verliebt hätte. Den Hof hatte er ihr ja gemacht. Und Hermine war so eifersüchtig gewesen, ehe sie sich verlobte. , Die boshafte, intrigante Person! O, Helaa haßte sie seit diesem Augenblick' Bor ollen Leuten diese naseweise abfällige Kritik. Mochte sie vor ihrein Bräutigam, unter vier Augen, doch über die Damen lästern, die ihm einmal gefallen hatten! Er wußte wohl, was dos zu bedeuten habe und vielleicht machte ihm ihre Eifersucht Spaß. Aber er der Andere der Fremde! Helga hatte wohl bemerkt, wie die scharfen Äugen des Professors Rethel sich auf sie hefteten, als wollte er sagen: Also fo bist Du? So emanzipirt! Schade!" Er schaute sie ohnehin immer so forschend an. als studire er sie wie irgend eine merkwürdige Thiergattung das schlug ja in sein Fach als Zoologe und besinne sich, zu welcher Abart er sie einreihen müsse. Aber Hermine, die skizzirte ihm ja in aller Kürze die Karikatur ihrer Freundin! Die klärte ihn freundlichst auf! Mit einem neuen zornigen Aufschrei setzt: sich Helga auf ihr kleines Sopha und fing an,ihre neue Rolle zu studiren: Eine ganz unangenehme, falsche, berechnende Dame, diese Amerikanerin, die mit einem gutmüthigen älteren Herrn dcn Doktor Hermann darstellen sollte verlobt ist. aber sofort nach dem flotten jungen Maler angelt, so bald sie hört, daß dieser das schöne Gut seiner verliebten Kousine kriegen soll, die ihren Besitz los sein will. Und Hermine hatte es gerade so hingestellt, als wäre dieser häßliche Frauencharakter Helga auf den Leib geschrieben. O. sie sollte sehen, daß man die Menschen schlecht und bös macht, wenn man sie zu niedrig einschätzt! Sie sollte es bereuen! Ja, ja! Helga wollte sich auch mit dieser Rolle abfinden. Das gebrochene Deutsch wirkte ganz drollig; man konnte eine hübsche Toilette anziehen und e& ließ sich eigentlich ein ganz verführerisches Geschöpf aus diesem tückischen Frauenzimmer gestalten. Ha! Mit einem muthwilligen Aufblitzen ihrer Augen legte sie das Buch weg. Am darauffolgenden Sonntage war die erste Probe. Du siehst heute ganz durchtrieben aus, Helga!" sagte ihr Bruder, der Primaner, als sie in ihrem weißen Wollkleide, das ihre schlanke, hohe, an muthige Gestalt besonders zur Geltung brachte, an seine Thür klopfte, um ihn zum Aufbruch zu mahnen. Ernst sollte den Bedienten spielen. Er wollte erst freilich nicht. Aber Helga hatte ihm gesagt, daß die hübsche Lu, Herminens Schwester, die so gern den schwarzen Charakter gegeben hätte, sich auch zu dem Stubenmädchen hatte herablassen müssen, und daß er mit dieser reizenden Mitbediensteten wohl zufrieden fein-könne. Ernst war etwas erröthet er hatte ein: heimliche Schwärmerei für Lu. Er brummte wohl noch über die Dummheit des Theaterspielens, aber er war doch gewonnen und sah nun seine?.? Debüt als Bedienter" mit sichtlicher Aufregung entgegen. Seit einer Stunde machte er schon Toilette. Seinen allerhöchsten Stehkragen, der ihm bis unter die Ohren reichte, hatte er angezogen, und die breite schwarze Krawatte, die ihm den als so einschnürte, daß er den Kopf ganz steif halten mußte, den engen, an den Schö ßen abstehenden Rock die allerneueste Gigerlmode ganz Biedermeier. Du, Helga!" meinte er, mit einem Blick in den Spiegel und auf die Locke, die mit kühnem Schwung in die Stirne fallen sollte und die nicht recht gerathen war: Leih mir doch noch emen Momeni Dein Brenneisen!" Wenn sie Dich nur bei Stahls nicht für maskirt halten, Ernstel!lachte Helga. Aber sie brannte ihm selbst den Schöpf und rief dann übermüthig: So! Wunderschön! Der reinste Ka. kadu! Grüner Kakadu!" Dabei gab sie dem Bruder doch einen liebevollen Klapps auf das Kindergesicht mit dem feinen, allzu langsam wachsenden Schnurrbart. Sie hatte den Jungen lieb, trotz seiner Gigerlschrullen. Ihre gute Mama war so dick und bequem; ihr Vater, der Regierungsrath, war so viel beschäjtigt, die beiden 5Nnder blieben von je aufeinander angewiesen, wenn sie ein Vergnügen haben wollten und Helga hatte sich deshalb eine ganz knabenhafte Schneidigkeit angewöhnen müssen, und war eine so kühne Radfahrerin aewor den, damit ihr einziger Begleiter, der Bruder, sie Nicht im Stiche ließ. Mit großen, raschen Schritten eilten die Geschwister in die Georgenstraße zu Stahls, die hier ein eigenes Haus bewohnten. Es war em so schcner Maitag und es wurde ihnen so fröhlich zu Muth unter dem lustigen blauen Himmel, in dem kühlen, wonnigen Wind, der durch die Leopoldstraße wehte. Die Proben sollten, einstweilen in dem wenig benutzten Gartenzimmer stattfinden, damit der Großvater, wenn er gerade zu Besuch käme, nichts bemerkte. Man hatte mit spanischen
Wänden eine Art Bühnenraum hergestellt. Helga wußte ihre Rolle schon auswendig und flüsterte Doktor Stahlder den flotten jungen Maler spielen sollte, und der freimüthig bekannte, er habe gar nichts gelernt," tröstend zu: "Ich fege Ihnen ein! Verlassen Sie sich auf mich! Sie müssen nur ordentlich die Ohren spitzen, damit Sie's hören! In der Schule habe ich's prächtig gekonnt!" Sie sah ihn dabei mit so übermüthigen, lachenden' Augen in's Gesicht, daß er sich heimlich sagte: Donnerwetter! Ist das Mädel hübsch!" Nicht wahr, Herr Doktor, Sie verzeihen, wenn ich Sie etwas keck ankokettire! Ich muß mich doch in mei ner Rolle üben!" bat sie dann, mit rei zender Ausgelassenheit den Kopf zu ihm neigend. Ich habe gar nichts dagegen! Im Gegentheil! Nur zu. Fräulein Helga!" lachte er sehr vergnügt.' Er fing an, das Theaterspielen amüsant zu finden,
in das er sich, nur seiner Braut zu Liebe, nach einigem Widerstreben gefügt. . ... Da er meist mit Helga aufzutreten hatte, mußten sie auch zusammen hinter der spanischen Wand stehen und auf ihr Stichwort warten. Dabei machte sie so drollige Bemerkungen, war sie so unwiderstehlich in ihrer muthwilligen Laune, daß immerfort ein Lachen und Kichern in die andere Seite der Bühne hinuberklang, wo Hermine mit dem Souffleurbuch in der Hand festsaß. Es machte sie so zerstreut, dieses Geflüster zu hören, daß sie einige Male das Einsagen vergaß und ganz ärgerlich: St! St! Ruhe!" befahl. Aber das Gekicher wurde dann nur leiser, heimlicher. Es verstummte nicht. Und als Helga dann auf die Bühne kam und mit größter Gewandtheit ihre Szene spielte, gestand sich die junge Regisseurin, daß sie in ihrer Rollenvertheilung keine glückliche Hand gehabt habe.. Beim Lesen hatte diese Amerikanerin ganz anders gewirkt. Was Helga aus ihr machte, das war ein so reizvolles, pikantes, schalkhaftes Geschöpf, daß die Heldin Hildegard, die in Fräulein Minnys, Darstellung zu einem sehr affektirten, süßlichen Wesen wurde, vollständig neben ihr verblaßte. Und dann dieses Zusammenspiel mit ihrem Bräutigam! Sie würde Clemens ja niemals die Rolle des Malers gegeben haben, wenn sie sich das so gefährlich gedacht hätte! Sie hatte eben die Amerikanerin nur als unangenehme Figur aufgefaßt! Sie würde es auch niemals für möglich gehalten haben, daß die kühle, herbe Helga ein so verführerisches, kokettes Weib spielen könnte! Es kam da eine Szene vor, in der Miß Mary den Maler - durch ihre schalkhaften kleinen Neckereien und durch ihr drolliges Deutsch so geschickt einfangen muß. daß er sie um ihr Bild anfleht und ihr, als sie ihm ihre'Photographie überreicht, stürmisch die Hand küßt im selben Moment ist auch die amerikanische Mama zur Stelle und sagt, die Arme öffnend: 0, I ßce; Sie haben sich verlobt mit meiner Tochter! Ich freue mir sehr!" Darüber große Verblüffung des Malers. Er hatte durchaus keine ernsten Absichten. Er hatte sich nur, wie schon öfters vorher, von dem Moment hinreißen lajjen. Und nun durchschaut er auch, daß Miß Mary ihn einfangen wollte und es wird ihm mit einem Mal klar, daß es seine Schattenseiten hat, eine gute Partie" zu sein. Er mag nicht gebunden sein; er mag nicht heirathem Seine Freiheit, seine Kunst ist ihm lieber als aller Reichthum und er weist die Schenlung seiner Kousine zurück, nur um von der Amerikanerin wieder los zu kommen. Miß Mary muß ihren gutmüthigen dicken Verlobten zurückgewinnen und Hildegard weiß gar nicht, wie sie nur :n aller Eile ihr Gut anbringen soll, bis ihr die Idee kommt, es als Asyl für die Waisen verunglückter Seeleute einzurichten. Darüber ist der AfrikaReisende" fo gerührt, daß er endlich seinem stolzen, heißen Herzen kernen Zwang mehr auferlegt und Hildegard zu Fußen fallt. So der weitere Verlauf des Stückes, das mit allerlei heiteren Episoden durchflochten und in einem frischen Dialog gehalten war. er der obenerwähnten Sene mit Miß Mary erklärte aber Doktor Stahl sehr enerqisch: Hier muß sich die Regie unbedingt eine Abänderung erlauben. Ein Handkuß kann doch auch die korrekteste Amerikanerin nicht zu so energischem Einschreiten veranlassen und es sieht einem kecken Maler auch gar nicht gleich, daß er einem schönen Mädchen dienerhaft die Hand küßt. Nein.! Ein richtiger Kuß muß es sein! Ein Kuß auf den Mund! Dann versteht man erst, daß der leichtsinnige Mensch sich wirklich gebunden fühlen muß und nur loskommen kann, indem er , wieder der arme Teufel wird, der er gewesen, den 1 keine kluge Schöne und keine strenge Mama einfangen wollen. ' Was fällt Dir ein!" rief Hermine sehr entrüstet. An dem Werke meines lieben Großvaters soll nicht ein Strich geändert werden!" ', Aber sie wurde überstimmt. Selbst die sanfte Frau Doktor Hermann, die als amerikanisch: Mutter aufzutreten hatte, bemerkte: Ich habe das auch schen etwas wunderlich gefunden, daß ich einen Handkuß gleich für ein Zei-
chen der Verlobung halten soll. Mein Gott, wenn mich alle Herren litten heirathen müjjen, die mir die Hand küßten! Ich war als junges Mädchen viel in Oesterreich." Unter allgemeinem Gelächter wurde dann der Kuß auf den Mund dekretirt. Helga aber erklärte, bei den Proben müsse es entschieden bleiben wie bisher. Bei der Aufführung, aber nur dieses eine Mal, würde sie sich dem Herrn Hofrath und dem Gelingen des Ganzen zu Liebe, in Gottes Namen den Kuß gefallen lassen. Doktor Stahl rief freilich: Gerade der Kuß muß geprobt werden! das ist doch der wichtigste Moment meiner Rolle!" aber sie beharrte bei ihrer Entscheidung trotz seines eifrigen Drängens. (Fortsetzung folgt.)
Nordische Krise i n Berl i n. Die Trennung Norwegens und Schwedens hat sich auch in Berlin bemerkbar gemacht. In der letzten Generalsitzung des schwedisch-norwegi-schen Unterstützungsvereins im schwedischen Konsulat hat der Verein aus praktischen Gründen sich aufgelöst und eine reinliche Scheidung seiner Mitglieder vorgenommen. Er zerfällt künftig in zwei verschiedene Vereine, ik den schwedischen und den norwegischen Das Vermögen des alten Vereins ging nach der. Einwohnerzahl der beiden Länder zu auf den schwedischen und & auf den norwegischen über. Kraftvolle Zurückweis u n g. Der Wirth und Oekonom Vurkhardt in Kissing. Oberbayern. veröffentlichte unlängst m einem Lokalblatte die folgende Erklärung: Diejenigen, die das' Gerücht verbreiten, daß ich bei der kommenden Bürqermeisterwahl noch eine Charge bekleiden will, erkläre ich als qanz ordinäre Lausbuben. Mein Verlangen ist. ber sämmtlichen Wahlaangen meinen Namen nirgends auf einem Zettel zu lesen." Kuriose Bestrafung. Weil er in einer Gerichtssitzung den Richter mit Verachtung ' angeblickt habe," wurde ein Anwalt in Darmstadt. Hessen, in eine Ungebuhrstrafe von 30 Mark genommen. . Reinlichkeit im Stalle ist für die Ferkel unerläßlich, wenn sie gedeihen sollen. Er muß täglich ausgemistet und während der wärmeren Jahreszeit mit Wasser ausgespült und mit trockenem Stroh oder Sägespänen ausgestreut werden.' Liegen sie auf nasser Streu, so verunreinigen sie sich, die Haut überzieht sich mit einer Kruste, sie kratzen und reiben sich an den Wänden und verkümmern. Milchreis. Der Reis wird gebrüht, dann in kochende Milch gegeben, eine Prise Salz und etwas Zucker, beigegeben und weichgekocht. Dann zerklopft man ein bis zwei Eigelb, zieht sie. nebst einem Stück süßer Butter, unter den Reis und richtet ihn an. Schmeckt vorzüglich. Die prolzrnlictte. Ist Dein Vater zu sprechen, Kleiner?" Vater ist grad' im Fortgehen begriffen, er schnallt nur die Uhrkette mm!" Deckeneinsturz in der Kirche. In der Kirche, zu Chemaze im französischen Departement Mayenne stürzte während der Messe ein Theil des Deckengewölbes des Chores ein. Die Sänger, sowie andere aus dem Chor .weilenden Personen wurden schwer verletzt. Die Menge flüchtete entsetzt aus der Kirche. Zur Erinnerung an die Gelbfieber-Epidemie in New Orleans im Jahre 1903 hat eine dort lebende Familie. Namens Wilson ihrem während der schweren Zeit geborenen Kinde den Namen Stegomyia Faciata Wilson gegeben, weil, nach Ansicht der Gelehrten, der Gelbfieberbazillus durch den Stegomya faciata"-Moskito verbreitet wird. Das. landwirthschaftliche Departement in Washington. läßt dieses Jahr 38.000.000 Packte Gemüse- und Blumensämerkien vertheilen. ' Zum Zweck einer angemessenen Vertheilung der Sämereien ist das Land in sechs Stationen getheilt und für jede werden nur solche Saiten bestimmt, von denen man nach den lU matischen und andnen Verhältnissen sich Erfolg versprechen kann.
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Seuer-Signale.
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Alab. 96 Hailpteuartia. 7 Grand Hotel. 8 Capital Slot und C?U 3 No. 16 Cpritzenhau 16. und Ash. 2i Alaban2 und 1. iS eniral Ave und 1s. 1X6 Fände und 15. 127 Brookside und Jupit 8 Central Ave und 17. U9 Delaware und 19. 1S1 Alabama und 11. rs Bellefontawe und W. iii College Lve und t. .S5 Dtlaware und is. 1S6 Alabama tnd Start vrr Revmann und it. 133 College Ade und 14. .39 GcrrrcU Ave und 13. 41 Dande unü 19. lit Hiehland Av? undia. 143 Tecumsch und 10. 145 Rcw Jersey nd 22. 146 AWord und 17. i7 No. S CpritzenhaL Hikstde Ave und 2, 8 College Ave unt tx. :49 College Ave und 57. 6 Park Ave und 2, 3 2 Q & SB Sahn tt. 22. 164 Namscv Ave und iv. i&c Etougbton u SUfcrne .57 LtlaS und 158 Bloyd und Paiopaw. 160 No. 21 Cprenhaal Lrightieood 162 Arten und Depot I8 Brigytwcod und SS. :34 Rural und lohd 35 St. Sla u. kyflon 1? Arsenal tM und 21. 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In - Deutschland jammern die Katzen, wenn die Menschen zu viel getrunken haben." Der ÄertheidZger. Nach pundenlanger, aufregender VerHandlung ist es dem berühmten Rechtsanwalt Dr. F. gelungen, den Angeklagten N. frei zu bekommen. Alles-be-gliickwünschte den jungen Anwalt zu seiner großartigen Rede und auch der Angeklagte schüttelte ihm die Hand: .Ich danke Ihnen,' daß Sie meine? Unschuld zum Siege rerholfen haben". Erstaunt blickt ihn der NechtSanwalt an: Storni", sagte er, .daß ich die Geschworenen von ? Unschuld überzeugen würde, t,z: cürr.s gehofft, aber daß nun auch G;: cn Ihre Unsuld glauben, d: IZW: i ) r.Zcht erwart:!! . v
