Indiana Tribüne, Volume 29, Number 96, Indianapolis, Marion County, 14 December 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 14 Dezember RNN3.
Iieiot
Roman aus der Mark
von
111. C. Möller
teVvvvvvvAAvvvvv'.;
(Fortsetzung.)
Sie sah ihn ein wenig verwundert an. dann lachte sie: Ja. weil mich Herr Doktor Bergmann .wie eine Schwester' liebt anders dürfte er's ja auch nicht, wegen meines Bräutigams! Die Leute behaupten übrigens, daß wir einander ähnlich sehen. Toktor Bergmann und ich,' finden Sie das auch?" Ihre Unbefangenheit war völlig natürlich, sie wußte offenbar nichts! Und die 2Ilie" nun. die wurde sich so leicht nicht fangen lassen. Sie enteilte; der Inspizient hatte sie gerufen. Harry begab sich rerdrief lich in den Zuschauerraum. Ihm ging jetzt aber auch alles schief! Er hatte wirklich ganz niederträchtiges Pech! Wenn nun gar dieser Narr, der Heinz, wieder käme, sein Gut zurückverlangte o. es war nicht auszudenken! Hoffentlich kam er nicht! Er langweilte sich in dem larmoyanten Stück. Warum die hübsche muntere Bertha aber auch Rollen spielte, wie diese Marie! Herr Mcunier bewegte sich hölzern und überschrie sich. Das Publikum der Wohlthätigkeitsvorstellung war gedulbig; dennoch entstand bei dem übertrienen Pathos, das der junge Mann entwickelte, einige Unruhe. Nun begann auch Harry sich zu amüsiren. Der Kerl würde noch durchfallen, ausgelacht werden. Er entsann sich jetzt der Geschichte, Charlotte hatte davon gcsprachen: der allmächtige Heinz war wohl tüchtig dahinter gewesen sie glaubte ja an Herrn Meunier. Man fand ihn gräßlich" und tadelte die Direktion; aber man raisonnirte doch nur im Foyer, im Zwischenakte; während drinnen, in der Vorstellung, Jedermann mit Rücksicht auf den wohlthätigen Zweck schwieg. Aber der große Schhißmonoloa. des Clavigo" brachte die Explosion. Meunier geberdete sich wie rasend, aber man glaubte ihm nicht. Wie alle Anfänger hatte er darauf bestanden, daß nichts in der wortreichen Rolle gestrichen werde, man wurde immer unruhiger im Hause. Als aber der junge Mime von dem wüthenden Jammer, der seinen Busen füllt," lamentirte und sich dabei auf den breiten Brustkasten schlug, daß es dröhnte, da lachte man laut. Und als er schrie: Wer ruft mir? Wer ruft mir?" rief Jemand von der Gallerie: Unsinn! Keiner!"
Unter höhnischen Zwischenrufen und
Gelächter wurde das Stuck mühsam zu Ende gespielt. Edgar Meunier war nach
allen Regeln der Kunst durchgefallen
Harry wollte der hübsck.en Bertha sein Beileid ausdrücken. Aber er sah sie und ihre Mama bitterlich weinend aus der Garderobe kommen und zog sich
zurück. Das dumme Ding das,
dachte Harry, wozu heult die? Si:
bekäme doch icden Auaenblick einen an
deren Verehrer, sie brauchte ja nur
einen Fmger auszustrecken! Er hatte gerade noch Zeit, ein hasti
ges Frühstück einzunehmen und auf den Rennplatz zu eilen. Das Nennen war
schon in vollem Gange; glücklicherweise
bildete das Derby" den Schluß des
Proaramms.
Es war ein herrlicher Tag und also
alle Plätze auf den Tribunen besetzt;
eine glänzende Gesellschaft hatte sich zu diesem Nennfeste beim grünen Nasen einaefunden. Noch zeigte alles lichte
Farben, wenn auch der schöne Herbst
zeden Augenblick zum Winter werden
konnte.
Frau v. Marlow, die Harry zunächst begrüßte, schien sehr verstimmt. Wie sie saate. hätte sie ein Telegramm erhalten,
das sie sehr beunruhigte. Sie glaubte
auch mcht voll an Ottbert, hmter dem
Rücken Harrys hatte sie noch vor einer Stunde eine größere Wette, die sie auf
Mazeppas" Sieg eingegangen, ruck-
gangig gemacht. Heute Vormittag.
beim letzten Training, hatte Mazeppa" sich noch ungefügiger gezeigt, befonders das letzte Hinderniß hatte er
entschieden resusirt.
Ob nicht auch Harry versuchen wolle, einen Theil seiner Wetten loszuwerden? fragte sie ihn. Mazeppa" brauche
vielleicht doch einen anderen Reiter.
Sind Sie denn des Henkers?" fuhr er sie brutal an. Ich will und muß den ersten Preis mit diesem Pferde holen! Wo nicht, mache ich den Kauf rückgängig. Es wird Zeit, daß ich endlich einmal etwas von den Pferden
habe, die Sie mir aufgehängt haben! Herr Baron, Sie vergessen sich'
wies ihn Frau v. Marlow zurecht. Sie
maßen sich mit offenen, funketnoen Blicken. Unsichtbar für die Anderen fielen die Masken, die sie so lange ae-
tragen. .Sie sehen ja so verdonnert aus?
wandte sich Harry mißtrauisch an Ott-
vert. Gte baben ooaz mfij: cen
.Mumm' auf .Mazeppa' verloren?'
.Das nicht," versetzte jener, aber
eine böse Szene habe ich eben durchge-
macht mit meiner Familie. Hilda
wollte es absolut mcht leiden!"
Ja, hie Weiber." meinte Harry, tf !nif mit Si fmifopTrt 1"
lUUliilV illfc Uilfcfc vv wv.vv... Er schielte dabei nach der. Marlow.
Sie unaufhörlich umherspähte, als warte sie noch Jemand. Die Frau war heute wie ausgewechseit, so scheu, so ängstlich, sie zeigte keine Spur von ihrer sonstigen Sicherheit. Und Ottbert ließ auch die Nase hängen, es war heute eine abscheuliche Stimmung. Jetzt verabschiedete sich Ottbert von Frau v. Marlow. Auf seinem schönen, aber blassen Jünglingsangesicht lagen tiefe Schatten. Die zehrende, kochende Leidensckaft in ihm hatte ihren Höhe-
Punkt erreicht. , Entweder, gnädige Frau, werden Sie mich nach diesem Rennen einen
Mann nennen einen Mann, oer
Ihrer Gegenliebe werth ist oder "
Oder?" fragte sie, von semem 2on
erschreckt. Er antwortete nicht. Er sah sie nur an aus den tief liegenden, flackernden
Augen, seine ganze Seele sprach aus
diesem Blick.
n-tx arme junger oacy:e Die Mar
low. er wird noch ein Malheur an-
richten." Und ihm die Hand reichend,
flüsterte sie: Treten Sie doch zurück, Ottbert! Ich traue der Kanaille, dem
.Mazeppa' nicht!"
Er hob stolz den Kopf, dann riß er
mit rascher Bewegung eine Blume ab.
die sie am Busen trug, zwängte sie zwisähen die Knopflöcher feiner Uniform
und verließ die Loge.
So sagen Sie s nur rund heraus,
drang Harry noch einmal in ihn, Sie
haben die Kourage verloren?"
Im Geaentheil! Ich muß siegen.
koste es, was es wolle!"
Und er klopfte dem Pferde, das man
ihm eben vorführte, den Nacken.
So ist es recht, Graf!" Etwas beruhigt kehrte Harry in die
Loge der Marlow zurück. Sie fprcchen
kein Wort mehr miteinander. Beid: saßen sie da. voll ängstlicher Span-
nung; Harry fühlte wirklich sein Herz
gehen. Dieses Rennen mußte ihn her-
ausreißen.
Das vorletzte Rennen war vorüber.
der Satan" der Frau V. Marlow mnr fn?TS sirfi Jrnrrf hnR QtT ntnnrtnrrt
tHiHll 4WIUI VUVU jv. vjvjv..
Nur funs Pferde starteten für das Derby"; noch im letzten Augenblick
hatten zwei Herrenreiter Reugeld be-
zahlt. Mazeppa" nahm von vorn herein die Führung und hielt sich geraume
Zeit an der Spitze des Feldes. Jetzt kam ihm ein englischer Fuchs nahe, sehr nahe, ein kräftiger Ruck und Ottbert war wieder voraus. Schon schien es, als sollte dieser sonst so heiß umstrittene Preis dem neuen Pferde fast ohne
ernsten Kampf zufallen, als sich plötzlich
aus der zurückgebliebenen Gruppe ein
Reiter löste und in sausenden Sprün-
gen zuerst den Englander überholte.
dann auf gleiche Hohe mit Mazeppa
kam. Einige Sekunden athemloser
SpannUnq auf den. Tribunen, fast
Gurt an Gurt liefen, nein, stürmten
die beiden Pferde nebeneinander hm,
die ganze Haltung Ottberts drückte tod-
te-mutyioe ntfchloijenyett aus. rcr
Pferde von den Rennern waren zetzt
weit zurück, ein Ringen um den Preis
fand nur noch zwischen dem zuletzt auf
gekommenen Reiter und Ottbert statt. Niemand am Sattelplatze hätte in die-
sem Augenblick sagen können, welches
von den beiden Thieren die größere
Chance hatte, sie flogen nur so dahin. r i , c l
Cven rianen oeive gieiceuig, zioci
Automaten oder besser zwei Wurfge-
schössen zu vergleichen, die von emer
centralen Kraft vorwärts geschleudert
wurden, die vorletzte Hürde genommen
und schon cina das Wort Todt-Ren
nen" durch die Reihen der Zuschauer. Und nun setzten beide an, wiederum
durchaus gleichzeitig sah man die bei-
den. zum Aeufersten ausge stachelten
Thiere sich erheben zum Sprung über
das Hinderniß. Aber nur eines von ihnen berührte jenseits den Boden und
raste dem nahen Ziele zu. .Ma
zeppa" hatte sich überschlagen und
stürzte über semem Reiter, der ihn auch
letzt noch mit eisernen Schenkeln um-
klammert hielt, zusammen.
Ein Entsetzensschrei stieg am Sattel-
platze auf; Hilda war ihrem Vater
ohnmächtig in die Arme gesunken. '
Auch Harry fühlte etwas wie Schwindel, das schwarz heranschlich
und ihn schier niederdrücken wollte.
Sein erster Gedanke war Mazeppa.
das Pferd war noch nicht bezahlt und
würde möglicherweise zu Grunde gehen.
Und Ottbert! So elend war ihm
vielleicht noch nie in seinem Leben ge-
Wesen. Er stand unter oem Emoruck
einer Mutlosigkeit, wie er sie nie zuvor
gekannt. Völlig lahm gelegt waren
seine Smne. seine Nerven.
Er fühlte es: Alles wandte sich gegen
ihn. Und als er zetzt ausblickte, say er. wie die Augen der Marlow spöttisch
auf ihm ruhten. Der Kavalier in ihm erwachte, er richtete sich hoch auf und
stürzte nach der Unalucksstatte.
Man hatte Ottbert und das Pferd bei Seite gebracht. Der junge Offi-
zier, den man fast mit Gewalt von o:m
Thiere loslösen mußte, war bewußtlos.
Das Pferd schien em Bein gebrochen
zu haben: über seinen zuckenden Leib
gebeugt stand ein Mann in ungarischer
Tracht, er drehte nervös an dem großen
tiefschwarzen Schnurrbarte und schien aufrichtige Theilnahme für das Thier
zu empfinden.
Harry hielt ihn anfangs für einen
fremden Thierarzt, der hilfsbereit her-
beigeeilt war.
Zum Kuckuck," schrie der Fremde jetzt wüthend, das Bein gebrochen, es
ist emrorend! Mein wxo mein
Pferd! Dieser verrückte Graf da. der soll mir's aber büßen! Mir mein kost-
bares Pferd wie toll zu Grunde zu re'i-
en!" Und er ballte die Faust gegen den
ohnmächtig daliegenden jungen Mann, ohne sich im Mindesten um dessen Ver-
ctzung zu kummern. Sie sind im Irrthum," sagte Harry
hochfahrend, es ist leider' mein
Pferd!"
Was reden Sie da für Unsinn!" uhr ihn der Fremde an, .Mazeppa' ge-
hört mir. ich habe ihn gezüchtet ich
habe ihn hergeschickt! Und er hatte das !
Rennen machen müssen, wenn nicht em
so ungeschickter Neuer "
Das ist Unsinn, was Sie chwatzen." versetzte Harry zornig derei kann auch dem besten Reiter ge-
schehen! Uebriqens habe ich das Pferd
gestern von Frau v. Marlow gekauft.
Es schemt allerdings, daß man mir
falsche Anaaben gemacht hat. Da werde
ch natürlich den Kauf sofort ruckgan-
gig machen!"
)llas Zeucht oes chwarzbärtigen
hellte sich zusehends auf, es fehlte nicht
viel und er Ware rn lautes Gelachter
ausgebrochen. -
,Mazeppa' an Sie verkaust? ragte er gedehnt; nun, dann geht mich
a die ganze Geschichte nichts an! Meine
Frau wird doch nicht so dumm gewesen
ein. auf emen bedingungsweiscn Verauf einzugehen? Nein so dumm ist
meine Frau nicht!"
Er lachte aus vollem Halse und sah
sich in dem Kreise, der sich jetzt schon
um die beiden gebildet hatte, triumphi-
end um. Herr, wer sind Sie denn?" schrie
Harry, außer sich vor Wuth.
Ich heiße Marlow, früher einmal
von Äcarlow. gab jener mit cynischem Grinsen zu? Antwort, ich bin Pferde-
handler, auch Pferdezuchter und empfehle mich Ihnen für etwaigen Bedarf. Für das Malheur da kann
mein Pferd nickt, es ist echt Halbblut, vom ,'Mephisto' aus 'der ' .Kitzlichen.' Wi c C S
metne krau wiro Jyncn ooch oen Stammbaum gezeigt haben!"
Harry fielen die Schuppen von den
Augen: das war der Bankier aus Bu-
karest" der geschiedene Mann! Sie.
die Frau eines Pferdehändlers und des-
sen qeschkckte Agentm. und er, Harry,
mit ihr verbündet ihr Unteragent, ihr Helfershelfer!
Die Kluaheit hatte geboten.' zu
schweigen, und auch den Mann zum Schweigen zu veranlassen, denn noch wa-
ren nur wenige hier, die der Sache hat-
ten folgen können. Aber Harry war
nicht die Natur, sich zu bemeistern; cr
brach wie ein Wüthender los. - Solch
niederträchtiges Pack," schimpfte er.
Ihre Frau hat mich ja betrogen, hat
mit Ihnen unter einer Decke gespielt.
Ihr Schurken, wartet nur."
Ehe er sich versah, hatte Harry
einen Schlag in's Gesicht.
Er Flegel," sagte der Schwarze
dazu. Er will noch aufmucken? Er ist
wohl der saubere Herr Baron? Hat mich einen schönen Brocken Geld ge-
kostet. Sie haben sich nicht zu bekla-
gen. höchstens ich!"
Harry wollte oiz Gerte gebrauchen.
aber der Fremde hatte sie ihm geschickt
entwunden.
Sie werden mir Rede stehen!"
schäumte Harry, auf Tod und Leben!"
Mich duelliren?" höhnte iener.
Fällt mir nicht ein! Dazu habe ich keine Zeit! Ich beweise es Ihnen
schwarz auf weiß, daß ich nicht .satis-
faktionsfähig' bin, wenn Sie wollen!
Nicht mehr ferner Smne machtig vor
Zorn und Beschämung, wollte Harry
den Mann an den Hals springen; aber
man hinderte ihn mit dem Hinweis auf
die Grafin und Hilda. die letzt weinend
herbeistürzten. Um doch eine Ableitung
für die gährende Wuth m sich zu finden, riß Harry den Revolver heraus und sekte ihn dem leise stöhnenden
Mazeppa" an's Ohr. Röchelnd brach
das Thier vollends zusammen. Nun war Hilda. die sich schnell auf
gerafft und zunächst Ottbert gesehen hatte, zur Stelle. Ihr Bruder lag noch in tiefer Bewußtlosigkeit. Es schien eine Gehirnerschütterung zu sein; vor-
läufig war noch nichts zu fagen. Sie wandte sich jetzt an Harry und rief mit laut tönender Stimme: Daran sind Sie Schuld. Herr Baron! Sie haben meinen Bruder da oineinqetrieben. Ich
will hoffen, daß Sie mich von nun ab
nicht mehr kennen!
Sie drehte ihm den Rücken und flog
zu Ottbert zurück, den man inzwischen
auf eine Bahre gelegt hatte.
Harry wußte nicht, wie er, in die
augenblicklich ganz menschenleere Allee
hinausgekommen war, die zum Renn platz führte.
Alles hatte sich gegen ihn verschwo-
ren. Dieser Skandal! Mit' dem
Pferdehändler konnte man sich natllrlich nicht schlagen; und er hatte seine
Obnel wea. O. dieser Skandal!
Er war einfach unmöglich. Dabei hatte
er die Bestie, den Mazeppa." noch zu bezahlen, und sein Kredit war längst auf's Aeußerste erschöpft. Er stand völ-
lig rathlos auf der Straße, war in sei-
ner Kopflosigkeit an semem eigenen Ge
spann vorübergetaumelt, das ihn vor
dem Rennplatze erwartete.
Endlich raffte er sich auf und ließ sich von einer Droschke zum Bahnhofe bringen. Von da fuhr er direkt nach
Nothhausen, wo seine Mutter weilte.
In aller Eile ließ er einen Gutsnach-
bar herbeirufen,, nes auch den Verwai
ter hinzu und beaann mit ihnen zu
trinken. Was sollte er sonst beginnen?
Eben war er in Stimmung gekom
men, das Bewußtsein seiner Lage begann. zu schwinden vor dem sich allmälia. einstellenden Rausck. als Cbar-
K
lotte schreckensbleich eintrat. Sie hielt eine Depesche in der Hand, in welcher der Rechtsanwalt anzeigte, daß Doktor Heinz Bergmann soeben in der Heimath eingetroffen sei, um seine Angelegenheiten zu ordnen. Baron Harry, der eben ein gefülltes Glas hoch hielt und irgend einen frivolen Toast auszubringen vorhatte, ließ das Glas fallen, daß es in Stücke zersplitterte. Nun kommt die Geschichte zum Klappen." meinte er vor sich hin. Aber
Niemand verstand, was er mit dieser
dunklen Bemerkung sagen wollte. .
20. Kapitel. einz fand die Familie Behrenberg. die er sofort nach seiner Ankunft aufsuchte, in größter Bestürzung. Zwar befand sich
Ottbert außer Lebensgefahr, er hatte
ich einen Brück des Scklüsselbems zu-
zogen, man conte, ton binnen nur-
zem gänzlich wieder herzustellen. Aber der Skandal, der sich an den Namen der
Frau v. Marlow knupste, war natur-
ich auch bis zu ihnen gedrungen. Was
würde der arme Ottbert sagen, wenn er zur Besinnung kam? Allerdings.
von seiner Liebe würde er geheilt sein,
aber um welchen Preis!
Trotz dieser Lage, trotz Hildas be-
greiflicher Erregung wegen ihres Lieblings, mußte Heinz sie sprechen. Denn
seine Sache duldete keinen Aufschub.
Es wurde ihm leicht, mit Hilda
allein zu bleiben, die allgemeine Auf-
regung im Hause hob das Ceremoniell auf.
Nun kniete er zu ihren Füßen. Du siehst einen tief Unglücklichen
vor Dir. Hilda." begann er. Ich habe
schweren Schissbruch mit meiner Exlsienz gelitten. Wenn mich nicht alles
täuscht, ahnst Du die Wahrheit: ich
habe die Ueberzeugung gewonnen, daß
ich ein angenommenes, aber mcht ae-
setzlich adoptirtcs Kind bin. Und des-
halb muß ich meine Habe abtreten. Be-
vor ich diesen . entscheidenden Schritt that, habe ich versucht, mir aus eigener
Kraft eine Existenz zu begründen. Das
war ich Dir schuldig, die ihr Schicksal an das meine ketten wollte. Ab?? ist mir mißglückt. Mein Talent hat
diese Probe schlecht bestanden. Ich bin
ein armer Mann; wenn auch nicht aller
Mittel entblößt, so doch arm für
Dich! Und so gebe ich Dir Dein Wort
zurück, Hilda. Verzeihe mir die schwere
Enttäuschung, bedenke, daß ich selbst
das Opfer bin!"
Sie hob ihn liebevoll auf: Thränen
leuchteten in ihren Augen. O mein
Heinz," sagte sie, ihn neben sich niederziehend, ich habe das alles längst geahnt und einen Entschluß gefaßt. Ich
werde gern und freudig Deine Armuth
theilen, denn ich liebe Dich von gan-
zem Herzen!"
Ein Freudenrausch, wie Heinz ihn m
seinem Reichthum nie gefunden hatte.
erfaßte ihn und hob ihn über sich selbst
hinaus. Minutenlang hielt er sie über-
selig umfangen.
Tann erst stieg ihm eme Frage aus. Aber Deine Eltern?, Dein Vru-
der?"
Sie werden so bescheiden fortleben,
wie bisher," sagte Hilda fest. Ottbert
wird sich in eine kleine Garnison ver-
setzen lassen. Und den Eltern wollen
wir das Beispiel geben, glücklich zu sein in der Beschränkung!"
Mit leichtem, m mit frohem Herzen
ging Heinz an den großen Schritt. Er
teleqraphlrte an Harry: Ich komme
nach Rothhausen. Muß Dich unter vier Augen sprechen!"
Nach Empfang dieser Depesche berief Harry zunächst in aller Eile einen tüchtigen Rechtsanwalt nach Rothhausen, um ihn zu fragen, ob nicht gegen Heinz, der nicht adoptirt worden sei. mit Erfolg ein Prozeß zu führen sei? Ter Jurist, der sofort dem Rufe des Barons gefolgt war. hörte ihn ruhig an, dann erhob er sich und machte sich zum Gehen fertig. Das hat sich nicht gelohnt, Herr Baron," sagte er verdrießlich, deshalb reißt man keinen vielbeschäftigten Anwalt aus seiner Thätigkeit. Können Sie auch nur den Schatten eines Beweises beibringen? Nein! Das ist schon eine genügende Antwort auf Ihre Frage, die Sie sich auch selber hätten ertheilen können!" Und der grobe Rechtsfreund fuhr davon. Nun verließ Harry das Schloß; es trieb ihn förmlich weg von hier. Er wollte sich zum Förster begeben, unter dem Vorwande, diesen zur Jagd abzuholen. Es war nämlich eine seiner ersten Regierungsthaten" gewesen, dem jungen Förster ganz am Ende der Rothhausen'schen Waldungen, also etwa eine Meile von hier entfernt, ein kleines Haus zu errichten. Dorthin wollte er sich jetzt wenden; vor allem, weil er es zu vermeiden wünschte, von Heinz direkt vertrieben zu werden. Sein Gewissen, nicht als Mensch, sondern als Edelmann regte sich; er mußte sich in diesem Augenblick sagen, daß er veruntreut, vergeudet, verschleudert hatte, was ihm nicht gehörte, er schämte sich einfach. Als er sich kurz von seiner .Mutter verabschiedete, ihr sagte, daß man ihn erforderlichen Falles im neuen Forsthause suchen möge, weinte Charlotte, sie konnte sich nicht mehr beherrschen. Er aber ärgerte sich über ihre Thränen. Versuch' Du's einstweilen, Dich mit dem Kerl auseinanderzusetzen. Ich werde sehen, was ich thun kann!" Die finstere Entschlossenheit in seinen Zügen war Charlotten unheimlich. (Schluß folgt.)
WjlSMdKÄM 5 IKtzVMRM.
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