Indiana Tribüne, Volume 29, Number 95, Indianapolis, Marion County, 13 December 1905 — Page 7

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DieKothhausett

Noman aus der Mark Von U1. C. Möller fewvvvwvwwwwvvvvvvw.s (Fortsetzung.) Jyrem Schreiben war ein vergilbtes Blatt beigefügt, das unverkennbar von Heinrich Bergmanns Hand herrührte, ein brüderlich-zärtlicher Brief an Charlotte, in welchem er ihr rückhaltlos dersicherte, ihr Sohn Harry sei und bleibe sein Erbe. Charlotte bat nun Heinz, mit Harry zu theilen. Tarüb:r würde man sich kurze Zeit wundern, bald aber würde der Vorgang mit allem, was ihn seiner Zeit zum Gegenstand d?s allgemeinen Geschwätzes gemacht hae, für immer in Vergessenheit gerathen. Gewiß das wäre fceif beste Ausweg so sagte sich auch Heinz. Allein .ftann wac nicht der Mann, mit dem sich verhandeln ließ. Hatte ihm nicht Heinz aufrichtig die Hand geboten, war er ihm nicht entgegengekommen wie ein Bruder? Und ftner hatte ihn zurückgewiesen er fühlte sich Heinz gegenüber im Rechte. Und nun gar der vergilbt: Brief er entschied endgiltig. Sein Pflegevater hatte Harry zu seinem Erben bestimmt und er würde niemals ein fremdes Kind an dessen Stelle gesetzt baben. Also Heinz mußte auf alles verzichten, alles herausgeben, auf die Gefahr hin, auch Hilda zu verlieren. 19. Kapitel. arry hatte indessen auf RoihHausen :n Saus un) Braus gelebt. Seine ganze durch die Noth unterdrückte Thorheit und Tollheit war zu elementarem Ausfernes) gelangt. Gegen alle diese Excesse sah sich Charlotte ohnmächtig. Harry hatte nicht nur Schulden gemacht, er war auch soweit gegangen, Verkäufe abzuschließen. Erst in der vorigen Woche hatte er ein Anerbieten angenommen, nach dem aus einem demnächst schlagreif werdenden Forste eine beträchtliche Anzahl Stämme in andere Hände überging. Pferde. Vieh u. s. w., die zum Inventar gebörten. waren veräußert worden; Harry spielte nämlich neuerdings unsinnig, und da reichten die gewöhnlichen Erträgnisse des Gutes bei weitem nicht aus. Jene unbezähmbare Verschwendungssucht, die bei seinem Vater nur durch die Umstände in Schranken gehalten worden war, brach nun hervor gleich einem lange zurückgedämmten Strome. Alle Vorstellungen dagegen fruchteten nichts. Jetzt, sagte er, sei er der Herr und wolle thun, was ihm beliebe. Man müsse ja noch immer mit der Thatsache rechnen, daß Heinz wiederkehre, und eben deshalb habe er ein Recht, jetzt zu genießen, was immer möglich sei. Freilich, was der gute Vetter für Augen machen würde über den großartigen Rennstall- den Harry inzwischen auf Rothhausen eingerichtet hätte, daran durfte er gar nicht denken. Das ganze Schloß wimmelte von Trainern" und Jockeys, und siatt der Feldarbeiter sah man nur Reitinzchie und Grooms im Host. Frau v. Marlow hatte den Baron Rothhausen gründlich versorgt. Vierzig Rennpferde, die mit der ausgesuchtesten Sorgfalt behandelt werden mußten, hielten ein ganz enormes Bedienungspersonal in Athem. Es kamen oft Gaste, um die großartigen Anlagen von Rothhausen zu besichtigen, bei welchem Anlaß dann auch der Schloßkeller weidlich herhalten mußte. Harry fühlte sich als Grand-Seiqneur. Den Winter hatte er in der Stadt verlebt. Nur ab und zu kam er zu großen Jagden und Festlichkeiten in zahlreicher Gesellschaft nach Rothhausen. Der Inspektor Peter war wüthend. Mit aufrichtigem Schmerz sah er die Verwüstungen, die Baron Harry rücksichtslos in dem so wohl gepflegten Besitzthum seines jungen Herrn anrichtete. Aber er war machtlos, denn der gute junge Herr war gänzlich verschollen. Seit fast einem Jahre hatte er auch nicht das leiseste Lebenszeichen von sich gegeben. Damals, als er ihm schrieb, er solle sich zur Verfügung des neuen Verwal- ' ters von Rothhausen halten, hatte Peter an irgend eine Grille geglaubt, an eine Reise, die em oder zwei Monatt währen könnte, und er hatte sich darein gegeben; jetzt aber ließ er sich's nicht mehr nehmen; dem jungen Herrn war irgend ein Unglück begegnet; wer m. - . V. wutzle, oo er nocy jemals nneoerieurr, ob er noch unter den Leoenden wandle, Dazu kam. daß die Ehe von Peters Tochter sich doch ganz wesentlich unaünstZqer gestaltete, als jemals vorauszusehen gewesen war. Ter Förster legte eine ganz unsinnige Eifersucht an den Taa und tyrannisirte die arme iunae rlxau, bxt nicht einen Augenblick ihres Lebens froh werden konnte. Sie ' p?j . t. ';ji rx ::t tv a Hie icylienlicy aucg iucgi, iity utd die Zudringlichkeiten Harrys zu beklagen; dieser aber, boshaft und verschlagen, wie er war, lenkte die Eifersucht des Gatten immer 'wieder auf den abwesenden Heinz. Der, raunte er ihm zu, sei sicherlich die Ursache der Melancholie seiner jungen Frau. In der Residenz führte Harry jetzt ein Leben, ganz so. wie er es sich oe

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träumt hatte. Geld spielte überhauvi keine Rolle mehr für ihn. Was er nicht hatte, trieb' er leihweise auf, die Zinsen, die Bedingungen, unter denen man es ihm gab, kamen gar nicht in Betracht für ihn. Dunkle Abenteuer, denen er nachstieg, verschlangen unvernünftige Summen, und daneben machte er, noch immer seines Planes eingedenk, der jungen Bertha Galetta den Hof, die nach einem glücklichen Debüt eine beliebte Schauspielerin der Hofbühne ge-

worden war. Von Heinz Bergmann ging nur die unsichere Nachricht um. er habe ein Duell gehabt und sich für immer in's Ausland begeben. Der liebenswürdige junge Mann schien wirklich verschollen, und wie das so in d:n großstädtischen Kreisen zu gehen pflegt: so gern man ihn sah. als er noch zu den Spitzen der Gesellschaft" zählte, so schnell hatte man ihn vergessen. Indessen ging das Jahr zu Ende. und damit die Berechtigung Charlottens, die Einkünfte von Rothhausen einzuziehen. Nach der ausdrücklichen Bestimmung des Doktor Heinz Bergmann mußte diese Verfügung bei Iahresfchluß erneuert werden. Heinz aber ließ nichts von sich hören. Wenn bis zum neuen Jahre nicht irqend eine Weisung von ihm eintraf, so sollten jene Einkünfte bei seiner Bank für ihn deponirt werden. Dann aber kam Harry völlig auf das Trockene, schlimmer noch, als zuvor; denn wenn ihn früher verhältnißmäßig kleine Schulden drückten, so wäre er jetzt unter der Last seiner Verpflichtungen erdrückt worden. An Jene, wegen der er sich eigentlich den Reichthum gewünscht hatte, an Hilda, hatte er in diesem tollen Genußtaumel kaum einmal gedacht. War es. daß er sie gar nicht mehr sah. oder hielt er sie für endgiltig verloren, kurz, er rechnete nicht mehr auf sie. Hilda lebte sehr zurückgezogen; galt doch ihre Verlobung allgemein als aufgehoben. Es war das eine überaus traurige Zeit für das inmitten ihrer amilie vereinsamt dastehende jungeMädchen. Von den Ihrigen erfuhr sie nichts als endlose Vorwürfe; dazu kam der aufrichtige Kummer, den ihr Ottbert verursachte, und nicht zuletzt d:e wenig tröstlichen Briefe von Heinz, der ihr wohl nichts von seinen Mißerfolgen schrieb, doch auch Gutes Nicht zu melden wute. Schwer lastete auf ihrer Seele die orge um ZDttbert, der aus den Fesseln der Frau v. Marlow nicht loszumachen war. Es hieß neuerdings, Harry wurde die abenteuerliche Frau heiratben- aber auch, was man hierÜber sprach, vermochte Ottbert nicht zu hellen. Trotz alledem hatte sich der junge Mann tapfer genug gehalten; er spielte nicht, er wettete nicht, nur an den Rennen nahm er leidenschaftlich theil. Jede dienstfreie Stunde saß er zu Pferde und trainirte sich, so daß schließlich diese Leidenschaft ferner Familie lebhafte Besorgniß einflößte. In einem seiner letzten Briefe hatte Heinz feine Braut gebeten, gelegentlich einmal in's Theater zu gehen, wenn Bertba spielte. Er habe ihr vor seiner Abreise versprochen, sich ihrer zu erinnern, wenn sein neues Drama in Berlin zur Aufführung gelangen würde; bevor er sie nun ernstlich empfehle, möge Hilda ihm melden, ob die zunge Schauspielerin erhebliche Fortschritte gemacht habe. Als mm" die Ankündigung erschien, daß Fräulein Bertha Galetta zum ersten Mal mit einer Hauptrolle betraut worden sei. beeilte sich Hilda. dem Wunsche ihres Verlobten zu entsprechen. Solch' ein Entschluß bedeutete natürlich wieder eine kleine Iinanzkalamität für die Familie, denn Behrenbergs konnten nur in eine Loge gehen. Diese Loge aber vos der Galetta zu erbitten, wie Heinz gerathen hatte, hielten sie für unpanend. In der nur mäßig großen Stadt war das Einrücken einer so jugendlichen Kraft wie Bertha Galetta in das erste Fach eine Art Ereianiß, auf das auch Harry aufmerksam werden mußte. Er verfolgte a Bertha Galetta noch immer und hoffte auf irgend einen Zufall, um sie allein sprechen ?u können; denn der Mutter durste er natürlich nicht in den Weg kommen. Zu verschiedenen Malen hatte er es versucht, Bertha abzufassen, aber es war ihm noch nicht gelungen. Er meinte noch immer, das zunge Mad chen eines Tages zu überrumpeln vielleicht ergab sich heute Abend ein Anknupfungspunkt dafür. Aber schon nach den ersten Szenen des modernen Schauspiels, das man da oben aufführte, gab er für diesen Abend seinen Plan auf. Er hatte in einer Loge des ersten Ranges Hilda gesehen, und seine Leidenschaft von dereinst flammte von Neuem auf. Ja. dieses schöne, ernste, stolze. keusche Madchen hatte ihn immer ge reizt! Wie aller Reize bar erschien ihm die geschminkte Frau v. Marlow. deren Toilettenkunste nur der dumme Junge" Ottbert nicht merkte, neben die ser jugendlich-reinen Schönheit! Und Hilda sollte dem Tölpel von Heinz et hören? Wie latit er selbst es nur so weit kommen lassen können! Und in seinem wüsten Kopfe flackerte plötzlich die Idee auf: , Tu mußt die günstige Laae benützen, um Hilda für Dich zu gewinnen! Kaum war nach dem ersten Akt der Vorbanq gefallen, als er sich ausmachte und lühn die Loge betrat. Ganz und gar Weltmann, begrüßte er den Grafen und die Grasin, als ob nichts gescheben sei. Diese' hatten ge-

rüchtweise vernommen, Heinz habe das

Gut an Harry abgetreten, und sie strahlten daher, als Harry jetzt wieder auf dem Plane erschien, sich sehr liebenswürdig gab und Hilda mit Artigleiten überschüttete. Die Eltern setzten sich, als das Spiel auf der Bühne wieder begann, beide nach vorn und bogen sich eifrigst hinaus, damit Harry nach Bequemlichkeit plaudern konnte; sie wußten gar nicht, wie sehr sie ihre Tochter durch dies Entgegenkommen kränkten. Inzwischen nahm das Schauspiel seinen Fortgang. Harry war auf einmal ganz ernst geworden, hatte die lächelnde Miene, den frivolen Ton abgelegt und begann ihr von seiner Liebe zuzuflüstern. Ich bitte Sie, schweigen Sie, Harry," unterbrach sie ihn; ich weiß, wie intim Sie mit einer anderen Dame verkehren, einer Person, die mir zudem gründlich verhaßt ist. Sie sind nicht wahr, nicht echt, nicht aufrichtig, darum hat sich mein Herz von Ihnen gewendet. Ich bm mcht das Weien, einer blinden Leidenschaft nachzuhängen. Die erste unbewußte Regung mtU nes Herzens gehörte Ihnen, aber seither bin ich sehend geworden. Und ich ich glaube nicht mehr an Ihre Liebe!" Harry fühlte sich wie immer durch Widerspruch erst recht anaestachelt; er dachte nicht daran, die Position aufzugeben. Auf der Szene unten begann sich das Drama lebhafter zu entwickeln; eine interessante Wendung trat ein und der Konflikt schürzte sich sozusagen vor den Augen des Publikums, das jetzt m gespannter Aufmerksamkeit lauschte. Auch das gräflich Behrenberg'sche Paar war ganz Ohr Harry hatte freies Spiel. Ich habe me aufgehört, Sie zu lreben," betheuerte er. Soll ich Ihnen mein Ehrenwort geben, soll ich schwören? Ich betaube Mich nur, weil ich nicht glücklich bin. Ich verachte jene Frau, weil ich ihre Künste durchschaue. ich versinke im Schlamme, weil ich keinen Halt habe! Nur Sie, Hilda, Sie konnten mich retten! Ein wenig unsicher, versetzte Hilda: Das sind Redensarten! Ein Mann von Charakter braucht nicht zu versinken. Sie glauben mich zu lieben, aber Sie lieben mich nicht so. wie ich geliebt sein will. Daß Sie sich unwürdig betragen, ist für mich kein Beweis Ihrer Liebe!" Aber in ihm war Trotz und Widerspruch erwacht er mußte sie herumkriegen. Wenn Sie mir nur einen Hoffnungsstrahl geben würden, Hilda, Sie sollten sehen, daß ich ein anderer Mensch würde, daß ich mit Vergangenheit und Gegenwart zu brechen den Muth fände." Er glaubte in diesem Augenblick selbst, was er sagte, er gab sich nicht Rechenschaft darüber, daß schon heute Abend in der Weinkneipe oder beim Jeu" bei Frau v. Marlow seine Stimmung umschlagen würde. Beim Spiel ganz gewiß, dem er jetzt mit Leib und Seele verfallen war. Er spielte um so leidenschaftlicher, als er mit seinen Rennpferden vielfach Unglück gehabt hatte. In Wien, Hamburg und Travemunde waren seine Pferde gelaufen, überall mit schlechtem Erfolg. Frau v. Marlow, die sich sonst nicht, täuschte, hatte es nun schon zu wiederholten Malen sehr übel getroffen. Vielleicht auch haftete ihm persönlich dieses abscheuliche Pech" an. Aber in diesem Moment glaubte er wirklich an seine Besserung. Er schwor und betheuerte, er würde ein Anderer werden, wenn er auch nur hoffen dürfte. Er hatte sich so hineingeredet in die Rolle eines leidenschaftlichen Verehrers, daß es Hilda an der Zeit schien, dem ein Ende zu machen. Und in fester Haltung sagte sie: Ich bin die Braut eines Anderen, bin es aus freiester Ueberzeugung geworden, ich bitte Sie, nicht weiter zu sprechen!" Wahrscheinlich würde Harry trotzdem noch weiter in sie gedrungen haben, wenn nicht in diesem Augenblick Ottbert eingetreten wäre. Ottbert sah blaß und müde aus, er zeigte auch für die Vorstellung kein Interesse, nur beim Anblick Harrys an dieser Stelle war er betroffen. Harry aber hatte bereits feine weltmännische Haltung wiedergewonnen. Er erwartete jeden Augenblick eine wichtige Nachricht und mußte annehmen, daß Ottbert ihm diese überbringe. War doch der junge Offizier lebhaft an der Sache betheiligt. Harry hatte nämlich heute früh, noch in letzter Stunde vor dem morgen stattfindenden großen Schlußrennen der Saison, von Frau v. Marlow einen schwarzen Hengst gekauft, den Ottbert morgen reiten sollte. Das Pferd war nicht erprobt, zeigte aber vorzügliche Eigenschaften. Sonst zwar pflegte Harry ziemlich gleichgiltig gegen Verluste zu bleiben; er war durch und durch Fatalist. Aber in der letzten Zeit hatten sich die Fehlschlüge, die verlorenen Wetten ganz enorm gehäuft, dazu kam. daß er der Frau v. Marlow für den neueil Schwarzen eine ganz ausnehmend hohe Summe bewilligt hatte er war sie noch schuldig! und so war er auf dieses Pferd Verbindlichkeiten eingegangen, die selbst einen Millionär in Angst und Sorge versetzen konnten. Ottbert hatte das Thier Nachmittags. wie schon seit Wochen täglich, geritten, und nun erwartete Harry mit Spannung eine Nachricht über seine Aussichten. Der junge Graf Behrenbera

mochte anfangs glauben, Harry habe die Loge nur aufgesucht, um ihn wegen des Pferdes zu befragen; er wurde erst später gewahr, daß er sich geirrt hatte. Nun, Graf, wie ging die Sache?" fragte Harry. Es ist eine wilde und bösartige Bestie, dieser .Mazeppa " sagte Ottbert kurz, aber ich werde ihn bezwingen!" Er war offenbar erschöpft von der gehabten Anstrengung. Du wirst nicht reiten," mischte sich jetzt Hilda in das Gespräch. Sie hätte ja nichts dagegen gehabt, wenn Ottbert das Pferd eines anderen Kavaliers oder Kameraden ritt, aber das Pferd der Frau v. Marlow oder vielmehr Harrys sollte er nicht reiten! Den jungen Offizier aber reizte ihr Widerspruch. Ich habe versprochen, daß ich reite." sagte er. Sie schwieg. Aber ihr flammender Blick verrieth, daß sie den Kampf noch nicht aufgab. Harry versuchte, sie zu beschwichtigen; das sei eine ganz harmlose Sache, zudem höchst fashionabel das müsse Ottbert sich leisten." Und jetzt machte Ottbert große Augen. An dem lebhasten, warmen Tone, in welchem Harry sich an Hilda wandte, wurde er erst gewahr, daß der Herr v. Rothhausen sich seiner Schwester wieder zu nähern suche; erst jetzt fiel ihm auch die Liebenswürdigkeit der Eltern Harry gegenüber auf. Die Vorstellung war zu Ende. Hilda hatte noch Muße gefunden, der Hauptszene des letzten Aktes, in welcher Fräulein Galetta ein ganz ungewöhnliches Talent entfaltete, volle Aufmerksamkeit

zuzuwenden. Und während sie sich eben sagte, sie würde ihrem Bräutigam Erfreuliches über seinen Schützling melden können, trat Harrn an die graslichen Eltern mit einer Einladung heran. Er selbst habe den Rehbock geschössen, den der Wirth der vornehmsten Weinstube heute servire, da durften sie nicht ablehnen. Sie nahmen dankend an. Nur Ottbert entfernte sich unter dem Vorwande, er sei zu müde vom Reiten. Er ging, um an Heinz zu telegraphrren. Hilda berührte die Speisen nicht, sie fühlte sich nicht wohl. Als Harry am nächsten Bormittag aufstand, mit wüstem Kopfe, denn er hatte bis tief in die Nacht hinein gespielt und verloren fiel sein Blick zuerst auf den Wandkalender. Nur noch drei Tage fehlten, bis jenes Jahr um war. für das ihm die Verwaltung von Rothhausen übergeben worden; dann war heute das Derby." Er hoffte zuversichtlich, daß sein Mazeppa den ersten Preis davontragen würde. Damit würde er sich herausreißen wenigstens aus den drückendsten Schwulitäten." Aber das Datum hatte noch eine andere Bedeutung. Was war es nur gewesen? Richtig, eine Wohlthätigkeitsmatinee, bei welcher Bertha Galetta mitwirkte. Er hatte sich das vor Wochen angemerkt. Die Gelegenheit gestern war ohnedies verpaßt worden. Nun wollte er es noch einmal versuchen, das Mädchen zu sprechen. Ein Zugeständnis von ihr, und er hatte gewonnenes Spiel! Am 'Hoftheater herrschte eine zu strenge Ordnung für derlei Abenteuer, da war nicht kicht hinter die Koulissen zu kommen. Heute aber spielte die Kleine in einem Privattheater, da ließ sich die Sache vielleicht eher machen. Man gab Clavigo." darnach einen kleinen Einakter. Auf dem Zettel hieß es: Herr Edgar Meunier als erster theatralischer Versuch." Aha. das tvax der lange Mensch, der immer neben Bertha Galetta zu sehen war. Harry hatte ganz richtig gerechnet: solche Herren, wie ihn, sogenannte Kavaliere, ließ man hier ungehindert passiren. Er sah Bertha Galetta mit strahlender Miene neben Herrn Meunier stehen, der wohl befangen aussah, sich auch in seinem schwarzen spanischen Kostüm wenig behaglich zu fühlen schien. Es war ganz klar: sie glaubte fest an seinen Erfolg. Der junge Mann zitterte wie ein echter Debütant, aber er schöpfte Muth aus ihren strahlenden Augen. Sehr bald würde Herr Meunier auftreten, und Bertha Galetta hier allein bleiben. Der Vorhang mußte jeden Augenblick in die Höhe gehen, und Meunier hatte das erste Wort. Er schien wieder völlig muthlos, und noch einmal winkte ihm die schöne Bertha dann stand er draußen." Jetzt mußte Harry sich an sie heranmachen. Er eilte auf sie zu. stellte sich ihr vor: Baron v. Rothhausen Vetter von Heinz Bergmann!" Und in einem Zuge sprach er ihr dann von der Verehrung, die er für ihre junge Kunstlerschast hege er sei ganz glücklich, ihr das endlich sagen zu können. Sie sind sehr liebenswürdig. Herr Baron," antwortete sie erfreut, aber gleich wird mein Stichwort fallen ich spiele ja die Marie." Er mußte sich also beeilen. Wir sind ja im Grunde Verwandte, liebes Fräulein." Platzte er los. (Fortsetzung folgt.) (ScmüihUdi. In einem Prozesse kommen die beiden gegnerischen Anwälte von dem hundertsten in's tausendste, um den Prozeß möglichst zu verschleppen. D er Klä g er (zu den Anwälten): Meine Herren, ich schlage vor, wir fangen wieder mal ein bischen iorn Prozeß an."

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