Indiana Tribüne, Volume 29, Number 95, Indianapolis, Marion County, 13 December 1905 — Page 3

JndianQ Tibüne, 13. Dezember 1905. 3

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er greise Papst ,

Ermähnt die Polen zur gegen die' In Deutschland will man Nothleidende schraube in Deutschland scharf Schlesien. Die Krisis in den. Dürre Italien. PapftandiePolen. Rom, 12. Dez. Der Papst hat an die Bischöfe Russisch Polens einen Hir. tenbrief erlassen, in welchem er den Polen räth zu? Beruhigung der der fchiedenen Bevölkerungsklassen im ruf fischen Reiche beizutragen. Der Papst sagt, er werde sein Möglichstes thun. um zur Beruhigung des Landes mitzuwirken. Der Papst meint, die Polen seien zwar gute Unterthanen, aber sie zeigten nicht die nöthige Energie bei Betonung ihrer guten Absichten. Hierdurch seien die Ausschreitung möglich, die eines zivilifirten Volkes unwürdig seien und zu Ermordung von Juden führten. Der Hirtenbrief ermahnt die Gläu bigen die menschlichen Leidenschaften den göttlichen Gesetzen unterzuordnen. Während der Unruhen in Rußland müßten die Katholiken das Element des Friedens und der Ordnung bil den. Der Papst ermahnt die Polen gegen Umsturzideen und Streiks anzukäm pfen, welche die Wohlfahrt des fßoU keS in unberechenbarer Weife stören." Der Papst zollt der Weisheit und Güte des Zaren hohe Anerkennung, welcher durch den UkaS vom 30. April Gewissensfreiheit gewährte und damit viele Seelen glücklich machte. Zum Schlüsse ermahnt der Papst die Polen gute und getreue Bürger zu sein und mit Fleiß an der Wohlfahrt Ruf. fisch.PolenS mitzuarbeiten. Er selbst werde seinen Einfluß bei dem Zaren und der Regierung zum Besten deS religirten und moralischen WohleS deS polnischen Volkes gebrauchen. Amerilanerinnen von der Königin empfangen. Rom, 12. Dez. Königin Helen empfing heute Iran Hy. White. die Gattin des amerikanischen Botschafters und deren Töchter. . Deutschland. Hilfsbereitschaft. Berlin, 12. Dez. Die Profes. form Harnack, v. Bergmann, Schie mann und Samara, die Generäle v. Alten, v. Loebell, Graf V.Pfeil hielten mit anderen hervorragenden Persön lichkeiten letzten Abend eine längere Te rathung, in welcher erörtert wurde, wie Deutschen in Rußland geholfen werden könne, die in Noth seien und wünschten Rußland zu verlassen. ES wurde angeführt, daß etwa 150 000 'Deutle wünschten Rußland zu verlassen, unter gegenwärtigen Um ständen sei ihnen dies jedoch unmög lich und so habe der Verein die schwie rige Aufgabe diese Beförderung zu geln. Ueber die Leiden der armen Un glücklichen werden geradezu häarsträu bende Dinge erzählt. Natürlich ist eS schwer, 'die genauen Thatsachen zu er Mitteln, sicher aber ist, daß ihre Lage eine höchst traurige ist. Die Steuerschraube. Berlin, 12. Dez. Der Durch. schnittZ. Staatsbürger steht immer noch mit offenem Munde vor den gewaltigen Zahlen, die vom Kanzler dem Reichs tag vorgelegt wurden. Die neuen Steuern wollen ihm nicht einleuchten. Er kann sich's nicht ausrechnen, wie die große Sparsamkeit, von der seit vielen Monaten die Rede war, so riesige Fehl betrüge zeitigen konnte und eS wird schwer halten, ihn davon zu überzeu gen, daß daS deutsche Vaterland wirk lich so viele theure Schiffe braucht, um die Wacht am Rhein nicht einschlafen zu lassen. Man will nun Vieles wissen, das im Reichstag nicht zur Aussprache gekom men ist und auch kaum aus'S Tapet gebracht werden wird. ES hat sich nämlich der Gedanke eingebürgert, daß die Regierung über kurz oder lang gezwungen sein wird. den sozialistische Hilfeplan in modisi zirter Form zurÄuSführung zu brin gen. Der Hilfeplan ist das ganze große Programm väterlicher Verwal tung; die Errichtung von staatlichen Markthallen, die Etablirung von Schweinezüchtereien und Äckerbauunter

Ruhe und zur Duldsamkeit

Juden. aus Nußland retten. Die Stellt angedreht. Genickstarre in Ungarn nicht überwun' in Indien. nehmungen unter der Schutzmarke des einköpsigen Adlers, und alle die ver fchiedenen Pläne und Plänchen die Ar muth und Noth im lieben deutschen Reiche unmöglich machen sollen. Zu diesem Behufe' so glaubt das Volk, will die Regierung einen großen Fonds von Baargeld sammeln um diesen späteren Anforderungen gerecht werden zu können. DaS Schweigen der sozialistischen Presse über diese Möglichkeit wird hier durchaus nicht als Gegenbeweis ange sehen, obwohl, konservative Männer nur zweifelndes Kopfschütteln für der artige Prophezeiungen übrig haben. . Freilich läßt sich nicht ableugnen. daß Hilfe seitens der Regierung wieder eisfrei ist. Das Elend in vielen Theien deS Landes, besonders in den gro ßen Städten, spottet jeder Beschreibung. Genickstarre. B r e S l a u, 12. Dez. Aus eben ingetroffenen ärztlichen Berichten hat die Genickstarre in Schlesien ärger ge. wüthet als man anfangs glaubte. Sie hat nicht nur viele Menschenleben ge fordert, sondern auch die meisten der Geheilten" zu Krüppeln gemacht. Von 60 aus dem Knappschaftslazareth zu Zabr entlassenen Kindern find vier. zig mit Taubheit, Blindheit oder ande ren Gebrechen behastet und man fürch. tet nun, daß mindesten? vierzig Prozent aller Geheilten" irgend ein böses Lei den davon tragen. Bahnverbindung mit Rußland. Berlin, 12. Dez. Die Eisen. bahndirektion kündigt glatter Hand an, daß der Bahnverkehr mit Rußland über Werballen in Anbetracht der Hin dernisse auf russischer Reise beseitigt seien. Wie sich leicht denken läßt, hat eS in den letzten Tagen manchen Krawall gegeben. Niederlage der Einge b o r e n e n. Berlin, 12. Dez. Eine Depesche an oen Lokal'Anzeiger von Dar.es Salam, Deutsch.Oft'Afrika, meldet. daß Hauptmann Seyfreid'S Abthei lung von 2000 Insurgenten umzingelt wurde. Letztere verloren ihren Führer Hongo und verschiedene andere Häupt llnge. Graugrüne Uniformen. Berlin, 12. Dez. Die umfang reichen Versuche, eine neue kriegSmä ßige Bekleidung der deutschen Armee betreffend, sind zum Abschluß gelangt. Im Prinzip ist die Einführung der graugrünen Uniform, welche drei Flü geladjutanten deS Kaisers probeweise getragen haben, für die ganze Armee beschlossen worden. Für den Feld dienst wird die Neuunlformirung be reltS im nächsten Jahre durchgeführt werden. Ehe die deutsche Heeresverwaltung zu diesem Entschluß gelangte, waren Probeverfuche mit verschiedenen Farben nuancen angestellt worden. Die ursprünglich in Aussicht genommene Kakifarbe hat sich dabei gar nicht be währt, ebensowenig wie die rein grüne Farbe. Der Zweck der neuen Uniform, die Truppen im Gelände möglich wenig sichtbar zu machen, wird voraussichtlich mit der graugrünen Farbe am besten erreicht werden. Reichstag. B e r l i n, 12. Dez. Die Ver Handlungen des Reichstags werden in folge der bedeutsamen Reden deS Reichs kanzlerS Fürsten von Bülow allerseits mit der gespanntesten Aufmerksamkeit verfolgt. ' Zum Ausgangspunkt seiner energi schen Auslassungen nahm der Kanzler die neuerlichen Vorgänge in Dresden, wo die Sozialdemokraten durch ihre turbulenten Protestdemonstrationen ge gen das in Sachsen bestehende Wahl recht blutige Konflikte mit der Polizei heraufbeschworen hatten. In höchst eindrucksvoller Weise führte er dcn Sozialiften das Straf. bare derartiger Kundgebungen, mit denen wohl die große Masse aufgereizt. i

der Regierung aber nie Zugeständnisse

abgetrotzt werden könnten, vor Augen. Hieran knüpfte er energische Warnun. gen vor der Veranstaltung von Stra ßendemonstrationen, wie sie in Dresden stattgefunden haben, und seine Au. führungen schloß er mit der Erklärung daß irgend welche ähnliche Kundgebun gen an der Festigkeit und Entschlossen, heit der Regierung rasch scheitern würden. Seeleute freigesprochen. Kiel, 12. Dez. Nicht geringes Aufsehen erregt eine soeben ergangene Entscheidung deS Marine.OberkriegS gerichtS, welches zwei zu langiähriger Freiheitsstrafe verurtheilte Seeleute freigesprochen hat. Die Betreffenden find der Maschinistenmaat Pelikan und der Torpedobootbeizer Wonnenberg. Beide waren vom MarineKriegSgericht deS militärischen Aufruhrs schuldig be funden und zu einer Gefängnißstrafe von je fünf Jahren verurtheilt worden. Gegen ihre Verurtheilung hatten sie appellirt. In der Verhandlung vor dem Marine OberkriegSgericht wurden von der Vertheidigung so gewichtige Entlastungsmomente zu Gunsten der Verurtheilten vorgebracht, daß der Ge richtShof daS Urtheil der ersten Instanz umstieß und Beide freisprach. Stöcker'S 70. Geburtstag. Berlin, 12. Dez. Der bekannte protestantische Theologe und Politiker Adolf Slöcker. vollendete gestern sein 70. Lebensjahr. (Am 11. Dezember 1835 in Halberstadt geboren, wurde Stöcker im Jahre 1674 Hof. und Dom Prediger in Berlin, nachdem! er zuvor verschiedene Pfarrstellen bekleidet und in Metz als Divisionspfarrer fungirt hatte. 1890 erhielt er seinen Abschied. als Hofprediger. Stöcker ist besonders durch seine agitatorische Thätigkeit und als Führer der antisemitischen Bewegung bekannt. 1873 gründete er die chriftlich-soziale Partei, 1379 wurde er in da preußische Abgeordnetenhaus und feit 1831 wiederholt zum Mit. gliede des deutschen Reichstages ge Wählt.) - Zwischenfall mit Brasi l i e n. Berlin, 12. Dez. Der brasi. lianische Gesandte hat bei dem aus. wältigen Amte einen Protest gegen das Vorgehen von Offizieren deS deutschen Kanonenboote? Panther" eingereicht, welche einen angeblichen Deserteur Na menS Steinhoff von Hojahy' entführt haben sollen. DaS auswärtige Ami versprach dem Gesandten eine gründ liche und unparteiische Untersuchung der Angelegenheit. Portugal. Handelsverträge. Lissabon, 12. Dcz. .Portugal hat nunmehr Handelsverträge mit Jta. lien, der Schweiz und Deutschland ab geschloffen. Mit Frankreich steht Portugal noch in Verhandlung. Spanien. W e i z e n z o l l herabgesetzt Madrid, 12. Dez. Die Herab. setzung deS Zolles auf Weizen ist be schlössen. Die Herabsetzung wird in erster Linie den Ver. Staaten zu Gute kommen. Zollschwierigkeiten. M a d r i d, 12. Dez. Die spanische Regierung hat vor, die hohen Zölle auf Weizen abzuschaffen. In vielen Gebieten deS Landes ist Weizen schlecht gerathen und alle Nahrungsmittel find sehr hoch im Preise. ES finden gegenwärtig Unterhand. lungen statt, um den Bedürfnissen im Innern deS Landes gerecht zu werden und der hungernden Bevölkerung ent gegenzukommen. Frankreichs Der amerikanische Gesandte ladet den König ein. Paris, 12. Dez. König Karl v Portugal wird aas Samfiag Abend Gast bei dem amerikanischen Botschaf, ter bei einem Diner sein. ' Hawaii. Suchen'. n Hawaii Beute. Washington. 12. Dez. Ein Schreiben deö Vize.Präsidenten Fair. bankS wurde heute dem Senate über, reicht. Die Botschaft war vcn einem eigenhändigen Schreiben des Vize.Prä fidenten begleitet. Indien. Dürre.' Lahara, 12. Dez. Die großen Flächen im Plnchal. die mit Weizen und Oelsaamen bestellt find, leiden be reltS stark unter der Dürre. Die Be s-rgniß der Bevölkerung wächst täglich.

OesterreiÄ'Unaärn. Ungarische Krisis. Budapest, 12. Dez In der ungarischen Krisis steht die Entscheid dung nahe bevor. Baron Fejervary ist in der Audienz am 3 dS. MtS. beim Kaiser.König mit seinem Scharfmacher.Programm isicht durchgedrungen. Der Monarch wies alle auf die Auflösung des Par. laments gerichteten Vorschlüge rundweg ab und hestand darauf, daß der Premier einen abermaligen Versuch, mit der Koalition zu einer Verstündi. gung zu gelangen, machen sollte. Wohl oder Übel mußte Fejervary sich fügen und die Ausführung dieses ihm gewiß höchst widerstrebenden Auftrages über nehmen. Nach Fejervary'S Rückkehr nach Budap st. am 6. dS. MtS.. verhandelte der ehemalige Finanzminifter Dr. von LukacS mit den Koalitionsführern Franz Kossuth, den Grafen Apponyi und Andrassy. In dieser Konferenz soll die Bildung eines Ministeriums auf der Basis des Ausgleichs vom Jahre 1867 unter dem früheren Pre mier ttoloman v. Szell erörtert worden

fein. Die Furcht vor der Heirath. Es muß für eine Braut nicht sehr angenehm sein, vor dem Altar zu siehen, ohne daß der Bräutigam sich bli cken läßt,' und doch kommt dieser Fall häufiger vor, als man glauben sollte. So konnte man dieses Vorkommniß vor gar nicht langer Zeit in Liverpool constatiren, wo ein junger Kaufmann, ! der vier Jahre lang mit der Tochter eines begüterten Handwerkers verlobt gewesen war, seine Braut noch im letz- j ten Augenblick sitzen ließ. Das Aufgebot war ordnungsgemäß ergangen, und alle Arrangements zur Feier des glücklichen Ereignisses waren getroffen. Die Braut stand in ihrem Schmuck in der Kirche, doch leider kam der Bräu-1 tigam nicht, und nachdem man eine halbe Stunde gewartet, wurden Voten ausgeschickt, um ihn zu suchen. Sie begaben sich nach der Wohnung feiner Eltern, und hier versicherte ihnen die Mutter, er hätte das Haus zur festgesetzten Zeit verlassen, um sich zur Kirche zu begeben. Die Abgesandten sprachen ihre Zweifel aus, und infolgedessen forderte sie sie auf, jeden Winkel im Hause zu durchsuchen. Das thaten sie denn auch und fanden schließlich den Bräutigam hinter einem KohlenHaufen im Keller versteckt. Seme einzige Erklärung war, er hätte nicht den Muth, sich in der Kirche zu verheirathen,.und mit diesem eigenthümlichen Bescheide kehrten die Abgesandten zu der Braut zurück. Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Birmingham. Hier sollten sich ein junger Mann von 18 Jahren und ein elf Monate älteres Mädchen verheirathen. Die Braut erschien mit ihren Verwandten und Freunden in der Kirche und wartete auf das Erscheinen des Bräutigams; doch sie wartete vergebenö, denn er war noch nicht da, als die zur Trauung festgesetzte Stunde schon längst verronnen war. Die getäuschte Braut wurde ohnmächtig nach Hause gebracht erholte sich aför wieder nach einiger Zeit. Als man zur Erklärung des seltsamen Vorfalls die Mutter des Bräutigams holen ließ, erklärte diese, er wäre nach der Kirche gegangen, doch entsetzt wieder entflohen, als er die große Menschenmenge erblickte, die sich dort versammelt hatte. Auch auf dem Lande kommt diese Heirathsfurcht Vor. Kürzlich weigerte sich ein junger Mann, ebenfalls kurz vor der Hochzeit, seine Braut an den Altar zu führen. Seine plötzliche Abneigung gegen die Ehe war so groß, daß die Braut sich genöthigt sah, die Trauung zu verschieben. Schließlich aber wurde der Hochzeitstag doch festgesetzt; aber mit jedem Tage, der verging, gerieth der Heirathscandidat in größere- Aufregung. Zuletzt erlangte die Angst solche Macht über ihn. daß er eS nicht mehr zu ertragen vermochte; er fuhr nach der nächsten Stadt, betrank sich dort sinnlos, wurde von der Polizei aufgefangen und nach der Wache gebracht. Da er sich hier .ungebührlich benahm, fo hielt man ihn drei Tage fest, und er ließ sich ruhig einsperren, um der Trauungsceremonie zu entgehen. Als er dann wieder zu seiner Braut zurückkehrte, weigerte sie sich hartnäckig, ihn wieder anzunehmen, un hob das Verlöbniß auf der Stelle auf. . Ein anderer junger Mann auf dem Lande war auf dem Wege zur Kirche, als er plötzlich einen schrecklichen Anfall von Heirathsfurcht bekam. Er bat einen Freund, der ihn begleitete, einen Augenblick auf ihr zu warten, rannte schnell in eine Schenke, bestellte sich dort ein Glas Bier, eilte aber, ohne es zu trinken, zur Hinterthür hinaus und verschwand. Während seine Braut in der Kirche auf thn wartete, fuhr er nach der nahen Stadt und erhielt hier einen Tag später einen Brief der .Verlassenen, die auf den muthigen Helden nun mit Freudsn Verzicht leistete. - Einwand. Vater: Wenn Du fleißiger siudirt hättest, würdest Du mir manche Sorge gespart haben. Sohn: Was wolltest Du mn den ge sparten Sorgen anfangen?

Jenes ycrzttche ?invcrnenmen". Paris, 20. November. Während die Presse und die Politiker daheim in Artikeln und Festreden die Theorie des herzlichen Einvernehmcns zwischen Frankreich und England erörtern, sieht sich die Depesche Coloniale", das Organ der kolonialen Kreise, das auch mit der Kolonialre gierung nahe Fühlung hält, veranlaßt, einmal die Praris dieses herzlichen Einvernehmens, wi? es sich augenblicklich in den französischen Kolonien darstellt, zu beleuchten. Das Llatt thut das sehr gründlich folgendermaßen: Wir stellen mit Bedauern fest, diß für gewisse Engländer um nicht alle zu betrüben die Herzlichkeit ihrer Beziehungen mit uns nur ein Mittel zu sein scheint, sich desto bequemer gewisse Vortheile zu sichern, die sie aufrein geschäftlichem Boden vernünftigerweise nicht erlangen könnten. Wir sprechen hierbei nicht von den Angelegenheiten der allgemeinen Politik, noch von der mehr oder weNiger für uns nützlichen Rolle, die England gegebenenfalls auf dem fogenannten europäischen Schachbretie spielen möchte. Wir stellen uns vielmehr nur auf den kolonialen StandPunkt. In dieser Hinsicht aber suchen wir das herzliche Einvernehmen und wir finden es nicht. Das einzige, was wir überall, wo wir mit den Engländern kaufmännisch in Berührung stehen, antreffen, ist der alte, eingefleischte Zug im Wesen der angelsächsischen Rasse, der nicht dulden will, daß eine Stätte, die England einmal, wenn auch nur zufällig, betrat, noch außer ihm für irgend jemand vorhanden sein könne, und demzufolge d?r Brite durch alle möglichen Mittel, selbst solche von zweifelhafter Lauter-

keit, mit jedermann, der sich weigert, diese seine Auffassung zu theilen, Händel sucht." Mit besonderer Anwendung dieser Gesichtspunkte auf Französisch-Kongo fahrt die Depesche Colomale fort: Man sollte doch meinen, daß diese einfache Beziehung Französisch-Kon-n . . : go von vornherein' zeoe Jiveioeuligkeit unmöglich machte. Wer. von Französisch-Kongo spricht, meint allem Anschein nach doch emen Kongo, wo die Franzosen ganz besonders und sogar ausschließlich zu Hause sind. Horen wir indessen hierüber die Engländer so ist es damit nichts. Dort, wie anderswo, mt überhaupt allenthalben, wo es einen Fuß breit mehr oder weniger tropischen Landgebiets ibt. darauf auch nur die große Zehe eines Angelsachsen Platz findet, ist es England, das dort zu Hause ist. Verträge, Abkommen, Konventionen, Grenzabsteckungen andern an dieser Thatsache nichts. Ueberall, wo man ihn antrlsft, selbst auf frischer That unbefugten Eindringens, ist der Englander alsbald der eigentliche Herr und Gebieter. Und wenn man ihn, sei es auch noch so höflich, ersucht, einen Platz zu räumen. wo förmliche, von seiner eigenen Regierung unterschriebene Abmachungen ihm beweisen, daß er da nichts zu suchen . hat, vollführt er einen Heidenlärm, zetert über Beraubung, Unge-. rechtigkeit, Willkür, und. wenn es nach ihm ginge würde er auf der Stelle, um sein schnöde mißhandeltes gutes Recht zu schützen, die zweiundvierzig Panzerschiffe der englischen Kriegsflotte mobilmachen. Jener Zeter und Mordio schreiende Engänder ist indes gar nicht so dumm, wie er sich den Anschein giebt. Im allgemeinen ist er sogar das gerade Gegentheil von einem Dummkopf. Er ist vielmehr man gestatte uns diesen Ausdruck, der unseren Gedanken vortrefflich wiedergibt das Urbild eines .gerissenen Kerls". Er weiß sehr wohl, was er thut. Er rechnet mit der gleichen Erfolgszuversicht einerseits auf die ebenso herkömmliche wie hartn'äckige Vorliebe Englands, überall und immer, für und wider jedermann, seinen Staatsangehörigen recht zu geben, wie anderseits auf die andere nicht minder herkömmliche und eingewurzelte Neigung, daß der französische Staatsbürger, wo immer er des Beistandes und der Unterstützung seiner Regierung bedarf, stets und ständig zugunsten seiner Vierfacher im Stich gelassen und ausgeplündert zu werden pflegt." Die Depesche Coloniale meint, aus diesem Stande' der Dinge folgende Schlußfolgerung ziehen zu sollen: Es gibt nicht eine Wahrheit für das Mutterland und eine Wahrheit für die Kolonien. . Das herzliche Einvernehmen ist ein Ausfuhrartikel . Das englische Volk ist ein zu erfahrener Kaufmann, um von der Anwendung dieser Formel zurückzuweichen." Wir hoffen, der Depesche Coloniale wieder zu begegnen, wenn sie uns darüber belehrt, wie England diese Formel, das herzliche Einvernehmen als Ausfuhrartikel für die Kolonien in Anwendung zu bringen, in der That umgesetzt hat. In Hamburg würde bei der Einschiffung auf der Pennsylvania" ein Mann arretirt, weil er keine Legitimationspapierc hatte. Er nannte sich Jgnaz Niederberger aus Wien. In seinem Besitz wurden für 13.500 Kronen Bankaktien gefunden, deren Nummern an die Wiener Polizei telegraphirt wurden. Die Nummern waren bekannt; diePapiere stammen aus einem großen Einbruchdiebstahl in Zilah in Ungarn, wo 72,000 Kronen bar und für eine halbe Million Merthpapiere gestohlen wurden.

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