Indiana Tribüne, Volume 29, Number 94, Indianapolis, Marion County, 12 December 1905 — Page 7
Jndiana Tribüne, 12 Dezember 1905
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DieRothhausett VZoman aus der Mark von W. C. Möller feWSAWAvwwswvwwwa; (Fortsetzung.) Die Gäste schmunzelten, sie stickn mit den Gläsern an und tranken auf das Gedeihen der neuen Ordnung. Harry gab sich den Anschein, gutmüthig zuzuhören. Noch war es nickt Zeit, den Alten hinauszuwerfen, noch war nicht alles klar. Er warf hier und da nur einen seiner rohen Späße dazwischen. Der Vater." sagte er zu Grete. scheint ja wieder ordentlich zu kneipen, der wird wohl aus allen Vieren in's Bett kriegen." Grete wandte sich erschrocken ab. Mein Vater trinkt doch sonst nie," sagte sie betroffen, er verträgt ja gar nichts." O." meinte Harry. der verträgt schon! Man sieht's ja, er wird immer lustiger. Aber gönnen wir ihm das unschuldige Vergnügen; draußen an der frischen Luft, da wird die Sache schon verrauchen." Und in der That, der Inspektor vertrug den Rausch ganz vorzüglich;, schon auf dem Heimwege war er völlig nüchtern. Noch in derselben Woche veranstaltete Harry die große Jagd, zu der er nicht nur die Gutsnachbarn, sondern auch eknen ganzen Schwärm seiner Kaineraden aus "der Hauptstadt und ein paar Gläubiger geladen hatte. Man trank bis in die Nacht hinein, man spielte, lärmte. Seit zwanzig Jahren war es hier nicht so zugegangen, wie in diese? Nacht. Zwar Frau Charlotte war in Todesangst, aber sie konnte doch, nichts hindern. Wenn Heinz erführe, was man hier trieb, so würde er ganz gewiß auf der Stelle seine Verfügung abändern."' Wiederholt versuchte sie es mit ernsthaften Vorstellungen bei ihrem Sohne, aber der hatte allen Boden unter den Füßen verloren, er lachte ihr in's Gesicht. Sei nicht närrisch, Mutter," sagte er in seiner brutalen Weise, ich bin ja majorenn und bin der Herr von Rothhausen. Ich werde mich nicht mehr hinausdrängen lassen, verlaß Dich darauf!" Die Jagd auf Rothhausen war wie- ' derum ein großer Erfolg für Frau v. Marlow gewesen. Ihre Reitergewandtheit und ihre sensationellen Toiletten erregten ungeheures Aufsehen. Eine Amazone chres Schlages war etwas ganz Neues, Pikantes für die Herrenwelt. Charlotte, die sehr ärgerlich war. dieser Dame ,die Honneurs machen zu müssen, behauptete, sie sei zweifelsohne in ihrer Jugend eine Kunstreiterin geWesen. Ihre ganze Art, ihre Haltung zu Pferde, ihr emanzipirtes Wesen ließen darauf schließen. Und wenn's so wäre." meinte Harry achselzuckend, der Cirkus ist .chic'!" Htxö er zählte eisige Beispiele auf, wo Prinzen und Fürsten sich mit srüheren Artistinnen" vermählt hatten. Er für sein Theil fühlte sich sehr geschmeichelt, die Gefeierte als Gast zu beherbergen. Sie hatte ihr Benehmen gegen ihn in merkbarer Weise geändert. Er flößte ihr jetzt Respekt ein. da er sich in den Besitz seines Gutes gesetzt hatte. Sie schaffen sich natürlich einen Rennstall an. Baron." sagte sie zu ihm. dies Rothhausen ist ja wie dazu ge-
macht mit seinen Vlachfeldern. seiner I Lage an der Eisenbahn!" I Er hatte noch gar nicht daran gedacht aber die Leidenschaft deö Wettens i ül. l j& i o? WkffiA
ivuv i i i k v 4 v uu 3y v w v v Rennstall haben! Noch ehe er mit Ja geantwortet hatte, verbreitete Frau v. Marlow bereits die' Neuigkeit: auf Rothhausen würde ein großartiger Sportstall angelegt werden.. Harry bedachte nicht, daß. er kein sicheres Einkommen habe, daß er noch nicht Herr von Rothhausen, war, aber er wollte nicht eine Stunde zögern, sich wie ein reicher Mann zu geberden. Lange genug hatte er darnach geschmachtet. Ja, er wollte sich einen Rennstall anschaffen! Noch heute sollte an den Baumeister aesckirieben werden, oenn zt voryanoenen Anlagen waren nur für Nutzzwecke berechnet. Sie haben gerade vortreffliche Gelegenheit, Baron." begann Frau v. Marlow. wieder, besser konnten Sie'S gar - nicht treffen! Denken Sie doch, 'Vitriol' und ,Schenkmädch:n' sind eben zir haben, nachdem der bisherige Besitzer durchgegangen ist. Die Konkurses?waltung wird Ihnen gewiß entgegenkommen!" Sie wies noch weiter auf die günstigen Konjunkturen des Aug:nblicks hin; kannte sie doch die Verhältnisse besser als alle Mltqlieder d:s Rennklub" zusammen. ' Ein paar vräcbtiae Pferde, von denen eines erst in voriger Woche einen glänzenden Sieg davongetragen, hatte sie selbst im , 'ist' stalle, uno tzarry rausie gleiaz aus dem Fleck. Ein anderes, vornehmster Herkunft, sollte in diesen Tagen kommen, ein siebzehn Faust hoher Brauner. der freilich erst tramirt werden muiie O, sie würde ihm schon Material verschaffen! Die Behrenbergs hatten sich fern ge
halten; die Gräfin, so hieß es, sei nicht ganz wohl, und deshalb mußten sie Harrys Einladung ablehnen. Nur Ottbert war eimal heimlich herübergekommen. Aber er holte sich diesmal eine schwere Enttäuschung. Frau v. Marlow war zu sehr umschwärmt und behandelte ihn etwas zerstreut. Sie begünstigic Harry, den Hausherrn, das war ja ganz natürlich. Harry war der große Mann des Augenblicks. Zwar die Wandlung in seinen Verhältnissen war einigermaßen räthselhaft, aber gerade dadurch vielleicht um so effektvoller. Er sprach sich auch nicht klar aus; er ließ mehr ahnen, als daß er sich deutlich ausdrückte. Ich verwalte eigentlich das Gut für meinen glücklichen Vetter," warf er hin, natürlich nicht ohne die weitgehendsten Vollmachten." Aber der Ausdruck seines Gesichts strafte seine Worte Lügen. Er hatte sich wohl durch einen glücklichen Zufall in den Besitz des Gutes gesetzt. Die einen munkelten von einer Abfindung, die ihm Heinz Bergmann für seine älteren Rechte an die Komtesse Hilda schuldig zu sein geglaubt; andere sprachen von enormen Gewinnen, zu denen ihm Frau v. Marlow verholfen habe man wußte ja. daß er mit ihr gemeinsam in großem Stile wettete. Auch Ottbert trua man diese Lesart zu nun schon mit Zahlen und genaueren Angaben. Er glaubte wohl nicht daran, aber ihm wurde doch unheimlich in dieser glänzenden Jagdgesellschaft. Er fuhr wieder nach Hause. Zwei Tage ließ er sich bei den Eltern nicht sehen; er war so verstört und fürchtete Hildas fragenden Blick. Endlich mußte er sich doch entschließen, es zog ihn fast ebenso nach Haus, wie es ihn abhielt. Und nun drang Hilda in ihn: Was -ist Dir geschehen? Was
hast Du. Ottbert?" Er blieb, ganz gegen seine Art, verschlössen. Nur einmal entschlüpfte ihm das Wort: Ich werd's andern!" Dabei sah er finster und drohend aus. Vergebens suchte Hilda, ihn zu beschwichtigen, sie, deren eigenes Herz so übervoll war. 18. Kapitel. isweilen war Heinz zu Muthe, als hätte er geträumt, so völlig war seine ganze frühere Existenz ausgelöscht. Er hatte sich in Berlin ein kleines einfaches Zimmer in einer der Querstraßen jener Hauptader des Westens gemiethet, die nach Schöneberg führt. Es war eine stille Straße, in der er von dem eigentlichen Weltstadtleben wenig oder gar nichts gewahr wurde. In dieser ruhigen.fremden Umgebung arbeitete er nun schon seit fast einem Vierteljahre, führte ein eingezogenes, äußerst sparsames Leben, hatte noch keinerlei Bekanntschaften angeknüpft, sondern nur öfters Theater, Museen und Kunstsammlungen besucht. Er war nach Berlin unter seinem wirklichen Namen gekommen, wie das a nicht anders zu bewerkstelligen war, aber alles, was er zu-verösfent-lichen gedachte, sollte den Namen Galetta tragen. So war es auch begreiflich. daß Niemand, mit dem er bisher schriftlich in Berührung kam, in ihm jenen Heinz Bergmann zu erkennen vermochte, von dem die Zeitungen seiner süddeutschen Heimath noch vor kurzer Zeit einiges Aufsehen gemacht hatten. , Gr 'hatte sich selbst das Ehrenwort gegeben, die 'Verlassenschaft seines Pflegevaters nicht zu berühren, auch über das Vermögen Irenens, welches bei der außerordentlichen geschäftlichen Ordnungsliebe des verstorbenen Bergmann klar zu übersehen war. auch über diesen immerbin stattlich: Betrag hatte er in der Weise verfügt, daß er ihn in drei Theile zerlegt, einen davon testamentarisch seiner jüngeren Schwester, einen zweiten den Eltern Hildas überwiesen hatte, und für sich selbst die Zinsen des Restes in Anspruch nahm. Diese Zinsen reichten gerade hin, um ihn vor äußerster Noth zu retten. Aber er wollte sich frei machen vom Gelde. Ein Mann tov: er bedürfte des Geldes nicht, die Schwingen seines Genius würden ihn emportragen über die gemeine Noth des Tages. Er lachte über alle Erbschaftsintriguen und Habfuchtsmanöver. Was konnten sie ihm anhaben? - Hatte er nicht den Kuß der Muse empfangen? Es war vollkommen gleichgiltig, wessen Sohn er war. ob des Kommerzienrathes Bergmann, ob gar eines armen, an der Schwindsucht gestorbenen, nun schon veraessenen Komooianttn, wenn er nur aucy oer oyn eines guten Geistes war. So berauschte er sich an seinen Traumen, aus denen naturgemäß allerlei hochfligende, poetische Pläne hervorgingen. Er wollte jetzt Zunächst ein schon . im Winter flüchtig skizzirtes Drama ausführen, das den Titel: Das verkannte Genie" tragen und in kräftigen, realistischen Zügen den Kampf eines Talents um Anerkennung schildern solltet Weshalb konnte nicht aucö diese Arbeit ihm Geld und Anerkennung bringen, da doch seine beiden früheren Versuche auf ähnlichem Gebiet so außerordentlich vom Glück begünstigt schienen? Dazu kam. daß er jetzt erheblich sorgfältiger arbeiten konnte, als früher, wo ihn hunderterlei gesellschaftliche Pflichten und Verlock ungen, -die die Rücksicht auf Hilda, ja sogar auf die Baronin, von eigentlich rf fl .f ? . V CY Y ' ruayaii!oi.er ingaoe an vic uzmi aomelten. Nur eines hatte er sich verstän diger Weise doch sagen müssen, daß ein solches Schauspiel ja nicht so schnell Geld tragen könne, wie er dessen cc dürfe.
So hatte er sich denn entschlossen, neben seiner großen Arbeit, gewissermaßen für den Broterwerb, ab und zu ein kleines Feuilleton zu schreiten, eine Novellette, ein Märchen oder dergleichen, wie er solche auch früher schon verfaßt Hatte, und wie man sie ihm in den befreundeten Redaktionen seiner Heimath mit größter Bereitwilligkeit abgenommen hatte. Damals, wo er eine solche Arbeit nur dem nächsten besten Bekannten anzubieten nöthig hatte, und wo sie gewissermaßen schon im Voraus ang?nommen war, hatte er auf das Honoix.? kaum geachtet; ihm lag nur dara'.i, seine Arbeit auf die Öffentlichkeit wirken zu sehen. Jetzt aber wollte er. wie so viele Andere, auch um Geld arbeiten; er wollte nicht nur, er mußte. Zu seinen wenigen Erholungen gehörten die Briefe an Hilda und an seine Mutter. Der Ersteren liebte er . es, seine Lage humoristisch zu schildern; nur zwischen den Zeilen konnte sie lesen, wie ihm zu Muthe war. Die Korrespondenz mit Frau Galetta war noch vorsichtiger zu führen aus Bewramn, Bertya tonnte etwas merken. Em wahres Labsal aber waren die AntWorten, die er empfing. Aufrichtige ZuNeigung dort, echt mütterliche Theilnähme hier, das war sein Trost.
Gar bald aber sollten'die ersten Enttäuschungen ihn aus seinen Himmeln stürzen. Er hatte einige kleine Skizzen, die ihm besonders gelungen erschienen, an verschiedene Blätter versandt. Die erste kam noch an demselben Tage, an dem er sie zur Post gegeben, mit einem gedruckten Formular zurück, die Redaktion könne von der Einsendung keinen Gebrauch machen. Auf den Bescheid wegen einer zweiten hatte er vier Wochen lang vergebens gewartet. Endlich wagte er leise daran zu erinnern, und nun folgte postwendend die Arbeit zurück, diesmal Mit dem Vermerk, daß man auf semen Wunsch sich genöthigt gesehen habe, die Einsendung, bevor sie gelesen, zurückzustellen. Auf eine dritte Arbeit blieb er überhaupt ohne Antwort. Und fo ging es weiter; das eine Mal folgte allenfalls ejne kurze lakonische Begründung, irgend eine Wendung von verbrauchtem Stoff, von nicht genügend aktuellen" Motiven, ein anderes Mal erkannte man mit einer konventionellen Redensart eine gewisse sich kundgebende Begabung" an, aber man sei leider für lange Zeit hinaus mit Material überhäuft, und wieder ein drittes Mal ließ man ihn auf Grund einer eingereichten Arbeit m die Redaktion kommen, erklärte ihm, daß man für den vorliegenden Beitrag zwar keine Verwedung habe, wenn er aber geneigt sei, Versammlungsberichte stenographisch aufzunehmen, so würde sich für ihn, den man bei seinem offenbar guten Willen doch nicht ohne Weiteres abweisen wolle, hier und da ein kleiner Verdienst finden. Nach und nach war er stutzig geworden. Das ging ja recht merkwürdig zu. Hatten denn alle die früheren Erfolge, die ihm so leicht geworden waren, ihre Ursache lediglich in der bevorzugten Stellung seines Vaters, in seinem Reichthum, in den guten BeZiehungen, die sich ihm durch beide erschlössen hatten? Oder schrieb er damals, in jener besseren Umgebung, besser? Und er suchte seine alte Arbeiten hervor, las sie mit sorgfältigem AbWägend hielt seine neuen kleinen Schöpfungen dagegen und mußte sich sagen, daß das, was er jetzt geleistet habe, unzweifelhaft werthvoller sei. Reifer, durchdachter, sorgfältiger gemacht. Und dennoch kein Erfolg? Wie war das möglich? Da kamen denn die ersten wirklich schweren Stunden über ibn. die ersten Zweifel, daß in dieser Welt denn doch nicht alles so sei. wie es sich von einem geschützten Punkte aus ansehe. Aber ihm blieb der Trost, daß der Sommer, in dem er sich eben befand, wohl kaum die rechte Zeit sei für die Eröffnung einer literarischen Laufbahn in Berlin. Er nahm sich vor. um so fleißiger für den Winter vorzuarbeiten. 'Er wär inzwischen nach einem ziemlich entfernt liegenden Vororte hinausgezogen, theils .der Billigkeit halber, theils weil er es nach und nach ganz aufgegeben hatte, in der Stadt neue Versuche zu unternehmen; er wollte zunächst nur an seinem Schreibtisch schaffen. Da saß er nun in seinem bescheiden ausgestatteten Gemach, oas öen iölic: auf, eine ziemlich reizlose Gegend gestattete. Keinerlei Geselligkeit braüzte Abwechselung in sein Leben, noch nicht eme einzige Bekannt, chaft hatte er zu machen vermocht, die ihm auch nur über Stunden hätte hinweghelfen lönnen; aber er ermattete nicht, hatte er doch sich selbst. Wieder waren einige Monate vergangen. Alle seine Bemühungen, auf dem Wege schriftlichen Verkehrs irgend welchen Absatz für seine Arbeiten zu finden, hatten sich bisher als fruchtlos erwiesen. Seine ganze, aber stolze Hoffnung waren die beiden Theaterstücke. Auch in Bezug auf diese wollte er konsequent bleiben. Er hatte an den Intendanten des heimischen, Hof theaters das ausdrückliche Ersuch:n gerichtet, seinen Namen bei den Auffuh rungen der Armuth" nicht zu nennen, und auch Das verkannte iZznie" wollte er unter seinem Pseudonym ausführen lassen. Es war Herbst geworden. Nun, hoffte r zuversichtlich, würde sehr bald eine neue Phase seines Schaffens an beben. ' Sein Werk war fertig, elnae-
reicht; eine ganze Serie kleiner Arb'eiten lag vollendet auf seinem. Schreibtisch, es bedürfte nur eines energischen Anstoßs, irgend einer erst zu findenden Beziehung, und dann, fo meinte er zuversichtlich, läge der Weg vor ihm frei. Seltsam berührte es ihn freilich, daß der Intendant des Hoftheaters so gar nichts von sich hören ließ. fiZ war überhaupt, als wären seine Verbindungen mit der Zukunft wie abgestorben. Er wagte es mit einer leisen Mahnung an den Dramaturgen der Hofbühne in feiner Heimath. Da folgte bald ein im Amtsstil 'abgefaßtes Schreiben, worin von Vesetzungsschwierigkeiten die Rede war. welche zu überwinden der Vorstand der Hoföühne äugenblicklich leider nicht in der Lage wäre. Man würde ja das Werk nicht außer Auge lassen, aber man vermöchte nicht, ihm einen Termin für die Aufführung anzugeben. Gut denn, so blieb ihm ja sein neues Stück: Das verkannte Genie." Richt allein war dieses die reifere Arbeit, sie war auch mehr im Geiste der Großstadt erfunden und empfunden, sie würde sicherlich sehr schnell hier ihren Platz finden. Indessen, schon im Verlaufe von wenigen Wochen war Das verkannte Genie" von drei ersten Büh-
nen Berlins rundweg abgelehnt worden; möglich, daß man es gar nicht gelesen datte. Auf eine bescheiden eingeholte Erkundigung sagte, man ihm, daß die Vorbereitungen für eine solche Berliner Saison" längst abgeschlossen seien, wenn dieselbe begänne, und daß man dann nur noch Raum fände für eine Arbeit, die in ganz besonderer Weise der Beachtung empfohlen wäre. Heinz versuchte es, das Stuck emer Bühne zweiten Ranges zu übergeben. Da konnte man dergleichen gar nicht gebrauchen. Ja, wenn er ein Censatlonsstuck hatte oder auch emen sehr lustigen Schwank, darüber würde sich reden lassen, aber ein Tendenzdrama Goti bewahre! Und er begann mit seinem Stucke persönlich die Runde zu machen. Von Bühne zu Bühne) von Agentur zu Agentur Alles vergeb lich. Sauer genug war ihm jeder dieser Wege geworden; jede neue Enttäuschung traf ihn wie ein neuer schmerzlicher Schlag. Der Wmter verlief, es war fast em Jahr vergangen, und noch immer war nichts, gar nichts erreicht. Seine kleinen Arbeiten wollten sich im Winter ebenso wenig anbringen lassen, wie im Sommer; nur ganz vereinzelt hatte irgend eine untergeordnete Zeitung für ihr Sonntagsblatt" eme Kleinigkeit von ihm erworben und mit einem kärglichen Preise bezahlt. Nach und nach mußte ihm wohl oder übel die verzweifelte Erkenntniß kommen. daß alle seine früheren Erfolge lediglich seinem Reichthum und der Stellung seines Vaters zu danken geWesen waren. Da kam plötzlich ein Telegramm von Ottbert. das den ganzen Ernst seiner Lage wie mit grellem Licht übergoß: Komm sofort." lautete es. Harry hat sich Hilda wieder genähert. Eltern begeistert für ihn. Rasche Intervention nöthig." Ein furchtbarer Jngymm. ein bitterer Groll gegen das Schicksal erfaßte ihn. Ja. so hatie es kommen müssen: daß er auch noch in Gefahr gerieth, seine Braut an den Todfeind zu verlieren. O, er konnte das alles begreifen! Es war nur zu natürlich, daß sich allerhand Gerüchte verbreiteten. Harry selbst gab sich wohl für den Besitzer von Rothhausen aus freilich mit Recht und die Behrenbergs haschten ja nur nach der guten Partie. Im Gegentheil, ihnen war im Grunde der Aristokrat von echtem blauen Blute der liebere Schwiegersohn. 1 Würde Hilda dem Allen widerstehen können. Freilich, Ottbert schien noch tapfer zu ihm zü stehen vielleicht auch war er nur aus irgend einem Grunde ein Gegner Harrys. Aber wie lange würde dieser schwache Pfeiler seine Hoffnungen stützen? Und Heinz kam mit leeren Händen, ohne Erfolg, ohne Existenz! Noch einmal übermannte ihn fast die Verzweiflung. Er war ja unschuldig! Aber er, mußte sich jetzt entscheiden, mußte das Erbe seiner Pflegeeltern beHäupten oder es herausgeben. Am selben Morgen schrieb ' ihm Charlotte, er möge kommen und Ordnung schaffen: Harry treibe es zu toll. sie wolle und könne die. Verantwortung nicht übernehmen.' Sieh, lieber Heinz," hieß es in dem Briefe, ich durchschaue ja die ganze Sachlage, ich habe sie von jeher 'durchschaut, wenn ich auch offen zugeben muß, nicht beweisen zu können, was ich weiß. Eines aber kann ich Dir beweisen, Heinz, daß mein Bruder Heinrich anders über sein Vermögen verfügt haben würde, wenn er Dich nicht für seinen Sohn gehalten hätte. Lies die Beilage und Du wirst mich verstehen." - (Fortsetzung folgt.) Das Kaiser Friedrichvteaigymnalmm neou mea!?cyuie zu Rlxdorf, das erst vor etwa fünf Iahren von der Stadt errichtet wurde, hat jetzt die ganz außergewöhnliche Schülerfrequenz von 1026 erreicht. Es durfte kaum eine höhere Lehranstalt im deutschen Reiche geben, die eine so hohe Schülerzahl aufweist. Es bestehen Nlcbt wemaer als 30 K anen. :n denn von 'insgesammt 35 Lehrern, 23 Oberlehrern. 2 Zeichenlehrern und "11 Vorschullehrern unterrichtet wird. Und daoe fehlen dem Realgymnastum ge genwärtig noch die beiden Primen,
Die Küchenzettel unserer Bor-fahren.
Ueber verschwundene Gerichte und Leckerbissen bringt das Journal des Debats" eine hübsche Plauderei, aus welcher zu ersehen ist, daß es auch in der Kochkunst eine Mode giebt. Viele Thiere, die einst als Leckerbissen verspeist wurden und eine Zierde aller Prunktafeln bildeten, sind von unseren neuzeitlichen Küchenzetteln vollständig verschwunden. In erster Linie ist da der Schwan zu nennen. Man ifct schon längst keine Schwäne mehr, abgesehen von einigen wilden Ezemplaren, die von passionirten Jägern als gute Bissen geschätzt werden. Frü her aber stand der Schwan in der Küche in hohem Ansehen. Bei dem Prunkmahl, das die Stadt Paris im Jahre 1549 zu Ehren der schönen Katharina von Medici gab, wurden unter anderem Geflügel auch 21 Schwane aufgetragen. Heute ist der Schwan nur ein Ziervogel; man hat gefunden. daß sern Fleisch lederartia und zahe ist,' und hat ihn deshalb von der feinen Tafel verbannt. Auch der Psau t von unsern Küchenzetteln verschwunden: man onet ihn aber auch früher weniger seines Fleisches wegen, als darum, weil er sich auf der Tafel recht hübsch ausnahm. Man richtete ihn auf aanz besondere Weise her. Anstatt ihn zu rupfen, zog man ihm die Haut mit oen Federn ab; dann schnitt man ihm die Füße ab und umwickelte ihm den Kopf mit einem Leinentuch. In diesem Zustande wurde er an den Bratspieß gesteckt; da man den Kopf nicht mitbraten lassen durfte, begoß man ihn fortwahrend mit Wasser; bevor man den Vogel servirte, bekleidete man ihn wieder mit seinen Federn, so daß er wie lebendig aussah. Sehr großer Beliebtheit als VogelWildbraten erfreute sich der Reiher, dessen Fleisch Belon in seiner Nature des Olseaux" als 93iande Royale rühmt; man servirte ihn mit seinem Kopf und seinem Hals, die während des Bratens durch Butterpapier geschützt wurden. Heutzutage finden nur noch die Jäger Geschmack an dem R-iher. Ebenso verhält es sich mit dem Storch, der früher nicht selten recht knusperig" gebraten, auf den vornehmen Tafeln prangte. Sehr geschätzt war die Rohrdommel, die, wie aus einem alten Lieferungsvertrag zu ersehen ist, etwa im Preise des Hasen stand und theurer war als Waldschnepfen, Rebhühner, Krickenten, Bratschnepfen, Holztauben u. s. w. Die Rohrdommel konnte man zu Rubelais' Zeit auf allen besseren Tafeln finden, aber," sagt Belon, man mußte sich daran gewöhnen, da das Fleisch nicht gerade angenehm schmeckt!" Dasselbe für den Kranich auch er wird als Braten mehr gefürchtet als geliebt,, obwohl Feinschmecker sein Fleisch als eine zarte, köstliche und leicht verdauliche Speise bezeichneten. Zu der Zeit, wo der Reiher, die Rohrdommel, der Pfau und der Schwan in der Fressereiwissenschaft", wie Montaigne sagt, noch einen Rang einnahmen, beginnen auf den europäischen Tafeln zwei neue Arten zu erscheinen: der Truthahn und das Rebhuhn. Der Truthahn wurde zuerst nicht sonderlich koch geschätzt, erst BrilletSavanin wies auf feinen Werth hin: ...er ist," so schreibt er, sicherlich eines der schönsten Geschenke, das die .neue Welt der alten gemacht hat." Eine besondere Merkwürdigkeit bildeten die Vögel, die als Magernahrung" galten und deshalb von den Katholiken während der Fastenzeit gegessen werden durften; es gehörten dazu die Trauerente und mehrere Wasservögel, die mit der Gans und mit der Ente verwandt sind. Die Trauerente hielt man für eine Art Fisch; sie sollte angeblich kaltes Blut haben; das galt jahrelang als Dogma, und über Dogmen soll man nicht streiten. Auch sonst wurde allerlei Außerordentliches von der Trauerente erzählt und geglaubt: die einen ließen sie auf dem Meere aus faulem Treibholz entstehen, andere wieder aus Fruchten emes fremdlän dischen Baumes; für die Entstehung aus dem Treibholz entschieden sich u. a Pariser Doktoren, die der eigenartigen Metamorphose persönlich beigewohnt haben wollten. Praktische Nutzanwendung. In einer Dorfschule Westfalens sprach kürzlich so erzählt man ' bei Behandlung eines Gedichtes der Lehrer eingehend über den Nutzen des Fleißes. Er fragte die lernbegierige Dorfjugend: Was muß ein junger' Mann thun, um dereinst eine ehrenvolle Stellung im Kreise seiner Mitbürger einzunehmen, um recht vorwärtS zu kommen? Ein flachshaariger Zunge gab durch Fingeraufheben zu erkennen, daß er die Lösung dieser wichtigen Zukunstsfrage gefunden habe.'Auf ein ermunterndes Zeichen des Lehrers sagte der hoffnungsvolle Bursche mit großer Ueberzeugungstreue: He möt' ne rike Burendochter friegen!" (Er muß eine reiche Bauerntochter heirathen.) eigene Aufsagung. Sie: Aber Paul, nun sitzt du schon wieder in deinem Weinkeller, und der Arzt hat dir doch gerathen, mehr unter die Menschen zu gehen." Er: Hier Km icü dock auck unter Menscben."
Vom Julaude. Große Aufreauna herrscht
unter den Temperenzlern in Borden. lark County, Ind., ov'des Verkaufs eines Malzproduktes, das als Hop Cream" bekannt ist, aber nichts Anderes als gutes Flaschenbier sein soll. und das im Geheimen gesetzwidrig und stark losgeschlagen wird. Eine WirthIcyast gibt es, dank der Wassersimveler. im Orte nicht. Kürzlich entdeckte man 'durch etliche junge Burschen, die sich nach stärkerem sehnten, eine Hop Cream" - Schänke. Mehrere Zeugen befanden sich vor der 5effersonviller Grandjury, von einer Anklage ist jevoch nichts bekannt. Die BundesbeHorden werden fick der Sacke auck annehmen müssen. Aus der Sache eraibt sich auss Neue, welche verrückte Folgen : . cmrr rr . . r , r vic iuuciiunpcici qai uno qaezn MUß. Auch im Staate Kansas soll der op Sream" - Verkauf floriren. Im Riverside Park. New York, fand kürzlich ein Angestellter zwei große Schlangen, zur Gattung der Riesenschlangen gehörig. Eines der Reptile ist 20 Fuß lang, das andere über 10 Fuß, und beide Thiere lagen im Grase, dicht an der großen Mauer, die mit er Straße parallel laust. Der Angestellte glaubte zuerst, daß die beiden Schlangen todt seien. fand aber bei näherer Untersuchung, daß sie noch am Leben waren, obschoir die kleinere beinahe todt 'war. Die Thiere wurden in einer Kiste sofort nach dem Central Park in's Schlau genhaus gebracht, wo sofort Alles aufgeboten wurde, sie wieder munter zu machen, und in der warmen Tempera-
iur gelang Dies auch bald be: der großen, während die kleine erst nach und nach anfing, Lebenszeichen von sich' zu aeben. Aehnliche Schlangen befinden sich jetzt schon im Schlangenhause im Park, doch keine wie diese zwei. Wie man glaubt, sind die Thiere' von Südafrika gekommen und wurden in einem Güterwaggon weitergesandt, aus welchöm sie entkamen und in den Park gelangten, da die Geleise der New Forke? Centralbahn ja am Park vorbeilaufen. Infolge der kalten Witterung und mangelhafter Ernährung hatten die Thiere stark gelitten. Das südöstliche Ende von Barren Island bei.Brooklyn, an dem sich drei Oceanströmungen treffen, ist in die Jamaica Bay gesunken und mit dem fortgeschwemmten Grunde ein zweistöckiges, 150 Fuß langes LagerHaus der New Jork Sanitary Utilization Co., sowie deren Pier. Auch, der an diesem liegende Dampfer Fanny McKane" kam in Gefahr, zu sinken, ihr Kapitän rettete sie aber durch enerzischeManöver noch rechtzeitig aus dem gewaltigen Wirbel, in welchem das Dock mit Allem, was darauf stand, Versank. Es war kurz vor Mitternacht, als Männer und Frauen in den dem Lagerhause benachbarten Fabriken ein eigenthitmliches Rumpeln unter den Füßen und dann ein Krachen wie einen langrollenden Donnerschlag hörten. An die Fenster geeilt, sahen sie dann das ganze Ende der Insel in die heftig bewegten Fluthen sinken. Eine Minute später töntenalle Alarmpfeifen und die etwa 500 auf der Insel beschästigten Personen sammelten sich am Bay-Ufer in größter Furcht, daß die ganze Insel von-den Wellen verschlungen werden würde. Viele von den Männern sprangen tVs Wasser, um nach der Long Island - Küste hinüber zu schwimmen. Sie wurden von Nettungsbooten aufgefischt. Das weggerissene Stück zum Theil aufgeschütteten Landes war rund 400 Fuß lang und 200 Fuß breit; die Tiefe des Wassers, in welches es sank, beträgt von 75 bis 85 Fuß. EinGrabindemeinsamen Gehölz auf Deals Island, an 'der Chesapeake - Bay, wurde dieser Tage geöffnet und aus demselben die Leiche eines Mannes entfernt, dem eine glückliche Zukunft in Aussicht stand. ES war vor etwa 20 Jahren, als in OstBaltimore, dem sogen. Fells Point, ein junger Mann von einnehmendem Aeußeren bei einem der vielen Matro--senwirthe Unterkunst fand. .Henry Frank", sagte er, heiße er. Am SüdBroadway war er wohlbekannt, und man achtete ihn, da man wußte, daß er aus besserer Familie stammte und, obwohl manchmal in Lumpen gekleidet. ein Mann von Wort war. Er logirte, wo es ihm immer paßte. Zu Beginn dieses Winters ließ er sich wie gewöhnlich auf einem Austernboote anwerben und fuhr die Chesapeake - Bay hinab. Lluf derNückfahrt wurde er nahe Deals Island, Somerset .Counth, von der Segelstange des Austernbootes, auf dem er sich befand, getroffen, in's Wasser geschleudert und frank. Der Leichnam wurde gefunden und am darauffolgenden Sonntag auf Deals Island bestattet. Später kam nun Herr H. C. Schuck von Mt.' Joy. Lancaster, Pa., Präsident einer Bank daselbst, nach Baltimore, erkundigte sich nach dem Grabe des Verstorbenen und traf Anstalten für die Ueberführung des. Leichnams nach Mt. Joy. Er erzählte, daß er der Schwager des Henry Frank sei und dessen Vater, Heinrich Frank sen., der Besitzer eines Malzhauses im genannten Orte sei. Heinrich habe eine gute Erziehung genossen, jedoch ein nstätes Leben dem Leben in Hülle und Fülle vorgezogen und seit geraumer Zeit hätten seine Eltern nichts mehr von ihm gehört.,
