Indiana Tribüne, Volume 29, Number 94, Indianapolis, Marion County, 12 December 1905 — Page 6
Jndiana Tribülie, 5. Dezember 1903,
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Europäische Nachrichten.
tzeinprovinz. Baeren. Hier schlug der Blitz in ein Haus und tödtete die im Bette liegende 16jährige Therese Kistemann. Ihre in demselben Bette schlafende Schwester blieb unversehrt. Düsselldorf. Dem Geh. Re-gierungs-und Schulrath Prof. Dr. Rovenhagen hierselbst wurde der othe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und dem Geh. Reg.-Rath Steilberg Hierselbst der Rothe Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub verliehen. Duisburg. Der frühere Fabrikbesitzer Terlinden - Oberhauses, der bekanntlich im Herbst 1903 vom hiesigen Schwurgericht wegen Konkursverbrechen zu sechs Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war, wird jedenfalls seine Strafe in der hiesigen Strafanstalt nicht verbüßen, da er an Geistesstörung leiden soll. Vor einiger Zeit ist seine Ueberführung in eine Jrrenanstalt erfolgt. Essen. Letztens ist auf dem Rhein. - Wests.' Elektrizitätswerk der Monteur Johann Pottbrock verunglückt und durch den elektrischen Strom geredtet worden. Er war mit sogenannten Transformatoren beim Vorbeige hen in Berührung gekommen. Hilden. Unlängst erschoß sich hier du Färber Hugo Steinbach, 48 Jahre alt. Er hatte seit längerer Zeit einen Streit mit einem Kostgänger im Nebenhause, der ihn verdächtigte, Heu gestohlen zu haben; deswegen hatte er dem Betreffenden Rache geschworen und sich geäußert, er müsse sterben, und wenn er in's Zuchthaus käme. K r e f e l "d. Fabrikant Schulz vermachte der Stadt 67,000 Mark, darunter 42,000 Mark für ein: Volkslefehalle und 11.000 Mark für Mu seumskäufe. Leverkusen. Letztens landete hier die Leiche des Steindruckers Karl Rückmann, der in den Farbenfabriken vorm. Fr. Bayer & Co. beschäftigt war. Vor einiger Zeit hat er bei dieser Firma seine Entlassung genommen und ist wahrscheinlich beim Baden im Rhein ertrunken. Feuerwehrleute fanden die Kleidungsstücke des Rückmann. welche auf einer Kribbe oberhalb der Badeanstalt angeschwemmt waren. Oberkassel. Ein. schreckliches Unglück ereignete sich auf dem Rhein. Ein' Motorboot wurde von dem Dampfer Rhein" der Dampfschiffahrtsgesellschaft Bonn - Königswinter -über-fahren. Fünf Personen ertranken. Das Unglück soll dadurch entstanden sein, daß das von dem Unternehmer Thomas gesteuerte Motorboot entgegen den geltenden Vorschriften noch kurz vor dem Dampfer den Strom kreuzen wollte und von diesem Vorhaben nicht abließ, obgleich der Dampfer mehrere Glockensignale gab. Provinz &cf(?n'gTafsait. Kassel. Gerichtsvollzieher Krahl ist unter Verleihung des Kronenordens 4. Klasse in den Ruhestand getreten. Krahl, ein pflichttreuer und geschätzter Beamter, stammt aus dem Homberger Kreise; er wirkte lange Jahre hindurch als Gerichtsbeamter in Homberg und ist dort noch bestens bekannt. Allendorf. Vor Kurzem entstand Feuer in den Scheunen des Handelsmanns Scharf und des Malermeisiers Baum in der Engen Gasse. Die beiden Gebäude brannten total aus. Vockenheim. Hier starb der Arzt Dr. Wilhelm Jacobi im Aller von 73 Jahren. Frankfurt. Für die Ergreifung des Raubmörders Hudde war seiner Zeit eine Belohnung ausgesetzt worden, und zwar in Höhe von 1000 Mark. Kriminalkommissär Daniel in Darmstadt 'hat davon 550 Mark als Anerkennung für seine damalige Thätigkeit erhalien. ' G e l n h a u s e n. Der Schachtmeister Lob aus Gießen hatte die ihm zur Lohnzahlung übergebenen Beträge behalten und war damit durchgegangen. Er wurde hier verhaftet. y o zi J r Wer Wagensavrtkan! Heinrich Ulrich dahier .hatte auf der Ausstellung in Brüssel einen Jagdwagen ausgestellt und erhielt auf denselden die goldene Medaille, jedenfalls ein erfreuliche? Beweis von der Leistungsfähigkeit unserer heimischen Industrie. Hünfeld. In der Kreistagsitzung wurde der Bürgermeister Jakob Schott zu Neukirchen crls Mitglied des Kreistages im Wahlverbande der Großgrundbesitzer gewählt. Merzhausen. Der Hegemeister Steiner hierselbst feierte unter großer Antheilnahme aus allen Kreisen sein L0jähriges Dienstjubiläum. Wehr da. Der 12jährige Sohn des Müllers Jakob Schott im benachbarten Neukirchen gerieth mit 'der Hand in die Kammräder der Mühle. Dem bedauernswerthen Jungen wurden Zwei Finger zerquetscht. MtterdcütscZe Staaten. V r a u n s ch w e i g. Letztens wur. de.der 50jährige Heizer Stolte von hier in Gaudersheim von der Lokomotive eines Güterzuqes überfahren und auf der Stelle getödtet. Stolte so beim Oelen der Maschine beschäftigt gewesen sein und vor dem zweiten Rade der Lokomotive gelegen haben. Die caicyme hat dann einen Stoß vorwärts gethan und ist Stolte über Kopf und Arm gefahren. Der Verur-
glückte hinterlaßt Frau und mehrere
Kinder. C o b u r g. Das fünfjährige Söhnchen des Elektrotechnikers Bauer .lief in ein Kohlenfuhrwerk und wurde so unglücklich überfahren, daß der Tod auf der Stelle eintrat. Die Räder waren dem Kinde über den Kov? aeaa. gen, wodurch die Schädelbecke zertrümmert wurde. Fin st erber gen. Unter lebhafter Betheiligung sowohl der hiesigen Ortseinwohner als auch der anwesenden Kurgäste feierte der noch körperlich und geistig frische Dielenschneider Andreas Burkhardt, der noch vielen Einwohnern Gothas von der letzten Obstausstellung im Parkpavillon" als Dirigent und Liedermeister" des hiesigen Frauenchors in guter Erinnerung sein dürfte, seinen 90. Geburtstag. G o t h a. Das fünfundzwanzigZährige Jubiläum ihres Bestehens tonnte kürzlich die Wilo- und Geflügelhandlung des Hoflieferanten Alfred Hirschfeld im Hause Lucas Cranachstraße 20 (damals noch Kleine Sieblebergasse) begehen. Hoffentlich ist es dem Inhaber beschicken, auch das goldene Jubiläum seines 'Geschäftes zu feiern. Heckenbeck. Infolge der vielen Regengüsse in letzter Zeit war Wasser ;n den Keller des Kaliarbeiters Bukmann eingedrungen. In Abwesenheit des Brakmakn wollte dessen Schwiegermutter, Frau Wittwe Gieseler, das Wasser aus dem Keller entfernen. Hierbei ist sie ausgerutscht und in's Wasser gefallen; sie wurde todt aufgefunden. Heygendorf. Bei den Abteufungsarbeiten des Kalischachts ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der 23jährige Bergmann Otto Scheutzel von hier wurde von einem gefüllten Fördereimer, der bereits im Aufstieg war, auf unaufgeklärte Weife aber wieder niederging, so heftig getroffen, daß ihm der Schädel zerschmettert wurde und der Tod sofort eintrat.' Ein zweiter Arbeiter erlitt einen Armbruch. K ö st r i tz. Von einem schnellen Tode wurde die 62 Jahre alte Ehefrau des Invaliden Künzel ereilt. Nachdem sie auf der Kirschplantage gewesen war und sich nachher auf dem Felde zu schaffen gemacht hatte, kehrte sie nach Hause zurück und beschäftigte sich mit Holzsägen. Ihre kränkliche erwachsene Tochter saß ganz in der Nähe. Plötzlich bemerkte sie, daß ihre Mutter wankte und hinfiel. Sie trat hinzu und fand die Mutter bereits todt. Ein Gehirnschlag hatte ihrem Leben ein schnelles Ziel gesetzt. R o ß l a u.. Der Fabrikbesitzer Nofahl hierselbst pflegte noch täglich.ohne Rücksicht auf die Witterung, in d-r Elbe ein Bad zu nehmen. Hierbei ist er letztens ums Leben gekommen. Wahrscheinlich hat er einen Herzschlag erlitten. Scrcölerr. Dresden. Vor einiger Zeit konnte die als solid bekannte Firma Fischer u. Peschel, Waisenhausstraße 38, Hütund Schirmgeschäft, Hauptniederlage der Oschatzer Filzschuhe, auf ein 25jähriges Bestehen zurückblicken. Vor kurzem waren es 25 Jahre, daß Stabstrompeter Karl Beck vom Großenhainer Husarenregiment als Trompeter ins Heer trat. Acht Jahre, von 1880 bis 1888, gehörte er als solcher dem Großenhainer Trompetercorps an. 1883 erfolgte seine Bestellung als Stabstrompeter beim 12. hiesigen Trainbataillon, 1898 diejenige als Stabstrompeter des Großenhainei Husarenregements. Chemnitz. ' Bei der Stellung von Eisenbeton - Contruktionen im hiesigen Schlacht- unViehhof verunglückten beim Verlegen der Träger zur Deckenconstruktion mehrere Arbeiter, davon einer tödtlich, während die anderen theils schwere, theils leichtere Verletzungen erlitten. Das Unglück geschah durch den Absturz einiger Träger. Der getödteie Arbeiter ist der 42jährige veiheirathete Wilhelm Hermann Hempel, der erst vor kurzem aus Rodlitz -hierher gekommen ist. r l a u. lLtn veoauerttcyer UNglllcksfall hat sich hier ereignet. Das 7 Jahre alte Söhnchen des Schuhmachers Müller gerieth in das Göpelwerk einer Gutsbesitzer Euletz gehörigen Dreschmaschine und wurde schwer verletzt. Dem bedauernswerthen Kinde mußte in einer Chemnitzer Clinik ein Fuß amputirt werden. Großstädte!. Das 25j'ahrige Jubeläum seines Eintritts ins geistliche Amt beging Pfarrer Lange hier. Klingenthal. Der im Helenenschachte der hiesigen Kupferbergbau - Gewerkschaft beschäftigte Häuer Franz Mikusch wurde von plötzlich niedergehendem Gestein völlig zermalmt. Leipzig. Ihr hundertjähriges Bestehen feierte die Firma F. A. Brockhaus unter Antheilnahme der Behörden und vieler Körperschaften. Aus Anlaß dieser Feier hatte die Firma 100.000 Mark für ihre Angestellten gespendet. N e u m a r k. Letztens wurde hier der 11jährige Sohn des Schneidermeisters Geßner von einem beladenen Fuhrwerk überfahren. Er starb nach kurzer Zeit. O e l s n i tz. Todt aufgefunden wurde auf ReHauer Flur (Bayern) der seit einiger Zeit aus aus dem benachKarten Lauterbach verschwundene Milchhändler Junghans. Es liegt Selbstmord vor.
Der Hoffnung Trug Von D. Feussner. Die Hoffnung sprach: Wenn der Flieder blüht. - Und die Pfingstsonne über den Bergen glüht. Wenn Philouicle ibr Licbcslicd singt Und auch die verspätete Knospe springt, Tann will ich Dir bringen, was einst ich versprochen Und aufrichten, waZ die .Entsagung gcbrocken, Tu sollst Dich freuen, sollst fröhlich sein Und leben in meinem Connensckcin." So sprach die Hoffnung. Der Flieder blühte, die ?cachtigall sang, In der ?onne die letzte itnospe sprang Ich glaubte der Hoffnung. i Tcr Flieder verblühte, die Nachtigall schwieg. Tic Sonne höher und öhcr stieg. Tie Saaten wogten in ihrem Schein, Ich stnd noch immer allein, allein -Und glaubte ocr Hiifnung. Der Sommer kam die Sense klirrte Durch Feld und Wald der Jäger irrte, Da? letzte leuchtende Nöslein am Rain -Verblühte ... ich stand noch immer allein Und glaubte der Hoffnung. Tie Trauben reiften, der Herbst kam gcgangen. Ecstillt ward manch' ehllen und manch Verlangen. Tie Vögel zogen in Schaaren fort. Und das Äuge erschaute hierund dort Spur. des Vergehen. Und eigen, ganz eigen Ward mlr bei dcm redenden, herbstlichen Schweigen. Ta wankte mein Glaube. Gehüllt in grauen, verzehrenden Staub Trieb kalter Wind das verwelkte Laub Ueber die Ebcnc. Tcr Hcrbst verging Und dcr Winter mit fernen Armen um- - ' fing Die stille ??atur. Und als sie trafen Tie kalten Blicke ging sie schlafen. Ihr Leben erstarrte in eisigen Schauern Und über das Antlitz zog göttliches Trauern. Da wai mir noch cig'ncr, noch weher zu Sinn. Ich sckaute rückwärts zur Hoffnung hin Mit einem Herzen so schwer, so schwer Toch sah ich die Götteraestalt nicht mehr Da verlor ich den Glauben. Von der Straße. Von H. Lothar. Da springt er hin! Bestie! Kanaille! Natürlich unter den Schrank. Wetten, daß er sich hinter dem hintersten Fuß verkriecht! Und da sagt meine Schwester noch, wir Männer könnten nicht mitreden von der Bosheit der Objekte, weil wir keine Haken an unseren Sachen haben; nur die hätten den wahrhaft bösartigen Charakter. Als ob wir nicht täglich durch listig -iziMvH qun uzh?jctausquAjctnij;uz feste Stsirkwäsche für alle unsere Sünden gestraft würden!" Robert Härtung,- der bei seiner Sonntagstoilette in dieser Weise seinen Gefühlen Ausdruck gab. richtete, nach einem vergeblichen Versuche, den entsprungenen Hemdknopf mit einem Stock aus seinem. Versteck unter dem Schrank hervorzujagen, einen Zustimmung und Mitleid heischenden Blick auf seinen Freund, der ziemlich ungerührt, tief nachdenklich auf seinem Platz verharrte. Lene sagt immer, Männer beklagten sich laut und reichlich über alles; es brauchte bloß einer Schwiegermutter" zu sagen, dann ständen sie schon kampfbereit in geschlossener Front. Dabei wären die Mütter alle so froh, wenn die Tochter den ersehnten Mann gefunden hätte, daß sie die Schwiegersöhne meist verwöhnten. Zu leiden hätten immer nur die Frauen, die der Mutter des Mannes nie .genügten. Ja, Lene hat so allerlei Einfälle, aber ein lieber Kerl ist sie doch." Vom Sofa kommt endlich eine Bemerkung: Wie kommt denn deine kleine Schwester zu solchen Ideen und Beobachtungen?" Meine kleine Schwester ist, Gott sei Dank, so groß geworden, wie es sich für ihre vierundzwanziz Jahre gehört. Du denkst wohl, während du im Ausland warst, hat hier die Welt stillgestanden? Uebrigens ist es Zeit, daß du mal mit hinauskommst nach Charlottenburq - und meiner Mutter und Schwester Guten Tag" sagst.. Ich weiß nicht, die Kleine macht immer selch kurioses Gesicht, wenn ich dich erwähne. Aber sie behauptet, 'ich bilde mir das ein." Lenchen Härtung eine junge Dame! Ich kann sie mir nur vorstellen mit fliegenden Zöpfen, in kurzen Kleidern über den Kirchplatz laufend. Ecken luchsen" spielten wir um die Kirche; wer gesehen wurde beim Um-die-Ecke-luchsen" war dran. Ein liebes Ding war sie. aber eine Range!" Na, man weiter, Leo, jetzt hast du doch mal mehr als fünf Worte auf einmal gesagt ich ließe dich nicht zu Worte kommen? Ach was, faule Ausrede! Was ist das eigentlich mit dir? Es kann ja einen Stein erbarmen, wenn man erlebt hat, wie du himmelstürmcnd hier ankamst, ich dachte, du würdest Berlin auf den Kopf stellen und nun sitzt du da wie einer na wie einer, der jeden Abend ein modernes Stück sehen muß, was so viel bedeutet, wie ein paar Stünden eingesperrt sein, im Dunkeln, in' der unangenehmsten Gesellschaft ohne jeden Tabak. Das gehört jetzt zu dem modernen Realismus. Dunkelheit, und Dämmerung wird nicht markirt, es wird so dunkel auf d& Bühne gemacht, daß man eben nichts sieht, ist auch manchmal besser. Aber da lobe ich mir doch, wie sie auf den kleinen .Schmieren" frühe? die
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Scenerie andeuteten, ernsacy vurcy ein Plakat Wintcrnacht", Sommerabend", .Dämmerung" na ja, nun läßt du mich wieder .schwatzen, dabei läßt sich's wohl wunderschön dösen." Leo Hansen saß allerdings mit gesenktem 5)auvt. die Arme auf die Knie gefiunr, aus oer Ottomane, rooeri, erz seinen Scheitel vor dem Spiegel bearbeitet hatte, unterbrach seine Thätigkeit und stellte sich, in' jeder Hand eine Bürste, vorwurfsvoll vor seinen Freund hin: Nun noch ein schwerer Seufzer Mensch l. Du wirst doch nicht? Wahrhaftig, alle Symptome stimmen. Guter Freund, du bist verliebt, und du willst es nicht bekennen!" Meinst du, Robert?" Leo sah mit tiefem Ernst auf. betrachtete dann aufmerksam seine Cigarre. Es scheint mir beinah auch so." Na, alter Junge, denn man los, wenn's mal wieder so weit ist, denn runter vom Herzen. Warum denn so, melancholisch? Will sie dich nicht?" Ich kann sie ja nicht fragen, das ist es ja eben, ich kann sie doch nicht wieder finden." .Wie heißt sie denn?" Das weiß ich nicht." Wo hast du sie denn gesehen?" Auf der Straße." . . . Nur gesehen?" Nur gesehen! Hast du eine Ahnung, nur gesehen! Wenn du sie gesehen hattest!.. Ich sage dir".. Na laß man, ich weiß schon. Das schönste Mädchen! Die Krone der Schöpfung! Augen! Ich sage dir!" Woher weißt du denn das?" Kunststück! Das ist doch immer ss. Also weiter, du hast sie gesehen und weiter? So sprich doch, Leo." Da soll man Lust haben, mit dir von ernsten Dingen zu reden, wenn du solch fatales Gesicht machst. Ich sage dir, es ist ganz anders, als du denkst." Himmel Donnerwetter! Ich schwore, überhaupt nicht nur nichts zu denken, sondern auch nie etwas gedacht zu haben und, wenn du willst, im Laufe der nächsten Viertelstunde oder mehr, wenn die nicht ausreichen sollte für deinen Herzenserguß, meinen Gehirnkästen rein von aller Gedankenarbeit zu halten, gefegt und gebürstet wie das Berliner Pflaster. Was willst du noch, hier sitz' ich, nun los!" Du weißt doch," begann Leo, gleich den Tag nach meiner Ankunft schleppte mich Wallhof durch Berlin, er geht doch auf im .Fach, ich sollte Berliner Bauten bewundern; wir hatten dann ein bischen lang gefrühstückt, es war schon reichlich dunkel, als wir, auf dem Trottoir in der Hardenbergstraße siehend, die Hochschule betrachteten und im lebhaften Gespräch nicht beachteten, daß wir den Weg sperrten.. Da kam eine Dame, und im angeborenen Höflichkeitsdrang und theils im Uebermuth sprang ich zur Seite, machte Front und grüßte tief. Jetzt sah ich erst, daß es eine sehr hübsche, vornehme Dame war, die kühl, als wenn sie nichts bemerkte, vorübergehen wollte, aber doch ein amüsirtes Zucken ihrer Mundwinkel nicht unterdrücken konnte. Kurz entschlossen ging ich an ihrer Seite weiter und bat: Sie haben mir doch das nicht übel genommen, meine Gnädige? Es war nur der Ausdruck höchster Ehrerbietung." Zuerst ging ein etwas peinliches Erschrecken über ihr Gesicht, dann sagte sie: Warum sollte ich eine Höflichkeit übel nehmen?" Nun war ich fein raus!" Leo war bei der Erinnerung an die Begegnung begeistert aufgesprungen. Alle Apathie und Melancholie verschwanden, seine hübschen Augen strahlten. Weißt du, wenn nur WallHof nicht dabei gewesen wäre," fuhr er fort, der tappsie an meiner linken Seite und machte mich nsch brummend auf Sehenswürdigkeiten aufmerlsam, als wenn das einen Zweck gehabt hätte, ich hatte genug zu sehen, natürlich fiel mir nur blödes Zeug ein. Ist es nicht gefährlich," sagte ich für eine Dame, hier Abends allein zu gehen, treibt sich hier nicht manchmal Gesindel herum?" O bewahre, ich gehe hier oft allein und dies" mit einem reizenden, schelmischen Seitenblick ist mein erstes Abenteuer." Abenteuer?" sagte ich. Ja. freilich, zwei Wegelagerer haben Ihnen heute den Weg versperrt. Robert und Bertram, die lustigen Vagabunden, aber bitte, bewilligen Sie uns mildernde Umstände." Also gut, es war kein schreckliches Abenteuer, nur ein Intermezzo, das wohl jetzt beendet ist." Damit blieb sie, uns verabschiedend, stehen mit der Miene einer Königin, die das Zeichen gibt, daß die Audienz beendet ist. Wir waren an der llntergrundbahnsiation angekommen, und Wallhof hatte was gebrummt, daß wir mit der Untergrundbahn fahren wollten. Mir blieb nichts übrig, als mich zu fügen und grüßend zu verabschieden. Nun bin ich aber leider mit meinem ganzen Sein und Denken an der Stelle stehen geblieben. Ich kann das entzückende Geschöpf nicht vergessen und wenn ich abreisen muß nach Hinterpommern, obne sie wiedergefunden zu haben" Dann gibt's ein Unglück!" fiel Robert ein. Ich mache dir einen Vorschlag, Leo: Die Sonne scheint, es ist famose Eisbahn, draußen auf dem See ist jetzt tout Berlin", wenn's eine schneidige junge Dame war, ist sie dabei. Versuchen wir unser Heil." Bald standen die beiden Freunde am Neuen See. Der helle Sonnenschein beleuchtete in aller Winterstarrheit ein Bild vulsirenden Lebens. Eine ftüll
vvn cenjajen, froy unv glUckttH im Bewußtsein ihrer Jugendkraft und Frische, bewegte sich dort auf dem Eise, in der Freiheit de: Bewegung aller dings etwas gehindert durch die große Menge der Schlittschuhläufer. Kaum hatte": die beiden Herren Schlittschuhe a.'l den Füßen und ein paar vorsichtig lavirende Bogen durch die in der Nähe des Eingangs stehende Menge gemacht, als Leo mit dem Ruf: Da ist sie!" daoonsauste, und Robert, der gleichzeitig von einem Bekannten angeredet wurde, ihn aus den Augen verlnr Leo hatt: sein Ziel erreicht da war sie, die Heißersehnte, in ihrem ganzen Liebreiz, wie sie ihm vorgeschwebt hatte, vorläufig mußte er sich aber noch mit einem ehrfurchtsvollen Gruß begnügen, den sie. in einem Kreis von Damen und Herren siehend, mit kaum merklichen Neigen des Hauptes erwiderte. Bald aber machte sie ein paar Schritte, spielend, in anmuthigen Bogen bewegte sich die schlanke Gestatt, scheinbar zufällig den Kreis verlassend. Das ist für mich," jubelte es in ihm, und plötzlich stand er vor ihr, wie bei einer gut geglückten Figur im Eistanz. Mein gnädiges Fräulein, verzeihen Sie mir, ich bin ja so glücklich, endlich habe ich den Vorzug, Sie zu sehen!" Warum kamen Sie denn nicht fru-' her?" Wie sollt' ich denn?. Ich wußte doch nicht" Ob Vagabunden bei uns eingelas sen würden?" Haben Sie denn mal an Robert und Bertram gedacht?" Selbstverständlich, an Robert denk' ich sehr viel. da ist er ja Robert!!" Na, Kinder, habt ihr euch schon gefunden? Nicht wahr, Leo, meine kleine Schwester ist recht hübsch groß geworden? Entschuldigt, ich wollte gerade mit Fräulein Mertens laufen, ich bringe sie dann her." Dahin sauste Robert, und Leo stand fassungslos, keines Worteö mächtig, vor seiner Dame. Endlich ergriff er ihre beiden Hände: Lene! Kleines Lenchen, war ich denn blind, und du bist's, bist du's denn wirklich? Das ist zu schön!" Ja, wer soll ich denn sein?" Ich bin ja zu glücklich, dc du es bist die ich liebe, und doch Lene Härtung. Lenchen. liebes Lenchen komm schnell mal mit, da, wo das Eis so schlecht ist und der Baum herunterhängt, hier siebt's kein Mensch ich muß einen Kuß haben einen einzigen so Du bist doch nicht böse?" Du Vagabund du!" Und du Spitzbube! Hast du es damals in der Hardenbergerstraße etwa schon gewußt?" Nein, nicht gleich; erst nachher wurde mir klar, warum du mir so bekannt erschienst." Wiesollte ich dich wiederkennen, wie hast du es nur angefangen, so schön zu werden? W:nn ich an den wilden Backfisch denke! Ein paar Haarsträhnen hingen immer über dein Gesicht. Pastors und Bürgermeisters Kinder waren nicht sehr gut angeschrieben in der Nachbarschaft. Ich komme gleich mit zu deiner Mutter, darf ich?" Ja, und dann sage ich zu Mama: Hier bringe ick dir einen Schwiegersöhn von der Straße." Paß aiff, dann sagt sie: Aber Lene, laß doch deine Dummheiten, das ist doch Leo Hansen, vielmehr Herr Baumeister Hansen." ' Ja ja, Mamachen, ein wahres Glück, daß es Leo Hansen ist, sonst wäre es eben ein fremder Herr von der Straße." Eine eigenthümliche Titte.
Wenn das heirathsfähige junge Mädchen in Tunis sich mit dem Mann verlobt, der sie sich zur Lebensgefahrtin auserkoren hat. muß sie sich, um zur Hochzeit recht voll und wohlgenährt zu sein, im elterlichen Hause einer strengen Mastkur unterwerfen. Sie wird in ihrem Raum eingeschlossen, und muß dort, ohne sich Bewegung machen zu dürfen, so lange zubringen, bis die Kur deutliche Spuren von Erfolg aufweist. Dann befesUgt man an ihren Hand- und Fußgelenken silberne Ringe, die, wenn ihr Zukünftiger Wittwer oder von seiner ersten Frau geschieden ist, früher von ihrer Vorgängerin getragen wurden. Falls die Ringe, was gewöhnlich der Fall ist, noch zu weit sind, so wird die Mästung so lange fortgesetzt, bis die Braut in die Fesseln hineingewachsen ist. Oft dauert es sehr lange,bis das erwünschte Resultat erzielt ist, bisweilen sind alle Anstrengungen vergebens. In letzterem Fall steht es dem Bräutigam frei, sein Gelübde zurückzunehmen, hat er das junge Mädchen gern, so gibt er sich auch wohl dann zufrieden, wenn die Kur den nöthigen Erfolg nicht hatte, sonst pflegt er rücksichtslos die zu weiten Ringe zurückzufordern. ' Glaubhaft. Richter: Man hat bei Ihnen falsches Geld'gefunden. haben Sie darauf etwas zu bemerken?" Angeklagter: Es thut mir sehr leid, daß das Geld falsch ist." A u s r i! st u n g. Seine Durchlaucht lenkt jetzt immer selbst das Au-' tomobil." Ja,' er nimmt aber zu seinen Ausfahrten auch stets seinen Leibarzt und einen Thierarzt mit."
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