Indiana Tribüne, Volume 29, Number 93, Indianapolis, Marion County, 11 December 1905 — Page 6
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Europaische Nachrichten.
Provinz Schresien. A r t I a u. Sein 50iäbriaes Amtsjubiläum beging kürzlich der Te-j legraphensekretar Glasneck. Der Pastor prim. von St. Maria Magda lena, Hermanu Matz, ein hochar.gesehe ner liberaler evanuelischr Geistlicher, ist im 66. Lrbensjah gestorben. Ar reg. Aon cmeni vetrulxnoen Unglücks fall wurde die BedienuugS frau Kretschmer von hier betroffen. Sie ivar im 2. Stockwerk des Hauses Gartenstraße 8 an den Markisen U schält igt. Dabei stürzte sie aus dem offenen Fenster auf die Bordkante' deZ Bürgersteigcs hinab und zog sich außer einem Beinbruche schwere Verletzungen am Kopfe zu. Es wurden alsbald Aerzte zur Hilfe herbeigeholt und die Schwerverletzte alsdann nach dem sladtlschen Krankenhause geschasst. lFrredensdorf.. Der langjährige Postagent von hier, A. Ellger, feierte mit feiner Gemahlin das Fest der goldenen Hochzeit. Zufällig ftel dieser Tag wieder auf den KirmesSonntag, toie es bei der grünen Hochzeit vor 50 Jahren auch der Fall war. G l a tz. Musiker Hugo Viedemann aus Berlin kam auf der Wanderschaft nach hier und beging hier auf dem Glacis Selbstmord, indem er sich an einem Strick erhängte. G l o g a u. In aller Stille feierte vor Kurzem der Kämmerer unserer Stadt, Ferdinand Anders, sein 50jäh riges, und Gymnasiallehrer Alexander Seiffert sein 25jähriges Dienstjubilaum. Königs Hütte. Die 6 Jahre alte Tochter des Arbeiters Wodarka wurde, von einer in demselben Hause wohnhaften Frau aus Unvorsichtigkeit mit einem Topf kochender Suppe übergössen und sehr schwer verbrüht. Liebenthcrl. Slebmachennel ster Parl Beireith hier feierte sein 50jähriges Bürgerjubiläum. Neusalza. DaS 10 ährige Töchterchen desFleischermeisters Thiele geriete) aus Unbedachisamkeit mit der unken Hand in eine gerade im Betriebe befindliche Siedemaschine. Dem armen Kinde wurden hierbei zwei Finger abgequetscht. Der zu Hilfe gerufeneArzt mußte sofort eine vollständige Amputation der verletzten Finger vornehmen. R a t r b o r. Aus der Odn wurde bei Niedane die Leiche des Unteroffiziers Gustav Kaller von dem hier siehenden 3. Bataillon des 62. Jnfantenereglments gelandet. Der Kopf des Todten weist eine große, klaffende Wunde auf, die augenscheinlich von einem Säbelhieb herrührt. Man dermuthet, daß Kaller erschlagen und seine Leiche rn die Oder geworfen worden ist. Schlegel. In der hiesiaen Johann - Baptistagrube wurde der Bergmann Aug. Nitsche durch herabfallende Gesteinsmassen schwer verletzt. Nach kurzer Zeit erlöste der Tod den Bella genswerthen von seinen furchtbaren Schmerzen. 'Z'roViirz 'gfofctx. Posen. Dem Obersekretär a. D. Kanzleirath Mühlnickel und dem Elsenbahn - Stationsvorsteher 1. Klasse a. D. Repp, bisher in Gnesen. wurde der Rothe Adlerorden 4. Klasse verliehen. Bromberg. Sein 25jähriges Jubiläum als Beamter im Dienste der Stadt feierte Stadthauptkassen-Buch-Halter Pieper. D o b r z y c a. Der hiesige Arzt Dr. Schreyer hatte an der Backe ein unscheinbares Pickelchen, welches er aus Unachtsamkeit aufkratzte. Bald darauf fchwoll die Backe an, und ein StoU lege stellte Blutvergiftung fest. Man ordnete die Ueberführung in das Posener Krankenhaus an, doch starb Dr. Schreyer, ehe man zu einer Operation schreiten konnte. , Gnesen. Der Photograph Düring schnitt sich die Pulsader auf und sprang dann vom fünften Stockwerk auf den Hof herunter, wo er mit zerschmetterten Gliedern todt aufgefunden wurde. Hohensalza. Hier wurde der 18jährige Arbeiter Richlinski von zwei anderen Arbeitern im Streite erschlagen. Janowitz. Dem Jeschki'schen Ehepaare, welches das Fest der goldenen Hochzeit feierte, wurde durch den Pastor Gutsche bei der kirchlichen Einsegnung die Ehejubiläumsmedaille und von der evangelischen Gemeinde eine werthvolle Bibel überreicht. Louisen walde. Das LandWirth Ludwig Klingbeil'sche Ehepaar feierte kürzlich die silberne Hochzeit. An demselben Tage .fand die Hochzeit zweier Tochter des Jubelpaares statt. Meseritz. Selbstmord verübte der 'Küster an der katholischen Kirche Schuhmacher Marowski. , Das Gift, das der' 57jährige Mann genommen hatte, wirkte nicht schnell genüge er griff deshalb zum Schuhmacherpfriemen und brachte sich noch eine tiefe todtllche Wunde in der Brust bei. Schroda Der Wirthschaften Maadalena Nadolna ist für treue 40jährige Dienstzeit in der Familie v. Karczewski von der Kaiserin das goldene Errnnerungskreuz verliehen wor den. Schwarzen u. Das Fest der diamantenen Qochzeit feierten die
Schuhmacher Gatzke'schen Eheseute. Das Jubelpaar wurde in die katholische Kirche geleitet, wo die Einsegnung stattfand. Usch. Dem Schneidermeister Johann Grus ist .aus Anlaß seiner 33jährigen Thätigkeit als Obermeister der hiesigen Schneiderinnung von der Handwerkskammer zu , Bromberg ein Ehrenmeisterbrief verliehen worden. -Frovinz Snchfen.
Magdeburg, riges Bestehen konnte Brunner & Sohn, luna. zurückblicken. Auf ein 6sjähdie hiesige Firma WeingroßhandIn der verflössenen langen Reihe von die Inhaber, der im storbene Kaufmann Brunner, sowie nach Söhne, die Kaufleute Jahren haben es Jahre 1876 verGustav Adolf ihm seine beiden Hermann und Johannes Brunner, verstanden, der Firma ein solches Ansehen zü verschaffen und zu erhalten, daß sie sich weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus des besten Rufes und hoher Achtung erfreut. Buckau. Der Rentier Adolf Magel und seine Ehefrau Helene., geb. Mü'ckesch, begingen in voller geistiger und körperlicher Frische ihre goldene Hochzeit. Der hiesige Männergesangverein (Dirigent I. Harbig), dessen Mitbegründer der Jubelbräutigam ist, brachte dem Paare ern Standchen, verschönte auch die kirchliche Feier mit stimmungsvollen Ge Friedrich'schen Lokale angen. Im and im Kreise ne Festlichkeit der Verwandten etc. e statt. , D o l a u. Der Schlosser Schmidt aus Halle, der tm Gasthof Zum Palmbaum" mit der Legung, von Wasserröhren beschäftigt war, wurde durch nachstürzende Erdmassen . verschüttet. Als man ihn aus dem Schacht herauszog, war er bereits todt. Erfurt. Frau Dopleb, die Hauptschuldige in der vor einiger Zeit in hiesiger Gegend Aufsehen erregenden Teufelsbeschwörung, beging im Untersuchungsgefängniß Selbstmord durch Erhangen. Die übrigen Verhafteten wurden auf freien Fuß . gesetzt. G r o n l n a e n. Die polnische Arbeiterin Marie -Maze gerieth unter einen inBewegung befindlichenDampfPflug und wurde so schwer verletzt, daß sie alsbald starb. Hedersleben. Kaufmann Kunze feierte zum zweiten Male die silberne Hochzeit. Er sowohl wie seine Gattm sind noch so rüstig, daß ne das Ladengeschäft allein versehen, obwohl beide älter als 90 Jahre sind. Provinz Hannover. Hannover. Wachtmeister Fritz Reinecke von der 2. Schwadron des Königs - Ulanen - Regiments feierte sein 2Mhriges Dienstjubiläum. Eine furchtbare That führte die Postschaffncrsfrau Köster aus der Hohestraße in Linden aus. . Die jung verheirathete Frau entfernte sich mit ihrem zweieinhalbjährigen Kinde aus ihrer Wohnung und kehrte nicht zurück. Letztens wurden die Leichen der Beiden vor den Turbinen an der Flußwasserkunst aus dem Wasser gezogen. Der ahnungslose Ehemann, der durch die Polizei Mittheilung von der Auffindung der Leichen erhielt, hat diese im TodtenHause, 'wohin man sie geschafft hatte, öesichtiqt und als die Seinen wiedererkannt. Er weiß über die Ursachen, die die Frau in den Tod getrieben haben, nichts zu sagen. Alfeld. Schwer verunglückt ist der Stationsassistent Bergner auf dem hiesigen Bahnhofe. Beim Rangiren von Güterwagen gerieth derselbe zwl schen die Ladebühne des Güterschuppens und ernen in Bewegung bend lichen Güterwagen, wobei er außer einer leichteren Verletzung des rechten Armes eine Quetschung des Unterlei bes erlitt. Burgdorf. Der fünfjährige Sohn des Ackerbürgers Kohnerding wurde beim Spiel in einer Sandkuhle von niederstürzenden Erdmassen verschüttet. Als auf die Mittheilung der anderen Kinder Arbeiter herbeieilten und den Verschütteten aus seiner Lage befreiten, war der Knabe bereits todt. B e d e r k e s a. Die Eheleute LandWirth 1. Hubert sen. begingen das seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Beide Jubilare, welche in einem Alter von 87 bezw. 83 Jahren, stehen, sind noch sehr rüstig. G r a s d o r f. Nach einem arbeitsund erfolgreichen Leben verstarb hier nach längerem Krankfein unser langjährer Gemein' evorstkher H inrich Hartmann im Alter von 7 Jahren H a x t u m. Die Eheleute Zimmermann Urban und Frau feierten das Fest der diamantenen Hochzeit. Klo st er holte. Landwirth Snöink feierte seinen 102. Geburtstag in großer Rüstigkeit. Snöink hat in diesem Jahre, noch die Erntearbeiten verrichtet. Äüneburg. Die chemische Fa brik Kausch ist gänzlich niedergebrannt Der Schaden wird auf 200,000 Mar beziffert. Rosche. Ein auf der Wanderschaft befindlicher Mülleraeselle W Schulz, welcher in der Kiehn'schen Wirthschaft logirt hat, wurde auf dem Heuboden todt aufgesunden. Äffektirt. Richter: Mauben Sie, daß die That im Affekt begangen wurde?" Zeugin: O ja, akltklirt ist die ia alleweil a'wisen!"
Die Philosophie in öer Ehe. x - Humoreske von Hugo von Gießen. Seit der Privatdozent Fredhard
Birkner mit seiner Frau am Strande von Helgoland weilte, war eigentlich mit ihr gar ein Aushalten. Sie zeigte sich von einer so auffallenden Unkenntniß in philosophischen Dingen und war einer aufklärenden Belehrung so wenig zugänglich, daß er, der doch sonst ein guter und nachsichtiger Ehemann war, sich entschieden mißbilllgend äußern mußte. Hatte sie doch sogar laut ausgelacht, als der alte Professor Kirnwald, der ihr ständiger Begleiter war, ihr in geistreicher Wene klarmachte, daß es eigentlich gar keineSchmerzen, sondern nur em vermindertes Lustgefühl gäbe. Und daß jede Klage darüber in dirett logischer Folge ernfach verpönt sein Müsse. X s)la, ich danke, Herr Prosen sc hatte sie gerufen. Zahnschmerzen haden Sie wohl noch nicht gehabt?! Sonst würden Sie sich schön hüten, diese Schmerzen überhaupt mit irgend welcher Lust in Verbindung zu bringen. Jm ersten Schreck waren dcicc Her ren stumm, aber dann hob sich die breite Brust des Mannes wie zu einer That. Mit sanfter. Hingebung bemühte er sich, ihr zu erklären, daß die Vhilosizphie keiner körperlichen Beispiele , sondern nur geistiger Beweise" bedürfe.. Umsonst! Sie lachte weiter. Lachte so lange, bis die Stimmung etwas gereizt wurde, und sie selber sich schwer ärgerte. Nun hör' schon endlich auf rief sie stehenbleibend. Ich bin kein Schulmadchen, daß ich immerfort be lehrt weiden muß. Mein gesunder Menschenverstand ist mit lieber, wie der ganze Unsinn, den Du Dir aus Büchern und Schriften zusammenphilosophirsi!" Daß es nach dieser Verhöhnung einer ganzen und großen Wissenschaft zwischen ihren Vertretern und der jungen Frau keine Verständigung mehr gab, ist nicht zu verwundern. Und so trennten sich die drei, die an sonstigen Abenden viermal die Insel zu umkreisen pflegten, heute schon nach dem zweiten Mal, und jeder ging seines Weges. Der Privatdozent natürlich mit seiner Frau. Aber der Gang war kem erfreuneher. Sie hatte zwei große Thränen in den Augen, und er biß verstimmt die Lippen aufeinander. Auch unter sich fanden sie nicht die Brücke zueinander. Wie so oft trennte sie auch jetzt wieder die Philosophie. Und wenn sie das bedachte Ganz laut und hörbar seufzte sie in diesen Gedanken auf. Das also war das Reich, das sie so lange und so heiß herbeigesehnt hatte! Das die Ehe, die sie so hoch erheben sollte. Ein Mann, der stets nur seine Interessen? im Auge hatte, und der an ihre Wünsche und Freuden gar nicht mehr dachte. Der wie ein Schulmeister an ihr herumdokterte, und ihr kaum eine rechte Antwort gab, weil sie eben nicht genügend vorgebildet war! Und dabei hatte man immer von ihr gesagt, sie wäre ein kluges und intelligentes Mädchen, das für ihn ganz besonders gut passe. Damals freilich, da staunte er auch, was sie alles wußte und konnte. Da weihte er sie noch in alle seine Arbeiten em. Selbst als er dann den Preis bekam Ach, sie sah ihn noch, wie er glücklich strahlenden Gesichts zu ihrem Vater, dem alten Oberlehrer, in das Zimmer stürzte: Herr Professor,Herr Professor..." Die Stimme versagte ihm fast . . . Ich habe den Preis bekommen, den Preis von der Universität!" ... Da hatte er ihr dann warm und dankbar die Hand gedrückt: Jhnen, Fräulein Agathe, Ihnen verdanke ich's ja zu allererst. Sie haben mir ja so viel Muth gemacht!" Muth, jawohl! Ihr hatte er ja den Muth recht gründlich genommen. Lachen und sich freuen durfte sie sich nun schon gar nicht mehr. Immer sollte sie zuhören, immer lernen. Da da jetzt fing's schon wieder an. . Du mußt verständig sein. Agathe. Wenn ein so bedeutender Mann wie der Professor Kirnwald etwas logisch erörtert, dann : Er wollte mit dieser weisen Rede einlenken, ihr aber riß die Geduld. Laß mich zufrieden mit Deinen logischen Erörterungen," schrie sie laut. Ich pfeife draus. Mein Vergnügen will ich haben, und mich nicht zu Tode langweilen." Er setzte sich in Positur. Ein geistig gebildeter Mensch langweilt sich nie!" Ich aber thu's. ich thu's! Mir braucht nicht alles Spaß zu machen, was Dich interessirt! Das zu verlanlangen, k.un, das ist egoistisch!" Aber Agathe!" Jawohl, egoistisch! Und wenn Du nur einen Funken von Liebe zu mir hättest, dann würdest Du ganz anders zu mir sein." . Ich bin doch nicht schlecht zu Dir." Schlecht nicht gerade. Aber Du hast kein Gemüth, sonst müßtest Du empfinden, wie sehr mich diele ewige Schulmeisterei herabsetzen muß." Alles hatte Fredhard Birkner mit Geduld und Friedfertigkeit über sich ergehen lassen, jetzt aber schnellte er wie von der Tarantel gestochen m die SSofo-
Was sagtest Du soeben Jcy wesy wirklich nicht, ob ich recht gehört habe." Nun, ich denke, ich sprach deutsch genug." Ich hätte kein Gemüth! O nun, ich werde es Dir beweisen." .Das wird Dir schwer werden." rief seine Frau, noch immer im bittersten Zorn, dann strebten sie dem Oberlande zu, wo in einer kleinen Nebenstraße ihre Wohnung lag. , Agathe ging schnell in ihr Schlafzimmer. Ihr Mann aber kramte im Wohnzimmer unter den mitgenommenen Büchern, und mit einer kleinen, m gelbe Leinwand gebundene Schrift folgte er ihr endlich. nach. Du hast soeben behauptet, liebe Agathe, ich hätte kein Gemüth. Weißt Du, was ein Gemüth ist?" Nein," gab sie zur Antwort, und begann sich langsam auszukleiden. Ich will's auch nicht wissen." Er ließ sich dadurch nicht beirren. Er rückte sich den Kneifer zurecht und las langsam vor, als stände er auf dem Katheder: Gefühl ist das Gewahrwerden unseres Gesammtzustandes." Das interessirt mich gar nicht!" Höre nur erst weiter: Man kanndas Gefühlsvermögen auch Gemüth" mit Wohlgefaöen blieb sein Ton daran hängen nennen, denn es ist die Fähigkeit des Zumutheseins." Na, mir ist bei Deinen Lektionen sehr schlecht zu Muthe." Im Gemüthe hat und genießt die Seele sich selbst, es bezeichnet ihr tiefstes Leben und Weben." Das sagt ein sehr berühmter Philosoph. Und Du willst nun behaupten, das tiefste Leben und Weben wäre mir versagt?! Ja, weißt Du denn nicht, daß philosophisch gedacht ein Körper ohne Seele, also ohne Gemüth, unmöglich ist?"Da fing sie auf einmal furchtbar zu weinen an. Ich weiß nur, daß ich sehr, sehr unglücklich bin." Der. Vrivatdozent gerieth etwas aus der Fassung. Er näherte sich ihr mit bedächtigen Schritten und streichelte ihr über das weiche, dunkleHaar. Du bist unglücklich?! Aber Kind..." Die Philosophie schlug ihm wieder in's Genick. Das Gefühl des Unglücks entspringt doch dem Rubrum: Befriedigung und nttauschung. Hätte es Dir Befriedigung gegeben, wenn ich keine Seele gehabt hätte? Oder fühlst Du Dich durch ihr Vorhandensein enttäuscht?" Nein, nein," schrie sie halb verzweifelt auf, laß mich nur in Ruhe! Mir wird ganz wirr bei allen Deinen Erklärungen." Ganz verstört sah er ihr nach, wie sie hastig die letzten Kleider abwarf
und sich in's Bett legte.. Unter der Decke hörte er sie dann noch weiter schluchzen. - Und das erregte ihn so, daß er seine Wissenschaft zu Hilfe nehmen mußte, um selber zur Ruhe zu kommen. Schließllch hatte er die Formel gefunden. Er beschloß, sie gelegentlich zu verwerthen. Sie lautete: Im Gemüthe der Frau kann die Seele nicht allein genietzen, sondern bedarf der ermunternden BeiHilfe. Der nächste Morgen freilich änderte das ganze Bild. Wortkarg saß seine Frau neben ihm beim Frühstück und sah ihm auch nicht ein Mal in's Ger.cht. Du scheinst schlechter Laune," sagte er schließlich in mildem Ton. Nein," antwortete sie spöttisch, ich habe nur mit meinem Gemüth zu thun." . Aber Agathe! Sei doch vernünftig." Aber gewiß, Du siehst doch, ich habe von Dir gelernt. Da mein tiefstes Weben und Leben so sagtest Du doch wohl recht ernsthaft durch Dich erschüttert ,ist, so muß meine. Seele sich nut meinem Gemüthe erst einigen. Das kann sie natürlich nur allein!" Das ärgerte ihn sehr, da er aber auch nicht nachgeben wollte, so ging er an diesem Vormittag allein aus. Als sie sich dann aber Mittags auch nicht sehen ließ, als sie sogar nicht zu Tisch kam, da wurde ihm doch etwas bange. Denn sie erschien auch nicht auf sein wirklich herzliches Zureden. In diesem Augenblicke war er sich gar nicht klar, ob seine Auslegung des Gemüthes" auch wirklich die rechte war. Und das beschäftigte' ihn wieder so, daß er schließlich alles vergaß und mit dem älteren- Eollegen darüber Rücksprache zu nehmen beschloß. Der zog denn auch die Augenbrauen gewaltig in die Höhe. Ja," sagte er nach einer Weile, die er angestrengt mit Nachdenken ausgefüllt hatte, wenn ich an meine Frau und meine drei Töchter denke, dann will mir doch scheinen, als ob die Philosophie ein abstraktes Gebiet ist, als ob sie für die Ehe keine Geltung hätte.". Meinen Sie wirklich?" fragte der Privatdozent. Ja." erwiderte der Professor. Ich habe bei mir wenigstens ost gefunden, daß die Logik von der That überrumpelt wird." Und was thaten Sie in solchen Fallen?" Ich schwieg. Denn Thaten überzeugen mehr als Worte. Da giebt's denn nur das eine Mittel, eine andere, scheinbar bessere That der.ersien gegenüberzustellen." Eine bessere That? Ja woher soll die kommen?" Oh, bei Frauen? Hat die Ihre denn gar keine Wünsche?" .
Da siel ihm plötzlich ein, daß sie Korallen liebte. Und weil ihm die Logik gut gefiel, kaufte er ihr davon und schickte sie ihr stillschweigend zu. Und die That mußte wirklich eine bessere sein, denn sie hatte einen glänzenden Erfolg. Schon nach wenigen Minuten nämlich stürzte seine Frau ihm nach: Mann, Friede!, Du.... Du St. . . machte er, denn sie zeigte große Lust, ihn aus der Promenade zu küssen! Sieh doch, die Menschen.." Da fante sie ibn unter und drückt seinen Arm. Was bist Du doch für ein lieber Mensch! Was bast Du für
ein großes Gemüth. Kannst so leicht vergeben " Er lächelte still vor sick fi n. E5 freute ihn außerordentlich, daß die Formel, die er Nachts gesunden, richtia war: dak die Seele der 5?rau nur genießen kann durch ermunternde Beiyllse .... Llutomobilistln Sprüche. Ein witziger Franzose hat folgende reichhaltige Sammlung von Sprüchen. die auf den Automobilsport Bezug haben, zusammengestellt: Sage mir den Vreis Deines Autos, und ich will Dir sagen, wer Du bist. Abfahren im Automobil, d. h. ein bißchen. sterben. . Für die Automobil!sten giebt es nur eine Art Hindernisse, die zählen: die, mit denen zusammenzustoßen eine Gefahr für sie' selbst ist. Abgefahren ist gut. Zurückkommen ist besser. Staub in die Augen werfen, das ist beim Automobilismus alles. Was kommt e2 auf die Landschaft an, wenn man nur den Geschwindigkeitsrausch hat. Der Mensch denkt sich einen Reiseweg, und der Motor lenkt. Man wird nie- -malö vom Besitzer eines Autos seine Pannes" erfahren, sondern nur von' den Mitfahrern. Ein Automobilist, der ohne Zeugen fährt, hat niemals Pannes. Die Autos fliegen dahin. oie Ueberfahrenen bleiben. Man soll nicht oyne Testament abfahren. Gedanken für die Fußgänger: Denke daran, daß Du nur Staub bist. Ein Unglücksauto rast schnell heran. Sein oder nicht sein, das ist die Frage. Bevor Du die Straße über.schreitest, versichere Dich, daß kein Auto kommt und in einer Lebensversicherung! Die Ueberfahrenen haben immer unrecht. In der Nacht sind alle Autos grau. Devife für die Chauffeurs: Immer schneller! Vielleicht komme ich heil wiedir zurück. Quo nunc ascendam? Das Auto bin ich. Wer sich lieb hat, folgt mir nicht. Nicht gesehen.nicht erwischt. Morituri te salutant!" Eine interessante Zahl. Eine äußerst interessante Zahl ist 142,857. Sie ergibt, einerlei, ob mit 2, 3, 4, 5 oder 6 multiplizirt, stets dieselben Ziffern, nur immer anders gruppirt: 142.857 x 2 sind 285,714 142,857 x 3 sino 428.571 142,857 x 4 sind 571.428 142.857 x 5 sind 714.285 142.857 x 6 sind 857.142 142.857 x 7 ergibt merkwürdigerweise 999.999. 142.857 x 8 sucht sich selbst aus der Verlegenheit zu helfen, um auf die alteZifferngruppe zu kommen. und mit bestem Erfolg, denn das Vrodukt d'rMultiplikation ist 1,142, 856. und durch Addition der ersten Ziffer (1) zu: letzten (6) sind nicht nur wieder die alten Ziffern hergestellt, sondern sogar die Zahl 142.857 selbst. ; Keglerhumor. Während in den meisten Orten Deutschlands der Kegeljunge die Anzahl der gefallenen Kegel ausruft,, hat man auf vielen Kegelbahnen, besonders in den Städten, Nummerntafeln oder anderweitige Anzeigen. Ein ganz originelles Ausrufen der Würfe bat man aber in einigen Ortschaften J Herzogsthums Braunschweig. Schäme dir!" so ruft der Kegeljunge, wenn nur ein Kegel gefallen ist. Fallen zwei Kegel so heißt es: Zwei, lieder keinen!" Bei drei liegenden Kegeln ruft er: Schusterschemel!" nach dem dreibeinigen Schustersitz. Bei vier: Karree!" nach den vier Ecken. Fallen fünf Kegel, so heißt es: Vataillon!" Fallen aber sechs, so lautet es: Grenadier!" Ein Grenadier hat sechs Fuß. Die Bezeichnung für fünf, Bataillon, liegt darin, daß früher jedes Regiment fünf Bataillone hatte. Nun kommen die guten Würfe, für die der Kegler sich stärken darf. So ruft der Junge bei sieben: Mal trinken!" (Du darfst durch einen herzhaften Schluck dich stärken.) Bei ächt: Schenk Rothen inn!" (laß dir einen Rothen (Kirsch) kommen), und bei neun: Kraus Vier!" (einen Schoppen hast du verdient); Kraus" ist plattdeutsch für Krug". Auch auf Kegelbahnen anderer Gegenden sind ähnliche Rufe üblich. Der Literat. A.: Was macht denn Ihr Sohn in Berlin?" V.: Er schreibt." A.: Zum Vergnügen oder um Geld?" V.: Wenn er an mich schreibt, immer um Geld." Redeblüthe' Redner (nt einer Volksversammlung): Wenn ich Ihnen, meine Herren, nun diese Enthüllungen machen werde, da wird ein Sturm der Entrüstung durch Ihre Reihen schleichen!"
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