Indiana Tribüne, Volume 29, Number 92, Indianapolis, Marion County, 9 December 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 9. Dezember Z903.

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FVSAVVVVVVVNAWWV VieRothhansett! s Nornan aus der Mark Von I 11). C. Möller VXVVVVVVVVX

. (Fortsetzung.) Schon vierzehn Tage nach meiner Ankunft schloß der Unternehmer, der mich berufen hatte, sein Theater, und so w2r die ein: meiner beiden Hilfsquellen 'für den Augenblick versiegt. Äas aber noch schlimmer, war, daß das Leiden meines Gatten sich immer ernsthafter gestaltete, daß es ungleich größere Opfer mir auferlegte, als ich zu bringen vermochte, und endlich, daß ich binnen Kurzem ein zweites Kind zu hoffen hatte. Da standen wir denn vor trostlosen Tagen. Ich selbst konnte gar nicht die Möglichkeit in's Auge fassen, augenblicklich meinemBeruf als Schauspielerin nachzugehen. Meinen Mann hatte ich nach Meran geschafft, wo erschwer krank darniederlag; jeder Tag konnte für mich die schmerzliche Stunde bringen; :s war eine Lage zum VerZweifeln. Noh im letzten Augenblick fand sich durch' einen glücklichen Zufall eine, wenn auch nur ganz bescheidene Beihilfe. Die Souffleuse des Saisontheaters in Meran legte Plötzlich ihre Thätigkeit nieder, und man ließ mich aus Erbarmen an ihren Platz treten. So hatte ich wenigstens Brod. Da begegnete mir eines Tages auf der Promenade Irene Astor, die nunmehrige Frau Bergmann. Meine ehemalige Kollegin kam mir freundlicher und theilnehmender vor, als früher. Sie erinnerte sich gern an ihre frühere Theaterzeit. War es. daß die Jahre ihr ganzes Wesen abgemildert hatten, oder war es das gemeinsame Schicksal, das uns einander näher führte sie ging der ersten Mutterschaft entgegen jedenfalls kam sie der armen Souffleuse mit außerordentlicher Wärme und Herzlichkeit entgegen. Nun. das Schicksal der armen Frau das meine erfüllte sich zuerst. In dem unsäglich ärmlichen Stübchen. in dem wir Unterkunft gefunden hatten, erscholl eines , Morgens das lebenskräftige Geschrei eines prächtigen Zwillingspaares, eines Knaben und eines Mädch:ns, und Frau Bergmann war es, die bereitwillig die Patbenschaft für diese kleinen Wesen übernahm. Sie nannte meinen Jungen Heinrich nach ihrem Gatten, dem wirklich ihr ganzes Herz zu gehören schien, das Mädel Bertha. nach mir; sie versprach, den Kindern fernerhin zur Seite zu stehen. Vils sie sah. wie schnell ich mich erholte, machte sie mir. die damals mehr noch als heute eine gesunde, starke Frau war, den Vorschlag, ihr eines meiner Kinder in Pflege zu geben und statt dessen jenes zu nähren, dem sie sehr bald das Leben zu geben hoffte. Das war wohl ein schwerer Entschluß für mich, die ich ja immerhin besseres vom Leben erwartet hatte, als fremde Kinder an meiner Brust zu nähren. Aber es stand mir Ruhe, Pflege, Pflege besonders für meinen kranken Mann, guter Verdienst in Aussicht. Und es sollte nicht lange dauern, nur bis gewissermaßen ein kräftiger Grund bei ihrem Kinde gelegt sei sie wollte mich überreich dafür entlohnen. Zwei Wochen später kam der Sohn der Frau Bergmann, ein schwächliches Knäblein, in schwerer Stunde zur Welt. Zwar, es schien sich zu erholen, aber schon in den ersten Tagen seines jungen Lebens befiel es ein heftiger Kramps. und in zwei Stunden, noch ehe der Arzt im Stande geWesen, der kranken Frau den ganzen Ernst der Lage zu enthüllen, war das Kindchen todt." Heinz zuckte zusammen; der Ring begann sich zu schließen. Die arme reiche Frau war außer sich vor Schmerz," fuhr Bertha (iletta fort, sie empfand nicht sowohl den eigenen Verlust so tief, wie sehr sie sich auch auf das Kindchen gefreut hatte, aber eine schwere Befürchtung bedrückte sie, daß ihren herzleidenden Mann die Nachricht von dem Tode seines Einzigen'auf's Tiefste erschüttern würde, ja ihn vielleicht in Lebensgefahr zu bringen vermöchte. Herr Bergmann mußte derart leidend sein, daß seine Frau gar nicht den Muth fand, ihm die Wahrheit zu sagen. Sie hatte noch im Augenblick der Erkrankung des Kindes ihn telegraphisch herberufen, seine Ankunft stand unmittelbar bevor; aber es überlief sie ein Schüttelfrost. wenn sie sich vorstellte, daß der Mann nur an die Bahre seines Kindes würde treten können. Und ganz plötzlich, wie infolge einer höheren Eingebung, entwickelte sie mir . mit kurzen, runden Worten den Plan, meinen Sohn an Stelle des gestorbenen Kindes anzunehmen. Ihr Mann sei reich, er habe keinen sehnlicheren Wunsch, als einen Erben sein zu nennen, und sie dürfe sich leider keine Hoffnung machen, ihm ein . zweites Kind schenken zu können, sie sei nicht mehr jung. Ich kämpfte einen schweren Kampf. Den kurzen Weg von der Villa der Frau Bergmann bis zu dem Häuschen in einer der hinteren Gassen von Meran, in dem mein kranker Mann laq. habe ich an jenem Nachmittag wohl zehnmal hin und her zurückgelegt, bevor ich den Muth fand, meinem Manne von dem Plane der Bergmann zu sprechen; aber als ich eben wieder zaghaft umkehreu wollte, horte ich seinen erschüttern-

den Husten aus dem offenen FenM klingen. Das gab mir Kraft zu dem entscheidenden Worte. Vielleicht konnte ich mir um den Preis meines Kindes meinen Gatten erhalten; ich mußte es wagen. Und dann bedenke, Heinz," rechtfertigte sie sich, ich hatte ihrer zwei! Und kaum für eines Brot und Aussicht für die Zukunft. Sich mit einem Kinde durchzuschlagen, wenn etwa meinem Manne etwas geschähe das konnte doch noch angehen und es ist gegangen! Mit zweien hätte ich mich gleich in's Wasser stürzen müssen, falls das Entsetzliche, längst Vefürchtete, das vielleicht Unabwendbare kam. Das alles sagte ich mir in jener Stunde. Und ich fani) Worte, fand Gründe, ihm zu beweisen, daß es seine Pflicht sei, mir keine Schwierigkeiten zu bereiten. Krank, schwach, fast willenlos und vielleicht auch mit der Thatsache rechnend, daß nach seinem Tode mir beide Kinder eine gar nicht zu bewältigende Last sein würden, gab er milde lächelnd nach. Ich konnte zu Frau Bergmann und ihr mein Kind bringen, indeß man den kleinen Leiche nam zum Friedhofe trug. UM alles Aufregende zu vermeiden, hatte mich Frau Bergmann dringend gebeten, zunächst zu schweigen, und nun führte man den eben -angekommenen Gatten an das Bett meines seines Kindes, das er jauchzend emporhob, das er küßte und herzte, in dem er ich sah's ihm an die Krone all' seines Glückes gefunden zu haben vermeinte. So, mein Kind, habe ich Dich verloren! Der glückliche Vater nahm Dich mit in seine reiche Heimath. Meinem kranke. Manne zuliebe hatte ich die .gebotene Geldcntschädigung von Irene angenommen. Nun konnte ich ihn pflegen, konnte ihn der Noth und Sorge entreißen, und er hat dann auch wirklich noch fast zehn Jahre gelebt. Für das Opfer, das ' wir gebracht hatten, entschädigte uns der Himmel durch Berthas geistiges und körperliches Gedeihen. Ich fand wieder ein gutes Engagement; Dein Vater wirkte als Negisscur. Wir geriethen nicht mehr in Noth. Du. der für uns todt war, Du hattest uns gerettet. Auch Deiner Schwester galtest Tu für todt, wir wollten Dir nie in den Weg kommen. Freiwillig bin ich Dir ja auch nicht in den Weg getreten, erst ein Zufall ließ mich nicht mehr ausweichen erinnere Dich an. unsere erste Begegnung! Aber sehen ic. leben wollte ick Dick uver 'Lem cknckial waren wir oeruhigt. Deine Eltern waren reich und wohlgesinnt; eine Adoption, so mußten wir annehmen, hatte doch wohl Deine Zukunft sichergestellt." Heinz' war bei diesen letzten Worten sehr blaß geworden. Immer deutlicher war ihm das Gefühl geworden, daß noch eine fürchterliche Eröffnung seiner harre. Die Frage seiner Mutter bestätigte diese düstere Ahnung. Das war ein Irrthum von Euch, sagte er jetzt besorgt und zögernd, ich bin nicht adoptirt worden! Jene, die ich für meine Mutter hielt, hat mich für ihr eigenes Kind ausgegeben, hat meinen Pflegevater getäuscki." Merkwürdigerweise blieb Frau Galetta ganz ruhig bei dieser Erklärung; sie konnte nicht einsehen, was daraus Schlimmes folgen sollte. Das ändert ja nichts an der Sache," meinte sie; für Deine Pfleaeeltern warst Du das eigene, einzige Kind, dem sie alles zuwenden wollten, was sie besaßen - oder etwa nicht?" Ja. ich bin dessen freilich sicher!" Nun denn, so ändert sich gar -nichts obgleich ich Irene nicht recht begreifen kann. Die Adoption lag doch so nahe, war doch so einfach." Nicht ganz so einfach, wie es scheint," sagte Heinz nachdenklich. Ich glaube meine Pflegemutter zu verstehen. Sie fürchtete -das Herzleiden ihres Mannes, fürchtete mit Recht auch die Intriguen ihrer Verwandten. Sie hätten eine Adoption sicher mit allen Mitteln hintertrieben. Und je länger die Lüge währte, desto schwerer wa? es. die Wahrheit zu sagen. Vielleicht auch kam ihr plötzlicher Tod dazwischen." Frau Galetta sah die bekümmerte Miene ihres Schnes. Es wäre schrecklick. wenn ich einen Konflikt über Dich heraufbeschworen bätte, den ich nicht vorher ahnen konnte." Nicht Du hast das gethan," versicherte er. der Konflikt bestand, er schwebte über mir wie ein drohendes Gewölk. Denn meine Verwandten ahnen längst etwas von der wirklichen Sachlage. Du bist ja Zeugin gewesen von der Szene, die mir mein Herr Vetter bereitet hat. Er haßt und verfolgt mich nur, weil er nicht an meine Legitimität glaubt. Und deshalb bin ich Dir zu Dank verpflichtet.' Mutter. Nun werde ich Klarheit schaffen!" Mein Gott, die hast Du ja!" rief Frau Galetta ganz erschreckt. Behalte, wa? das Schicksal Dir beschieden hat es war Dir bestimm: es gehört Dir!" Aber Heinz' Stirne war umwölkt; er war nicht die Natur, sich selbst zu belügen. Wer weiß, was mein Vater getban haben würde, wenn er gewußt hätte, wie die Dinge in Wahrheit standen! Aber beunruhige Dich nicht. Mutter, ich werde mit meinem Gewissen zu Rathe gehen. Du siehst, es ist etwas Wunderbares. Gehcininißvolles um die dunkle Empfindung cs Dichters, die nach Gestaltung ringt. Sie wurzelt nicht selten im Boden der wirklichen l5rsckeinunaswclt. Und wenn mick die

unvollendet gevuevene Wemetrlus-Ä)lcr)-tung von jeher so gewaltig anzog, so war es, weil sie mein Schicksal widerspiegelt. Bin ich doch nichts anderes, als ein falscher Demetrius!" Es hatte ihn überwältigt. Schluchzend warf er sich seiner Mutter in die Arme.

16. Kapitel. er Todtenschein, der vor' Heinz lag und den seine Mutter ihm gegeben hatte, bezeugte, daß Heinrich Bergmann im Alter von zwei Tagen am 13. März 186 . in Meran gestorben sei. Sein Todtenschein! Heute, vierundzwanzig Stunden später, da die erste Aufregung über das selige Wiederfinden der Mutter verflogen war, sah er seine Lage in ganz anderem Lichte. Er überschaute die ganze grauenvolle Wirklichkeit. Sein Todtenschein! Sein legitimes Dasein war im Keim erloschen. O, ihm war jetzt alles klar. Wie mit dem Blick eines Sterbenden durchdrang er den Zusammenhang der Dinge. Seine Adoptivmutter war eine stolze Frau gewesen, sie wollte nicht nur ihrem Manne einen Sohn zuführen können, sie wollte vor allem auch diese RothHausens verdrängen, die sich mit so widrigen Mitteln gegen ihren Eintritt in das Haus gewehrt hatten. Deshalb war Frau Bergmann so glücklich über die Aussicht auf ein Kind gewesen, und deshalb traf sie die fürchterliche Enttäuschung. die ihr der Tod des Kindes brachte, so gewaltig, so bis in's tiefste Innerste. Da war es denn wohl ein nahe liegender Gedanke, das Schicksal zu korrigircn und ein fremdes Kind anzunehmen. Aber sie mußte annehmen, dazu die Zustimmung ihres Gatten nicht zu erhalten, denn sie wußte ja gut genug, wie dieser zu dem einzigen Sohne seiner Schwester stand. Und andererseits malte sich ihre lebhafte Phantasie nur allzudeutlich seinen jähen Schrecken beim Empfange der Hiobspost aus. Wie würde das auf den herzleidenden Mann wirken! Gewiß, sie fürchtete auch für ihn, und wenn sie sich in. Augenblicken des Zweifels sagen mußte, ein angenommenes, aber nicht gesetzlich adoptirtes Kind sei auch kein erbfähiges, so durfte sie sich auch wiederum damit trösten, daß ja Niemand um ihre That wußte. Die Mutter des fremden Kind durste ste sur verschollen halten, den Todtenschein hielt sie für verbrannt, und so war es denn wohl begreiflich, daß sie zögerte und immer wieder zögerte, ihrem Manne alles zu gestehen. Jene, blaue Mappe, von der sie sierbend sprach, die sie verlangte, mit in's Grab zu nehmen, hatte offenbar Beweise dafür enthalten, daß sie nicht anders handeln konnte, als sie gethan hatte. Aber freilich, die Mappe war leer gefunden worden, aber auch das wurde Heinz jetzt begreiflich. Ter Vater, den der Schreck getödtet hatte, ganz wie Irene dies vorausgesehen, dieser herzensgute Mann hatte irgend ein Dokument vernichtet, welches er in der Mappe gefunden; mit der zitternden Hand des Sterbenden hatte er das Loos dessen, der bisher für seinen leiblichen Sohn gegolten, vor Gefahren zu bewahren gemeint. O! es war alles, alles klar. Doch was nun thun? Sollte er zu Harry gehen, sollte diesem, seinem Todfeinde sagen: Nimm alles, was mir das Geschick geboten; nimm es hin als Dein Eigenthum und laß mich als einen Bettler von dannen ziehen, mich, der ich, wenn auch ohne Wissen, als ein Betrüger vor Dir stehe!" Und was würde Harry dann thun? Vor allem ihm Hilda entreißen. Freiwillig sollte er alles jenem Manne überliefern, der nach seinem Leben getrachtet hatte? Ihm wurde bald heiß, bald kalt bei dem Gedanken. Wahrhaftig, das ging über menschliches Vermögen hinaus. Und schließlich würde ihm der Freche gar nicht glauben, er würde beHäupten: Tu bist ein Betrüger, der nur jetzt den Betrug nicht aufrecht zu erhalten vermag, und der deshalb der Klugheit Gehör gibt und zur rechten Stunde mit seinem erzwungenen Geständniß sich herauswagt." Und war Heinz nicht in der That ein Betrüger, so lange er schwieg? Eine maßlose Verzweiflung hatte sich seiner bemächtigt. Sollte er, sich tödten, weil er nun nicht mehr reich, weil er nun nicht mehr jener umschmeichelte Heinz Bergmann sein vürde, den das Glück bis zu dieser Stunde verfolgt hatte? Das wäre armselige Feigheit gewesen. Und leise, ganz leise nahte seinem Herzen die Versuchung, den Vorschlag seiner wirklichen Mutter noch einmal in Erwägung zu ziehen. Ja," sagte er sich, kann mich denn eine bloße Formalität recht- und besitzlos machen? War es nicht die Absicht, der feste Wille des Bergmann'schen Ehepaares, mich so zu stellen, wie ich nun dastehe? Würden diese Adoptiveltern, wenn man sie' heute befragen könnte, wünschen oder auch nur zugeben, daß er zu Harrys Gunsten verzichtete?" Wieder stiegen ihm Zweifel auf. Gewiß. seine Adoptivmutter würde unbedenklich einwilligen, daß er Heinz Bergmann bleibe. Wie aber würde sich der ! Vater dazu stellen? Der Mann, der Harry wie einen Sohn geliebt hatte, und der sich nur zu Gunsten des eig'enen leiblichen Kindes dazu hatte entschließen können, den . liebgewonnenen Neffen zu enterben. Ein unnennbares Grauen verdüsterte Heinz Bergmanns Blick. Nichts mehr gehörte, ihm. nichts auf dieser Welt.

nicyr zgave uno :euung, mcyr ctrnnat der Name mehr. Die Frage aber berührte ihn am schmerzlichsten: Wie würde sich Hilda zu dem Allen stellen? Liebte sie ihn wirklich leidenschaftlich genug, um darüber hinwegzukornmen. daß er nun ein armer Mann sei? Oder war nicht vielmehr ein Fünkchen Wahrheit in der niederträchtigen Behauptung des echten Erben von Nothhausen, daß Heinz sie nur mit seinem Gelde verlockt habe? O, er mußte zu ihr. Vielleicht würde ihr Anblick alle seine Zweifel verscheachen, vielleicht auch würde er eine Form finden, sie selbst zur Richten zu machen über Glück und Elend, über Leben und Sterben. Hilda'hatte die letzten Toae in schwerem Kummer verbracht. Ottbert hatte ihr sein Herz ausgeschüttet. Vergebens stellte sie ihm vor, wie er seine ganze Zukunft auf's Spiel setze, wenn er jetzt überhaupt an eine Heirath denken wolle, er mit seinen einundzwanzig Jahren. Darauf, sowie auf alle anderen Einwendungen, die ihm das verständige Mädchen machte, hatte er nur die eine Antwort: sie könne ihn eben nicht verstehen, weil sie nicht mit ganzer Seele liebe. Und sie wußte doch viel besser, was ernste, hingebende Liebe bedeutete! Sie hatte sich in zahllosen angstvollen Stunden mit nichts Anderem beschäftigt, als mit dem Schicksal Heinz Bergmanns, über dem sie ein düsteres Geschick aufsteigen sah. Nun stand er vor ihr. Er hatte endlich die rechte Form gefunden. Er wollte ihr von dem Plan zu ejnem neuen Drama reden, mit dem er zur Zeit beschäftigt sei sie selbst hatte es angeregt zu einem Bühnenwerke, das in gewissem Sinne eine in modernem Sinne gehaltene Ausführung des leider unvollendet gebliebenen Schiller'schen Demetrius" genannt werden dürfe. Mit wenigen Worten sei der Grundsioff dargelegt. Ein junger, begabter Mann, gut geartet, von bestem Willen beseelt, tritt in das reiche Erbe seines Vaters ein. Er zögert nicht einen, Augenblick diese reiche Verlassenschaft im Sinne seines j Vaters zu Gunsten der Menschheit nutz-' bar zu machen. Er weiß sich von den edelsten Ideen getragen; er gedenkt nicht auszuruhen auf dem überkommenen Gut, sondern er verfährt nach dem weisen Rathe des Dichters: Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, Erwirb' es. um ti zu besitzen!" Er strebt nach vornehmsten Zielen, will schaffen, etwas werden, kurz, er ist sich bewußt, daß, wenn der Verstorbene iedt erwacken könnte, er niemals einen Anderen auf des Sohnes Platz gestellt haben würde. Da überkommt den jungen Mann jählings die unanfechtbare Erkenntniß davon, daß er nicht zu Recht auf diesem Platze stehe. Er findet ein bei dem Tode seines Vaters unbemerkt gebliebenes letztwilliges Dokument, aus welchem mit erschreckender Klarheit hervorgeht, daß er weder der Sohn, noch der Erbe jenes Mannes, daß vielmehr ein wirklich Berechtigter vorhanden sei, der freilich von dieser Sachlage keinerlei Kenntniß habe. Wenn er, wie seine erste Regung ihm gebietet, all' sein Vesitzthum jenem Anderen ausliefert, so sinkt er der falsche Erbe naturgemäß in demselben Augenblick in das Nichts zurück; als Bettler verläßt er die Schwelle jenes Anderen, dem er die aufgehäuften Schätze seines vermeintlichen Vat,ers zugetragen. Ein furchtbarer Kampf erwacht in seiner Brust. Soll er das Dokument vernichten? Oder soll er den Mutb finden, sich selbst zu Grunde zu richten, indem er die Wahrheit bekennt, indem er Name. Stellung und Vermögen dem Anderen zu Füßen legt? Noch sei er, so fuhr er, die Mienen seiner ZuHörerin mit gespanntester Aufmerksamkeit beobachtend, fort, noch fei er darüber unklar, wie sein Drama ausgehen solle, in welcher Weise er den entsetzlichen Konflikt zu lösen haben werde. Und das sei es, was ihn in Erregung versetze, weil er gewissermaßen mit seinem Helden leide, denn er habe sich so ganz und gar in dessen Lage hinein versetzt. Hilda war seltsam bleich geworden. In wachsender Spannung hörte sie zu ihre Augen leuchteten. Es war merkwürdig, daß diese bloße Erregung sie so -sehr erregte. Heinz ahnte ja nicht im Entferntesten, was Harry ihr damals gesagt hatte, und wie also der Boden gewissermaßen schon vorbereitet war für seinen, unter anderen Umständen gewagten Versuch. Sie schien, mit einem schweren Entschluß zu ringen. Wehmuthsvoll blickte sie ihn an; dann antwortete sie mit bebender Stimme: Ich weiß nicht, wie Du zweifeln kannst! Natürlich muß Dein Held dem Erbe entsagen einem Erbe, welches ihm nicht gehört. Er könnte dessen ja niemals froh werden! Und wenn er das Zeug in sich trägt, im Leben etwas zu leisten, so wird er das auch ohne Geld, durch seine Kraft erweisen können." Ihr Ton war von Wort zu Wort fester, zuversichtlicher geworden. Sie stand vor ihm. wie das Schicksal selbst. Du hast Recht." sagte er mit tiefem Ernst, er kann und darf nicht anders handeln. Ich will auch gleich gehen und den Entwurf dahin vollenden." Und sie. plötzlich, wieder von geheimem Grauen erfaßt, fügte zitternd hinzu: Laß das Drama nicht zu traurig enden. Denke. Du hast eine große Aufgabe Du mußt aber auch stärker

sein als Andere. Deshalb laß Deinen Helden sich rrtten. Heinz, in ein anderes, besseres Dasein." Er ging leicht taumelnd von ihr. Sein Schicksal war .besiegelt. Der Boden, auk dem er stand, begann unter seinen Füßen zu weichen er mußte entsagen. Aber Hilda hatte Recht: er durste nicht anders handeln! Aber, wie klar ihm das auch war, so deutlich sagte, er sich andererseits, daß er schon um Hildas willen, ihrer Eltern wegen, nicht mit einem Schlage Alles preisgeben durfte. Ihre Eltern, das übersah er deutlich, waren kleinherzige Naturen. Sie würden sofort jede Beziehung zwischen ihm und ihrer Tochter abbrechen, deshalb war Vorsicht geboten. Viel energischer als bisher mußte er arbeiten, er mußte alle Kraft daran setzen, durch seine literarischcn Arbeiten einen starken, nachhaltigen Erfolg zu erringen, und dann, dann durfte er reden. Und folgendermaßen gestaltete sich in seinem rastlos arbeitenden Hirn der Plan seiner Zukunft. Vorläufig wollte er Alles, was ihm der heutige' Tag gebracht hatte, als tiefstes Geheimniß bewahren. Er gedgchte auf mindestens ein Jahr nach Berlin zu gehen, um sich dort unter fremdem Namen eine Existenz als Schriftsteller zu gründen. Man ahnte hier, daß er ein Duell gehabt habe, und konnte also leicht glauben, er sei in's Ausland gegangen, um sich vor gerichtlicher Verfolgung zu sichern. Von seinem ererbten Vermögen 'wollte er keinen Heller mehr ausgeben, Alles, was er besaß, sofort bei seinem Bankier deponiren, und Harry schon heute einen namhaften Betrag zuwenden, denn er hatte ja kein Recht, den wirklichen Erben noch weiterhin in Schwierigkeiten zu belassen, nur weil er selbst noch nicht den Muth fand, die volle Wahrheit zu sagen. Und wenn er selbst die ganze Verlassenschaft seines Vaters ausantwortete, ihm blieb ja noch ein nicht unbedeutcndes mütterliches Erbe. Denn was Frau Bergmann besessen hatte, das war sein eigen, darauf hatte Jener keinen Anspruch. Dieses Vermögen würde er flüssig machen und auf alle Fälle für Hilda und Ottbert reserviren. (Fortsetzung folgt.)

Mcndclssohn und jißt. Als Liszt auf seinem ersten Siegeszuge in Deutschland nach Leipzig kam, gab er eine musikalische Matinee in Mendelssohns Hause, bei welcher die bekannten Musiker David, Kalliwoda, Hiller und Andere zugegen waren. Liszt, der in seinem ungarischen Nationalkostüm wild und prächtig aussah, sagte zu Mendelssohn, daß er etwas Besonderes für ihn geschrieben habe. Dann setzte er sich an den Flügel und spielte, auf seinem Klaviersessel hinüber- und herüberwiegend, erst ein ungarisches Volkslied und dann drei oder vier Variationen, von denen eine immer unglaublicher war. als die andere. Alle standen ganz verblüfft da, und nachdem der Held des Tages von Allen mit Lobsprüchen überhäuft worden war, sagte einer von den näheren Freunden zu Mendelssohn: Na, Felix, jetzt können wir einpacken! Dem thut es keiner gleich, mit uns ist's aus." Mendelssohn lächelte; und als Liszt zu ihm herantrat und meinte, nun sei die Reihe an ihm, lachte er und crwiderte, er spiele überhaupt nicht mehr. Liszt wollte das nicht gelten lassen und nach einigem Hin und Her antwortete Mendelssohn mit feinem reizenden Humor: Ich will wohl spielen, aber Sie dürfen mir nicht böse sein." Darauf setzte er sich an den Flügel, und was spielte er? Erst das ungarische Lied Ton für Ton. und dann 'eine Variation nach der anderen so genau, daß außer Liszt wohl keiner einen Unti.rschied gehört hat. Alle zitterten, ob Liszt sich nicht doch etwas beleidigt fühlen würde, denn Mendelssohn konnte ein schalkhaftes Nachahmen von Liszts' großen Bewegungen und Ueberschwenglichkeiten nicht unterdrücken. Aber Liszt lachte, klatschte Beifall und gab zu, daß Niemand, auch nicht er selbst, so ein Bravourstück leisten könnte. Aus Ofse?17ä)-(bei Lan dau) wird der Straßb. Post" c schrieben: Die Kunde von einem Schildbürgerstückchcn geht durch die pfälzischen Blätter. Infolge der diesem Jahre in der Offcnbachcr Gemarkung herrschenden Mäuscplagc kam so wird erzählt und ist bis ' jetzt noch nicht widerrufen worden der Gcmeinderath ' auf den cigenarti gen Gedanken, eine Treibjagd" nach diesen kleinen 9?agethiercn zu veran. stalten, um so dieses schädliche, Ge. thicr in eine andere Gemarkung zu vertreiben. An der Jagd" konnte jeder Bürger theilnehmm gegen eine Gebühr von 3 Mark, und zwar mußte abwechselnd eine Truppe von 24 Mann antreten. Einige Zeit ttmrJ' dieses Jagen" auch fortgcscdt; als ein Erfolg die Mauslöcher wareil schuld daran nicht eintrat, wurden die Treibjagden" ' wieder aufgchö ben. Ob dieses Beschlusses soll der Gemeinderatb an Neckereien nicht zu wenig ausholten müssen. Wrsstartiger Protest. Hausfrau: Ich dulde keinen Soldaten in der Küche!" K L ch i n : Wie. können gnä' Frau wirklich sn pietätlos sein, an historischen Ueberlieferungen zu Ltteln?" ' ,

Allerlei für'S flau?. Wie soll es in einem Taubenschlag aussehen? Rein sei der Fußboden und frei von Taubenschmutz. Das zierliche Thierchen ist ein Feind von jeder Uureinlichkeit und badet sich viel lieber in reinem trockenern Sande, als daß es die Füße in den oft nassen Mist des Taubenbodcns steckt. Also hinaus mit dem Taubenmist, nütze ihn auf dem Komposthaufen, und bereite deinen Tauben ihr Heim mit einem schönen trockenen Sandbett. Da finden sie Gelegenheit t zum Baden, können etwa vorhandenes ' Ungeziefer bekämpfen und sich gegen Verunreinigung durch dasselbe schützen. Ferner ist den Nestern besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Dieselben befinden sich gewöhnlich in hölzernen Gestellen und sollen mit weichem Heu belegt sein. Man entferne allen Schmutz und achte darauf, daß keine alten, faulen Eier oder Eierreste in denselben verbleiben. Falls Ungeziefer vorhanden ist, reinige man. so gut es, ohne das Gelege zu gefährden, möglich ist, und setze neues, Heu in die Nester. , ' In grün gewordene Karaffen- gieße man einen Eßlöffel verdünnte Salzsäure und schüttele diese eine Weile tüchtig um. Die Karaffe, wird dann vollkommen klar sein; doch vergesse man nicht, sie ordentlich nachzuspülen! Uebermanganj aures Kal i, in jeder Drogenhandlung erhältlich, zerstört jeglichen Geruch. Es ist daher auf der Reise ein vorzügliches Desinfektionsmieel bei unvorhergesehener Benutzung eines Gefäßes im Zimmer. Zum Waschen verunreinigter Wäsche stets nur wenige Körnchen dem Wasser zusetzen bis zur weinrothen, , nicht violetten Lösung. So oft als die Lösung weinroth bleibt, ist da5 Waschwascher zu erneuern. Die braunen Flecke des Salzes verschwinden von Händen und Stössen an der Luft von selbst. Möbel spiegelblank zu machen. Man lasse ein Loth Altannawurzel mit 56 Eßlöffel voll Leinöl in einem neuen Topfe über gelindem Kohlenfeuer langsam sieden, bestreiche mit der erkalteten Flüssigkeit die Möbel und reibe diese 24 Stunden später ab. Oder man mische zu gleichen Theilen Alkohol. Terpentinöl und Pottasche, setze dieser Mischung etwas heißes Wachs hinzu und rühre das Ganze mit einem glatten Holzsiäbchen gut durcheinander. Diese Mischung trage man mit einem feinen Schwamm auf und reibe sie alsdann mit einem Stück Flanell. Erdbeersträucher bedürfen im Winter keine Bedeckung; sie dauern ohne jeden Schutz aus. Mist aufzubringen, ist gefährlich, weil die Mäuse ihr Quartier darunter aufschlagen. Dagegen bekommt es denPflanzen vortrefflich, wenn man sie vor Eintritt des Winters dicht mit Erde bestreuen läßt, die mit Jauche getränkt ist. Einen besonders guten Erdbeer - Dung stellt man herdurch Mischung von Komposterde mit der Verwendung von Jauche und Gips. Gips ist überHaupt ein sehr guter Dünger für Erdbeeren. . Aelteres Pelzwerk aufz u f r i s ch e n. Pelzwerk, welches durch langes Tragen filzig oder fettig geworden ist, läßt sich auf folgende Weise hübsch auffrischen: Man erhitzt Weizen- oder Roggenkleie in einem Gefäß, thut diese erhitzte.Kleie so heiß als möglich auf das Pelzwerk, reibt, knetet und schüttelt dieselbe recht tüchtig darauf durch, damit die Kleie allen Schmutz und alle Fettigkeit des Pelzes an sich ziehen kann. Man kann sich beim Durcharbeiten der Kleie auf dem Pelzwerk auch einer Bürste bedienen. Wenn nöthig, wiederhole man das Verfahren. Das Pelzwerk wird wieder wie neu. Die Behandlung der Schlittschuhe. Die Schlittschuhe müssen nach jedesmaligem Gebrauch vom Schnee abgeklopft, abgetrocknet und zum vollständigen Trockenwerdcn in die Nähe des Ofens gehängt werden. Darnach ölt man sie mit Baum- oder Maschinenöl ein. Rostflecken lassen sich mit Betupfen von Salmiakgeist, sowie durch Abreiben mit Sandpapier beseitigcn. Kleine Löcher in Regenschirmen bessert man am besten in der Weise aus, daß man ein, Stück schwarze Seide oder ähnlichen Stoff mit Kollodium von der Unterseite her aufklebt. Radfahrer können noch besser ihre Kautschuklösung zum Flicken der Pneumatics hierzu verwenden. Lei Sonnenschirmen kann einfach englisches Heftpflaster untergeklebt werden; natürlich würde sich dieses durch Nässe abweichen und müßte dann durch frisches ersetzt werden. Einkauf von Nüssen. Beim Einkauf von Nüssen achte man darauf, daß dieselben frei von Schimmel sind, da eine giftige Spezies derSchimmelpilze beim Genusse gefährliche Zufälle herbeiführen kann. Man muß deshalb sehen, daß die Nüsse von gehör'.gem Gewichte sind. Dazu muß man dieselben einen Augenblick in's Wasser schütten und vergleichen, wie viele davon zu Boden sinken. Die vorjährigen, ausgetrockneten werden obenauf schwimmen, die halbvertrockneten, schimmeligen schwimmen mitten im Wasser, nur die ganz guten fallen zu Boden.