Indiana Tribüne, Volume 29, Number 92, Indianapolis, Marion County, 9 December 1905 — Page 4
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Indiana Tribüne. Cauljeatttn von bet OutmKta tt. Indianapolis, Ind. Ckt) O. Thndlnm Präsident.
GelchäftSIoeal: No. 31' Süd Delaware Straße. Telephone s6s. Hntered t the Pot Office ot Indianapolis as ccond dass matter. Gouverneur Bell. " Gouverneur Bell von Vermont ge bührt 'Anerkeunung für den festen Stand,- den er gegen die hysterischen Versuche, die . Mörderin ihres braven Mannes, Mary RodgerZ, vom Galgen zu retten, nahm. Ihm gebührt Anerkennung von den Fraüen,' erstens weil er durch Voll ftreckung des Urtheils die Verantwort lichkeit einer Frau für ihre Missethat nicht unter die des ManneS stellt. Zweitens aber von der Allgemein helt, denn er hat der Zeitftrömung, welche gebieterisch die Abschaffung der Todesstrafe verlangt, einen neuen Im puls durch die schaurige Hinrichtung? scene der RodgerZ gegeben. Dann aber hat er auch da? hier in Amerika seltene Beispiel gegeben, daß eS Beamte giebt, welche trotz der Hy fierie der. Heulweiber fest bleiben kön nen in Ausübung ihrer Pflicht. ' Der Bewegung fürGleichberechtigung oder Emancipirung der Frauen hat Gouverneur Bell in der That einen gro ßen Dienst erwiesen. Äohl war das Verbrechen dieser Frau' RodgerS, die kaltblütig ihren braven Gatten mit Hülfe eines GalanS hinmordete, scheußlich und verdient die exftremste Strafe, welche das Gesetz vorschreibt, aber dennoch brachte ge rade diese Hinrichtung Vielen, welche über Hinrichtung von Männern, die Mordthaten begangen hatten, sich nicht abgestoßen fühlten, die ganze Scheuß lichkett der Todesstrafe zum besseren Bewußtsein, als selbst die stattgehabten Justizmorde. In diesem Falle verrichtet die gelbe englische Presse wirkliche MisfionSdienste für Abschaffung der Todesstrafe, durch ihr liebevolles Eingehen in die ab ftoHendPen'Einzelheiten der Hinrichtung derFrau RodgerS selbstverständlich unbewußt, denn ihr ist ja die Sensa tion Hauptsache. Man kann die Festigkeit des Gouver neur'S Bell wohl bewundern, wenn man bedenkt welchen . Ansturm, von Pro testen gegen die Hinrichtung er aushal ten mußte. ' . . Dieselben'Elemente. welche die Begnadigung der RodgerS verlangten, haben den Kongreß in der Kantinen frage u.m1)ie Finger gewickelt und viele Gouverneure zu ihrem Willen gebeugt. Gouverneur Bell war bislang der ein-zigk.-der sich nicht kleinkriegen ließ Sem Standpunkt ist unanfechtbar als Hüter'zder Gesetze von Vermont. Ein Dilemma. Eine heikle Verwickelung hat sich um die. würdigen Häupter unserer Bundes Senatoren durch den Tod ihres Kelle gen John H. Mitchell von Oregon ge woben.' Mitchell ist immer noch Mitglied des Bundessenats und der Senat hat auch nachweine ossizielle BenachrichtigUNg von der Verurtheilung des Senators wegen der verübten Landschwindeleien erhalten. Hat der Senator schon bei Lebzeiten der-erlauchten Körperschaft durch seine Landschwindeleien Schande gemacht, so stellt er die Herren Kollegen durch sei nen .Tod vor ein ganz verzwicktes Di lemma. Wenn ein Mitglied des Senats stirbt zwingt das Herkommen seine würdigen Kollegen ernstlich, ein Komite zu. 'ernennen, welches den Senat bei dem Begrübnlß vertritt, und zweitens die Abhaltung einer Trauerfeier in der SenatZkammer selbst, bei welcher Lob reden 'auf die Verdienste deS Todten gebräuchlich find und das Reprüsen tantenhauS durch ein Komite vertre ten ist. Ferner ist eS gebräuchlich, daß Se nat und Haus aus Anlaß des Todes eines Senators auf wenigstens einen Tag ihre Sitzungen vertagen. Nun war aber Mitchell neben seiner Eigenschaft als Senator und Staats mann auch ein Schwindler in großem Maße. Hätte Senator. Mitchell we nigftenö noch bis den Weihnachtsfeier tagen, an denen der Congreß Ferien hat, mit seinem unzeitigen Bedürfniß vor dem höchsten Nichter zu erscheinen, y
gewartet, so hätte er rücksichtsvoller sei nen Kollegen gegenüber gehandelt, aber so ist seine Uebereilung nur eine Unan nehmlichkeit für den Senat. Ein Gesetz, welches einen BundeSse nator, der eines gemeinen Verbrechens übersührt ist, sofort seiner Würde ent kleidet, Hoden die Senatoren aus wei ser Vorsicht nicht angenommen man kann ja nicht wissen, wie bald'S einen trifft. . . Handel und Arbeit. Der Bericht deS SecretärS für Han del und Gewerbe gi.'bt folgende interef fante Einzelheiten: Die Ausgaben dieses Departements haben sich in dem mit dem 30. Juni 1905 beendigten FiScaljahr auf $11, 272,391.45 belaufen. Die Gefammt zahl der Beamten war 9414. Die wich' tigfte Arbeit juristischer Natur deS DepartementS war da? Weiterausarbeiten des im ersten Berichte enthaltenen Plans der Beaufsichtigung von Korporativ nen. die im zwischenstaatlichen und auS wärtigen Handel engaglrt find, durch die Bundesregierung; eine andere der artige Arbeit war das vergleichende Studium aller Korporationsgesetze und der auf Eisenbahnen, drahtlose Tele graphie und da? Korporationsgesetz deS DiftrictZ Columbia bezüglichen Fragen. Ein Spezialbericht über die Beef.Jn dustrie wurde auf Anregung des Präfi. denten am 3 März 1905 dem Kongreß übermittelt, und auf Grund von Reso lutionen desRepräsentantenhauseS wur
den SpezialUntersuchungen über die Oel' -und die 'Stahlindustrie geführt. Die anderen Untersuchungen, welche jetzt im Gange find, betreffen Zucker, Ta bak, Kohlen und Bauholz. Während des Jahres wurde der 19. Jahresbericht des ArbeitZbureauS publmrt, welcher die Resultate einer eingehenden Unter suchung der Löhne und der ArbeitSftun den in bin Hauptindufirien dcS Landes in dem Zeitraum von 18931903 ent. hält. Das mit dem Departement verbundene statistische Bureau berichtet einen erfreulichen Stand unseres ausländi fchen Handels während deS abgelaufe nen Jahres. Derselbe übertraf im Fiskaljahr 1905, sowohl was Import wie Export betrifft, den .irgend eines vorhergehenden Jahres. Der Werth deS Imports war S1. 117.513. um 91,792 834 mehr al? im Jahre 1903; der deS Exports war S1.513.561.666. um $57,734.395 mehr als im Jahre 1904 und um L30. 796.675 höher als in irgend einem vorhergehenden Jahre.
Der Werth der exportirtcn Fabrikate stieg von 8452,415.921 in 1904 auf 8543.607.975 im Jahre 1905. Wäh rend der Export von Ackerbauprodukten und Forst und Fischereiprodukten eine kleine Abnahme im Vergleich zum Vor jähre zeigte, war die Zunahme deS Ex Ports von Fabrikaten mehr als ge. nügend, um diesen Ausfall gut zu machen und den Ezport auf einen höheren Punkt als jemals vorher zu er heben, nämlich $1,518,561,666 gegen $807.538.165 im Jahre 1895 und $742.189.755 im Jahre 1835. Der Handel mit Cuba im ersten voll ständigen Jahre unter dem Reziprozi tätSvertrag zeigte eine beträchtliche Zu nähme im Vergleich zum Jahre 1904. Der Gesammtexport nach Cuba aus den Ver. Staaten im Jahre 1905 re prüsentirte einen Werth von $33,380, 601. gegen $27.377.405 im Jahre 1904 und $21.761,633 im Jahre 1903, eine Zunahme von 76.3 Pro zent im Vergleich zum Jahre 1903. Die Zahl der inspizirten und certisi zirten Schiffe betrug 3705 mit einem Gesammt.Tonnengehalt von 5,910.824 was dem Vorjahre gegenüber eine Ab nähme von 594 Schiffe und 78,89V Tonnengehalt bedeutet. Die bekannte Katastrophe des Gen. Slocum" bat den Anstoß zur Revision und zur Erweiterung der betreffenden Sicherheitsvorschriften für den Betrieb deS PassagierverkehrS gegeben und zahlreiche wirkungsvolle Bills zur Folge gehabt. Unter den Errungen fchaften ift die Errichtung eines Exe kutiv . KomiteS der aufsichtfüh renden Inspektoren mit weitgehen den Vollmachten, sowie die feste Ent lohnung der SchiffSJnspektoren an Stelle der Bezahlung nach der Zahl der inspiclrten Schiffe, welches System einer leichtfertigen Inspektion Thür und Thor geöffnet hatte, zu verzeichnen. Hand in Hand damit wurde die neuer liche Inspektion der bereits untersuchten Dampfer angeordnet und durchgeführt, und eine abermalige, im September 1905 vorgenommene Inspektion zeigte bedeutend bessere Zustände. i i
Die Aufmerksamkeit des CongresseS
soll wieder auf den schwachen Procent, satz der auf amerikanischen Schiffen tranöportlrten Passagiere und Waaren gelenkt werden. Von den 240 fast durchweg großen, modernen Ocean dampfern, welche diesen Verkehr auf. recht erhielten, tragen nur 30 die amerikanische Flagge. Die GesaMmtzahl der auf amerikanischen Schiffen einge schifften und entlassenen Seeleute (un ter Berücksichtigung der wiederholten Einschiffungen) betrug 218.031. Von den Seeleuten waren 47,083 geborene Amerikaner, 22.511 naturalifirte Ame rikaner und 51,173 Ausländer. Die ProhibitioniSen von Iowa holen zu einem abermaligen, schweren Schlage gegen den Handel mit geistigen Getränken aus. Ihr Congreßmann Hepburn hat eine Vorlage eingereicht, nach welcher alle auf Eisenbahnen ver sandten alkoholischen Getränke den Ge setzen jedes Staates unterworfen fein sollen, den fie pasfiren. Damit würden natürlich alle ProhibitionSftaaten her metisch abgesperrt sein gegen die Ein fuhr von geistigen Getränken. DaS würde Prohibition durch die Bundes gemalt fein; zugleich aber auch ein so frecher Eingriff in die Rechte der Letzte ren, daß eS Unbegreiflich erscheint, wie Hepburn sich zu einem derartigen Ver langen hergeben konnte. Man sollte eS für selbstverständlich halten, daß der Congreß sich zu einer solchen Vergewal tigung der Rechte und Gesetze deS Bun deS nicht herbeilassen wird. Das libe rale Element hat aber alle Ursache, dem Congresse darin nicht unbedingt zu trauen. Wie leicht derselbe in Temp: renz und Prohibitionssachen knie schwach wird und umfällt, hat die Ab schaffung der Militärcantine mit unan genehmer Deutlichkeit erkennen lassen. Einen Artikel im Berliner Ta geblatt" über die deutschamerikanlsche Presse entnehmen wir folgende interef sante Stelle: Öeit einem Dutzend Jahren, wo gegenüber der Hochfluth der Periode 1830 bis 1892, die allein aus dem Deutschen Reiche rund 1,800. 000 Seelen in'S Land brachte, die Ein Wanderung deutscher Zunge ziemlich spärlich fließt, hört man immer und immer wieder die Unkenrufe, die der deutschen Presse dieses Landes den bal digen Untergang verkünden Dem ge genüber kann, nicht nachdrücklich genug auf folgende Thatsachen verwiesen wer den: , Unter den 21,173 periodischen Druck, schriften, die 1900 in den Vereinigten Staaten erscheinen, befanden sich etwa 800 in deutscher Sprache, das heißt beinahe vier Prozent der Gesammtzahlz und die Abnahme ist in der Zwischen zeit keine allzu große gewesen, jeden falls hat fie kein Blatt von irgend vel cher Beoeutung betroffen. Während die meisten Blätter, ent sprechend vem kleinen Rayon, in dem fie zirkuliren, sich immer nur gerade über Wasser zu haen vermögen, ist bei den Zeitungen, die an einem gün stigeren Platze gelegen find, noch kein Anzeichen bemerkbar, daß cS mit der deutschen Presse wirklich zu Ende geht. In den großen Centren deS Deutsch. thumS, wie New Dork, Chicago, St. Louis, Milwaukee u. f. w. prospenren vielmehr diejenigen Unternehmunzen, die mit Geschick' und Umficht geleitet werden, in geradezu bemerkenswerther Weise. Wo ein Rückgang zu verzeich, nen ist, da liegt die Schuld lediglich an der Leitung deS betreffenden Blattes, die ihren Leserkreis entweder nicht zu friedenftellt oder sich durch ihr Verhal ten direkt entfremdet." Schauknadöen zu jung. . Die Detektivs Petticort und Dohor tey. verhafteten kurz vor Mitternacht John Baker, der in No. 706 Warman Ave. eine Schankwirthfchaft betreibt, weil er eine Minderjährige in Diensten hatte. In Bakers Wirthschaft verkehren inSbesonderS Roumänler, Serben, Unaarn und Galizier und soll eS in der selben ziemlich lebhaft zugehen. Die Detektivs hörten nun, daß Baker ein minderjähriges Mädchen beschäftige und begaben sich in die Wjrthschaft. Hier wurde ihnen in der That geistige Ge tränke von einer 17jührigen Bartende r!n kredenzt. Die Geheimpolizisten machten dem Wirth Komplimente über die junge Bartenderin und erklärten Baker dann für verhaftet. Sie werden gegen den Wirth die Klage erheben, daß er Minderjährige beschäftige. .
Grunoeigentyums Uederrragungen.
Albert E. Metzger, Administrator, an Samuel A. T. Harrig. Theil der LotS 1 bis 4, Terry u. A. Subdiviflon Outlot 127. 46 bei 164 Fuß, Verb., Westseite der Missouri Str., südlich von Merrill Str. 82025. Amanda L. Parter an Hilton U. Brown, Truftee, Theil vom südwest lichen Viertel, Section 3, Township 15, Range 4, Warren Tp. $3500. Gustav Flckenscher an die Schul Commiffüre, Lot 4, Condit'S Subd., Theil von Outlot 153, 35 bei 157. 4z Fß, Verb., Oftseite der Vlackford Str. nördlich von'Nord Str. $2700. Sarah Condit an die SchulEom misfionerS, Lot 3 in Condil'S StrittVision der Außenlot 154, 35 bei 157 43z Fuß, vacant, Oftseite der Blackford Str., südlich von Nord Str. $2700. Rebecca B. Sanders an Charles H. Pierson, einTheil deS südöstlichen Vier telS der Section 27, Township 15, Range 2, 40 Acker in Decatur Town ship. $4100. Clizabeth D. DaviS an denselben, dasselbe. $1.00. Warner Sandrock an William I. Ripley, Lot 1 in StoutS 1. Addition, 31.24 bei 112.6 Fuß, verbessert, Nord, feite der Astor Str., westlich von Bank Ave. $500. Oscar L. Huey .an Harrison A. Pease u. A., Lot 3. Pettibone' u. A., Highland Home Add., westliche Seite von Randolph Str., südlich von Mtcyt gan Str., $7,500. . JameS H. Porter Administrator, an Sarah I. Dell, Theil nordöstl. Vierte! Section 17. Township 15, Range 3. 40 Acres, Wahne Tp.. $10.000. Thomas Runyan an William E Stevenson, Theil Lot 17, Squaie 8, Lincoln Park Add., 40 bei 81.70 Fuß, vacant. Südseite 24. Str., östlich von Alabama Str. 51,200. Benjamin A. Branson an Frederick H. Sillery. Lot 339. Miller, u. A., ParkwayAdd.,40bei140 Fuß, ver bessert, Nordseite Roache Ave., westlich von Schurmann Ave. 61,650. Hery Beyer an Barbara Abraham, Theil von Lot 4. HöfgenS Erben Sud divifion, 6 Acker, östliche Seite von Me ridian Str., südlich von von Raymond Str. $3500. . Charles A. Ripberger an Henry Krackenberger, Lot 16, FennemanS Highland Home Add. 30 bei 130.4 Fuß, westliche Seite von Cheftnut Str. nörlich von Minnesota Str. $200. Harry I. Milligan an Hany D. Kramm, Theil vom northwcftlichen Viertel, Section 25, Tawnshist 16, Range 3, Center Township. $2500. Henry F. Resner an Henry , I. Müller, ein Viertel Interessen, Theil von Lot 1, DoughertyZ Subd. Außen lot 90, südwestliche Ecke von Prospect Str. und Virginia Ave. $550. Milda Hall an George H. Brown, Lot 10 in Sullivan's Subv. in Flet che,;$ 1. Add., 30 bei Fuß, ver bessert, südöftZiche Seile der Vrookfide Add, nördlich von 11. Str. $1,500. Martha I. Keely an JonaS F. Johnson. Lot 223 und Theil von Lot 229 in Allen u. A. North Add.. 60 bei 171.76 Fuß, verbessert. Westseite der Ctntral Ave., nördlich der 17. Straße. $6.500. William G. Jnman an Sallie El lington. Lot 3, Block 17, Sangster u. A. Oak Hill Add., 41.2 bei 129 6 Fuß. vacant, östliche Seite der Balti more vAve., nördlich von 25. Straße. $175. William. Baß an Herbert Baß, ein Theil der Lot l in Phlllip'S Subdivl fion eines Theils der Lot 24 von Johnson'S Erben Addition, 40 bei 43.4 Fuß, vacant. Nordseite der 20. Straße, östlich von College Avenue. $700. Mattie JenningS an JameS Stew ard, Lots 19 und 20 in Floral Part Addition. 70 bei 103 Fuß. vacant' Nordoftseite vom Brighton Boulevard, südlich von 21. Str. $200. Samuel C. Hanna, Administrator, an Harriet L. Dunn, Zweidritte!An theil von Lot 80, Crane'ö NordAddi tion, bei 110 Fuß. verbessert, Nord feite von 17. Straße, östlich der Big Four.Bahn, $533.34. Walter H. Fitch an E. E. Charles Newman :c, Lot 1, Square 11, Leo nard's Subdivision. Addition von Barth'S Erben, 40 bei 124.22 Fuß, vacant, Südwest.Ecke von Cottage Ave. und Leonard Sir., $540. Walter L. Carev an Emma M. Rozier, Lot 22 McCarty'S Subd.. Aukenlot 120. 30 bei 120 Ruft. ver. bessert, Ostseite Church Str. südlich von WttktNS fett. 1,55V.
Einkaufen.
Plauderei von Clara Forster. , Einkaufen shopping. wie die Amerikaner sagen ist für uns Evastöchter ein gar vergnügliches Ding. Man kommt sich so unternehmend, so thatkräftig vor. Di'e tausend holden Lorzüge, welche die Möglichkeit vor der Wirklichkeit hat, umschweben einen, wenn man sein Haus verläßt. Ob ich für meinen Hundertmarkschein einen Wintermantel oder eine Standuhr kaufen gehe; ob eine Salonlampe oder ein seidener Unterrock nebst sagen wir einem Paar eleganter Chevreauschuhe daraus wird, zu machen ist alles. Ich kann ja auch das neueste vielgenannte Theaterstück, das bei uns leider noch nicht aufgeführt wird, nebenbei kaufen. Das trägt schon nicht viel auf. Ueberhaupt das eine oder andere Buch mu ich bei' dieser Gelegenheit erstehen ich habe ja schon eine ganze Liste solcher, die ich mir bei der Lektüre von Kritiken oder Katalogen notirt. Ja. ja, man muß etwas für seinen Geist thun, sonst verdummt man! Ich will doch zusehen, daß ich auch noch etwas zu ein paar Theater- oder Concertbilletts erübrige. Nun taucht vor meinen Augen auch noch, das entzückende TasLlservlce mit dem Scerosenmuste'r auf, das ich, wie oft, hinter seiner Schaufensterscheibe bewundert. Aber da lächle ich schon über mich selbst. Bin ich nicht wie das Kind in dem Goethe'schen Gedicht, dessen Wünsche den ganzen Jahrmarkt abweiden? Herz, was begehrst du?"' Nun, du weißt schon, was du begehrst, vielmehr, was du am nöthigsten brauchst. Hier in diefrm Confektionsgeschäft, das die einfachsten wie die kostbarsten Sachen führt, wirst du schon finden. Wohl lockt' mich noch die lange Reihe der mit herrlichen Dingen angefüllten Schaufenster, deren Betrachtung einen ganz anderen Genutz gewährt, wenn man einen Blauen mit sich führt, als wenn man mit ziemlich leeren Taschen davonsteht. Aber ich weiß schon, daß auf jeden Traum leider das Erwachen folgt, also: hier .frisch hinein und ohne Wanken!" Ich möchte einen Winterpaletot kaufen." sage ich, zu dem Jüngling, der sich mir ganz, vollkommen, ohne Rast, zur Verfügung stellt. Gnädige Frau wünschen jedenfalls etwas ganz Modernes; wir kimen mit den neuesten Fassons dienen. Wenn ich bitten darf, sich etwas weiter zu bemühen." Eigentlich habe ich meine Wahl sckon getroffen. Im Schaufenster Zrng längere Zeit ein schwarzer, loser TuchPaletot mit modern weiten Aermeln, sauberer Applikationsgarnitur einfach und schick, wie ich wohl weiß, ganz der Geschmack meines Mannes und im Grunde genommen auch der meiniae. Ich suche dem Dienstbeflissenen den Gegenstand meiner Wünsche zu beschreiben, während ich ihm zögernd in die Hinteren Regionen folge, die ich mir in diesem Falle glaube ersparen zu können. Er wiederholt immerfort: Ja! Gewiß! Ganz wis gnädige Frau befehlen! Wir haben die neuesten Muster zur Verfügung " aber da er hierbei sachte und beharrlich sich neben mir vorwärts schlängelt, sehe ich mich endlich in dem mangelhaft beleuchteten Hinterzimmer. Umgeben von einem Wust aller Arten von Umnahmen, sitzt stolz eine Dame in modernem Rock und ramponirter Alltagsbluse, deren abgelegte Jacke wahrlich nicht den Eindruck macht, als sei die Eigenthllmerin bei ihrem Einkauf so wählerisch gewesen wie heute. Die Verkäuferin, die das vielleicht dreißigste Stück vor ihr mit sanfter, einschmeichelnder Stimme Präsentirt, sieht zum Umfallen abgespannt aus. Wie doch mancher sonst vielleicht recht gutherzige Mensch das Entgegenkommen, zu dem andere durch ihre Stellung gezwungen sind, bis zur Brutalität ausnutzt! Nein, so rücksichtslos will ich nicht sein.. Sich liebenswürdig beim Einkaufen zu beweisen, ist kein Kunststück, aber nicht nur durch Worte, sondern durch Thaten zu dokumentiren, daß Kaufleute Menschen und keine Mafchinen sind das läßt sich am Ende auch durchführen. Vor mir darf nicht das ganze Waarenlager Revue Passiren. Allerdings, der lichtgraue, halblange Paletot in Empireform, den der blonde Jüngling da förmlich respektvoll vor mir ausbreitet, ist allzusehr vonmeinem Ideal entfernt, als daß ich'mich für ihn entschließen könnte. Immerhin ungewöhnlich schick sieht er aus. Wie ich mich wohl darin ausnehme? Schon löse ich lächelnd mein Cape, und, vor dem Spiegel siehend, prüfe ich, nicht mit Mißfallen, wie der Hellgraue meine Figur ' umwallt. Aber nein, damit darf ich meinem Mann nicht kommen! Etwas weniger gewagt," bemerkte ich freundlich. Sehr wohl." Aber der schlichte Sacco, den man mir nun zumuthet, kann mein Herz auch nicht gewinnen. Ich sah vorige Woche einen so hübsehen, einfachen Paletot mit etwas Applikation am Kragen," begann ich noch einmal Sehr wohl." fällt mir der junge Mann m's Wort. Wir werden ihn gewiß finden."' . Indeß, was er mir mm- bald mit beredten Worten .bald nur mit einem Blick, der zu sagen scheint: Sieh und verstumme!" vorlegt, hat keine Aehnlichkeit mit dem, was ich zu sehen wünsche. Viel Hübsches, ja Begeh.
Europäisches fjtyaxttrzzzS Wechsel, Crcditöriefe, Postanweisungen, auf alle Städte Europas, .
chiffsscheinS von und nach Europa. An- und Verkauf ausZSnSZl scheu Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. rtferchants National Bank. renZwerthes ist darunter, gewiß. Ich beginne zu schwanken, ob denn wirklich meine erste Wahl das Richtige getrofsen. Als der Vielverlangte endlich vielleicht der fünfzehnte, seiner Kameraden erscheint, enttäuscht er mich völlig. Der Verkäufer hält ihn auch nur wenige Sekunden lang empor, dann nimmt er lächelnd den langen Mantel mit breitem Skunksbesatz, den ick soeben mit einer Handbewegung, wenn auch bedauernden. Blicks, von mir gewiesen, und läßt ihn vor meinen Augen spielen. Er tritt mit ihm an's Fenster freilich, der hat dasLicht nicht zu scheuen. Ach, wozu?" seufzte ich, als er mit einem gehauchten Entschuldigungswort das Werthstück um meine Schultern legt. Vornehm hängt es an mir nieder. Der Jüngling ist' ganz Bewunderung, und ich muß ihm beinahe recht geben. Ich komme mir wie gewachsen vor ich bin eine ganz andere Erscheinung. Der Geschäftsinhaber selbst tritt zu mir. Er ist ganz der Ansicht meinesCommis, ganz. Huldigung liegt in seinen Blicken. Der Mantel steht mir wundervoll. Mein Herz beginnt wild zu klopfen vor Freude bei dem Gedanken, wie ich dann erst, meinem Mann darin gefallen werde. Aber ich denke, Pelz ist das Jahr weniger modern," wandte ich schüchtern ein. O doch für lange Mäntel sehr!" Folgt Schilderung entzückender Sachen, die man in diesem Genre in Berlin siebt. Mein Muff ist Nerz " Aber, gnädig? Frau können kaum einen Muff gebrauchen zu diesen Pelzaufschlagen." Das ist wahr. Meine übrigen Einuvendungen werden ebenso schlagend widerlegt. Im Grunde wünsche ich auch bereits nichts sehnlicher als mich überreden zu lassen. Schicken Sie ihn mir nach Hause. Was kostet er?" Einhundertzwanzig Mark, weil wir auf Ihre Kundschaft Gewicht legen, gnädige Frau. Sie können versichert sein " Das übrige höre ich wie im Traum. Hundertundzwanzkg Mark! Da ich noch etwas über zwanzig Mark von meinem Wirthschaftsgeld bei mir führe, wird's ja reichen. Ich finde es plötzlich sehr dunkel in diesem Hinterzimmer, und die schlechte Luft fällt mir wieder auf d.Ze Nerven. Ich merke erst jetzt, daß ich entsetzlich abgespannt bin ?on dem vielen Anprobiren und auf mich Einredenlassen. Im Hinausgehen frage ich noch, wieviel der Paletot koste, den ich mir zuerst erkoren. - Der? Ach, das ist ein ganz billiger Mantel vierzig Mark, gnädige Zrau." Nicht so ganz billig, aber für mich gut genug. Etwas, billiger freilich, als die neuew Umnahmen meiner Bekannten; aber was hätte das gemacht? Das Service mit den Wasserrosen, das mit fünfundvierzig Mark ausgezeichnet war. ein schönes Buch und zwei bis drei Theater- und Concertbillets hätte ich noch haben iönnen, wenn ich standhaft geblieben wäre." Und wieder, während ich vor der Kasse stehe und meinen Hunderter hingebe nebst allem, was mein Portemonnaie sonst noch barg, komm: mir Mcs klassische Gedicht in den Sinn: Ach, wo seid hir hin, ihr Wünsche? Ihr Hoffnungen. Begierden? In einen armen Pfefferkuchen Seid ibr aekrocben. Kind, geh nach Hause." 'EinverhänanißvolleS Kraftstück wurde in einer Gastwirthschaft in Ruhla m Thüringer ausgeführt, wo sich ein Kraftmeier vorstellte, der sich u. tu anheischiq machte, ein BierglaS zwischen den Ballen seiner Hände zu zerdrücken. Die Wirkung des thatsächlich ausgeführten Vorba. bens war eine ganz unerwartete: der. leichtsinnige Künstler hatte sich rabet die Pulsadern beider Arme und mehre Sehnen durchschnitten. Aerztliche Hilfe erschien gerade noch rechtzeitig, um ihn vor dem Verbluten zu bewahren.. '
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