Indiana Tribüne, Volume 29, Number 91, Indianapolis, Marion County, 8 December 1905 — Page 5
Jndiana Tribüne, S Dezember 1905
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Sie sdjönc ZZronma. . Skizze von 5 .ttllltpp grntrimstmt. g ocxyooccoopooooocQat. Anton MorbeZ ist angeklagt, seine geschiedene Frau Vronislawa. späte: verehelichte Reindl, getödtet zu haben. Der öffentliche Ankläger hat sein; Rede beendet, der Vorsitzende des Gerichts den Angeklagten aufgefordert zu erwidern. MorbeZ tritt aus der Bank einige Schritte vor und sagt Folgendes: Vitt?, ich habe nichts zu bemerken. Ich habe gestanden und damit ist es abgethan. Es ist nichts zu bemerken. Ich Kill dem Herrn Staatsanwalt nicht antwor ten, er hat Recht. Nämlich wie er die Sache begreift. Ich habe eine andere Ansicht. Nach meinem Ermessen habe ich Necht und habe so gethan, wie ti mir meine Ueberzeugung aufgezwungen hat. Gut. Meine Ansicht ist da ohne Wichtigkeit. Nur das ist wichtig. was im Gesetz steht. Das ist das G:setz, welches jetzt vorgeschrieben ist. Gut. Nach diesem münzen Sie sich halten. Ich habe das Gesetz, wie es jetzt giltig ist, hier, nicht gekannt, ich kenn es nicht. Der Herr Vertheidiger hat mich belehrt und hat mir Manches gesagt, was hier vorgeschrieben ist, jetzt, und das ist ja sehr gut, wirklich gut, ja. Aber ich hab auch ein Gesetz, mein-, mein eigeneZ. Lachen Sie nicht, ich bin nur ein einsacher Mensch und. hab wenig Schulen, gut, aber es gibt ein Gewissen und eine Wuth. Wenn ich aber Wuth hab, kann ich doch nicht falsch sein.oder mit Ueberlegung, ich thu dann so, wie es mein Gewinn mir sagt, was mein Recht ist. Sie haben wieder Ihr Recht. Dann können Sie michwieder darnach behandein. Lassen Sie mich henken, oder sperren Sie mich ein auf zwanzig Jabr so ist es dann ausgeglichen. Es ist da nichts zu reden. Der Herr Staatsanwalt hat Ihnen gesagt, wer ich bin und was ich gethan hab. und ich kann sagen, er hat die Wahrheit gesagt Das ist etwas Seltenes, einen solchen Mann muß man sehr achten. Ich hab eine Hochachtung vor dem Herrn Staatsanwalt. Nur zu? Aufklärung ich muß um Verzeihung bitten, ich hab 'gegen das,-was er gesagt hat, nichts vorzubringen nur aufklären will ich. Sie dürfen auch nicht glauben, daß ich Sie bereden will, nein, das Gesetz, nicht meins,sagt: auf eins solche That steht die und die Straf. Ich hab die That gestanden, ich hab mir mein Recht verschafft, verschaffen GieJbern Gesetz sein Recht. Gut. Nur will ich sagen: sie war bös,' schlecht war sie, Sie können sich es gar nicht denken, wie'bös sie war, was sie mir angethan hat, mir und Andern. Ich hab" sie deswegen gestraft. Das darf ich nicht, mein Herr Leriheidiger hat mich belehrt, das darf ich nicht, weil Zum Bestrafen eigene Leute vom Gesetz bestimmt sind. .So weit wären wir; was ich sagen will, ist nur: hätt ich sie nicht gestraft, die schöne Bronwa, hätten sie die Leute bestraft? Nein, sie wär frei ausgegangen, sie lebte noch und möcht weiter wirthschaften wie bisher. Ich hab mich erkundigt und hab es erfragt, ob das Gesetz so was, wie sie es gethan hat, straft. Nein, darauf: ist keine Straf. Wenn Ihr Gesetz wirklich gut wär. dann müßt ein Paragraph drinnen stehn, der mich deswegen straft, weil ich eigenmächtig gestraft hab.' Was ich für eine Straf gesetzt hab, das kommt in den anderen Paragraphen. Ich hab gesagt: Tod! Hab sie verurtheilt, hab sie gestraft mit eigener Hand, mit beide Hand! Wuth hab ich gehabt, aber gerad deswegen weiß ich, daß ich Recht gehabt hab. Si: werden mir vielleicht nicht Recht geben. Sie brauchen mir nichts zu geben, ich hab es.. Ich hab einen alten Vater in Böhmen oben, im deutschen Gebirg, ein armer Holzschläger, und ich war auch nur ein Holzschläger bis zu meinem achtzehnten Jahr, bis ich bin zu den Zehnerjägern abgeführt worden. Steierische Klacheln. Wilddieb, aber Jager! Jagn! Da hab ich was gelernt und war ein ordentlicher Soldat. Das können Sie sich denken, man wird nicht leicht Wachtmeister bei der Gendarmerie. Da muß man was lernen und muß was kennen, und gar bei solchen Kerlen wie die! Aber über das viele Faulenzen hat mich die Arbeit nicht mehr gefreut, war Feldwebel da und hab das Schriftliche manchmal gehabt; wieder zurück in den Wald nein, das hat mir nicht geschmeckt. Ah, denke ich, wirst dich plagen, gehst unter die Gendarmen, mit der Puschka am Buckel fein spazieren den ganzen Tag in der schönen Natur. Gut. Da hab ich auf einer Streifung das Frauenzimmer aufgefischt Na es war über mich verhängt; Zufall sagen die Leut, ein reiner Zufall. Ich hab das Mädl zuerst baden lassen ja, meine Herrn, so hat's ausgeschaut. Nicht das Nothwendigste hat sie gehabt, aber schon zum Erbarmen. Vater und Mutter waren so Werkelleut, die von Dorf zu Dorf ge. hen mit ihrer Musik, aus der die Tön zur Hälfte schon ausgefallen, sind. Sie haben das Mädl fortgejagt, stehen lassen mitten auf der Straßen, sie soll sich selber durckschlagen. Elend war es beschaffen, aber elend, nicht zum sagen. Bitt Sie, ich war ein lediger Mensch, mit meinem Auskommen fremd im Land die Bronwa hat mir gefallen. Ein reiner Zufall. Ich als ein lediger Menschlich hab die Hand offen gehal, ten, es ist mir zugefallen. Aber, wie
ich sie hergeputzt hab und ausstaffirt mik saubere Kleider und weiße Kröseln, da hätten Sie gespitzt, meine Herrn! Die schöne Bronwa mehr brauch ich nicht zu sagen. Augen! Ein Maul voll Zähn, das Lachen, wenn sie gelacht hat, große Figur so was wächst nicht in der Gegend da. Und schlecht! Schlecht wie eine Luchsin. Ich hab mir gedacht: Zeit, alles braucht seine Zeit. Ehe die wilden Erinnerungen vergessen sind, ehe sie sich gewöhnt, ehe .ihr die Ordnung eine zweite Natur ist, mußt dich gedulden, und mußt mit ihr eine Nachsicht haben. So was will abgerichtet sein wie ein junger Hund. Aber es war kein Hund, es war eine Luchsin, und sein Lebtag nicht ist so ein Raubzeug zahm geworden. Bei dem Ganzen war doch ein Glück und eine Unruhe in mir, so was, ich weiß nicht recht, ich find das Wort nicht, so ein Gefühl! Ich bab früher mit den Weibern nichts gehabt und nachher nicht, nur dasmal, dasmak. ' Ich hab's gut bezahlt. Jeder Mann muß es gut bezahlen, ich hab's bezahlt über mein Vermögen. Gescheit war sie. alle was wahr ist. Gelernt hat sie, Bildung hat sie gleich gehabt und geführt hat sie sich, als hätt sie auf der Landstraßen zehn Jahr drüber srekuliri und brauchet es jetzt nur herausholen. Das war in ihrer Natur so. Es kommt mir immer vor, je länger ich über sie nachdenke und über ihre Art, als war alles, was uns bei den Weibern auffällt, die Fehle: und die Schwächen, bei ihr stärker gewesen als bei den übrigen Weibern, viel stärker die Habsucht am stärksten. Alles, was sie geseben hat, wär ihr recht gewesen. Ihr erstes Wort, wo ihr was gefallen hat, war: Wenn ich das hätt drum hat sie, mein ich. wenig Freud am Leben gehabt, weil der Neid sie. zerstört hat. Was nicht ihr eigen war, hat ihr keine Freud gemacht, und was ihr gehört hat, hat sie nicht gefreut, nur deswegen, weil es ihr eigen war. Mit mir ist es grad so gegangen. Eh ich sie geheirathet hab, hat sie gut gethan, war folgsam und hat sich was sagen lassen; wie sie aber mein ehrliches Ehweib worden ist, war es wie abgeschnitten, aber wie mit einem Hieb. Sie hat mich nur haben wollen, und wie sie mich gehabt hat, war die Freud vorüber, und ich hab von da an keine ruhige Stunde mehr erlebt. Bevor sie etwas erreicht hat, hat sie sich's in ihrer Einbildung immer schöner ausgemalt und den Reichthum immer großer; so hat sie halt mit den Männern angefangen. Ich war ganz elend vor Elfersucht, und manchmal hab ich geglaubt, ich überleb es nicht. Wie habich auf sie Acht geben können bei dem schweren Dienst? Taglang viele Meilen weit, selten zu Haus, strenge Pflicht. Hab ich einen Kameraden gebeten, er soll anstatt meiner aufpassen, hat sie ihn noch verlockt; ich selber hab wahrhaftig Furcht gehabt, zu unvorgesehene? Zeit in mein eigenes Haus zu kommen, Furcht, daß ich etwas Unrechtes sehen und daß'mich der Zorn zu etwas Bösem verleiten könnte. Und so hab ich das lang dulden müssen. Nicht, daß ich ihr etwas hätt nachwei sen können, daß mir etwas wär zu Ohren gekommen: ihre Augen, die haben mir alles gesagt, rechte Diebsaugen, die immer herumgegangen sind, wo ein Mann, der herauszulocken wär. Endlich hat sie den Nichtigen gefunden, und jetzt hab ich gewußt, wie ich daran war. Aber ergeben hab ich mich drum nicht, ein alter Zehnerjäger gibt sich nicht so leicht. Das war der junge Reindl Ferdinand. Ich bitt Sie, ein Großbürgersöhn, der Vater ein reicher Weinwirth, cemrn seine gut zwanzigtausend Wein im Keller liegen hat, ledig, fein angezogen, die Mädl der ganzen Stadt hinter sich, na, Sie können sich denken, wie der schönen Bronwa das Wasser im Mund zusammengelaufen ist und wie sie die Augen hat'sp'elen lassen. Hätt ich mir als kaiserlicher Wachtmeister sollen nachreden lassen, mein Weib hält's mit einem Anderen? Hätt ich mein Haus sollen verunehren' lassen? Hätt ich vielleicht noch den jungen Herrn einladen und schön Willkommen sagen sollen? Ah! Es waren nur alles Lügen vor mir selber. Ich hab mich selbst angelogen, daß ich nur deswegen streng auf sie war. Wahrheit aber ist, daß ich sie verrückt gern gehabt hab, wie behezt, ganz ohne Verstand. Ich hab sie geHaut, mit dem Stecken, mit dem Riemen vom Seitengewehr, ich hab sie eingesperrt, weggeschickt, ich bin gut mit ihr gewesen und hab sie gebeten, fußfällig, sie hat nicht nachgegeben. Der Ferdinand Reindl auch nicht. So hab ich sie gern gehabt, daß, hätt ich gewußt, es ist ihr ein Ernst mit ihm, sie will ihn vom Herzen, ich hätt sie laufen lassen. Sie hat aber keinen Ernst gehabt, sie hat ihn haben wollen, weil so viele Andere auf ihn gespitzt haben, und noch mehr, weil sie geglaubt hat, wer weiß wie reich er ist. In so einem engen Schädel was hat sie gewußt, was Reichthum ist in der Welt, er war ihr der Reichste. Sie hat so lang im Stillen gearbeitet, bei meinen Vorgesetzten, beim Reind! Vater und beim Reindl Sohn und da und dort und beim Vürgermeister, bis nun bis man mich als einen angesehen hat, bei dem es da nicht richtig ist. Ich bin eingesperrt worden. Im Narrenhaus binich gesessen, unter den Narren, selber ein halder Narr vor Zorn, Schmerz, vor Schmerz und vor lauter Ohnmacht. Aber ich bin doch gesund gewesen! Aber wie ich bin einmal mit dem Reindl zusammen gekommen, vorher, wie ich noch oraußen war, hab ich ihm's gesagt. Reindl, hab ich gesagt, Herr Reindl, denken Sie an mich, das Weib wird Sie. in Grund rickten so wie mich. Nie. nie
werden Sie mit ihr glücklich sein, weil sie kein Herz im Leib hat. Sie man Sie nicht, sie will Ihr Geld. Sie werden leiden, leiden, zehnmal mehr als ich, weil Sie immer mein Unglück im Gewissen tragen werden. Sie wird Sie quälen, betrügen und ausbeuten. Waö weiß ich jetzt, was ich ihm noch Alles ge sagt hab! Es war aber alles Reden umsonst. Mich aber hat man in Ketten gelegt wie einen Räuber, und hat mich eingesperrt unter die Narren! Ich hab sie von der Straße aufgehoben, ich hab ihr zu essen geben, wie sie gehungert hat, ich hab sie zu einem ehrlichen Menschen gemacht und ihr meinen Namen gegeben, der ein ehrlicher, unbescholtener Namen ist; sie hat mich einsperren lassen. Wie ich' herausgekommen bin. voll kommen gesund, normal, gänzlich ungefährlich, ganz normal, hab ich meine Stelle verloren gehabt nichts zu essen, ein Bettler bin ich gewesen. Der Bräuer hat mich aus Barmherzigkeit aufgenommen. Vielleicht war es nur ein reiner Zufall, daß es mich wieder hergezogen hat, mich angetrieben, wieder zurückzukommen. Ich war ein. armer geprügelter Hund, aber die schöne Bronwa war die reiche Weinwirthin Reindl. Sie hat's verstanden. Alles herumzukriegen, und -Scheidung und Heiräth mit dem Ferdinand Reindl hat sie bequem durchgesetzt. Ich kann es Ihnen gar nicht beschreiben, wie es war. wie ich zum ersten Mal zum Reindl bin aus einen Wein gegangen. Das nämlich hat mich aufrecht gehalten. Recht teuflisch, aber schon teuflisch neugierig war ich auf's End. Drum hab ich mich zu-, sammengenommm und bin dem Trunl ausgewichen wie dem Höllenfeuer. Nämlich, daß ich mich ja nicht vergiß und versauf irr-meinem Elend. Der Verzweiflung war ich immer näher als allem Andern. Gut. Also ich komm hinein zum Reindl. Oh, sag ich, nein, ich kenn das Gesetz. Sie sin als Wirth gehalten, jeden Gast, der sich anständig benimmt, zu bewirthen. Ein Viertel Wein! Ja, so weit hab ich es gebracht mit mir. Wenn ich was hab sehen wollen, dann hab ich ja müssen einen Zutritt haben in's Haus. Wie sie mich gesehen hat, ich hab geglaubt, sie fällt vor Schrecken auf die Erd. Wie der Tod so weiß ist sie geworden. Ich wie nichts, bin ruhig gesessen und hab meinen Wein getrunken wie jeder Andere. Heiliger Gott, warum hast du solche Menscken erschaffen? Ist das dein Ebenbild? Warum wird das Thier verachtet? Weil es nicht so klug ist wie der Mensck? Aber es ist dafür besser, viel besstt als der Mensch! Es gleicht sich aus! Reichlich! Ich bin nur ein paar Mal, Sonntag Vormittag, hin gegangen und hab schon gewußt wie viel es geschlagen hat! Der Reindl war ein guter, verliebter Laff, den sie um den Finger gewickelt hat, der Alte hat seine Schwiegertochter angebetet wie ein Heiligenbild. Sie hat das Regiment geführt und die Leut sind immer gesessen und haben getrunken und die Stadt war wild über das Frauenzimmer. Natürlich, auf den Reindl haben sich fo Viele Hoffnungen gemacht, und jetzt kommt eine Fremde her und stibitzt ihn weg. Natürlich, der Reindl hat so gute Zeiten gehabt, wie ich seiner Zeit, wie sie mich schon gehabt hat. Gnadenweis hat er neben ihr gelebt, aus reiner Gnad und Menschlichteit hat sie ihn neben sich leben lassen. Aber was nur ein Mannsbild war, mit dem hat die Bronwa schön gethan und freundlich und war lustig und ist einem Spaß nicht ausgewichen. Ja, die hat's verstanden, es ist rein zum Staunen. Drei waren da, die sind mir gleich aufgefallen. Obwohl sie gethan hat, als mach sie sich nichts aus ihnen, so hab ich doch gesehn, daß es auf die abgesehen war. Da war der Herr, Gerichtsadjunkt, ein junger, feiner Herr, der neben dem Feuerbrand ist elegant spazieren gegangen und keine Ahnung gehabt hat von der Gefahr. Er hat scheint's geglaubt, so eine wie die Bronwa ist zum Anzünden von einem Papiercigarrettel gut. Der zweite war der Herr Kassier von der Vorschußkassa, das war schon gefährlicher, und der dritte war der KeÜerbursch; ein Kind beinah. Damals hab ich angefangen nachzudenken. Wär die Bronwa ein Mann gewesen, dann glaub ich, hätt die Welt etwas Schreckliches erlebt; weil sieniemitUeberleguna. nur mit der Witterung vorgegangen ist. Sie hat wenig Verstand und keine Vernunft gehabt, aber was sie gewollt hat. davon hat sie nicht abgelassen, sie hat sich in ihre wilde Habsucht so verbissen, daß sie die Zähne nicht mehr davon hat zurückziehen können. Aber wenn sie ein Mann gewesen wär, dann wär sie sicher eingesperrt worden oder man hätte sie hingerichtet. Sie war aber kein Mann, sie war ein Weib. Die Weiber können machen, was sie wollen, ihnen geschieht nichts. Ein Weib kann nach Weiberart ihren Mann langsam in's Grab bringen sie kann ihren Eltern die Seelen vergiften, sie darf ungestraft Todfeindschaft stiften zwischen Männern, sie darf Familien zerstören, sie darf Manne? an sich locken und ihren Frauen stehlen, sie darf durch teuflischen Klatsch ehrliche Namen abschneiden, sie darf giftig um sich beißen, Unglück, Elend, Tod und Verzweiflung verbreiten sie darf Alles das thun, kein Haar wird ihr gekrümmt. Der Mann opfert sich sie geht fröhlich ihren Weg weiter, ihr kann nichts geschehn! Es gibt keine Paragraphe dagegen, und nie möchfe es anders werden, wenn es nicht Männer gäbe, die gegen das, was geschrieben ist, dem nachgehen, was nicht geschrieben steht und möglich nicht geschrieben werden kann. Einmal seh ich den Kassier
ttx einem abgelegenen Wirthshaus' in der Vorstadt mit einem Fiaker verhandeln; reiner Zufall. Ich frag nach und erfahr, er hat einen Wagen genommen, einen Ausflug zu machen. Gut. Am selben Tag war ich wieder bei Reindl und sitz ruhig in einer Ecke. Es war eine ungewöhnliche Zeit, vier Uhr. und nur. ein einziger Gast war da, der Herr Kassier. Mit dem hat sie still und unauffällig gewispert. Ich hab gemacht, als wär ich blind. Bald ist es aber lebhaft geworden, die Frau vom Kassier ist gekommen. Ich bitte um Entschuld!gung, hat sie zum alten Reindl gesagt und zu mir, ich habe Pflichten als Eheweib und muß meinen Mann auf den rechten Weg führen, und wenn es auch Lärm gibt. Ferdinand, hat sie gesagt, ich will Dich warnen und vor Dir selbe? beschützen. Du veraißt Deine Kinder, Du bleibst Taqe und Nächte fort und vernachlässigst Dein Geschäft. Es geht nicht' auf Sie, Herr Reindl, Sie müssen jeden Gast aufnehmen, aber die da, die da steht. Ihre Schwiegertochter, das ist der böse Engel, der ihn fesselt. Dann hat sie umgeschlagen im Ton.und 5F5ie Bronwa gebeten. Ich hab mich vergessen, Verzeihung. Frau Reindl, ich bitte Sie im Namen seiner unschuldigen Kinder, lassen Sie ihn aus. Es gibt ja Männer genug, die frei sind, die keine Pflichten haben. Sie sind schön, jung. reich, was liegt Ihnen denn an einem armei;, kleinen Beamten, der kaum genug hat, sich zu erhalten. Es geht um seine Existenz, er kann sein Brod verlieren. Herr Reindl, hat sie dann geweint, ich schwöre es Ihnen hier beim Kopf meines Aeltesten, sie verführt meinen Mann! Jetzt haben Alle geschrieenabe? die Frau hat nicht Ruh gelassen: Sie. Bronwa Reindl, Sie sind schrecklich! Sie lachen noch? Sie haben kein Herz, Sie sind ein böses Weib! Und bevor sie fortgegangen ist, hat sie noch geschrieen: Ja, ich geh, Ferdinand, aber zu Deinen Vorgesetzten, ich geh die Kuratoren ab und klage Und Sie. jeder anständige Mensch" wird Ihnen ausweichen, Sie Ehebrecherin, die Kinder werd?n Ihnen nachrufen, die ehrlichen Frauen werden Sie meiden wie die Pest! Qualvoll und schauerlich werden Sie enden. Sie Dämon, Dämon! (Verstört.) Dämon Däm Herrgott, wie mir das Unglück von dem Weib zu Herzen gegangen ist! Die ganze Stadt war auf. ,Das Paar hat gesehn, daß Alles verloren ist, der Wagen war bereit. Der Plan war, zur nächsten Station zu fahren und mit dem Orientexpreß nach der Türkei oder dahinunter, wo es wenig Polizei und Telegraphen und recht viel Backschisch gibt. Gut. Aber ich war am Posten, ich! Ein alter '.Gendarm kennt seine Pappenheimer. Gerade in dem Augenblick, wie sie durchrutschen wollten, tret ich vor.: Bitte! Hübsch zurück! Daraus wird nichts! Sie können sich denken. Wenlwn Blitz auf sie heruntergefahren wär. so war es. Die Bronwa. haha! Die schöne Bronwa, das war ein Pflaskr für mich! Dazu der junge Reindl, das war jammervoll! Gerade wie in einen Spiegel hab ich hineingesehen, bei seinem Anblick. Gerad so wie er jetzt gewinselt hat und getobt und sich die Haar gerissen und geweint, so hab ich es damals gethan,- damals, wo ich geglaubt hab, daß ich's nie und nimmermehr werde verwinden können. Er war aber noch viel trauriger. Vor mir hat er sich gerad geschämt, ich glaub, wenn er in der tiefsten Erd ein Loch gefunden hätt, er hätt sich hinein verkrochen. Morbes, jetzt versteh ich Sie, Sie haben es vorausgesagt. Na, sag ich, machen Sie sich nichts daraus Herr Reindl, was können Sie dafür, daß die Bronwa schlecht ist. Sie hab ich gar nicht angesehn, ihr Gesicht war mir so tief innerlich bis in den untersten Seelengrund verhaßt und abscheulich, daß ich es nicht hab ertragen können. Immer war es mir in ihrer Nähe, als wär ich von lauter giftiger Luft umgeben. Es war mir, als sollt ich nicht zu Athem kommen, jeder Athemzug eine Gefahr fllr's Leben und für die Seel für die Seel! ; Der Kassier hat sich das Leben genommen und hat Weib und Kind unversorgt zurückgelassen. Gut. Das aber wär vielleicht alles noch nicht das Aergste gewesen. Das Aergste kommt noch. Nämlich für mich. Mit ihrer Art und wie sie sich hat katzenhaft eingeschmeichelt, wär bald das Gras gewachsen über das Ganze. Der alte Reindl war bald wieder beruhigt, dem Jungen hat sie alles wieder ausgeredet, und bald wieder wär alles in schönster Ordnung gewesen. Aber der Stein war im Rollen. Es ist mir so gewesen, als hätt ich ihr Verhängniß leibhaftig gesehen, wie es herankommt, wie ein Gespenst in der Nacht, gerade auf die Bronwa zu, mit einer Drosselschnur in der Hand kommt und immer größer, wird und immer näher kommt, langsam und die Schnur in der. Hand wie eine glühende Schlange ja. Mich selber hab ich auch gesehen und mein eigenes Leben ist wie ein Weg vor mir gelegen. Wie ich zu Haus war, bei den Maurern, im Feldzug, im Dienst und mit ihr. Es war mir ganz weh dabei. Da war es mir, als käm der Geist auf mich zu und schaut mich an und hebt die Hand, als wollt er mir die glühende Schnur geben, mir in .die Hand in die Hand. Na Sie rois sen ja, was weiter geschehen ist. Der Kassier war todt, aber das Erbtheil, das er hinterlassen hat! Jetzt hat man revidiren müssen. Wenn es nur das gewesen wär, was er gestohlen hat, daö hatt man leicht verschmerzt. Aber aber, wie ist die Ehrbarkeit und der Stolz der Herren Großbürger und Ge-
rreinderäth und der dicken Geschäftsleute und aller, aller hingeschwunden wie Butter in der Sonne. Es war gerade wie in Sodom. Im ganzen Bezirk war Heulen und Zähneklappern und war keiner ein Gerechter. Die Borschußkassa mar rein wie ein trüber Teich, in dem jeder der Biedermänner gefischt hat nach Herzenslust. Sie wissen ja. es war eine Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. Die eine Hälfte im Bezirk hat gestohlen und die andere ist bestohlen worden, und am Ende hat' keiner was gehabt. Das Aergste war für mich, wenn ich zugehört hab, wie die armen Leute, die ihr Erspartes eingelegt haiten, .in ihrem Unglück sich beklagt haben'. Da erinnere ich mich an einen alten Mann, er war früher ein Gerber gewesen, der hat geweint, daß ich geglaubt hab, ich muß es ihm ersetzen. Und noch viele dazu. Weiß der Himmel, der Alte, wie der so lamentirt hat, der hat alle aufgeregt und mich am meisten. In uns allen ist so etwas vorgegangen, etwas ganz Berkehrtes. Die schöne Bronwa.. die Bronwa, nur die ist an Allem Schuld. Sie können sich wohl denken, daß ich weiß, daß sie an dem Bankerott nicht schuld war, das ist ja selbstverständlich. Sie hatmit dem Kassier durchgehen wollen, weil sie geglaubt hat. wer welk wie viel Geld er mitnehmen wird. Doch, doch, die schöne Bronwa war der Anstoß, sie hat den Riegel aufgezogen, sie ist das Unglück. In allen hat es.gefährt, mir war so, als wär ihre letzte Stunde gekommen, als würden sich alle die armen betrogenen Leute in der späten Nacht noch zusammenrotten und hin ZUM Reindl und möchten ihm das Haus stürmen und möchten sie'herausschleppen, die Bronwa, an den Haaren und möchten sie in einen Sack stecken und in's Wasser werfen. Da ist wieder eine Unruh ''über mich gekommen und die alte Besinnungslosigkeit, und ich hab eine Angst bekommen und renn zu ihr. Wenn ich mir jetzt überleg, was es war, welches Verhängniß mich zu ihr getrieben hat, mitten in der Nacht, weiß ich nicht, ich weiß es wahrlich nicht. Eine Unruh war in mir, eine Angst. Vielleicht hab ich mich gefürchtet, aber nicht mit Bewußtsein, so versteckt,-geheim ' vor mir selber, die Leut werden sie massakriren, oder hab ich sie wieder gern gehabt, oder hab ich sie noch gern gehabt, oder hab ich geahnt, daß die Rache mein ist oder war es der reine Zufall. Ich bin rückwärts zu ihrem Garten gerannt, hinier'm Haus. In dem Garten war der Keller. Beim Vorüberschreiten in der stockfinsteren Nacht und im Schnee hab ich doch gesehen, daß die Kellerthür offen war, und etwas, vielleicht ein Lichtschein, vielleicht ein Geräusch hat mir gesagt, daß Jemand unten im Keller ist. Mir war es ja gleich, wen ich warne, ob den Reindl oder sie, ich hab nur warnen wollen. Warum bin ich da hinuntergegangen? Wer hat mich in' den finsteren Schlund heruntergezogen, wer hat mich gehabt, langsam und ohne Lärm hinzuschleichen.. Ich hätte ja können laut hinunter schreien, mit Geräusch irgendwo anschlagen. Aber nein, ich wollte nicht abgleiten, ich hab wollen wenig Aufsehen machen, sie 'hätte sich, ohne daß ein Unberufener davon erfahren hätt, still flüchten sollen vor den Leuten. Vor den Leuten ja, wer weiß ob die Leut ihr was gethan hätten, ob sie schlechte Absichten gehabt haben, möglich, es war nur in meiner Einbildung so, in meiner Angst. Also, ich gehe langsam hinunter, tapp mich vorsichtig an der Mauer, bei den Fässern vorüber und geh weiter, immer weiter in den großen schrecklichen Keller hinein. Da hör ich auf einmal etwas ich geh näher, ein Licht, Jemand weint. Die Bronwa steht da. eine brennende Kerzen auf der Erd und der Kellerbursch liegt vor ihr wie vor einem Götzenbild, ringt die Hände, saßt sie um die Füß und ist wie wie ich es einmal war. Bronwa, sagte er zu ihr, Bronwa, hast Du denn kein Erbarmen mit mir, hast Du denn kein Herz, daß Du mich willst umkommen lassen? In dem Augenblick ist eine solche Wuth in mir aufgestiegen, daß mir ganz roth worden ist vor den Augen und ich nach Luft geschnappt hab. Ich hab gar nichts mehr gehört, was er ihr gesagt hat, ich hab nichts mehr gesehen, ich bin dagestanden wie von Stein, und nur das Herz hat mir so heftig geschlagen, daß ich geglaubt hab, es wird ihr an's Gehör kommen. Wie lang der Anfall gedauert hat, kann ich nicht sagen, was geschehen ist, weiß ich auch nicht mehr. Nur so! kommt es mir vor, als wär der Bursch hinaufgegangen etwas holen. Auf einmal tret ich vor. Und was jetzt gekommen ist. das weiß ich wieder ganz genau. Wie sie mich gesehen hat, und vielleicht mein Aug und meine Händ, ist sie auf die Kniee gefallen und kat die Händ gerungen wie ein armer Sünder vor dem Galgen Vrorkwa, Dein letzte Stund ist gekommen. Du mußt sterben. Sie ist schnell aufgestanden, ist mir .um den Hals gefallen und hat mir in's Ohr gewispert und hat mich an sich gedrückt und mich geküßt. Du wirst jetzt sterden. Sie hat mich nicht ausgelassen und hat mich immer zärtlich angesehen mit ihren Augen und mich an alles erinnert. An unsere erste Begegnung,, an unser erstes Jahr, an alle Lieb, die ich ihr erwiesen hab, und vonX Glück hat sie gewispert und daß ich ihre einzige wahre Lieb bin. Ich hab zugehört, Wie halb im Traum und. halb wach. Ich Ijab aber gut Acht gegeben, daß sie sich nicht um mich herumwindet und, den
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Weg hinaus gcwinnt, ich hab sie festgehalten, gerad so zärtlich wie sie mich und hab ihr alles zurück in's Ohr gesagt. Und hab ihr daZ Register ihrer Schand vorgehalten und hab ihr ganz leis und heimlich alles gesagt, wie sie alle unglücklich macht, die sich ihr nähern, wie viele si: aus der Seel hat, die unglücklich sind und nie. mehr da Leben froh genießen werden, und hab ihr es zehn Mal gesagt: Du musjt. sterben, jetzt, gleich, nie rnchr wirst 2u die Welt sehen, nie mehr! Aus. aus Vronwa, aus ist's, schöne Vronwa, auö ist's! Da hat sie zu schreim angefangenund ich hab sie am Hals gefaßt. (Ti? Augen werden ihm naß, die Stimme versagt ihm, er zieh! sein Taschentuch.) Sie hat nicht lang geschrieen. Ich hab sie fest gehalten am Hals so (er hält das Taschentuch fest umklammert vor sich hin) so sie hat geröchelt sie hat sich gewunden sie hat mich um's Gelenk gefaßt und hat mit .ihrer Katzenkraft gerungen gerungen ich hab mit der andern Hand zugegriffen, sie ist zur Erd gesunken gesunken (Er schluchzt und spricht gröhlend wei ter) und ist immer schwächer worden. Da ist der Kellerbursch gekommen und hat sich an mich gehängt und hat mich gewürgt aber sie war schon todt sie war todt, die Bronwa die schöne Bronwa. Morbes weinte bitterlich. ' Die Geschworenen sprachen den An-, geklagten frei. Er zog bald darauf fort. ' wie es hieß: über's Meer, und ist seither verschollen. Viele Einwanderer ändern bald nach ihrer Ankunft in diesem Lande ihre Namen, weil letztere häufig verstümmelt und selten richtig geschrieben werden. Weit über 1000 Erdbeben kommen jährlich in Japan vor, viele davon sind aber nur schwer zu bemerken, oder nur durch Jnstrumente nachzuweisen. Die kostbarste Spielkarte, eine Eareau-Neun, wurde im vorigen Jahre in London bei einer Auktion mit 2000 erstanden. Der abnorme Preis wird freilich dadurch gerechtfertigt, daß sich auf der Ruckfeite des Blattes das von Hans Holdein dem Jüngeren meisterhaft gemalte Porträt der Herzogin von Norfolk befindet. nropäischeS eparteneÄ Wechsel, Creditbricfe, Postanvcisunge5 auf alle Städte Europas. chrsssschetnS von und nach Europa. Nn- und Verkauf auöZSuSZk scheu eldeö. No. 35 Süd Meridian Str. Uerchants National Bank. Verlangt Anzeigen rzcnd welcher tt werden in der jndiana Zrtlflae' mit 5c per Stile fflr lebe Jnsntto Uxtütntt. (3ZUtttnttudt t ellner sucht ftüdtqe te, ; W iqeut feine rdett. Joe. 9L, 438 ord JUw not etrafcc. nlaugt-i Mädchen fflr eine kleine Familie, "f Suter Lohn, ein Waschen. Nach,usragen N. ins Skord lawar tr. erlangt. Sin autel Mädchen. uuaesährlJdre. "f m Unhelle einem Vady uZinwe. Nachzufragen 182, Oft Fahrweg, OsOhruff Platz.
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