Indiana Tribüne, Volume 29, Number 91, Indianapolis, Marion County, 8 December 1905 — Page 3

Jndkana Tibüne, S. Dezember gS.

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Nnssischc Soldaten locigern sich aus das Volk zu

schießen.

Bebel im Reichstag. Der preußische

der Hottentotten. Die Eqmtavle und Mutual fügen sich. , . .

Rußland. M eu terer bewaffnen sich. St. Petersburg, ?. Dez., (via Eydtkuhnen). Meuterer ergriffen Besitz von dem Arsenal in Ekaterinodaw und sicherten sich 16.000 Flinten, die in Ekaterinodaw und NoworosinZk zur Vertheilung gelangten. In Elisabethpol brach eine Revolte aus. In NoworosinZk sind die meuterischen Truppen Herren der Situation. Die Situation in .ttieff ift außeror. dentlich besorgniserregend. ElnMaffacre fand statt, wobei 1500 Personen um kamen. Russische Soldaten DaU ten zum Volk. St. Petersburg. 6. Dezbr., (Mittwoch Abend) via Eydtkuhnen, I V vvwm hvviivi VI vuviihviihii LQw C cv rrc . t . Ostpreußen. I Charkoff weigerten I V Ä Ä M i I . ftch 5000 Soldaten aus die Bevölkerung zu schießen. Ueber Livonien wurde der Belage rungSzustand verhängt,' hauptsächlich weil agrarische Unruhen auSbrachen. Bauernbanden plündem die Ort schaften. Dorpot soll einem Gerüchte zufolge in Flammen stehen. Ein gegen politische Streiks und Er schütterung der Disciplin in der Armee und Marine gerichtetes Gesetz ist in Vorbereitung und soll bald in Krast treten. Das neue Wahlgesetz wird nicht vor nächster Woche fertig gestellt sein. Premier Witte'S Antwort an die ZemftwoistS wird nicht vor Morgen veröffentlicht werden. Die Ruß" verlangt, daß der Oberst des SemionowSky'RegimentS vor ein Kriegsgericht gestellt werde und seine Stelle niederlegen soll. Dieser Oberst hat Professor NicholSky. den bekannten Reaktionär, den die Studenten geboy cottet haben, kommen und von ihm eine Ansprache halten lassen, in der die Soldaten gelobt wurden, weil sie auf das Volk feuerten. Sacharow's Ende. St. Petersburg. 6. Dez. (Ueber Eydtkuhnen.) Von General Leutnant Sacharow, dem früheren Kriegsminister, der am 5. Dezember zu Saratow im Paläste des Gouverneurs erschossen wurde, werden die schrecklich' sten Dinge berichtet, die er bei Unter, drückung der Bauernkrawalle beging. Er ließ die Bauern von Kosaken zu sammentreiben und mit Knuten bear betten. Die Persönlichkeit der Mörderin ist noch nicht festgestellt. Sie sagt nur, sie habe einen Besehl der Terroristen ausgeführt. Bestätigung eingetroffen. St. Petersburg, 7. Dez. (Ueber Eydtkuhnen.) Di? Nachricht von dc: Ermordung des Generalleut nants Scharon?, des früheren Kriegs Ministers, der abgesandt wurde, die Unruhen in der Provinz Saratow zu unterdrücken, hat sich bestätigt. Auch die Lehrbuben' streiken. Warschau. 8. Dez.. Die Lehr. linge sämmtlicher Gewerbe organifirten sich und drohen an den Streik zu gehen, falls sienJcht besser behandelt würden und bessere Bezahlung erhielten. Agrarische Unruhen brachen in eini gen Theilen Polens aus. Im Gouvernement Lublin forderten Bauern die Grundbesitzer auf, ihre Güter sofort zu verlassen, da die Lün dereien Eigenthum des Volkes seien. Truppen rebellisch. Lodz, 7. Dez. Die revolutionäre Währung verbreitet sich mehr und mehr unter den Truppen. In den Kasernen werden täglich' Versammlungen, abge halten. . Die allgemeine Sachlage und Ansturm auf die Banken. St. Petersburg. 7. Dez. (Nachts, über Eydtkuhnen.) Circulare, welche die Streiker und die revolutio nären Organisationen verbreiteten, be wirkten, daß ein Sturm auf die Ban ken von Leuten erfolgte, die Einladun

Landtag. Ueber die Unterwerfung

gen machten und diese wieder zu haben wünschten. Von der Staatsbank wurden unge fähr L50.000 weggezogen, wie das Finanzministerium bekannt giebt. Im Finanzministerium wurde der Associirten Presse von autorisirter Seite mitgetheilt, daß die Laae der Regierung fich weder in finanzieller oder ökonomischer Hinsicht änderte. Alles hängt von der weiteren polk tischen Entwicklung ab. Die Regie rung versteht, daß man Angriffe auf ihren Credit mache. ES sei soviel Geld in der Bank vorhanden, um alle Fo derungen zu begleichen, die man even tuell an sie stellen würde. Alle Versuche der Regierung, wieder die telegraphische Verbindung auf den Provinzen aufnehmen zu können, sczlu gen fehl. In Krasan. MittelRußland, ent stand Uneinigkeit unter den Telegra phiften, die die Arbeit wieder auf nahmen. In den Poftbureaux herrscht Ar beltermangel. Die Fürstinnen ObolenSky und Kossubey. die Gräfin nen Morwinoff und Ozeroff sortiren Briefe in den Posträumen. Brieftrüger können ihren Pflichten nur unter Eskorte von 2 Soldaten oder 2 Polizi sten nachgehen. In Moskau befinden sich Wagen ladungen von Briefen, die nicht zur Vertheilung gelangen können. Einer Abtheilung Soldaten, die während des MittagSessenS ihre Gewehre vor der Wache stehen ließ, wurden von den Streikern die Gewehre gestohlen. Banken wollen schließen. Warschau. 7. Dez. Die Di. rektoren der verschiedenen Bänke in St. Petersburg haben dem Finanz minister Schipow mitgetheilt, daß sie genöthigt sein würden, die Banken ztt schließen, wenn der Streik der Telegra phiften und Postbeamten nicht bald seinem Ende entgegenginge. Sympathiestreik.. B ielo stock. 7. Dez. Die Ange stellten der Bieloftock und Kieff Bahn haben den SympathleStreik be sHlossen. Oefterreich'Ungarn. RussischesElend. Wien, 7. Dezbr. Depeschen von Lemberg melden, daß daselbst täglich russische Flüchtlinge ankommen. ' Sie melden schreckliche Erlebnisse in Ruß land. Viele haben Alles zurückgelassen und nur das nackte Leben gerettet. Züge von Odessa und Kiew kommen nun zu Podwoloczka zur richtigen Zeit an. In und um Odessa find starke Truppenmassen angesammelt. Ueber Bukarest wird berichtet, daß eS den Bewohnern - von Moskau und Nikolajeff an Wasser, Brot, Licht und Fleisch mangelt. Fast alle Fabriken und jüdischen Häuser in Roysff sind zerstört. Bei dem jüngsten Zusammenstoße von Studenten und Truppen zu Odessa wurden viele Studenten getödtet. Indien. Gen. Mac Arthur. Rawal Pinda, Punschab, 7. Dez. Der amerikanische General Mac Arthur ift der Gaft deö Oberbefehls haberS Lord Kitchener bei den Manö vern, welche zu Ehren des Prinzen von Wales abgehalten werden. Deutschland. ' Reichstag. Berlin, 7. Dez. Der Sozial! ftenführer Bebel griff heute im Reichs tage die auswärtige Politik der Regie rung an. Er sagte, der Kaiser habe nach Enthüllung des Moltke-DenkmalS in einer Rede den Ernst der Lage be tont und der Reichskanzler habe von einer tlefeingewurzelten Feindschaft der Engländer gegen die Deutschen ge sprachen. Bebel erklärte, diese Behauptung werde jenseits des Kanales auf Wider spruch stoßen, hier herrsche keine Feind schaft gegen Großbritannien. Der Reichskanzler habe im April er

klärt, eS feien keine Anzeichen Vorhan

den, daß eine Macht die Rechte Deutsch. landS zu verletzen beabsichtige, aber als der Kaiser von Marokko gelandet sei, habe sich die ganze Lage mit einem Schlage geändert. Der Besuch des Kaisers sei eine Provokation gewesen, die darauf berechnet gewesen sei, das tiefste Mißtrauen der anderen Mächte zu erregen. Weiler sagte Bebel: Ich lehne eS entschieden ab mit der Redensart abgespeist zu werden, daß solche Sachen im Reichstag nicht erör tert werden sollen, weil sie die Wohl fahrt des deutschen Volkes berühren und weil es Krieg bedeuten könnte. Letztere Bemerkung wurde von den Mitgliedern der konservativen Partei mit verächtlichem Lachen beantwortet. Flottensekretär. Admiral v. Tirpitz, brachte das Flottenbudget ein und er klärte dabei, die neuen, sechs Kreuzer seien in erster Linie für den Dienst in ausländischen Gewässern bestimmt, um den AuSlandZhandel Deutschlands zu schützen und den Deutschen im Aus lande ein größeres Gefühl der Sicher heit zu geben. Bebel nimmt die Reake. rung vor. Berlin. 7. Dez. Der sozial!. ftische Abgeordnete Bebel zog in der heutigen ReichStagSfitzung die Regie rung fürchterlich durch die Hechel. Er erklärte, daß die Zustünde in Deutsch land wenig hinter denen in Rußland zurückständen. Er machte sich besonders über die Depesche des. Kaisers an den Zaren: Der Admiral des Atlantischen OeeanS grüßt den Admiral des Stillen Oceans" luftig, indem er bemerkte, daß der Lektere inwifcben merkwürd! stille- geworden sei. Der Reichstag solle sich endlich er nüchtern, und Deutschland solle seinen Traum, aus ttioutschau ein Deutsches Port Arthur zu machen, endgültig fal len lassen. Bedingungen für Unter werfung der Hotten t o t t e n. Berlin, 7. Dez. Der neue Gouverneur vonDeutsch.Südweftafrika, Herr von Lindequisi, meldet heute die Bedingungen, welche er für die Unter werfung der Hottentotten gestellt hat. Gegen Zusicherung des Lebens liefern sie Munition, Gewehre und Pferde ab. Vieh wird ihnen belassen, soweit es für den Unterhalt erforderlich ift. Nur die überführten Meuchelmörder sind von allen Gnadenakten ausgeschlossen. Die Hottentotten werden noch Gibeon in eine Reservation gebracht werden. In der Kolonie selbst sind sie Wirth schaftlich ohne Nutzen, da sie weder als Viehzüchter noch als Arbeiter etwas taugen. In den Blättern wird die Klugheit und Humanität der vom Gouverneur gestellten Bedingungen anerkannt. Preußischer Landtag. Berlin, 7. Dez. Die Eröff. nung deö preußischen Landtages vollzog sich ohne das erwartete seierliche Se. präge. Statt des Kaisers, welcher laut ur sprünglicher Ankündigung in Person den Akt der Eröffnung hatte vornehmen sollen, verlas der Reichskanzler Fürst v. Bülow im Kgl. Schloß die Thron rede, welche, mit Ausnahme einer ein zigen Stelle, eine nüchterne, geschäfts müßige Aufzählung des ArbeltSpro grammS enthält. , Diese Ausnahme bildet der Abschnitt über die Polenpolitlk. Die Regierung spricht sich nicht nur energisch gegen die immer häufiger vorkommenden Ver küufe deutscher Güter anPolen in den Ostmarken auS, fondern verheißt auch. daß sie alle geeigneten Mittel ergreifen werde, um den erneuten Ansturm des PolenthumS nachdrücklich abzuwehren und das Werk der Germanifirung ziel bewußt fortzuführen. ES war dies auch die einzige Stelle, welche den Ver sammelten Bravorufe entlockte. Von der Presse wird die Thronrede ebenso kühl aufgenommen, wie eS fei tens der Mitglieder beir:r Häuser deS Landtags im Schlosse geschah. Und nur die auf die Oftmarken .bezügliche Stelle findet Beifall. - Die Blätter der Linken verurtheile auf daS Schärfste das Volksschulaesetz. weil eS völlige konfessionelle Trennung einführe, und bezeichnen eS als einen schwachen Abklatsch der Zedlitz.Vor läge, welche bekanntlich zu Anfang der 90er Jahre an dem geharnischten Wi verstand sämmtlicher liberalen Parteien scheiterte. Die Lehrergehälter erfahren eine Aufbesserung durch eine ent sprechende Mehrsorderung im Etat.

Equitable" u, Mutual fügen sich deutschem Gesetz. Berlin, 7. Dez. Die Verband lungen des AuffichtSamtS für Privat Versicherung mit der New Yorker Equi adle Life Assurance Society" und der New Yorker Mutual Life Insurance Co." über Deponirung erhöhter Re servefonds, wie eS das Gesetz vom Mai deS Jahres 1901 erheischt, sind dem Abschluß nahe. Die wurden beschleu nigt durch die Drohung der Regierung, daß sie ein Verfahren wider die Gesell schasten eröffnen werde, wenn sie sich fernerhin weigerten, den t gesetzlichen Verpflichtungen gegenüber 'den inlän dischen Versicherten nachzukommen. Postalisches in Rußland. Berlin, 7. Dez. Dem Tage blatt" wird gemeldet, daß das General Postamt in St. Petersburg den Betrieb wieder aufgenommen hat. Außer den 600 Angestellten, welche nicht an den Streik gingen, arbeiten im Departe ment 2000 Freiwillige. Die Wahlrechts Aus schreitungen in Sachsen. Dresden, 7. Dez. Die sozia tiftischen Demonstrationen in Sachsen gegen das herrschende Dreiklassen.Wahl

recht werden als höchö ernste Kund gedungen angesehen, und die Lage gilt als bedenklich. Nachträglich wird be kannt, daß am Sonntag im Königl. Schloß zu Dresden Fenster eingeworfen wurden. Die Polizisten, welche von ihren Waffen Gebrauch machten, um die Menge zu zerftrenen, wurden als Kossacken verhöhnt und beschimpft. Die sozialistische Presse hetzt weiter in der Hoffnung, das Proletariat an die Zusammenstöße mit der Polizei zu gewöhnen. Eine Wiederholung der Demonftra tionen ist für die kommenden Sonntage geplant, und in konservativen Kreisen werden deshalb große Befürchtungen gehegt. Verlnges Jnteretfe am britischen CabinetS Wechsel. Berlin, 7. Dez. Der britische CabinetSwechsel, die Berufung deS li beralen Führers Sir Henry Campbell Bannerman an die Spitze der Regie rung, erregt hier geringes Interesse. Im Allgemeinen erwarten die Blätter einen milderen Ton in der Behandlung internationaler Verhältnisse, aber keine durchgreifende Aenderung. Der Haptgegner Deutschlands bleibt, wie in der Presse einmüihig betont wird, König Edward. Eine lange Regierung wird den Liberalen nicht prophezeit. Stadt Hamburg und der Hafen in dichtem Nebel. Hamburg. 7. Dez. Hier herrscht seit vier Tagen der dickste Ne bel, welcher je erlebt werden ift. Der Schulunterricht hat völlig aufgehört und der Verkehr hat die. empfindlichste Einbuße erlitten. Im Hafen find viele SchissS'Zusammenftöße vorgekommen. doch ift über den Umfang deS Echadtns nichts Genaues bekannt, auch weiß man nicht, ob Verluste an Menschenleben zu beklagen find. Großbritannien. KriegSnach wehen. London, 7. Dez. Von Saigon wird gemeldet, daß der von der rusfi schen Regierung gemiethete englische Dampfer Carlisle im Hafen von Saigon in die Luft gepflogen sei. Das Boot sollte für die Russen Munition und Waffen von Vladivoftock nach Port Arthur bringen. Die Ladung war aus S4,500,000 bewerthet. Verlassen das sinkende Schiff. London, 8. Dez. AuS St. Petersburg wird gemeldet, daß die her vorragendften Militärs ihre Abschiedsgesuche eingereicht haben. Der Kriegs minister Gen. Rodiger und der Mini fter des Innern haben damit den An fang gemacht. Bulgarien. Aus dem Balkan. L o n d o n. 3. Dez. Der bekannte bulgarische Häuptling Tschernoewoff und sieben Mitglieder seiner Bande wurden von feindlichen Bulgaren in dem See Dviran, in Makedonien er tränkt. Frankreich. Buffalo Bill's Pferde. M a r f a i l l e S. 7. Dezbr. Die sämmtlichen zu Buffalo Bill'S Schau ftellungs gehörenden Pferde wurden von der Rotzkrankhelt ergriffen und mußten getödtet werden.

' Kostbare Andenken. Juwelen dcS Königs Ludwigs ll. von Bah in unter dem Hammer. Schinuckstücke, die einst dem König Ludwig II. von Bayern gehörten, ka'men jüngst in London öffentlich zur Versteigerung und fanden weniger Nachfrage, als man in Sammlerkreisen erwartet hatte, so daß denn auch das erzielte Resultat hinter dem erhofften . erheblich zurückblieb. Die -höchste Summe, $1000, erreichte ein: Schmuckgarnitur, bestehend aus einem Halsbande, einem .Armbande und einer Brosche von gleicher Zeichnung und aus Saphiren und Brillanten gebildet. An die Freundschaft, die den unglücklichen' König mit Richard Wagner verband, erinnerte ein höchst merkwürdiges, aus Gold getriebenes Armband, zu dem der König selbst den Entwurf gemacht haben soll. Es zeigte vorn in Emailmalerei eine Miniaturkopie von Guido Renis, im Palazzo 'Rospigliosi in Rom hängendem Gemälde der Aurora," umgeben von großen Diamanten und Saphiren. Vier kleinere Emailbilder stellten Szenen aus Wagner'schen Werken dar, so Vrunhildes Erwachen, Elisabeths Gebet, Siegfrieds Ankunft am Rhein und Lohengrins Abschied. Trotz des lebhaften Interesses, das die Originalität dieses sehr schön gearbeiteten Stückes hervorrief, war das höchste Angebot, das es fand, nur $490. Für eine Tiara, deren einzelne Zacken rothe, mit Brillanten verzierte Rosen darstellten, wurden nur $725 geboten und ein aoldenes lateinisches Kreuz, das die Emailbildnisse Christi, der Madonna und des heiligen Johannes trug und

gleichfalls mit Edelsteinen reich bedeckt war, ging schließlich sogar für den Spottpreis von $350 weg. Die werthvollen Andenken sollen aus dem Besitze eines bekannten deutschen WagnerSängers oder vielleicht auch einer Sängerin stammen. Mangrove-Wäldcr. Baum-Amphiöien könnte man jene Mangroveu" nennen, die an den tropischen Küsten mächtige Gürtel bilden, die sich nicht etwa auf das feste Land beschränken, sondern noch weit in das seichte Gewässer vordringen, wo . sie, von zahlreichen Stelzwurzeln getragen. Stamm und Gipfel über den Spiegel erheben und schließlich einen dichten, völlig undurchdringlichen Wald bilden Nach einer Schilderung des Reisen den Dr. Schnee, der die MangroveWälder auf seinen Reisen in NeuPommern" bei Friedrich Wilhelmshaven im Bismarck-Archipel eingehend siudirt hat, sind diese Wälder von nichi geringer Bedeutung für das Land und für sich; indem ihre Bäume in daL flache Wasser vordringen, festigen sie mit ihrem mächtig entwickelten Wurzelwerk den Boden, geben angetriebenen Korallentrllmmern oder SchlammMassen einen festen Halt, kurz, sie drängen das Meer zurück und setzen an seine Stelle Land. So stellt die Mangrove ein würdiges Gegenstück zu dem viel bekannteren der landbauenden Korallen dar und muß als einer der bemerkenswertesten geologischen Faktoren der Tropen geschätzt werden. Die Mangrove-Waldungen stehen übrigens in keinem guten Ruf, weil sie Brütstätten der die Malaria verbreitenden' Moskitos bilden und eine Anzahl meist unangenehmer Thiere, wie das Kroko dil und zahlreiche bissige Ameisen, dort zu Hause sind. Mangel an Waisenkindern. Seit einiger Zeit, so schreibt ein Pariser Berichterstatter, suchen die Be Horden eines der 20 Stadtbezirke, in die Paris mit seinen 2.750.000 Einwohnern für die Verwaltung getheilt ist, vergeblich sechs zehnjährige, in die-' sem Bezirk geborene Waisenmädchen zusammenzubekommen, um ihnen in Erfüllung eines Vermächtnisses Unterkunft und Erziehung zu Theil werden zu lassen. Eine vor mehrern Monaten in Orsay, in der Nähe von Paris verstorbcne, als reich und wohlthätig bekannte Dame, die früher lange im 8. Stadtbezirk gewohnt hatte, hat nämlich ihrLandhaus und ihr Vermögen zur Bildung eines Asyls bestimmt, worin mindestens sechs und höchstens zehn elternlose Mädchen, die in dem genannten Bezirk das Licht der Welt erblickt haben, nach zurückgelegtem zehnten Lebensjahr in der Anfertigung von Wäsche und Weißwaaren ausgebildet werden sollen. Außerdem soll jedes Mädchen bei seinem Eintritt in einen Lebensberuf eine Aussteuer erhalten. Nun hat sich aber-eine Schwierigkeit herausgestellt, an der das Inkrafttreten des so wohl gemeinten Vermächtnisses eventuell scheitern kann. Der 8. Stadtbezirk ist nämlich das vornehme und reiche Viertel der Champs-Elysees, in dem sich bisher trotz aller Vemühungen nur vier statt der verlangten sechs Waisen haben auffinden lassen. Der Hirsch mit dem Hute. Bei einer Treibjagd unweit Eupen, Rheinprovinz, griff ein starker Hirsch einen Förster und zwei Treiber an. Das Thier versetzte dem Forster einen schweren Stoß an den Kopf, die Treiber wurden leichter verwundet. Der Hirsch hatte bei dem Angriff en Hut des Försters mit dem Geweih durchbohrt und aufgespießt und wurde mit der eigenthümlichen Kopfbedeckung im weiteren Verlaufe der Jagd noch wiederholt gesehen, aber nicht erlegt.

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