Indiana Tribüne, Volume 29, Number 90, Indianapolis, Marion County, 7 December 1905 — Page 3
r
Indianer Tibüne, 7. Dezember 1905 3 .
i
i '
$$S$
Vorsicht und Einsicht. MG. Je mehr ir über unsere Leidenwissen desto leichter und rascher können ir Heilung sin den. Schmer ,en der Glke dcrundMus tela sind TRACt mW WHeumatisch. Der Verufder alte Mönch Kur St. Jakobs ttclZ r 5s ift ,u kuriren und die Welt weiß daß c ti thut sicher und rasch. preis 25 und 50c. . DTDDTTi No. 9 Vft Washington Str. S Hlll Offl: 8333 . ente Bc Altes Telephon Main 2525. IM. FredricEc Der Kohlenmann, Verkauft die beste Kohlen aller Sorten im Markte. Office u. YardS 800-90 Bescher Str. Tel. neu, 9394; alt, Mai 113 ..Halb Raten... Plus 81. nach (hicago und zurülk.... via Big Zour Route in Anbetracht der sechsten Internationalen Meh-Ausstelluttg. Fahrkarten ach Chicago und zurück werden der taust am löten. i7ten. isken und löten ezemder 1905 von alte in ffour Stationen zu der Rate von ewtm Fayrprei, plus ;i.oo. rar d e Rundfahrt. Fahrkarten siod aültta für dte Retonrfahrt von Edazo an dem Datum der Ausstellung des Kom mifiarä der Eentral Paffagier AksoctaNoa. für welches eine Epele von 25c berechnet wird, aber in keinem Fall spater als bt Mitternacht am 23. Tez. 1905. Kür völliae Information und Eelnheiteu wie Raten, Fahrkarten. Bejchrankuni etc ivrechemaa.bei den Agenten der Big Kour Route vor oder schreibe.an Warren I. Lynch, en Paff, und Ticket-Agt inctnnati, Ohto. Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! M Züge zwischen Indianapolis und I Cincinnati. 19 2a8c bischen Indianapolis und XL Dayton. 6 Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Detroit. 6 Züge zwischm Indianapolis und Decatur, Illinois. 4 Züge zwischen Indianapolis und Springsield, Illinois. Varlor Wagaonk an aSe Tagel und Schlaf aggonl an allen Nacht-Zügen. Indianapolis Office': Union Bahnhof und 8 Nord Illinois St. R. P. Algeo, D. P. A. IAKE ERIE & VESTERII R. R ...Fahrzeit der Züge... Abfahrt nku loledo. hteao und ichigan f xplt 7.1 nojl XoUto. Detroit d hicag Lim U.tO f IM rttchig Uh. Stattete tt.2aJat)ttttCdLt 740 flO.II tflgllch Sonntag!. t anlgcaomacn
carfryTVT üvvT7vr7rr7Vir5
Ausrsahl von f?y .MsteimJL '.MUM.. Augi Diener
Mj Nfilp
inanznoth
Des deutschen Reiches vom Kanzler im Reichstage dargelegt.
Pros. Lamprcchl über die Deutschen in Amerika. Erdjtterte Strcikkämpfe in Rußland. Ungarn ein schwieriges Feld für. Parlamentarier. Alte Wünsche der deutschen Sicichslaude.
Deutschland. Reichsfinanzen. Berlin, 6. Dez. Reichskanzler von Bülow eröffnete heute die Debatte im Reichstage über die neuen Regie. rungSmaßregeln, welche den Zweck habn neue Stenerquellen zu erschließen um den höhten Anforderungen des Reiches gerecht zu werden. Die ReichZfinanzen, sagte er, böten ein verwickeltes Bild im Verhältniß zu denen Frankreichs und Englands, Deutschland habe von der Hand zum Munde gelebt. Bis 1875 sei das Reich frei öon Schulden gewesen, nun habe eS $875,. 000,000 Schulden zu deren Verzinsung rund $25,000,000 nothwendig seien. Die Schulden des Reiches und der verbündeten Staaten zusammen seien $3,750,000,000 oder mehr wie $62 auf den Kops. Oesterreich habe 2 Billionen Schul den, Ungarn über 2, Italien $2.500.. 000,000, Frankreich $6.000.000,000 und Großbritannien $4,000.000,000. Wahrend Deutschland seine Schul' denlast erhöht habe, haben die Ver Staaten die ihre von $3.480.000,000 auf einen Bruchtheil herabgesetzt. Fast alle Großmächte hätten bestimmte Pläne zur Verminderung ihrer Schulden. Trotz größter Sparsamkeit sei die Schuld Deutschlands rasch gewachsen. Die Ausgaben für Heer und Flotte hätten sich in 10 Jahren verdoppelt aber die für Erziehungswesen ebenfalls. Seit 1899 hätten sich Großbritanniens Ausgaben für Heer und Flotte der dreifacht. Während der Debatte ersuchte der Abgeordnete Tritzen von der Zentrums Partei um Auskunft über die Be Ziehungen des deutschen Reiches zu anderen Nationen. Der Reichskanzler erwiderte, man müsse mit einer tiefeingewurzelten eng lischen Antipathie gegen Deutschland rechnen, doch seien in letzter Zeit er freuliche Zeichen einer Besserung zu bemerken. Letztere Erklärung wurde mit Beifall aufgenommen, ebenso die vorhergehende Fritzen'S, daß keine politische Streit punkte zwischm betten Ländern vorhan den seien. Die Beziehungen zu Japan seien gut und eS sei nicht anzunthmen, daß das selbe Handelsrechte Deutschlands im Osten mißachten werde. Rußland gegenüber sei eS stets die Politik Deutschlands gewesen sich nicht in dessen innere Politik einzumischen. Deutschland habe sich auf die besten Wünsche für eine gesunde und friedliche Entwicklung Rußlands beschränkt und sei selbst an einer solchen in hohem Maße interesstrt. Vertagung deS Koburger Prozesses. Jena, 6. Dez. Das hiesige Ober. landeSgericht hat das Landgericht zu Gotha in dem ChescheidungSprozeß deS Prinzen Philipp von Koburg und seiler Gemahlin, der Prinzessin Luise, für kompetent erklärt. Letztere appellirt aber nunmehr an daS, Reichsgericht, und deshalb haben beide' Parteien einer Vertagung deS Termins auf den 15. Januar zugestimmt. SSleüte Nachrichten aus R u ß l a nd. Berlin,?. Dez. Dem Tage blatt wird 'über Eydtkuhnen ge meldet : Die Lage verschlimmert sich sichtlich. Es naht der kritische Moment, da die liberalen Elemente den Rücktritt Witte'S verlangen werden. NeuesteSüber Amerika. Berlin, 6. Dez. In einer Ar tikelserie in der Kölnischen Zeitung giebt der Historiker Prof. Karl Lamprecht an der Universität Leipzig seine Beobachtungen mährend seiner vorjährigen AmerikaReise wieder. In dem jetzt erschienen dritten Arti kel beschäftigt sich Professor Lamprecht
nun eingehender mit dem deutschen Element in den Vereinigten Staaten. Er tönst den Deutschen in Amerika vor. sie versagten als Deutsche. Sie seien nicht einmal der bekannte Volksoünger, als welcher sich der Deutsche anderswo bewährt habe, und ständen geistig kei neSwegS hoch An Energie des Den kenS würden sie ganz gewiß von den Engländern übertroffen, vermuthlich auch von den Slawen. Dazu geselle sich, wie Professor Lam precht fortfährt, ein trauriger Mangel an politischem Verständnisse. Man solle nicht davon reden, daß die Deutck Amerikaner durch die politische Miß
wirthschaft von der praktischen Betheili gung an der Politik abgehalten wür den. Hätten die Deutschen überhaupt Lust an der Politik, so würden sie den politischmoralischen Status der Ver einigten Staaten haben verbessern kön nen, aber sie seien zu politischer Bethei ligung einfach unfähig. Damit hätten sie das obere Niveau der moralischen Gemeinempsindungen verloren, das sie allein aus der Misere der Jsolirtheit emporheben und zu ernsten Wettbewer bern der amerikanischin Größe hätte machen können. Doch findet der Verfasser hierfür eine Entschuldigung. Er sagt, das Vater land habe den Deutschen nicht mitgege ben, was sie im Kampfe gegen das kel tisch-angelsächfische Element hätte ftür ken können. Die jammervolle Ge schichte der Deutschen vom 16 bis zum 19. Jahrhundert . auf sozialpolitischem Boden. Ja. man müsse bewundern, was sie, jeder . Vorerziehung für die neue Heimath war, dennoch jeder ein zeln für sich geleistet. Petroleumgesellschaft. Berlin. 6. Dez. ES' ift eine neue Petroleumesellschaft mit einem Kapitale von $1.325.000 gegründet worden, welche 10.000 Acres Oellän. dereien in Hannover und 6000 Acres in Galizien bearbeiten will. Unter den Aktieninhabern sind Graf ä. Voltke. Admiral Thomsen und Ge heimrath Stemaren. Blutiger Konflikt bei Wahlrechts. Kund. gedungen. Dresden, 6. Dez. Zu Plauen im sächsischen Vogtlande ift eS. wie schon vorher in Dresden und Chemnitz, gelegentlich einer sozialdemokratischen Kundgebung gegen daS herrschende Dreiklassenwahlrecht zu blutigem Konflikt gekommen. Nachdem die Demonstranten gegen die brutale Entrechtung b:S Volkes" durch das LandtagSwablrecht, sowie gegen die weitere Verschleppung einer Reform auch auf offener Straße in lärmender Weise vroteftirt hatten. wurden sie von der Polizei mit blanker Waffe zerstreut, ES wurden mehrere Personen verletzt und verschiedene Ver Haftungen vorgenommen. Zwe.iterTurbinenkreuzer in Bau gegeben. Berlin, 6. Dez. Das Reichsmarlneamt hat nunmehr einen zweiten Turbinenkreuzer bestellt als Ersatzbau für die Wacht-. Die Lübeck", der erste Turbinenkreuzer der deutschen Marine, hat sich bewährt, und voraus fichtlich werden binnen Kurzem noch mehr Neubauten kleineren Typs mit Turbinenanlagen angeordnet werden. Elsaß. Lothringen f 11 BundeSftaatwerden Straßbura. 6. Dez. Däs Journal de Colmar", das Organ des elsüsfischen Reichstags Abgeordneten Wetterle, theilt mit, der BundeSrath beabsichtige "die Einbringung einer neuen Verfassung für Clfaß'Lothrin gen, durch welche das Reichsland mit den BundeSftaaten völlig gleichgestellt würde. Diese Meldung deS elsüsfischen Blat teS wird hier offiziös dahin berichtigt, daß Reichskanzler Fürst v. Bülow le diglich. die darauf bezüglichen Förde rungen deS elsaß.lothringischen Lan deSausschusseö dem BundeSrath ohne Kommentar übermittelt habe.
Bekanntlich hat der Kanzler schon.
als in der vorigen ReichStagS'Sesfion die Resolution Spähn auf dem Tapet war, laut welcher ClsaßLothringen Bundesftaat werden und Sitz u. Stim me im BundeSrath erhalten sollte, eine sehr abkühlende Antwort gegeben, und anscheinend hat sich in der Zwischenzeit in seiner Stellung nichts geändert. Rußland. Erklärung derRegie rung. St. Petersburg. 5. Dez.. über Eydtkuhnen, 6. Dez. Eine osfi. zielle Note wurde heute veröffentlicht. die erklärt, die Regierung sei zwar fest entschlossen die Reformen durchzufüh ren, die durch das kaiserliche Manifest vom 30. Oct. versprochen wurden, aber es sei unmöglich plötzlich daS Volk an die veränderte Lage zu gewöhnen. Bis die neuen Gesetze, welche durch die Reformen nothwendig wurden, müßten die alten Gesetze durchgeführt werden. ausgenommen in Fällen, wo die alten Gesetze durch provisorische Beftimmun gen ersetzt seien. Mord. Warschau, 6. Dez. Viele klei nere Fabriken werden bankerott, da die Löhne, welche die Arbeiter erzwungen haben, zu hoch find. Die Post und Telegraphenbehörden schätzen, daß die .Regierung während deS gegenwärtigen Streiks täglich $80.. 000 verliert. Die Revolutionärin Olga Hankln, die sich mit einer Gefährtin nach Jva novo begab, um dort Reden zu halten. wurde bei ihrer Ankunft von Arbeitern überfallen. Beide Frauenzimmer wur den getödtet. Geringer Erfolg. St. Petersburg. 6. Dez. Die Regierung machte einen Versuch den Post und Telegraphendienft wie der aufzunehmen, doch war der Erfolg gering. ES wurden viele Depeschen entgegen genommen, aber wnige befördert. Für den Postdienst hatten sich viele Frei willige aus den höheren Ständen, so der berühmte Professor de MartenS gemeldet. Die Postwagen wurden von Kossacken begleitet. Politik F i n l a n d S.. Stockholm, Schweden, 6. Dez Ein Brief aus HelsingforS vom 4. Dez. meldet, daß in der ersten Sitzung des neuen Senates Vize-Präfident Michelin das Programm darlegte. Er sagte, der Senat werde sich zuerst bemühen Gesetz und Ordnung in Flnland her zustellen; sodann werde eine Bill für neue Organisation des Landtages ein gebracht werden, der auf allgemeinem Stimmrecht beruhen solle. Ferner würden Gesetze über Preß und Ver. sammlungSfreiheit, über Besserung der Lage der Arbeiter und Bauern einge bracht werden. Großbritannien. Irische Konvention. Dublin, 6. Dez. Die irische Nationalkonvention wurde heute Mor gen unter Vorsitz John Redmond'S er öffnet. Der Konvention wohnten viele Parlamentsmitglieder und Delegaten aus allen Theilen Irlands bei. Angeblich wird eine Resolution ein gebracht werden, welche eine frei ec wühlte gesetzgebende Versammlung und eine Regierung, die dieser verantwort lich ift. sür Irland verlangt Im Hin blick auf den Minifterwechsel in Lon don erklärt die Resolution, die irischen Patrioten könnten dauernd keine Re glerung unterstützen, die obengenennte Forderungen nicht' zu Hauptpunkten ihres Programmes mache. L o n d o n, 6. Dez König Edward ernanntem heute Sir Arthur Nicholson, den zurücktretenden Gesandten nach Madrid zum britischen Vertreter bei der Marokko-Konferenz, die zu AlgeciraS, Spanien, stattfinden soll. Canada. Dampfer gestrandet. S t. I o h n S. 6. Dez. Der von Swansea nach Tilt Code, N. F., fah rende schwedische Dampfer Lagom' würbe am Samstag an dieser Küste durch einen-heftigen Sturm auf ein Riff getrieben und ging innerhalb einer Viertelstunde in zwanzig Faden Wasser unter. Die Mannschaft wurde geret tet Die Lagom" wurde von dem Kapitän Frankmank befehligt und re giftrirte 1879 Tonnen. DaS Fahr zeug wurde im Jahre 1879 in West Hartlepool gebaut und hatte eine Länge von 253 Fuß. Vier Schooner wurden am Mittwoch seeeinwärtS getrieben, von denen bis jetzt noch keine Nachricht ein gelaufen ist.
Kirche und Staat In Frankreich getrennt.
Paris, 6. Dez. Nach langer Debatte wurde heute im Senat das Gesetz für Trennung der Kirche vom Staate mit 181 gegen 102 Stimmen angenommen. Das Gesetz wird morgen im offiziel len Journal veröffentlicht werden und damit sofort in Kraft treten. Kritik derneueftenMon roeDoktrin. Paris, 6. Dez. In hiesigen Zeitungen wird die Ausdehnung kri tisirt, welche Präsident Roofevelt in seiner letzten Botschaft der Monroe Doktrin giebt. Sie sei nun nicht mehr allein gegen amerikanischen Gebietes, sondern auch gegen Beschlagnahme von Zollhäusern, welches das einzige Mittel gegen schlechte Zahler unter den süd amerikanischen Republiken sei. Der TempS" sagt: Präsident Roo sevelt gab der Monroe-Doktrin vor 3 Jahren noch nicht diese Ausdehnung, als Deutschland, Großbritannien und Italien gegen Venezuela einschritten. warum hat er gerade den Augenblick gewählt, da Frankreich in die Lage kommen konnte zu einem solchen Mittel zu greifen. ' ' ' Spanien. Duell in Aussicht. Madrid, 6. Dez. Die Bemer kung deS gegenwärtigen KriegSmini fterS Gen.. Luque, er beabsichtige die Disziplin in der Armee wieder herzu stellen, ist von dem früheren KriegSmi nifter Gen. Weyler sehr Übel genommen worden und man glaubt, daß er die Sache nicht auf sich beruhen lassen wird. Oesterreich'Ungarn. Fejervary zwischen zwei Feuer. W i e n. 6. Dez. Der ungarische Mi nisterpräfident Baron Fejervary. wel cher zur Audienz beim KaiserKönig Franz Joseph erschienen war, ist nach Budapest zurückgereist, ohne daß sein Scharfmacher . Programm die aller. höchste" Billigung gefunden hat. Auf Wunsch des Monarchen wird Fejervary nochmals den Versuch machen, zu einer Verständigung mit der Koali tion zu gelangen, wie schwer ihm auch die Aussührunz eines derartigen Auf. träges ankommen mag.' Franz Joseph wollte von einer Auf lösung deS Parlaments vor dessen Zu sammentreten nichts wissen und lehnte alle darauf bezüglichen Vorschläge rundweg ab. ES ist aber sicher, daß. wenn der Reichstag sich versammelt, die Minister in Anklagezustand versetzt wer den. Somit steht daS' Kabinett Fejer. Vary unter allen Umständen unmittel bar vor der Krisis. Die hiesige Neue Freie Presse-be-hauptet heute Abend, daß die Koalition eine Wendung vorbereite und die Hand zu einem Einvernehmen reichen werde. wenn ihr Fejervary geopfert werde. Nach dem Dafürhalten deS Blattes hat die Koalition alle Ursache, den Bogen nicht noch straffer zu spannen und sich mit dem eventuellen Sturz deö von ihr bekämpften Ministeriums zu begnügen. ?kn diesem alle ailt Koloman v. Szell, der ehemalige Ministerpräsident, als der kommende Mann", wenn er sich auch schon wiederholt geweigert hat. in die Bresche zu springen. Setzerftreik. B u d a v e st. 6. Dez. Der Streik der Setzer in den Zeltungen, welche ge gen allgemeines Stimmrecht sind, dehnt sich aus. Heute erschienen 16 Tages zeitungen überhaupt nicht oder in sehr beschränkter Form. Man traute kaum seinen Augen, in einer neuerdings in Schanghai abgehaltenen Boykottversammlung - auch einer Reihe chinesischer Frauen zu b:gegnen, die ein .lebhaftes Interesse an den Verhandlungen an den Tag legten. schreibt der Ostasiatische Lloyd". Die alte Zeit hat aufgehört, wo jeder Chinese seine Frau verborgen httlt und sorgsam darüber wachte, daß sie nicht mit andern Männern in Beruhrung kam. Die chinesischen Frauen fangen an Englisch und Japanisch zu sprechen, Klavier zu spielen, europäi sche Theater zu besuchen und selbst an öffentlichen Volksrersammlungen theilzunehmen. Es regt und bewegt sich in China in allen Schichten. Man will etwas Neues sehen, lernen , und genießen. Eine junge Chinesin aus Hoo Chow, Sing Wong Tsing Ling. ist vor Kurzem ifdch Japan gegangen, um Jus zu studirn und dann in Japan als Anwalt zu praktiziren, und Melissa Kim, eine gebürtige Koreanerin. studiert an der Universität von Z San Francisco Medizin.
Der Typhuserregcr.
flene NntrrluÄnngen über den Typl,uS ud deren berraschcuöe cultate. Ter deutsche Forschcr Dr. v. Drygalski ist bei seinen Untersuchungen ' über den Typhus zu teilweise ganz neuen Ergebnissen über die LebensBedingungen des Typhuserreger gelangt. Hiernach gestaltet sich die Verbreitung des Krankheitserregers wie folgt: Gelangt der Typhusbazillus in den menschlichen Körper, was ausschließlich durch den Mund geschieht, so ruft er nicht etwa eine lokale Darminfektion hervor, sondern es wird, wie durch bakteriologische - Untersuchungen an frischen Leichen festgestellt worden . ist, der Typhuskranke meist von dem lebenden Typhusgift, den Typhusbalterien vollkommen durchwachsen. Kaum ein Organ bleibt frei. Kein Wunder daher, daß in den verschiedenen Ab- und Ausscheidungen des Menschen Typhusbazillen enthalten sind. Zuweilen wurden sie im Speichel, in Abzessen. ständig in, der Galle eines wegen Gallenstein Operirten im Harn und unangenehm oft und reichlich in den Stuhlgängen nachgewiesen. In diesen Ausscheidungen treten sie oftmals schon in den allerersten Krankheitstagen auf, besonders reichlich und häufig aber in den Perioden der Genesung. Daraus erhellt unmittelbar, daß ein eben Angesteckter, bei dem die Krankheitszeichen kaum noch sich zeigen, und andererseits der Nekonvaleszent. bei welchem sie schwinden, seh? ansteckend sein können, und da sie, äußerlich nicht mehr besonders verdächtig. mit ihrer Umgebung in nahe Berührung kommen, in Bezug auf Ansteckung eine hohe Gefahr bilden. Vor allem aber hat Drygalski'außerdem sehr häufig und reichlich vorkommende Typhuskeime in dem äußerlich schon vollkommen normalen Stuhlgange der Genesenden beobachtet und gefunden, daß dieser Zustand monate-. selbst jahrelang anhalten kann. Bis zu iz Jahren nach erfolgter Erkrankung beobachtete er. einen Fall, in dem die Darmentleerungen überhaupt keine anderen Keime als massenhafte Typhusbazillen enthielten. Es kann sogar vorkommen, daß ein Jnfizirter nicht äußerlich erkrankt. Man kann bei Leichtererkrankten und selbst bei Gesunden die Typhuserreger finden. Dieses latente Vorkommen giftiger Typhuskeime in gesunden oder längst gesundeten Menschen hat endlich eine Erklärung für die Existenz sogenannter Typhushäuser gegeben, von denen man seit langem wußte, ohne sich einen Begriff davon machen zu können, woher in solchen Häusern der Typhus immer wieder vorkam. Vorzüge der Vierkrüge. Warum Bier nicht aus Gläsern getrunken werden soll" ist der Titel einer Studie von Dr. W. Schultze. in welcher ausgeführt wird, dah nicht blos das Sonnen- und Tageslicht das Vier verdirbt, sondern auch das Glas selbst, hauptsächlich infolge des BleigeHalts der meist aus billigen Glassorten hergestellten Trinkgefäße. Es gelang ihm, auf chemischem Wege nachzuweisen, daß sich das Bleioxyd im Glase durch das Bier löse, allerdings so. daß ein Quart Bier einen millionsten Theil Blei enthielt, eine Substanz, welche für die Gesundheit vielleicht nicht gleichgiltig sein kann. Jenes Verhältniß verblufft im ersten Moment, doch kann nicht mehr, wenn man erwägt, daß z. B. von dem stinkenden Aethylsulfhy-' drate, dem Merkaptan, noch der 400millionste Theil eines Milligramms die Nase zu bcläsiigen vermag. Schultze ließ 15 Tage lang Vier in Versuchsgläsern und konstatirte nach jener Zeit, daß das Glas einen Verlust von 3.33 Milligramm Glassubstanz erlitten hatte. Da solche Lösungen mit der Zeit unmöglich ganz ohne Wirkung auf den Körper bleiben dürften, so räth Schultze an, das Bier aus salzglasirten bayerischen Steinkrügen zu trinken. Für bessere noch hält er gedeckelte Zinnkrüge, und als das Jdealgefäß gedeckelte, innen vergoldete Silberkrüge. Bessere Patronen. Das deutsche Kriegsministenum hat unlängst für das Heer eine neue GewehrPatrone angenommen, welche die Leisiungsfähigkeit diese? Waffe bedeutend erhöht. Das Geschoß hat jetzt auf 1000 Meter dieselbe Wirkunq. die es früher auf 600 Meter hatte. Auch die Treffsicherheit ist bedeutend erhöht. Wahrend früher sich bei erner aegebe 3 nen Zahl von Schüssen keim Scheibenschießen eine Vertikalabweichung von 70 Centimeter ergab, betragt die Abweichung jetzt nur 48 Centimeter. Das neue Geschoß durchschlägt auf eine Entfernung von 400 Meier 80 Centi-, meter Fichtenholz, wogegen die frühere Durchschlagskraft nur 45 Centimeter betrug. Deutsche Offiziere, die japanisch lernen. Während schon im vergangenen Lehrjahre der Kriegsakademie mehrere zu dieser kommandirte Offiziere zur Erlernung der japanischen Sprache bestimmt wurden, die diese Sprache in den beiden folgenden Lehrjahren weiter betreiben, sind in diesem Jahre mit Beginn der Lehrthätigkeit des Orientalischen Seminärs fünf preußische Offiziere, den verschiedenen Waffen angehörend, zum ersten Male dazu ausersehen worden, die japanische Sprache am Orientalischen Seminar zu erlernen.
