Indiana Tribüne, Volume 29, Number 88, Indianapolis, Marion County, 5 December 1905 — Page 6

Indiazla Tribüne, 5. Dezember 1905

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o Q Eine ötudentengkschichtk aus cem Jähre 8 o 1590. o s 8 8 g Von Rudolf Nabe. g 8oooCOooOOooCOooOOooOOoop8 (Schluß.) o Noch lag Tübingen im ersten Moryengrauen, als Leipziger in ein kleines Häuschen eines engen Gählcins schlich und an die , Thür einer Dachkammer klopfte. Schaut, daß Ihr - weiterkommt. Sicher wieder ein betrunkener Student," rief eine weibliche Stimme. Mach auf, Ursel, der Jörge LeipZiger ist's!Wartet, bis ich mich angezogen hab." Leipziger setzte sich auf die Stiege und sann seinen Plan aus. Die Thür ging auf. Ein unordentlich gekleidetes Mädchen trat heraus. Das zigeunerhafte Gesicht, die dunklen Augen, das wirre Haar hatten ihr in der Stadt den Namen der schwarzen Ursel" verschafft. Sie wusch mit ihrer alten, tauben Mutter die Wäsche für die Kosthäuser und war so gut Freund mit den Studenten; schon manchen hatte sie auf der Flucht vor den Wächtern tagelang zwischen ihren Wäschebündeln verborgen. Bringt Ihr den Gulden Waschgelb?" fragte sie. Hier ist er," sagte Leipziger, die Würfel sind mir gut gefallen die Nacht, Urfel, und wenn Du verständig bist, thust, was ich sag, so kriegst Du zwanzig Gulden von mir, kaufst Dir ein fein Kleid dafür, wie ein reiches Bürgermädel, und ein güldenes Kettlein." Hahaha. Ihr wärt mir der Rechte, wer 's glaubt" Hör erst zu, dann red. Hilf mir das Bündel hineintragen, das ist ein Pfand dafür!" Ursel öffnete die Thür der ärmlichen Dachkammer. Was gibt's?" Gelt, Deine Mutter hört nichts, es ist geheim " Sie ist ja taub und schläft noch." "So rücke Deinen Schemel heran," sagte Leipziger leise, sich auf fein Bündel niedersetzend, und sprach weiter flüsternd auf sie ein. Willst Du 's thun?" fragte er endlich. Ueberraschung, Furcht und Schadenfreude hatten auf Ursels Gesicht gewechselt, während er sprach. Ich will's thun," sagte sie, mt um Euretwillen noch der Gulden wegen, sondern aus Haß wider Martin Hecker. Einmal möchte ich ihn noch küssen und ihn dabei erstechen," rief sie wild aufspringend, er war der einzige Mensch, der freundlich mit mir gesprochen hat, der mir mehr Lohn gab, als ich zu bekommen hatte, wo ick sonst nur höhnische, harte Worte von oen Vürgerweibern zu hören krieg und umechten Tadel über die Wäsche. Wo all' das reiche Pack mich rupft und mich schimpft ,die schwarze Ursel da hat er mich getröstet, meiner kranken Mutter den Arzt und den Heiltrank geschickt. Und als ich zum letzten Mal vor zwei Tagen mit der Wäsche kam, da quoll's mir plötzlich heiß hoch im Herzen, als er mich mahnte, brav zu bleiben; jäh hängte ich mich an ihn und wollte ihn küssen ah, da hat er, der Letzte. Einzige, mich zornig abgeschüttelt wie eine wilde Katze, hat mich 'nausgejagt und gesagt, ich sollt nicht wiederkommen." Mit verzerrten Zügen stand sie da, Wuth und Eifersucht sprühten aus den leidenschaftlichen Augen. Also an die Dorotkzea Erusius hat er sich gehängt hahaha. der Schlucker! Die alte Doris hat mir gesagt, ihr Fräulein heirathct nach Nürnberg,. den reichen Amstetter. und sie könnte mir bald die Braute Wäsche zeigen. Ich gönn ihr nicht, dem reichen Fratz, daß der Martin sie gern hat; ehe ich das zulaß sagt, wie Ihr 's vorhabt, Jörge Leipziger, ich thu'." Und flüsternd schmiedeten sie ihren Plan. Die Flucht Leipzigers aus dem Carcer erhöhte die Unruhe in der Stadt. Ueberall redeten die Leute, der Böse habe ihm davongeholfen. Mit schwerer Sorge meldete Martin dem Bürgermeiste? den nächtlichen Besuch des Entslohenen und die drohenden Worte an der Thür und klagte, wo er nun Ve weise für Leipzigers magische Jlun'j suchen solle, um ihn sicher aus bei Stadt zu bringen. Der Bürgermeister tröstete ihn: Grämt Euch nicht so sehr. Vielleicht hat er schon das Weite gesucht. Auch ich wär der ängstlichen BUrgerweibe? wegen froh, wenn ich genau wußt, der unheimliche Mensch wär aus der Stadt. Sehet zu, ob Ihr des Kanzlers ErusiuS Verlangen erfüllet; schwer ist's ja, aber ich halte Euch die Stelle offen und spreche mit dem Kanzler, daß er nichts Unmögliches verlange!" Dankend verließ Martin seinen Gönner und ging, überlebend, wie er des Entronnenen Spur fände, nach Hause. Hier fand er ein Brieslein. Er öffnete es erwartungsvoll, war es doch Dorotheas Handschrift. Sah er recht? Sie bittet ihn, Abends zu ihr zu kommen, da sie für ein eilig Vorhaben in Abwesenheit ihres Vaters der Hilfe eines Mannes bedürfe. Und er sollt sein Rappier nit vergessen! Freude und Stolz erfüllte ihn, daß die Geliebte ihn als Beschützer rufen ließ. Aber was war das für ein räthselhaftes Vor-

haben, das auf eine Gefahr deutete?'

Unruhlg sann er darüber, und sem Herz klopfte wild vor Spannung und Freude, als ihm Dorothea am Abend die Thür öffnete. Gut, daß Du kommst," sagte sie. ihn mit warmem Blick begrüßend, ich hab schon gewartet." Martin stockte das Wort im Mund. Er hielt ihre Hand in seinen Händen und sah ihr in die Augen. Wie freu ich mich," sagte er, endlich seh ich Dich einmal wieder, liebe, liebe Dorothea." Pst," mahnte sie, unsere Doris kommt; ich höre schon ihre Pantoffeln schlürfen!" Langsam kam die alte Dienerin heran, die seit langen Jahren die Hausfrauenstelle vertrat. Ihr müßt mir helfen, Dorothea etwas aus dem Kopf zu reden," sagte sie. Tretet ein, ich hole erst Wein für Euch." Martin blickte über die wohlbekannten schweren Eichenschränkeden wuchtigen Tisch. Dorotheas Stickereien. Wie heimisch ist's mir hier! Weißt Du noch, Dorothea, wie Du da in der Ecke mit Deiner Nürnberger Puppe spieltest! Nun sag mir aber erst: Was hast Du vor?" Sieh her, heute brachte mir ein Kind diesen Brief von unserer Wäscherin, der schwarzen Ursel" ' Der schwarzen Ursel?" rief Martin erstaunt. Ja, ich möchte ihrer kranken Mutter helfen heute Abend noch, und da sie nicht weit vom Krankenbett weichen könnte, so wolle sie von mir auf eine Nacht mein golden Kreuzlein mit dem Splitter vom Kreuz des Herrn darin zu leiben, das werde helfen." Wie, Dein goldenes Kreuz?" Ein dunkler Verdacht durchzuckte Martin. Forderte das nicht Leipzigers Zauberfpiegel? Ist es da nicht Christenpflicht, zu helfen, Martin?" fragte Dorothea. Er schwieg und ging aufgeregt auf und ab. Doris trat ein mit einem Becher Wein. Was meint Ihr?" fragte sie. Ich weiß einen Heiltrank beim Apotheker," entgegnete Martin, der der alten Frau fchon geholfen hat; ich denk, der thut ihr besser als das goldene Kreuz von Deiner Mutter,das Du nicht aus der Hand lassen darfst, Dorothea!" Das mein ich auch. Ein quter Thee kurirt den Leib," pflichtete Doris bei; bringt Ihr den Heiltrank, Magister, und Dorothea bleibt zu Haus!" Ich Lwge gern den Weg allein." sagte Martin, aber ich weiß, dieser wilde Trotzkopf, die Ursel, ließe lieber ihre Mutter sterben, eh: sie Hilfe nähme von mir, weil ich ihr das Haus verbot." Aber der armen Frau mutz geholfen werden," rief Dorothea entschlossen, es ließe mir keine Ruh vor meinem Gewissen, wenn sie diese Nacht stürbe und ich bätt helfen können. Aus meiner Hand wird Ursel schon das Mittel nehmen, und ich behalte das Kreuz für mich. Was seid Ihr Beide nur so ängstlich, es ist doch dicht am Stadtthor, Doris, wo die Wächter stehen, und der Martin hat sein langes Schwert am Gurt!" So gehet in Gottes Namen; hüt das Kreuz. Ich bind Euch das Kind auf die Seele wegen der wilden Studenten, Magister Hecker!" Bald ist er Stadtsekretarius Hecker, Doris," rief Dorothea, übermüthig lachend über Martins verwundertes Gesicht, ja, und sogar Rathsherr kann er werden." Ei, da wünsch ich Euch Glück," sagte Doris die Hausthür öffnend, gebt mir nur auf sie Acht!" Eher fterb ich, ehe man ihr ein Härchen krümmt!" betheuerte Martin. Er wandte sich, auf der dunklenGasse neben Dorothea lange schweigend herschreitend, an sie mit der Frage: Also Stadtsekretarius werd ich? Woher weißt Du das? Es sollte eine Ueberraschung für Dich sein, auf die ich mich gefreut habe!" Der Vater hat mir 's bei der Abreife erzählt, aber er hat gesagt. Du hättest vorher eine harteNuß zu knacken. Was meinst Du, was ich ihm da gesagt habe?" Nun?" D, der Martin, der hat gute Zähne!" rief sie lachend. Weißt Du noch, wie Du mir als Kind heimlich Nüsse von Nachbars Baum holtest?" Einmal hab ich Prügel dafür ge kriegt," sagte er, ihr felig in die Schelmenaugen schauend. O.Dorothea, liebe Dorothea-, für Dich holte ich ja jetzt noch die Sterne vom Himmel, Dir ein Kettlein draus zu machen." Laß das lieber, wenn Du nicht Jakobs Himmelsleiter hast, sonst fällst Du herunter und brichst einBe'm; ich brauch kein Kettlein; ich habe an meinem goldenen Kreuz genug!" An Deinem goldenenKreuz?" fragte er erschrocken. Wieder packte ihn Angst um sie, als umschwebe sie eine unheimliche Gefahr, der e? sie nicht aussetzen dürfe. EndUch vltev er stehen und sprach leidenschaftlich: Kehr um, Dorothea, ich bringe Dich wieder nach Hause, mich bangt um Dich des Kreuzes ' wegen. Weißt Du nicht, nach dem Kreuz eines Mädchens suchen die Zauberer?" Was weißt Du von Zauberei. Mar tin? Sprich!" fragte sie erschrocken. Und nun erzählte er kurz, was auf dem Senatsgericht zu Tage kam: Leipzigers Flucht, feine Aufgabe nach ihres Vaters Willen, diesen zu entdecken und zu bestrafen. Schweigend, gesenkten Hauptes, mit gefalteten Händen hörte' sie zu. Laß mich 's allein durchfechten, komm, kehr um," bestürmte er sie wiederum. Wie klein ist Dein Glaube." antwortetepe ernst, Gott wird vor schlim-

men Handen das Kreuzsplttterlem

schützen, an dem Jesus gestorben ist, der uns gebot: ,Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!' Nein, ich bringe der Ursel den Trank für ihre kranke Mutter. Und wär ein Plan des schlimmen Buben dahinter, so bist Du als sein Richter bestellt und hast Dein Schwert. Ich fühl's, Gott führt uns heute feinen Weg, wir wollen ihn gehen und nicht umkehren. Lieber, er leitet uns." - So leite er uns denn zusammen, geliebtes. tapferes Mädchen. Willst Du." flüsterte Martin tiefbewegt, zusammen für immer?" -Ja, das hoffe ich. mein Lieber." erwiderte Dorothea, ihn glücklich anblickend, und im ersten, keuschen Kuß fanden sich in ernster Stunde ihre Slen unter'm Sternenhimmel der Nacht zum Herzensbunde. Nun komm zur Pflicht." mahnte Dorothea, die Kranke wartet." Beide gingen neben einander still, stumm und selig, holten den theueren Heiltrank, aus sieben Kräutlein gemischt, von dem kleinen, buckeligen Apotheker und eilten durch die Gassen. Ich werde erst froh fein, weiß ich Dich sicher daheim sieh, da drüben geht die Ursel, ich kenne sie am unruhigen Schritte." Ich will ihr den Trank allein geben. Lieber, und ihr ein Wort des Trostes sagen." Nein, nein, mir bangt dabei!" Wenn sie Dich scheut, so war der Weg vergebens, es sind nur fünfzig Schritte." Athemlos beobachtete Martin, wie die schwarze Ursel auf Dorothea zuging, den Heiltrank nahm und sie im Gesprach langsam an einen Bogengang vor einem Hause führte täuschte ihn sein Auge, oder sah er dort eine dritte Gestalt? Entschlossen schritt er darauf zu; da fah er einen fchwarzcn Schatten sich auf Dorothea werfen. Stadtwächter auf, Stadtwächter auf!" rief er laut, die nahe Thorwache zu wecken, und stürzte auf Dorotheas gellenden Schrei: Martin, hilf mir!" herbei. Ich komme!" Da warf sich ihm die schwarze Ursel in den Weg und krallte sich wie eine Katze fest an seinen Arm und hielt ihn fest. Eil Dich. Jörge Lchziger." schrie sie mit gellender Stimme, reiß ihr das Kreuz ab!" Da fiel sie zu Boden, von Martin niedergeschleudert, der nun darüber klar, wen er vor sich hatte Leipziger lebendig zu fangen suchte. Martin, er raubt mir das Kreuz," rief Dorothea, die. auf den Knieen liegend, mit Leipziger rang. Jawohl, ich Hab's, Teufelsdirne, und Gold soll's mir bringen, haha! Was? der auch da?" Ehe er weiter sprach, hatte ihn Martin zu Boden gerungen und ihm die Kette mit dem Kreuz entrissen. Jetzt rief er Dorothea zu: Lauf zumThor und ruf nach den Wächtern; diesen halte ich. bis sie kommen!" Aus Leibeskräften kämpfte Leipziger gegen die fesselnden Hände; die Hilferufe Dorotheas, die zum Stadtthor 'eilte, gellten ihm drohend in's Ohr. Wie die Dirne schreit, ich will ihr nach," rief Ursel. Nein." schrie Leipziger verzweifelt. Ursel, stich, das Messer, ich muß los!" Plötzlich fühlte Martin einen scharfen Schmerz im linken Arm und sich selbst zurückgerissen von dem wilden Mädchen, der Wuth und Rache in den schwarzen Augen funkelte, während ihr das wirre Haar um den Kopf flog. Wer mich nicht küssen will, den bei ich." schrie sie dem Verletzten in's Gesicht., Fort. Jörge, die Post kommt!" Hell ward's am Thor. Herein donnerte der Reisewagen des Kanzlers Crusius, zwei bewaffnete Fackelträge? zu Pferde voran. Halt, Tcufelsdirne. Du sollst mir nicht entrinnen," rief Martin, indem er mit gezogenem Rappier Leipziger verfolgte, der auch das Schwert zog. Laß den, der hat genug; wir müssen fliehen!" schrie Ursel und riß Leipziger mit sich fort in's Dunkel der Gasse. In wilder Flucht verschwanden sie. Martin wollte folgen, doch taumelnd sank er zu Boden. Das Blut strömte vom Arm. Wie durch einen Schleier sah er noch Dorothea sich weinend über ihn beugen. Hier Dein Kreuz," flüsterte er; dann ward es ihm dunkel vor den Augen. m Lange lag Martin in des Kanzlers Haus im Wundfieber. Mit Freude und Bangen hörte Dorothea in seinen wirren Träumen, die sich immer mit ihr beschäftigten, 'Liebesworte von ihm. Mit Rührung hörte es auch der Kanzler, dem Dorothea ihr Verlöbniß und das blutige Abenteuer erzählt hatte. und er kaufte heimlich zwei Goldringe. Als der Vrachmond in's Land kam. erzählte ein Landsknecht, ein Tübinger Kind. Jörge Leipziger habe bei einem S'.zcu mit Kriegsknechten sein Leben eingebüßt, da er falsche Würfel geführt habe, und die schwarze Ursel sei mit dem Troß nach Welfchland gezogen auf Nimmerwiederkehr. Junker Planet und Hamberger .wurden vom Senat als unverbesserlich nach Hause geschickt. Der Wonnemond kam heran. Die Apfelbäume blühten in röthlichem Schmuck, die grünenden Wiesen waren bunt von Vlümelein gesprenkelt, und die Lerchen trugen ihr Jubellied gen Himmel. Da wanderten Dorothea und der gewählte Stadtsekretarius Doktor Martin Hecker das Neckarthal hoch zum Weinberg des Kanzlers und ließen, Hand in Hand, den Blick über die herrliche Landschaft schweifen. . So hat uns denn, Geliebte, der Heii.wobl aeführt. deV.wiins in der

SchreLenSnacht anvertraut haben trotz Tücke und Noth; und wenn morgen am Sonntag di: Glocken läuten, stehen wir

zu dieser Stunde mit Deinem Vater, dem hohen Senat der Hochschule und dem Rath der Stadt vor dem Altar, um zur Ehe zusammengesprochen zu werden. Gott schenke uns ein ruhig Leben, frohen Hausstand, gute Kinder und im Alter den Tod in Demselben Jahre. Siehe hier, die Ringe vom Vater, die wir morgen tauschen, und die uns binden!" Dorothea, an des Bräutigams Brust gelehnt, das Goldkrcuz am Hals, sah selig zu ihm auf und sprach: Möge sich 's so erfüllen, wie Du sagst." Dann sang sie leise: . Liebe mit Schmerzen Tiildet zwei Herzen, Goldri:ig ror 5ott geweiht, BiNdet in Eivigkeit! : :::-:-:-:- i ... ja Allerlei. : '? 5 ... ":::::-::-::-: : : :-:-:-:::::::-. Die erste Studentin an der Münchener technischen Hochschule wurde unlängst eingeschrieben. Die Dame, die sich dem Archijekturfach zuwenden will, besitzt das Reifezeugniß eines Gymnasiums. Unter den erfolgreichen GraduZrten des Grand Medical Colleges befanden sich drei persische Frauen. Es waren dies Miß Gulbai M. Doktor. Miß Bachubai R. Banatvalla und Miß Sisin H. I. Khambatta. . Im Staate Massachusetts legten kürzlich fünf Frauen mit Erfolg die Prüfungen ab, welche für die Zulassung zur Advokatur nöthig sind. In New York wurde Mrs. Sophia Ro-scnberg-Mayer zum Rechtsanwaltsberuf zugelassen. Mrs. Mayer ist 43 Jahre alt und Mutter von 6 Kindern. Wie die Frauenbewegung" mittheitt, sind in der vom dänischen Justizministerium einberufenen Kommission zur Durchberathung einer Revision des Dienstbotengesetzes auch zwei Frauen vertreten, und zwar die Vorsitzenden der am nächsten betheiligten Organisationen d:r Hausfrauen und der Dienstboten. New Fork ist in Aufruhr! Frau Astor hat gelegentlich des Empfanges vom Prinzen Battenberg anstatt der gewohnten 400" nur 79" Bevorzugte auserlesen. Es mag das für gewöhnliche Sterbliche eine ziemlich gleichgültige Mittheilung sein; die 400" jedoch sind in einer Empörung, wie sie New Aork wohl noch nicht erlebt hat. Nun werden auch wohl die andern Tonangebenden ihre Wahl treffen; viele Intriguen und schlaflose Nächte werden das Ergebniß sein. Es muß auch solche Käuze geben! In der Chicagoer St. James Episcopal-Kirche werden am Danksagungstage vier tapfere Menschen mit der Rettungsmedaille dccorirt: ES sind dies Floren Rueckhnm. von Chicago und Blanche Williams, we!che mit eigener Lebensgefahr ein kleines Mädchen vom Ertrinken in Paw Paw Lake, Mich., retteten, und Frank L. Osborne von St. Louis, sowie An thony Leiber von Chicago. Osborne rettete drei Chicagoerinnen in Pistakee Lake, woselbst letztere bei einer Ruderfahrt verunglückten; A. Leibes rettete einen Knaben vom Tode d:s Ertrinkens im Michigan. , Auf der Jagd umge kommen. Der Bankier Krüger aus Dresden war mit noch drei anderen Herren zur Jagd nach Bröhla gekommen und hatte sich auf einem trans portablen Hochstand postirt. Beim Tunkelwerden begaben sich die drei Jagdgefährten Krügers nach dem Ortsgasthause, in der Annahme. Krü ger werde bald nachkommen. Als er jedoch nicht erschien, gingen sie zu dem Orte, wo Krüger sich postirt hatte, zurück. Hier fanden sie ihren Jagdgenossen als Leiche mit vollständig abgedecktem Kopfe am Boden. Infolge Zerbrechens der obersten Leitersprosse des 23.3 Meter hohen Hochstandes war Krüger zu Fall gekommen und abgestürzt; dabei hatte sich sein Jagdgewehr entladen, und der Schutz war dem Bedauernswerthen in den Hinter köpf gedrungen, einet o e r oeoeurenv sten Forscher auf dem Gebiete dcr Anatomie und Entwicklungsgeschichte, ein Freund und Zeitgenosse Rudolf Virchows, Albert von Köllikcr, ist in Würzburg im Alter von 83 Jahren gestorben. Kolliker war am 6. Juli 1817 in Zürich geboren und macht' einen Theil seiner Studien in Vor lin. Seit dem Jahre 1847 war er in Würzburg thätig; im Jahre 1b02 feierte er unter der ehrenden Anerkennung der wissenschaftlichen Welt sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Im Jahre 1896 wiirde er um seiner glänzenden wissenschaftlichen Leistnn gen Willen zum Ritter des Ordens pour le m6rite" erwählt. Der Verstorbene gehörte zu den hervorra. gendsten Forschern 'auf seinem 'Spe. zialgebicte der normalen Körper orbslelire. Anzüglicl?. A.: Zu einem Schäfer hätt' ich viel mehr Vertrauen, wie zu einem Arzt!" V. (Arzt):' Recht hast Du 'der kennt Deine Natur jedenfalls besser!"

Europäische Nachrichten.

Vtzeinprovittz. Barmen. Ein Unfall mit tödtlichem Ausgang ereignete sich in dem Hause Collenbuschstraße 3. Das drei Jahre alte Söhnchen des dort wohnennen pensionirten Eisenbahnbeamten Sommer stürzte in einem unbewachten Augenblick durch ein im Treppenaufgange befindliches offenstehendes Fens ster hinab in den Hof. Das Kind trug derartige Verletzungen davon, daß der Tod alsbald eintrat. Brau Weiler. Hier starb im Alter von 62 Jahren Herr Direktor Friedrich Schellmann. In seiner schwierigen Stellung als Leiter der hiesigen Provinzialarbeitsanstalt hat der Verstorbene sich die Anerkennung weiter Kreise erworben. Besondere . Verdiensie erwarb er sich um die Hebung der Landwirthschaft. H o ch d a h l. Sanitätsrath Professor Dr. Karl Sudhoff, der seit langen Jahren hier als Arzt wirkt, ist zum außerordentlichen Professor der Geschichte der Medizin an die Universität Leipzig berufen worden. Der Lehrstuhl für Geschichte der Medizin ist errichtet durch ein Bermächtniß der Wittwe des Professors Puschmann, der sich selbst als Forscher auf dem Gebiete der Geschichte der Medizin einen Namen gemacht hat. Dr. Sudhoff ist der erste Professor, der den Lehrstuhl einnehmen wird. Kleve. Bor einiger Zeit entstand Großfeuer in der Oelmühle vonNoury und von der Lande. Der Schaden an Oelsaat beläuft sich auf mehrere hunderttausend Mark. K e t t w i g. Vor kurzem ertrank beim Baden in der offenen Ruhr, unterhalb der Brücke, der 13jährige Schüler Karl Schäfer. iMalstatt-Burbach. Fabrikant Theodor Lüttgens, der vor kurzem den Wohlfahrtskassen seiner Fabrik 60,000 Mark überwies, läßt zur Zeit zum Andenken an eine Verstorbene Tochter ein Waisenhaus errichten, das in erster Linie zur Aufnahme etwaiger Waisen von verstorbenen Arbeitern seines Betriebes dienen soll. In dem Hause wird auch eine Kapelle errichtet.N e u e n'a h r. ' Der Senior der Badeärzte. Sanitätsrath Dr. Un. schuld, beging dieser. Tage in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. R e m s ch e i d. Anläßlich der 75.' Geburtstagsfeier des Ehrenbürgers unserer Stadt, Geheimraths Friederichs. war zur Uebermittelung seiner Glückwünsche und der der ProvinzialVerwaltung der Landeshauptmann der Rheinprovinz, Dr. jur. v. Renvers erschienen. Ter Oberpräsident sandte ein Glückwunsch - Telegramm, ebenso 'Regierungspräsident Schreiber. Wald. Karl Winkels von UntenJtter feierte sein 60jähriges Jubiläum als Rasirmesserschleifer. Dem Arbeiter Huao Kluthe, der bei der Firma F. Kamphausen Hierselbst seit 30 Iahren beschäftigt ist, wurde von der Handelskammer das Ehrendiplom für langjährige Diensie verliehen. Kluthe besorgt bei der genannten Firma das Härten und Schleifen der TaschenMesserklingen. 'Frovinz KesseN''Zrass. Kassel. Die Firma Weiß & Pederit (Jnh. Werner Weiß und WilHelm Pederit) feierten ihr LZjähriger Bestehen. Von nah und fern liefen zahlreiche Glückwünsche und Geschenke ein. Das 25jähtige Dienstjubiläum feierte der Eisenbahn - Sperreschaffner Heinrich Backs, dem aus diesem Anlaß zahlreiche Glückwünsche und Geschenke von Vorgesetzten, Collegen und Beamten zugingen. V a d O r b. Im Bergwerk zu Bieder wurde der Bergmann Karl Kopp aus Flörsbach durch herabstürzende Erdmassen verschüttet und schwer verletzt. Bodenfelde. ' Todt aufgefunden wurde der 24jährige Sohn Fritz des PferdeschlächterslVogel ausUslarDinkelhausen. Hersfeld. Nach langem schwerem Leiden starb der Fabrikbesitzer Eduard Braun, Seniorchef der bekannten Firmt Georg Braun. Tuchfabrik dahier, im 63. Lebensjahre. Hünfeld. Major Freiherr von Stein zu Nord- und Ostheim Hierselbst hat sein Mandat als Mitglied des Kreistags niedergelegt, es hat deshalb eine Neuwahl stattzufinden. . K ir ch h a i n Der fremde etwa 70jährige Greis, der sich hier erschoß, ist nunmehr erkannt. Es handelt sich - um den von hier gebürtigen, in Hambürg seither wohnenden H. Kalkbrenner, der anscheinend in seiner Heimath sterben wollte. S o l z. ' Kürzlich trat unser allverehrter Lehrer und Kantor Herr Deisenroth nach 52jähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand. Viermünden. In der Nacht wurde im Dorfe Haine beim Verlassen der Wirthschaft der Nagelschmied WilHelm Fingerhut überfallen und' ihm ein lebensgefährlicher Stich in die rechte Schulter versetzt. Wiesbaden. Erschossen hat sich in der Nacht das Vorstandsmitglied des Vorschußvereins, Gasteyer. Hunde r.t Pfund Srkcalyptenlaub giebt ein Pfund Oel.

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