Indiana Tribüne, Volume 29, Number 87, Indianapolis, Marion County, 4 December 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, ü. Dezember 1905
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Europaische Nachrichten. Provinz Schresten. B r e s l a u. Letztens wurde der 48 Jahre alte Brauer Hermann Neumann auf .der Reuschestraße durch eine Droschke umgefahren und fiel unter einen Rollwagen, dessen Räder ihm so schwere Verletzungen am Kopfe und an der B:ust zufügten, daß nach kurze? Zeit der Tod eintrat. Dieser Tage beging derVorarbeiter Johann Wollny in der Oskar Wecker'schen Seifensabrik, Friedrich Wilhelmstraße, sein 25jähriges Dienstjubiläum. B rose Witz. Gelegentlich einer Hochzeit im Wiedemann'scheni Gasthause wurden Besitzer Kluge von hier durch zwei Stiche in den Unterleib und Schuhmachermeister Hellmann von hier durch einen Stich in die Herzgegend schwer verletzt. Der Thäter war ein 17jähriger, hiesiger ZZegelerarbeiter, welchem, als nicht zur Hochzeitgesellschaft gehörig, das Betreten des Saales untersagt wurde. 5 i ch b e r g. In der nahen Holzmühle ereignete sich ein höchst beklagenswerther Unfall. .Der seit Kurzem daselbst beschäftigte Müllergeselle Kastner war im Begriff, den Riemen aufzulegen. Bei dieser Manipulation wurde ihm der link.e Arm abgerissen. Auf das Geschrei eilten Mitarbeiter herbei und befreiten den Unglücklichen aus seiner gefährlichen Lage. Gleiwitz. Die Ehefrau des Kaufmanns Paul Fritsch , hatte sich vor einiger Zeit eine Wunde an der linken Hand und darauf bei der Pflege ihres am Scharlach erkrankten Kindes sich eine schwere Blutvergiftung zugezogen, der die erst 38 Jahre alte Frau erlegen ist. Königszell. Das Weichensteller a. D. Brieger'sche Ehepaar feierte die goldene Hochzeit. Die kirchliche Einsegnung vollzog Pastor Schulze. Dem Jnbelbrautpaar wurde das Gnadengeschenk von 50 Mark überreicht. Mi kult schütz. Ein furchtbares
Unglück trug sich hier zu, indem drei tm Sande spielende Kinder von emer losbrechenden Wand des Niesporek'sehen Steinbruchs verschüttet und dem 4jährigen Konrad Kaczmarek das Genick gebrochen wurde. Die beiden Spielkameraden hatten nur geringe Verletzungen davongetragen. Pogrzebin. In der Scheune des Bauern Piella brach Feuer aus, das sich auf die Besitzung des Bauern Porwoll übertrug und hier noch die beiden Scheunen und das Wohnhaus in Asche legte. R e i b n i tz. Zu Tode verunglückte der Stellenbesitzer Friedrich Ziegert. Er war mü dem Pflücken von Aepfeln beschäftigt, als er erne Sprosse der Lei ter verfehlte und aus beträchtlicher Hohe herabstürzte. Dabel erlitt er so schwere innere Verletzungen, daß er bald dNraus verstarb. Stein. In unserem Orte brannte die Besitzung des Stellenbesitzers Le wandowskl nieder. Von den Wohnund Wirthschaftsgebäuden blieben nur die Umfassungsmauern stehen. Vieh und Mobiliar konnten gerettet werden. Hier vermuthet man böswillige Brand stlstung. 'Z'rsVinz "Jgofet. Posen. Auf dem hiesigen Een tral - Bahnhofe in der Bedürfnikan stalt fyit sich der kurz vorher mit dem Beruner Zuge hier angekommene 19jährige Kaufmann Felix Rubin aus Wrefchen mit einem Revolver drei Kugeln in den Kopf gejagt. Er wurde bei voller Besinnung nach dem Stadt krankenhause überführt. Bromberg. . Sein 50iähriges Dienstjubiläum beging der EisenbahnSekretär Lobe. Der Jubilar hat seit dem Jahre 1893 auch im Landwehrverein und später im Regierungsbe-zks-Kriegerverbande als VorstandsMitglied eine rege Thätigkeit entwickelt, weshalb ihm von den Vorsitzenden der beiden Vereine herzliche Glückwünsche übermittelt wurden. Floth. Letztens wurde in der Nähe von hier ine Leiche aus der Netze gefischt. Den aufgefundenen Papieren nach handelt es sich um den Flößer- Wilhelm Schendel aus NeuUlm bei Driesen, einen Mann von 50 Jahren, Vater von 4 Kindern. Man neigt zu der Annahme, daß der Verunglückte hier Einkäufe gemacht hat und auf dem Rückwege zu seinem Floß in der Finsterniß ertrunken lst. Hohensalza. Die Kaiserin hat der Hebamme Karoline Renz für langjährige Dienste als Hebamme eine goldene Brosche überreichen lassen. K o p n i tz. Ein Dominialfuhrwerk aus Großdorf überfuhr auf der Fahrt nach hier das dreijährige Töchterchen des hieben Fleischers Finke. Das Kind, welches im Eifer des Spiels das heranrollende Fuhrwerk nicht ,bemerkt hatte, war sofort todt. R a w i t s ch. Die in der Schmiedestraße wohnende Wittwe Szewczyk war seit einiger Zeit von den Hausbewohnern nicht gesehen worden, auch blieb die Stube verschlossen. Als der Hauswirth auf wiederholtes Klopfen keine Antwort erhielt, ließ er die Thür gewaltsam öffnen. Man fand die Frau leblos im Bette. Der herbeigeholte Arzt stellte fest, daß der Tod in folge von Herzschlag eingetreten war. . Schroda. Der Wirthschafterin Magdalena Nadolny ist für 40jährig
treue Dienste in der Familie von Karczewski von der Kaiserin das gol-
dene Ennnerungskreuz verliehen worden. S ck r i m m. Beim Hüten des Viehes ist der 80iährige .Hirte Sika durch einen wild gewordenen uuen getooiet worden. Provinz Sachsen. Magdeburg. Sanitätsratb Dr. Kretschmann von hier hat einen Ruf als Professor für Ohren- und Nasenkrankheiten an die Universität in Königsberg i. Pr. erhalten. G e n t h i n. Vor kurzem kam aus dem Grundstück der Brauerei von Jullus Schütte m der Brandenburgerstraße Feuer zum Ausbruch, das, die Brauereigebäude, die Niederlage einen Seitenflügel und mehrere Stallgebäude einäscherte. Auf die Ermittelung des Urhebers des Brandes ist von der BeHorde eine Belohnung von 300 bis 600 Mark ausgesetzt worden. Kleinsurr a. Letztens verunglückte der Bergmann K. Linsel von hier auf dem Kalischacht Jmmenrode, in dem er durch herabstürzende ErdMassen verschüttet wurde. Obwohl er sofort befreit wurdc, starb er nach wenigen Augenblicken. Nott leben. Kürzlich stürzte die Wittwe Rofa Stübirg, die auf einem Stallboden beschäftigt war, infolge Durchbruchs der Decke in den Stall und erlitt schwere Verletzungen am Rücken und den Schultern.- Aus einer naheliegenden Ortschaft wurde schnell arztliche Hülfe herbeigeschafft. Salzwedel. Dieser Tage feierte der Lehrer Karl Wehling sein goldenes Dienstjubiläum und trat gleichzeitig in den Ruhestand. Wernrgerode. Lehrer Dietz von der hiesigen Mädchen - Volksschule feierte fern goldenes Drenstjubilaum. Der beliebte Lehrer stammt aus Eisleben und ist hier seit etwa 40 Jahren thätig. Weberstädt. Während nahezu die ganze Gemeinde sich zu einer Jubiläumsfeier versammelt hatte, brach im Torfe Feuer aus. Als die Feuerwehr erschien, stand das Anwesen des Landwlrths Gornand ln hellen Flammen. Da Wassermangel herrschte, mußten die anwesenden Wehren sich damit begnügen, die anliegenden Gebäude zu retten, was nach angestrengter Arbeit auch gelang. Es wird mit Bestimmtheit Brandstiftung angenommen. Das niedergebrannte Anwesen war erst neu erbaut. Provinz Knnnover. Hannover. Seinen Verletzungen erlegen ist der 27jährige Sohn des Cafetiers Stolzenberg, der vor, einiger Zeit auf der Fahrt von Detmold nach hier mit seinem Automobil, dessen er sich auf seinen geschäftlichen Reisen bediente, verunglückte. Im Kreise von Geschwistern. Kindes n und Enkeln begingen der Pastor emer. Mantels und seine Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Nach dei Einsegnung überreichte Pastor Weniger dem Jubelpaare die vom-Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille und überbrachte gleichzeitig die Glückwünsche des Polizeipräsidenten. Die hiesige Kohlengroßhandlung C. A. Sandvoß, InHaber Otto E. Pahlke. konnte das 50jährige Geschäftsjubiläum . begehen. Durch rastlose Bemühungen gelang es der Firma, eine Herabsetzung der vor 50 Jahren noch enorm hohen Frachten für Kohle herbeizuführen, der dann später die Einführung der weiter verbilligten Kohlentarife seitens der betheiligten Eiscnbahnverwaltungen folgte. Ahr.ensflucht. Der 15jährige Sohn des Hof- und Ziegeleibesitzers H. Steffens war mit einem Gespann, nach dem Felde unterwegs, als die Pferde plötzlich vor einem Güterzuge scheuten, wobei der junge Steffens, der wahrscheinlich . die Gewalt über die Pferde verloren hatte, zur Erde geschleudert wurde und hierbei. das Gemck brach. Er verstarb bald darauf. G r o n a u. Der Steindruckerlchrling Karl Wunrann aus Heinum. welcher in. der Fabrik der Firma Wasserkampf & Robby Hierselbst beschäf tigt ist, wollte eme große Steindruck presse schmieren und stieg zu dem Zweck in das Getriebe der stillstehenden Maschine. Ein Maschinenmeister, der hiervon nichts wußte, setzte dieselbe plötzlich in Bewegung, wodurch Wunrann solch starke Verletzungen erlitt, daß er in's Krankenhaus gebracht werden mußte. Osnabrück. Der Sohn des kürzlich todt aufgefundenen Heuerlings Aßmann in dem benachbarten Jeggen wurde unter dem dringenden Verdacht. seinen Vater ermordet zu haben, verbastet. i,'c e o e r. Der Kasselschmied und Wachter Heinrich Sievers ist letztens bei der Firma Ad. Meyer, Maschinen fabrik, 50 Jahre ununterbrochen thätlg gewesen. Der betagte Jubilar ist für sein Alter geistia und körperlich noch sehr rege und geht Noch täglich seinen Pflichten treullch nach. S e e l z e. Verschüttet wurde der bel der Continental - Coutchouc- und Gutta-Percha-Compagnie beschäftigte Arbeiter F. Krull au Almhorst. Infolae der Nasse stürzte das Erdreich el nes Schachtes zusammen und begrub den Krull unter sich. Der Verunglück te, der lebend wieder ausgegraben werden konnte, hatte emen Bruch des lmken Oberarms und schwere Quet schungen am linken Oberschenkel erlit
'ten.
Ordnung muß sein. Von Hugo r. Gießen. Auf acht Uhr aina's. Durch die
Straßen fegte ein kalter Wind, und vor dem Sturme klirrten die Fenster-, scheiben, als wollten sie in Trümmer I gehen. Im Zimmer selbst war es still. Einsam saß da eine blasse Frau und arbeitete emsig. Ihr Athem ging unruhig und ihre Hände zitterten ein wenig. Es war kalt im Zimmer, bitter kalt. Da rief's aus dem Nebenraum, der eigentlich eine Küche war, jetzt aber auch als Schlafstätte benützt wurde: Mutter ist denn Vater noch nicht da?" Nein Martha oder doch, doch! Ich hör' ihn gerade auf der Treppe. . Sie stand auf. um ihm zu öffnen. Schwerfällig trat er ins Zimmer. Die weiche Mütze hing er mit einer gewissen Derbheit an den Nagel, dann ließ er lich breit aus dem Holzstuhl rne-verfallen.-Nichts wieder nichts! Den ganzen Tag herumgelaufen, von einem zum andern. . . keine Arbeit! Alles besetzt." Fragend blickte der Mann sie an, dann erhob er sich und schritt zu seiner Tochter ans Bett. Frau Wernicke hörte ihr Schluchzen und hörte, wie der Mann sie zu beruhigen bestrebt war. Und ihr selber griff das so ans Herz, daß sie nur mit Mühe die Thränen unterdrückte. . . Nach einem Wellchen kam er zurück. Vorsichtig schloß er die Thür und setzte sich zu seiner Frau. Sie will etzt schlafen. Ich hab's ihr klar gemacht, wie gut das für sie ist.". Wenn sie nur könnte! Aber sie grämt sich so, sie macht sich so schwere borgen! Wer macht sich die nicht! Es ist ja auch zum Verzweifeln. Und keine Ausficht, ferne tmvnt Aussicht! Es muß, muß nun mal ertragen werden. Wenn nur das andere. . . nicht wäre " Was denn, Mutter? Was denn noch?" - Sie wagte kaum aufzublicken. Der Portier war vorhin da. Wenn wir nicht bis übermorgen. . Der Wirth will nicht länger warten." Ha. ich. so, die Miethe! An die habe ich bei alledem kaum noch gedacht". Ein bitteres Lachen kam aus seiner Kehle. Die muß ja wohl zuerst bezahlt werden. Der Herr hraucht sie ja wohl!" Der Portier sagte, der Herr wollte seine Ordnung haben. Er müßte seinen Verpflichtungen ebenfalls nachkommen." Seinen Verpflichtungen! Na so schwer wie uns wird ihm ja das wohl nicht werden." Sie sprachen nicht mehr weiter'. An ihre Sorgen gefesselt, verzehrten sie stumm ihr bißchen Brot und legten sich dann zur Ruhe. Müde und gequält wie zwei, denen keine Hoffnung mehr winkt. Am nächsten Morgen, ganz früh, ging der Mann wieder fort. Die Frau sah nach der Kranken, die von leichtem Fieber befangen war, besorgte ihr bißchcn Haushalt und nahm dann wieder die Arbeit auf, die sie schweren Herzens amAbend vorher fortgelegt. Mein Gott, die paar Groschen, die sie dafür bekam, sie brauchte sie so nöthig! Sie wußte sonst gar nicht mehr, wo ein, wo aus. t Da klopfte es. Schleppenden Schrittes ging sie zur Thür. Ach,. . . .Frau Bartb, Sie kommen selbst " Na natürlich komme ich. Ich hör' doch, Ihre Tochter ist krank." Die Frau des Wirthes war es, eine feste, resolute Dame, die sich zwanglos gleich niedersetzte und zu plaudern begann. Was sagt denn der Doktor?" , Ach. . . Pflege und wieder Pflege soll sie haben. Kräftige Suppen und Wein. Sie hat's doch auf der Lunge. Und vor allem warm soll's bei lhr sein, so warm als irgend möglich!" Na ja, das ist doch auch nöthig." Ich kann's aber nicht, ich kann's wirklich nicht! Der Kohlenhändler will nichts leihen, und was ich so verdiene, reicht nicht hin und nicht ber." Aber, Frau Wernicke, Sie werden doch nicht weinen! Einmal wird alles besser. Lassen Sie das Mädel nur erst wieder aesund sein " Gesund!" Sie wandte sich ab. MelN Mann. ... hat ja keine Ar beit." Die find't er schon. Er ist doch ein solider Mensch." Ja, wer weiß was wir dann sind?! Mein ganzes Geld, alles, was ich verdiene, muß ja für die Miethe bleiben. Wir können uns ja so lange nicht " Für die Miethe? Jetzt?" fiel ihr Frau Barth erstaunt ins Wort. ' Sie nickte nur. Wir sind's noch schuldig vom vergangenen Monat her. Meine Tochter wurde krank, mein Mann verlor die Arbeit " Gott, wenn Sie mit meinemMann reden " Der Herr hat schon zweimal geschickt." Na, so was! Und daö sagt er gar nicht!" Aus dem Nebenzimmer erscholl ein schwacher Ruf.
Was ist denn, Mutter? Mit wem sprichst du denn?" . Frau Barth ist hier, Kind. Willst du was?" Nein, nein, nur kalt ist's, so bitter kalt. Das war Frau Barth zu viel. Mit einem derbci Ruck sprang sie auf und
lief lns Nebenzimmer. Jh. na m!" chmp te jie, das ia auch kein Wunder. Nich 'n bißchen geheizt, und so 'ne dünne Decke. . . ih . . na warten Sie mal!" Sie zog sich hastig ihren großen Mantel aus ! und legte lhn über das Bett. So i der bleibt nun mal, .und dann nee, nee. Frau Wernicke. nun reden Sre, man nichts! Das ist auch nur vorläur rn v . . crt ? I slg. naazyer oenn. . . na ja, ity geh' bloß schnell noch mal rüber." Und ohne Mantel in einer Eile, die man der etwas behäbigen Frau gar nicht zugetraut hatte, lief sie aus der Wohnung heraus. Drüben . . . war ihr Mann inzwischen zum Frühstück gekommen. Da er seine Frau nicht gleich zu Hause fand, durchmaß er ärgerlich und mit großen Schritten das fchöngetäfelte Eßzimmer. Na bist du endlich da?" Herrgott, brumme doch nicht gleich wieder! Ich kann doch auch mal' ne Minute später kommen." Brummen, brummen! Hast du keine schöneren Worte in deinem Sprachschatz?" . Nein. Die ganze deutsche Sprache hat kein passenderes." So ' na also. - Dann können wir wohl wenigstens jetzt frühstücken!" Gewiß! Du siehst doch, es steht alles bereit." Sie setzten sich nieder, allein seine ärgerliche Stimmung blieb.' Er sprach kein Wort, sondern schlang alles schweigend in sich hinein. Das paßte seiner Gattin aber nur wenig. X Was ist denn bloß los, Hermann? Warum red'st du denn nicht? Schmeckt dir das Essen nicht? Oder ist der Wein zu warm? So'n wüthendes Gesicht ist ja gräßlich!" Du weißt, ich lege keinen Werth auf Essen. und Trinken". Na, Gott sei Dank, ich habe mir schon Sorgen gemacht!" Ach, laß doch die Scherze! Mir ist wirklich nicht danach zumuth!" Na, zum Kuckuck! Dann erzähl' doch wenigstens, was los ist!" Wenn du's denn also durchaus wissen willst: Ich kriege kein Material, ich kriege keine Arbeite: ich kann morgen die Fabrik zusperren!" Donnerwetter! Das ist ein bißchen viel auf einmal!" Wenn's dir zu wenig ist, kann ich ja auch noch Concurs anmelden." Aber, Mann, nein! Es thut mir nur leid, denn sieh mal, ich wollt' gerade mehr Wirthfchaftsgeld haben." Was, schon wieder?!" Aber,, hör' mal, es kommt, doch der Winter; Und das Fleisch ist theurer und mehr Kohlen brauchen wir auch. . ." Ach so na ja. . ." Er lief wieder im Zimmer .auf und ab. Na, nimm's mir nicht übel, zu solchen Späßen bin ich nicht aufgelegt und ich habe auch gar keine Zeit dafür. Ich habe wichtigere Dinge im Kopf. Adieu!" Und ohne ihr die Hand zu reichen, riß er die Thür auf und warf sie hinter sich zu, daß es dröhnte. Frau Barth lächelte dazu. Sie wußte ja, wie alles gemeint war, und kannte es feit langen Jahren. Im Grunde war es doch ein guter Kerl und nur gar zu sehr geneigt, sich über alles zu giften und zu ärgern. In Seelenruhe ging sie drum in ihre Küche, ließ da so mancherlei zusammen)?acken, und es dann gegen ihren Mantel bei Wernickes umtauschen. Den brauchte e nämlich, denn sie wollte noch ein paar Besuche machen, und sie fror nicht gern. Dort im 'Hinterhaus hatte sich inzwischen nur wenig verändert. Die erste Freude über die Gaben der Wirthin war bald verrauscht. Das schwarze Gespenst der Noth, das ihnen in trüben Stunden so oft vorgeschwebt, es saß ihnen zu fest schon am Hals. Sie erstickten fast daran. Vergebens, daß sie sich dagegen wehrten es ließ nicht, locker. Was konnten ihnen die paar Gaben auch nützen! Was entbehrlich war.das hatten sie längst schon fortgeschafft. Kahl sah es aus in der kleinen Wohnung, und nur die Sorgs machte sich breit. Und wieder war der Mann nach stundenlangem Umherirren gekommen. Wieder war er vergebens gelaufen. Jetzt saß er stumpf und matt und starrte vor sich hm. Wenn's nun nicht bald kommt, Mutter. . ." Er zuckte die Achseln. . . . Dann müssen wir betteln!" Hab' doch nur Muth!" Muth! Wo soll ich den hernehmen? Aus Arbeit kam ich ohne meine Schuld neue kann ich nicht finden. Du arbettest dir die Finger wund) und das Mädel i- ist krank." Sie werden uns ja helfen. Du hast's ja gesehen!" Uns? Unserm kranken Mädel! Gesunden hilft kein Mensch." Aber die Frau hat doch " Ja, die Frau. Die mag gut sein. Aber er " Er wird's auch. . ." Hestig schüttelte der Mann mit dem Kopf. Man droht nicht mit dem Rausschmeißen, wenn man gut sein will."
Vielleicht gehst du . . . ma! zu ihm." Ganz leise hatte iie's gesagt. Frau Barth meinte so", fetzte sie hastig hinzu, denn sie merkte, wie ihr Mann auffahren wollte. Schlimmstenfalls für einen Monat. . . könnte ich wohl. . ." Zögernd reichte sie ihm die paar Mark herüber. Mit einem gewissen Trotz steckte er sie ein. Dann ging er hinüber ins Vorderhaus. Herr Barth saß grade beim Kaffee und rauchte eine gute Cigarre, als
Wernicke ihm gemeldet wurde. Na kommen Sie wirklich? Em bißchen Zeit haben Sie sich ja gelassen!" Herr Barth es ging nicht eher. . ." Schon gut, schon gut! Die Hauptsache ist, daß Sie endlich das Geld bringen. Meine ganzen Bücher sind in Unordnung. Nicht mal das letzte Quartal habe ich abschließen können." ' Er ging an den Schreibtisch und suchte die Quittung. So siebenunddreißig Mark und fünfzig Pfennige." Herr Barth ich wollte noch. . ." Was?" Es wird mir jetzt so schwer. . Was? Sie haben die Miethe nicht?" Gewiß das heißt für einen Monat. Mehr. . ." er zuckte mit den Achseln habe ich beim besten Willen nicht." So. Für einen Monat also nur! Ja. . . na das hilfst nun nichts. . ." Herrgott, ich kann ja nicht mehr!" fast schrie er es heraus. Na ja, na ja. Dann also hier. . . achtzehn Mark und fünfundzwanzig Pfennig. Es thut mir ja leid. Aber meine Bücher, sehen Sie Ordnung muß doch sein!" Wernicke sagte nichts mehr. Er nahm Yit Quittung und schob ab. Es war kaum feine Schuld, daß die Thür etwas beftiger zuschlug. . Na' hast du. . ." Doch seine Frau ließ ihn nicht ausreden. Psui", rief sie, pfui! Wie kann man sö l)art fein, so grausam. . ." Ich hart, ich grausam?!" Weißt du denn, was du eben gethanhast?" Nun, was denn? Meine Miethe genommen weiter nichts!" Die Leute haben ein krankes Kind, der Mann hat keine Arbeit. . ." Und meine Bücher?! Sollen die nie in Ordnung kommen?" Ach. deine dummen Bücher!. . . Das hast du wohl längst vergessen, wie wir einmal angefangen haben. Wie es uns gewesen wäre, wenn man uns damals nur der Ordnung wegen" den Credit gekündigt hätte! Wir waren froh, daß wir zu essen hatten, und dachten auch an nichts ... und um unseres Kindes willen. . ." Herr Barth wurde plötzlich sehr erregt. Sprich doch davon nicht!" Na ja. . . ich glaube, für unsern Jungen würdest du doch heute noch Bücher und Ordnung hingeben! Und den armen Leuten da. . ." Aber nun hör' doch schon auf! Sieh, hab' ich dir jemals was abgeschlagen?" Ach mir!" Und ich wußte doch, wofür du's immer willst: Du sprachst von mehr Wirthschastsgeld! ' Aber da da ist doch. . ." Er schob ihr ein paar Scheine.zu. , , Er war ganz gerührt. Und sie starrte ihn verwundert an. So so meinst du's. . .Aber Mann!" Und ehe er sich's versah, hatte sie ihn umarmt und geküßt. Dann stürzte sie zur Thür. Du du Brummbär du!" Ja. Brummbär! Ordnung muß sein, die regiert die Welt!" Gewiß,, gewiß ich weiß schon...." ' Und hör mal!" Er ging ihr nach. Bestell' ihm", sagte er ganz leise, er soll mal vorsprechen morgen, drüben im Bureau na, du verstehst doch!" Aber natürlich. . ." Sie lief hinaus und ließ die Thür sperrangelweit offen. .Verfluchte Wirthschaft!" schimpfte er ihr nach. Für Ordnung haben sie wirklich keinen Sinn, diese Frauen!" Dann steckte er sich in Seelenruhe eine neue Cigarre an. Uever eyrersrruoeir rn Kansas wird aus Pomeroy mitgetheilt: Frl. Edna Harris, eine Lehretin in den hiesigen Schulen, hatte vor einigen Tagen einen Schüler wegen unartigen PenehmenS gezüchtigt. Den nächsten Tag erschien die Mutter des Jungen, Frau Cynthia Ray, in der Schule, versetzte der Lehrerin einen wuchtigen Schlag in's Gesicht und zerzauste ih: Haar. Fräulein Harris verklagte' die Frau und dieselbe wurde von Richter Stockton mit einer Geldstrafe von $10 belegt. Sie mußte auch die Kosten bezahlen, welche sich auf 5,l!,k,n. Ja so! Sind Sie auch schon 'mal überautelt worden, Herr Baron?" Nein bin selbst Autler!" Unverfroren. Madame: Wie oft soll ich's Ihnen sagen, wenn ich einmal klingle, wünsche ich die Kö chin, und wenn ich zweimal klingle, sollen Sie kommen; wenn Sie sich aber nicht danach richten, dann ist die Anordnung doch - ganz überflüssig!" Dienstmädchen: Nun, aber man weiß
doch 'wenigstens, wer gemeint lst.
