Indiana Tribüne, Volume 29, Number 87, Indianapolis, Marion County, 4 December 1905 — Page 5
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gOo oooo oOOo ocoo oOOo 0O00 00g WUdesMut. o o o o g Eine Studcntenzel'chichte aus dem Ishre g 159G o o o
8 o o Von Rudolf Rabe. OooCQooCQo oQOo oOOo oQQoocS In die Gassen der guten alten Stadt Tübingen im gesegneten Schwabenland wollen wir hineinschauen, wie es dorr aussah uin's Jahr des Heils 1596. Das Handwerk hatte goldenen Boden: die Küfer klopften in munterem Takt die Reifen um die Weinfässer, die den Herdstsegen der Weinberge im Neckarihal fassen sollten; die Buchdrucker übten emsig die Kunst Gutenbergs, Kalender für das Volk und gelehrte Werke für die Universitäten in Lettern zu setzen; die Waffenschmiede pochten eifrig an kostbaren Rüstungen für die Edelleute am herzoglichen Hof in Stuttgart; Pokale und Kannen für die Prunkfeste der Städte und Hochzeitsschmuck für die reichen Bürgerstöchter standen bei den Goldschmieden zur Schau, und die Scheeren der Gewandschneider schnitten flandrisches Tuch und bunte venetianifche Seide zu geschlitzten und gepufften Wämmsern. wie sie der spanische Hof in die Mode gebracht hatte.' Die reichen Bürger und die trotzigen Studenten der Tübinger Hochschule zahlten lieber die blanken Gulden Strafe wegen Uebertretung der strengen herzoglichen Kleiderordnung, die fchon im Gewand äußerlich die höheren und niederen Stände scheiden sollte, ehe sie darauf verzichtet hätten, in der hoffärtigen, verbotenen Tracht mit hochgestürztem Rappier und Federhut durch die Gassen zu stolziren und zum Tanz 'und zur Hochzeit zu gehen. Der Ruf der Tübinger Hochschule war weithin gedrungen. Alljährlich strömten einige hundert Studenten aus allen Theilen des Reiches zur Universität im lieblichen Neckarthal und verließen sie, wie wohl mancher Musensöhn noch heute, nur mit traurigem Herzen, um daheim im trockenen Philisterium des Amtes die gewonnenen Kenntnisse als Jurist, Theolog, oder Arzt zu verwenden. Leider melden nun die in derbem Deutsch vom Kanzler Crusius abgefaßten kurzen Senatsprotokolle nichts von diesen zahlreichen, fleißigen Studenten, wohl aber mehr von den tollen Streichen der übermüthigen Gesellen, die sich den strengen Vorschriften wenig fügten und dem Universitätssenat das Leben sauer machten mit nächtlichem Gassenlarm. Fechten, Raufereien, Serenaden vor den Fenstern hübscher Bürger.töchter. Streit mit der Bürgerschaft und den. Wächtern der Ordnung. Kopfschmerzen, Aerger und eine schlaflose Nacht hatte auch der hochgelehrte Kanzler der Universität, Prostssor Doktor Josias Crusius, hinter sich, als er beim trüben Licht eines Novem--bermorgens anni salutis 1596 hinter den ibleigefaßten, runden Fensterscheiben seines Wohngemachs am Schreibpult kräftig mit dem Gänsekiel den Schlußpunkt setzte hinter die Anklage 'gegen drei Studenten, die heute vor den ,Senat geladen waren. Als er das Sandfaß über die Schrift .schüttete und dann heftig auf den Tisch stampfte, rief er zornig: Kreuzsakerment, der böse Feind hol' diese Bur.'sehen, sie leben nur in Trunk und Lärm!Aber, Herr Vater, ich bitt' Euch rief sein einzig Töchterlein Dorothea und ließ vor Schreck den Stickrahmen aus der Hand fallen, Ihr habt beim heiligen Sakrament geschworen, das habt Ihr noch nimmer gethan, und im Senat straft der Herr Vater die Studiosi deshalb um zween Gulden, hat mix der Martin Heaer gesagt! Hat er das zu Dir gesagt? Laß Du Dir nit zu viel sagen von dem, das sag ich Dir da soll einem, nicht die Galle in's Blut steigen und gerade die heut vorgeforderten Studenten sind die tollsten, und der Martin Hecker ist ihr Lehrer und Kosthalter. Kann er seine Scholaren nit besser regieren, so verbieten wir vom Senat ihm weiter Kosthaus und Schüler zu halten. Reich mir lc.4 k rTlt ' f$J.V 4MfCla y?y" yui uiiu vwiuu, dviuu fiuu uti mit. 'meinen Reisesack mit den besten Kleidern und Wäsche!" ; Jawohl, Väterchen. Wollt Ihr heut schon nach Stuttgart? Da bin ich ja ganz allein mit der alten Riete!- : .Ich komme am dritten Tag Abends mit Extrapost zurück, ich muß Beschwerde führen beim Herzog, daß er der Stadt helfe, Abhilfe zu schassen gegen den Unfug der Studiosi." Än der Thür hielt Dorothea den Kanzler am Arm fest und sagte ViU tend: Wenn der Herr Vater auch die bösen Studiosi in den Carcer stecken mag, so bitte ich doch Milde für Martin Hecker. Ich weiß, daß er sich heftig müht, die bösen Buben in seiner Bursch sittsam zu halten. Aber wenn der hohe Senat sie nit kann zwingen, wie soll es da der arme Martin thun? Und schließet Ihr ihm sein Kosthaus und nehmt ihm seine Schüler, die ihm zahlen für Kost und Unterricht, wovon soll er da leben? Ihr wisset, daß er gar arm ist, keinen Vater, keine Mutter hat. und daß seine Frau Mutter einst meines seligen Mütterleins gute Freunbin aewesen ist." Du führest ja seine Sache wie ein pfiffiger Advocatus." sagte der Kanzler ärgerlich; setze dem armen Schlucker
seinen Wind in den Kopf er kommt j mir zu oft in's Haus." O Gott, Herr Vater, nur jeden Mona! einmal, das ist doch bescheiden genug, und da hält er sich so sittsam und weiß so hübsch zu reden " Und Du hörst so hübsch zu," unterbn sie ihr Vater, aerade wie Du neulich thäte',:, als Du mit iym. in's Gespräch vertieft, vor unserer Hausthür standest, wobei er Deine Hand fest in der feinen hielt, und Du mit Schreck und Erröthen in's Haus flüchtetest, als Du mich kommen sahst. Du kennst meinen Willen, daß ich den jungen Kaufherrn Amstetter in Nürnberg, Deinen Vetter, mir zum Eidam aus erkor, weil er ein Haus führen kann, wie es sich für meine Tochter paßt." Herr Vater, ich mag aber nicht zu den stolzen' Amstetters in Nürnberg. Wie waren die Basen hochmüthig und lachten über meine Haube beim Besuch laß mich bei Dir im Haus!s Schweig, ich baue fest darauf, Du bist auch hier mein gehorsam Kind wie sonst; aber den Habenichts, den Hecker. laß mir fort!" Mit traurigem Blick folgte Dorothea dem strengen Vater über die Straße, wo die Bürger tief die Kappe vor ihm lüfteten, und seufzend beugte sie sich über den Stickrahmen.x Sorge und Mitleid mit dem fröhlichen Jugendgespielen zogen wegen des Gerichtstages durch ihre Seele: Furcht vor dem Hofsättigen Patrizicrschn, ihrem Freier, und die heimliche Liebe im Herzen rangen gegen den Respekt vor dem Vater. Wie sollte das enden? Der arme Martin war der erste und' letzte, woran sie dachte. Unversehens rann ihr eine Thräne über die Wange und fiel gerade auf den rolhcn Faden, den sie durch den Stickrahmen zog Sie riß den Faden ab und betrachtete ihn lange kummervoll." schlang ihn wie einen Ring um den Goldfinge? der linken, dann um den Goldfinger der rechten Hand und sang leise, in den trüben Novemberhimmel schauend, vor sich hin: Liebe mit Sckmkrzen Bindkt yvti Herzen, Zädchkn, bist dünn und fein, lieber z:vei Ringelein. Eoldrii'.g. vor Gott geweiht. Bindet in Cig!eitk y In der düsteren Aula der Universität saßen bereits der Rektor auf seinem hohen Richterstuhl und neben ihm fünf Professoren als Beisassen.' Mit tiefer Verbeugung begrüßten einander Kanz ler und Senat, dann ließ sich Crusius auf seinem Sitzpult seitwärts nieder und entrollte das Protokoll für die Sitzung. Lasset die angeklagten Studiosi herein. Pedell!" befahl der Rektor. Herein traten drei Studenten; voran, den Hut mit Federschmuck schwenkend, der hochgewachsene, blondbärtige Junker Veit von Planck, hinter ihm-Achaz Hambcrgcr, ähnlicher Statur, als letzter folgte langsam der untersetzte Jörg; Leipziger, desien dunkle Augen unter den zusammengewachsenen schwarzen Brauen sckarf nach den Mienen der Richter spähten. Wegen harten Frevels wider den Frieden der Stadt seid Ihr vorgefordert." beaann der Rektor, trotzdem beleidigt Ihr. statt in geziemendem dunkein Gewand zu kommen, wie es einem reuigen Herzen ziemt, unser. Auge durch Euere verbotenen geschlitzten Kleider." Fünf Gulden Strafe oder zwei Tage Carcer dafür Jedem!" rief der Kanzler. Mit Verlaub, hohe Herren." sagte der Junker Planck vortretend, mein adelig Privileg verstattet mir den kurzen Mantel und den Federputz am Hut. lasset mich deshalb die fünf Gülden sparen wie das Loch." ' Sei das Gewand denn für Eueren Stand entschuldigt." entschied det Rektor, aber für die zu lange Wehr. die Ihr hinten hochstürzet wie ein sahrender Landsknecht, strafen wir Euch um zwei Gulden und Verfall ; des Schwertes an den Profoß." Ich kann nit dafür.aß es so lang ist wie eine Kunlatte; es ist meines Großvaters Erbstück, strafet seinen Waffenschmied darum, wenn er ncd, lebt, , nit mich!" So tragt's auf Eueres Vaters Gut. Nicht in der Stadt. Ihr dürst'ö auch vom Profoß um drei Gulden wieder lösen. Für Achaz Hamburger und Jörge Leipziger bleibt's bei den fünf Gulden, weil sie bürgerlichen Bluts." Mit Verlaub." vertheidigte sich Leipziger, es sind so viele Erlasse ergangen wegen der Kleiderordnuna. daß, wenn wir Studiosi all die Verbot: uns wollten in den Kopf keilen, wi: darin dann nimmer noch Raum hätten für unsere Studia. Wölln wir aber zu Tanz und Hochzeit gehen im langen, dunkeln Mantel, so rümpfen die feinen Jungfern die Rase und sagen: Sucht Euch eine Andere. Junker Vogelscheuche!" X Jawohl, man kennt sich nimmer aus," sekundirte ihm Achaz Hamberger; auch sind wir nit schuld, di? Schneider sind's!" Jawohl." rief Junker Plane!, di! Schneider sind schuld, sie wollen's nit anders machen. Auch hemmen uns die langen Mäntel am Fechten auf der Aue." Ihr soll! Euch auch nit duelliren!" erwiderte der Kanzler. Auch verwickeln wir uns leicht die Beine darin." fuhr Achz Hamberger eifrig fort, wenn wir bei einem Lautenschlagen und Gesang vor der Liebsten Haus Nachts suchen müssen den Stadtwächtern zu entrinnen. Ich fiel über meinen Mantel, warb; erwischt.
von ihnen Löel geltoßen und saß zwei Tage im Carcer, so daß ich von dem langen Schlepper großen Schaden gewann!" Ein lautes Lachen ging durch dcZ Richterkollegium ob dieser Vertheidigung, und grimmig stieß Leipziger Achaz in die Seite: Hätt'si Du do Deine dumme Red verschluckt. Du Ochs!" Wenn Euch der lange Mantel der Studiost hilft, sie zu greifen," sagte der Rektor zum Profoß, so achtet besser drauf als jetzt, daß sie ihn auch tragen." Da ist schwer zu achten," vertheidigte sick der Vrofob .mit dem .ficrnfc und in langen weißen Vadmänteln laufen sie über die Gasse, Topfdeckel auf dem Kopf, und rufen laut, das sei die rechte Tracht." Wir kommen jett zur Sache, ruft die Zeugen!" befahl der Kanzler. Neben ihrem blöden Mann, den sie mit dem Ellenbogen an die mühsam beigebrachte Verbeugung erinnerte, erschien vor. den Richtern eine behende, runde Frau, die Wllrzkrämersfrau Barbara Bloch. geborene Klavpmeier. Dann folgte Hans Treff, der. dicke Wirth vom Güldenen Schaff dem man den Weinlenner auf zehn Schritte an der Nase ansah, freundlich gegrüßt von den hohen Richtern, die in seinem KellerstUbchcn die Sorgen über die Studenten beim Lorcher Pfaffenwies zu vergessen pflegten und einander vergnügt ihre eigenen Jugendstreiche erzählten, über die Hans Treff wohlweislich schwieg. Als letzter erschien der Magister Martin Hecker, eine hohe, kräftige Jünglingsgestalt, Mitte der zwanziger Jahre, in einfachem Gewand; ein hellblonder Vollbart umrahmte ein Gesicht von einnehmenden! ernsten Ausdruck. Als er sich vor dem Kanzler Crusius tief verneigte, vergrub derselbe schnell die Nase in seine Akten und achtete des Grußes nicht. Ein tiefes Weh zog da durch Martins Herz, als würde das letzte Licht ausgelöscht, das noch in sein dunkles Schicksal hineinschien, und er gedachte so wehmuthsvoll, mit so warmer, heimlicher Liebe seiner Jugendgespielin wie Dorothea Crusius bei 'ihrer Stickerei im VaterHaus in dieser Stunde seiner. Tragt Euere Sache vor, Wllrzkrämer Bloch!" sagte der Rektor. Verlegen die Mütze in der Hand drehend, stieß der Krämer seine Frau an: . Red Du. Bärbele, Du hasch: guet schwätze!" Sie kam ihm zungenfertig zu Hilfe: Euer Hochwürden werde schon erlaube, zu Haus red i a für ihn. Da sind wir in der Samstagnacht vor Sankt Sebastian fröhlich zusammegefesse es war unser Hochzeitstageunsere Tochter, die Annemarie, war ertra von Reutlingen kumme mit ihrem Mann, dem Messerschmied, und noch a paar guete Freund mit ihren Eheliebsten, und i hatt an leckeren Lammbraten zugericht mit Spätzle und Mandelkuchen. gebacken, und a Fisch gab's und ein Fäßl Malvasier, womit wir unsere Gesundheit getrunke und tc unser Eidam, der Messerschmied, gar kunstfertig auf der Laute, hatv er geschpielt, und wir habe g'sunge.und .a bisl getanzt da höre wir ein unmenschlich Geiohl.vorm Haus und grobes Klopfen g,egen die Thür. I sag: ,Was isch das?' und lueg aus'm Fensterle und seh, es sind drei Studenten, die keck Einlaß begehren, sie wölln auch tanze und von unserem Würzewein trinke, und als i hinabrief,' sie seien schon voll des Weins und sollte sich in ihre Bursch zum Magister Hecker schere, der werd ihnen schön den Kopf wasche, hier wär kei Schenk da riefen sie nauf: .Steck die Ras zurück, alte Hex' i, a alte Her! Bin i nit a netts wohlanzuschaueiid Frauenzimmer, das müssens doch selber sage, hohe Herren Richter, wenns noch Auge im Kopp habe und i sollt auf 'nern Besen auf den Blocksberg reite, und die Thür schlügen sie in Feuerholz zusamme. Da wollt unsere Mannsleut 'nunter, sie mit Schlägen tüchtig abzutoffeln, und es war um a Härle, so wäre sie in Streit gekImme, da hatt der liebe Gott ein Einsehen mit uns arme Weibsleut und führt in seiner Gnad a gerad den Herrn Untervogt den da mit der dicken Ras, und zwei Knecht heran, der hat Ruh geböte und gerufe: ,Lueg, dös sind ja drei alte Bekannte vom Carcer, Ihr Leut, dran!' Aber wie dann die Studente die Rappiere zöge, dacht i: Schau fort, sonst tritt Dich 'ne Ohnmacht an!" Gut. daß Euch schwach wurde, sonst schwätzelt Ihr hier noch ' ne Stunde!" rief der Kanzler Crusius ärgerlich. Warum habt Ihr die drei Lärmschläger nicht gleich abgeführt. Untervogt?" . Wir waren drei gegen drei." vcrthcidigte sich dieser,.. .und die Studenten riefen, wenn uns die Haut jucke, wollten sie uns das Fell mit den Klin $en kratzen!" Am Ratbhaus dicht dabei sitzt doch die Bürgerwache!" Auf hie Buchbinder ist kein Verlaß; sie sagen, sie hatten Weib' und Kind zu Hause, schwätzen und trinken auf der Bank und laßen auf meine Mahnung dem- hohen Senat sagen, er sollt's ihnen vormachen, die Edelleute , mit ihren langen. Rappieren Nachts vom Marktbronnen zu jagen und ihr Geschrei zu stillen, wenn sie dort das lose Lied von den .sieben Nonnen' singen." Wir werden nicht viel Lust dazu verspüren," sagte der Rektor. Drohet der Vürgerwache fünf Gulden an, dann werden sie schon mehr Tapferkeit verspüren. Setzet diese Verordnung auf, Herr Kanzler." -
Wird nit viel helfen," meinte Cru. sius gleich den übrigen." Darf ich hiegLgen für mich und meine Freunde sprechen, hochcdle Herren?" sagte Leipziger vortretend. Wir waren heftig im Wein und in hitzigem Muth, und da lärmten wir an des Würzkrämcrs Thür, weil wir noch einen Span im Zahlbrett mit ihm auszugleichen hatten, dieweil er einem Studenten unserer Bursch über den Kopf geschlagen, nur weil er des Würzkrämers jüngster Tochter ein Lied zur Laute sang" ..Es war ein loses Lied, daß wir uns vor den Nachbarn schämten," rief die Würzkrämerin dazw!scheu ..und da wollten wir ihn nur an seinem Wein strafen und scharf mittrinken," fuhr Leipziger fort. Ihr hattet schon Wein genug. Wo habt Ihr vorher gesessen?" inquirirtk der Rektor. Leipziger zögerte unsicher. Beim Schafwirth, glaub ich." sagte cr endlich und wandte sich rasch um zu diesem. ..Nicht wahr, bei Euch war's?" fragte er und hielt dabei schnell zwei Finger vor den Mund, um ihn zum Schweigen zu mahnen. Es ist beim Schafwirth nichts Unrechtes geschehen," schloß er. sich wieder zu den Richtern wendend. - Man inquirire doch einmal scharf den. Magister Martin Hecker. Er scheint doch auf sein: sauberen Schüler zu wenig zu achten, daß sie so lange beim Schafwirth sich berauschen dürfen."sagte der Kanzler Crusius; -auch er scheint einen Theil der Schuld zu tragen!" Wenn ihn auch diese Worte wie ein Messer trafen, so trat doch Martin erhobcnen Hauptes vor die Richter und rief: v Ich verwahre mich gegen diesen Vorwurf. Die hohen Herren wissen, daß ich durch die große Feuersbrunst, die meines Vaters Haus und Habe verzehrte, und durch den baldigen Tod meiner Eltern gezwungen war, um die Kosten für meine Studia zu bestreikn, eine Bursch für Studenten einzurichten. Die fleißigen Studenten habe ich gefördert; den, der nicht' lernen will, kann ich nicht zwingen, dafür ist das Gesetz der Universität da, ihn wegen Unfleißes von der Universität zu weisen,, und diese Maßregel wäre hier bei den drei Beklagten wohl am Platz, ich hätte sie am liebsten längst zum Hause hinausgejagt." Die anderen Herrchen, die er lobt, sind elende Kopfhänger, nit Studenten," rief Junker von Planek. Nach drei Maaß Wein fallen sie um wie 'die Besenbinder," .sekundirte Achaz Hamberger. Der Hecker ist ein Knicker 'mit dem Wein, deshalb müssen wir, in's Wirthshaus .laufen." Das sind Flausen! Uns relegiren von' der Universität? Hahaha!" rief Leipziger höhnisch lachend, dazu schmecken dem Magister Hecker die blanken Gulden unserer Väter für Unierrich : nnd Kost vie?zu gut. Hört nicht auf' den' Tugendspiegel, edle ' Herren; der chat's dick hinter den Ohren!" Das ist eine dreiste Lüge, die Ihr mir büßen sollt!." rief Martin. Ihr sollt hinaus aus der Stadt, und wär es nur um Eueres Teufelskrams und Handels mit der Schw.arzen Kunst willen.' Jörge Leipziger, ehe Ihr mir noch die ,andcren Studiosi in meinem Haust verderbet!" - Wie von einem Schlag getroffen, prallte Leipziger zurück; auf seinem Gesicht malte sich jäher Schreck, aber rasch gefaßt erwiderte er: Ich weiß nichts davon, was Ihr träumet' und wähnet, jedenfalls gehört es nicht zur Sache!" Das gehört doch dazu!" rief der Schafwirth, wobei er sich vordrängte. Ich geb dem Magister Hecker das .Zeugniß, daß er versucht hat, Nachts 'die Studiosi zu sich heimzuholen, aber immer gab's Widerstand; dem Leipziger, 'rbot ich meine Schänke, deün in der Nacht, ehe sie des Würzkrämers Haus bestürmten, kommt mein Schankjunge athemlos in den Keller gestürzt. .Eilt hinauf. Meister HanS.' schreit er. .der Leipziger hat fein Messer in den Tisch gestoßen und würfelt mit dem Hamberger darum, wer dem Anderen einen Finger abschneiden soll!' Ich hinauf, reiß das Messer weg da woll ten'sie mich gar bedrohen!" Zornig fuhr der Rektor auf, die Richter stießen Rufe der Empörung aus. der Kanzler Crusius rief dazwi schen: Ruhe jetzt! Ich beantrage, die drei vorgeführten Studiosi, besonders Leipziger, in den Carcer zu thun, die Sache selbst auch durch mich, der ick heute nach Stuttgart reise, dem Herzra selbst vorzutragen, damit er mehr Wachen schaffe.' Tübingen kommt in Verruf; die Nürnberger wollen ihre Söhne schon nicht mehr schicken, weil es hier schlimmer sei als in Sodom und Gomorrha!" So, sei es," entschied der Rektor. Wir danken Euch, für Eueren Eifer, hcchmögender Herr Kanzler. Bis zu Euerer Rückkehr und Urtheil bleiben die Studiosi in Haft." In Haft? Wären nit fo viele Verbote, wär nit so viel Lärm; wär nit so viel Lärm, wär nit so viel Strafe, wär nit so viel Trotz. Wir sind noch jungen Bluts und deshalb wild," vertheidigte Leipziger aufgeregt sich und seine Genossen. das geb ich zu. Aber was das leere' Gered von der Schwarzen Kunst anlangt, so soll Magister Hecker scharf auf seine Worte sehen, wenn's ihm nit schlimm bekommen soll!" Dreisten Schrittes verließen im Gefolge des Pedells die Studenten den Saal, wobei sie ihren Magister mit haßerfüllten Blicken streiften. , ,.J dank auch, daß das hohe Gericht
uns BUrgersieut schützt," sagte d:e Würzkrämerin knixend, i dacht schon" v Was sie.dachte, hat das hohe Gericht nie erfahren, denn der Schafwirth schob mit den Worten Schwätzen's nit noch lang, die G'schicht ist aus" die Würz.krämerin hinaus, der zum ersten Mal im Leben die Rede im Munde stecken blieb. Später hat sie freilich noch bis an ihr seliges Ende von den Folgen dieses Gerichtstags erzahlt.' Hochedle Herren," so begann jetzt Martin, mir liegt, ehe die Sitzung schließt, noch eine schwere Bitte auf der Seele. Daß ich meine juristischen ,Prüfungen wohl bestanden habe, beweisen meine guten Zeugnisse; und obwohl kein Christ aus dem Tode seines Nächsten Vortheil ziehen soll, so begehre ich doch an die Stelle des jüngst verstorbenen Stadtsekretarius Andreas Nothnagel zu treten. Der Fürsprache des Herrn Bürgermeisters, eines alten Freundes meines lieben Vaters, bin ich sicher, bedarf aber von dem Rathe der Stadt eines Zeugnisses des hohen Senats der Universität als Lehrer der Studenten, und ich bitte deshalb .die Missethaten, von denen wir gehört haben, nicht mir anzurechnen, da ich fleißige Studenten durch's Examen 'gebracht habe. Bin ich erst Sekretarius. so boffe rf n Gunst .und Fleiß bald wohlbesoldcter Stadtkämmerer zu werden und auf meines seligen Vaters Stuhl im Rath: der Stadt zu sitzen." Wir sind bereit, Euch zu fördern, Magister Hecker," sagte Crusius, aber erst helfet uns, des schlimmsten Verführers der Studenten, Jörge Leipzigers, von der Hochschule los und ledig zu werden. Was wisset Ihr von seiner Schwarzen Kunst?" Ich sage nicht mehr und nicht weniger als die Wahrheit. In Leipzigers Zimmer,. das dieser sonst stets verschließt, und aus dem oft seltsame Gerüche verbrannter Kräuter strömen und Gemurmel von Sprüchen zu hören ist, fand ich zufällig auf dem Tisch aufgeschlagen einen großen Folianten, betitelt: .Doktor Fausti Zauberspiegel dabei einen Todtenkopf, einen Kessel und einen Kreis mit kabbalistischen 'Zeichen, von Leipziger ausgeführt, so wie er im 'Buche vorgeschrieben war. um sich vom leibhaftigen Satan Gold zu verschaffen, wofür noch verlangt wird: ein goldenes Kreuz, das eine Jungfrau getragen hat, der Strick eines Gehenkten und ein Glied , vom Leibe eines lebendigen Menschen; deshalb war ich entsetzt, als der Schafwirth von Leipzigers frevlem Würfelspiel mit dem dummen Achaz Hamberger um einen Finger Zeugniß gab!" Kanzler Crusius erhob sich: So sei es Euer letzter Dienst für die. Universität,, bevor sie Euch mit günstigem Zeugniß zur Stadtverwaltung em pfiehlt, Leipzigers Teufelspuk so aufzudecken, daß - wir ihn von der Hochschule entfernen können!" " Soll ich allein diesen Handel losen und darauf warten, bis ich einen Beweis finde, so wird inzwischen ein anderer Magister mir zuvorkommet Es bewerben sich zwei außer mir um. das Amt!" ief Martin schmerzlich enttäuscht. Darum sehet zu, daß Ihr rechtzeitig zum Beweis kommt; dabist Eure Aufgäbe. Leipziger ist.nun einmal in Euerer Bursch, und Ihr seid als Magister verantwortlich für sein Thun helft Euch selbst!" sagte Crusius, ich muß mich jetzt eiligst zur Reise nach Stuttgart rüsten und schließe die Sitzung." Wenige Augenblicke später fiel der Sonnenschein in den leeren, trüben Saal der Aula und warf die bunten Farben der Fenstergemälde auf die grauen Akten, die so viel Lcbensschicksal bestimmten.
In der Nacht, die dem Gerichtstag folgte, hatte Leipziger die Fenstergitter durchgefeilt, sich hindurchgezwängt und war am schlafenden Wächter vorbei dem Carcer entronnen. Durch die engsten Gassen schlüpfte er und schlich in Mariins Bursch, schloß hier leise seine Kammer auf und packte eilig Kleider und sonstige Habseligkeiten zusammen. In die Mitte des Bündels legte er von allen sonstigen Büchern nur Doktor Fausti Zauberspiegel," seltsame Flaschchen und Kräuter, tauchte einen Pinsel in die Tinte und schrieb an die Thür: Martine, schweig oder hüte Dich vor dem Rächer! und glitt dann mit dem Bündel hinaus in die Nacht, wo ihn eine Lücke in der Stadtmauer, der Katerstieg der Studenten zum nächtlichen Wilddieben und Gänsestehlen. in's Feld führte bis an ein einsames Haus, das ein Pestgeruch von bleichenden Pferdeqerippen umgab. Hier klopfte er an's Fenster. We? kommt?" rief eine rauhe Stimme. Der Heimlichen einer. Oeffmt, Meister!" Ein schwerer Schlüssel krachte im Schloß, Leipziger stand vor einem riesigen Mann mit rothem Vollbart. Habt Ihr, was ich brauche?" fragte der Student. Ich hab's, tretet ein!" sagte der Scharfrichter von Tübingen. Habt Ihr Geld?" Sechs Gulden, Meister Hans!" Nein, sieben; die sieben muß dabei sein bei solchem Handel, sonst hat die Waare keine Kraft!" Hier sind die sieben, mein letztes Geld," sagte Leipziger. Der Teufel muß mir hundert Gulden schassen, ich will aus der Stadt zu den Landsknechten; wenn mein Magister pfeift wegen .Doktor Fausti Zauberspiegel komm
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M M Am(Etaölirt 1L53.) ..Jndiaua'S größter Laden... Diese Chediots Sind des Kommens werth Der westliche Bargaintisch wird seit diesem Verkauf mit begierigen Käufern umlagert, von Frauen die die Waaren kennen. Es gibt keine bessere Partie in der Stadt. Ganz wollene Cheviots 42 Zoll breit, in wünschenöwerthenSchat tirungen von roth, braun, grün und blau. Eine Qualität die zu 69c verkauft 'werden sollte, aber durch einen -glücklichen Einkauf osseriren toit Ihnen diese! A Qa ben, die Yard zu. TüÜ West Gang. MW M AlW C0. ich ssnst vor's Gericht. Aus dem Carcer bin ich ausgebrochen." Necht so, macht Euch fort. Ihrfangt den Teufel, daß er Geld gebe, nur im Strick eines Gerichteten; hier habt Ihr ihn. Durch diese Schlinge habe ich gestern Steffen Hackelberg gucken lassen wegen Straßenraubs." Gebt her, ich muß diese Nacht noch zurück in die Stadt, ich brauche zum Zauber noch das Gotdkreuz einer Jung-, frau." Wißt Ihr schon, wo Ihr 's holt?" Jawohl, vom weißen Hals der Jungfrau Dorothea Crustus," rief Leipziger, stch schadenfroh die Hände reibend; ich weiß schon, wie ich 's mach. Habt Ihr Besuch?" Drei zage Muttersöhnchen, eben von Mutters Schurze zur Hochschul gekommcn mit vollem Beutel, trauen stch noch nicht recht, den Becher und das Richtschwert anzufassen." Kommt hinein, Meister, ich will schon den Grünspechten beim Würfelspiel die Federn rupfen." Er trank und spielte mit den jungen Studentlein, erleichterte ihnen stark den Beutel und schwang höhnisch lachend das breite Richtschwert vor ihren entsetzten Blicken. (Schluß folgt.) Von hev Hckundärbaltn. Dreißig Mark Belohnung Wer uns das Individuum, welches am 3. August zwischen Sachteberg ,. und Kriechleben eine halbe Stunde' lang neben dem Zug Nr. 107 herlief Kir--schen aß und die Kerne dem Lokomotivführer in's Gesicht spuckte, so namhaft macht, daß es wegen Gefährdung eines Eisenbahntransportes belang: werden kann, erhält obige Belohnung. Schneckenlauffurt, den 10. August 1905. Die Eisenbahnverwaltung. ' . Truckfc-hlcr. (Aus einem Bericht.) Ich wurde von dc?m großen Humoristen auf das freundlichste willkommen geheißen; gleich beim Empfang bot cr mir einen Witz an. HlßnropaislheS DepartmkÄ Wechsel, Crcöitbricfe, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. chiffsscheinS Von und nach Europa. Un und Verkauf auSl5nv? schen Geldes. No. 35 Süd Meridian u." Merch ant s National Bank. Verlangt - Anzeigen rgend welcher r! werden in der Zndiana Xritflat mit 5c per Seile für lebe Jnsntiou Iminet. - Ynlangt Zwei gute deutsche VÄdchen für erste und zweite Ha arbeit. Nachzufragen 1722 Nord Meridian Strebe. Anlangt Ein Mann um all erster ellner tnm ' deutschen lab Local vorzuftehe. mxsehlangen erden verlangt, dreffe und mpsehlunge sind in der Office dlest latte l lassen. ' Nerlangt-Ei Wadchen für eine kleine Familie, "fc? guter Lohn, ei aschen. Nachzufragen 92. t3l ord Zvelawa Str. I Anlangt Jtaafe in einem Vsttling Veparte ment. Nachzniragen i, ott efl etrat.
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