Indiana Tribüne, Volume 29, Number 87, Indianapolis, Marion County, 4 December 1905 — Page 4

Jnviaaa Tribüne, Dezember io5

Jndiana Tribüne. vnaugtg,devu der Sutendtrg s. JndwnapoliZ, Ind. öarry O. Thudium .... yrisideut. OeschäftSlocalt fRo, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 2G9.

Hntered at the Post Office oi Indianapolis as ccond dass matter. Die Kongretz-Erössnung. Der 59. Kongreß welcher heute eröff net wird, hat schwere Aufgaben, zu be wältigen. Von internationaler Bedeutung wird besonders die Bestimmung, welche betreff der Handelsbeziehungen mi Deutschland getroffen werden wird sein. Der bestehende HandelZVertrag ist von Deutschland gekündigt worden.' Er läuft im März 1906 ab. 53 ist anzunehmen,' daß die beiden Länder schon durch ihre diplomatischen Vertreter die Angelegenheit eingehend erörtert haben. Ein Zollkrieg würde nur die Jn'tereffen beider Nationen schädigen und ein !auf Gegenseitigkeit beruhender Vortrag, wird jedenfalls vom Kongreß gebilligt werden. Von specieller Wichtigkeit für unser Land, ist die FrachtratenVorlage der Administration. PrüfidentRoosevelt, ist fest entschlossen dieselbe durchzubringen, trotz der verschiedenen große Einflüsse die ihm entgegenstehen. Die Einzel heiten seiner Vorschlüge, wird er jeden falls in seiner Botschaft an den Kongreß eingehend besprechen und begründen. Diese Vorlage dürste den großen Monopolen besonders unangenehm sein. Sie haben auch deshalb alles mögliche versucht um den Präsidenten von seinem Plane abzubringen. Man geht kaum fehl, wenn man annimmt, daß die Delegation der Arbeite'rver bände von den Eisenbahngesellschasten angespornt wurden beim Präsidenten Vorstellungen gegen die beabsichtigte Frachtratenregelung zu machen. Man hatte ihnen gesagt, öaß eine Verbilli gung der Frachtraten beabsichtigt sei, der später eine Lohnherabsetzung folgen Müsse. Selbstverständlich sind die Leute ab. sichtlich irre geleitet worden, denn der Präsident hat ja keine allgemeine Frachtratenverbilligung, sondern nur eine einheitliche, FrachtratenRegelung im Auge. Die Enthüllungen im Fleisch.Trust. Prozeß waren eS wohl in erster Linie, welche dem Präsidenten nahe legten ein Uebel zu verringern, welches für das Volk gefährlich war, indem die Bahnen durch gefällige Serbilligung oder Er höhung der Frachtraten die Trusts in den Stand fetzten nach Belieben die Viehzüchterund auch das Volk aus zubeuten. Die außergewöhnlich großen Ver willigungSvolagen, welche für Vermeh rung der Flotte und Kräftigung der KüfteN'Vertheidigung, sowie für den Bau drS Panamakanals vorliegen, dürften weniger SchwZerigkeiten machen, wir Habens ja. Einen heißen Kampf kann man über die Frage einer. BundeS'Kontrolle über die LebensverstcherungS Gesellschaften erwarten, eine gut geschulte und mit überreichen Mitteln versehene Lobby wird ihren Einfluß fühlbar machen. Aber eS ist anzunehmen, daß Angesicht der jüngsten New Yorker Enthüllun gen wenige Eongreßmitglleder eS wa gen würden, sich offen auf Seite der VersicherungS.Gefellfchaften zu stellen, denn die öffentliche Meinung würde sie ' in wuchtigster Weife verdammen. s Deutschland pnd England. ES ist etwa ein Jahr her, daß der deutsche Kanzler im Reichstage über das deutsch-englische serhültniß sprach und sich dahin zusammenfaßte: er könne sich nicht denken, daß der Gedanke eines deutsch. englischen Krieges bei den der nünftigen Leuten in besten Ländern ernstlichen Anklang finden sollte. Sie erwägen nüchtern den ungeheuren Schaden, den auch bei günstigem AuS gange ein solcher Krieg über das eigene Land bringen würde, und die Rech nnug ergäbe, daß .der Einsatz für die sicheren Verluste viel zu hoch sei. Die Schicksale beider Länder würden Hof sentlich immer von den kühlen Köpfen bestimmt werden, die wüßten, daß Deutschland und England ni5zt nur für die Gegenwart, fonder für alle Zukunft, soweit sie dem menschlichen Äuge erkennbar sei, mit der Aufrecht Haltung der gegenwärtigen friedlichen

Beziehungen am besten gedient sei. , '

Wie der Kanzler jetzt über die deutschenglischen Beziehungen denkt, wird man in Bälde erfahren, wenn er bei Beginn der Budgetdebatte die auswärtige Po. lltik des Reichs, wie üblich, Revue paf. siren läßt. Daß er noch dem gleichen Optimismus huldigz. wie vor Jahresfrist, ist kaum anzunehmen; vielmehr deutet der ungewöhnlich erste Ton der jüngsten Thronrede über die interna tionale Stellung Deutschlands auf das gerade Gegentheil hin. Die kürzlichen Pariser Indiskretionen haben einen of. fensichtlicheu Beweis der Stimmung ge bracht, welche inZder auswärtigen Lei tung Englands gegen Deutschland be' steht. Die Reden des Kaisers in DreS den und anläßlich der Enthüllung des Moltke.DenkmalS in Berlin sind, die kräftige Antwort auf die enthüllten bri tischen Quertreibereien gewesen. Der Ernst der Lage war damit von maß

gebender Stelle unumwunden zugege den. aber zugleich frisch und fest mit einem Hinblick auf das Volk in Waf. fen" das Bewußtsein ruhiger Krasl betont, in dem das deutsche Vaterland den kommenden Stürmen entgegensehe. Daß sich die Stimmung zwischen Deutschland und England neuerdings immer mehr verschärft hat, ist That fache, und daß die Gefahr einer kriegerischen Verwicklung schon wiederholt unmittelbar gedroht hat, ist öffentlich Geheimniß. An Bedenklichkeit hat die Situation noch dadurch zugenommen, daß die zwischen Edward VII. und Wilhelm II vor Jahren bestandene Freundschaft sich nach und nach in ein an Feindselig keit streikendes Verhältniß umgewan delt hat. Auf deutscher Seite will man sich nicht mehr ausreden lassen, daß König Edward gewissermaßen die Seele der antideutschen Richtung ist, welche sich heute in der internationalen Politik fühlbar macht, und daß, wenn er auch nicht direkt auf einen Koalitionskrieg gegen Deutschland hinarbeitet, doch seine Bemühungen darauf . gerichtet sind, eine Gruppirung der Mächte her heizuführen, weiche eine antideutsche Tendenz hat. Die scharfen Gegensätze zwischen bei den Ländern bestehen zweifellos, und Niemand wird sie im Ernst mehr bestreiten, wenn er auch ihre Ursachen für einfach freventlich erklären mag. In England wie in Deutschland ist die Zahl derjenigen nicht gering, welche die Irrungen, Mißverständnisse und Vor urtheile bedauern, die sich zwischen den beiden Völkern wie eine Nebelwolke er. hoben haben, und welche sich unablässig durch Wort und That bemühen, sie wieder zu zerstreuen. Nach den neuesten Depeschen hat sich in London ein Verband gebildet, welcher sich die Förde rung der Freundschaft zwischen Großbritannien und Deutschland zur Auf gäbe machen .will. Und die Ermuthi gung, welche den leitenden Geistern der Bewegung von Gleichgesinnten in New Vork zugegangen ist, dürfte den Anstoß dazu geben, daß immer weitere Kreise sich an den rühmenSwerthen Beftrebun gen betheiligen, einem neuen freund lichen Verhältniß zwischen den beiden stammverwandten Völkern die Wege zu ebnen. ES wird eine Sisyphusarbeit sein, denn eine gewissenlose Presse hü den wie drüben wird von der Verhetzung nicht ablassen, aber eine rührige Agitation wird doch Früchte zeitigen und der Erhaltung des Friedens sicher lich gewaltigen Vorschub leisten. (N. Y. StaatSztg.) Ob die Klappe auch Sylvester, der ja diesmal auf Sonntag füllt, zu fein wird? Wer Weihnachtswaaren verkaufen will, benutze die Anzeigenspalten der deutschen Zeitung. Ob noch viel von der Zarenre gierung bis Neujahr übrig sein wird, erscheint recht zweifelhaft. Die telegraphischen Meldungen stellen die dort vorherrschenden Zustünde als chaotische hin. Weder Witte noch irgend ein anderer Staatsmann kann das VM beruhigen. ES ist ihm eben zum ersten Mal bewußt geworden, wie wirklich schwer die Ketten sind, die eS Jahrhunderte in Demuth getragen. Card o n, 3. Dez. Harry Wil liamSund Jack Spuhr wurden letzte Nacht in der Nähe von hier von einem westlich fahrenden Passagierzug der Big Four Bahn überfahren und getödtet. Beide hatten sich einer Hand Car bedient,, um in Pnth einen Besuch abzustatten, als der Zug sie ereilte. Nanöt die Tiah 1 21ixigo.:

Am Vamin. . - Skizze von Elfe Meerstedt-öambura. Meine Mutter es haben wollt', Daß den andern ich nehmen sollt, . . Wie im Traume flüstern es zwei brennende Lippen zwei fiederheiße Hände schlingen sich in dumpfer, rathloser Qual ineinander. Zuckender Feuerschein gleitet über ein blasses Gesicht mit großen, angstvoll glänzenden Augen. Morgen ist Lotte's Hochzeitstag! Sie ist Braut! Glückliche.Braut! Glückliche Braut? Ueber das Geficht des jungen Mädchens gleitet ein Lächeln ein seltsam todtes Lächeln. Im Schmerz verzerrt erscheinen die weichen Züge. Die schmalen, schlanken Hände pressen sich in wildem Weh a die Schläfen. Morgen . Ein Frösteln gleitet über den schlanken Körper. Noch ein Tag, und sie wird mit. demüthig gesenktem Haupte vor dem Altar knieen. Feierlich wird die Orgel klingen, der Pfarrer wird von Liebe, von unwandelbarer Liebe und Treue reden, die nur der Tod scheidet, und sie wird das bindende Ja lügen lügen! Was thut's! Lügt sie nicht. schon lange mit lachendem Munde, mit kosenden Händen, mit freundlichen Worten? Waren nicht die letzten Monate eine einzige große Lüge? Es mußte wohl so sein er, um dessentwillen sie log, hatte es ja selbst gesagt mit harten Worten. Warum sie nur die Worte nicht vergessen kann: Ein Doppelspiel!" ' O, er' war grausam! War es denn wirklich Sünde, wenn sie einmal, nur ein - einziges Mal glücklich sein wollte? Nicht den ganzen Becher wollte sie leeren, nur einmal die dürstenden Lippen , an den Rand setzen. Nur einen Schluck von dem, was andere in vollen Zügen schlürfen! War es nicht ihr gutes Recht, wenn sie nach einem Moment des Glückes haschte nach einem einzigen Sonnenblick, der seine wärmenden Strahlen auf die freudlose, friedlose Zukunft werfen würde? O, diese Zukunft, wie ihr davor bangte mit der zitternden, unseligen Leidenschaft im Herzen für jenen an deren, der mit heißen, süßenKüssen ihre schlummernde Seele geweckt hatte! Lotte preßt das blasse Gesicht in die rothen Polster. Irrlichtern gleich spiegelt sich ber Feuerschein der langsam verglimmenden Holzscheite des Kamins in den fieberqlänzenden Augen. ': Leise öffnet sich die Thür.'Jm Rahmen erscheint ein schlanker dunkelhaariger Mann. Zwei gute, braune Augen blickten nach dem jungen Mädchen hin: Lotte, meine Lotte!" Eine ganze Welt voll Liebe liegt in den wenigen Worten. ' . Lotte schauerte zusammen. . Nun lügen wieder lügen wie alle Tage! Seine Küsse dulden und an den andern denken! Langsam schreitet Lotte auf ihren Verlobten zu. Liebevoll Hebt er ih? blasses Gesicht zu sich empor sanft küßt er ihre 'Lippen: Morgen, Lotte meine süße Lotte!" Das junge Mädchen nickt und setzt sich gehorsam neben ihn auf die rothen Polster. In seiner ruhigen Art legt Rudolf den Arm um die Braut er bleibt sich immer gleich, immer sanft, lieb. Wie man ein Kind behandelt, so behandelt er sie und sie war zufrieden gewesen, sogar glücklich, hatte sie gemeint. Und dann war die große Leidenschaft gekommen. Zwei flammende Augen hatten sie geweckt. Wie der Sturmwind, der niederbrechen, aber nie wieder aufrichten kann, war die Leidenschaft über Lotte hinweggesaust. Ein wunderbares, nie geahntes Glück genoß sie für kurze Zeit. Eine glänzendz Sonne war für sie am Himmel aufgestiegen, die denStern, der freundlich in ihr Leben geschimmert hatte, verdunkelte für immer. Wieviel Tage hatte das süße Glück gewährt? Drei Tage nur drei Tage, und nun mußte sie sich in zit-

ternder Sehnsucht - danach verzehren ein ganzes Leben lang. Ein ganzes Leben lang ein Jahr nach dem anderen würde vergehen, trostlos hoffnungslos. Lotte's schlanke Finger zittern in der Hand des Verlobten. Ist es das Glück, das sie erschauern macht? Fester umfaßt Rudolf seine Braut. Und Lotte schließt die Augen sie will träumen, es sei jener andere, nach dem ihreSeele Tag und Nacht lechzt. Meine Mutter freut sich auf ihr liebes Töchterchen. Lotte!" Seine . Mutter! Unwillkürlich wandern Lotte's, Gedanken zu ihrer Mutter zurück zu ihrer freud- und liebeleeren Jugend. Hatte sie eine Kindheit gehabt, eine Jugend? War sie geherzt und geküßt worden wie andere Kinder? Hatte sie bei der Mutter für ihre kindlichen Wünsche ein geneigtes Ohr gefunden? Nein und tausendmal nein! Aber gesorgt hatte die Mutter für sie nach ihrer Weise. Der ist gut der macht Dich glücklich den nimmst Du! hatte sie gesagt, als Rudolf um Lotte geworben hatte und darum mußte Lotte ietzt lügen ' lügen! Mit beiden Händen hatte sie damals zugefaßt,. als ihr Rudolf in seiner guten, liebevollen Art genaht war für Liebe hatte sie gehalten, was Dankbarkeit gewesen war. Was wußte sie denn vom Leben, aufgewachsen in fast klö sterlicher Zurückgezogenheit ein

Kind, daS vertrauensvoll jedem die Hand reicht, der liebevoll mit , ihm spricht. " Und wie ein Kind hatten sie auch behandelt, sich willig in unendlicher Liebe und Geduld ihren kindlichenLaunen gefügt. Ahnt Rudolf Lotte'sGedanken? Kosend streicht seine Hand über ihr wirres Gelock. Und Lotte gedenkt einer anderen Hand, einer weichen, weißen Hand, in der sie das Blut vibriren fühlen konnte, die ihr kosend die Locken von der Stirn gestrichen hatte. Fester schmiegt sie sich in des Verlobten Arme. Die Gegenwart versinkt. Lotte lebt in der Vergangenheit. Sie sieht zwei flammende blaue Auaen vor sich, hört eine leidenschaftlich bebende Stimme, die um einen Kuß bittet nein, nicht bittet, fondern die ihn fordert. Ein so stolzer Mund wie' Horst Gravenaus bittet nicht, der fordert einfach! Wie Champagner rinnt es durch ihre. Adern, sein Liebst Du mich?" raut 'ihr die Besinnung. . Sie möchte ihm so. vieles sagen, wie theuer er ihr ist, wie sie ihn liebt schon lange, lange- möchte seine heißen Küsse erwidern und vermag es nicht. Als Kälte faßt er ihre Scheu auf, als Koketterie ihre Blicke, aus denen er ihre Liebe errathen hat. Ein Doppelspiel hatte er ihr grausam vorgeworfen und sie hatte sich nicht zu vertheidigen gewußt hatte mit zuckendem Herzen das Unrecht hinnehmen müssen das war das Ende ihres kurzen seligen Glücks gewesen. Und morgen, morgen würde sie vor dem Altar lügen. In wildem Weh pocht Lotte's Herz, es saust ihr in den Schläfen, Funken tanzen vor ihren Augen, und der Athem geht keuchend. Fehlt Dir etwas, mein Lieb?" In namenloser Angst haften Rudolf's Augen auf Lotte's bleichemGesicht, lauscht er ihren schwächer und schwächer werdenden Athemzügen, ein zitternder Seufzer Todtenstille . Funkensprllhend fallen die Holzscheite in sich zusammen die Gluth ist erloschen und mit ihr Lotte's Lüge. ekrönte Virtuosen.

Karl IV., König von Spanien (17881808) war nicht nur ein leidenschaftlicher Liebhaber der Musik, sondern auch selbst ausübender Künstler, indem er sich einbildete, die Violine 'meisterhaft zu spielen. Wenn daher bei Hofe "Kammermusik aufgeführt wurde, nahm der König an dem Pulte die Stelle seines ersten Violinisten, Boccherini, ein. der ein wahrer Künstler und ein süchtiger Komponist war, dann aber die zweite Violine übernehmen mußte. Durch diesen StellenWechsel litt zwar die Eigenliebe des Koniponisten ein wenig, noch mehr je.doch sein Ohr.' denn der König spielte auf'eie entsetzliche Weise falsch und dabei so sehr gegen den Takt, daß keiner der anderen Musiker ihm zu folgen vermochte; so entstand zuweilen ein fürchterlicher Wirrwarr, was den Kömg immer in große Wuth versetzte, weil er die Schuld natürlich nicht sich, sondern den anderen Musikern zuschrieb. Noch größer aber als die Wutb des Könias war die Verzweiflung des Komponisten, der seine Werke! auf eine unglaubliche Weise verunstaltet sah. Eines Tages verfiel er daher, um sich dieser Marter zu entziehen, auf die folgende Auskunft: er schrieb ein Quartett, in welchem . die leitende Stimme der zweiten Violine zufiel, während die erste ein gleichmäßiges Thema, durchzuführen hatte, das das Murmeln eines Baches vorstellte, der sich durch eine blumige Wiese schlängelt. Das 'war ein neuer und graziöser Gedanke, der den dichterischen Sinn des Königs bestechen mußte. Der König spielte daS ersteVlatt ruhig ab; als sich aus dem zweiten das gleiche Thema wiederholte, warf er Boccherini einen zornigen Seitenblick zu, denn er fing an zu begreifen; als er aber das dritte Blatt umgeschlagen hatte, war ihm plötzlich das Ganze klar, und voller Zorn warf er seine Violine fort, sprang aus Boccherini zu, faßte ihn beim Kragen und zog ihn mit der Riesenkraft, die ihn auszeichnete, dem Balkon zu, um ihn den gefährlichen Sprung zum Fenster hinaus machen zu lassen. Doch die Königin legte rasch entschlossen ihre Hand guf seinen Arm und sagte mit eindringlichem Tone: Denfc an deine Seele!" Der König ließ Boccherini los. aber er 'befahl ihm. den Palast augenblicklich zu verlassen, Spanien binnen wenigen Tagen zu meiden und nie dahin zurückzukehren. Boccherini fand hierauf eine Anstellung an dem Hofe des Kaisers Leopold II. in Wien, der ebenfalls Ansprüche darauf machte, ein vorzüglicher Violinspieler zu sein. Eines Tages fragte er ihn: Welchen Unterschied finden Sie zwischen dem Talente meines Vetters, Karl IV., und dem meinigen?" Nun." erwiderte der Komponist als echter Hofling ohne. Zögern. Karl IV. spielte wie ein Konia. Eure Majestät aber wie ein Kaiser." " Berichtigung. Wollen Sie vielleicht eine Partie Billard mit mir spielen?" Nein, mit einem Affen spiel' ich. nicht!" Herr!... Was unterstehen Sie sich!" Aber erlauben S', so ist's ja net gemeint, i' hab' jetzt schon sechs Seidel Wem. da hab' i' halt an Affen und mit'm .Affen spiel' i' raif

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mm Meik Habersack's Schreibebrief. Jc.42h Geöbrter Mister Editbor! Well, der Rosch in den Saluhn war immer noch im Gang.' Der Bahs t reduhr komme mit feine Alte, un wie er das Kraut in Krönt von sein Platz gesehn Hot, do Hot er gedenkt es war mehbie e Rabberie gehäppend odder der Platz wär an Feuer, un das dumme Kalb is hin gange un Hot die Bolies un die Feuerwehr elahrmt. Off Kohrs hen die Piebels' all den Lähf an ihn gehabt, un er Hot von die Käptens von die zwei Departements e ganz gehörige Rohst gekriegt. Wie ihn der Bartender alles verzählt gehabt Hot un er Hot die Käschreffiets gesehn, do is er for lauter Vergniege puttinier an die . Sieling ' getschumpt.' . Bei Tschortsch," Hot er gesagt, wenn ich noch e paar Woche länger fortgebliwwe wär, dann wär ich in mei Aebsenz en reicher Mann geworde; ich kann Jhne sage, Mister Scheriff, unser deutscher Freund das is e Pietsch. Un das schönste is, .ich brauche ihn blos e paar Dahler zubezahle, un er is noch froh, daß er en Schapp Hot." Do hen ich zu mich gedenkt, do kann mer awwer doch sehn, was es doch for Gauner gewwe duht; awwer ich hen. gewißt, da er an den Mister Adelstein an den unrechte komme is. Ich hen noch e Weil mit ihn gesprochn un dann is der Rosch iwwer gewese, un do is der Mister Adelstein komme un hot.gesagt:' Well, Mister, wie gleichere denn das Bißneß?" Do Hot der Saluhnkieper gesagt: O, well, es is ja ganz gut, wann e paar mehr Leut in den Platz komme, awwer die Eckspenzes sin auch e ganze Latt höher. Ich will Jhne ja -kein Vorwurf mache, bikahs Sie hen noch nit die Eckspierienz, awwer dieselwe Zeit deht ich doch gleiehe, wann Sie die Eckspenzes e wenig rieduhse dehte, bikahs for die Dauer kann ich das nit stende." Do sagt der Berren: Jetzt will ich, emol ebbes spreche; befor daß ich komme sin, sin Jhne Ihr Käschressiehts am Dag so ebaut fünf un zwanzig Dahler gewese un Ihre Eckspenzes fünf Dahler. Jetzt nemme Sie am Dag so ebaut hunnert Dahler ein, un die Eckspenzes sin zwanzig Dahler, das is sechzig Dahler mehr Praffit wie befohr. Un das meint in die Woch drei hunnert un sechzig) Daher mehr. Wenn Sie das Bißneß .auch in die Fjuhtscher duhn wolle, dann müsse Se mich fünf un .zwanzig Dahler die Woch bezahle) wenn Sie awwer mit Ihren frühere Bißneß satisfeit sin, dann kwitt ich reit hier un denn." Ich hen zu mich gedenkt, das is tahking somm, un ich hen gewunnert, was der Saluhnwerth ihn for e Ennser gewwe deht. In die erschte Lein Hot er gelacht wie krehsig; dann.sagr er: Nemme, Se mich's nit iwwel, awwer ich glauwe Sie hen en Peipdriem.' For en Lonschkaunter Jnspekter fünf un zwanzig Dahler!" Un dann Hot er Widder gelacht, daß die Gläser cm die Bahr erum gehippt sin. Der Mister Adelstein Hot gesagt: Das . meint also, daß Sie mich den Rehs nit gewwe wolle?" Das :s ecksäcktlie, was es meint," Hot er gesagt un Hot gelacht, , wie alles. Ahlrecht," sagt der deitsche Berren, dann könne Se for en annere Lonsch-Män-netscher ettwerteise." Er Hot sein weiße Stoff ausaezoge un is fort gange. Der Saluhnkieper Hot zu mich grsagt, er wär schuhr, befohr, daß es dunkel wern deht, dann wär der Feger wid-

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baß, Flaschen Devartemelt 324 W. Marhland Srftklasflge Jamilicnwaschc. ..Leide Telephon? 608 der do, un dann müßt er noch gar nit. ob er ihn Widder nemme deht. Well, ich sin fort nach die Zittiehahl, un wie ich so ebaut for drei Stunde getreit hen, ebbes zu duhn, do is uff eemol der Mister Adelstein in e feine Suht un e silk Hätt an in mei Offis komme. Er hot-geguckt, als. wann er en Millj'onehr wär. Mister Habersack." Hot er gesagt, Sie hcn gehört, was ich heut Morgen mit den Saluhnkieper for en Tahk gehabt hen.- Jesser," hen ic? gesagt, un ich denke, Sie sin in e wenig zu große Hurrie gewese; es is jetzt Winter, un do is es verdollt hart, so schnell Widder en annere Schapp zu krieae. Sehn Se. Se ben ia nit viel Geld kriegt, awwer Se hen doch Ihr gutes Futterche gehabt un e warmes Ruhm un sin diesent getrietet worde,' un ich denke, do hätte Se sättisfeit sein könne". Nosser," Hot er gesagt, do denk ich ganz different. Den Dag nach morge mach ich reit nächst Dohr zu den Saluhnkieper en neue Platz uff, un ich bette Jhne 'einiges, mitin zwei Woche kommt er zu mich uu fragt mich, was ich for mei Bißneß hen will. UN wann er dann den Preis Hot, dann kann er's kaufe." Wei Männ eleif." hen ich gesagt, wie könne Se denn so ebbes duhn. Sie kriege ja noch kei Kegche Bier an Kreditt." , Do Hot er gelacht un sagt: Mister Habersack, Se frn ttivfi nrrn iritn Qrh sin iii h? nrt 4 kW 4.V4.. nere Bruhjerie gange un hen dene alles verzählt, un .do hen se mich die Osser gemacht, mich in den Bißneß uffzusetze, mitaus daß mich's en Pennie Geld koste deht; die Rent is for drei Monat ganz frei, un wann ich bis dann kein Bißnetz duhn, well dannkwitt ich.un hen doch mcks verlöre." Er Hot mich gefragt, ihn als emol zu beehre un auch den Mister Mehr un die annere Herre zu seine Opening mit zu bringe; er deht en feine Lunsch uffsetze, un wann mer komme dehte, dann könnte mer emol sehn, wie mer aus en Saluhn en Sockzeß mache deht. Dann, is er fort. Wie ich am Obend heim sin, do hen ich gesehn, daß e ganze Latt Karpentersch un Pehperhängersch in den Pfofc newig den Saluhn geschafft hen Am nächste DaF Ware noch mehr dabei, un wie ich am folgende Morge nach die Zittiehahl sin, do war der Platz uff, un e großes Sein war in Front angemacht, wo druff geprint war: Große Opening mit ellegante Frielonsch. Un Sie hätte nor emol sehn solle, wie schon in aller Früh die Piebels in den Saluhn sin, for en Korze abzubeiße, so e kleine Eiopener. Well, ich hen mit die Schentelmänner von die Zittiehahl ausgemacht, daß mer all zu den Lonsch hingehn wollte, un der Christ. Hot auch gesagt, er wollt emol mitgehn. Mer sin auch Hingänge, un in mein nächste Schreiwebrief will ich Jhne al?.9 mXlV .!lVk&.:f. ttsVivVn.vi rl . IC yilllClC iilUUlUt. ivivivi "iv. kann widdei emol sehn, daß derMensch in diesen hier Land Gahl hen mutz un e ganze Latt davon wann er en Suckzeß mache will. ' Mit beste Riegards Juhrs trulie ' Meik H a b e r s a ck, Eskweier un Scheriff von Appel Jack, Holie Terrer Kauntuv 2?er Telegraphist John A. Biggs von der Western Union in Norfolk, Qa ist entlassen worden, weil er eine unbezahlte Depesche des Präsidenten Roosevelt nicht weiterbeförderte. Die Depesche wurde per drahtloser Telegraph vom Kreuzer West Virginia" nach der Station im Schiffsbauhof geschickt, als der Präsident von New Orleans kam. Vom Schiffsbauhof wurde sie zur Telegraphenstation telephonirt, und der Absender versprach nicht die Bezahlung. Der Telegraphist beförderte die Depesche daher nicht weiter. )ie Regeln der Compagnie machen die Telegraphisien haftbar für Beförderung von De peschen ohne Bezahlung, und 'Biggs sagt, jeden Monat seien ihm ein paar Dollars am Lohn dafür abgezogen worden. Die Depesche erbielt einen Dank deö Präsidenten an seine Frau für eine Geburtstags - Gratulation!

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