Indiana Tribüne, Volume 29, Number 86, Indianapolis, Marion County, 2 December 1905 — Page 3

Jnbiana Tibüne, 2. Dezember

Warum nicht Ihr Heim anziehend machen, durch den Gebrauch eines : : :. :

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HW lfmL

Die

rachtrlitcil-Borllige.

Arzt mordet seine Frau

Schiffkrüche. Zugentgleisung Verkrecherjagd. Großseucr. Der LckeuSrettungsdieust. Root's Reisepläue.

D i e Frachtraten Vor läge. Washington. 1. Dez. Das Resultat der Konferenz im Weißen Hause, an welcher außer dem Prüfiden :en Staats . Sekretär Root, Sekretär Taft. Sekretär Bonaparte, General Anwalt Moody, Senator Knox und KorporationSkommiffär Garfield theil nahmen, liegt heute vor in Gestalt einer Frachtdill, deren Inhalt den Mitgliedern des SenatsKomiteS für Zwi chenstaatlichen Handel mitgetheilt wor den ist. ES steht nämlich nicht absolut 'est, daß diese Bill im Wortlaut von den KomiteS des Kongresses gutgehei. ßen und von beiden Häusern pasfirt werden wird, aber die Ideen der Ad ministration sind in der Maßregel prüsentirt, und eS ist wahrscheinlich, daß dieselben im Großen und Ganzen beibehalten werden. Arzt mordet die Gattin. 'GreenSboro, N.Y., I.Dez. Nach 12stündiger Todesqual starb Frau I. B. MatthewS, Gattin eines hervor ragenden Arztes, an Strychninvergif. ung und späterer Morphiumeinspritz ung, welche ihr der Gatte beibrachte. Um Mitternacht wurde Dr. MatthewS verhastet. Nachdem die Frau 10 Minuten ge itten hatte, schickte sie ihren zehnjäh. rigen Sohn nach einem anderen Arzt, da der Gatte sich weigerte, einen solchen holen zu lassen. Dr. I. P. Turner kam, er sah so ort, daß die Frau vergiftet war und flößte ihr Gegenmittel ein, die aber nicht den ersehnten Erfolg hatten. Als das Ende herannahte kam Dr. Mathews wieder in das Krankenzim mer und bat Dr. Turner ihn am Bette einer Frau Beten zu lassen. Dr. Turner gewährte dem Kollegen die Bitte. Derselbe kniete am Sterbe ager seiner Frau nieder, faßte ihre Hand in den seinen und betete mit lauter Stimme. - Da gewahrte Dr. Turner, daß sich die Sterbende in sürchterlichen Schmerzen wand. Er warf die Bettdecke zurück und entdeckte daß MctihewS eine Hautspritze in daS Bein der Frau gestoßen hatte. Er packte den sauberen Patron. Die Frau starb in wenigen Minuten. MatthewS ist in Hast. Schisfbruch. Chicago, 1. Dez. Man be fürchtet, daß der Dampfer Jra H. Omen mit v seiner ganzen Mannschaft von 19 Köpfen verloren ist. Der Dampfer wurde zuletzt am Dienstag 40 Meilen vom nächsten Land, als der Sturm am schlimmsten wüthete, ge sehen. S ch'i f f S u n t e r g a n g. Boston, 1. Dez. Acht Meilen östlich von Minot'S Leuchtthurm ging letzte Nacht die Stahlbarke Defo. wanna" unter. Es ertranken: Capitän John B. Munsey, Frau Munsey, der Maschinist und der Schiffskoch. Der Lebensrettung s dienst. Wasbinaton. 1. Dez. Dem offiziellen Bericht vom General-Supe rintenoenten des LebenSrettungSdien steS entnehmen wir Folgendes. Die LebenSrettungSmannfchaften halfen im letzten Jahre 464 gefährdeten Schiffen. 365 Schiffbrüche, das Leben von 4.089 Personen gefährdend, fanden statt. Bis auf 27 Personen konnten alle ge rettet werden. Eigenthum im Werthe von $7,917, 385 wurde geborgen . Der Bericht schließt mit einem Appell um Penfionirung der Wittwen und Kinder im , Dienste verunglückten Mannschaften des Rettungsdienstes. Opfer einer ZugSent gl.eisung. Philadelphia. 1. Dez. Bei der ZugSentgleisung auf der Centrall Bahn nahe PennHaven Junction wur den Heizer Rupert von Mönch Chunk und der Lokomotivführer Delroy ge tödtet. Etwa ein Dutzend Personen wurden verletzt.

während er für sie betet.

, Zug im Schnee fest. MinneapoliS, 1. Dez. Zug No. 18 der MinneapoliS, St. Paul & Sault Ste Marie kam gestern Abend mit 3'tügiger Verspätung hier an. Er hatte die Zeit auf den Prärien Dako ta's im Schneesturm bei 26 Grad zu gebracht, doch konnten die Wagen warm gehalten werden und den Passa gieren wurden hinreichend LebenZmittel zugesandt. Jagd auf 'einen Ver b r e ch e r. Minerva. Dx.. 1. Dez. Ab theilungen von RangerZ und anderen Beamten suchen noch immer nach Encinncio Martinez, der wegen 15 Mordthaten, die er in Mexico und Texas beging, verlangt wird. Der Gesetzflüchtling ist mit allen Ve.r stecken läng? des Flusses auf 400 Mei en bekannt. Das neue Repräfentan t e n h a u S. Washington, 1. Dez. Die Gesammtzahl der Repräsentanten im neuen Kongreß, der am Montag zu sammentritt, ist 386. Davon find 137 Demokraten. Die Republikaner haben eine Majorität von 122 Stimmen. Root's Reiseplan. Washington, 1. Dez. DU plomatische Vertreter von Mittel und Süd'Amerika in Washington zeigen großes Interesse für den möglichen Be such Sekretär Root's in Süd'Amerika im kommenden Sommer-. Der Sekre tür hat die Abficht einer solchen Reise ausgesprochen, falls der bevorstehende panamerikanische Kongreß zu Rio de Janeiro stattfindet. Der Gesandte Argentinien'S glaubt, daß ein Besuch viel zur Hebung deS Handels zwischen beiden Ländern beitragen würde. Der obere JllinoiSfluß schiffbar erklärt. Washington, 1. Dezember. Der obere Lauf deS JllinoisflusseS wurde als gesetzlich schiffbar erklärt und untersteht nun den Gesetzen für Dampf boot Jnspection. DaS Departement für Handel und Arbeit hatte sich endlich deS Falles angenommen, nachdem stetig Beschwerden über Nicht.Jnspicirung der Dampfer, welche den Fluß befuhren, einliefen. Man beobachtete keine SchifffahrtSregeln, und besonders wurde betreffs AuSweichenS und An bringung von Lichtern viel gesündigt. Sobald der ChicazoKanal beendet ist, wird der JllinoiSfluß ein Glied in der Verbindung der großen Seen mit dem Golfe von Mexico bilden. In übler Lage. E l k i n S , Pa., 1. Dez. Durch das Platzen eines Naturgasbehälters war die Stadt über fünf Stunden bei bitterer Kälte ohne Heizmaterial, da Naturgas zu diesem Zwecke hier auS schließlich gebraucht wird. Für das Steuben Denkmal. Washington, 1. Dez. Mor gen wird hier eine Sitzung deS Denk mal'Comites stattfinden, dessen Auf gäbe es ist, für das vom Kongreß auto ristrte Denkmal von General von Steuben einen Entwurf auszuwählen. Das erwähnte Comite besteht aus Se kretär Taft, Senator Wetmore, dem Vorsitzer des Senats . Comites für Bibliotheken, und Kongreßmitglied McCleary (Minn.), dem Vorsitzer des HauZ.ComiteS für Bibliotheken. Un ter den Bestimmungen der AuSfchrel bung wird dem genanntem Comite ein aus einem oder mehreren Künstlern von nationalem Ruf bestehendes bera thenveS Comite zur Seite stehen. G r o ß f e u e r. T a m p a , Fla.. 1. Dez. Der ganze GefchäftSthell der Stadt Arcadia, Florida, wurde durch Feuer zerstört. Schaden $250. E r h a t R e ch t. Boston. Mass., 1. Dez. Alder man O'Toole wird im Stadtrathe eine Vorlage einreichen, die das Fußball spiel im Weichbild der Stadt verbietet. bis dasselbe unter der alten Regel wie der gespielt wird.

Schiffsbrand.

9 Personen umgekommen. Mobile, Ala., 1. Dez. Ein Boot, daß den Middle River'befuhr. brannte letzte Nacht nieder. Von den 10 Personen auf demselben, konnte sich nur der farbige Stevard retten. Die Eigenthümer des Schiffes sagen, daß daffelbe schon seit 3 Tagen ohne Dampf war und daß sie sich den Brand nicht erklären können. UnterdoppelterAnklage. St. Louis, 1. Dez. . Die Bun des Großgeschworenen erhoben heute zwei Anklagen gegen ' E. G. LewiS, Präsident der PeopleS United StateS Bank und Herausgeber des WomanS Magazine. Er soll die Post zu be trügerischen Zwecken mißbraucht haben. Stimmenzählung. N e w V o r k , 1. Dez. Trotz deS Protestes von Richter Allen Parker als Vertreter von Mayor McClellan gegen das Oeffnen der Stimmkästen, welches aus Antrag von Hearst geschah, bestimmte der Richter, daß die Zählung vor sich gehe. Der erste Stimmkastcn wurde sodann gleich geöffnet und die Nachzählung begann. In vier Kästen gewann Hearst 17 Stimmen. EndeteamGalgen. Sacramenta, Cal., 1. Dez; Harry Eldridge, ein Führer der Fol som Gefängniß-Meuterer, die am 27. Juli 1903 ausbrachen, wurde im Ge fängnißhof wegen Ermordung von Wm. Cottley hingerichtet. Der Tod des Studenten Piers on. M o u n t V e r n o n, O., 1. Dez. Die Großgeschworenen von Knox County haben die Zeugenaussagen geprüft, die vor dem Coroner bei der Leichen schau über den Studenten Stewart Pierson gemacht wurden. Die Groß geschworenen' gelangten zu derselben Ansicht, wie der Coroner, daß nämlich Pierson auf die Geleise festgebunden wurde oder doch in einer solchen Lage war, aus der er sich nicht befreien konnte. Ueber den oder die Schuldigen konnte Nichts ermittelt werden. Wall Street unruhig. New I o r k , 1. Dez. Die Un ruhe in Wall Street wiederholte sich im Geldmarkte. Die Zinsrate für Dar lehen stiea und für 50Tag.Anleihen wird eine Commission neben der sechs procentigen Zinsrate verlangt. Das Kriegsgericht ver tagt. A n n a p o l i S, Md., 1. Dezbr. Das Kriegsgericht, welches über den Kadetten Meriwether, jr., der seinen Kameraden Branch im Fauftkampfe tödtete, hat seine Arbeit beendet und sich vertagt. Ueber den Befund ist nichts bekannt gegeben worden. Gerettet. M i l w a u k e e. 1. Dez. Der Dampfer Harlem langte mit 17 Ge retteten von dem brennenden Dampfer ChaS. Parnell im hiefitzen Hafen an. Edgar Decker f. C l e v e l a n d , 1. Dez. Edgar Decker, der best bekannte Photograph in den Ver. Staaten, starb heute im Alter von 73 Jahren. Liederkrännzler siegt. New Bork, 1. Dez. Ferdi nand Poggenburg, ein bekanntes Mit glied des Liederkranz", gewann die goldene Trophäe als AmateurCham pion von Amerika im Billardspielen. Er siegte über Gardner von Passaic mit 300 gegen 153. j Hoher SilberprelS. San Francisco, 1. Dez. Der Preis des Silbers ist auf 65 Cts. die Unze gestiegen. ES ist daS der höchste Preis feit 1896. Neufundland. Ins offeneMee? ver schlagen. S t. I o h n, N. F.. 1. Dez. Zehn Küstenfahrer mit zusammen 100 Seelen Bemannung, wurden durch den wüthen den Sturm in die offene See hinaus getrieben. Man fürchtet für die Sicher heit der Leute. Korea. Entleibte sich. S e o u l , . 30. Nov. More Yong Whai, ein Cousin des Königs, beging heute Selbstmord. SüiffSnaSrte)ten. Plymouth: Bremen" von New Jork nach Bremen.

Müssen büßen Für die Ermordung der Carter Kinder.

Valdesta, Ga.. 1. Dez. Ueber I. G. RawlinS, dessen Söhne Milton und Jesse sowie den Neger Als Moore, sprach das Gericht zum zweitenmale das Todesurtheil aus. Alle Vier werden die kaltblütige Er mordung der drei Kinder der Famille Carter, die im letzten Juni in ihrem Blute schwimmend aufgefunden wur den, am 6. Januar am Galgen büßen. Ben RawlingS, der Bruder von Mil ton und Jesse, kam mit einer lebenS länglichen Zuchthausstrafe davon. Ganze Familie Todt Durch die Folgen einer Gas Ex. plosion. W e st o n, W. Va., 1. Dez. ChaS. F. Douglas ein Farmer, sowie dessen Frau und zwei Kinder, wurden durch die Explosion einer GaSröhre die vor hrem Wohnhause vorbeiführte, äugen glicklich getödtet. DaS Heim wurde total zerstört. Die Trümmer desselben fingen Feuer. Die Leichen find gänz lich verkohlt. Man vermuthet, daß die Röhre schadhast wurde und das GaS sich entzündete. Mcr!:würdigc Gcrichlsvcrhandlung. Englische, Gesetz gegen gemeinsame Cclbst Mordversuche Todesurthell. Vor dem 5lriminalgerichte von Old Baily in London stand kürzlich Mariou Seddon, eine würdig und anstänoig aussehende Dame von 65 Jahren. Sie war des Gattcnmordes angeklagt. Die Plaldoyers waren zu Ende, der Richter hatte den Fall resumirt die Geschworenen hatten sich zurückgezogen. Nach kurzer Zeit erschienen sie wieder. Das Gewisper des Publlkums verstummte. Erwartungsvolle Spannung liegt auf allen Mienen. Des Obmanns Stimme ertont, heiser, zaudernd, als wollte der Wahrspruch nicht aus der Kehle hervor: Schuldig! Schuldig des Mordes!" Der Richter ergreift ein kleines neben ihm liegendes schwarzes Tuch, bedeckt damit sein Haupt und spricht die verhängnißvollen Worte: . . . und von dort sollst Du zu dem Richtplatz geführt und am Halse gehängt werden, bis Du todt bist." Mit schauerlich klagender Stimme fugt der an die Seite des Richters geeilte Geistuche hinzu: Möge der Herr Mitleid mit Deiner Seele haben! Amen!" Diese furchtbare, erschütternde Szene spielte sich mit der betagten Angeklagten ab. obwohl Richter, Geschworene und Publlkum wußten, daß sie keinen Mord begangen habe, noch daß sie ;e fähig geWesen wäre, einen solchen zu begehen, obwohl alle Welt wußte, daß Marion Seddon niemals hingerichtet . werden würde. Die unglückliche Frau wurde in, eine der Zellen der zum Tode Verurtheilten geführt, um dort zwei bis drei Tage bis zu ihrer Begnadigung zuzubringen. Denn daß sie werde begnadigt werden, wußte man. Die Angeklagte hatte mit ihrem 68jährigen Manne in Staines ein einst gutgehendes Zuckerbäckergeschäft betrieben; dann war dieses schlecht gegangen, es begann ein schrecklicher Kampf der beiden alten Leute gegen die näher kommende Armuth. Eines Tages fanden sie sich außer Stande, ihre Miethe zu bezahlen, und mußten fürchten, am nächsten Tage auf die Straße gesetzt zu werden. Da beschlossen sie. dem Kampfe ein Ende zu machen, dessen Vergeblichkeit sie einsahen. Wir waren," so erzählte Marion Seddon bei der Leichenschau, zu der Einsicht gekommen, daß es besser für uns sei, die Welt gemeinsam zu verlassen." Nachdem die Frau die ganze Nacht schlaflos sich auf ihrien Lager gewälzt hatte, stand sie auf und erklärte ihrem Manne, sie könne dieses Leben nicht länger ertragen. Sie hatte eine Flasche Medizin zum Einreiben zu Hause, die aus Belladonna und Aconit bestand; sie leerte die Hälfte und fragte ihren Mann, ob er die andere Hälfte trinken wolle. Wir haben zwischen dem Gift und dem Arbeitshause zu wählen." fügte sie hinzu. Gib her." erwiderte ihr Mann. Dann schenkte sie ihm den Rest des Giftes ein, und er leerte den Inhalt. Beide gingen darauf wieder zu Bett. Die Armen wurden krank, mit dem Tode ringend aufgefunden und in's Arbeitshaus gebracht, wo der Mann starb und die Frau genas. Bei der Leichenschau wurde festgestellt, daß der Mann in zeitweiser Geisteskrankheit den Selbstmord begangen habe. Die Frau aber wurde wegen Mordes angeklagt und zwar auf Grund eines in England existirenden Gesetzes, wonach, wenn zwei Personen gemeinsamen Selbstmord begehen, von denen die eine in der Folge stirbt, während die andere wieder hergestellt wird, die letztere als Mörder der anderen gilt. Marion Siddon wurde mit der oben beschriebenen Umständlichkeit, zum Tode ' verurtheilt. Gleichzeitig aber wurden von Richtern und Eeschworenen zur Begnadigung der Unglücklichen Schritte gethan, die in analogen Fällen noch immer von Erfolg begleitet gewesen sind.

Die Mar veö Gesanges.. Die Mitglieder des Berliner Mund Harmonika - Vereins Waldrauschen

II" befinden sich jetzt so häufig auf dem Ztrlminalgerlcht, daß sie, wenn es so weiter geht, in der Ausübung ihrer ' Kunst beeinträchtigt werden dürfen. Nachdem sich ers5tür'zlich das Schöffengericht mit einigen Aingehörigen dieses musikalischen Vereins zu beschäftigen hatte, standen dieser Tage wieder zwölf Mitglieder vor der Verufungsstrafkammer, um , mit deren Hülfe von einer ihnen auferlegten Gefängnißstrafe wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruches und KörperVerletzung befreit zu werden. Es handelt sich um ein unter Revolvergeknatter mit einem stürmischen Finale endigendes Geburtstagsständchen, das der Mundharmonika Verein Waldesrauschen" einem in dem Hause No. 32 Hoch Straße wohnenden Mitgliede veranstaltet hatte. Statutengemäß konnte das Mitglied ein solches Geburtstagsständchen verlangen und deshalb wurde es ihm dargebracht. Die Macht der Musik äußerte sich aber in diesem Falle in sehr unliebsamer Weise: Der Hauswirth verbat sich diese musikalischen Genüsse; er wurde verdrängt und verhöhnt, holte sich einen Revolver und gab einen Schreckschuß ab und mußte dann dem Anstürm der beleidigten Musikgenossen weichen, wobei er starke Püffe erhielt. Die Lärmszenen, die sich dabei auf dem Hofe entwickelten, ähnelten fast einem Landfriedensbruch.' Für die Theilnehmer an dem Ständchen hatte diese? Sängerkrieg" unangenehme Folgen: Der Gerichtshof verurtheilte sie zu je 1, bezw. 2 Wochen Gefängniß, - den Hauptbetheiligten Schulz aber zu 2 Monaten Gefängniß. In der Verufungsinstanz bestritten die Angeklagten widerrechtlich in das Haus eingedrungen zu sein, und schoben den Haupttheil der Schuld an dem Entstehen der Lärmszenen der Nervosität des Wirthes zu. Dieser habe sich in den Elementen" vergriffen und hätte mit Wasser vielleicht mehr ausgerichtet alS mit dem Feuer des Revolvers. Die letzte ihres Stammes. Seit der Ermordung ihres Sohnes, des Königs Alexander, dem sie trotz allem im Innersten ihre mütterliche Liebe bewahrt hatte, ist die Königin Natalie von Serbien eine völlig andere geworden. Früher sah man die reizende und lebenslustige Frau oft in den Pariser Theatern oder auf der Promenade von Biarritz; die Königin liebte es, einen heiteren, geselligen Kreis um sich zu vereinen, in dem, namentlich die jüngeren Berühmtheiten der französischen Literatur und Kunst vertreten waren. Jetzt ist sie, wie man von dort schreibt, nach längerer Abweesnheit nach Biarritz zurückgekehrt, um den Winter zuzu bringen; aber wer sie sieht, hat Mühe, sie wieder zu erkennen. Die Königin Natalie ist noch nicht alt, sie steht erst in der Mitte der Vierziger und hatte sich die jugendliche Anmuth, die sie einst den schönsten Frauen Europas zuzählen ließ, das edel geschnittene Antlitz, die wundervollen, feurigen Augen und die liebliche Rundung des Gesichts bisher unvermindert bewahrt. Doch nun ist das Alter mit einem Male über sie hereingebrochen, und das Bewußtsein einer zerstörten, fnudelosen Existenz hat seine Spuren in ihre Züge eingegraben. Sie sah früher jünger aus, als sie war sie scheint jetzt älter, als sie ist. Von geselligem Umgange hält sie sich fast ganz fern; aus den Chroniken der eleganten Welt in den französischen Blättern ist ihr Name, der einst dort täglich zu lesen war, längst geschwunden. Ihr Gesundheit hat sich in' letzter Zeit al lerdings wieder einigermaßen gebessert, aber ihr Nervenzustand schein! immer noch wenig kräftiger, und es ist, als hätte jene furchtbare Iuninacht. in der ihr Sohn unter Mörderband endete, auch ihren Willen zum Leben und ihre Freude am Dasein für immer gebrochen. Das siebenbürgischeKoii. sistorium hat dem Kaiser Franz -scph ein Gesuch uiiterbrcitct, in dem vom Standpunkt der sicbenbürgiscken Sachsen über die jüngst erlassene Mi nisterialverordnung Beschwerde ge führt wird, welche in den Volksschillen, die das Teutsche als Unterrichts spräche, haben, die Aufnahme der un garischen Sprache als Lehrgegcnstand fordert. Ein Gemeinwesen mit einer Stadtverwaltung, die in ihrer Zusammensetzung vollständig unt'r dem Einflüsse der Sozialdeniokrailc steht, ist die gothaische Stadt Waltcrshauscn. Seit mehreren Jahren wurde die Mehrheit der Stadtverord. netcn von Vertretern der Soziald mokratie gebildet, und auch imStad: rath gewannen diese an Einfluß. Durch die vor einigen Tagen voll,zo gene Wahl eines Stadtverordneten ist der letzte Vertreter der bürger lichcn Parteien aus dem Kollegium der Stadtverordneten ausgeschiedci:, fo daß dieses ausschließlich aus zialdeniokraten besteht. Auch im Stadtrath haben sie die Mehrheit er langt, so daß der Nachfolger des am 1. Januar nächsten Jahres von dort scheidenden Bürgermeisters v.Strenge mit einem sozialdemokratischcn Ver waltungskörpcr 'zu rechnen haben wird. Ob sich unter solchen Verhält, .lissm viele Bewerber um den Bur germeisterp'osten finden werden, scheint fraglich.