Indiana Tribüne, Volume 29, Number 85, Indianapolis, Marion County, 1 December 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 1. Dezember 1005.

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DicRothhauscn

Noman aus der Mark Von ill C. Möller i&vAAvwvvvvwwwvvvvvvv'. (Fortsetzung.) Noch immer war Hemz bemüht, sie zu beruhigen. Er werde sie so stellen, vericyerte er, öatz Harry m vernunstiaer Lebensweise nickt in Noth aerathen könne. Aber sagte er, er soll arbeiten; und er schritt erregt im Zimmer auf und ab. Mein Vater hat sein Leben lana aearbeitet. auck ick bin redlich bestrebt, etwas zu erreichen, so mag auch Harry sich rühren. Er ist nicht zu gut dazu. CKarlotte fiiblic fiel, tief aedemü thigt. Gerade aus dem Munde dieses jungen Menschen schmerzte sie jedes Wort wie eine brennende Wunde, ßarrti war inzwischen in sinnloser Aufregung davongeeilt. Im Trubel der Straße, im nüchternen Lichte der großen Stadt erschien ihm der Plan seiner Mutter verrückt." Er wußte nicht, wie er seiner Pein entrinnen sollte. So ging er zu Frau v. VJiax low. Da kam er in eine ganz andere Welt da würde auch sein Wesen wieder in's Gleichgewicht kommen. Rxau v. Marlow war eine jener vroblematiscken Eristemen. wie sie nur in der Großstadtluft gedeihen. Sie war eme geschiedene Frau, sehr schon und sebr vikant. Äwar. man wußte nicht genau, wovon sie lebte, aber das hinderte nicht, dan man iyr aus oen Sportplätzen, wo sie stets und unfehlbar anzutreffen war. mit all' dem Respekt begegnete, der einer Dame aus der guten Gesellschaft gebührte. Das aalt natürlich nur von der Herrenwelt: die Damen der Aristokratie, wie die ehrbaren Fraucn überhaupt haben einen eigenthümlichen Widerwillen ge aen aewisse Erscheinungen dieser Art. Um so mehr, wie gesagt, machten ihr die Kavaliere und Sportsleute den Hof. Sie war merkwürdigerweise ganz außerordentlich gut Unterrichtet. jcicqt nur über Stammbaum und Leistung?fähigkeit der Pferde, sondern fast noch mehr über die Ehancen, Die oier ooer jener Jockey bot. In ihrem S-alon wurden Wetten kontrahirt. und einem intimeren Kreise gestattete sie sogar Hazardspiele. bei denen nicht selten ganz gewaltige Summen in Umsatz kamen. . . Seit ewiger Zeit war sie völlig in die Mode gekommen; es gehörte für einen gewinn Schlag von reuten zum auten Ton. bei ihr zu verkehren, Viitb lick waren das solche, die nur bei ihren sportlichen und Spielvergnügungen keinerlei Bedenken kannten, während sie nach einer anderen Seite hin ihre Ehrbegriffe bis zu lacherlichlter mpsmolirMM ntHfirttri hnHen. ..iriTTh war rn lti Gesellscöast ttttx hineinaerathen, weil er Baron, Offizier, selbst ein leidenschaftlicher weiter Y. t -.fLA 2 war wenn aucy ein ijuc cii. TH,rM 5Vt ftraii v. Marlow war er doppelt willkommen gewesen; vielleicht sogar hatte sie ihn absichtlich herangezn. denn der Verkehr in ihrem Hause hatte nachgerade einen Umfang angenommen, für den sie allein als Rertfmtf nickt mehr genügte. Ganz unmerklich für Andere und sicher, ohne daß er selbst eine Ahnung davon hatte, räumte ihm die welterfahrene, ihm an siVtft und Scklaafertiakeit weit überlegene Frau nach und nach Rechte ein. xp fi? sonst nur dem Hausherrn zu- - ,b,n. Das hatte fick anscheinend ganz natürlich ergeben. Als er zwei- oder dreimal bei ihr gewesen war. geschah es eines Abends, daß er sich eben, als man die Spielpartie eröffnete, empfehlen wollte. Wohin so eilig, mein lieber Vaton!" hielt ihn ftrcm v. Marlow aus. Ich ich bin nicht bei Kasse," fuhr es dem mnaen Acann heraus. Aber mein Bester," lächelte sie und stellte ihm ihre Börse zu Diensten. mun blieb er einige Tage aus. bis er wieder ... flott- war." bis. er ihr den geliehenen Betrag wieder zurückgeben konnte, und wieder lächelte die pikante ftrau. Es ist Ihnen wohl bedrückend, mein Schuldner zu sein? Aber ich kann Ihnen, mcht helfen Sie muffen's weiter tragen!" Sie nahm das Geld nicht; vielmehr bat sie ihn, die Kleinigkeit beim nächsten Rennen auf ein gewisses Pferd zu seken sie selbst habe Ursache, dies nicht persönlich zu thun. Und sie ließ durchblicken, daß der Sieg des Pferdes sicher sei. Harry verdoppelte den Einsatz unter Zuhilfenahme eines außerordentlichen Kredits bei seiner Mutter, und das betreffende Pferd gewann m der That. Sehen Sie. Baron." sagte ftrcrn v. Marlow. ich küßte es ja. daß Sie eine glückliche Hand haben!" Auck iekt bat sie. nicht mit ihr abzu rechnen; übermorgen fand: ja das letzte Herbstrennen statt, oa wurde sie seine Güte neuerdings in Anspruch nehmen. Wieder ein- glücklicher Tag für Harry, der an diesem Abend schon sehr lebhaft sich an' dem Spiel im Salon Marlow betheiligen konnte, mlich verlor er mehr, als er hatte, aber daran war nur seine zügellose Leidenschaft Schuld er wollte eben um jeden Preis so schnell als möglich zu Geld kommen. ?.u

vielem Gelde, denn als ein armer 'Äü-

fel konnte, durfte er mcht ernstlich an Hilda denken. indessen hatte sick Zlwnchen icrn und ftrcu v. Marlow eine Beziehung entwickelt, die es ihm nicht schwer machte. neuerdings Geld von ihr anzunehmen. Er führte, wie ste ihm versicherte, ihre Turfgeschäfte dazu brauchte er natürlich 'Geld, das sie ihm bereitwillig anvertraute. Das Merkwürdige an diesem Berhältniß war. daß es sich durchaus im Rahmen der strengsten Schialichieu hielt: ia. noch nicbr: als Mann und Frau waren die Beiden einander seit ihrer ersten Begegnung auch nicht um einen Schritt naher geruat. ftrem v Marlow lebte rn Scheidung, wie man wunte. und sie verhielt sich durchaus so. wie es einer Frau m solcher Lage ae buhrt. Niemand mehr gestattend, als sie auch ihrem Gatten gegenüber hätte verantworten können. Harry besonders hatte nicht einmal daran gedacht, ihr den Hof zu machen, wie es wohl der und iener ihrer Gäste that. Harry war ia aarn beherrscht von einer immer mehr anwachsenden wilden Leidenschaft für üilda. und hatte kaum Augen oa für. daß Frau v. Marlow in der That ein schönes Weib war. Vielleicht, wenn sie großes Gefallen an ihm gefunden hätte, wäre es ihr trokdem moallm geworden, aus dem vertrauten freunde einen Anbeter zu macken. Aber er Pakte ihr o viel ve - . ser. und seit er gar eines Tages den Grafen Ottbert Behrenbera bei ihr eingeführt hatte, sah sie überhaupt nur noch diesen stolzen, schonen, mngen Nt?rasfizier. den Sckwarm" der Damen in der Hauptstadt. w.- I wij r ww i Als sann heute den 5-alon licar low betrat, svrack man eben über den Tod des Kommerzienraths Bergmann. Es war doch fatal, einen reichen $Jmci u bearaben und nichts zu erben: Man kondolirte ihm ausrichtig. Das mackte den schon gereizten Harry fast närrisch vor Zorn es nn seine Wunden auf. Nrau v. Marlow m ihrer unver- ' aleicklichen Toilette horte lächelnd zu. Was braucht er den Kommerzienrath?" warf sie hin. Der Baron hat ia ein schönes chlok! Harry b:ß sich aus die Lippen, frrern v. Marlow kielt iyn sur oen irrcen und Eigenthümer von Rothhausen er katte dem nicht ernstlich genug widersprochen. Nun mußte man sie aufklären. Sie machte ein sehr verwundertes Gesicht, und Harry glaubte rasend zu werden. Aber das kann ia nicht sein." be harrle sie. Sie heißen doch Rothhausen, sind doch der Sohn jenes Rothhau sen, den ick selbst kenne durch meinen Gatten wir haben ihn gelegentlich einmal auf seinem Schlote bewMt. Wieso kann das Schlon mcht Ihnen ge bören?" Die kluge ftnrn mutzte das ganz ge nau sie hatte die Sachlage schon damals durchschaut, aber sie mußte wohl ihre Gründe haben, den Baron zu ducken." Und man plauderte, ihrer Rührung folaend. jetzt 'darüber, daß auch Schloß er und Burgen verloren gehen. Man erzablte von Dem und 5enem. Der Graf x. hatte ich er schossen: VriNZ 71. war nach Afrika ge aanaen wirklich, die vrunosetten des ältesten Beükes schwankten und wankten in dieser sturmischen 3eit. Karrn ballte die Handschuhe m der Tasche au einem Knäuel er wollte nicht untergehen! ,Und was ist mit dem Gespann von vorgestern?" frug Frau v. .Marlow leise. Das Fuhrwerk war ihr von einem Verkäufer ur Verfügung gestellt worden: vielleicht, daß sich m ihrem Kreise ein Liebhaber dafür fände. Harry versuchte zu lächeln. ? fi f.iol 5V.,lk " snrrt pt Wz denken Sie doch, gnädige Frau, ein ff w i V VUI NVVj jvjjj.v ff armer Leutnant Aber Kredit baben Sie doch?' meinte sie mit einem vielsagenden Blick. Nein, er hatte keinen Kredit! Aber er sagte, die Pferde gefielen ihm nicht. Frau v. Marlow vcrzog spottljch den pikanten Mund. Glualicherweise kam iefet Graf Ottbcrt und lenkte die Aus merksamkeit der Hausfrau von ihm ab. Aber die Uebngen! Es schien Harry. als nähmen ihn beute Alle besonders leickt. als erlaube man nch Bemerlun gen. die bisher me gefallen waren. Der Tod seines Qnlels hatte seine unglualiche Lage an die große Glocke gehängt. Alle bedauerten ihn- ehrlich es war fürchterlich, so bemitleidet zu werden! ??rau v. Marlow war iekt ganz verfunken in ein Gespräch mit dem jungen Grasen Ottbert Behrenbera. Tin sol chcn Augenblicken sah man wirklich kaum, daß sie doch eine starke Dreißiaerm war. Und des mnaen Mannes Blicke hingen an ihrer eleganten und doch vollen Gestalt, als wollten ste sie verzehren. Aber auch hier blieb Frau v. Marlow vornehm und zuruabaltend. was begreiflicherweise ihren Reiz in den r - r.t ' Vf: jt m -c vxugcn oes icqr jugeixuiicgcji cicgrct nur erhöhte. Eben, als Ottbert ihr aar zu nahe rückte, erinnerte sie sich ihrer Pflichten auch gegen die übrigen Gaste; sie begann sich wieder an der allgemeinen Unterhaltung zu betheiligen. Als sie aewabr wurde, wie finster und abge wendet Harry dasaß, fand sie Gelegenbeit. ,bn u trösten. Nur den Kopf nicht hängen lassen. Baron! Nicht nur Burgen und Schlos ser fallen auch sogenannten recht

mäßigen Erben kann etwas Menschliches begegnen." Harry stand auf der nächtlichen Straße. Dies Weib war ein Dämon! Und er eilte zum. Bahnhofe, der Morgen grauie. Mit dem nächsten Zuge noch suchte er Anschluß zu erreichen an die Hauptlinie, um sich nach Meran zu begeben, wozu ihn seine Mutter bereits reichlich mit Geld rersehen hatte. Die Behrenbergs waren heute auf dem Schlosse zu Gast geblieben. Das Souper gestaltete sich zu einer stillen, aber für Heinz bedeutungsvollen Nachfeier. Es wurde ohne große Proklama-

tion die Verlobung zwischen Heinz uno Hilda im engsten Nrcise kundgegeben. titim hatte sich ihr noch einmal erklärt, hatte ihr Alles zu Füßen gelegt und hatte mit seinem glückstrahlenden Blick das noch schwankende Äadchen fortgerissen. So war ihre endgiltige Einwilligung schnell erfolgt. Harry hatte sie abgestoßen, sie erschreckt. . Sie batte ilm beute ohne Maskegesehen. mit seiner neiderfüllten Seele. Und Hemz erschien ihr als der Bessere. Mit der Demuth echter Liebe hatte er ihr zugeflüstert: Denke nie an das. was ich' habe es ist nichts es ist nicht mein Verdienst! Aber ich will etwas sein, etwas werden, um, Deiner werth zu bleiben!" Er hatte sie bezwungen. Die ftom.ttit sollte nach Ablauf des Trauerjahres stattfinden, die Lffentlichen Anzeigen in einigen Monaten erlassen werden. So schliefen denn heute Alle ruhig. Heinz, der den Segen seines Vaters auf fick rüden suhlte. mda m dem Bewußtsein erfüllter Schuldigkeit, ihre Eltern, die nun vollkommen unbejorgt in die Zukunft blickten. Eharlotte. die sich zwar tief hatte demüthigen müssen, aber dadurck auch sich und ihren Sohn vor dem Aeußersten geschützt und frei von Sorgen wußte, mun konnte ja auch Harry. für den Hilda verloren war. an eine gute Verheiratung .den-j ken. Sie waren Alle ruhig unter diesem Dache. Ein einziger nur. der heute Abend das stille Haus verlassen hatte. fand keinen Schlummer. Em Eilzug trug Harry nach dem Süden. Nur er. er konnte nicht schlafen. 10. Kapitel. er Pfarrer Pistorius in Meran war soeben von einem Spaziergange durch seine Weinberge zurückaekehrt. Er seßte sich sehr veraniigt zum Abendessen. Die Trauben reiften herrlich, und das Leben war ietzt so behaglich hier, m Sommer ist für einen beleibten Mann wie ihn die ike schier unerträglich. aber der Herbst ist eine herrliche" Iahreszeit. Nicht allein, daß er ihm Früchte. Wild und andere Genüsse brachte, auch an Abwechselung war diese Zeit sur den lebensfrohen alten Aerrn überreich. 5eden Tag kamen neue, fremde Herrschaften, immer wieder lab er andere Gesichter auch er vermiethete Zimmer an einzelne Herren immer wieder erfreute er sich neuer Beziehungen; es war eine herrliche Zeit. Eben war ihm die Suppe aufaetragen worden, als man ihm einen Jremden meldete. Die Kochm war 'lehr ärgerlich über die Störung. Sie gab sich so viel Mühe mit der Küche, daß es sie höchlichst verdroß, wenn den ErzeugNissen ihre? Kunst nicht volle Wurdigung zu Theil wurde; und sie schlug vor. Hochwürden vor dem Fremden zu verleugnen. Der Pfarrer aber, in der Meinung, es könne ein gut zahlender Miether sein, entschied sich dafür, ihn zu empfange. Der iunae err. der nun erschien, sah nicht gerade krank aus, aber blaß, etwas fieberhaft: er war vielleicht ein Patiknt im allerersten Stadium. Wie er sagte, kam er merkwürdigerweise weaen einer Kindtaufe, die vor einundzwanzig Jahren in Meran stattgefunden haben sollte. Er verlangte einen Taufschein oder ein Duplikat des Taufscheins sur ein damals geborenes Kind, einen Vetter von ihm, der jetzt . 'e v . t ...... rr oas inzwischen verloren gegangene ,0kument brauche. Das sei eine Klerniakeit. meinte der Pfarrer, man würde einen Auszug aus ftl . C...JC f- . 3 . ' TI-.Y vein ttittgcr.cucg inaajen. was vier binden fünfzig Kreuzer koste, und damit sei beiden Theilen gedient. Der Fremde erlegte den gewünschten Betrag sofort. Und darf ick mir moraen Mitlas das Schriftstück abholen?" fragte er. Morgen Mittaa sckon?" meinte der Pfarrer zweifelnd. Ja, so schnell geht . . . , " I IV oas nia)i, mein weriyer err: vjuin Sckreiber hat zu thun, und i'o ein Kirchenbuch durchblättern auf zwanzig uno mehr Jahre zurück, oas ist keme Kleinigkeit." .Ich bin aber nicht im Stande, länger zu warten." entaeanete der fremde ungeduldig und zerknitterte den Zettel, auf dem der Name des Täuflings verzeicynel war. So werde ick 5!bnen das Vavier nachschicken," schlug der Pfarrer in feiner gemüthlichen Weise vor. vitm, nein: 307 mutz oas Comment mitnebmen. 3;ck bin aern bereit. eine Eztragebühr für den Schreiber zu zahlen, melnemegen auch etwas sur me Armen, wenn die Sache dadurch gefördert wird." Der Vfarrer nickte? unter solcken Umständen konnte er nicht aut widersprechen.

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Am nächsten Morgen schon erschien der Fremde Harry v. Rothhausen wieder. , Nun." meinte der Pfarrer, diesmal ist es schnell erledigt," und er reichte freundlich lächelnd seinem Besuch den Taufschein von Irenens Sohn, der hier zur Welt gekommen war, hin. Harry prallte entsetzt zurück; er schien gar nicht den Muth zu finden, das Papier zu ergreifen. So ist der -Taufschein wirklich vorHanden?" stammelte er. Natürlich, mein Herr!" meinte der Pfarrer. Weshalb denn nicht, weshalb hätten Sie ihn denn gefordert, wenn Sie das so sehr verwundert?" Ich war," entgegnete jener verwirrt, ich war noch bis zu diesem Augenblick der festen Ueberzeugung, mein Vetter sei gar nicht hier geboren, und so bin ich nun einigermaßen überrascht." Er verstummte; offenbar fiel eine Kombination in seinem Kopfe zusammen wie ein Kartenhaus. Der Pfarrer, der sich nur ungern in seiner Seelenruhe stören ließ und sich gerade zum Frühstück hatte niedersetzen wollen, betrachtete ihn mißtrauisch. Wenn doch der Fremde erst hinaus wäre! Aber er Mann wankte, er konnte sich kaum auf den Füßen erhalten. Man mußte ihm einen Schluck Wein , anbieten. Er war offenbar schmerzlich betroffen. Harry nahm mit Dank an. Er war so verstört, daß er jede Frage gedankenlos bejaht hätte, und plötzlich sagte er ganz unvermittelt: Ich hätte noch eine Bitte." Er zog ein zerknittertes Blatt Papier auö seinem Geldtäschchen, hielt es dem Pfarrer hin und fragte hastig: Ist dieser Tausschein aus dem hiesigen Kirchenbuche?" Wie kann ich das sagen!" antwortete der Pfarrer, der Ortsstempel ist ja abgerissen, und dergleichen Formulare stnd hierzulande überall die gleichen." Hochwürdiger Herr." begann Harry jetzt ruhiger, wenn ich Ihnen sage, daß

es stch für-Mich um eme Existenzfrage handelt, antworten Sie mir, schaffen Sie mir Gewißheit!" Der Geistliche fühlte sich durch das Gebühren des Fremden augenscheinlich in seinem Mißtrauen bestärkt und ertheilte eine abschlägige Antwort. In diesem Augenblick trat der Psarramtsschreiber ein. Er hoffte noch auf zene Extrabezahlung, die er sich durch die prompte Erledigung verdient hatte, und er hatte sich nicht verrechnet. Nun ging der Schreiber mit dem Fremden fort. Hören Sie." sprach ihn der Letztere an, wollen Sie sich noch ein Stück Geld verdienen?" Ei. ich brauch' es zwar," antwortete jener verblüfft, ich habe vier Kinder daheim, aber ich will doch nicht hoffen, daß es sich um irgend etwas Unrechtes handelt." Bewahre Gott." versetzte Harry und zeigte ihm den alten Taufschein, ich will nur erfahren, ob das eine Abschrift aus dem hiesigen Kirchenbuche ist." O!" meinte der Schreiber erleichtert aufathmend, das ist kein Unrecht, das wird gemacht " ' ' Während am Abend der Pfarrer auf seinem Rundgange durch die Weingärten war. führte der Schreiber den Fremden in das Archiv und suchte bedächtig das alte Kirchenbuch hervor. Ein moderiger, dumpfer Geruch erfüllte den Naum. Keuchend stand der Fremde hinter dem eifrig blätternden Beamten. Was er da jetzt vor stch liegen hatte, war sein Schicksalsbuch. 'Aus diesen vergilbten Blättern würde er in wenigen Sekunden Tod oder Leben empfangen. Ein Schauer durchrieselte ihn. Am 17. März 1870." hob jetzt der Schreiber an, ist hier nur ein Mädchen Namens Maria Anna Martha getauft. Da sehen Sie selbst, mein Herr!" Ja. er sah selbst. Die steifen und doch nicht schnörkellosen Buchstaben tanzten vor seinem umflorten Blick; aber er sah doch, daß iener recht hatte.' Könnte das nicht vielleicht." stotterte er hervor, infolge emes Irrthums falsch einaetraaen sein?" Nein." meinte der Schreiber stolz. .in Kirchenbüchern gibt es keme Irr thümer. Zudem hat dieses Buch mein aler getuyrt. er ya: iq nie ge irrt." Noch einmal forschte man den ganzen Marz durch. Aus iedem der gro ßen Blätter, die man umschlug, stieg es auf wie eine Wolke der Verwesung; aber es wollte sich kein Kind mit dem gesuchten Namen zeigen. Im ganzen Monat März war nicht ein einziger Knabe getauft worden, der mit jenem identisch sein konnte. Ich bedaure," sagte, der Schreiber. Ihnen nicht dienen zu können." und dieses Bedauern war aufrichtig, denn er empfand deutlich, wie viel jenem an der Bestätigung gelegen war; er hatte in Gedanken wohl schon das Trinkgeld

abgeschätzt. Der Fremde aber stürzte von dannen. Harry hatte den dumpfen Raum. das Archiv verlassen und trat hinaus in's Freie. Ein herrlicher Tag neigte sich seinem Untergänge zu. .Drüben vergoldete die Abendsonne das Gelände. Erst erschienen die Spitze der Bäume auf jenem Hügel jenseits der Bahnlinie wie in Licht getaucht, dann senkte sich die helle Färbung tiefer und tiefer auf das Laub, bald stand der ganze Wald in Flammen. Nun ging, das flüssige Feuer ersichtlich schrittweise nach links. Zweig um Zweig wurde wieder dunkel, finster, beinahe schwarz. . ' Fortsetzung folgt.)

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