Indiana Tribüne, Volume 29, Number 85, Indianapolis, Marion County, 1 December 1905 — Page 6

Indiana StrUmne, 1. Dezember 1903

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Warum nicht Ihr Heim

anziehend machen, durch den Gebrauch eines : : : : Garland Ostn ...und Range... Dieselben übertreffen alle andern in Schönheit, Dauerhaftigkeit, Heizkraft und Sparsamkeit im Kohlenverbrauche. Sie werden mit Vergnügen gezeigt m WILLIG'S ...Mobel-Sandlung... i41 Weft Washington Strafet EDWAKD W. 5IESSMEK, t2S Madifon ve. Vll einiger Agent der berühmten Williams Pnmpen "NO TRIX" "TO rix". Saraatirt eine Holzvnmpe ouS Eisen gemacht.' Reparaturen an Pumpen erden prompt und billig auegefkihrt. Reparaturen an Häusern wie Einlegen neuer Rinne oder nbringen neuer ZibfluhrSbren ans Zinn oder galvaniftrtem E.len werten zu jeder Zettgeacht. . GeschäftS-Uebernahme. Hiermit die ergebene nzeige. daß ich die Wirth, schalt, verbunden mit PoolJimmer und Vereins Halle, bisher bekanvt'unter dem Namen Reichmelnt Hlle, Ekdweft.Ecke Markt und Noble 6tr über nommea habe. Ich habe die Halle, lubzimmer sowie dm übrigen Theil des SebSudeZ gänzlich nts renoviren lassen und vird dieselbe in Znkunst unter dein Namen' ' Noeller'S Halle belanut sein. Halle sowie ClubrSume stehe Vereinen und Gesellschaften zur Jerskgung. Jedermann ist frenndl chst eingeladen, mich in einem Platze z besuche. AchtunzSooll Hennan Moeller, Südmest Ecke Noble und Market Str. Deutsche Wirthschaft ...von Gus. Amann, (Nachfolger von Con. tzeeß.) 852 Massachusetts Avenue. Das berühmte Home Brno" stets an Zapf. Die besten Weine, Liquöre und Cigarren Jeden extra feinen varmen Lunck Vkorgens und AbenoS. Zu emem Besuch ladet freundlichst ein. Gus. Arnann, 852 Maff. Ave Absolut Rauchloses Brennmaterial Gas oh 01.00 per Tonne abgeliefert. M II1DIAI1AP0LIS GAS CO., 49 S. Pennsylvania Str. Dr. J. A. Sntcliffe, Wnnd-Arzt, Äk1ch!tchts-,Urin- nnlStctnrt Krankheiten. Cfflce : 155 OS Sinket tt. Tel. :43 CfHn-ennn : I IM 19 Chr Brn. ; i MI 4Dh. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Nrzt. tSeNtdeU alle akute und chronische rank fettn. OeburtShülfeSpeiialität. Ofstes: 14 Qeft Ohio Ott, anMwCfcnteat l ii . -4 9tchV. Ittjl U0 lftJ9B0. TU U. Wepaang: 1180 vadiso vreSnunden : V butt. onntag l k Nachm. Oohnnng keleph : . t. tam Km,KS

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Der Einspänner.

Con A. TrinuS. Auf und ab im Dorfe hieß der lange Friede! nur noch bei alt und jung der Einspänner. Das Thüringer WaldVölkchen ist ja ohnehin so leicht und gern geneigt, jedwedem irgend einen Spitznamen anzuhängen, sei es, um damit seine Herkunft, sein Gewerbe oder auch irgend eine Eigenart des Betreffenden zu bezeichnen. Daß dabei der lose Schalk und 'die übermüthige Spottlust nicht zu kurz kommen, ist selbstverständlich. Der lange Friede! aber trug in diesem Falle selbst die Schuld daran. Wie oft hatte er im Wirthshause, wenn dieMänner mit den langen Pfeifen sich um ihn schaarten, zu horchen, was er heute wieder im Walde gesehen er war Waldwart oder Kreiser, wie sie im Thüringer Walde sagen auf den Tisch geschlagen und dann mit erhobener Stimme verkündet:' Es ist ein Unsinn zu heirathen! Einspänner muß man bleiben! Da bleibt man ein vernünftiger Kerl! Die Liebe! Nun ja, die ist gut für die Grünlinge; wer aber ein Mann geworden, der solle sich vor den Weibern hüten" Und wenn dann' ein verlegenes Murmeln, ein verhaltener Widerspruch sich im Kreise geltend machen wollte, dann schlug er nochmals auf den Tisch, diesmal noch wuchtiger, und fuhr fort: Wollt ihr's etwa leugnen? Unter dem Pantoffel steht ihr allesammt! Hahaha! Das könnte mir passiren! Die stärksten Männer kriechen vor einer Frau mit gutgeschmiertem Mundwerk in das nächste Mäuseloch. Das ist nun mal so! Ich habe als Bursche bei einem General gedient; er war ein baumlanger Kerl und seine Regimenter zitterten vor ihm. Wenn daheim aber seine Excellenz schon von weitem die Stimme der Alten hörte, da sah er sich verängstigt nach einem Mauseloch um, um ihren Angriffen zu entwischen. Nee, das sollte mir einfallen, mich von den Weibsleuten unterkriegen zu lassen! Das überlasse . ich euch!" Und er trank siegesgewiß seinen Krug aus und reichte ihn dann dem Wirthe zum Frischsüllen. Es w2r das einzigste Thema an der Wirthstafel, das niemals von ihnen weiter ausgefponnen wurde. Der lange Freidel hatte eben feine eigene Logik. Er haßte ja die Weiber nicht, doch er mied sie, wo er nur konnte, als fürchte er ihren heimlichen Zauber. Dafür aber war er ein merkwürdig großer Kinderfreund. Sein Häuschen lag $cht am Hochwalde, einen Büchsenschuß von dem Dorfe entfernt. Da hauste er allein. Bormittags kam eine alte Wittfrau aus dem Dorfe und besorgte das Nöthigste in der Wirthschaft. Da er , tagsüber im Walde zu thun hatte, so nahm er die einzige warme Mahlzeit des Tages Abends im Wirthshause ein, wo er für ein Billiges ein Abkommen getroffen hatte. Das nächste Haus von ihm nach dem Dorfe gehörte einem jungen Weibe, deren Mann vor Jahresfrist beim Zapfensteigen (Herunterholen von Fichtenzapfen für die Samenhandlung der Kreisstadt) tödtlich abgestürzt war. Sie lebte dort allein mit einem vierjährigen Mädchen und ernährte sich und das Kind von Handarbeiten, welche sie für eine Puppenfabrik des Walddorfes ausführte. Wenn die Veronika Gläser durch das Dorf schritt, erhobenen Hauptes und mit einem federnden Gang, der verrieth, welche gute Tänzerin sie einst gewesen war, dann blickte so manches Mannesauge ihr nicht ohne heimliche Bewunderung nach, und so mancher, der daheim unter der Fuchtel seines Weibes seufzte, malte sich die Lust aus, mit diesem hübschen Weibe durch das Leben gehen zu dürfen. Ihr Kindlein aber mit den blonden Haaren und tiefblauen Augen glich einem vom Hjmmel niedergestiegenen Engel. Wenn der lange Friede! das Kind am Gartenzaune erblickte, dann blieb er regelmäßig stehen und scherzte mit ihm. Oft lief ihm die Kleine schon ein Stück die Straße entgegen und dann nahm er sie bei der Hand und geleitete sie bis vor das Haus. Onkel Friede!" saß fest im Herzen der kleinen Martha. Noch fester aber seit jenen Tagen, da er ihr in einem selbstgefertigten Häuschen eine Eichkatze aus dem Walde mitgebracht hatte. Da war Martha ihm stürmisch um den Hals gefallen und hatte ihn herzhaft abgeküßt. Du bist doch der allerbeste Onkel!" hatte sie in jauchzender Freude ausgerufen. Und als der lange Friede! dann die Kleine vorsichtig wieder zur Erde niedergelassen hatte, da sah er in die dunklen Augen von Frau Veronika, die in der Hausthür stand und ihn gar freundlich' anlächelte. Da war ein merkwürdiges Empfinden über seine Seele geschlichen. Ihm war's, als sei er erröthet. Das machte ihn wild und störrisch. Nur sich nicht vor den Weibern beugen. Keine Schwachheiten zeigen! So nickte, er nur-kurz der hübschen Frau zu und stürmte schneller denn sonst bic Dorsfiraße weiter. Frau Veronika aber sagte auch nichts. Sie lächelte nur ganz still und fein. Dann hob sie auch das Kind empor und drückte ihre schwellenden Lippen auf deren süßen Kindermund. Der Sommer war aus dem Thale gewichen, m dem sich daö Dorf zum

Gebirgskamme hinanzog. SturmZscher warb der Herbst mit rauhen Stößen um die Herrschaft. Des Nachts vernahm man das weithinhallende Orgeln der Hirsche, das sich tief und die Seele aufrührend über die Waldberge Bahn brach. Goldene und blutrothe Blätter tanzten über die Straße und ab und zu vernahm man hoch in den Lüften das Geschrei vorüberziehender Wandervögel. Heute hatte die Sitzung im WirthsHause länger denn sonst sich ausgedehnt. Da war ein fremder Gast geWesen, der sich tüchtig in der Welt umgesehen hatte. Da gab's zu erzählen und aufzuhorchen. Und dann hatte sich ein anreaender Disput angeschlossen, daß mancher von den Wäldlern vergaß, was seiner daheim an liebreichen Willkommensworten harrte. Einer der letzten, welche dasWirthsHaus, verließen, war der lange Friede!. Er verspürte heute auch so wenig Lust heimzukehren. Und als er am Hause der Veronika vorüberkam, da blieb er sogar stehen. Der Mond war just hinter Wolken getreten. Was ihn eigentlich stehen bleiben hieß, das wußte er wohl selbst nicht recht. Doch als er an sein einsames Haus in diesem Augenblicke dachte, da schlich ungewollt ein leiser Seufzer über seine bärtigen Lippen. Er dachte an das Eichhörnchen. die stürmische Zärtlichkeit der Kleinen und dann auch an den Blick der schönen Frau. (rr war ja Einspänner geblieben, und das war sein Stolz vc: dem ganzen Dorfe geblieben. Und so wollte er es auch fernerhin halten. Aber in diesem Augenblickte

malte er sich die stille Freude aus, wenn daheim ihm zuweilen auch in der Dämmerung so ein paar kleine, weiche Kinderhände um seine Knie spielten, zu ihm emporlangten, und er dürfte so em schwaches Wurm, er, der starke Mann, aus seinen Schooß ziehen und mit ihm kosen. Lächerlich! Das konnte ja nie geschehen! Durfte nicht! Wo blieben denn da alle seine Grundsätze?!' Er war bereits ein Stück seinem Hause zu, als er sich noch einmal umwandte und zurückblickte. Just warf der Mond seinen vollen Schein über die Hütte der jungen Frau und ließ das verhangene Fenster ihrer Schlafstube mit den sauberen, weißen Vorhängen wie im Silberschimmer leuchten. Ein paar Augenblicke starrte der lange Friede! wie gebannt auf dieses Fenster; dann gab er sich förmlich einen Ruck und wandte sich seiner Behausung zu. Aber diese Nacht wollte er die sonstige Ruhe und seinen gesunden Schlaf gar nicht finden. Wüste Träume wirrten ihm das Gehirn. Und dann auf einmal schreckte er empor. Rief da nicht Jemand seinen Namen? Klang's nicht daher wie ein Nothschrel? Ihre Stimme? Unsinn! Ein paar Glas Bier mehr denn sonst, weiter nichts! Und dann der dumme Mondschein, das stille Fenster, hinter dem sie ruhte! Das war alles! Jetzt aber sprang er doch auf. Ein Blick aus dem Fenster ... mein Gott! Rauchwolken aus dem Häuslein . . . nun sogar aus dem Untergeschoß eine kleine, züngelnde Flamme! Im Nu war er in seinen Kleidern. Ein Zittern war über den so starken Mann gekommen. Dann zur Straße, hinüber im Sturmschritte! O, mein Gott! Schon hatte das bisher schwelende Feuer weiter um sich gegriffen. Es drang aus den Fugen der Thür und den Fenstern des Untergeschosses. Der lange Friede! raste weiter zum Dorfe hin. Buzk nächsten Nachbar donnerte er ßegen die Fenster, beim zweiten ebenso. Er brüllte wie ein Thier! Heraus, heraus! Feuer!! Bei der Veronika brennt's!" Und als er bestimmt wußte, daß man ihn gehört, daß' Leben im . Dorfe erwachte, da kehrte er fliegenden Athems zurück zum Hause der jungen "Frau. Oben am Fenster stand sie im weißen Nachthemd, in all ihrem Schrecken und der sich im Antlitz malenden Angst fast doppelt schön. Sie hob die weißen Arme jammernd empor, als wollte sie vom Himmel Schutz und Hilfe fordern. Und jetzt hatet sie den langen Frjedel erkannt. Da schrie sie m herzbrechenden Tönen: Erbarmt Euch! Ich kann nicht mehr heraus! Die Treppe brennt! Mein Kind!!" Wo steht die Leiter?" er stieß es bebend heraus. Hinter dem Hause! O, mein Gott! O, mein Gott!" Aber da brach er schon hinter dem brennenden Hause hervor. Er ' warf die Leiter an die Wand. Rauch und aufschlagende Flammen begannen an ihm herumzuwirbeln. Nun war er oben am Fenster. Kommen Sie, Veronika!" Nein, nein, erst das Kind!" Sie hob das weinende Kind von der Diele auf und legte es ihm in den Arm. Onkel Friede!! Dnke! Friede!!" Ja, ja, Madel, komm! Er schwang sich die Leiter hinab und reichte die Klne an einige Weiber, die sich bereits drunten jammernd versammm hauen. Das Heulen nützt nichts. Anfas sen!!! Retten, was- noch zu retten ist!" Er blickte hinauf. Da stand noch immer händeringend Frau Veronika Doch als sie das Kind nun gerettet wußte, da ging es wie Lachein über ihr Gesicht. Im nächsten Augenblick

drang der dumpfe Krach der zusam-

mensturzenden Treppe aus dem Hause. Zugleich schlugen aus dem Nebenfenper dorben die Flammen heraus. Frau Veronika schien noch einmal wie Lebewohl zu winken! dann verhüllten Rauch und Trümmerstaub ihre weiße Gestalt. Doch schon hatte der lange Friede! wieder die Leiter bestiegen. Laßt ab, Ihr werdet selbst erschlagen!" tönte es hinter ihm drein. Doch er achtete der Worte noch der Gefahr nicht. Schon hing er- wieder droben am Fensterkreuz. Veronika! Frau Veronika!" Er schrie wie ein weidwundes Thier. Doch keine Antwort erfolgte. Die Frau war bereits in der Stube zusam'mengebrochen. Aus der Fensteröffnung, wo sie noch eben gestanden, schlugen die erste rothe Flammen heraus. Da . . . ein Sprung in das brentienfcr Gemach. Alles hielt auf der Straße den Athem an, während just die Feuerspritze aus dem Dorfe herangerasselt kam. Da aber tauchte der lange Friede! auf. Ueber seine starke Schulter hatte er das leblose Weib gelegt. Nun aus dem Fenster durch Rauch und Dunst. Die Leiter unter die Füße. Dann langsam, sorglich, fest Schritt auf Schritt herab. Weiber umschrieen ihn. Alles suchte sich heranzudrängen. Er aber hielt wie ein Raubthier, das seine Beute zu vertheidigen gedenkt, nur für ein paar Herzschläge inne; dann schritt er mit dem jungen Weibe nach seiner nahen Behausung. Da legte er Frau Veronika auf das Sopha; er beugte sich über sie, strich ihr leise über das wallende Haar und rief sie bei ihrem Namen. Dann tastete zögernd und keusch seine Hand nachdem Herzen. Da war noch Leben, drinnen! Gott sei Dank! Nach einet kleinen Weile schlug sie langsam ihre Augen auf. Wie irrend gingen diese in dem fremden Raum herum. Endlich blieben sie auf dem Manne haften, der noch immer ihre Hand in der seinen hielt, der so traurig und wieder froh ihr in's Auge schaute. der da reden wollte und kein Wort über die Lippen brachte. Wo ist Martha? Martha!" Ruhe, Ruhe, liebe Frau Veronika! Martha ist in guten Händen und gesund!" Ist's wahr? O, mein Gott es war so schrecklich!" Ihr Blick glitt an ihr selbst hinab. Und ein Erröthen lief über sie. Da sprang der lange Friede! auf und eilte nach der Wand. Gleich darauf hatte er seinen weiten Lodenmantel über ihre bebende Gestalt geworfen. Nun ist ja alles gut!" flüsterte er ihr zu. t Sie schüttelte sich noch einmal. Plötzlich aber erhob sie sich halb und dann, ehe er es nur verhindern konnte, schlang sie ihre weißen vollen Arme um seinen Hals, wie es damals die kleine Martha mit ihm gemacht hatte, und dann preßte sie ihre zuckenden Lippen auf seinen Mund. Und der lange Friede! hielt still. Als der Morgen herauf war, ist FrauVeronika zu einer gutenPathe vor der Hand gezogen. Mildthätigkeit hat ihr für die erste Zeit ausgeholfen. Der lange Friede! hat sich von dem Tage weder im Dorfe noch im Wirthshause mehr sehen lassen. Selbst bei Frau Veronika nicht. Die einen behaupteten, daß er zu stolz sei, Dank anzunehmen. die anderen aber sagten gar nichts. Die munkelten nur allerlei. Darin aber war das ganze Dorf einig, daß man auf den langen Friede! stolz sein dllrse; denn er habe etwas vollbracht, was dem Dorfe nur zur Ehre gereiche. Und darin stimmten sogar sämmtliche Weiber, trotzdem sie die schlimme Gesinnung des harten Mannes wohl kannten. Die Nachricht von der kühnen Doppelrettung drang auch zu den Ohren des Landraths, und noch vor der Kirmse prangte im Knopfloch des langen Friede! die Rettungsmedaille am Bande. Die Kirmse hatte diesmal einen recht frohen Verlauf genommen. Doch auch hierbei hatte der lange Friede! sich nicht blicken lassen. Der war nur noch im Walde zu finden. Und wer ihn dort einmal getroffen, der mußte mancherlei denken. Denn fast wie tiefsinnig sah man dort unter den Bäumen den Waldwart einherschreiten; zuweilen auch blieb er stehen und starrte steif in den Himmel. Er hielt mit sich und seiner.Grundsätzen strenge Abrechnung. . Als er eines Abends wieder mal vor der Brandstätte der Veronika vorüberkam, da sah er sie selbst in Trauer vor den Trümmern des Hauses stehen. Als sie ihn jetzt bemerkte, da glitt ein tiefes Roth über ihr schönes Gesicht. Ja .er meinte wohl, daß ein leichtes Zittern über sie gekommen sei. Nun wandte sie sich langsam nach ihm um. Sie schien reden zu wollen; doch er hinderte sie daran. Aus seinen Augen brach es wie ein Leuchten, das sie noch nie so schön an ihm gesehen hatte. Veronika!" sagte er endlich, es lohnt sich liicht recht mehr, daß Ihr das Haus wieder aufbaut." Aber " Sie stockte, denn sie fühlte seinen Blick brennend auf sich ruhen. Ich kann doch unmöglich auf der Straße bleiben. Wenn ich aus der Brandkasse meinGeld wieder habe, dann . . . ." Er ließ sie aber heute nicht weiter sprechen. Unsinn! Ich hab's mir überlegt ...anders! Schsn einmal trug ich Euch in mein Haus ... seitdem. ist's

mirva'drlnnen so still und einsam geworden . . . wenn Ihr Euch dazu derstündet, so trüge ich Euch noch einmal dort drüben hinein, dann aber, um Euch für immer dort zu behalten. Aber Ihr werdet mich jetzt auslachen. Gelt? Frau Veronika hat gelacht; aber es klang anders denn Spott und Verdruß. Sie hat es geduldet, daß er sie vor sein Haus noch an diesem Abenh führte, und dann nahm er sie abermals auf seinen starken Arm und trug sie über die Schwelle. Und diesmal küßte er sie zuerst. Aus dem Einspänner ist ein Zweispänner geworden. Der lange Friedel schlägt auch gar nicht mehr auf den Tisch des Wirthshauses und schimpft über die Weiber; denn er läßt sich überhaupt feit langen Wochen nicht mehr dort selben. Er bat dabeim mit semer schönen Veronika so entsetzlich viel zu reden und zu Philosophiren, daß er sogar jetzt zuweilen seineRllndgänge durch den Wald abkürzen muß. Merkwürdige alte Zeitmesser.

Einige der ältesten und primitivsten Einrichtungen für die Zeitmessung haben sich merkwürdigerweise noch bis in unsere Zeit erhalten. In viele Kirchen, Mönchs- und Nonnenklöstern werden noch heute die abgetheiltenLichter gebraucht, um die Dauer der Gebete zu messen; ebenso verwenden noch viele Köche und Köchinnen des 20. Jahrhunderts Sanduhren zum Eier kochen. Von allen Erfindungen zur Zeitbestimmung ist wohl die Sonnenuhr die älteste. Sie war schon den Bewohnern Babylons bekannt. Alte Sanduhren, von denen einige aus dem frühen Mittelalter stammen, sind vom Smithsonian - Institut in Washington gesammelt worden; bei einer Prüfung dieser Sandgläser haben die Gelehrten des Instituts gefunden, daß si sehr' ungenau sind, da einige eine Differenz bis zu sieben' oder acht Minuten in der Stunde aufwiesen. Das läßt sich nur so erklären, daß sie nach einer Kerze geregelt wurden, da Uhren noch nicht erfunden waren und man keinen besseren Maßstab hatte. Da nun aber Kerzen anfangs langsamer brennen als später, ist dieser Mangel an Zuverlässigkeit erklärlich. Kerzen dieser Art wurden durch einen Schirm von Horn geschützt vor dem Windes aoch heute kann man sie in Europa kaufen. DU Wilden des Stillen Oceans bedienen sich zu demselben Zweck einer sehr ähnlichen Erfindung. Sie besteht näm lich aus einer Anzahl öliger Nüsse vom Gummilackbaum, die dicht auf der Mittelrippe eines Palmblattes aufgereiht werden, dann werden sie ausgehängt, und nun wird die oberste Frucht angesteckt, die langsam nach unten brennt. Da fast alle gleich groß sind und jede etwa 10 Minuten brennt, wobei sich eine an der anderen entzündet, werden gerade etwa sechs in einer Stunde aufgezehrt. Wahrscheinlich ist diese primitive Methode der Zeitbestimmung ebenso genau wie die abgestufte Kerze oder die mittelalterlichc Sanduhr. Die Zeitbestimmung ziemlich genau regeln zu können, muß eine der ersten Bedürfnisse der Menschen gewesen sein. Daraus erklärt es sich, daß so viele primitive Erfinder ihren Scharfsinn für diesen Zweck aufgeboten haben. Die Nutzbarmachung des Schattens eine Idee, die ihre endgültige Entwickelung in der Sonneni:hr fand war wahrscheinlich die erste. Die erste Sonnenuhr mag ein Baum gewesen sein; stand er am Anfang des Weges, den die Entwickelung vonApparaten zur Zeitbestimmung nahm, so bezeichnet der moderne Ehronometer das andere Ende, die bisher vollkommenste Form solcher Erfindungen. Winke für heirathsluflige Madchen. In einer launigen Plauderer gibt ein Feuilletonist in einem deutschländischen Blatte den jugendlichen Vertretern .des zarten Geschlechts folgende Anweisungen für die Wahl eines Gatten. Liebes Kind, glaube vor allem nicht, daß die Heirath eine Glücksversicherung ist, wie es deine Erzieher dir mehr oder weniger deutlich zu verstehen geben. Und wisse: nicht einmal materiell bist du versorgt", auch wenn Dein Zukünftiger ein gutes Einkommen hat. Von seinem Charakter allein wird es abhängen, wie viel Glücksgüter auf dich entfallen. Liebes Kind! Heirathe gewiß erst dann den jungen Mann besser, den reifen Mann , wenn du mit ihm eine Reise gemacht hast. Für den einen kann der Salon deiner Mama gerade die richtige Wandfarbe haben, wodurch er dir tzübsch, elegant und geschmeidig erschien. Er saß dir vielleicht in günstiger Beleuchtung gegenüber und fand nicht die geringste Gelegenheit, taktlos oder ungezogen zu sein. Auch hat er sich für den Besuch durch frische 'Wasche, geistige Sainmlung, wenn nicht gar durch die Lektüre einer Anthologie vorbereitet. Morgen fährst du mit ihm bis sagen wir Kufstein ; es genügt. Ei? neuer Mensch steht vor dir. Die Sonne bringt's an den Tag. Der artige Gentleman kujonirt schon im Bahnhofrestaurant den Kellner. Dieser muß eine halbe Stunde ' vor iLci in Positur stehen, um abzu-

warten, bis der Herr gewählt hat. (Dich fragt er zerstreut, ob du auch etwas nehmen willst.) Endlich ist das Studium der Preisrubrik beendet. Die Speise, die man ihm bringt, ist natürlich miserabel, und der Kellner wird dafür verantwortlich gemacht. Durch diesen ersten Zwischenfall ist die Stimmung schon getrübt. Hätte der Ehekandidat cs nicht verabsäumt, sich nach der Abfahrtszeit der Züge zu erkundigen, wäre Restaurant und Kellner, Gulasch und Aerger erspart geblieben. Nun wird noch gewartet. Dein BeWerber gebärdet sich, als verkürzten ihm die paar Minuten nun den wick-

tigsten Abschnitt seines Lebens, der nur durch Schimpfen auf alle Jnstitu-' tionen der Regierung wie der Weltveri waltung überhaupt eingebracht werden ! kann. Im Coup6 zieht es fürchterlich". Also, Rheuma -Candidat! sollst du wissen. Außerdem kann er nicht zwei Stunden ohne Cigarre aushalten. Er wird dir später dein nettes, gepflegtes Heim in einen Selcherschlot umwandeln. Am Zielpunkt anaelangt, bat der Reisende natürlich Durst. Die Kellnertragödie wiederholt sich. Endlich geht es an den Genuß. Dein zukünftiger Gatte bemerkt in der Natur nur Staub, Hitze, zu weite Wege; Die Luft hat sein Gesicht mit gelben Flecken bestreut; seine Haltung ist nachlässig, er schleppt die Beine und erzählt lauter ärgerliche Geschichten. Bei der geringsten Widerwärtigkeit verliert er den Kopf. Eigentlich ist es schade, daß er ihn, heimgekehrt, wiederfindet. ' Sei indessen froh, liebe Braut, daß du beizeiten die wahre Linie dieses Profils erkannt hast. Der Gatte wäre . unerträglich. Ein mißlungener Braten gäbe Anlaß zu monatelangen Vorwürfen und um deinen gelungensten Sommerhut müßtest du bis in den Herbst hinein werben. Kriegst du endlich das Hütchen, so wird der übelgelaunte Gemahl dir genau in dem Moment, wo du vor dem Spiegel stehst, von der mißlichen Finanzlage" erzählen, so daß du dir wie eine Verbrecherin vorkommst, weil du einen neuen Hut aufsetzt. Wie er den Stundenplan des BahnVerkehrs nicht kannte, so wird er die Hausordnung stets verletzen, unregelmäßig bei den Mahlzeiten erscheinen und am Abend zu gähnen beginnen, gerade wenn du beginnst munter zu werden. Auch seine Zärtlichkeit bietet er dir, just wenn du am wenigsten dazu gestimmt bist. Vor feinen Vorgesetzten oder überHaupt Höhergestellten kriecht jeder, der mit Bediensteten rücksichtslos ist. Er wird deine Dienstmädchen schlecht behandeln; wenn sie hübsch sind, zu gut. Jetzt wären wir an einem wichtigen Punkte angelangt. Mädchen, schau dir den Mann gut an, auf dessen Treue du dein Glück basirst. Willst du einen treuen Gatten, so nimm den, der gern in Gesellschaft von älteren Damen weilt. Er hat Sinn für die Feinheiten deiner Seele. Ist er zart und rücksichtsvoll mit Unschönen, heirathe ihn gewiß. Seine Zärtlichkeit basirt nicht auf dem Begehren allein. Heirathe erst, bis du deinen Candidaten nach einem Trinkgelage gesehen. Steht er aufrecht und sicher da, spricht er klar und logisch, so nimm ihn zum Gatten. In vino veritas. Und im Genuß offenbart sich der Charakter noch mehr als im Leid. Darum aber versäume nicht, deinen Auserwählten zu beobachten, wie er -sich im Schmerz gebärdet, wenn er sich in den Finger schneidet oder einen lieben Angehörigen durch den Tod verliert. Hier enthüllt sich das Verborgenste im Menschen. Würde. Muth, philosophische Weltanschauung. Bildung und Sanftmuth können in einem einzigen Blick sich kundthun. Ebenso wie läßlicher Kleinmuth, Egoismus, Charakterschwäche und ordinäre Disziplinlosleit. Es gibt keinen ergreifenderen Anblick, als die überlegene Ruhe des Mannes im Ungemach. Gehe hin und streiche ihm mit zart- , licher Hand über die bleiche Stirn. ES ist deine edelste Aufgabe. Lehne dich an ihn, denn er ist eine sichere Stütze. ' Schau auch zu, wie sich dein zukünftiger Gemahl dem Kameraden gegenüber verhält. Sei ja nicht eifersüchtig auf Freundschaft. Ein guter Kämerad wird ein guter Ehemann und Vater. Wenn er aber mit den jungen Freunden tuschelt und dröhnend lacht, wenn er bloß im Kaffeehaus Geselligkeit sucht, beim Glase sinnlos schwatzt und tobt, beim Tanze zappelt und seine Lustigkeit überhaupt erst durch gewöhnlicke Mittel angefacht wird, dann laß ihn weiter den Mäcen der Nachtlokale sein. ' Vergiß, o Mädchen, nicht einen Augenblick: dein Eheirrthum wird dir als Vergehen angerechnet. Wenn du unglücklich bist, hat die Welt nur Verachtung statt Mitleid für dich in Be- -reitschaft. Deine Pflicht ist, eine glückliche Gattin zu sein. Drum ! lerne unterscheiden. Auch vei dem Liebenswürdigsten bleiben noch nachträglich so viel Fehler zu entdecken, daß. du dein Leben lang brauchst, um dich an sie zu gewöhnen. . .

Nauöt die Tish I Mingo.