Indiana Tribüne, Volume 29, Number 83, Indianapolis, Marion County, 29 November 1905 — Page 5
" " " "" ' ' Jndkana Tribüne, 29 November 1905
5
'Zu grün."
Novellette von Käte Frank. Also, meine Gnädigste, in aller ' Form ein Korb mit der Verdienstschleife treuer Freundschaft?! Letztere übrigens in jedem Fall dankend abgelehnt." Er fuhr dicht in ihre Seite und sah ihr mit schlecht verhehltem Aerger ins Gesicht. Helge Nierström zuckte die Achseln: Herrgott, ja! Nun lassen Sie aber die Sache gefälligst ruhen! 's ist ja öde. sich solange über so 'n Binsenmöbel von Korb aufzuregen." Das schöne junge Ding zog gereizt die Brauen zusammen. Trotzdem es kerzengrade auf dem Rad saß, gab es sich doch noch einen Ruck. Teufel auch, meine Gnädigste, wir befinden uns zwar hier im gesegneten Lande des Torfkahnes, aber total mit so 'nem Wobei" l bin ich doch noch nicht übergefahren, um mir nicht energisch ein wenig mehr Ernst auszubitten! So nett und amüsant Ihre burschikosen Marotten auch sonst sind, hier geben Sie mir keine genügende Antwort auf meine Frage: Wollen Sie meine Frau werden?" Es klang beinahe wie ein Befehl, und herrisch blitzten seine Augen. Au, Herr v. Mackensen. Sie fahren mir ja ins Rad! Nein, so ein Mensch," ganz entrüstet sprang sie ab. Ihr erster Blick galt der Maschine, es schien alles in Ordnung, trotz des lebhaften Stoßes. Dann sagte sie: Also nun hören Sie: Wenn ich hei- , rathe, ist das meine Sache " Wohl auch die dessen, der Sie hei " Unterbrechen Sie mich nicht ist das meine Sache. Und wenn ich einmal Nein" sage, aus Gründen, die Sie nichts angehen, so " Erlauben Sie mal," unterbrach Mackensen hier mit Löwenmuth, ein gewisses Interesse habe ich doch auch daran! So' Binsenmöbel ohne jedwede Begründung ist einfach 'ne Grobhett." Gott sei Dank, mal endlich ein Männerwort! Schelten Sie nur tüchtig, das ist mir viel lieber als das Zephyrsäuseln. Kinder, mir wurde bereits ganz schwach. Die reine Stammbuchpoesie! Ich kann so was nun nicht hören und pfeife auf Satzbau mit allen Chikanen! Also ich sage nein", weil Sie mir viel zu langweilig sind, so so tadellos! Als Ihre Frau litt ich gewiß an chronischem Gähnkrampf. Nee, nee, seien Sie nicht böse, aber ich kann Sie wirklich nicht heirathen!" Die siebzehnjährige Schöne sah ihn an wunderbar blieb's, daß er nicht tödtlich getroffen zu Boden sank. Statt dessen verbeugte er sich in ungebrochener Manneskraft, stumm und tadellos. Dann radelte, eigentlich sauste sie nach links und er nach rechts. Brief Helges an Ditta von Merling. Liebe, süße Olle! Nun sitze ich wieder gesund in H. Es wnd Winter, und es ist alles wie im vorigen Jahr. Ich krieg neue Kleider, viel ausgeschnittene! Mama erklärt auf all meine Bitten, es müßte so sein. Denn ich, ich hasse diese unvollkommenen" Gewänder, mir fehlt immer was. Na, ich werde stets meine Boa umHalten, kann ja halsleidend sein, was?! Du, denk mal, auf dem Land, wo ich mit Mutter und Ellen war, kriegte ich meinen ersten Heirathsantrag. Ach Du, ich schäme mich, so'n unromantischer Leutnant war er. Ich dachte gleich an die xmal beschriebene Kommerzienrathstochter und das aufzulackierende Möbel"!!! Nee, nee, ich danke. Ich danke übrigens auch wirklich, dir Mann war zu ledern! Der reine Kaffee! Zum Schluß sagte er, so knapp wie möglich umschrieben: ich (?!) wäre wohl noch zu grün zum Heiratyen ! Und den sollte ich nehmen? Daran denkt ja nicht Deine Helga Nierström. Ein Geschwirr von Stimmen, von Geige.Flöte und Klavier, dem üblichen Hausconcert, ein Durcheinander von Duftwollen, blau, rosa, weiß, dazwischen schwarze und bunte Röcke das Ganze der Eröffnungsball bei Niersiröms. Man hatte das Souper schon hinter sich und gab sich nun dem Tanz und dem Flirt hin. Helge Nierström konnte mitihrem Debüt zufrieden sein, d. h. sie kam nicht zum Sitzen, sondern lag beständig irgend einem Manne im Arm! Dies auf einem Balle möglichst oft zu thun, is ;a der Zweck solcher Uebung. Aber die 'Uebung selbst schien wirklich etwas anstrengend. Das frische GeVsidjt des Mädchens sah heute fast blaß aus, was allerdings dem Eindruck nichts schadete, im Gegentheil! Das große, schlanke Mädchen im duftigen weißen Empirekleid bekam durch dies Müde einen solchen Charme, daß die Männer rein rappelig wurden. Es war aber auch zum Tollwerden, wie in dem süßen blassen Gesicht die .dunkeln Augen funkelten, und der Mund, so ivth, darin lockte. Helge schien das zwar zu merken, aber es ließ sie gleichmüthig. Sie hatte sich vor allem auf das Wiedersehen mit einem gefreut. Um den zu ärgern, hätte sie mit Wonne darauf losgeflirtet, aber da dieser jemand nicht zu kommen schien, hatte die Dache keinen Reiz. . Eö war wirklich ärgerlich, daß er wegblieb! Diese Kurmacher, wahrhaf-
tig ein ganzes Dutzend, waren doch der beste Beweis, daß sie nicht mehr zu zriin zum Heirathen war! Während einer Tanzpause gelang es ihr wirklich, zu entschlüpfen. Sie war nun thatsächlich müde und wollte sich nur auf ein Viertelstündchen ausruhen. Ganz still sich in eine Ecke setzen und so in bischen dösen. Sie gelangte glücklich in ihr Zimmer. Hier brannte kein :lektrisches Licht, nur eine mattgrün verschleierte Lampe beleuchtete dämmerig den traulichen Raum. Er lag in :ntgegengesetzter Richtung der Salons, und Helge fühlte sich ganz geborgen. Behaglich kauerte sie sich in den breit-lehnigs-n Armstuhl. - der mit grünem Leder bezogen war, und schloß die ölugen. Wie lange sie so saß. wußte sie nicht. Auf einmal hatte sie das unangenehme Gefühl, angesehen zu werden Verwirrt rick.iete sie sich auf ihr gegenüber, in respektvollem Zwischenräum, stand Fritz von Mackensen. Steif, ernst und eh so korrekt, als ob er nicht eben ein schlummerndes schönes Mädchen gesehen, sondern seine Mittagsruhe haltende, schnarchende alte Großmutter! Sein Gesicht verrieth jedenfalls nichts von dem prickelnden. Reiz der Situation. Helge riß die Augen immer größer auf. An seine Korrektheit in allen Momenten war sie ja gewöhnt, aber was war denn das? Der Leutnant Mackensen in Civil? Ja. aber Herr von Mackensen was ist denn nur mit Ihnen los?" Er sah sie bitter lächelnd an. mit wunderbar gemimter Tragik. Ja, meine Gnädigsie. in Civil! Das mit der Kommerzienrathstochter und' dem vergoldungsbedürftiaen Möbel" von Leutnant stimmt nicht mehr. Es war sowieso nur ein roher Scherz, ohne einen Funken Berechtigung! Plötzlich veränderte Familienverhälinisse," brach rauh ab. Helge war nun ganz wach. Bitte. Herr von Mackensen. nehmen Sie doch wenigstens Platz." und sie deutete auf einen Schemel ihr gegenüber. Die muthwillige Stimme klang ganz verschüchtert. Sagen Sie. es ist wohl nur Ulk von Ihnen? EH ist doch nicht möglich " Daß man in so kurze? Zeit ein armer Teufel werden kann? Es scheint doch so, mein gnädiges Fräulein! Aber auch so hat man Ehre im Leib! Ich bin nur zu Ihrem Fest' gekommen, um Jhnen zu sagen, daß Sie mich bei meiner Cousine abscheulich verleumdeten!" Helge wurde über und über roth. Ihrer Cousine? Ja, kennen Sie denn überhaupt Ditta von Merling?!" O ja! So wie man eben seine Cousine kennt." Du gerechter Ströhsack," klang es, überwältigend komisch in diese: tragischen Situation, aus dem Munde depoesieumflossenen Wesens dort im Lehnstuhl. Auch der korrekte Mann schien das zu empfinden. Aber nur einen Augenblick, dann war wieder der leidvoll resignirte Zug in seines hübschen Gesicht. Ja, mein gnädiges Fräulein. Sie haben mich damals im Sommer hart gekränkt, aber diese eine Aeußerung meinen Verwandten gegenüber sie macht mir das bewußte ..Binsenmöbel" nun geradezu lieb! Ich bin Ihnen dankbar!! Ihnen das zü sagen, kam ich her. Leben Sie wchl." Schweifend verbeugte er sich und schritt zur Thür. Helge sah ihm angstvoll nach Herr von Mackensen! Ach Gott, ich habe mir ja gar nichts dabei gedacht, als ich so an Ditta schrieb! Das war ja Blödsinn! Aber greulich von ihr. Ihnen das zu klatschen!" Trotz aller Zerknirschung klang dieses sehr temperamentvoll dazwischen. Daß Sie nun solch Unglück haben und den Abschied nehmen müssen, ach. lieber Herr von Mackensen es thut mir ja so o so leid ." Sie stockte, und plötzlich schluchzte sie auf. ..Ach. es ist zu scheußlich von mir gewesen. alles!! Ich dumme, alberne Gans!" Und die eben erstandene, gefeierte Ballschönheit warf sich wie ein reuiges Kind in die Stuhlecke und weinte herzzerbrechend. Auf diese Wendung schien Fritz Mackensen nur gewartet zu haben wie der Blitz war er zu ihren Füßen. Helge, lieber, süßer Schatz, weine doch nicht es ist ja' gar nicht wahr, mir geht's Gott sei Dank famcs! Der alte Herr zahlt immer noch, und der bunte Rock ist nur für heute ausgezogen. Liebchen, ja so lache doch! Ich wollte Dir ja nur mit ein bischen Romantik zu Hülfe kommen, sonst hättest Du mich prosaischen Lcutnant ja nie genommen! War's denn nun ein bischen weniger korrekt und romantischer?" ' Helge fuhr sich mit den Händen immer wieder über d'ie. Augen und , lachte zwischen Thränen: , Ick olles, iämliches Schaf ! Ach. Fritz, sag mal bin ich Dir denn nicht noch immer zu grün?" Allerdings," meinte er lachend, als sein Blick das süße Mädel mit den strahlenden, noch träumenden feuchten Augen umfaßte, wie es dasaß im grünen Lehnstuhl, umflossen vomLicht der mattgrün verschleierten Lampe aber esteht Dir, mein Lieb, zum Küssen!" Und er strafte seine Worte nicht Lü-gen.
Ein Taschenluch. i ' VontzansHyan. Hermann Behrling war schon mehxtit Male vor dem hohen Miethhause in der Ansbacher Straße auf und ab gegangen. Sich selber ' auslachend, zog er schließlich die Portierklingel. Zwei Treppen wohnte sie. . . ah so, das war erst eine, wegen des Hochparterres. . auch solch' moderner Schwinbei!. . . Wahrhaftig, wenn sie verlangte, daß er dauernd mit ihr in der Stadt wohnen solle, das wäre das größte Opser, das er ihr bringen könnte. Er lächelte abermals. . . sie verlangte ja noch gar nichts!. . . Wer weiß, ob sie überhaupt was von ihm wissen wollte! Ah. . . das war es. . . . Leinhaus. . . so heißen sie. . . Er löste vorsichtig den Strauß aus dem Seidenpapier und klingte. Ein sehr propres Dienstmädchen Lffnete ihm. Ist gnädige Frau zu sprechen?" Er gab seine Karte. Das Mädel mit der weißen Mullhaube war gleich wieder da. Die gnädige Frau läßt bitten." Wie sein Herz klopfte! 'Er schalt sich selbst einen Narren! Wenn sie nun am Ende gar nicht daheim war! Dann, das nahm er sich fest vor, wollte er sobald wie möglich gehen und sofort wieder zurück in seine Wälder fähren. Im Grunde genommen Paßte er ja eigentlich gar nicht hierher! Nachdem er seinen schweren, schwarzen Mantel abgelegt und im Vorbeigehen einen raschen Blick in den An kleidespiegek geworfen hatte, ging er ein wenig unbeholfen, was aber bei seiner sehr großen, schweren Figur nicht besonders auffiel, in den Salon, dessen Thür das Mädchen vor ihm öffnete. Sie war da. Aber nicht 'allein. Außer ihrer Mutter, einer behäbigen Dame in grauer Seide, noch einjunger Mann. Hermann Lehrlings scharfes Auge hatte dte Erscheinung des jungen Mannes sofort voll in sich aufgenommen: ejin schlanker, feingliedriger Mensch von vielleicht fünfundzwanzig Jahren, der einen tadellos sitzenden Anzug aus feinem schwarzen Tuch und, wie es dem Eintretenden schien, besonders kokette Wäsche trug. Während . der Vorstellung dachte Hermann Behrling nur immerzu, daß sein Herkommen doch ganz vergeblich gewesen wäre: Dieser junge 'Mensch und sie liebten sich entweder heimlich oder sogar schon mit Wissen der Mutter! Jetzt erinnerte er sich auch, den schicken, jungen Menschen gestern Abend schon auf dem Ball gesehen zu haben . . . nämlich ja, wie er sie gerade zu einem Walzer hatte holen wollen, war ihm der andere zuvorkommen und war mit dem schönen Mädchen davongeflogen, wie wenn sie beide Flügel hätten!. Also es ist Ihnen gut bekommen, gnädiges Fräulein?" fragte Hermann jetzt schon zum zweiten Male und ärgerte sich, daß ihm nichts Gescheiteres einfiel. O, Meta ist daran gewöhnt", erwiderte die Mutter, sie tanzt sehr gern, und wir besuchen viel Bälle und Gesellschaften." Natürlich", dachte Hermann, und wo sie hinkommt, ist sie sicherlich die Ballkönjgin! Da wird sie gerade auf mich gewartet haben!" Und er suchte im stillen nach einem Vorwand, um rasch wieder fortzukommen. Aber es fiel ihm nichts ein. Nun wenigstens durfte er sie, während er mit der Mutter sprach, ansehen., Sie plauderte mit dem jungen Mann und zeigte Hermann Behrling so ihr frisches, regelmäßiges Profil, dcs einen wunoervollen Abschluß in dem mächtigen, kornblonden Haarknoten hatte. Ueberhaupt alleZ an ihr war vollkräftig und gesund! So recht die Frau, d er brauchte. . . . Wie schade, daß er zu spät kam!. .. Aber darum hatte er hier auch absolut nichts zu suchen!. . . Und nebenbei war es verteufelt heiß im Zimmer! Er suchte verstohlen nach seinem Taschentuch. . . Noch einmal . befühlte er alle seine Taschen. . . Nein, es war nicht da, er hatte es sicherlich' im letzten - Moment zu Hause auf dem Tisch liegen lassen. Und mit wahrem Entsetzen fühlte er, wie seine Stirn feucht wurde. . . Das genirte ihn so, daß er die gößte Noth hatte, das Gespräch mit der alten Dame aufrecht zu erhalten. Und zudem paßte er voller Argwohn auf, was die Tochter und der junge Mann miteinander redeten. Meta hatte ihn selbst schon mehrere Male ins Gespräch zu ziehen versucht, aber er hatte immer nur ein Ja" und Nein", so verwirrte ihn ihre Stimme. Und dann verstand er auch nicht viel von dem, worüber die beiden sprachen. . Was wußte. er von Jan Kubelik und seinem Spiel 'oder von den letzten Sinfonieconcerten in 'der Philharmonie!. . . Er strich rasch mit den Fingern über die Stirn, wo er deutlich die Tropfen fühlte,, und blickte dann verlegen zu Boden, als Meta ihn fragte: Sie bleiben nicht lange in Berlin, Heri Behrling?--Nein.". . . Er wollte viel mehr san, aber er fand die Worte nicht. ,
i)ci) Diesmal gab lie jtcg ntcyt o zufrieden. Haben Sie denn so sehr viel zu thun?" Ja, bei uns heißt es immer arbeiten, liebes, Fräulein", sagte er aufrichtia. .und wenn ick nickt selber dabei bin, dann wird's nichts. . . Ich bin ja auch übrigens schon beinah drei Wochen in Berlin.". . . Sie lächelte. Da haben wir Sie gerade erst vor Ihrer Abreise kennen gelernt.". . . Leider!" sagte er und strich verzweifelt mit zwei Fingern über die feuchte Schläfe. , Sie hatte seinen Strauß in der Hand, roch daran und sah ihn über die Blumen hinweg freundlich an. Und plötzlich dämmerte ihr eine Ahnung auf. Sie hatte bemerkt, wie er mit Fingerspitze heimlich die Stirn tupfte. Einen Augenblick", sagte sie und war flink zur TWr hinaus, um gleich darauf wieder mit eirurn frischen Taschentuch in der Hand zu erscheinen. I Darf ich Ihnen das geben?" fragte sie. und ihr ganzes, liebes Gesicht lachte. Danke", sagte Hermann Behrling und wußte nicht, ob er sich freuen 1 oder maßlos wüthend sein sollte. Der junge Mensch da drüben im Fauteuil griente, und auch Metas Mutter mußte nicht, wie sie ihre Heiterkeit verbergen sollte. . . Einige Minuten später stand Hermann Behrling auf der Straße. Er hatte sich schließlich vor Verlegenheit nicht mehr zu helfen gewußt und war rasch gegangen. Und nun, wie er unten war, fiel es ihm schwer aufs Herz, daß er sich durch sein thörichtes und übereiltes Davonlaufen die Thür zu seiner Liebe selbst und für immer verschlossen hatte. Bis zum Nachmittag war er sehr glücklich gewesen, dann hatte Hermann Behrling sich den Zimmerkellner seines Hotels rufen lassen und ihn gefragt, bis wann man ihm dieses Taschentuch hier" sauber reinigen könnte. Nun, das sollte zuerst nur" drei Tage dauern, wie aber ein Fünfmarkstück in die Hand des Kellners sprang, hatte das Taschentuch sofort die sicherste Aussicht., schon bis zum nächsten Jrühmorgen tadellos sauber zu ftm. Denn", sagte Behrling zu sich selber, ich kann doch nicht fort, ohne ihr wenigstens ihr Taschentuch zurllckgesandt zu haben. . . Und außerdem, was macht das schon aus,, wenn ich ein paar Tage länger hier bleibe. . . werden wirklich fünfzig oder hundert Stämme weniger geschlagen werden! . . Was soll ich denn schließlich mit dem'öelde, wo ich doch niemals heirathen werde?! Aber nochmal hingehen, persönlich, daran ist selbstverständlich nicht zu' denken!". Nichtsdestoweniger dachte Hermann Behrling .fortwährend daran, und als ihm am nächsten Morgen der Kellner das gereinigte Taschentuch brachte, war Hermann schon zu der Ueberzeugung' gekommen, daß es doch im höchsten Grade taktlos sein und seinen gesingen Fauxpas verzehnfachen würde, wenn er das Tuch mit der Post zurückschickte. Er zog sich sehr sorgfältig an, steckte selbst zwei feine Batisttaschentücher ein, im Fall daß er etwa eins versieren sollte, und legte das geliehene, auf dem Wege, bei einem Bijouteriewaarenhändler in ein entzückend gearbeitetes Kästchen aus Rosenholz mit silbernen Beschlägen. Damit begab er sich nach der Ansbacher Straße. Es war eben erst Visitenzeit. als er ankam,- und er hofte sicher, der einzige Besucher zu sein. Aber schon als ihm das Mädchen im Corridor den Mantel abnahm, hörte er doch die zufällig nur angelehnte Thür die Stimme jenes jungen Mannes. . . O! Er hätte die Sprache dieses Menschen, den er als seinen Nebenbuhler bitter haßte, aus Tausenden herausgehört. . . Wie hieß er doch?. . . Ach ja. richtig!. . . . Ist Herr Fechner wieder hier?" fragte er das Dienstmädchen. Jawohl. Herr Fechner ist drin mit der gnädigen Frau und dem gnädigen Fräulein zusammen", war die Antwort. Ach. dann störe ich doch wohl.. . . vielleicht sind Sie so gut und, geben dem gnädigen Fräulein dieses". . . Indem näherten sich leichte Schritte, die Thür wurde geöffnet, und Fräulein Meta stand auf der Schwelle. Er sah sie an und bemerkte, daß sie auf einmal sehr rothe Wangen hatte. Aber auch ihr kam so vor, als ob der große, starke Mann auf dem Corridor plötzlich über und über roth wurde. . Ich bringe Ihnen Ihr Tuch zurück", sagte er tonlos das Sprechen wurde ihm schwer. Aber Sie wollen doch nicht schon wieder gehen?" Ja. ich möchte nicht stören." Mich stören Sie nicht, und Mama kann sich ja inzwischen weiter mit unserem Freunde Fechner unterhalten. . . Kommen Sie doch da einen Augenblick hinein!" Sie Lfsnete die Thür eines kleineren Raumes, der augenscheinlich als Herrenzimmer diente. Hier hust Papa," sagte sie mit . einem tiefen .Aufathmen und nach ei-
ner Pauje, ine er aucy mqx zu unter brechen vermochte. v Ich muß Sie um Verzeihung bitten wegen gestern, Herr Behrling. . Mama hat mich nachher sehr gescholten wegen meiner Voreiligkeit." Aber das war ja so lieb von Jhnen. . . nein, wirklich! Um Entschuldigung bitten muß nur ich!. . . Ich bitte Sie, das auch Ihrer Frau Mama zu sagen. . . die ich wohl kau noch das Vergnügen haben werde, zu sehen". . . -Also Sie reise' wirlick sckon?" Ja, würde. . . würde. . . würde". . . Er brachte die Frage, ob ihr das leid thun würde, nicht heraus. . Sie sagten auf dem Ball, daß Sie mir von Ihren Wäldern erzählen wollten", meinte sie leise. Jnteressirt Sie denn das?" seine Stimme zitterte. .Sie nickte mit gesenkten Augen. Fräulein Meta!" Das klang ttiej das Brummen eines Bären. Da nickte sie wieder. Sind Sie eben nur zufällig herausgekommen?" Sie schüttelte ihren schönen, blonden Kopf. Aber der.,. . der Herr Fechner?" Und nun fing sie an zu lachen und sah ihn mit ihren in Thränen glänzenden blauen Augen an und lachte immer weiter. Ist der Herr nicht? . . . Haben Sie den wirklich nicht lieb?" Nein, wirklich nicht!. . . Das heißt, ich hab ihn ganz gerne. Er bringt mir Bücher und macht mir den Hof, aber nebenbei ist er heimlich verlobt mit einer Dame in Köln." Gott sei Dank!" Sie lachte wieder. Das will aber noch nicht sagen, daß ich jemand anders lieb habe!" Mich auch nicht?" fragte er ganz traurig. .Doch!" Da faßte er sie um, und sie küßten sich. Und dann nahm sie seinen Arm und sagte: So, nun tomm zu Mama!" Frau Leinhaus, die mit, dem Rücken nach derThür saß und Hermann Behrling zuerst nicht sah, fragte: Wo bleibst du denn so lern, Meta?" Ich hab' mich verlobt. Mama." Aber da fuhr die alte Dame doch sehr rasch herum, und mit einer fast bestürzten Miene, die etwas unendlich Drolliges hatte, sagte sie: Wie?. . . Verlobt?". . . Ja," sagte der Bräutigam, jetzt ganz glücklich, ja. gnädige Frau, ich wußte , nicht, wie ich mich für MetaS gestrige Liebenswürdigkeit anders revanchiren sollte!"
. Lebende über den Tod. . ' : j Der Pariser Figaro" hat eine or!ginelle Rundfrage, veranstaltet. Er ist auf die Idee verfallen. Lebende, deren Namen aus der dramatischen Literatur bekannt sind, um ihre Ansichten über den Tod zu befragen, und die eingegangenen Antworten entbehren nicht des Interesses. Edmond Harancourt, dessen Schauspiel Les Oberlös" sich durch eine gehörige Portion Deutschenhaß auszeichnet, antwortet: Ich liebe das Leben mit seinen großen Erregungen und Schwingungen, die aus der Liebe, der Natur und der Kunst resultiren, aber trotzdem bin ich auch erfreut über meine Schmerzen und darüber, daß ich einmal sterben . muß. Die Tage sind nicht selten, an denen ich immer wieder und wieder an den Tod denke, ja, seit meiner Jugend habe ich stets unter dem Drucke eines memento mori gelebt. Allein ich unterscheide in meinem Leben zwei von einander scharf getrennte Perioden: In der einen sage ich mir: Der Tod ist das Ende der Freuden", und in der anderen Periode, inmitten von Trauer um das HinsterBert Anderer, sage ich mir: Der eigentliche Tod ist der Tod Anderer, die man geliebt und verehrt hat." Henri Ladedan ist diskret und verschwiegen: Ich denke auch häufig an den Tod, aber in aller Intimität, und Niemand kann ich in diese meine Gedanjen einweihen." Abel Hermants Antwort zeugt von Dichterstolz, wertn er ausführt: Der Tod ist naturnothwendig, und darum muß man auch an ihn denken, wenn es auchgerade nicht angenehm ist. Außerdem wird man immer an den Tod erinnert durch die Leute, die so Zndiskret sind, vor uns zu sterben. Aber ich begnüge mich mit dem Gedanken, daß ich unsterblich bin, und ich kultivire dieses Gefühl der Ewigkeit sehr lebhast." Eine Cholerageschichte. . Ein Freundesplar so erzählte man sich in Berlin in der Cholerazeit hatte an einem schönen Herbsttage eine Wanderung um den herrlichen Schwielowsee bei Potsdam gemacht und ließ sich von einem braven Hol' über!" zum Schloß von Kaputh nach Eharlottenburg rudern. Auf die Frage: Habt Jh? hier auch Chalera-c bazillen?" kam die treuherzige. Antwort: Die Dinger kenne ich nicht. Hier gibt's nur Enten und Lietzen (Wasserhühner)." . Nicht mehr zu helfen. Ich kann mit meiner Frau nicht zufammen leben, wissen Sie keinen Rath, Herr Doktor?" Nun! Warum haben Sie mich nicht vor der Hochzeit gefragt?"
Ayres Bulletin..
Herren Artikeln Verlaus Von Fabrikanten Probenmnster Zehn Dutzend Hemden, .Fabrikanten Probenmustcr, in Percole oderMadras, Größe 14z bis 16 ; Auswahl.. ..29c Sechzig Paar Hosenträger, Fabrikanten Probenmuster, leicht beschmutzt; Ihre Auswahl zu 9c Herren Kravatten, Tecks oder zum binden, 25c Sorien, zu 13c . Männer Socken, in schwarz oder tan, reguläre l2c Sorte, Freitag, 7c inrnmi Das Einkaufs'Centrum der Stadt. Ein gefährliches Abenteuer hatten, wie aus Crystal Falls, Mich., berichtet wird, zwei Land - Erforscher. Namens Ray Sullivan und Stephen Downey, in der Wildniß von Jron County mit einem Rudel von mehr als 20 Wölfen für drei Tage und Nächte zu bestehen. Sie hatten sich Abends ein Lagerfeuer gemacht,' als ringsum her die Wölfe zu- heulen begannen, aber an das Feuer wagten sich, die Bestien nicht heran. Sie hielten auch bei Tage das Feuer im Gange, die Wölfe zogen sich etwas zurück, blieben aber in der Nähe. Die Männer hatten keine anderen Waffen als zwei kleine Aexte, und erst nach drei Tagen konnten sie es wagen, ihren Lagerplatz zu verlassen. Der M M M wird am. . . . Donnerstag geschlossen sein ....zu Ehren des.... ..Danlsagungstagcs.. . ...Beachten Sie... Donnerstag und Freitags Zeitungen für Freitags Spezialitäten. MkuropaischeS Zwxttvzt?ä wrkAjxrKjyj-rKri-u-KjJ- rW Wechsel, Kreditbriefe, Postanweisungeu, auf alle Städte Europas, chiffsscheins von und nach Europa. n- und Verkauf auslänöS' scheu Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. MeTChants National Bank. Verlangt - Anzeigen rgend welcher Zxt werde in der nbiano-Irltttat' mit 5c vtx Zeile für lebe Jnsertion derechuet. V erlangt : Arbeit von einem älteren deutschen Mann al Porter meinem Salooa oder sovftwo. Nachzufragen 102 N. Noble Etr. B t r l a n g t : Ein erpklassizer Wann, um Weine an erstklassige Konsumenten in der Stadt ,u ver sausen. Deutscher wird vorgezogen. Man adrlftre mit Empfehlung an Box 7, Office diese Blattes. S tellegesuch : in ?chnnder. guter Roclmacher sucht rbeit. Nacdiutraaen im 5lefferson beul. 101 Oft Süd Str. erlangt Ein gute deutsche Mädchen I Zweit? in Hausarbeit. Sehr guter Lohn. Nachzufragen IA Iran Hai. ookwalter, 3210 erd Illinois Str. euer Teleptzone 458. 3 tt verlausen : eue vau von immer. Lot ifi erntn halben eler groß. Billig, Gegen leichte tvbchiitliche Sdschlagzahlunge. Neuer Yh.ne 1,173.
Frenzel Brote
