Indiana Tribüne, Volume 29, Number 82, Indianapolis, Marion County, 28 November 1905 — Page 5
Jnvkana Trwüne, 20 November 1905
Die alte Geschichte. Novelle von Anna Andersen. Die Schule war aus. Fräulein-Ag-nesLorentsen, die Schulvorsteherin der höheren. Töchterschule zu Hadershusen, hatte heute wie täglich darauf geachtet. -daß die Mädels in leidlicher Ordnung das Schulhaus verließen. Jetzt, während noch die letzten die alte, ausgetretene Steintreppe heruntersprangen, trat Agnes Lorentsen in die Hausthür und sah ihrer Schaar nach. Aber es regte sie heute m'chi sonderlich ms, daß die Lina Becker die JUe, Mariens mit dem Lineal auf den Tornister haute, und Mariechen Maikens erst jetzt auf offener Straße ihr Frühstücksbrot der-r-i'n V . . i i rjC...
zcrie. vouu uno wie uciiiaumi iuu te Agnes Lor?ntsen ein Weilchen hinaus auf die mittagheiße Straße, wo das Sonnenlicht grell auf den stattlichen, alten Häusern gegenüber und dem schlechten Straßenpflaster lag. Aber AgnesLorentsen stand im Schatien, denn nie, auch jetzt, im Hochsommer nicht, kam der Sonnenschein ganz heran an, das -alle Schulhaus und seine breite Hausthür, die mit ihren steiflinigen Schnitzereien aus der Empirezeit und einer' alten Laterne hinter dem Oberlicht den einzigen Schmuck des sonst recht nüchternen Gebäudes bildete. Die Züge der Schulvorsteherin schienen weicher und jünger zu werden, als sie so in Muße auf die alte, gemüthliche Hauptstraße des Landstädtchens hinaussah. Aller Schulstaub und ein gut Theil von den strengen Falt'en um Nase und Mund waren jetzt aus dem regelmäßigen, feinen ' Gesicht derschwunden, das unter schlicht gescheiteltem dunkeln Haar aus ein paar grauen Augen ernsthaft und klug in die Welt herein blickte. Langsam ' trat Agnes Lorentsen zurück ins Haus auf die große Diele, die als Spiel- und Turnplatz benutzt wurde. Jetzt waren Trapeze und Strickleitern ' hübsch ordentlich unter der Decke befestigt, und die unzähligen Garderobehaken und Gummifchuhbehälter schmückten in kahle: OrdentlichZeit unbenutzt die weißen Wände. Ihr Licht empfing die Diele durch ein paar hohe Fenster auf der Rückseite, die hinaus auf einen Hofraum mit grünen Bäumen gingen. Diese Fenster mußten auch die kleine Küche erhellen, welche, durch eine vielscheibige Glaswand von der Diele getrennt, rechts lag, gleich hinter der breiten, ausgetretenen dun--kein Holztreppe, die zu den Klassen und sonstigen- Räumen des oberen Stockwerks führte. Einen flüchtigen Blick warf Agnes Lorentsen im Vorbeigehe): in diese Küche. Hier kochte und herrschte seit vielen Jahren die alte Anna. Eben schob sie die Kartoffel ans Feuer. Also noch eine halbe Stunde Zeir bis -zum- Mittagessen ! - - Wie sich Agnes Lorentsen auf diese halbe Stunde freute! Zwischen den großen Dielenfenstern und derKüchenwand führte eine kleine, weiße Thür in ein Flügelzimmer, das Privatzimmer der Schulvorsteherin, das die Schülerinnen.nur in besonders wichtigen Augenblicken ihres Schullebens betreten durften. Es war ein helles, freundliches Zimmer mit einer altmodischen, vielblumigen Tapete und den Resten einer steifen Empireschnitzerei auf dem weißen Holzwerk der Thüren und Tafelungen. Die hellen EichenHolzmöbel waren ein Menschenalter jünger. An dem schlichten Schreibtisch hatte der alte Rektor Lorentsen schon manches Rechenheft t'rmungslos corrigirt und vor den , ;enctt Anfchreibebüchern viel gesorgt und gesonnen. Ueber dem schwarzen Ledersofa war jetzt eine hellbraune, weiche Felldecke gebreitet. Die alte Tischplatte und den rissigen Fußboden schmückten bunte, werthvolle Teppiche. Ueber dem Sofa hing unter einem goldgewirkten Schal das Bild eines schönen, sehr jungen Mädchens, und überall an den Wänden und auf den Wandbrettern waren zierliche Seidenstickereien, Lackund Bronzesachen angebracht, wie die Europäer sie aus Japan heimzuschicken und mitzubringen lieben. Die guten Hadershusener Familienmütter schüttelten auf ihren Kaffeeae-
sellschaften häufiger den Kopf über die verrückte Art, wie Fräulein möblirt sei". Glücklicherweise ahnten sie nicht, daß es in Agnes Lorentsens Herzen nicht viel besser aussah, daß auch hier allerlei Fremdes und Wunderbares
neben dem strengen Alltag der Arbeit
und Pflichterfüllung sein lustiq We
fen trieb. Die guten Leute hätten doch nicht begriffen, wie gerade dies Doppelleben die Schulvorsteherin vor dem
Versinken in Pedanterie und allzuviel Theorie schützte und ihr ihre schöne und so seltene Macht über die Jugend
gab.
Agnes Lorentsen setzte sich in den
alten Schreibtischsessel und holte einen
Brief aus der Tasche. Den hatte sie vorhin in der Pause bekommen und nur flüchtig gelesen. Aber sie wußte ihn schon auswendig. Da stand's: Er wollte kommen, er wollte endlich, endlich wiederkommen! Schon einmal war er so heimgekehrt, damals vor zwölf Jahren, als Agnes Lorentsen noch jung war und sich mit einem jungen, thörichten 'Herzen auf den alten Spielkameraden- und Nachbarssohn freute, der so früh und sicher aus dem Kleinstadtleben heraus seinen Weg in die größeren Verhältnisse drüben gefunden hatte. Qi fand auch damals wieder den
Heimweg nach Hadershusen, aber zu Agnes Lorentsen und der alten Kin-
deruebe führte, ihn sein Weg mcqt zurück. Da war eine andere, eme-Junge, Helle. Siebzehnjährige, die sein Herz im Sturm nahm. Und diese andere - - . . -, V " 1 C "
war Agnes' kleine cywener mit, oie
ein dummes Kind gewesen, als Detlev
Dirkens und Agnes Lorentsen mtt-
einander zur Tanzstunde gingen und
über den Zaun ymuoer von seinen großen Zukunftsplänen sprachen.
Bei dem alten Rektor oremien
wurden nicht viel Worte um ein paar
untergegangene WUnsckie und Hoff- .. " w v , r r." ,
nungen gemaazi. a men. es cme Pflicht thun und den Mund halten. Soviel hatte Agnes damals schon in
des Vaters Schule und m ihrer Anstellunq als jüngste Lehrerin dort,
nachdem sie das Examen bestanden, ge-
lernt. Und sie lernte langsam nocy mehr: das schwesterliche Freuen an den beiden Liebesleuten. das Mithoffen anfahre. sonnige Zukunft da drüben im Lande der aufgehenden Sonne. - Aber Detlev Dirkens konnte sein Liebstes ' nicht gleich mitnehmen, es hieß erst noch ein paar Jahre drüben allein weiterarbeiten und Geld für den
jungen Hausstand schaffen. 'Und als er ,ging, legte er mit einem letzten
Wunsch und Blick seine junge Braut der treuen Aeltesten ans Herz. Agnes konnte sie ihm nur treu zu Tode pflegen. War Käte eine von den
Zarten. Anmuthvollen, die nicht zu
langem Leben geboren sind, oder zehrte die große Liebe und Sehnsucht an ihr,
es war, als ob ihre Lebenskraft seit
semer Abreise versagte. Es kamen Monate voll Sore und ' Krankheit und eine allerletzte, allerschwerste Zeit, bis Agnes ihm schreiben konnte, daß Käthe in ihren Armen still gestorben sei. Mit dem hellen Kinde schien die Sonne aus dem Rektorhause verschwunden. Wie wildes Wetter brach es herein über Agnes Lorentsen und die Ihrigen. Der Rektor starb plötzlich. Seine immer kränkliche, unselbständige Frau machte ein Schlaganfall vollends hülflos und kindisch. Vermögen hatte sich bei der Privatschule nicht zurücklegen, kaum ein einfaches und sparsames Leben für die Familie möglich machen, lassen. So kam. die harte Noth und Sorge ins Rektorhaus. Da fand die Aeltesie Muth und Kraft, die Schule selbständig weiter zu führen. Sie schien den Hadershusenern reichlich jung für ein so gewichtiges Amt, und es fehlte nicht an Warnungen und einem Konkurrenzunternehmen. Aber in Jahrenvoll eiserner Ausdauer und Arbeit gelang es Agnes Lorentsen, sich Vertrauen und Liebe zu gewinnen und die Schule bedeutend zu vergrößern. Es gelang auch, die Mittel zum Studium der beiden Brüder zu schaffen. Dazwischen galt es, das Nestküken, die kleine Lilli, zu erziehen und die Mutter zu Tode zu pflegen. Die schwersten Sorgen lagen jetzt schon Jahre zurück. Die Brüder hatten sich gut entwickelt. Hans warAssistenzarzt'in Kiel, Gerhard machte demnächst sein zweites theologisches Examen, Lilli war achtzehn Jahre alt, hatte eben die Prüfung als Handarbeitslehrerin bestanden und mußte nun doch bald vernünftig und erwerbsfähig werden. Dann war Agnes frei. So schien's, daß gerade jetzt die rechte Zeit für ein Wiedersehen gekommen war. Damals hatte ihn der schlimme Schmerz und später allerlei geschäftliche Verwicklungen fern gehalten. Nun schrieb er aus Hamburg: sobald das Allernöthigste dort erledigt sei, wolle er nach Hadershusen. Sie legte den Brief in ein Schreibtischfach, zu den vielen, vielen, die er im Laufe dieser zwölf Jahre geschrieben. Damals, nach Kätes Tod hatte er ihr brüderlich herzlich geantwortet und in den schweren Zeiten treulich Rath und Hülfe angeboten. In den letzten Jahren waren feine Briefe anders geworden wärmer, persönlicher, sehnsuchtsvoll. 'Und sie hatte ebenso geantwortet.' Ob er's verstanden? Da kam's ins Zimmer herein, leichtfüßig und, lachend, jung und schlank in dem blauen Blusenkleid, die hellen' Zöpfe, denen man es ansah, daß sie noch vor Kurzem bis zum Gürtel heruntergehangen, mit einem rothen Seidenband um den Kopf gewunden. Das war Lilli Lorentsen. Komm doch endlich zum Essen, Olli, sagte sie.. Es giebt rothe Grütze, und ich kann's wirklich nicht mehr vor
Hunger aushalten. Du und dann fehlt nur noch ein halber Grad an den
Hitzferien und ich mochte so schrecklich gern die dumme Handarbeitsstun-
de heute Nachmittag nicht geben und
mit Hermann Thießen rudern
atm nicht, Olli?
Kind, komm mal zu mir, sagte Ag-
nes. Es war ein besonderer und sehr weicher Ton in ihrer Stimme. 'Sie hatte eben daran gedacht, daß 'sie dies
Kmd nun bald verlassen sollte. Lilli merkte gleich, d etwas Be scnderes in der Luft lag. Kommt Det lev Dirkens? fragte sie schnell.
Er ist in Hamburg und kommtso bald wie möglich zu uns, vielleicht
heute oder morgen schon.
Juchhe. Olli, doch endlich einmal eine Abwechslung in unserem fündhaft
langwelligen Dasein. Na, wird der sich
über mich wundern! Ich hoffe nur, er bringt mir nicht wieder Puppen und
Bonbons mit, sondern etwas recht An ständiges für ausgewachsene Men
schen. Und in Hamburg ist er schon?
Dann "kann er ja heute Nachmittag
mit dem Fünfuhrzug hier sein. Paß auf, Olli, er kommt dann, denn er hat natürlich entsetzliche Sehnsucht nach rr.. t jCi r
it. üju uiuuu)i iiiuji yiviu us bsckeulicke Sckullebreraessckt mit. den
bunkert bäklicken Balten stu macken
überhaupt hübsch solltest du sein,
wenn er kommt, und das neue Lavendelbla'ue anziehen und dich von mir frisiren lassen. Und mich dann heute Nachmittag in der Schule gehörig lächerlich machend sagte Agnes, Sie ärgerte sich, daß das Kind schon wieder ihre eigenen stillen m . w i rf-T r t s
eoanien erraiyen alle, un vie aren. Lilli. ick babe nock framösiscke
w r ' I i 9 Grammatik in der Ersten, und du
giebst selbstverständlich deine Handarbeitsstunde. Uebriaens könntest du dick
selbst etwas ordentlicher anziehen' und
oern Haar fester aufstecken!
Werd' ich schon, mach dir um meine Toilette nur keine Sorgen, ich werde Detlev Dirkens sckon festlick
empfangen. Denke lieber an dich und mach kein so böses Gesicht; du glaubst nicht, wie häßlich du dann
ausstehst, Olli! Dem warmen Mittaa war ein
schwüler Nachmittag gefolgt. Es war r je i r-i:ijt w. i. . r
ein jiqiuci vöiua iarocii gewesen, dic unlustiaen. träaen Backfiscke zu unter-
richten. Und als Agnes Lorentsen
dann müde und abgespannt ein wenig Ruhe und Auffrischung hatte suchen wollen, war Detlev Dirkens auf ein-
mal in iyr Zimmer gekommen. Jetzt lag die Aufreauna und Unsi-
cherheit der ersten Begrüßung hinter ihnen. Er saß ihr gegenüber am
Schreibtisch, und sie sprachen mneinander allerlei Vernünftiges, von
den Brüdern und ihrer Arbeit, bon
seiner Uebersahrt und den letzten Todesfällen in üadersbusen . nur von
dem einen sprachen sie nicht, gegen
das alles andere doch so klein und unwichtig schien. Zwischendurch saben sie
sich halb verlegen und heimlich an und
wunderten sich, daß sie einander trotz aller auten Vorsäke nun dock fremd
und anders und alt geworden fanden.
Dann wurde Detlev Dirkens unru-
bia und lief im Äimmer auf und ab.
Er lachte über all die Siebensachen, und daß sie seine Geschenke so sorglich
ausgebaut. Zuletzt stand er vor dem Sofa still und sab auf das scköne.
junge Bild unter dem Seidenschal. Und hier in der alten Umgebung kam der jahrelang vergessene Kammer ncck
einmal über ihn: daß soviel Jugei.d
und Anmuth me sein eigen gewor-den
55ck will Lilli saaen. dafc du gekom
men bist, sagtz Agnes und ging leise aus dem Zimmer.
Als der Mann die Auaen von dem
Bild wegwandte, stand in der Thür eine andere, eine junge Blonde, die der todten Schwester so ahnlick war. daß
es erst wie ein Erschrecken. über ihn kam, und dann wie ein tiefes Freuen und Jubeln, daß soviel Jugend und
Liebreiz noch einmal m die Welt gekommen. , Lilli hatte seine Ankunft wobl ae-
merkt und sich gleich oben, in , ihrer-
Kammer ausgeputzt. Sie trug .das weiße Kleid, das Agnes sonst nur
Sonntags erlaubte, und blaue Sei--
denschleisen im Haar ' und am Gurt. Sie war roth und verlegen und doch sehr zutraulich und zärtlich, als sie nun Detlev die Hand entgegenstreckte und ihn willkommen hieß ... Sie hatte es nicht gewollt, die kleine Lilli! Nur hübsch wollte sie sein und ihm gefallen, aber nicht die Schwester im grauen Schulkleid so ganz übertrumpfen und in den Schatten stellen. Sie konnte auch nicht dafür, daß, sie dann strahlte und immer hübscher und lustiger wurde, als er beim Abendessen in der Laube nur sie ansah und anhörte. Lilli Lorentsen verstand es, sich bewundern zu lassen und fühlte sich dann in ihrem allereigensten Element. Und sie konnte sich -nicht darum kümmern, daß Agnes immer stiller, müder und grauer wurde. Und als er Abends fortgegangen und unter der alten Hausthür eine kleine, weiche Hand sehr lange festgehalten und morgen früh etwas ganz Wunderschönes mitzubringen versprochen hatte, b lag Lilli die halbe Nacht in hellem Jubel wach. Er war so männlich und so interessant und auch noch gar nicht so furchtbar alt, noch keine vierzig. Und in Japan brauchte man sicher keine Handarbeitsstunden zu geben,' und die Sonne schien dort immer. Lilli mußte irgendwo leben, wo die Sonne schien. .Agnes, ja, die paßte so gut nach Hadershusen. Die hatte ihre Schule und ihre Pflicht und brauchte die Sonne nicht! Und es kam, wie es kommen muß!e. Agnes Lorentsen erlebte die alte Geschichte noch einmal wieder, die alte Geschichte, daß Liebe und Treue, Mühe und Arbeit nichts wiegt' gegen ein bischen Anmuth und Jugend. Nur daß es diesmal so viel, viel weher that als einst, daß es ans Mark des Lebens und um ihr allerletztes Glücksund Liebeshoffen ging. Aber auch ihre Kraft war in den zwölf Jahren gewachsen. Der alte Rektor wäre mit seiner Aeltesten zufried'en gewesen. Mehr freilich als seine Lehren vom Entbehren und Entsagen half ihr der Stolz, der den Mann und das Kind nicht sehen lassen wollte, wie viel sie leiden mußte, und die starke, mütterliche. .Liebe, zu der jungen Schwester, die sie verstehen ließ, wie begehrenswerth dies Kind war. Zu einem Mitfreuen mit den Fröhlichen konnte sie es freilich , diesmal nicht bringen, nur zu einer würdigen Erfül-
lung all der großen und kleinen Pflichten, die gerade ihr die schnelle Verlobung der beiden brachte. Denn Lilli war von der Stunde an, als ersie Abends auf der dunkeln -Diele plötzlich geküßt und sein junges Glück genannt hatte, zu nichts Vernünftigem mehr zu brauchen. Es that ihr so gut, einmal so recht verzogen und auf Händen getragen zu werden, so gut.
den tieven, langen Tag zu samlenzen, in weichen Kleidern von japanischer
k?elde Besuche zu machen und anzunehmen und immer die 5)auvtverson
zu sein.
Den Mann erschütterte diese neue, roße Liebe und dies' seltsam iunae
Glück in feinem ganzen Wesen. Ein Besinnen, ein Anderswollen war da nicht möglich. Doch blieb ihm in allem Sinnenjubel ein dumpfes Gefühl der
Verantwortung und em scheues, unsicheres Bewußtsein Agnes gegenüber. Er wußte recht gut, daß er zuviel geschrieben, zuviel' an eine aan andere
Zukunft gedacht hatte, und der ruhige, geschwisterliche. Ton ward ihm im
runoe.noctz jcywerer und lastiger wie
lyr. So blieb er meist in Hamburg und lud sich Lilli dort wochenlang in das
reiche Haus eines Geschäftsfreundes
zu aue. und dann waren sie bald
alle der Unrast müde und zufrieden, als im Oktober die Hochzeit und der
Abschied kam. In , den Michaeliferien schmückte Agnes Lorentsen das alte Schulhaus
mil ranzen von Dahlien und buntem Herbstlaub. Sie räumte ibr eiae-
nes Zimmer aus und baute dort in ei-
nem Wald von Palmen und Fanen den Traualtar auf. Nur daß ibr es
immer schien, als ob sie das alles für
eine odtenseier that und ihr eigener Sarg dort stehen müsse. Aber sie führte die junge Schwester über die alte Diele auf einem Pfad von rothen Rosenblättern zur Trauuna. Dann sak
Agnes Lorentsen in schwerer, fchwar-
zer iiseide oben an der Hochzeltstafel im ersten Hotel der Stadt und hörte wie von ferne her, wie Detlev Dirkens ein Hoch auf sie ausbrachte und sie dabei die treueste Schwester und' seine mütterliche Freundin nannte. Sie konnte nicht weinen, als Lilli mit tausend Thränen und Küssen Abschied nahm. Aber als sie Abends endlich, endlich allein in ihrem Zimmer war, da konnte sie weinen, eine " lange Nacht hindruch. ' Am anderen Morgen hieß 'es früh aufstehen, Ordnung im Hause . schaffen und alles für das Wintersemester vorbereiten. - In Fräulein Aanes Lorentsens
Zimmer wurden- die japanischen De-
aen und Raritäten mcht wieder ausgestellt und aufgehängt. Sie lagen wohl verpackt und gut verschlossen mit einem Haufen alter Briefe oben auf dem Vo denin einer großen Kiste. E war sehr kahl und nüchtern in Agnes Lorentsens Zimmer und in ihrem Leben geworden. Zuerst blieben noch ein paar stärker getönte Flecken ausser bunten Tapete, die dort, wo die Seidenstickereien und Wandborte gehangen, nicht verblichen war. Aber mikder Zeit wurden auch diese Stellen ebenso grau und gedämpft wie all die anderen bunten Blumen. Und die Hadershusener konnten beim besten Willen jetzt nichts mehr am Leben ihrer Schulvorsteherin auszusetzen finden. Schweinskeule , mit grünem. Kräuterkäse. Von einer Schweinskeule oder einem anderen Stück Schweinefleisch schneidet man alles Fett und die Schwarte ab, reibt se'mit Salz ein und läßt sie 8 Tage lang liegen, wobei man sie täglich umlegen muß. Dann legt man sie in Essig, in dem sie gleichfalls 8 Tage bleibt und mehrfach umgelegt wird.
.Nun wird das Fleisch in Butter gar
gebraten und allmählich wahrend des Bratens geriebener grüner Käse aufgestreut. Man setzt dies so lange fort, bis man eine fingerdicke Schicht erzielt hat und sich auf dem Fleische eine Kruste bildet, welche fortwährend begossen wird. Ist das Fleisch gar, so wird es zierlich tranchirt und angerichtet. Die Sauce reicht man durchgeseiht zu dem Braten. Sie wird von dem Käse dicklich und braucht nicht seimig gemacht zu werden. Birnen mit Weinsauce. Die Birnen, die nicht zu groß sein dürfen, weil sie nicht zerschnitten werden. werden geschält, dann mit etwas leichtem Rothwein, einem Stückchen Zimmt und geriebenem Hutzucker weich gekocht mit dem Schaumlöffel herausgenommen und die Brühe noch ein wenig eingekocht, dann durch ein Porzellonsieb über die in einer Schale geordneten Birnen gegossen.
P a r t r t. Junger Eompon'.ii: Wenn man mich so sieht, erinnere ich nicht an Mozart?" Kritiker: Wenn man Ihre Eompositionen hört, noch
mehr!"
Der Vielgesuchte. Ist Dr. Trinkele wirklich so ein gesuchter
Arzt?" Gewiß, wenn ihn Einer
braucht, muß er ihn m allen Kneipen
suchen.
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