Indiana Tribüne, Volume 29, Number 82, Indianapolis, Marion County, 28 November 1905 — Page 3
Jndlana Tibüne, 28. November 1905
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Znternationalc Flotte Besetzt die liittischen Zollhäuser aus der türlischen Insel Mytilcnc.
Zu Sebastopol herrscht noch immer Chaoö. Die russischen Liberalen hoffen zur Macht zn gelangen. Zuchtlose Soldateska zu Wladiwostok Kampf zwischen den zwei größten Dampferlinien Deutschlands.
Großbritannien. D i e erste That gegen die Türkei. London, 27. Novdr. Daily Mail" veröffentlicht am 27. Nov. fol. gende Depesche von Mytilene: Acht Kriegsschiffe der verbündeten Mächte kamen heute Morgen um 8 Uhr hier an. Admiral Ritter von Jedina begab sich von dem österreichischen Kon sul begleitet, nach dem RegierungSge bäude und überreichte um 1.30 Uhr ein Ultimatum. Um 1 Uhr heute Nachmittag lande ten 500 Matrosen und nahmen Besitz von den Zoll und Telegraphenstatio nen. Alles ist ruhig. Rußland. Chaos. Odessa. 27. Nov. Gen Kaul barö hat von VizeAdmiral Chonkuin. dem Kommandanten der Schwarzen MeerFlotte folgendes Telegramm er halten : Die Meuterer verließen heute den Kniaz Potemkin und das Schiff ist nun in meinen Händen. Die Matrosen haben sich mit den Soldaten deS Brest. Regimentes, die meuterten, mit einigen Kanonen nach der LazareffKaserne zu rückgezogen und dort verbarrikadirt. Sobald frische Truppen ankommen, werde im zum Angriff übergehen, ob gleich ich befürchte, daß die Artilleristen sich den Meuterern anschließen werden. Die L a. ' ist heute sehr ernst. Mehrere Offiziere sind getödtet worden." Waffen gelandet. T i f l i ö, 27. Nov. Eine Menge Waffen wurden heute Morgen an der Nordmole deS Hafens von Piti aus Booten ausgeladen. Die Bewohner des OrteS halfen bei der Ausladung. Müh rend dieselbe vor sich ging, erschienen Truppen auf' dem Schauplatze und feuerten auf die Verschwörer. ES ent wickelte sich ein Feuergefecht daS meh rere Stunden dauerte. Schließlich nah men die Truppen 54 Kisten mit Muni tion und 51 Kisten mit im Ausland angefertigten Gewehren in Beschlag. Zuchtlose Soldateska. Wladiwostock, 27. Nov. Die russischen Kriegsgefangenen, welche aus Japan zurückkehren, find vollständig zuchtlos und es ist absolut unmöglich fie sofort nach Rußland zurückzuschicken. Am 'Samstag weigerte sich ein Sol dat bei Kap Chouknin, wo 1000 Ge fangene von Port Arthur liegen, einen Offizier zu grüßen und wurde von dem Offizier mit dem Säbel nkedergeschla gen. Der Offizier mußte vor den wü thenden Kameraden deS Soldaten in den Club flüchten, wo vier andere Offi ziere waren. Drei derselben wurden von der Soldateska getödtet, bevor die Kossacken zu Hilfe kamen. Pest wüthet schrecklich. St. Peter Sbnrg, 27. Novbr. Als der letzte große Streik zusammen brach, erklärten die sozialistischen Füh rer bekanntlich, daß der Hunger und die Pest ihnen schließlich doch zum Siege verhelfen würden. Diese Haffnung mag sich schneller erfüllen, als die Re Volutionäre selbst erwarten. DaS Elend der Landbevölkerung ist infolge der Mißernten der beiden letzten Jahre geradezu grüßlich und die Beulenpest breitet sich von den KirgisenSteppen her in entsetzlicher Weise äuS. In den östlichen Provinzen .hat die Sterblich keitZräte bereits eine Höhe erreicht, die selbst in dem aller sanitären Börkeh. rungen entbehrenden Rußland ohne Gleichen dasteht. Durch daS Wüthen der Seuche werden die unwissenden und aberglüubigen Bauern in wahxsinnige Aufregung versetzt und alle Bande der Ordnung lösen sich. Die vollständig machtlosen Provinzialbehölden machen seit Wochen kaum mehr einen Versuch, die verzweifelten Muschiks im Zaume zu halten. Liberale f i e g e S f r e u d i g. St. Petersburg, 27. Nov. Gleich Witte befinden sich alle Führer der Liberalen, soweit sie nicht zum ra dikalen Flügel der Partei gehören, an
gesichtS der von dem SemstwoKongreß angenommenen Haltung in beinahe rosiger Stimmung. Sie sind felsenfest überzeugt, daß fie in dem bedingungS weisen Kartell mit den Konservativen die Oberhand haben und die Regierung hinfort nach ihrer Pfeife tanzen muß, wenn sie sich nicht den Anstürmen deS revolutionären Proletariats schutzlos aussetzen will. Fürst Dolgaruki, in dessen PalaiS in Moskau alle früheren Konvente der Semstwo-Delegaten abge halten wurden, erklärte: Wmn Witte ehrlich ist, muß er unser Programm annehmen. Der Premier wird, so lange er keine WlnkelzÜge versucht.-un
fere volle Unterstützung haben und diese wird genügen, um ihm die Unter drückung der Arbeiter und Bauern Unruhen möglich zu machen. Wir ha ben uns auf die Seite der Regierung geschlagen, weil die drohende Revolu tion Ströme von Blut kosten und daS Reich zertrümmern würde. Unser Pa triotiSmuS zwingt uns, mit der Regie rung und den Reaktionären Hand in Hand zu gehen. Wir werden jedoch Witte zu zwingen wissen, die vom Jaren gemachten Versprechungen einzu lösen und das Reformwerk im Einklang mit unserem Programm weiter auSzu dehnen." , Deutschland. Der Streit zwischen H a p a g" u n d d e m Lloyd". B e r l i n, 27. Nov. Der Kampf zwischen der HamburgAmerikaLinie" und dem Norddeutschen Lloy" wird in weitesten Kreisen auf das Aufmerksam ste verfolgt. ES wird befürchtet, daß er erst beim Ablaui deS Pool.VertragS zu Neujahr voll entbrennen werde, und daß bi jetzigen Schachzüge der beiden großen Gesellschaften nur ein gelindes Vorspiel seien. Aus befterQuelle verlautet, daß durch die Konferenz deSGeneraldirektorsBallin von der HamburgAmerikaLinie" mit dem Kaiser die Situation vorläufig keineAenderung erfahren hat. Die Hamburg.Amerika.Linie" ver öffentlicht eine Erklärung, in welcher sie ihre Beschwerden gegen den Nord deutschen Lloyd" darlegt und ihn der Unaufrichkelt zeiht. Der Lloyd- sei trotz der getroffenen Abmachungen in verschiedene Gebiete eingedrungen, wel che sür die Hamburg.Amerika.Linie" reservirt worden seien. Ferner wird dem Lloyd- vorgewor fen, daß er alle erprobten Einrichtun gen der Hamburg Amerika Linie" nachgeahmt habe, wie z. B. das Reise bureau, und sich dabei mit der. engli schen Firma Cook verbündet habe. Auch wird das Anlaufen von Cherbourg und Plymouth beanstandet. Und schließlich habe der Lloyd" die gegen eine Ent schädigung übernommene Verpflichtung nicht eingehalten, keine besonderen Ver gnügungsfahrten zu veranstalten, in dem er reguläre Fahrten als Ver gnügungSreifen anzeigte. Bessere Aussichten in Afrika. Berlin, 27. Nov. Gouv. von Lindequist von Deutsch . Südwestafrika meldet, daß Samuel Witdoi, Sohn deS Hendrick Witboi (der kürzlich an einer Wunde starb, die er im Kampfe gegen deutsche Truppen erhalten hatte) sich ergeben hat. Der einzige Aufrührer ist noch Häuptling Jakob Morenga, gegen den nun alle Truppen aufgeboten wer den können. ' Gegen die Türkei. B e r l i n, 27. Nov. Die Demon stration gegen die Türkei steht, obgleich man derselben absolut keine Bedeutung beimißt, doch im Vordergrunde deS öffentlichen Interesses. Bei d:r Spazierfahrt der vereinigten Flotte nach den türkischen Gewässern wird natürlich wenig herauskommen, aber die Mög lichkeit ernster Verwicklungen ist immer hin vorhanden, und der weitere Verlauf der Ereignisse im Aegäifchen Meer wird daher mit begreiflicher Spannung ver folgt. Das Geschwader wird Mytilene, LemnoS und TenedoS besetzen. - Von der Verhängung einer Blockade über Smyrna oder die Dardanellen wird
wohl Abstand genommen werden, da
dieselbe doch nicht wirksam gemacht wer oen könnte, da dte Handelsschiffe ö:t nicht zu dem Konzert gehörigen Mächte nicht angehalten werden dürfen. Einen entschieden komischen Anstrich verleiht dem aamen Rummel die Mel dung, daß der Vice Admiral HuLni Pascha, der von Konstantinovel nacb den Dardanellen abging, angewiesen lst, die internationale Flotte nach dem Gebrauche türkischer Gastfreundschaft mit Ckaaretten. Konfekt und drückten zu bewillkommnen. In ähnlich höh nisch.liebenswürdiger Weise wurde be kanntllQ auch das rusrncke Gescbwader. da? vor zwei Jahren eine gründlich in'S Wasser gefallene Demonstration unternahm, behandelt. Der 75. Geburtstag. B e r l i n, 27. Nov. Die durch ihre schriftstellerische und gemeinnützige Thätigkeit wohlbekannte , Frau Lina Morgenstern beging heute hier in kör perlicher und geistiger 'Rüstigkeit die Feier ihreS 75. Geburtstages, wozu ihr von Nah und Fern die herzlichsten Glückwünsche zugingen. (Sie wurde, als. Tochter des Fabri kanten Albert Bauer in BreSlau gebo ren, verheiratete sich 1854 mit Theodor Morgenstern aus Kallsch und lebt seit dem in Berlin. Hier betheiligte fie sich 1859 bei der Gründung deS Frauenvereins zur Beförderung der Kindergärtsn, dessen Leiterin fie 1860 1866 war. Fortan nahm fie leb hasten Antheil, oft als leitende Person, an allen Bestrebungen und Vereinen, welche die Kindererziehung, die Bil dungS und wirthschaftlichen Erwerbs interessen der Frauen betrafen, und gründete selbst mehrere solche Vereine: den Verein der Berliner Volksküchen (1866), den Kinderschutzverein (1863, gegen die Engelmacherei gerichtet), eine Akademie für wissenschaftliche Fortbil dung der Frauen (1869), den Berliner Hausfrauenverein (1373), eine land wirthschaftliche und Hausindustrie Schule (1830, zur Erziehung minder jähriger strafentlassener, später umge ändert in: schulentlassener armer Müd chen) u. a. Unerlaubte Kritik von Eheverhältnissen. Dresden, 27. Nov. Von dem zuständigen Gericht ist der Arbeiter Hohenstein wegen tadelnder Aeußerun gen über da? Verhältniß zwischen dem König Friedrich August von Sachsen und dessen geschiedener Gattin, Gräfin von Montignoso, zu zweijährigem Gefängniß verurtheilt worden. Sturm. C u x h a v e n, 27. Nov. Ein hef tiger Sturm begleitet von Gewitter und Hagel tobt über der Nordsee. Schiffe von England find nicht zur richtigen Zeit angelangt und van hier ist die Schiffahrt vollständig eingestellt. Der Sturmschaden ist groß. Wechsel imSchutztruppen Kommando Deutsch Südw'e stafrikaö. Be r l i'n, 27. Nov. Generalleut nant v. Trotha, der seitherige Höchst' kommandirende in Deutsch-Südweft Afrika, hat am 19.November die Heim reise angetreten. Oberst Dama hat nach seinem Scheiden das Kommando der Schutztruppe übernommen. Er trat erst im Februar in die Schutztrup pe ein, aber seine bisherige Thätigkeit in der Kolonie hat ihn sehr empföhlen. So wurde namentlich der schwierige Etappendienst von ihm sehr gut ge ordnet. In hiesigen amtlichen Kreisen wird gehofft, daß sich zwischen dem neuen Kommandeur der Schutztruppe und dem neuen Gouverneur, Herrn von Lindequist, ein guteS Verhültuiß her ausbilden wird. Erhöhung der Mitglie. derzahlder ersten süch fischen Kammer. Dresden, 27. Nov. Bei der geplanten Aenderung der sächsischen Verfassung wird die Mitgliederzahl der ersten Kammer, die jetzt 43 be trägt, eine Erhöhung zu Gunsten deS Handels, der Industrie und des Ge werbeS erfahren. - Voraussichtlich wird auch der Technischen Hochschule .ein Vertreter eingeräumt werden. i L oe'S Erinnerungen gegen BiSmarck Erinne rung en. München, 27. Nov. Feldmar schall Freiherr Walther von Loe kon ferirt in BadenBaden mit der Groß Herzogin Luise von Baden, um seine eigenen Erinnerungen, die der greise Marschall jetzt schreibt, durch Aussagen der Gryßherzogin zu ergänzen. Er
will die Groherzogin und ihre Mutter, die verstorbene Kaiserin Augusta. gegen Angriffe, die in BiSmarck's Erinnerun gen enthalten sind, vertheidigen. Textilarbeiter. Streik. G e r a , 27. Nov. Der Streik der Weber und Färber in Thüringen ist verloren. Die streikenden Arbeiter nehmen die Arbeit zu den alten Bedin gungen wieder auf. Canada. S ch i f f s u n f ü l l e. S t. I o h n S . N. F., 27. Nov.
Letzte Nacht herrschte an der Küste ein solch heftiger Sturm, daß keine Schiffe auskaufen konnten. Die Schoner Elbro und Venus find in der Placentic Bai gestrandet und ha ben Schaden genommen. Der Schoner Amethyst lief bei Burin auf. , Norwegen. König' Haakon'S Einzug. Christiania. 25. Noö. (Ver fpätet.) Der Einzug König Haakon'S VII. und feiuer Gattin Maud war trotz Schneegestöber und nebligen Wet terS ein großartiger. Die Begeiste rung des Volkes konnte sich in herzlicher Begrüßung nicht genug thun. Auf dem Quai war ein Pavillon errichtet, in welchem die Behörden und das diplomatische KorpS das junge Königspaar empfingen. Oesterreich'Ungarn.. Die Demonstration hat einen Haken. Wien, 27. Nov. Die größte Besorgniß bezüglich der Demonstration gegen die Türkei verursacht die Mög lichkeit, daß Bulgarien, Serbien und Griechenland die Demonstration zu An griffen auf die Türkei benutzen könnten. Oesterreich und Rußland haben daher diese drei Ländchen benachrichtigt, daß ein Einfall in türkisches Gebiet unter keinen Umständen geduldet werden könne. Ob das sehr kriegslustige Bul garien diese Warnung beherzigen wird, muß'jedoch abgewartet werden. ' Spanien. Unruhen in C a t a l o n i e n. Madrid, 27. Nov. KrtegSmini fter Weyler ist nach Catalonien abge reift, um die dortigen Unruhen zu un ersuchen. ' ES scheinen dort die alten carlistischen Geister zu spuken. Bei Straßendemon stratlonen wurden die Rufe laut: Tod Spanien! Lang lebe das freie Cata lonien! Weyler glaubt in fünf Tagen die Ordnung in Catalonien herstellen zu können. Der ungarische Reichsraths - Abgeordnete und Advokat Milan Milos'zavljevics wurde von dem Pferdehändler Michael Ulrich aus Bacsalmas mit einer Eisenstange erschlagen. Der anwesende Redakteur Heinrich Braun, der mit Miloszavljevics spazieren ging, vertheidigte diesen, was ihm schwere Verletzungen am Arme und der Hand eintrug. Miloszavljevics vertat Ulrich in einem Zivilprozesse, in dem letzterer angeblich übervortheilt worden war. Ulrich meldete sich bei der Staatsanwaltschaft und wurde verhaftet. Dr. Zdarl Peters, der frühere Reichskommissär für Deutsch-Ostafri-ka, der bekanntlich seit Jahren in London lebt, bespricht in der dortigen Finanzchronik das Verhältniß Englands zu Deutschland und erinnert dabei in Bezug auf eine etwaige Landung englischer Truppen auf deutschem Boden an die bekannte Unterhaltung, die Fürst Bismarck vor dem dänischen Kriege mit dem britischen Botschafter in Berlin hatte. Was werden Euer Excellenz denn machen", so bemerkte der Botschafter, wenn die britische Regierung ein Armeeccrps nach Schleswig - Holstein entsendete?". Ich würde es arretiren lassen," antwortete der preußische Staatsmann sarkastisch. WiederkommtinDeutfch. land eine anonyme Vriefschreiberin vor Gericht. Am 27. November gelangt vor der Bochumer Strafkamme? ein Beleidigungsprozeß zur VerHandlung, der große Aehnlichkeit mit der Lemgoer Briefassäre hat. Angeklagt ist die Gattin des Amtmanns von Bankau bei Herne Frau de la Noche. Die anonymen Briefe, in denen die Beleidigungen enthalten sind, waren an die Adressen angesehener Mitglieder der Herner und Bankauer besseren Gesellschaft gerichtet. Für die Verhandlung sinö mehrere Tage in Aussicht genommen. Darum. (zum Schulzen bei der Brandschadenbestchtiguna eines Bauern, dem aber 'nicht viel abgebrannt ist): Na, wie ich hörte, hat. sich ja das ganze Dorf in musterhafter 'Weise an den Löscharbeiten betheiligt Z"S ch u l z e: Ja, ja! . . . Der hat a Menge Feinde!"
AmSchalterdeSBahn-
Hofes in Offenbach löste unlängst ein Fahrgast eine Fahrkarte mit den Worten: Sachsenhausen vierter und zurück!" Ein junger, hinter diesem ste . hender Mann verlangte daraus: Dasselbe in Grün!" Als ihm nun der Beamte eine Fahrkarte zweiter Zllasse ausfertigte, sagte er: Ick will doch vierter Klasse haben." Der Beamte nahm aber die Fahrkarte nicht mehr zurück, sondern sagte: Sie haben eine. -grüne Fahrkarte verlangt, also müssen Sie diese auch behalten." Der junge Mann konnte nun zweiter Klasse sahren, hatte aber reichlichen Spott mitzunehmen! ' Die romantische Flucht eines Offiziers wird aus Rcichenberg in Böhmen gemeldet. Wie das dortige. Militär - Stationscommando bekannt giebt, ist der Leutnant Gustav Eifert vom 74. Jnfanter - Regiment während der Nachtzeit aus dem Zimmergewahrsam der Kaserne entflohen. An, fänglich vermuthete man Selbstniord, weshalb in dieser Richtung umfangreiche Nachforschungen angestellt wurs den, die indessen zu keinem Ergebniß führten. - Da Eifert seit einiger Zeit ein Verhältniß mit einer in der Stadt wohnenden jungen Wittwe unterhielt, tauchte die Vermuthung auf, daß er mit dieser gemeinsam die Ftucht ergrif, fen habe Diese Vermuthung hat jetzt ihre Bestätigung gefunden. Die betreffende Dame ist aber inzwischen von ihrem Ausfluge wuder nach Reichenberg zurückgekehrt, während ihr Verehrer die Reise allein fortsetzte. Seine Verfolgung ist eingeleitet worden. Ueber den Selbstmord des Barons von Holzhausen, der sich in London erschoß, wird berichtet: Ein Hotelier Finck recognoscirte den Todten als den Baron Günter von und zu Holzhausen, der als Vicefeldwebel der deutschen Armee angehört habe. Die Schauspielerin Miß Gertie Millar alias Mrs. Monckton, in deren Boudoir der Selbstmörder sich erschossen hat, und ihr Gatte wurden als Zeugen vernommen. Letztere erklärte, er habe den Verstorbenen nicht persönlich gekannt, aber gewußt, daß jener in seine Frau verliebt war. Die Dame erklärte,' daß sie Holzhausen vor einem Monat zuletzt gesehen; er habe ihr damals erzählt, seine Familie habe gewünscht, daß er bei der Armee bleibe, doch habe er sich geweigert u. sei mit einem kleinen Vermögen nach England gekommen. Er .habe sein Geld verzehrt, er fühle sich erschöpft und sei völlig mittellos. Mrs. Monckton schrieb ihm, er müsse den Verkehr mit ihr aufgeben. Er sandte ihr darauf am Abend vor feinem Selbstmord ein Billet auf die Bühne, worin er erklärte, er bäte sie für alle Belästigungen um Verzeihung. Er liebte sie mehr denn je! Die Jury gab einen Wahrspruch auf Selbstmord ab. Ein Theodor KörnerDenkmal ist dieser Tage in Döblinz bei Wien enthüllt worden. Körner hat während seines zweijährigen Wien:? Aufenthalts den Sommer des Jahres 1312 in Döbling zugebracht. Beim Umbau des Hauses, in dem der jugendllche Dichter wohnte (Ecke der Döblinger Hauptstraße und Hofzeile), nahm der Erbauer, Stadtbaumeister Adolf Micherolli, darauf Bedacht, daß an Stelle der früheren verwitterten Gedenktafel ein würdiges Denkmal errichtet wurde. Die Stadt Wien unterstützte dieses Projekt mit dem Betrag von 2000 Kronen, und Bürger Wiens brachten die nöthigen Beträge für daZ zu schaffende Denkmal auf. Das Denk mal, ein Werk des Wiener B!hauerZ Georg Leisek. ist eine Büste dcs Dichters. Körner ist in Uniform der Lützow'schen Jäger dargestellt. Die Büste ist aus Carrara - Marmor angefertigt und steht auf einem lichtrosafarbigen schwedischen Granitsockel, an dessen unterem flachen Rand die Widmung zu lesen ist: Zur' Erinnerung an seinen Aufenthalt in Döbling 1812". An diesen Sockel schließen sich einerseits kriegerische Embleme, andererseits Embleme lyrischer und dramatischer Dichtuna in Bronze. Erzherzog Leopold von Toscana, welcher bekanntlich nach seiner Eheschließung mit Fräulein Ada., mowitsch auf seinen Titel, seine. Ordensauszeichnungen und auf seineStellunz in der österreichischen Armee Verzicht leistete, hat sich in Genf angesiedelt, hat den Namen Leopold Wölflinz angenommen und das Schweizer Bürgerrecht erworben. Nach den in. dieser Republik bestehenden Gesetzen muß Leopold Wölfling auch seiner militärischen Dienstpflicht genügen und als Rekrut zur Ausbildung einrücken, welche wohl nur wenige Wochen währt. Der ehemalige hohe österreichische Offizier muß nun als Rekrut wieder marschiren lernen, Gelenkübungen und Uebungen mit dem Gewehre machen, und da ihm dleseExerzitien nicht fremd sind, wird er von den Jnstrultoren stets belobt. Seine Kameraden haben ihm auch bereits einen Schabernack gespielt, indem sie ihm eines Morgens sämmtliche Knöpfe von den Blufen abschnitten. Der Hauptmann konnte sich des Lachens nicht enthalten, als Leopold Wölfling mit der knopflosen Bluse zu den übrigen antrat. Er ging diesmal straflos aus, als der Hauptmann erfuhr, daß die Kameraden deZ Rekruten diesem die Blusenknöpfe weggenommen hitten, um ein Andenken von der Uniform eines ehemaligen österreichischen Erzherzogs zu haben.
