Indiana Tribüne, Volume 29, Number 80, Indianapolis, Marion County, 25 November 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 25 November 1005

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DieVothhattsen Noman auS der Mark Von W. C. Mollkr feVVWSWWVWVWAVWW?; (Fortsetzung.) Co waren einige Jahre ungetrübten Glückes hingegangen, bis eines Tages das Haus Heinrich Bergmann von einem schweren Schlage getroffen werden sollte. Schon immer hatte Irene an heftigen Erkrankungen der Nerven gelitten. Aber es trat stets wieder Besserung ein. Diesmal ward es schnell Ernst. Eine in allerschlimmster Gestatt auftretende Gehirnentzündung warf die noch immer schöne Frau darnieder. Schon am zweiten Tage trat völlige .Bewußtlosigkeit ein. Berühmte Aerzte wurden telegraphisch herberufen ein Berliner Professor kam in einem Extrazuge an, den ihm Heinrich zur Verfügung gestellt hatte, aber man konnte dem raschen Hinschwinden nur noch für Stunden Einhalt gebieten. Ein paarmal noch rang sich der Geist dieser ungewöhnlichen Frau zu lichten Augenblicken durch. Dann erkannte sie die Ihrigen, versuchte, zu ihnen zu sprechen. Als Heinz mit thränenerfülltem Blick an ihr Lager trat, stieß sie einen entsetzlichen, wie von Angst erfüllten Schrei aus und wandte den weit aufgerissenen Blick von ihm. als fürchte sie. dem seinen zu begegnen. Und da nun Heinrich sich ihr näherte, schrie sie mit übermenschlicher Anstrengung: Die blaue Mappe!" Der ganz von Sinnen gebrachte Heinrich-wußte nicht, was sie meinte. Sie hatte Mappen aller Art auch eine kleine Mappe in blauem, gepreßtem Sammt glaubte er einmal bei ihr gesehen zu haben. Aber all' sein Suchen darnach war vergeblich, er konnte sie nicht finden, wie hastig er auch alle Schränke, Läden. Kästen seiner Gattin durchforschte. Und noch ein letztes Mal flackerte die scheinbar auch dem .Tode widerstehende Energie Irenens auf. Mit klarer, fester Stimme sagte sie: Anne?, armer Heinrich! Es würde Dich tödten! O. schwöre mir. daß Du mir sie in's Grab giebst, uneröffnet!" Heinrich glaubte an eine Fieberphantaste, aber er hätte ihr alles auf der Welt geschworen. Er gab ihr feierlich das verlangte Versprechen. Und in demselben Äugenblick schien die überstarke Gewalt, welche das Gehirn in Bewegung gehalten hatte, gebrochen, zerstört, der Lebensapparat gehorchte ihr nicht ferner. In tiefster Bewußtlosigkeit schlummerte Irene hinüber. Ein schön erfülltes Dasein war abgeschlossen. Die blaue Mappe aber wurde nirgends gefunden. 6. K a p i t e l. ine glänzende, festlich geschmückte Gesellschaft erfüllte Parkett und Logen des Nationaltheaters. Man feierte irgend ein klassisches Jubiläum, und , der kluge Direktor dieses Hauses verstand es außerordentlich, dergleichen Anlässe zu großartigen, besonders geschäftlich lohnenden Vorstellungen auszubeuten. Einen Monat zuvor schon durchliefen Notizen die Zeitungen, Feuilletons, Erinnerungen an den zu feiernden Mann. Eine Woche vor .dem großen Tage endlich erschien in den gelesensten Blättern die Mittheilung, daß das Festkomite alle Schwierigkeiten überwunden habe, welche sich der Abhaltung des Festes im Nationaltheater entgegengethürmt hatten; um so glänzender aber würde nunmehr die Sache rerlaufen. Der berühmte X.,'die gefeierte Z. und der vielbewunderte F. seien nur so nebenher zu nennen. Kurz und gut, die ganze Vorstellung müßte eben Jeder gesehen haben, der zur Gesellschaft gehöre. Dergleichen wirkte, wie immer. Drei Tage vor der Aufführung war das Haus ausverkauft. Ein Festspiel leitet? den Abend ein. eine Allegorie, in deren Mittelpunkt de: gefeierte Geistesheld stand. Einer reizend schönen, heute zum ersten Male hier auftretenden jungen Schauspielerin, Fräulein Bertha Galetta, waren alle die Tiraden in den Mund gelegt, die das dankbare Vaterland bei solchen Gelegenheiten an den Jubiläumshelden zu richten pflegt. Die besten Komiker der Hauptstadt spielten die in knappen, aber scharfen Zügen zur Veranschaulichuna gebrachten Typen aus den verschiedenen deutschen Landen. So viel schon ließ sich aus dem Theaterzettel ersehen. Man hatte sich auf Langeweile gefaßt gemacht, auf anständige Langeweile, und nun war der Vorhang aufgegangen. Eine ganz kurze Einleitung führte in den Mittelpunkt der Dinge. und jetzt war man überrascht durch bui Schwung dieser Verse, durch eme Reihe seiner. vumortttNcyer emeriungen. durch diese ganze, von der Schablone so sebr abweichende Arbeit. Stürmische Hervorrufe lohnten den bisher nicht genannten Dichter, der nun zögernd und bescheiden erschien. Es war ein interessanter junger Mann, blaß, wohl nur infolge der Situation, mit dunklen Augen und dicht gelocktem, schwarzem Haar. Er war sichtlich verwirrt durch solchen Beifall und kürzte

sein Erscheinen so sehr als möglich ab. Ein Versuch, ihn zum zweiten Mal hervorzurufen, blieb erfolglos, vielmehr mußte die Hauptdarstellerin des Festspiels an seiner Stelle sich vor dem wirklich begeistert gewordenen Publikum verneigen. Nur Wenige gab es im Hause, die an dem Erfolge mäkelten, aber gerade,, daß sie es thaten, sprach für die Gesammtstimmung. Doktor phil. Heinrich Bergmann, den die Intimen des Theaters als den Verfasser kannten, war in der That eine allgemein beliebte Persönlichkeit; er war der Sohn des Kommerzienraths Heinrich Bergmann. Seltsamerweise war dieser blond und dick, der Sohn brünett und zart. Der Vater war ein tüchtiger hervorragender Industrieller, der seinen großen Fabrikbetrieb nun schon seit einem Jahrzehnt von der Hauptstadt aus leitete. Der Sohn hingegen erwies sich als dichterisch veranlagt er mußte das von seiner Mutter haben. Der Kommerzienrath saß in der Loge und applaudirte. Zwar er hatte es nicht gewünscht, seinem 'Sohn an dieser Stelle zu begegnen. Nach seinem Sinne wäre dieser lieber ein tüchtiger Techniker oder irgend etwas dergleichen geworden, aber er hatte sich wohl oder übel ergeben müssen, und schließlich wars ja auch zu ertragen; machte doch alle Welt ihm Komplimente über diesen Sohn, der seinem Vater die Rücksicht erwiesen hatte, bis zu seinem Erfolge anonym zu bleiben. Zwischen Festspiel -und der eigent-

lichen Vorstellung fand die große Pause statt. Die ganze Gesellschaft begab sich m's Foyer, und nun regnete es Gluckwünsche von allen Seiten. Heinz, ein überaus bescheidener, liebenswürdiger junger Mann, der überall wohl gelitten war, konnte sich aller Zustimmungsäußerungen kaum erwehren. Er gehörte einer ganzen Menge von Vereinen an, studentischen, literarischen, kunstlerischen und anderen Gesellschaften. Kein Wunder, daß dieser so überaus sympathische junge Mann nichts als Freunde hatte. Dazu kam, daß sein Vater ein großes Haus führte. In der Villa des Kommcrzienrathes Bergmann vereinigten sich allwöchentlich die Spitzen gewisser Gesellschaftskreise. Da sah man. hervorragende chrlststeller. Künstler, Journalisten, da waren ferner einige jüngere Vertreter des Auslande, die ihre industrielle Ausbildung in der Hauptstadt vollenden wollten, ein paar Lerlagsbuchhändler und andere tonangebende Persönlichkeiten. Die Frau vom Hause vertrat nun schon seit Jahr und Tag die Baronin Charlotte r. Rothhausen. Bald nach Irenens Tode hatte sie eine Versöhnung mit ihrem Bruder herbeizuführen gewußt. Sie war TCfct eme Frau hnn knapp fünfzig Jahren: schneeweißes. dicht gelocktes Haar umgab das scharf markirte. doch noch immer schöne Gesicht. Die Stellung, in der sie sich hier im Hause befand, machte es ihr möglich. Toilettenlurus zu treiben, so wie t es im Hause ihres Gatten so viele Jahre vergeblich aewunscht hatte. Sie war also eine durchaus angemessene, ja vornehme Repräsentantin des Hauses. Ihr Sohn arry wohnte sur stch. Er mochte den Wohlstand im Hause Bergmann nicht mit ansehen; vielleicht paßte es ihm auch Nicht, sich unauihvrlich unter Auf,icht zu wissen. Er tonnte ohnehin in vielen Fällen den Moralpredigten des Onkels nicht entgehen. denn, wenn er allzuties m Schulden steckte, dann blieb ihm immer wieder kein anderer Ausweg, als der Oheim. Die Unterstützungen von Seiten, der Mutter, die ein überreiches Wirthschafts- und Nadelgeld erhielt, genugten nicht als Zuschuß zu dem ihm vom Onkel ausgesetzten Monatsbeirage. Er hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen. bei der Kavallerie zu dienen ein Rothhausen hatte noch niemals bei einem Infanterieregiment gestanden und da ging Geld darauf. Harry war zetzt em Wann von neununozwanzig Jahren, blaß von Gesichtsfarbe, aber ein schlanker, eleganter, schneidiger" Offizier, dem man seinen Stand auch ansah, wenn er in Civil war. Harry, der sich bisher mit eine? überaus excentrisch gekleideten brünetten Dame unterhalten hatte, trat jetzt auf seinen Vetter zu und gratullrt: ihm, ziemlich von oben herab. Tu bist ein glücklicher Mensch. Heinz," saate er, ..weiß der Kuckuck. Dich verfolgt es förmlich, das Glück! Wenn ich doch einen Tag nur in Teiner Haut steckte!" Heinz erblaßte. Diese? Mensch hatte die Manie, ihm unaufhörlich sein Glück vorzuwerfen. Es war ja richtig, er hatte einen reichen Vater. Harrys vsa ter lebte als armer Abenteurer in Afrika. Aber hatte nicht auch Harry Glück gehabt? Heinrich entsann sich, wie Harrys Mute? damals nach dem Tode der feinen dem Begräbniß batte sie nicht beigewohnt aekommen war. wie sie sich ganz verzweifelt ge berdet hatte, als ob ihr Unrecht ge schehen. und wie sein Vater, der noch unter dem Eindruck des entsetzlichen Schlages stand, de? ihn getroffen, ihr aues ''cogtte ve?ip?ocyen qaut, nur um Ruhe zu. finden. Schon damals empörte sich dunkel etwas in seinem Innern. Und dann sah er, wie Tante Charlotte und Harry immer die Köpfe zusammensteZten. Sie begegneten einander nie, ohne daß irgend etwas wie ein Geheimniß zwischen ihnen ausge tauscht zu werden schien. Ein Nicken hier, ein Blick dort, ein verstohlener Händedruck, ein verstecktes Lächeln, das i v . it' fi" v c . r i war nicyr cas inoeriianoniiz zivilen

Mutter und Sohn, das trug' einen an deren Charakter; und unaufhörlich be-

kam Harry Geld von semer Mutter in regelmäßigen und unregelmäßigen Raten, wenn sie, wie Heinz leicht berechnen konnte, langst zu Ende sem mußte mit ihrer Baarschaft. Das alles hatte der aufmerksame und verständige Heinz 'seit Jahr und Tag gesehen er wußte auch, daß Harry lebhaft in Sport- und Spielerkreisen verkehrte, und er hatte dazu geschwiegen, bescheiden wie er war, und wohl auch, weil er den Standpunkt seines Vaters kannte, der nur Frieden, nichts als Frieden im Hause haben wollte. Jetzt, da er erwachsen war, sagte er sich oft: 'Hat dieser Harry ein Glück! Er lebt wie em Kavalier. ' weit über seine Verhältnisse, amüsirt sich, spielt eine glänzende Rolle, und mein Vater gibt mit und ohne seinen Willen das Geld dazu her!" Er selbst kam sich gar nicht so sehr glücklich vor. denn er kämpfte doch um Anerkennung, um das höhere Ziel, etwas Rühmenswerthes zu leisten. Ihm war von jeher zu Muthe gewesen, als mußte er sich das alles erst verrneneu, was das Schicksal ihm bescheert. Harry dachte nicht darän, sich auch nur der Wohlthat seines' Oheims würdig zu machen. Wer von ihnen also war der Glücklichere? Aber Heinz hatte jetzt nicht Zeit, solchen Gedanken nachzuhängen. Eben traten ihm Graf und Gräfin Wehrenberg mit ihrer Tochter Hilda entgegen. Das reizende Kind von damals hatte sich zu einer lieblichen, wenn auch zarten Jungfrau entwickelt, eme wunderschöne Blondine, duftig wie eine Elfe. sehr einfach m Weiß gekleidet. Die Gräfin sagte immer: Einfachheit sei ein Gebot für die Anmuth ihrer Tochter. Sie machte aus der Noth eme Tugend, es reichte eben nicht weiter. Auch Hilda gratuhrte dem erfolggekrönten Dichter mit ihrer sanften, süßen Stimme. Es war alles ganz reizend gewesen und sie bis zu Thränen gerührt, und auch während sie das sagte, schimmerte es feucht in den blauen Madonnenaugen. Man sah deutlich, wie es dem jungen Mann die Rede verschlug, wie die Worte des Mädchens all' den brausenden Jubel übertönten, der ihm heute Abend aus dem tausendköpfigen Publikum entgegengedröhnt hatte; sie waren ja der schönste Lohn für ihn. Hilda lächelte sanft.sie wußte genau, wie arm und reich sie war. Reich genug, um durch ein paar Worte, durch ein Lächeln, durch einen Blick zu glücken; arm. denn sie war jetzt zweiundzwanzig Jahre alt und sie begriff vollkommen, daß ihre Schönheit die einzige Hoffnung der Fam'lie war. Diese iher Schönheit mußte möglichst theuer verkauft werden, und sie wußte auch, daß es für ein Mädchen in ihrem Alter an der Zeit sei. zu heirathen. Während Heinz einige Dankesworte stammelte, trat eben Harry dazwischen, fast ohne das Absichtliche der Unterbrechung zu verbergen. Pardon. Komtesse," sprach er die junge Dame an, Herr Professor Stem, der berühmte Maler der .An dacht.' hegt keinen dringlicheren Wunsch, als Ihnen vorgestellt zu werden." Hilda mußte sich zur Seite wenden. wo em alter Herr einigermaßen ver dutzt die gewöhnlichen Formalitäten einer Vorstellung über sich ergehen ließ. Gewiß, er hatte gar nicht .daran gedacht, mit der jungen Dame sich be kannt machen zu lassen, aber Harry hatte die Sache improvisirt, sehr ge schickt, so daß Niemand Einspruch er heben konnte. Ihm war es nur darum zu thun, Heinz und Hilda von einander zu trennen. Er hatte gesehen, wie die Blicke der beiden ineinander tauchten. und diese Blicke machten ihn rasend. Zwar auch er hatte sich oft gesagt: Du mußt eme reiche Frau heirathen! Diese Erwägung fand man in seinen Kreisen selbstverständlich, und sonst kam ja Hilda eigentlich gar nicht für ihn in Betracht. Aber Heinz, der schon alles hatte, durfte nicht auch dieses rei zende Weib besitzen. Und die Gefahr lag nahe. Viel zu häufig schon hatte er beobachtet, wie der romantisch ge sinnte Vetter zusammenschauerte bei dem leise vibrirenden Klang von Hildas Stimme. Er hatte auch Scharfblick genug, um zu erkennen, wie wenig Widerstand die arme Hilda der so verlockenden Verbindung mit dem Sohne des vielfachen Millionars ent gegen stellen würde. Heinz merkte gar nicht, daß Hilda nur von seiner Seite hinweg manod rirt worden war. Eine andere,' ältere Dame trat jetzt, da sich die Gratulan ten ein wenig verlaufen hatten, auf ihn zu. Er erinnerte sich, dies interessante Gesicht gestern, als er unbeobachtet der Generalprobe beiwohnte, gesehen zu haben. Sie bewegte sich mit freiem Anstand. Meine Tochter. Bertha Galetta. wünscht Ihnen zu danken für die Blu men. mit denen Sie sie erfreut haben. Sie steht ohnehin in Ihrer Schuld, da lie räum eine veere edUtrolle sich wünschen konnte, als die herrliche Idealgestalt in Ihrem Festspiel. Wir würden uns außerordentlich freuen, wenn Sie uns recht bald einmal besuchen wollten, H.:rr " hier stockte sie; sie wußte offenbar nicht, wie der junge Dichter hieß. ' Bergmann." ergänzte er, sich' nicht ohne Verlegenheit verbeugend. Fräulein Galetta hatte schon auf der Probe seine Verse so reizend gesprochen, daß er sich für vervklichtet hW ihr ;

Strauß zu senden. Aber er hatte auch

hierbei semen Namen mcht genannt; nur eine Karte: Der dankbare Verfasser des Fesispiels" hatte er den Blumen beigefügt.' Nun aber, 'da er erkannt war, mußte er Farbe bekennen. Er sah nicht, wie die Dame eben zusammenzuckte. Ich bitte um Verzeihung, gnädige Frau," sagte er, aber ich war so hingerissen von dem warmen Vortrag " Ich habe doch recht gehört: Bergmann nicht wahr?" fragte Frau Galetta, die seine Worte überhört zu haben schien. Vielleicht der Sohn eines Herrn Heinrich Bergmann fügte sie mit leise bebender Stimme hinzu. Ganz recht," antwortete Heinz, em wenig verwundert, kennen Sie meinen Vater?" Sie schwieg einen Augenblick. Ihr großer, dunkler Blick schien das .Bild des jungen Mannes ganz in sich aufnehmen zu wollen. Jetzt war es. als leuchte es strahlend auf in ihrem ernstcn Gestcht; gleich darauf aber preßte sie, npje in schmerzlichem Entsagen, die Lippen zusammen:-Nein ich kenne ihn nicht!" Merkwürdig! Was ging in der Frau vor? Wovon war sie so tief bewegt? Sie schien jetzt aber schon wieder völlig gefaßt. Also dürfen wir auf Ihren Besuch rechnen?" O. ganz gewiß," beeilte er sich zu versichern. Und Frau Galetta verschwand im Gewühl, da eben das Glockenzeichen ertönte. . Heinz hatte eben nur noch Zeit, ein Glas Sherry hinunterzustürzen; sein Vater nahm ihn unter den Arm. Der gute dicke Herr war heute ganz besonders stolz auf seinen Sohn. Er schritt auf einem Umwege nach seiner Loge, jeder neue Gruß bis dahin, jedes neue Kopfnicken machte ihm neue Freude. Komteß Hilda wollte noch ein wenig im Foyer bleiben, denn drinnen im Hause war es zu heiß: natürlich blieb auch die Mutter in der Konditorei; sie nahmen noch ein Stückchen Torte. Wie theuer hier alles war! Fünfundzwanzig Pfennig für solch' ein kleines Stückchen! Ueberhaupt der ganze Theaterabend stürzte ihre Wochenrechnung um. Es war die höchste Zeit, daß ein reicher Schwiegersohn kam. Diesen Winter mußte die Sache zu Stande kommen. Mit welchen unsäglichen Sorgen kämpfte die vornehme Frau! Man hatte, um unnütze Ausgaben zu ersparen, kein Mobiliar hierhe? gebracht und bewohnte drei möblirte Räume, von denen einer als Salon benützt wurde, ein zweiter der Mutter und Tochter und das kleine Hinterstübchen dem Vater zum Schlafzimmer diente. , Große Gesellschaft konnte man also schon wegen Mangel an Naum nicht bei. sich seben: man wn somit entschuldigt, die vielerlei Einla düngen nicht erwidern zu können. Von der, Pension des Grafen und dem kaum nennenswerthen Erträgniß seines überschuldeten Besitztums mußte ein Sohn unterstützt werden, der eben erst die Epauletten bekommen. Für Hilda selbst konnte nur verhaltnißmaßig we nig , aufgewendet werden, und doch blieb sie die einzige Hoffnung der FaMilie. In den letzten Wochen freilich wurde der Gräfin leicht um's Herz. Ihre Tochter gefiel dem Mlllionarssohn; man merkte, daß er semer leldenschast lichen Verehrung kaum noch Meister werden konnte. 'Es war eigentlich zu verwundern, weshalb er nicht ein Ende machte. Daß der junge Mann sich zunächst aus eigener Kraft eme Stellung zu machen wünschte, wäre ein Grund gewesen, den die Frau Grasin niemals begriffen hätte. Während die beiden Damen im Foyer saßen, gesellte sich auch Harry zu ihnen; auch er war nicht in seine Loge gegangen. Er verschlang das schöne Mädchen mit glühenden Blicken, schwankend zwischen Entzücken und Verzweiflung. Sie war eine Gräfin. er ein , Baron; keine gesellschaftlich: schranke trennte pe, :e Mnoen aus gleicher Höhe, trugen äußerlich den gleichen Rang zur Schau, und dennoch, er durfte dieses Mädchen nicht begehren, denn zwischen ihnen stand ungesehen und um so schmerzlicher emPfunden die Armuth. Leute niede?en Standes freilich finden dann kein Hinderniß, aber ein Baron Rothhausen konnte einer Komtesse Behrenbe?g. die keine Mitgift besaß, doch seine Vettle?existenz bieten. Und e? wa? ein Bettler, er lebte von der Gnade seines Onkels, dieses Onkels, dessen Erbe er emst zu werden hoffte, dessen Erbe e geblieben wäre ohne jenen spätgeboreneu Sohn, ohne jenen Heinz. O. wie er ihn haßte und beneidete! Er suyltl sich noch immer als der rechtmäßig! E?be von Rothhausen. . ..Wie beiß es hie? ist!" rief Hilda Ihre Wangen glühten fieberhaft. Ich mochte einen Augenblick hinaustreten auf den Balkon. ..Aber sei vorsichtig. Du hast heute schon meh?mals gehustet, Hilda," sagte die Mutte?. Die junge Dame nahm ih?e Cchwanpelzboa um und begab sich mit Harry hinaus. (Fortsetzung folgt.) ucnrtiuct. Ich bin aber wirklich sehr bös auf Sie. Frau Sekretär; Sie haben mich, da ich so lange daniederlag, auch nicht ein einziges Mal besucht!" Ach. Frau Inspektor, sein S' nur nicht bös, Sie werden schon wieder mal krank weroen.'"

Dtr Ausstand in fldrssa.

21 ichetteuzFreitrcppe und der erste verneur der Ttadt. ' In den Nachrichten über den jüngsten Aufstand und die Juden-Mas-sakres rn Odessa im russischen Gou vernement Cherson wurde unter Anderem die Rlcheheu-Freltreppe er wähnt, auf der sich mehrere Vorgänge des blutigen Dramas abspielten. Der Name der Treppe erinnert an den ersten Gouverneur Odessas, Armand Emmanuel Duplessis, Herzog von, Richelieu. Richelieu war beim Ausvruche der Revolution 1789 aus Frankreich geflüchtet. Er diente mit Die Nichelten-Freitrcppe. Auszeichnung im russischen Heere und war von 1803 bis 1814 Gouverneur von Odessa, in welcher Stellung er sich große Verdienste um das . Aufblühen der Stadt erwarb. Nach der Thronbesteigung Ludwigs XVIII. im Jahre 1814 kehrte Richelieu nach Frankreich zurück, wo er nach kurzer Thätigkeit als Minister 1822 gänzlich mittellos starb. Die 33 Fuß breite und 200 Stufen enthaltende Richelieu-Freitreppe führt vom Primorski-Boulevard zum Ufer des Schwarzen Meeres hinab. ' An ihrem oberen Ende erhebt sich ein 1827 errichtetes Standbild des Herzogs von Richelieu. Der Primorski-Boulevard ist die. besuchteste Promenade der Stadt; er bildet vom Fruhlmg bis zum Spätherbst den VereinigungsPunkt der fashionablen Welt Odessas. Dem Boulevard entlang trifft man die feinsten öffentlichen und privaten Gebäude. Schon im Sommer dieses Jahres war die Richelieu-Freitreppe der Schauplatz mehrerer blutiger Zusammenstöße zwischen Militär und Civilisten. Arktische FalUwzm. Interessantes wissenschaftliches Experiment und die Ergebnisse. Eine interessante wissenschaftliche Mittheilung wurde letzthin der Geo graphischen Gesellschaft m Philadelphia durch ihren Präsidenten, den be kannten Nordpolarforscher Henry G. Bryant, gemacht. Er meldete die Auffindung von zwei Faßbojen, die in den Jahren 1899, 1900 und 1901, in einer Anzahl von insgesammt 60, von der Gesellschaft in der Behrings-Straße ausgesetzt worden waren. Das Experiment bildete seiner Zeit eine Folge des Besuches, den Nansen der Gesellichaft m Philadelphia im Jahre 1897 abstattete. Der normegische Nordpolarforscher beschrieb damals die Art und Weise, in welcher die Fram" quer über den Polar-Ozean getrieben war. Admiral Melville machte die Suggestion, daß man sich werthvolle Daten über die Richtung und Schnelligkeit der Strömungen im arktischen Meere durch die Aussetzung von speziell für den Zweck konstruirten Fässern sichern könne. Es wurden darauf 50, in Spindelform hergestellte Fässer auf Ver. Staaten-Zollkuttern und Walfischfängern nach der Beh-rings-Straße gebracht und dort an Faßboje. verschiedenen Stellen über Bord gelassen. Die .Fässer waren nummerirt und jedes derselben enthielt eine in vier Sprachen abgefaßte Botschaft, in welcher der Finder ersucht wurde, der Geographischen Gesellschaft m Phila delphia von seiner Entdeckung Kunde zu geben. Die erste Faßboje wurde am 17. August 1902 nahe der Mündung der Kolynching - Bar an der sibirischen Küste von Kapitän Christianson aufgefischt. Sie war am 21. August 1901 etwa 85 Meilen nordwestlich von Wrangel Island, in's Meer gelassen worden und hatte einen Weg von 380 Meilen zurückgelegt. Die zweite am 13. September 1899 nordwestlich von Point Barrow, Alaska, dem Meere an vertraute Faßboje entriß man am 7. Juni 1905 bei Kap Rauda an der Nordküste Islands, dem nassen Elemente. Die Reise dieser Boje hat offenbar das Vorhandensein einer quer über das Polarbassin gehenden Stro mung bewiesen Den Ehrengrad al's Doktor erhielt vom Trinity College zu Dublin Frau Margaret Byers, die Vorsteherin des Victoria College zu Belast.

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