Indiana Tribüne, Volume 29, Number 80, Indianapolis, Marion County, 25 November 1905 — Page 4

Jndiana Tribüne. HnaugtTedn von der uted,rg S. Indianapolis, Ind. Kry O. Thudium .... yräfideut.

OeschSftSloealt No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. " Kntcred at the Poit Office ol Indianapolis as ccond dass matter. Unsere Politiker. ii. '; : ES ist nur folgerichtig, daß die Re.' formAera in der PolUik von der ame rikanischen Geistlichkeit und zwar speziell von den Methodisten und PreSbyteria nern mit Freuden begrüßt wurde. Die Reform . Politiker erhielten daher die Unterstützung dieser Elemente. 'Die Methodisten und PreSbyterianer be trachten sie als Mittet zum Füllen der Kirchen an Sonntagen. Daß die Reforbewegung nur ein neuer politischer Grast ist, konnten oder wollen sie nicht sehen. Sie kamen ein fach zu dem Schluß, daß wenn an Sonntagen alles zu fein müsse und nur die Kirchen . offen blieben, die Bevöl kerung zu ihnen wallen würde. Die religiöse Arbeit der - deutschen Geistlichkeit, welche durch intimes Ein gehen auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Gemeinden den wohlthuendsten Einfluß ausübt und der Förderung deren geistigen Wohles eigene Jnter essen hintenan setzt, ist ihnen zu müh sam und unprositabel. Wenn nun auch die 14 amerikanischen Methodisten Geistlichen in ' der Stadt, die das Orakel der News" zu sein scheinen, sich selbst darüber im Kla ren find, daß die .Reformpolitik eitel Humbug ist. so erkannten sie doch, daß dieselbe ihnen werthvolle Treiberdienfte leisten könnte; denn ungleich den deut schen Geistlichen, find fie in erster Linie Geschäftsleute, die auf ihren Vortheil bedacht find. Der Reformpolitiker ist deshalb ihres werthvsllen Beistandes sicher. Dem großen Publikum wird von dem Theil der amerikanischen Presse, welche stetS ihren Mantel nach dem Winde hängt, die Nothwendigkeit vorgehalten, die Politik zu verchriftlichen, obwohl die,V2ter der Republik in dieser Beziehung strengste Gewissensfreiheit, wie ja auch in der Versassung aus drücklich bemerkt, anstrebten. Nun bildet sich eben durch das Ein greifen der amerikanischen religiösen Sektion ein 'in feiner Verwickelung humoristisches 'Bild dar. Die Methodi ften wollen die Politik nach ihrer Facon und die PreSbyterianer nach der ihrigen verchristlichen und vergessen darüber in ihren erregten öffentlichen Debatten die Würde ihres Amtes und Die Funda mentallehren der Ehriftlichkeit. - Die eine Sekte behauptet, daß Tanz und Vergnügungen sündhaft find und ver langen Schließung'aller Vergnügung? lokale. Die andere hat nichts gegen ein Tänzchen, wüthet aber gegen das Theater. Diese modernen Jünger Christi, der selbst auf die Ehebrecherin keinen tein werfen wollte, lassen zwar auch die Steine liegen, greifen aber mit beiden Händen in den ttoth und dewerfen da mit auf Geheiß eines heuchlerischen Po litikerS dessen Rivalen, in den ihnen für diese schmutzige Arbeit stets offnen Spalten ihres Leiborgans. Das ist in Wirklichkeit die sogenannte Reform.Politik. mit all ihren häßlichen Begleiterscheinung von Lug, Trug und Verläumdung. Wohl sind Reformen in unserem Lande nöthig, aber dieselben müssen vom Volk ausgehen, nicht von den Beutevolitikern und deren Dupirten. Das Volk muß seine Beamten resor miren und nicht umgekehrt. Die Schule, durch welche unsere Politiker gehen ehe fie ein Aemtchen ergattem, - ist nicht dazu angethan ihre moralischen Begriffe rein zu gestalten. Kein Mittel, daß sie zum Ziele führt ist ihnen zu verächtlich oder zu unsauber. Wohl kein Bürger würde die moralische Erziehung seiner Kinder den Politikern überantworten. Er muß sich daher auch weigern dieselben als Lehrer für die eigene Moral oder Slttenreinheit anzuerkennen. Das Bürgerthum muß seinen Beamten klar machen, daß. er nicht ihre Moral, sondern' die Interessen des Gemein Wesens zu bewachen hat. ' ES muß ihm klar machen, daß er nicht nur die Gesetze, die von den Me thodiftenpredigern insplrtrt wurden, besonders streng, andere aber lax durch zuführen hat.

Danu aber muß der Reformpolitiker zu dem Einsehen gebracht werden, daß alle Gesetze in unserer Republik nicht zu unsinniger Bedrückung eines Theiles der Bevölkerung, sondern -zin "erftän digen Regulirung der Gefammtinter essen bestimmt sind.

In der Zeitschrift Die Umschau" findet sich ein interessanter Beitrag über die. Ausnutzung deS Kohlenreich ihumS der Erde und über die Zeit der voraussichtlichen Erschöpfung der Kohlenlager in den einzelnen LSn dern.' Diese Frage ist um so bedeut samer, als, wie der Versasser, Dr. Roth, bemerkt, die einst gehegte Hoff nung, die Elektrizität in Verbindung mit den Wasserkästen werde die Kohle überflüssig machen, hmte nicht mehr besteht. Man ist vielmehr der Ueber zeugung, daß 'auch .in Zukunft die Kohle, die Kraftquelle für alle Wirth schastllchen Verhältnisse bleiben wird. Die' Kohlenförderung auf der ganzen Erde hat sich im Lauf deS letzten halben Jahrhunderts mehr als verzehnfacht; sie ist von 63z Millionen Tonnen im Jahre 1850 auf über 800 Millionen im Jahre 1903 gestiegen. Die Zu. nähme ist in den einzelnen Ländern sehr verschieden. Den Rekord schlagen man fühlt sich fast versucht zu sagen: natürlich die Vereinigten Staaten von Amerika, wo die Förderung von 6 Millionen auf ungefähr 250 Millko nen Tonnen gestiegen ist, hier hat also in einem halben Jahrhundert eine Vervierzigfachung stattgefunden. Procentual halb so groß ist die Steige rung in Deutschland, nämlich von fünf Millionen auf 105. In Großbritan nien und Irland hat genau eine Ver fünffachung der Kohlenförderung statt gefunden; nämlich von 45 Millionen auf 225. Obwohl in diesem Gebiete die Steigerung relativ am geringsten ist, wird doch hier am ehesten der Koh lenvorrath erschöpft sein, nämlich in etwa 250 Jahren. Selbstverständlich wird Großbritannien seinen Kohlemx Port erheblich früher einschränken müs sen. In , den Vereinigten Staaten ist trotz der enormen Steigerung der Pro duction die Erschöpfung doch erst in etwa 600 Jahren zu erwarten. Noch viel günstiger ist Deutschland daran. Nur in den beiden vergleichsweise klei nen Kohlenrevieren des Königreiches Sachsen und Niederschlesien ist eine verhälwißmüßig frühe Beendigung der Production zu erwarten, nämlich in 100, beziehungsweise 200, Jahren. Die Aachener und Saarbrückener Koh lenselder aber werden erst in etwa tau send Jahren und die oberschlesischen und westfälischen gar in erst mehr als zweitausend Jahren erschöpft fein. In dieser Hinsicht also braucht sich die deutsche Industrie viel weniger Sorgen zumachen, als die amerikanische oder gar erst die englische. Der Chicago'er Jnter Ocean" hat sich veranlaßt gesehen, den englischen Redakteuren, die ans jede Lon doner Hetzlügen hereinfallen, einmal den Standpunkt ordentlich klar'zu ma chen. ES ist Thatfache, sagt das ge nannte Blatt in dem bezüglichen Ar tikel, daß Berichte, schädigend für Deutschland und von einem dem deut schen Kaiser feindseligen Gefühl diktirt, von London aus in die Welt geschickt werden. ES ist ferner Thatsache, daß diese falschen Darftellungen der Ziele und Zwecke der deutschen Politik von vielen amerikanischen Zeitungen auöge beutet werden, ohne Rückficht auf die leicht festzustellenden Thatsachen und ohne Rücksicht auf die Folgen der Ver. öffentlKhung. AlS Beweis hierfür er innern wir nur an vie freche falsche Darstellung der deutschen Politik und der Stimmung im Reiche während des spanisch amerikanischen Krieges und unserer militärischen Operationen auf den Philippinen. Eine Clique von ZeitungS'Correspondenten in London bemühte sich systematisch, dem amerika Nischen Volke die Ueberzeugung beizu bringen,-daß Deutschland ren Ver. Staaten feindlich gesinnt war und daß die ReichSreglerung in dieser ihrer Hal tung von der deutschen Presse unter stützt würde. DaS ging soweit, daß die deutsche Regierung eine amtliche Erklärung veröffentlichte, in welcher sie ihre Stellung klarlegte und daß auch die deutsche Presse einmüthig zusammen wirkte, um die falschen Eindrücke be treffö ihrer Haltung richtig zu stellen. Seit jener Zeit, ist die antideutsche Liga in London etwas vorsichtiger ge worden. Neuerdings aber ist sie wie der in energische Thätigkeit getreten und Berichte werden von London aus

in die Welt geschickt, in denen der

Kaiser der Perfidie gegen seine Bun deögenoffen vom Dreibund und ver schieden Anschlüge gegen England und die Vereinigten Staaten beschuldigt wird. Der offenbare Zw?ck der Lon doner Liga ist, Mißtrauen in diesem Lande gegen 'das deutsche Reich zu er regen. Die Berichte werden, wie man glaubt, im Interesse gewisser englischer Fabrikanten auSgesandt, welche die Concurrenz der deutschen Fabrikanten fürchten. ES gereicht der amerikanischen Presse durchaus nicht zur Ehre, daß fie fich von einer europäischen Nation benutzen läßt, um eine andere zu schädigen. ES gereicht ihr nicht zur Ehre, daß fie fich seit Jahren als Katzenpfote benutzen läßt, um anderer Leute Kastanien aus dem Feuer zu holen. Und anzunehmen ist, daß die ameri kanischen Zeitungen dasür nicht bezahlt worden find und sicher ist'S, daß fie da für von England keinen Dank erhalten haben. ES ist ferner sicher, daß während fie nichts in England gewonnen, viel in Deutschland verloren haben. Kein Grund ist vorhanden) der uns veranlassen sollte, unS in die Streitig leiten europäischer Nationen einzu mischen, oder deren Schlachten zu schla gen oder endlich deren Vorurtheil zu theilen, und wir sollten unS nicht von falschen Darstellungen europäischer Souveräne oder europäischer Völker be einflussen lassen. Die amerikanische Politik ist fair Play- für Alle und Beschränkung un serer Aufmerksamkeit auf unsere eige nenAngelegenheiten." siranzosisaic ttulkurlragcr. Der sozialistischeAbgeordnete Roua net wirft in der Humanitv" dem $io lonialminister Elemente! vor. daß er die gegen den Oberkommissö: von Französisch-Kongo, Gentil, und dessen Beamten erhobenen Beschuldigungen der Grausamkeiten an Eingeborenen zu vertuschen suche, und droht dem Minister mit Anfragen in der Kammer. Einstweilen beleuchtet er an der Hand von Privatbriefen, die ihm mitgetheilt wurden, gewisse Zustände in' dem sii dänischen Hinterlande von FranzösischWcstasrika. Eine Kolonne von zwei Kompagnien senegalischer (Schützen, einer Abtheilung Spahis und einer Abtheilung Gebirgsartillerie war ausgesandt worden, um das unbotmäßige Dorf Sarkadiö innerhalb des großen Nigerbogens zu züchtien. D?r Führer, Hauptmann V., verfehlte den Weg und gcrieth nach dem großen Dorfe Langa statt nach Sarkadi6. Die Einwohner von Langa kamen ihm friedlich und ohne Waffen entgegen und lieferten Lebensmittel. Zwei Tage lang lag die Kolonne vor dem Dorf und ließ sich von den dienstbeflissenen Eingeborenen versorgen. Dem Hauptmann stand dieser friedliche Verlauf nicht nach dm Sinn. Er brauchte eine Kriegsthat", wie es in der Amtsspräche heißt, und als solche gilt die Einnahme eines Dorfes. Sarkadi war ihm zu weit, und überdies hätte man nicht wissen können, ob es mehr aufständisch war als Langa. Also mu.ßte Letzteres herhalten. Am Morgen des dritten Tages ließ der Hauptmann die Truppe sich gefechtsbereit machen, während die Eingeborenen immer noch 'mit Proviant herankamen, der entgegengenommen wurde. Als sie sich zurückzogen, wurde das Feuer auf sie eröffnet. Zwei Stunden lang wurde ein Schießen unterhalten, so regelmäßig wie auf dem Schießstand, und zuletzt vernichtete die Artillerie die Umzäunung des Dorfes, das dann mühelos gestürmt wurde. Der Briefschreiber zählte etwa sechzig Frauen und vierzig Kinder, die todt mit schrecklicher Wunden vor' den Hütten lagen. Zehn Minuten darauf vernichtete das Feuer die Spuren des Blutbades. Der Hauptmann wurde Major. Diese Erzählung braucht man nicht gleich als beurkundete Thatsache hinzunehmen, weil es nicht zum ersten Male wäre, daß ein französischer Offizier den andern .fälschlicherweise der Grausamkeit an 'Eingeborenen bezichtigt. Herr Rouanet hat aber noch anderes Material, das unzweifelhaft schreckliche Zustände erkennen läßt. So heißt es in einem Briefe, worin das Stilleben auf einer Station geschildert wird: jjßenn hier nicht gekriegt wird, beschäftigt F. seine Muße, indem, er sich das Weib vorführen läßt, das er sich auf seinem Spaziergang ausersehenhat. Die Aermste schreit und wehrt sich . . . Vor kurzem hätte mich ein Eingeborener beinahe, umgebracht, weil seine Musso" einge Tage vorher aufgehoben worden war. Ich habe nicht darüber berichtet, weil das betreffende Dorf dann niedergebrannt worden w'a re. " Ein anderer Brief enthält fol. gende Stelle: Ich soll jetzt nach Aribindo, Dschibo und Hombori, vielleicht auch bis Timbuktu, um Steuern einzutreiben. Zwanzig Schützen als Be gleitung, und schriftlichen Befehl, die Dörfer, die. sich den Zehnten nicht abnehmen lassen wollen, zu verbrennen und zu vernichten, wie es wörtlich heißt."

Naucht die BONANZA.

Lonl Auslauve.

Ein schweres TunnelUnglück hätte sich leicht auf der Strecke Münster - Osnabrück ereignen können. Auf der Osnabrücker Seite des mehrere Kilometer langen Tunnels, welcher zwischen Natrup -Hagen und Lengerich den Höhenrücken des Teutoburger Waldes durchbohrt, stürzte kurz vor 10 Uhr unmittelbar vor dem Tunneleingange infolge der anhaltenden Regengüsse die Böschung in einer Länge von 12 bis 15 Metern Herabund verschüttete den Eingang. Ein großes Glück war es, daß nicht gerade ein Zug zwischen den beiden Tunnelstationen unterwegs war. Wäre der Einstürz nur zehn Minuten später erfolgt, so hätte sich der nächste Zug im Tunnel befunden. Schleunigst wurden die Rottenmannfchaften von Kattenvenne, Lengerich und Hasberger alarmirt, die sich sofort an die Aufräumungsarbeiten machten und nach angestrengter Thätigkeit das eine der beiden Geleise freilegten, fo daß auf diesem der Betrieb aufrecht erhalten werden konnte. . DerletztePensionärder Offizierschule von Saint-Cyr, Ephrn me Lanusse, Priester und Offizier zu gleicher Zeit, ist in dem hohen Alter von 87 Jahren in Paris gestorben. Er war eine interessante und höchst Volksthümliche Erscheinung. Er entstammte einer militärischen Familie, da sein Großvater als General in Aegypten unter Bonaparte gedient hätte, und war noch mehr Militär als Priester. Lanusse wurde am 2. Januar 1818 in Tonnins (Lot - et - Garonne) geboren und bewarb sich nach Vollendung seiner Studien sofort um den Dienst imFelde. Er machte alle Feldzüge des zweiten Kaiserreichs mit und wurde bei Sedan verwundet und gefangen genommen. Nach dem Kriege erhielt er die Stelle in der Offiziersschule, und Gambetta ließ ihn in dieser Stellung, als unter seine. Regierung alle Almoseniers im Heere abgeschafft wurden. Papst Leo XIII. zeichnete ihn mit dem Titel eines römischen Prälaten aus, und noch vor Kurzem wurde er dem jungen König von Spanien, als dieser Versailles und Saint - Cyr besuchte, vorgestellt. Msgr. Lanusse war ein unerschöpflicher Erzähler von Kriegsanekdoten und hinterläßt nicht weniger als .120 Foliobände in eigener Handschrift. die er der Pariser Nationalbibliothek vermacht hat. Frau Corbieres. eine wohlhabende Wittwe aib der Rue de Vaugirard .in Paris, ist das Opfer eines eigenthümlichen Raubzuges geworden. Vor einigen Tagen erhielt sie ein Telegramm aus der Normandie, in welchem sie ersucht wurde, sofort zu ihrem Neffen zu kommen, der in einem normannischen Regiment als Hauptmann dient. Sie reiste sofort ab. Kurz nach ihrer Abreise kam in einer Droschke ein elegant gekleideter junger Mann, der den Dienstmädchen sagte, er sei. ein Verwandter der 5?rau CorBieres! und von dieser zu einem Besuch eingeladen. Als er horte, daß Frau Corbieres verreist sei, bat er, wenigstens so lange seinen Koffer in AufbeWahrung .zu nehmen, bis er eine passende Wohnung bis zur Rückkehr der Frau Corbieres gefunden habe. Der Koffer, der durch seine.Schwere auffiel, wurde in das Zimmer der abwesenden Wittwe aebrackt. Abends kebrie Lver junge Mann zurück und holte seinen Kosser ab. Am folgenden Tage kam nun Frau Corbieres aus derNormandie zurück; sie war das Opfer einer Täuschung geworden. Im Hause harrte ihrer eine große Ueberraschung; ein Einbrecher, der augenscheinlich in dem großen Koffer gewesen war, hatte die sämmtlichen Behälter mitSchmucksachen ausgeräumt und'mit Leichtigkeit Juwelen und Pretiosen im Werthe von etwa $12,50 erbeutet. Von dem frechen Gauner fehlt jede Spur. 'Aus Bordeaux wird folgende ungeheuerliche Geschichte berichtet: Kürzlich entdeckte man im KartHäuser - Friedhofe, daß mehrere Gräder geschändet worden waren. So war der Sarg eines neugeborenen Kindes ausgescharrt und erbrochen, sodann der kleine Leichnam fortgeführt und auf einem Felde liegen gelassen worden. Eine eingehende Untersuchung führte zu der Verhaftung zweier Knaben im Alter von 12 Jahren, Leon Juffet und Paul Gay. Diese jugend. lichen Verbrecher gestanden vor dem Polizeicommissär cynisch ihre schändlichen Thaten zu. Sie gaben zu. mehrere Leichname ausgegraben zu haben, um sich die Medaillen zu verschaffen, die die Eltern in die Särge ihrer verstorbenen -Kinder mitzugeben pflegen. Das Scheußlichste dabei ist, daß diese entarteten -Buben einem Kinderleichname Kopf, Arme und Beine abschnitten und sie mit sich nahmen. Einen Theil warfen sie in die Aborte und den anderen gaben sie den Enten zu fressen. Die beiden Burschen sind Söhne von Friedhofsgärtnern. Paul Gay ist offenbar de Anstifter der ganzen Sache gewesen inid gilt allgemein als ein unglaublich verkommenesKind, dem noch andere angesichts seines Alters verblüffende Vergehen vorgeworfen werden. Er und sein von ihm verführter Spießgeselle wurden nach einem langen und scharfen Verhör unter der Beschuldigung, des Gräberdiebstahls und der Leichenschändung eingesperrt, obgleich sie noch nicht im straffähigen Alter sind.

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Für die Küche. Klare Mohrrübensuppe. Man kocht eine gute Rindsbrühe und versetzt sie mit getrockneten Pilzen, besser mit LiebigH Fleischextrakt, um ihr Farbe zu geben. Nachdem sie durch ein Bouillontuch gegossen ist, um ganz klar zu werden, bringt man sie wieder zum Kochen, fügt einen halben Theelöffel voll gewaschenen Kümmel hinzu und reibt mit dem Reibeisen eine große, recht rothe Mohrrübe hinein. Mit diesem Reibsel muß die Suppe etwa dreimal aufkochen und wird dann servirt. EnglischeKalbssteaks. Aus der Keule werden gute Steaks geschnitten, geklopft und mit etwas Salz, Pfesfer und einer kleinen Prise Muskatnuß bestreut. In 22y2 Unzen zerlassener Butter verkocht man einundeinhalb bis zwei Löffel Mehl, fügt etwas leichte Brühe oder Wasser, zwei bis drei gehackteSardellen und acht bis zehn kleine geschnittene Champignons dazu, läßt in dieser Sauce die Steaks 10 bis 15 Minuten langsam dünsten, ohne sie direkt zum Kochen kommen zu lassen und garnirt sie beim Anrichten mit gebratenen Speckseiten. S ch w e i n s k o t e l e t t mit sauren Kartoff eln. Die Koteletten läßt man sich gleich vom Fleischer passend schneiden, klopft dieselden gut, wälzt sie erst in Ei, dann in fein gestoßener, mit einem Löffel voll Mehl gemischter, geriebener Semmel, macht Butter in der Omelettenpfanne hellbraun, bratet h Koteletten darin goldbraun und garnirt sie auf oder neben die nachstehenden Kartoffeln. Zu denselben schneidet man Speck fein würfelig, bratet ihn aus, schwitzt Mehl darin und füllt diese'Mehlschwitze mit Wasser und etwas Weinessig auf, schmeckt es mit Salz und ein wenig Pfeffer ab, thut in der Schale gekochte, geschälte und in Scheiben geschnittene Kartoffeln hinein, schmeckt sie gut darin durch und bringt diese Kartoffeln zur Tafel. Man kann einen Kranz von Kresse oder Endivien rings ha umlegen. Gebackene Hühner. Man nehme dazu nur ganz junge Hühner. Sie werden geputzt, ausgenommen, gewaschen, eine Minute in heißes und dann in kaltes Wasser getaucht, mit einem scharfen Messer in, 4 Theile geschnitten und gesalzen. Die Theile werden etwas gepfeffert, ganz in Mehl eingehüllt und darauf in geschlagenes Ei getaucht, dessen Weißes. und Gelbes man gut vermischt hat; zuletzt werden sie in fein geriebener Semmel gewälzt. Dann wird Schmalz auf's Feuer gesetzt, und zwar 3 Theile Schweine- und 1 Theil Rinderschmalz öder Buttei. In dem zerlassenen heißen Fett brät man die Hühner in 5 Minuten in der Pfanne hellbraun. Die Pfanne muß so viel Fett enthalten, daß die Hühner darin schwimmen; sie werden leicht hin- und hergeschwenkt, um das Ansetzen zu verhindern. Die fertig gebackenen Stücke legt man nach und nach zum Abtropfen des- Fettes auf Brotscheiden oder Papier, bis alle Stücke fertig gebraten sind. Man ordnet, sie uf einer heißen Schüssel Pyramidenförmig mit einem Rande von gebackener Petersilie oder mit jungen Gemüsen, besonders Schoten, oder auch mit Kartoffelsalat. EZnmerkwikrdZger ZwZschenfall ereignete sich im Mailänder Edentheater in dem Augenblick, in dem das Ballet Gloria o amore sein Ende erreichte. Die Primaballerina, Mlle. Torriant, sollte noch einen besonderen Pas aufführen, bei dem sie über die ganze Scene laufen mußte und plötzlich vor der Rampe Halt machen sollte. Sie mochte wohl den Schwung falsch berechnet haben, denn anstatt vor der Rampe anzuhalten, versuchte sie vergebens, daS Gleichgewicht zu erlangen, schoß über die Rampe hinaus und fiel mitten zwischen die Pulte des Orchesters, zwischen einer Flöte und einer Klarinette, nieder. Die Musiker waren über den unerwarteten Besuch von oben ein wenig erstaunt und im Zuschauerraum ließen sich einige Schreckensrufe hören. Jedoch wandelte sich die angstvolle Spannung in jubelndes BeifallSrauschen, als die Tänzerin sogleich auf dieBühne zurückkehrte und, wie wenn nichts ge.schehen wäre, ihren Pas nun mit großter Eleganz ausführte.

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