Indiana Tribüne, Volume 29, Number 79, Indianapolis, Marion County, 24 November 1905 — Page 7
Jndiana Trlbütze, 2'i. November 1005
DieRothhausell
Roman auS der Mark
Von
il). C. Möller
feVVVWAVWWWWWVVWV.ff
(Fortsetzung.) Charlotte betrat . das Zimmer des schlafenden Kindes. Immer tiefe? hatte sich der Groll in ihre Seele gegraben jener giftige, vor nichts zurückschreckende Groll, der um so zehrender wird. t ohnmächtige? er ist. Sie sah das Holzfeue? im Ofen, und ein abscheuliche? Gedanke stieg in ih? auf. Die Wärterin war eben im Wasch Hause beschäftigt Charlotte glaubte sich sicher. Vor dem Kamin des anstoßenden Salons stand ein gefüllter Kohlenkasten; mit eigener Hand warf sie ein paar große Steinkohlen in die hell flackernden Holzflammen und ließ die Luftklappe zufallen. Dann verschwand sie, leise und vorsichtig, wie sie gekommen war. Aber schon nach kurzer Zeit trieb sie eine brennende Gewissensoual zurück an den Ort des geplanten Verbrechens, um schnell die Klappe wieder zu öffnen. Da trat ihr, dumm lächelnd, als sei er wieder nicht ganz nüchtern, Peter entgegen. Er war ihr bereits zuvorgekommen für diesmal war der kleine Heinz ge?ettet. Charlotte hatte gelernt, sich zu beherrschen; sie ließ sich auch jetzt nichts anmerken. Und Peter konnte ja auch keine Ahnung von dem Sachverhalt haben. In der That, er wußte nichts. ' Nur Verdacht hegte er gegen die Gnädige immerwährenden Verdacht. So war er ihr leise gefolgt, als er sie vorher den langen, halb dunklen Gang betreten sah, der die beiden Schloßflügel mit einander verband. Und grinsend sagte er: Denken Sie blos, gnädige Frau, der Peter ist schon wieder betrunken! Aber nur ein ganz klein bischen wirklich! Denn so lange der Mensch noch riechen kann, ist's noch nicht allzu schlimm. Und hier roch es nach Rauch nicht wahr. Gnädigste? Da dachte ich. die Klappe wird wohl zugefallen sein von selber! und ich machte sie wieder auf denn so jung braucht das Junkerchen noch nicht an Rauch gewöhnt zu werden. Aber wissen Sie, Gnädige, dem Herrn wollen wir kein Sterbenswort davon sagen. Es könnte ihn doch verdrießen!" Und er schwankte hinaus. Als Heinrich kurz vor Tische mit seiner Gattin zurückkehrte, fanden sie die Wärterin ängstlich um den kleinen Heinz bemüht. Unerklärlich, warum das Kind so blaß, so theilnahmlos war. Was ist ihm nur geschehen?" fragte Irene ganz besorgt. Unterdessen war Heinrich in sein Arbeitszimmer getreten und wieder, wie schon einmal, fand er einige Papierschnitze! auf dem Schreibtisch liegen. Aergerlich klingelte er nach Peter so heftig, daß Irene schnell herbeikam. Mein Gott." rief sie. einen Blick auf die Papierstückchen werfend, das ist ja meine Handschrift! Das smd ja Theile jenes Briefes, den Du nicht erhalten hattest, und von dem Du glaubtest, Harry habe ihn zerrissen!" Wie kommt das plötzlich auf metnen Schreibtisch?" fuhr Heinrich den Diener an. Peter schnitt eines seiner dümmsten Gesichter. Entschuldigen Sie, Herr Bergmann, die Schnitzel haben in der Tasche des alten Livreerockes gesteckt, den ich da anhabe sehen Sie" und er fubr in die Rocktasche da ist noch
solch' ein Eckchen. An der neuen Lwree sind nämlich die Knöpfe lose " Ich will wissen, wo die Schnitzel . - J ' - .. . - : V
herkommen, umeroracy jgemiiaj ocn Diener.
Aber die hab' ich doch auf der Terraffe gefunden, damals, als Herr Berg-
mann nach'Dresoen rten: yav' t kingestectt so in Gedanken zu Be-fehl."
Irene, die den Mann scharf beobachiet hatte, wandte sich jetzt an ihren Gatten mit der Frage: Glaubst Du ihm
das, Heinrich?"
Peter selbst übernahm die Antwort;
man hielt ihm gegenüber nicht allzu
streng auf die Form. Die Frau Baronin saß ja dabei,
vertheidigte sich Peter gegen den Vor-
wurf der Unwahrheit, sie bat's ge
sehen, wie der Briefträger kam und den Brief brachte. Das ist kein An-
derer gewesen, als der Harry. der ihn
zerrissen hat. Ich sag' es ja immer:
der Junker ist verzogen und gar zu eigensinnig! Na, und wie. ich die
Schnitzel liegen sah werde wohl wie
der. einmal nicht ganz nüchtern gewesen
sein da dachte ich mir: nein, die
Briefe an den Herrn smd kein Spielzeua! Uebrigens können Herr Berg-
mann ganz' ruhig sein! Die gnädig:
Frau. Baronin hat's ja gesehen. Wird
wohl dem Herrn gemeldet yaven, was in dem Briefe stand!" Heinrich vergrub die Nägel in seinen
geballten Fäusten, so überkam diesen sonst so ruhigen Mann die Wuth.
Wohl zehn Mal schritt er im Zimmer ' hin und her er fand keine Worte. Endlich befahl er, die Baronin hierher zu bitten. Peter schien völlig ernüchtert durch den drohenden Blick seines
Herrn; er machte Kehrt und stampfte ,
hinaus.
Ohne auch nur ein Wort hmzuzu-
ügen. hielt Heinrich seiner Schwester
die grauen Papierschnitzel vor die Augen. Einen Augenblick noch versuchte
Ie es. ihre Haltung zu bewahren.
..Willst Du mir nicht gefälligst er-
lären ?" sagte sie mit starrem Blick.
Jümzt nicht weiter" schnitt Hein-
rich'ihr barsch das Wort ab. Ein Wunder hat mich mit Irene zusam-
mengefübrt ein Wunder nur diesen Beweis Deiner Schuld" ,m meine Hand geliefert. Aber es ist gut so: Tu und wir sind dadurch vielleicht vor Schlim-
merem bewahrt. Ich meine, es geht
nicht weiter so das Uebrige will ich noch heute mit Deinem Manne be-
prechen."
Schon am folgenden Tage verließen
der Baron und Charlotte mit ihrem
Sohne den Erbsitz Derer v. Rothhau-
en. Was sie Bewegliches besaßen.
ollte ihnen nachgeschickt werden.
Irene botte die Abziehenden Nicht
eines Blickes mehr gewürdigt.
. Einige Jahre gingen in's Land. Ba
ron Rothhausen war nach Afrika ge-
gangen. Bis dorthin, meinte er, könne
der zersetzende Einfluß des Kapitäns-
mus noch nicht gedrungen sein. Drau-
ßen :n der freien Gotteswelt, da gilt
der Mann noch, was er werth ist! Und
den Werth bestimmt allem die Her-
unft. An Fichtenstammen aber reifen eine Ananas!" Heinrich hatte das
Gut in Besitz genommen; Charlotte
ebte m Berlin von einer reich bemesse-
nen Pension, die ihr der Bruder ausge-
setzt hatte. Ihre Gemuthsverfassung
wird man sich leicht ausmalen können. Harry wurde auf den Wunsch des On-
kels Hemrich zeden Sommer für ein
paar Monate nach Rothhausen geschickt. Hier war ein völlig neuer Geist einge-
zogen. Der Pachter, dem Heinrich während der ersten Jahre alles erdenkliche Entgegenkommen zeigte, erwies sich als ein tüchtiger, sein Geschäft aus
dem Grunde verstehender Mann. Die Wirthschaftsgebäude waren zum großen Theil erneuert und erweitert wor-
den; sie mußken jetzt einem weit bedeu-
tenderen Betrieb, einem stark vermehr-
en Vlebstande dienen. Die damals nur
theilweise vorgenommene Renovirung
des Schlones war inzwischen' beendet,
das ganze Anwesen machte heute einen stattlichen, vornehmen Eindruck.
In noch boherem Maße aber als das
Gut. hatte sich die Fabrik entwickelt.
Fast konnte man von einem Arbeiter-
städtchen sprechen, welches rmgs um
die Fabrik entstanden war. Saubere kleine Backstcinhäuschen für je zwei Fa-
milien; ein Ziergärtchen vorne und ein ausreichender Gemüsegarten hinter dem
Hause! Und das stand alles m Rech und Glied, zu luftigen Straßen geordnet, die in Strahlenform von einem Mittelpunkte, der Schule, ausgingen. Nahezu zweihundert Kinder der zahl-
reichen Arbeiterschaft Heinrichs wurden
hier unterrichtet; ein prächtiger Saal
diente außer für Schulfeierlichkeiten einer Fortbildungsanstalt, in welcher
Lehrlinge der Fabrik, jüngere Arbeiter,
Nachhilfe besonders in ihren technischen
Fertigkeiten erhielten. Von Zeit zu
Zeit fanden auch Vortrage. Temon-
strationen und sogar Unterbaltungs-
adende statt, an denen sich dann jeder
mann aus der Fabrik zu betheiligen
pflegte.
Unter den Porzellanfabnken Mitteldeutschlands war die von Heinrich
Bergmann heute .vielleicht die groß-
artigste. Schon vor zwei Jahren hatte
der König von Sachsen ihren Begrün-
der mit einem Titel beehrt. Kunst-
industrieschulen entsandten ihre Zog-
linge nach Rothhausen, damit sie dort
sich praktisch vervollkommneten.
Heinrich war ern reicher Mann, ein
Millionär worden. Und was ihn
noch mehr beglückte: seine Ehe hatte gehalten, nn sie versprach. Er lebte mit Irene in ungetrübtester Ueberein-
stimmung. In der letzten Zeit hatten
sich beide a",cb gesundheitlich Nicht zu
beklagen gehabt; im Gegentheil. Irene schien neu aufzublühen. Auch der kleine Heinz war ein frischer, munterer Junge
geworoen. lim pausraaiger cymarz-
kopf. merkwürdig genug, da beide Eltern so ganz den blondgermanischen
Typus zeigten. In dem Knaben steckte
bei aller Kraftfullc etwas von einem
Träumer. Er konnte mit seinen gro
ßen, tiefblauen Augen gen Himmel schauen, ganz wie jene entzückenden Engel zu Füßcn der Sirtinischen Ma-
donna. Zu seinem Vetter Harry gab
Heinz einen seltsamen, man konnte fast
sagen, fremdartigen Gegensatz ab. Wie jener launisch, eigenwillig und hochfahrend, so erschien Heinz gefügig, gutherzig, liebenswerth. Vielleicht war
Harry das schönere Kind; er trug feinere Züge als Heinz, hatte auch etwas von jener angeborenen Grazie, die aus
ganz natürlichen Ursachen ein schönes Erbtheil der seit Jahrhunderten bevor-
zugten aristokratischen Familien ausmacht; aber Heinz war sanfter, er wurde wohl auch verständiger erzogen,
sah besseres Bciipiel vor sich jeden falls ein herziges Kind. .
Heinrich wäre ganz glücklich gewesen.
wenn ihn Nicht ein einziger Kummer
bedrückt hätte. Er hatte die Empfindung, als ob Irene das Kind nicht so
sehr liebte, wie er- selbst. Es waren nur Kleinigkeiten, die ihm dafür zu sprechen schienen, aber er vermochte sie nicht zu übersehen. Schon daß Irene
den nun vierjährigen Knaben manches-
mal stundenlang der Wärterin über
ließ, schmerzte den zärtlichen Vater.
Häufig sphlte Heinz den ganzen Vor-
mittag in des Vaters Bureau seine Mutter vermißte ihn gar nicht. Ja, es war vorgekommen, daß Irene von einer größeren, gemeinsam mit Heinrich anzutretenden Reise sprach, ohne des Knaben auch nur zu erwähnen.' Ihre Seele wdr nicht mehr voll em-
pfänglich für das Mutterglück." sagte
ich Heinrich. Aber es blieb doch em
Schatten in ihm zurück.
Zwar Irene entschädigte ihrenMann
durch verdoppelte Zärtlichkeit für ihn
elbst. Sie hatte eitte ganz reizende
Art, seine Wünsche zu errathen, aus
eine geschäftlichen Plane einzugehen.
mit ihrem fein entwickelten Kunstgefühl
hm zur vierte zu stehen, wo es sich um
neue Muster und Formen handelte. Eine ernsthafte Verstimmung war that-
achllch noch Nie zwischen ihnen ausgeommen. So mußte sich Heinrich denn
sagen, es sei vielleicht nur ein Unter-
chieo des Naturells, wenn ste oem
Kinde anders gegenüberstand als er.
Ein zweites Kmd ward der Ehe nicht
beschert. Und so blieb Heinz des Va-
ers ganzes Gluck, fern Stolz, sein
Alles. Er brauchte dem süßen Jungen
nur in die strahlenden Augen zu
schauen. 10 war er außer sich vor
Freude und Seligkeit.
Auch in diesem Sommer hatte man
den nun elfjährigen Harry herkommen
assen. Seme Mutter, Varonm Char-
lotte. durfte das Haus nicht betreten.
sie verbrachte die heißen Monate bei
Verwandten des Barons.
Je unversöhnlicher Heinrich gegen
seine Schwelle: blieb, um so liebevoller
behandelte er deren Sohn, trotzdem
dieser Sommerbesuch regelmäßig vielen Aerger zu bringen pflegte.
Harry war. wie gesagt, hübsch, groß
für sein Alter, klug, gewandt, schlag-
fertig, einschmeichelnd, aber unter Um-
standen auch brutal. Diesmal beson-
ders hatte es schon eme ganze Reche
von Widerwärtigkeiten seinetwegen ge-
geben.
Gleich in den ersten Tagen hatte er.
mit dem nunmehr auf Heinz überge-
gangenen Ponygespann über das Feld rasend, ein dort arbeitendes Mädchen niederqefahren, glücklicherweise ohne
ernste Folgen. Ein andermal bedrohte er den Förster Peter, der den wild auf-
gestachelten Pferdchen m die Zügel fal
len wollte, mit der Peitsche. Von den beiden allerliebsten, überaus . zuthun-
lichcn, weißen Kaninchen, die der klein:
Heinz besaß, fand dieser emes Tages das Männchen mit zusammengebunde-
nen Hinterlaufen an emem Baume hängend. Und was den Onkel noch
mehr verdroß, als diese häßliche Grausamkeit, war die freche Art, mit welcher
Harry sich damit rechtfertigte: das Thier habe auf seinen wiederholten
Ruf nicht zu ihm kommen wollen.
Es gehörte eben Heinrichs Herzens-
gute und Pflichttreue dazu, den Burschen weiter bei sich zu dulden, und
wenn überhaupt leise Verstimmungen zwischen ihm- und seiner Gattin vor-
kamen, so war gewiß Harry die Ur-
sache. Hatte doch Irene einmal gehört,
wie Harry zu dem kleinen Heinz sagte:
Ich bm doch der eigentliche Erbe von
Rothhausen und Du Du bist nur ein
Bürgerlicher! Heinz wußte naturlich
keine Antwort, hatte ihn überhaupt
nicht verstanden. Aber Irene war
wüthend. '
Trotz alledem verlor Heinrich nicht
die Geduld mit dem ungeberdigen Jun
gen. Er behandelte ihn nach wie vor
wie einen gern gesehenen Gast, wie einen
nahen Verwandten. Wieviel Anlaß
Harry auch zu Klagen und Beschwerden
gab, Heinrich blieb sich und semer Vor-
nähme getreu. Er . suhlte sich dem
Kinde gegenüber als Schuldner, wenn
auch die Umstände ihn längst von der freiwillig übernommenen Pflicht frei-
gemacht hatten.
Auch in diesem Jahre sollte zu Ehren
Harrys ein Kinderfest stattfinden. Er nahm dergleichen übrigens für durch aus selbstverständlich hin; es wäre dem
sonst so geweckten Knaben nicht in den
Sinn gekommen, sich dasur etwa dank
bar zu zeigen. Im Gegentheil, auch heute, am Tage des Festes,' gab es
Grund zu? Unzufriedenheit. Von den kostbaren Marschall-Niel-Rosen. die Heinrich eigens für seine Gattin hatte pflanzen lassen, riß der Junker," wie
er sich zu gern nennen horte, einen gan
zen Zweig herunter. Peter, der ihn, miteiner der herrlichen Rosen geschmückt, über den Hof stolziren sah,
nahm ihn diesmal beim Schöpfe und schüttelte ihn derb. Wüthend stürzte Harry zu seinem Onkel, um sich zu be-
klagen. Am liebsten hatte er gesehen, daß man dem Menschen, dem Peter,
ohne Weiteres den grünen Rock ausge
zogen hätte. Aber Irene lobte den braven Förster sogar, wenn auch Heinrich ihm das Unpassende seines Verfahrens
verwies; er hätte sich an ihn, an den
Herrn wenden müssen.
Zu Befehl," meinte Peter..' Das
nächste Mal!"
In dem Junker" kochte die Wuth.
Wenn er nur erst groß wäre! Zu der Kindergesellschaft am Nach mittag waren wohl an die fünfzig klei
nen Leute geladen. Die Sprößlinge
der benachbarten Gutsbesitzer ni
der Frau Kommerzienrath" hatte man
sich nach und nach befreundet, sie war doch immer etwas mehr, als eine einfache Frau Bergmann die Kinder der Beamten von Heinrichs Fabrik, ein paar Knaben, die der Pastor in Pension hatte alle im. Alter von fünf bis zwölf Jahren. Sie spielten friedlich unter der Anleitung des Herrn Wende, eines Lehrers an der Fabrikschule; der Mann hatte eine ganz besondere Bega-
bung, Kinder zu unterhalten. Im
Park wie im Saal folgten ihm die Kleinen, wie im Märchen dem Ratten-
sanger von,Hameln.
Zu den jugendlichen Gästen gehörten
auch die kleinen Grafenkinder v. Beh-j
renoerg; Hiloa, die nur um wenige
Monate älter war als Heinz Bergmann, ein ganz reizendes Geschöpfchen
mit blonden Locken und brünettem Teint, sehr zart und zierlich, und ihr
Bruder Ottbcrt. Dieser war mehr als
ein Jahr zunger als Hilda. aber über-
ragte diese und den kleinen Heinz schon
heute um Haupteslange.
Dieser Ottbert war em echter und
rechter Offizierssohn. All' sein Träu-:
men war die Kadettenurnform, die er nun bald' anlegen sollte. Schon jetzt
trug er den schonen feurigen Knabenköpf so hoch und so stolz, hielt er sich so kerzengerade , im Sattel von. Heinz' Pony, daß seinem Schwesterchen, die
ihn abgöttisch zu lieben schien, die Augen leuchteten, wenn sie ihn so sah.
Harry machte der kleinen Komtesse förmlich den Hof; ihr u Liebe ließ er auch den kleinen Ottbert gelten, er. her sonst alle Gespielen zu tyrannisiren pflegte.
Eigensinnig verlangte er, sie solle
neben ihm sitzen und mit ihm spielen. Aber Hilda wollte nun einmal durch-
aus mit Heinz spielen, der nicht so groß" war wie Harry und der auch
einen zu putzigen Mann aus Gummi hatte. Dazu mochte kommen, daß die beiden fast gleichalterigen Kinder mit-
einander bekannt waren, wahrend
Harry ja nur alle Jahre für einige Zeit hierherkam. Kurz-, Hilda entschied sich
für Heinz, der dafür der Kleinen alle
seme Spielsawen zum Geichenk gab.
Ganz roth vor .Zorn stieß Harry seinen Vetter zur Seite. Spiele doch nicht mit dem Bengel. Hilda." rief er. das ist ja nur ein Bürgerlicher!" Heinz war
gefallen, hatte sich weh gethan, hatte
diesmal auch verstanden und lief nun in hellen Thränen zu seiner Mama.
. Bin ich ein Burger, Mama? Und darf Hilda nicht mit einem Bürger spielen?" Irene tröstete den'KIeinen und sagte diesmal ziemlich entschieden zu ihrem Manne: Ich hoffe doch, Heinrich, daß Du Harry nicht mehr einladest!" Nein,", versetzte dieser, bleich vor
Zorn, nächsten Sommer schicke ich ihn
in eine Ferienpenston aber m eme ganz bürgerliche!" Und so blieb es. Mit Heinrichs verwandtschaftlicher Zuneigung für Harry war es zu Ende; er unterstützte nur noch den Sohn seiner Schwester. Mit dreizehn Jahren kam Harry in eine Kadettenanstalt; Charlotte war nicht dazu zu bewegen, ihn einen bürgerlichen" Beruf ergreifen zu lassen. Nach Rothhausen durfte Harry nicht mehr kommen. Inzwischen wuchs auch Heinz heran. Herr Wende, der damals erst Lehramtskandidat war, hatte seine Studien beendet. . sein Doktorexamen gemacht und nahm nun mit Freuden Heinrichs Angebot an, sich ganz der Erziehung Heinz' zu widmen. So entwickelte sich der Knabe unter zielbewußter, liebevoller Leitung von Tag zu Tag' mehr. Er lernte mit Eifer, kam tüchtig vorwärts. wurde hübscher und täglich brünetter zur Verwunderung Aller, die die blonden Eltern kannten, von denen er auch nicht einen Zug hatte. Man erbrach sich vergeblich den Kopf, wem er denn eigentlich ähnlich sehe. Heinz wurde ein träumerischer Jüngling. der nichts von dem praktischen Sinn des Vaters, nichts von dem enerqischen. kaltstolzen Wesen der Mutter
verrieth. Sehr früh zeigten sich bei
ihm dichterische Neigungen. Er schrieb schon mit fünfzehn Jahren eine lyrische Dichtung, zu welcher ihm unbewußt Hilda. die so ganz der Prinzessin von
Marnpan" aus einem seiner Äcarchen
büchcr glich, die Anregung gegeben
hatte. An der fast im gleichen Alte?
stehenden Komtesse hing Hein; über-
hapt mit wahrhaft rührender Zärtlich-
keit. ?lbre Mutter war brustleidend.
man suchte das junge Mädchen deshalb
möglichst fern vom ilternyaue zu cai ten. Oft war sie tagelang Irenens
Gast, und in Dieser Äeit erwuchs -in
dem Herzen des romantisch gesinnten Heinz eine leidenschaftliche tiefe Nei-
gung sur das engelgleiche rasenlmo, ein Gefübl. üöer das sich der Knabe
natürlich noch keinerlei Rechenschaft ab
legte. Nur eines wußte er: ai:e seine Gedanken gehörten ihr, in allen seinen Träumen tauchte das hold blonde Köpfchen auf mit den dunklen, von längen Seidcnwimpern beschatteten Augen, in allen seinen manchmal gar
kühnen dichterischen Versuchen war sie und immer wieder sie die Leldin.
Komtesse Silda spielte jetzt sehr gern
mit dem Bürgerlichen." War es auch
nicht mehr die Kautschukpuppe, die sie zusammenführte, so saßen sie oft stundenlang an dem kostbaren Flügel, den Heinrich angeschafft hatte.
Und Heinz' Eltern saßen in einer Ecke des Musiksalons und lauschten
glückselig den Harmomen von Heinz'
uno Hildas Spiel.
V- (Fortsevung diu7 Jj?-sX3 Ssshaft.
Gattin (als beim Souper die Gäste das' Essen sehr eifrig hinunterschlucken): Da schau Männchen. Du bist immer mit meiner Küche nicht zu-
frieden, wie die Gaste mein heutiges
Essen eifrig verspeisen!" G a t t t
Ich glaub's schon, damit sie es hinter
sich haben!"
Wjsl?MdKölW 5 IVyVZMMW.
vandalia kine.
Abgang
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A-lnst Pittöburg Spcl, täglich ,..8 30B New Sork Erpreß täglich 8 6 6 50Lm Schnell Mail täglich.... 8 008m Terre Haute Tffing Ace tag 10 2553 Keyßoae Erpreß täglich äs. Z 5055 Atlantic Erpreß täglich.. 4 45 The m Limited tägl äd 6 45R Pittöb Erb, tägl L d . . . . 6 555k Division.
Kairo & vimen Sxpr täglich 7 SOVrn Spencer & Bedford Ae, tägl. S 458a Sineermes Ezpreß tägl.. 8 505& Vimermes Erpreß tägliche 10 802s Spencer k Vedforo Ue. tägl. 4 453ta Cairo Erpreß täglich S 15B7
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