Indiana Tribüne, Volume 29, Number 79, Indianapolis, Marion County, 24 November 1905 — Page 6

Jndiana Tribüne, 2i. November 1903

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Warum nicht Ihr Heim anziehend machen, durch den Gebrauch eines : : : :

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44 ' 44 44 44 44 44 44 44 m$ tjf 4 44 44 ... ... i 44 Der japanische n Dolizeileutttattt ... -t. ... ... " 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 Ojn einer chinesischen, in See7j mannskreisen besonders belieb- & ten Wirthschaft des Hafenviertels von Aokohaiua, der großen japanischen Seestadt, saß eine zahlreiche internationale Gesellschaft von Offizieren der Handelsmarine. Unter ihnen Georg Berg, ein Hamburger, zur Zeit erster Steuermann des angloindischen Dampfers Seestern," und Franz Wolf, Maschinist desselben Fahrzeuges. Wie dies auf vielen unter britischer Flagge .fahrenden Schiffen neuerdings der Fall ist, bestand auch die ganze' Bemannung des Seesterns," mit Ausnahme seines Kapitäns, des Schotten Mac Gregor, aus Ausländern. Der Maschinist Wolf war ein Balte aus Riga, aber in Deutschland ausgzbildet. hatte in der deutsche Marine gedient und war deutscher Unterthau 'worden. Wie sein Freund und Schiffskanterad Berg schon seit einigen Tagen ihm anmerkte, schien er auch heute Abend wieder von Sorgen bedrückt oder einfach schlecht aufgelegt zu sein, besonders nachdem er, wie es schon öfters geschehen war. wiederum mit dem chinesischen Wirth in einem Nebenraum eine längere, mit leiser Stimme geführte Unterhaltung gehabt hatte. So mußte er, der sonst in diesem Kreise von Berufsgenossen als heiterer Gesellschafter bekannt. und beliebt war, allerlei Hänseleien über sich ergehen lassen, die wohl dazu beitrugen, daß er sein Glas leerte, zahlte und sich kurz emPfahl.' Erst viel später dachte auch Georg Berg an den Heimweg. Groß war daher seine Ueberraschung, als der chinesische Wirth ihm nacheilte und ihm geheimnißvoll zuraunte, sein Kamerad sei noch gar nicht fortgegangen, sondern warte auf ihn in einem Hinterzimme? des weitläufigen Gebäudes. Mit größter Vorsicht geleitete ihn der Chinese, der neben' seiner Gastwirthschaft auch ein Ausstattungsgeschüft mit Waaren aller Art, wie sie Seeleute brauchen, betrieb, durch mehrere Höfe und Waarenspeicher zu dem schon ungeduldig seiner harrenden Maschinisten. Hier wurde ihm eine ganzlich unerwartete Mittheilung, die, ihn zunächst sehr unangenehm berührte. . Der Chinese hatte früher am Amur Handel getrieben und dort viele russische Sibirier kennen gelernt. Bereits seit mehreren Wochen verbarg er in einem sicheren Versteck einen aus einem Gefangenenlager im Inneren Japans 1 entsprungenen russischen Kriegsgefangenen, Mischka R., den Sohn eines reichen Kaufmanns aus Jrkutsk. Als Freiwilliger beim Ausbruch des ruf-sisch-japanischen Krieges in die Armee getreten, war er schon am Dalu in fyt fangenschaft gerathen. Mehr unter dem furchtbaren Druck der geisttödtenden, unerträglichen Langeweile, als wegen allzu strenger Behandlung oder aus patriotischem Freiheitsdrang, hatte er sich an einer Revolte betheiligt. Es war zu einem blutigen Zusammenstoß mit der japanischen Wachtmannschaft gekommen, wobei mehrere Todte auf dem Platze blieben. Während seine Unglücksgenossen vor einem Kriegsgericht dem Todesurtheil oder schweren Gefängnißstrafen entgegensahen, war es Mischka durch einen wunderbaren Zufall gelungen, auszubrechen und in einem fast undurchdringlichen Sumpfdickicht den Verfolgern zunächst zu entgehen. So verzweifelt nun seine Lage schien, hatte er doch den Muth nicht sinken lassen. Irgendwo hatt: er die dürftigen Kleider eines Eingeborenen niedrigen. Standes mitgehen heißen, und mit eiserner Energie die Qualen des Hungers ertragend, hatte er sich während seiner mehrwöchentlichen Wanderung nur von 'Feldfrüchten und wilden Beeren ernährt und alle Ort-' schaften vermieden. So war er endlich bis nach Yokohama, und glücklich unbeachtet zum Hause des Chinesen gekommen, dessen Firma ihm von der sibirischen Heimath her bekannt war. Er wußte, daß dieser, wie alle seine Landsleute, für Geld zu jedem Dienst bereit sein würde. Der Chinese hatt: sich denn auch die sich bietende Gelegen-, heit, ein schönes Stück Geld zu verdienen, nicht, entgehen lassen, da er den Namen des Vaters des jungen Russen als den eines reich begüterten Großkaufmanns wohl kannte. Dieser wjlrde sich sicher für die Errettung des Soh-' ms dankbar erweisen und die von ihm ohne Zögern und Feilschen ausgestellten hohen Wechsel prompt honöriren. Seit Wochen lag nun .der Flüchtling in einem engen Versteck, das von seinem Wirth wohl eigentlich für Schmuggelwaarn eingerichtet worden war, und noch immer hattö sich keine Gelegenheit zu seiner Weiterbeförderung gefunden. Jetzt endlich schien der Seestern" eine solche zu bieten. Der Dampfer, ein ungefüger alter Kasten mit klappriger Maschine, über den schon mancher Taifun weggebraust war, fuhr seit Jahren mit Reis als Hauptfracht von Hinterindien nach Japan und lief dabei nach Bedarf eine ganze Reihe von japanischen, koreani-

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44 44 44 44 44 44 44 44 Grzlilrlung von 45 C h 5?. gabvicc 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44 44' 44 ii , 44 sehen und chinesischen Häfen an. Schiff und Kapitän waren daher in diesen Meeren überall gut bekannt. Nun wies zwar Kapitän MacGregor, ein rauher, kurz angebundener, in seinem Fach aber recht tüchtiger Schiffer, einen gelegentlichen Nebenverdienst keineswegs von der Hand, und wie so viele seiner Kollegen, die sich lange in Ostasien herumgetrieben, beunruhigte ihn dabei auch die moralische oder gesetzliche Seite eines gewagten Unternehmens nicht im Geringsten. Sein echt britischer Hochmuth ließ ihn auf. alle die schlitzäugigen gelben Heiden," wie auf die barbarischen Kosaken" mit der gleichen Verachtung herabblicken. Auf letztere war er sogar besonders schlecht zu sprechen, seitdem er in Wladiwostock einmal wegen einer Schmuggelgeschichte ernste Differenzen mit der Zollbehörde gehabt hatte. Welche aber auch seine sonstigen Fehler sein mochten, auf See betrachtete er sich nur als Werkzeug seines Rheders, für dessen Interessen er ohne Bedenken stets bereit war, Leib und Leben auf's Spiel zu setzen. Gerade deshalb war es daher bei dieser Gelegenheit nicht rathsam, sich an ihn zu wenden. Der Seestern" hatte seit Beginn des Krieges vielfach Transporte für die japanische Regierung ausgeführt, gute Geschäfte damit gemacht, und sein Kapitän mußte so jeden Konflikt mit den Landesbehörden sorgfältig vermeiden. Daher hatte sich der Chinese dem Maschinisten anvertraut und ihm so beweglich die verzweifelte Lage des unglücklichen jungen Russen zu schildern gewußt, daß dieser endlich zu dem Wagniß, ihn außer Landes zu befördern, sich bereit erklärte. Den Flüchtling auf den Dampfer zu bringen, schien leicht genug. Der Kapitän blieb bis zu der für den folgenden Morgen bestimmten Abfahrt in Geschäften an Land. Die Mannschaft bestand, wie bereits erwähnt, meist aus Nichtengländern, aus .Malaien und Laskaren, die kaum einige englische Worte radebrechten und sich in nichts um das Thun und Treiben der europäischen Sahibs kümmerten. Der Führer und Vorarbeiter dieser Leute, der Serang, der an Bord des Seesterns" auch die Obliegenheiten eines zweiten Maschinisten zu erfüllen hatte, war Wolf, der ihn dazu herangebildet, treu und aufrichtig ergeben. Der eigentliche erste Steuermann war in einem südlichen Hafen krank zurückgeblieben, so daß nur Berg, der ursprünglich als zweiter Maat angemustert war, jetzt aber die Stelle des ersten erhalten hatte, für das kühne Unternehmen gewonnen werden mußte. Zunächst freilich gab der Steuermann in der den nautischen Kreisen eigenthümlichen kräftigen Ausdrucksweise feine berechtigte Entrüstung zu erkennen über die Habgier des Chinesen und über die Unvernunft des Kameraden Funkenpuster," und erklärte nachdrücklich, daß er keinerlei Lust verspüre, das Innere eines japanischen Gefängnisses kennen zu lernen. Wolf aber, der sich als halber Landsmann verpflichtet fühlte, das Aeußerste zur Errettung des Russen zu wagen, behauptete fest, daß es einfach nur ihre Christenpflicht fei, den flüchtigen Glaubensgenossen nicht den Händen der Heiden zu überliefern. So blieb dem Steuermann zuletzt doch nichts weiter- übrig, als den dringenden Bitten des alten Kameraden nachzugeben, während er mit ihm an Bord ihres Schiffes zurückkehrte. Waren sie doch auf mancherlei Schiffen seit langen Jahren zusammen gefahren, hatten gemeinschaftlich so manchen übermüthigen Streich am Lande begangen, so manches kecke Wagestück auf See glücklich bestanden, daß er's nicht über das Herz bringen konnte, den treuen Genossen nun bei diesem freilich recht mißlich erscheinenden Abenteuer im Stiche zu lassen. t Der Seestern" lag abseits von dem dichten Mastengewirr der zahlreich im Hafen versammelten Schiffe, ziemlich einsam weit draußen auf der Rhede, die in dieser stillen, mondhellen Nacht im Glanz der zahlreichen Fischerfeuer glitzerte, welche mit dem Schein ihrer Holzfackeln die Fische herbeilocken. Nur von fern blitzten die Mastlaternen und gelegentlich die elektrischen Scheinwerfer einiger weiter nach See im offenen Wasser ankernden japanischen Kriegsfahrzeuge wie drohend und warnend herüber, während die beiden Freunde noch lange auf Deck zusammensaßcn und flüsternd berathschlagten,' wo sie den Flüchtling so unterbringen könnten, daß er sogar der schlauen japanischen Polizei entginge. Endlich einigten sie sich dahin, ihm in der Schiffsmaschine selbst und zwar im Kondensator ein Versteck Herzurichten. Ohne weiteres Eingehen auf technische Einzelheiten sei hier nur gesagt. dc auf Seedampfern der Kondensator dazu dient, aus Seewasser durch Ueberhitzung und Verdampfung SüßWasser herzustellen, und daß dabei ein mächtiger Dampfstrom aus den Kesseln

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in den Konde-nsator und hier durch ein Gewinde von Röhren getrieben wird. Wenn der beim Gebrauch fesigeschraubte schwere Kuppelaufsatz des Kondensators , hochgehißt ist, können diese Röhren herausgenommen werden und es entsteht so ein cylinderförmiger Hohlraum von etwa zwei Meter Höhe bei dreiviertel Meter Durchmesser. Steht die Maschine nicht im Betrieb, kann jeder Zutritt von Dampf und Wasser aus. der Leitung durch Ventilhähn: abgesperrt werden. Unter dem Vorwand einer vom Kapitän befohlenen Prüfung des Kondenfators ließ der Maschinist sofort den wuchtigen, schweren Kuppelaufsatz abschrauben und mittelst stählerner Flaschenzüge hochhissen. Die alsdann heimlich herausgenommenen Röhren verbarg er sorgfältig unter anderen Mas chinenres ervetheilen. Kaum- waren diese Vorbereitungen beendet, als das über der mondbeglänzten Bai lagernde Schweigen durch den Anruf derTeckwache: Boot ahoi!" unterbrochen wurde. Die patrouillirenden Hafenwachtboote hatten glücklicherweise die kleine Jolle nicht weiter beachtet, die ein im Hintertheil stehender Chinese mittelst eines über das Heck gelegten Riemens schnell und lautlos vorwärts trieb, um, wie es schien, einen europäischen Matrosen an Bord seines Schiffes zu bringen. Der größte Theil der Mannschaft des Seesterns" hatte Landurlaub, und daß auch die Schiffswache reichlich mit Rum versehen sei, dafür hatte der Steuermann selbst gesorgt. So war es leicht, den Flüchtling, einen großen, hageren Mann in einem gestreiften Flanellanzug, mit verwildertem Bart und einem eingefallenen, von Wind und Wetter so verbrannten Gesicht, daß es die Farbe von polirtem, nachgedunkeltem Mahagoni angenommen hatte, unbemerkt von der Mannschaft in den Maschinenraum zu befördern. Als ein weit schwierigeres Stück Arbeit erwies es sich dagegen, nur unter Beihilfe des willigen, verschwiegenen Serangs, den schweren Kuppelaufsatz, nachdem der Russe sich auf die Maschinenbasis gestellt hatte, vorsichtig niederzulassen und über ihn festzuschrauben. Das oberhalb des Kondensators angebrachte SicherheitsVentil hatte der Maschinist schon vorher entfernt, um durch diese enge und von innen durch eine Klappe leicht zu schließende Oeffnung dem Eingeschlossenen frische Luft und später auch Nahrung zuzuführen. Als beim Morgengrauen die farbigen Feuerleute im Maschinenraum erschienen, fanden sie schon den Maschinisten dort beschäftigt, der ihnen fluchend durch den Serang erklären ließ, wie er die Kuppel allein habe herablassen und festmachen müssen, da der Kapitän nicht gerne das schwere Stück, das bei unerwarteten Schlingerbewegungen - die Sicherheit des Schiffes gefährden könne, eine ganze Nacht in der Schwebe aufgehißt lasse. Nach altbewährter Methode und mit den gewohnten Kraftausdrücken trieb er die von ihrem Landaufenthalt übermüdeten, mürrischen Leute dann unverzüglich an, die Kuppel mittelst vorgeschobener Bolzen zu sichern und durch einen starken, an den Verschraubungen reichlich mit Bleiweiß beschmierten Asbestschlauch mit dem Dampfrohr der Leitung zu verbinden, überhaupt den Kondensator zum sofortigen Gebrauch festzustellen. Keiner der Matrosen ahnte, daß innen die Röhren entfernt seien und ein russischer Kriegsgefangener ihre Stelle eingenommen habe. Früh am Morgen kam die Polizei und die Zollbehörde an Bord. Ohne sich um das unhöfliche, fast brutale Benehmen des Kapitäns MacGregor zu bekümmern, der sich bewußt war, keinerlei Kriegskontrebande zu führen und deshalb nach Herzenslust über den zwecklosen Zeitverlust wetterte, durchsuchten die Japaner den Seestern," wie alle anderen auslaufenden Schiffe, auf das Sorgfältigste von einem Ende zum anderen. Dann erst durfte der Lootse, der den Dampfer in die Bai und durch die jetzt stark befestigte, schwer zu passirende Straße von Uraga, welche die tief in's Land einschneidende Bucht von Tokio mit dem Ozean verbindet, bis zum offenen Fahrwasser hinausgeleiten sollte, das Signal Anker auf!" geben und das Schiff seine Reise antreten. Am Ausgang der Bai stand eine schwere See. Mit dumpfem Anprall schlugen die mächtigen Wogen gegen das schwer arbeitende Schiff, um in brausenden, weißleuchtendcn Schaummassen 'wieder zurückzustürzen. Der alte (eestern" stampfte und rollte furchtbar. Das Deck des Schiffes war bei jedem Ueberholen nach Lee so steil wie ein Hausdach; die Leute am Ruder mußten ' festgebunden werden. Unter diesen Umständen schien es gänzlich ausgeschlossen, den Kondensatoraufsatz zu heben, da er ebenso leicht an der Maschine etwas zerschmettern wie den Gefangenen treffen und tödten konnte. So war es seinen Helfern zunächst unmöglich, ihn. wie sie beabsichtigt hatten, sobald sie auf hoher See seien, aus seinem engen, unbequemen Behälter zu befreien und ihn in einer nur ihnen zugänglichen Vorrathskammer neben ihren Kabinen einzuquartiren. Als der Steuermann ihm in der Nacht einige Nahrung durch die Ventilklappe schob, versuchte er ihm die Sachlage zu erklären. Zwar konnte er nur wenige russische Worte und Mischka verstand kein Wort Englisch,

begriff ader doch, daß er roohl oder

übel aushalten müsse und schien sich muthig und gefaßt in die schlimme Lage zu fügen. Erst am folgenden Nachmittag flaute der Wind ab. Der vorher so krause Seegang wurde glatt, und der Dampfer glitt ruhiger und stetiger über die in langgestreckten, flachen Hügeln daherrollende Dünung. In der Nacht konnten endlich die zwei Offiziere sich an die Arbeit machen, unter Beihilfe des Serangs den Russen herauszulassen, den sie in erbarmungswürdigem Zustand vorfanden. Die Seekrankheit hatte dem Unglücklichen sehr zugesetzt, die von den Kesseln ausstrahlende Hitze ihn fast geröstet. Trotz reichlichen kalten Wassers, einer kräftigen Mahlzeit und frischer Kleider, bedurfte er'mehrere? Stunden sorgfältigsier Pflege, ehe er sich etwas erholte. Indessen gltt: der Dampfer stetig auf seinem Kurse vorwärts. Die Küste von Korea kam in Sicht, und bald lief der Seestern" in die von malerischen Hügeln umschlossene Bucht von Fusan ein. Zwischen all den koreanischen Strohhütten der reizend gelegenen kleinen Hafenstadt erhoben sich nur wenige japanische Holzhäuser und einige erst seit dem Kriege errichtete, ganz europäisch nüchterne, massive Armcemagazine. Schon bei der Einfahrt hatte der Steuermann festgestellt, daß auf der Rhede lein javanisches Kriegsfahrzeug liege, und von den koreanischen Behörden hatte Mischka keinerlei Belästigung zu befürchten. Eine beträchtliche Menge Fracht erwartete hier den Seestern," der auch noch Kohlen einzunehmen hatte. Bald rasselte das Dampfspill vorne, klapperten und bockten die Winden und waren chinesische Kulis als Schauerleute und Kohlentrimmer in eifrigster Thätigkeit. 'Die Ueberwachung der Manöver und Ladearbeiten nahm die Aufmerksamkeit des wachehabenden Steuermanns ganz in Anspruch. Staub, Lärm, Schmutz waren auf voller Höhe. Plötzlich erschien der Steward auf der Kommandobrücke und meldete, daß er, wie er im Vorbeigehen zufällig in den Maschinenraum hineinblickte, dort einen fremden Herrn bemerkt habe, der überall zwischen den Maschinen herumsteige und alles genau zu prüfen scheine. Auch der Maschinist, der eben frische Luft an Deck schöpfte, hatte die bedenkliche Meldung vernonimen, und da ihn nichts so seh? ärgern konnte, wie ein Eindringen Unberufener in sein dunkles, heißes Herrschergebiet, schimpfte er nicht schlecht, als er mit dem Steuermann sofort hinuntereilte. Wie aber verwünschten beide innerlich ihr böses Geschick, als ihnen hier ein elegant gekleideter japanischer Herr entgegentrat, der sich ihnen höflich als Polizeileutnant und Passagier an Bord des .Seesterns" bis Hongkong vorstellte. Mit gefälliger Verbeugung bat er lebhaft um Entschuldigung, daß er die Maschinen ohne besondere Erlaubniß besichtigt habe. Offenbar verstand er sich auf die maschinellen Einrichtungen eines modernen Seedampfers recht wohl. Besonders aber schien der Kondensator sein Interesse zu erregen, dessen Kuppelaufsatz man in der Hast der Arbeit noch nicht wieder festgemacht hatte. Steuermann wie Maschinist konnten ihre Verwirrung nicht .verbergen, als der Japaner plötzlich nach den fehlenden Röhren fragte. Jener aber schien nichts davon zu bemerken, sondern hörte sehr ruhig und mit leichtem Lächeln ihre ziemlich wunderlich lautenden Erklärungen über das nothwendig gewordene Auseinandernehmen der Maschine an. Nachdem er diese 'mit einem kaum bemerkbaren Zug des Mißvergnügens in seinem gelblichen Gesicht nochmals eingehend von allen Seiten gemustert hatte, murmelte er nachdenklich halblaut vor sich hin: Also der Vogü ist schon ausgeflogen?" Dann, mit der 'leichten Gewandtheit des vollendeten Weltmannis sich abermals kurz , verbeugend, stieg er ohne weitere Bemerkungen schnell die eiserne Leiter auf Deck hinauf und ließ sich von einem einheimischen Boot.an's Land setzen, während die beiden Schiffsoffiziere an der Reeling lehnten und ihm in großter Aufregung rathlos nachschauten. Jetzt befand man sich allerdings in einer sehr kritischen 'Lage. Es war klar, man hegte Verdacht gegen den Seesiern." Irgend Jemand mußte geplaudert haben. Die koreanische Hafenbehörde würde sich nicht an ein britisches Schi?f heranwagen. Faul jedoch sah die Sache aus, aber sehr, wenn sie auf See von einem japanischen Kriegsschiff angehalten wurden. (Schluß folgt.) Die b u r g u n d i s ch e n Schnecken, ein Leckerbissen der Pariser, werden so selten, daß eine vierteljährliche Schonzeit für dieselben eingeführt werden mußte. Washington hinterließ ein auf $800,009 bewertetes Besitzthum; so viel soll kein anderer Präsident der Ver. Staaten nach ihm mehr hinterlassen haben. W e r't h v 0 l l e r Fund. In Stillfried, Niederösterreich, wurde b:im Graben eines Kellers ein Mammuthsioßzahn gefunden, der gut erhalten j und von seltener Größe ist. Seine Länge beträgt 4 Fuß 7 Zoll und d:r Umfang 1 Fuß 4 Zoll.

Die ttalkttne. Nachdem cs der Anti Canteen League" gelungen war, ihre beschränkten und engherzigen Ansichten dem Kongreß un,) dadurch auch üzx Armee aufzudrängen, wurde das Resultat als ein Triumph der Prohibition angesehen. Aber wie bei manchen anderenMißbräuchen temporärer Gewalt war die Wirkung nicht die erwartete. Der Senator Gallagher und seine Liga haben das Aeußerste versucht und glücklicherdeise für die Sache .der Mäßigkeit einen Rückschlag veranlaßt, welcher jetzt eine vernünftige Gesetzgebung hervorrufen kann . Wie allgemein dieser Rückschlag ist, erhellt am besten aus dem Umstand, daß von .drei verschiedenen Punkten aus eine Reformbewegung in's Leben gerufen wurde. Erstens ist die Armee entschieden zu Gunsten der Kantine. Die Behauptung btx Temperenzler,, daß die Offiziere selbst dem Trunk huldigen, ihr Urtheil mithin keinen Werth habe, ist durchaus hinfällig. Die Offiziere haben alle Ursache, sich mit fcen Vorschriften des Kongresses nicht in Widerspruch zu setzen und sie haben ferner ein Interesse daran, solche Maßregeln zu befürworten, welche ihnen die Konirolle und den Einfluß über die Mannschaft sichern. Dazu kommt, aß es die Befehlshaber der Truppen nicht allein sind, welche die Wiedereinführung der Kantine befürworten; sie werden von den Militärärzten unterstützt und Niemanid wird behaupten wollen, daß diese Aerzte dem Trunk huldigen und die Soldaten dazu verführen. Zweitens kommt das Borgehen des Kommissärs für die Inlandsteuern in Betracht, welcher angeordnet hat, daß für Patentmedi'zinen. welche einen außergewöhnlichen Zusatz von Alkohol enthalten, die übliche Steuer entrichtet werden muß. Solche Patentmedizinen werten semfach als alkoholisch: Getränke angesehen, die unter einer Maske verkauft und gerade von den Tempennzlern mit Vergnügen konsumirt werden. Zwischen beiden Bewegungen besieht natürlich kein: Verbindung, ausgenommen die, daß über eine Sache, die bisher durch Heu- -chelei und Vorurtheile verdunkelt wurde, etwas mehr Licht verbreitet wird. Drittens werden dem vertrauensvollen Publikum die Augen darüber geöffnet, wie die Wasserheiligen es durch den Ruf: Haltet den Dieb!" irre zu führen suchen. Man wird finden, daß die lautesten Schreier nur die Aufmerksamkcit von' jenen Mitteln abzulenken suchen, die infolge reichlichen Gehalts von Alkohol zwar auch nur Reizmittel, keine Medizin sind, aber unter einem hochtrabenden Namen ihre wahre Gestalt zu verbergen suchen. Die Zeit scheint nicht mehr fern zu sein, in welcher der ehrliche Geschäftsmann,. welcher das verkauft, was er anzeigt, endlich zu seinem Recht kommt.

Zu der Mordthat in München, wo, wie wir bereits meldeten, die Wittwe des Oberamtsrichters Radlinger ermordet wurde, wird noch folgendes geschrieben: Nach den bisherigen Erhebungen ist festgestellt, daß Frau Radlinger am Sonntag früh 8 Uhr von einem etwa 21 bis 25 Jahre alten Mann mit grauem Rad-Lodenmantel und grünem Hut besucht wurde. Sie unterhielt sich zuerst durch das Fenster der Magdkammer, das auf den Hausgang führt, mit dem Burschen. Dort soll ihr dieser einen Zettel gezeigt habcn, worauf ihm die Frau die Thür öffnete, und obwohl sie nur ncthdürftig bekleidet war, mit dem Burschen in den Keller hinabstieg. Man oermuthet. daß sie einen vor einiger Zeit zum Verkaufe ausgeschriebenen eisernen Ofen besichtigen lassen wcllte. Wenige Schritte von der Kellertreppe entfernt scheint die Frau von d?m Vrschen überfallen worden zu sein. Das Vorhängeschloß befand sich noch am Eingangsgitter der zu ihrer Wohnung gehörigen Kellerabtheilung. Es scheint also, daß die beiden die Kellerabtheilung gar nicht betreten haben, und die Frau vorher schon vom Mörder den tödtlichcn Stich erhielt. Wenige Schritte von der Kellersiiege entfernt, lagen die Hausschuhe der Frau, die sie scheinbar nach der ihr zugefügten Äerletzung. um in der Verfolgung des Thäters nicht gehindert zu sein, eiligst abgestreift hat, und den Burschen noch über die Kellerstiege herauf bis zum Hausgang verfolgte. Sie rief hierbei laut um Hilfe und stieß fortwährend Schmerzensrufe aus. Eine im Parterre des Hauseö wohnende Frau, die. wie die gesammten Hausbewohner, die gellenden Hilferufe der Frau vernahm, sprang sofort in denHausgang hinaus, worauf ihr Frau Radlinger noch zurief: Der hat mir was gethan!" Die Frau sah auch gerade noch den Thäter, wie er raschen Laufes den Hausgang passirte und dann auf die Straße eilte. Eine spätere Meldung lautet: Der Mörder der Frau Radlinger in München verhaftet. Der Thäter ist in der Person des stellenlosen Jnstallateurs festgenommen worden. Die deutsche Reichsregierung erklärte sich einverstanden mit der vom schweizerischen Bundesrath vorgeschlagenen Einberufung einer diplomatlschen Konferenz, zur Umwandlung der Beschlüsse der Berner Arbei-terschutz-Kcnferenz in international: Staatsverträge. Von der französischen Regierung ist die gleiche Zusage gemacht worden.

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