Indiana Tribüne, Volume 29, Number 79, Indianapolis, Marion County, 24 November 1905 — Page 5
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j Der Dmnmcrle j Skizze von Hermine Villinger i : t (Schluß.) ÄW Sehr sehr gut." kam es begeisiert über AnnZes Lippen. . So, so!" Die alte Frau sah gauz beunruhigt drein. Plötzlich wandte sie sich an den Sohn: .Jetzt nur nicht eingebildet werden, ich sag Dir's. nimm .Dich zusammen! Er ist einmal eingibildet gewesen." erzählte sie, .damals, als er von München gekommen ist. Ich hab ihn nimm gekannt. Thut nix und legt sich in Wald, streckt alle viere von sich und kommt nicht zum Essen heim. Ich ftfe und wart, 's verbrotzelt alles. Ich hol ihn. ,Was soll denn das heißen,' frag ich. .keine Zeit nicht einhalten?' , Mutter sagt er. .das ist ja alles einerlei, der Mensch muß seine Freiheit haben.' Da hab ich ihn aber kurios angeschaut! .Und meine Freiheit sag ich, .bin ich nicht auch ein Mensch?' Wenn ich warten soll und meine eit verlieren wo bleibt 's dann mit meiner Freiheit? Wo ging's mit der Ordnung auf dem Erdboden mit solchen Grundsatz?' Ich hab ,hn wieder auf den rechten Weg gebracbt, aber seither halt ich ihn streng, damtt ihn nicht wieder eine Einbildung ankommt. Der Mensch, soll immer denken: ich bin noch lang nicht recht." Sie erhob sich: Jetzt will ich aber einen nuten Kaffee kochen mit einem Rähmle darauf halt ich, das ist mir 's Höchst " Sie ging in's Haus und kam gleich darauf mit einem Kord zurück, oen ue dem Sobn binhielt. . Geh zum Bäck und hol ein Laible Weißbrot und frische Butter nicht, daß. Du wieder was anderes bringst denkt auch." wandte sie sich an Annie. .er bat mir schon unterwegs alles au rn Körble verloren. So ist er. Vaßt ein wenig auf "
Annie nickte und schloß sich dem Annie trat in die Stube. Wie wohlProfessor, der den Korb auf dem bekannt war ihr der belle, freundliche
Rücken trug. an. Eine ganze Weile gingen sie, ohne zu sprechen, nebeneinander her. .Was will sie hier?" Etwas andcres fragte er sich nicht. VntrS cr'Z mi f nftmtr 2U Trt IVItV VI H UU UllltVIt t vrum drehten sich ihre Gedanken. Plötzlich stieß er hervor: Sie sehen ich bin ein Bauer 7- hier, hier m meine Berge gehöre ich m dies einfache, zwanglose Leben das ist ja alles so' ganz anders, wie Sie es brauchen Ich hab es mir ja immer gesagt verlier den Kopf nicht, Mensch so, so mit beiden Fäusten ein Kampf war's es ist ja unmöglich es ist ganz unmöglich hören Sie hören Sie?" .Da müßte ich ia taub sein, meinte sie. Nun.' da haben Sie's, ich bin ein Bauer." . Sie war so froh. Wie eine Erlöste athmete sie auf. Gottlob, da war er schon mitten in der Sache, um die es sich handelte, und ihr blieb jede Erklärang erspart, warum sie gekommen I war. Sie standen vor dem Bäckerladen. Er trat ein, sah sich aber schon im nächsten Auaeubllck wie hilflos nach der ihm s folgenden Annie um, als der Bäcker nach seinen Wünschen fragte. Sie kam ihm zu Hilfe und verlangte ein Laibchen Weißbrot und frische Butter. Der Bäck holte das Verlangte herbei und gab dem Professor einen tüchtigen SÄlaq auf die Schulter: Jetzt freut mich's nur. daß Ihr endlich einen SÄatz habt, der wtfß, was Ihr ' Hochrot eilten die beiden aus dem Laden, und der. Prosen or. als scheue er das Sonnenlicht, bog eilig in den schmalen, tiefschattiaen Waldweg em. der sich hinter dem Bäckerhaus in die fieße schlänaelte. Wie gejagt stiegen sie den schmalen Pfad entlang, Annie voraus. Sie brauchte nicht umzusehen, sie wußte, der Professor hatte, wie es ihn, so oft schab, den Kopf verloren. Da mußte man ihm Zeit lassen. Ihr war, als habe sie Flügel sie sah alles kommen ' Plötzlich blieb der Professor stehen: Wir müssen umkehren " Nein, nein." fiel sie ihm in die Rede, wir wollen weiter gehen Und die Mutter." sagte er. .Sie wissen doch, daß sie wartet? Das macht doch nichts." meinte sie. Er kehrte um. rasch, brüsk, und ging den Weg zurück, ohne sich mehr um sie zu kümmern. Annie folgte ihm. Sie " m mm m war erstaunt, sie begriff ihn Nicht. Er fuhr sich m den Haarwisch: Da war es wieder," stieß er hervor, das Verschiedene das das " Er unterbrach sich:Jch war zum erstenmal in dem Haus Ihrer Mutter da hat sie mir nachgerufen: .Ich J ' . komme im Laus oes Morgens ooer oes Nachmittags auf Ihr Atelier' Ich bin so einer, ich hab das nicht, das Richte alles stört mich, bringt mich um meine Stimmung Ich konnte nichts Rechtes thun damals, hielt mich an Nebensächliches ich fürchtete, bei Wichtigem unterbrochen zu werden So verlor ich meinen Tag. Ihn Mutitr kam nickt. Ich hab das oft, nur zu oft von den Leuten aus Ihren Kreisen r "! fT R. tokStT. CXf CHyTCn MUllCU ll& vilu
was Arbeit ist sie lernen es nie sie denken nur cn sich Und Sie auch." polterte er' noch heftiger hervor. Sie hätten die Mutter warten lassen ' ja, ja Sie wissen das ja gar nicht anders Man braucht ja nur zu sehen, wie es bei Ihnen zugeht Und ich. so schwerfällig, so plump Sie müßten sich ja meiner schämen Sehen Sie, und das hielt ich nicht aus Und darum es war nicht gut, daß Sie gekommen sind Es ist ja unmöglich Im Traum, da hab ich's erlebt ich stand vor meiner Staffelei. und nichts, nichts wollte mir gelingen warum? Um mich -her war alles Pracht und , Herrlichkeit ,' das erdrückte mich das wie eine Lähmung war's, ich " Er schwieg einen Augenblick, dann sprach er -ruhiger, in gefaßtem Ton: .Ich denke nicht nur an mich Ich will Jbnen nur vorhalten, was ich für einer bin daß mit mir nichts zu machen ist. Und ich darum kein Glück für Sie sehe. ' Das geht mir gegen's Gewissen." Auf das Tiefste betroffen schritt Annie neben ihm her. Der einzige Mensch auf der Welt, den sie in's Herz geschlossen, so tief, daß sie ihn nicht mehr lassen konnte, wehrte sich gegen ihre Liebe. Sie schämte sich plötzlich ihres unbedachten Schrittes die Vielumworbene, Vielbegehrte hatte geglaubt, nur die Hand ausstrecken zu
brauchen. Und nun? Nun kamen ihr Zweifel, und mit ihnen schwand die Sicherheit aus ihrem Innern. Sie sah, das war ja nicht so leicht, sie stan den jeder in einer andern Welt, und er wollte von der ihren nichts wissen. Sie hatte geträumt von einer Zukunft des Glücks, daß dieser Mann sie erlösen würde aus einem Daiein.r Gih unh Langweile Nun sah diese Zukunft sie mit einem Mal mit den ernstesten Äugen an. Stumm und in sich versunken näherten sich die beiden dem kleinen Haus Mlt dem rothen Dach. Die Muiie stand unter der Thür und sah ihnen entaeaen. Gottlob, daß Ihr's Körble tragt." nickte sie Annie zu, jetzt bin ich ruhig. Kommt rern. Raum mit den Gcranienstöcken an den Fenstern und den dstbaumen oraußen. Auf den Kasfeetisch mit dem wei-, ßen Tischtuch und den weißen Tassen fiel ein heller Sonnenstrahl. - Die Mutter brachte den Kaffee herein, frischen Honig und schnitt das Brot. Dabei sah sie recht wohl, wie verändert die Mienen d?r beiden waren, und dachte sich ihr Theil. Nachher." sagte sie zu Annie, müßt Ihr Euch auch mein Gärtle anschauen. Er wu, daß ich den Gemushanöei aus geb. ich thu's aber nicht. . Es glückt mir alles, und von seinem Glück muß der Mensch nicht lassen. Der Weg ist schlecht zur Bahn. sagte der Sohn. Ihr müht Euch ab. Mutter Ach." fiel sie ihm in's Wort, der Weg und ich sind gute Freund. Ich kann mir ja den Bub drüben mitneh men, wenn mir's zu viel wird." Sie lachte: Gelt, Tu meinst. Du wärst mir eine Hilf gewesen, damals, wie wir den Weg noch miteinander gemacht haben? Ja. das war eine Hilf " wandte r r r m r l r Y lic ucy an nnme. eim uluniersayren hat er sich hinten an's Wägele gehängt, und beim Zurückfahren hat er nicht geruht: Mutter, Ihr mußt aussttzen Und was thut man, nicht, einen Stolz hat er gehabt wie ein König, aber in jeden Graben hat er mich geschmissen, 's wundert mich heut noch, daß ich da mals nicht Arm und Bein gebrochen hab. Jetzt fchau nur ein Mensch, un terbrach sie sich, wie er wieder den Ho nig ißt. 's ganz frisch Tischtuch tröpfelt er mir voll Du kannst mir's bei Gott nicht übelnehmen, daß ich Dich bis auf die heutig Stund noch Tum merle ichelt Ich nehm's Euch auch nicht übel. Mutter, sagte er Annie hatte ihm den Löffel aus der Hand genommen und zeigte ihm, wie der Honig gefahrlos auf den Teller zu bringen fei. Er versuchte das Kunst? stuckchen ein paarmal, bis es ihm ge lang. Das freute ihn fo, daß er ganz vergnügt aufblickte. Da gewahrte er. Annie hatte wieder ihre glänzenden Augen, diese glänzenden, lachenden Augen, mit denen sie ihn im Atelier anblickte, wenn er - über irgendeine Dummheit den Kopf verlor. Ja. wie wird's denn nun." fragte er sich, was wird daraus? Aber die Harmonie dieses traulichen Raums, das heitere Erzählen der Mut ter. ihr eifriges Nöthigen zum Essen. daß sie beide immerfort zugreifen mußten, um ihr Mißfallen nicht zu erregen. all das beruhigte mehr und mehr den I t 9 m ä. slurm in einem Innern. lötx Annie ging die Wandlung noch schneller vor sich. Angst und Zweifel hatten sie verlassen, sie war sich wieder klar. Der blonde Mensch ihr gegenüber, dieser demüthige Mensch, der sich ausschelten ließ wie ein Kind und doch Ir II , V Y1 .! Ylt . ff jo iroig ieoe uns neiauyum von )iq wies, weil es. ihm gegen 's Gewissen ging den lassen?... Es überkam sie eine Munterkeit wie nie in ihrem Leben. Sie suchte seinen Blick, er floh den ihren, und doch, unwillkürlich, ihr Lachen riß ihn hin Sie war voll Anmuth Er hatte sie nie so reizend gesehen Nachdem sie das eine Weile so geirieben, meinte die Mutter plötzlich, indem I (ii'fi.tSA Ol 5 S. 4a ftmm4. l 44- tu v. wiuiu um 1114.
Ihr macht - mir nix weis,- Ihr . seid
einig." Mlt einem leisen Auslachen bedeckte Annie das Gesicht mit den Händen, während der Professor angelegcrtlich mit dem Finger lange Streifen über den Tisch zog. Wird's bald." stieß ihn die Mutter an. warum redst nicht? Ich wett, ich wett, da ist wieder eine Dummheit im Spiel Du siehst mir gerad so aus " Mutter!" Er fuhr sich durch den Haarschopf. lachte plötzlich laut auf und lief, hochroth im Gesicht, ohne noch einen Blick auf Annie zu werfen, zur Thür hinaus. Was zwischen Euch ist. möcht ich wissen,- wandte sich die alte Frau an Annie, warum kommt er nicht einfach mit der Sprach raus?" Es ist eben nicht so einfach." gab ihr Annie etwas zögernd zur Antwort, er ist Nicht damit einverstanden Sie suchte nach. Worten: Es sei gegen sein Gewinn ein Mädchen zu heirathen mit Vermögen " Sie athmete auf. Hab mir's doch gleich gedacht, 's ist wieder eine Dummheit im Spiel," meinte Frau Herb. Wenn Ihr Vermögen habt, damit ist noch lang nicht gesagt, daß er weniger hat. Seit er malt und was verdient, hat er mir so viel Geld geschickt, daß ich's nicht hätt verbrauchen können. Alles hab ich angelegt, und vom Gemüshandel fallt auch jedes Jahr was ab." Sie faßen sich gegenüber, die ali; abgearbeitete Bäuerin und da? schlanke, junge Stadtkind mit seinem schmalen Gesicht. . . Ihr gefallt mir." fuhr die Alte zu sprechen fort. Ihr habt keinen Hoch muth, obwohl Jhr's gewiß fein daheim habt denn so Händ hat man nicht, wenn man schafft. Und daß Jhr's Körble heimtragen habt und 's ihn so schön gelehrt Honig essen, das hat mir auch gefallen. Da hab ich mir gesagt: die hilft ihm. Kann ich mich darauf verlassen, daß Ihr ihm immer helfen werdet, wenn's ihm schwer wird, mit der Erstes rauszukmman?" Die alte Frau rückte ihr näher: Ich hab's immer gewußt, wie er noch klein war in dem Bub steckt was. Er hat fast nie ein Wort geredet, aber immer geschaut. Ich hab oft gesagt: .Bub, Tu quckscht mir noch em Loch m die Welt.' Damals schon hab ich den Gemüöhandel angefangen und jeden Pfennia zurückaeleqt. Wie dann die Zeit gekommen ist. hab ich ihm gottlob helfen können knapp freilich, arg knarv. Jetzt aber kann ich sagen. er bat ein schön's Vermögele Ihr werdet horchen fünftausend Mark! Er wein rnr davon. Ich hab's hinter seinem Rücken zusammengespart. Denn 's Rechnen, ich darf's Euch Nicht ver hehlen, versteht er heut noch nicht. Gott weiß, wo er das her hat! Sein Vater hat den Pfennig dreimal rumgedreht, ich dreh ihn viermal rum. Er hat keine Lieb zum Geld. ' Em arger Makel sonst ischt er brav." Sie hatte die letzten Worte mühsam hervorgestoßen, als schäme sie sich des Lobes, das sie dem Sohne zollte. Gewiß, gewiß," versprach Annie. , Sie erhrb sich; ste drückte die arbeitsharte Hand der alten Frau; : sie hätte sie gern geküßt, diese brave, nimmermüde Hand. Aber sie wagte es nicht. Darf ich wiederkommen? fragte sie. Freilich." nickte die Alte, bis mor. gen hab ich ihm den Kopf gewaschen. Ihr könnt ruhig sein. Jesses'Gott." seufzte sie auf und faltete die Hände. jetzt ist er neununddreißig, und ich muß noch grad auf ihn neinschwätzen, wie wenn er sechse wär. 's gibt Leute, die werden nie gescheit." Vielleicht sind das die besten," meinte Annie. Ter Professor saß unter demAhorn bäum. Er sah bewegt und doch auch wieder heiter aus, als Annie auf ihn zutrat. Schweigend schlugen sie den Weg zum Gasthaus hinunter ein. Es dämmerte. Plötzlich blieben sie stehen, sahen sich an und lächelten. Sprechen konnten sie nicht. Er zog nur leise ihren Arm in den seinen, und sie fühlte, wie ihm das Herz klopfte, wie tief bewegt e, war. Lag er wieder im Kampf mit seinem Gewissen? Da fiel ihr ein. die Mutter hatte ih, gesagt, helfen solle sie. ihm, wenn ihm die Worte fehlten. Und obaleich ihr die Stimme bebte. sprach sie muthig darauf los: Dadrir. bei Ihrer Mutter da bm ich irni klar geworden. Sie hatten mich mii Ihrer Angst angesteckt ich dachst wirklich ja einen Augenblick dachte ich die Kluft zwischen uns sei unüberbrückbar Als Sie dann abei so schön und schnell Honig essen lern ten Sehen Sie, da wußte ich mit einem Mal: so können wir es ja immer halten voneinander lernen. Ich habe sehr viel gelernt auf unserm Wege zum Bäcker sehr viel und wenn wii das immer so machten immerzu, bis alle Hindernisse zwischen uns uberwun den sind wäre, das nicht eine Auf gäbe, die die mein Leben hat ja doch erst angefangen in Ihrem Atelie, wer ist also von uns beiden der Ge bende?" ' O das freudige Erstaunen, dit Glückseligkeit, die seinen Augen ent strahlte ..Ja, ja wenn das so ist stotterte er. Dummerle,- flüsterte sie in seinen Armen.
Ceremonie!! bei Friedensschlüssen. Im Hinblick auf bin jüngsten Friedensschluß in Portsmouth. N. H.. frischt ein holländisches Blatt einige Ermnerungen an die mehr oder wemger lächerlichen Formalitäten auf. die im gegenseitigen Verkehr der Diplomaten bei früheren Friedensschlüssen gang und gäbe waren. - Ueber den Friedensvertrag, der endlich im Jahre 1678 in Nimwegen, Holland, zu Stande kam, war volle vier Jahre verhandelt worden. Ueber den Ort der Zusammenkunft stritt man sich ebenso lange hin.und her. wie über die Sprache oder die Sprachen, in denen der ZZriedensvertrag aufgesetzt werden sollte; eine überaus wichtige Rolle spielte die Frage, welcher Staat
durch seinen Vertreter zuerst die Schwelle des Sitzungssaales überschreiten durfte, von welcher Seite und durch welche Thür dies zu geschehen hätte, und wie schließlich das Friedensinsirument unterzeichnet werden solle, wer zuerst seinen Namen niederschreiben durfte, ob die einzelnen Namen nebeneinander oder untereinander zu stehen hätten. Lange Uebung und Tradition wußten aber bald die Mittel zu finden, um derartige Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen. Nach dem Wegfall der lateinischen Sprache als Verhandlungs- und Protokollspräche trat das Französische an ihre Stelle; später verfiel man auf das Auskunftsmittel, ebenso viele Exemplare des Friedensvertrags auszufertigen, als Parteien waren, zwischen denen verhandelt wurde, so daß jede Partei das in ihrer Sprache aufgesetzte Protokoll zuerst unterzeichnen konnte, wodurch der Streit um den Vorrang von selbst gegenstandslos wurde. Beim Friedensschlüsse vou Ryswyk. Holland, im Jahre 1697 kamen die Bevollmächtigten der Allianzmächte, also der von England, den Niederlanden, dem Deutschen Reich und Spanien. im Haag, diejenigen Frankreichs in Delft zusammen; das Lustschloß in Ryswyk, wo die Verhandlungen stattfanden, lag ungefähr in der Mitte zwischen beiden Städten, so daß keine Partei einen längern Weg zurückzulegen hatte als die andere.' . Mitten im großen Saal des Schlotes hatte oer Bevollmächtigte des Königs von Schweden, als des Friedensvermittlers, Platz genommen. Er war durch das Hauptportal eingetreten. Die Bcvollmüchtigten der Bundesgenossen, die aus dem Haag kamen, hielten ihren Einzug über die Brücke am rechten Flügel des Schlosses, während die aus Delft kommenden franzopMen Ge sandten im linken Flügel des Schlosses eintraten, wo sie genau die gleiche Brücke.- die gleiche Allee und das gleiche Vortag wie am rechten Flügel, fanden. Der Haupt-Gejandte des oeutscven Kaisers machte keine Schwierigkeiten. dem Haupt-Bevollmachtigten des Romas von Frankreich entgegenzugehen; er that dies aber in demselben Schritttemvo.in welchem der letztere den Ab stand zwischen sich und dem kaiserlichen Gesandten verminderte. Tagelang wurde in Ryswyk über die jedem Gesandten zu gestattende Anzahl Wagen, Pferde, Pagen und Lakaien berath schlagt; auch die Frage, ob die Bedien ten Stöcke, Degen und Pistolen tragen durften, kostete viel Kopfzerbrechen, ebenso, welche Gesandten auf der Straße zur Rechten gehen dursten. Der Hauptvertreter des Deutschen Reiches weigerte sich, ein in französischer Sprache abgefaßtes Schreiben des Ko nias Ludwig XIV. entgegenzunehmen. ehe dieses in's Lateinische übersetzt worden war. Als man endlich in allen Punkten einig geworden war. wurde noch stundenlang über die Frage gestritten, welcher von den drei Bertra gen, aus denen das Friedensinstrument bestand, zuerst unterzeichnet werden sollte. Die französische Revolution im Jahre 1789 und besonders Napoleon versetzten diesem Formenwesen den Todesstoß. Als bei den Verhandlungen in Campo Formio. Oberitalien im Jahre 1797 die österreichischen Bevollmächtigten in der althergebrachten zünftigen Weise eine Menge Vorfragen auf's Tapet brachten und über die Ar und Weise, wie die französischen Vollmachten abgefaßt waren, ihre Bedenken äußerten, erhob sich Bonaparte und rief: Die französische Republick ist wie die Sonne, nur die Blinden sehen sie nicht." Damit waren die Ritter des Tintenfasses und der Streusandbüchse zu Boden geschlagen. Die Thatsache indeß daß 'bloße Etikettenfragen auch noch spater eine gewisse Rolle spielten konnte man noch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts sehen: da mals hatte das Herzogthum Nassau aus Haß gegen Preußen einen Han delsvertrag mit Frankreich abgeschlossen, und der damals allmachtige Lenker der nassauischen Politik, v. Marschall hatte alles Ernstes die Forderung ge stellt, daß in einem Exemplar des Äertrags zuerst der Name des Herzogs von Nassau und dann erst der Napoleons III. genannt werden müsse. Uebrigens wurde auch die Unterzeichnung des Friedcnsvertrags zwischen Japan und Rußland in Portsmouth um 20 Mmu ten verzögert, weil keine Champag nerqläser von dem gebräuchlichen Mo dell vorhanden waren, aus denen be den verschiedenen Trinkspruchen ge trunken werden sollte!
Die deutsche Flottenverstürtung. Die überwältigende Mehrhctt des deutschen Volkes ist ohne alle Frage mit Herz und Hand bereit, für die Erhöhung der Wehrkraft der Flotte beträchtliche Opfer zu bringen. Die Lehren des ostasiatischen Krieces und die Ereignisse des. letzten Sommers, die in den britischen Fi'oi tcnmanövern der Ostsee und den Delrassischen Enthüllungen' gipfelten, lehrten mit unverkennbarer Deutlichleit. daß Deutschlands heutige S.emacht bei Weitem nicht hinreicht, seine Küsten zu vertheidigen und die nichtigen überseeischen Interessen des Reiches zu schützen. Bis vor Kurzem beschränkte man sich in Deutschland darauf, das Landhcer nach ZZiüstcn zu stärken, .und oer Flotte cls alleinige Ausgabe den Schutz der Küsten zuzuweisen.' Das gilt .heute aber wohl ziemlich allgemein als überwundener Standpunkt. Denn bei der neuzeitlichen Kriegführung und Geschütztechnik müßten die deut1 Z7, J .' ir. ... r, . .
qcn Geichwaoer. um oie nuue wirungsvoll vertheidigen zu können, auch in der. Lage sein, den Feind aufhohe? See anzugreifen und zu verfolgen. Daß überdies nur eme starke Hoch'eelottc dem über alle Erdtheile vervreicten deutschen Handel den nöthigen Schutz zu gewähren vermag, bedarf wohl keiner näheren Begründung. Auffallender Weise hat sich der konservative Reichstagsabgeordnete Graf t-k r Cf zu imourg-siirum eieret ayc u einer Wahlversammlung zu Breslu gegen uferlose" Flottenplane ausgesprechen. Er stehe, sagte er, d slottenvorlan skeptisch gegenüber und werdeweitgehenden Plänen, insbesondere dem Ausbau emer Hochseeslvl.e, die sich mit der englischen messen, könne, mit Rücksicht auf die fehlenden Mittel und Mannschaften Nicht zustimmen. Ter Herr Graf stammt aus einer Zeit, in der es in seinen Kreisen für feudal galt, von der gräßlichen- Flotte zu sprechen, und e'r scheint in der Dc i n"vi . zieyung ermas ruaiianuig tjcvucutu ju stin. Die Ansichten haben sich sonst inzwischen sehr gründlich geändert: die Marine steht heute der Armee vollständig ebinbürtia zur Seite. Im Uebrigen ist wohl auch mit aller stimmtheit anzunehmen, daß der Herr Gras nur in seinem eigenen Namen und nicht in dem seiner politischen Freunde gesprochen hat. Denn seme Partei, die allin Forderungen der Reaieruna bezüglich der Vermehrung oes Landheeres stets fast bedingungsloZ zustimmte, kann sich, wo es Die nothwendige Stärkung der deutschen See macht gilt, nicht von den vaterlanoslosen" Demokraten an Patriotismus und Opsermuth übertreffen lassen. Von einem Mangel der Mannschaften aber kann man in einem Lande, das einen Ueberschuß an diensttauglichen Leuten besitzt und dessen Bevölkerung iq o schnell vermehrt, wie die deutsche, Nicht wohl mit Recht sprechen. AN oen au einer tfion? von oer Stärke der englischen denkt übrigens in Deutschland wohl kein vernünftiger w ... f1 Pwfll. i V. Mensch, wohl aber will man eine Seemacht schassen, welche die Kulten ix folgreich schützen kann und zugleich kräftig genug ist, mn einem Verbünde ten zusammen auch England zur Qe die spitze bieten zu können. Uuenn Deutschland sich jetzt bereits in dieser Lage befände, so hätte sich England 'eSanJtlS rt? hrnbirt0 7.1 ?n demonstration überlegt. Aber so weiiuiiiiuu tvnuiv v"a's (iv.ria scbmcichelhaft öicic auch immer für das deutsche Volk geweien sein maa. so brachte sie ihm doch mit unwiderstehlicher Gewalt die Ueberzeuoung bei, daß es sich eines Tages eines Feindes zu erwehren haben könne, ge- . . r ov: ijr. s ijci gen oen Lein anoyr ni ausicitui, und dem es eine starke Flotte entgegen stellen müsse. Daß das deutsche Volk diese Lehre auch beherzigt, lehrt die Bereitwilligkeit, mit der es die Opfer zur Verstärkung der Seemacht zu bringen bereit ist. Graf Witte. Aus der Vergangenheit des Grafen Seraius I. Witte geben russische Blätter einige interessante Mittheilungen. Der Vater des Grafen, der Mitglied des Konseils beim Statthalter des Kaukasus war, wär mit einer Tochter der Frau I. P. Fadeiewa. einer geborenen Fürstin Dolgorukowa, verheira thet, einer hochgebildeten Dame, die sich um die Erforschung der Flora des Kaukasus große Verdienste erworben hat und auch mit Humboldt in Verkehr stand. Seiner Mutter nach ist somi Graf Witte ein leiblicher Neffe des Schriftstellers R. A. Fadejew und ein Vetter der bekannten Theosophin I. N. Blawatskaja und der Romanschriftstellerin W. P. Schellchowska a. ,b, Hahn. Seine ersten Kindheitsjahre hat Graf Witte mit den beiden genannten Damen, die früh ihre Eltern verloren hatten, in Tiflis verbracht. Das bescheidene Haus der Schachmuradows wo Witte geboren würbe und viele Iahre gelebt hat. befand sich an der Ecke der Gribojedowskaia u.nd Tschawtschalwadschwaskaja in Tiflis. Es wurde erst in den neunziger Jahren niedergerissen, um einem grandiosen Neubau Platz zu machen. Vor den Abbruch des Hauses hatte der Besitzer dem Staatssekretär auf feine Bitte mehrere Photographien davon über sändt. Graf Witte ist ein Zögling des Ersten Gymnasiums rn Tiflis und der Odessa er Umverjuat, . deren physikomath?matische Fakultät er im Jahre 1866 absolvarte. .
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