Indiana Tribüne, Volume 29, Number 77, Indianapolis, Marion County, 22 November 1905 — Page 5

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Jndicma Tribüne, 22 November 1905

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0O4O04O400$O4O0Og I Freie Wahl

o JovcUctte von Sriedrirl, (ChicrncN S L I0Q0CQQ0$00i0$G2 O urch das Leipziger Südwestviertel jagte eine Droschke. Auf dem . Polstersitz saß ein in emen dunklen Vcantel gehullitx junger Mann, dessen gebräuntes Antlitz auf einen längeren Aufenthalt in heißen Klimaten schließen ließ. In seinen angenehmen Zügen lag ein Aus druck s chmerzlich-unruhiger Erwartung und Ungeduld; die rasche Fahrt vollzog sich offenbar für seine Wünsche'noch zu langsam, seine Gedanken eilten ihr weit voraus . . Und wirklich, Doktor Klemens Märsei befand sich in fieberhafter Unruhe. Nach beinahe zweijähriger Abwesenheit war er eben aus 'Ceylon zurückgekehrt und ohne Aufenthalt von Genua nach Leipzig weitergeeilt. Am BahnHof nahm er die nächste Droschke und versprach dem Kutscher ein reichliches Trinkgeld, wenn er seiner Rosinante die Flügel des Windes verleihe. Märkel hatte seit drei Monaten nichts von seiner wnigsigeliebten Braut gehört, auch :xi Genua keine Nachricht vorgefunden. Co gesellte sich zur verzehrenden Sehnsucht des feurigen Liebhabers Angst und Besorgniß. Was war geschehen. das die Geliebte verhinderte, ihm wie vorher von ihrem Wohlergehen in zärtlichen Briefen regelmäßig zu berichten? Waren die letzten Botschaften verloren gegangen oder lag irgend ein Unglück der Bersäumniß zu Grunde? In banger Sorge lehnte der junge Mann sich in die schäbigen Polster des Gefährts zurück; je näher er der uner.'bittlichen Entscheidung entgegenrückte, desto ungestümer klopfte sein Herz, um so bangere Empfindungen erfüllten seine Seele. Er war doch so unendlick glücklich im Besitz seiner Helene! Ms er sie zum ersten Male im Theaier sah, erschien sie ihm wie eine'Könizin, die hoch über ihm in unerreichbarer Höhe schwebte. So ist es immer itx jungen Leuten mit bescheidenem Gemüthe der Fall, wenn sie noch im Vollbesitz ihrer Ideale sind. In ihren Gerfühlen für das Weib lebt noch immer tin ' Theil jener verklungenen ritterwichen Romantik, ein heiliges Geheimniß 'umwebt die anmuthige Gestalt der Geliebten, der zu nahen sich der liebende Jüngling kaum würdig fühlt. Und in der 'That: Helene Berthold galt als eine, der auserlesensten Schönheiten der Stadt; obwohl nicht reich ihr Bater tvar ein höherer Beamter ohne eigenes'Vermögen. dessen verhältnißmäßig .beträchtliches Einkommen eine zahlreiche Familie bis auf den letzten Pfennig brauchte war sie doch von zahlreichen Bewerbern umschwärmt, unter denen sich sowohl hochgestellte als auch begüterte Personen befanden. ' Sie saß in der vordersten Reihe des Balkons, den lieblichen Kopf mit seiner Fülle lichtblonden Haares über die Brüstung gebeugt, die meerblauen Augen mit ernstem Interesse nach der Bühne gerichtet. Wie bezaubert hing Klemens Märkel, damals noch Student im letzten Semester, an der bestrickenden Erscheinung des kaum achtzehnjährigen Mädchens, leise und schüchtern fragte er seinen neben ihm .sitzenden Kollegen, ob er sie nicht kenne. Natürlich kannte sie dieser und nannte ihm ungenirt ihren Namen und Stand so laut, daß der schüchterne junge Doktor erschrocken unwillkürlich einen Blick hinauf warf, fürchtend, sie müsse die Bemerkung vernommen haben. Von diesem Abend an war sie der heilige Gegenstand .seiner Träume, die 'Göttin seines inneren Kultus, der in "ftich selbst Befriedigung fand und dem der kecke Wunsch nach Besitz weltenfern lag. Doch das Schicksal meinte es gut mit dem jungen Naturforscher. In Abendgesellschaft traf er sich mit ihr, wurde ihr vorgestellt, hatte das Glück, uneben ihr zu sitzen, mit ihr zu sprechen. 'Anfangs zurückhaltend und schüchtern, gerieth er doch bald in Feuer, als das ! Thema'. der Unterhaltung sich seinem 'Berufe,-für den Helene lebhaftes Inieresse zeigte, zuwandte; er staunte hinterher selber über die Beredsamkeit, die er zu entwickeln vermocht. Nun einmal zufällig in den Kreis gelangt, in 'welchem sie verkehrte, erblickte er sie von da an des öfteren; bald öffnete sich ihm auch das Haus ihres Vaters, des GeHeimen Regierungsraths Verthold, und inach etwa einem Jahre fand er den Muth, der Verherrlichten seine Liebe ;3ix gestehen. Was er kaum zu hoffen gewagt,, geschah: er hatte Gegenliebe gefunden, und auch der Geheimrath .nahm seine Werbung sympathisch auf. btnn Doktor Märkel stammte aus einer angesehenen Familie und war der einIzige Erbe des bedeutenden Vermögens seiner Eltern. Ein halbes Jahr verfloß den Liebenden in Wonne und Seligkeit. Vor der dauernden Verbindung stand ihnen jedoch noch eine harte Prüfung bevor. Doktor Märkel mußte, um für ein. wie tx hoffte, für seine Zukunft bedeutjsames Werk über neue Momente der IZaturgeschichte der Siphonophoren und anderer niederer Drganismen Studien j3U machen, eine zweijährige Reise nach .iCeylon antreten. Mit schwerem Herzen trennte er sich von seiner theuren Helene. Unausgesetzt stand ihr reizvolles Bild während seiner Abwesenheit vor seinem Geiste, und der Gedanke an sie begeisterte ihn zu .wahr-

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haft übermenschlicher Thätigkeit. Mit Stolz konnte er nun auf den Erfolg

seines Unternehmens ' zurückblicken , Ehren und Beförderung standen ihm sicherlich bevor. Da blieben auf einmal die ersehnten Nachrichten von Leni aus. aeradc als, er sich zur'Heimreise anschickte. War sie krank oder gestorben? Oder gar untreu, und wagte man ihm die Wahrheit nicht zu gestehen? Nein, untreu konnte sie. nicht sein, der Gedanke irar absurd! Ueber diesem Schweigen schwebi? ein undurchdring liches Gehcimmß. ' Noch einige Augenblicke und es sollte sich ,ihm enthüllen. Wie . ein Fieberkranker zitternd, sprang er aus dem Wagen, den Kutscher hatte er, um nicht aufgehalten zu werden, während der Fahrt bezahlt. In behender Erwartung flogen seine Blicke nach den vertrauten Fenstern. Niemand zeigte sich am wenigsten ihr theures, süßes Antlitz! In wilde: Hast flog er die Stufen zur ersten Etage hinan, in kurzen heftigen Stößen zog er die Klingel. Ein rnr", v 'r- . , 1 n , 'caocyen vssneie ganz oeiiurzi. Sie sind's, Herr Doktor?", Sie kannte ihn noch, trotz der von der Tropensonne mit ihm vorgenom menen Wandlung. , . . Ja, Lina, ich bin's. Eine Frage: w:e geht es Fraulein Helene?" . Lina senkte die Wimpern, ein verlegener Zug trat in ihr rundes Gesicht. Der Doktor erschrak. Sie ist doch Nicht nicht krank?" Jflt'm, Herr Doktor." Gott sei Dank!" Er athmete er leichtert auf und eilte an ihr vorüber in die Wohnuna. Er gehörte ja zur Familie. Im Vorzimmer begrüßte er schnell einen seiner künftigen Schwager, den jungen Max. Als seine Stimme ertönte, vernahm er m ba neoenneaenocn Wohnzimmer emen lauten Aufschrei. Gott sei Dank, das war Helenens Stimme! .Aber der Schrei klang so sonderbar, so entsetzt! Ein kurzes Klopfen er trat ein und breitete schon die Arne aus. um die Heißaeliebte an feine Brust zu schließen aber Helene hatte das Zimmer verlassen. Bestürzt stammelte er seine Bearü ßungen der anwesenden Familienmitglieder, der Frau Geheimrath und zwei Schwestern seiner Braut. Wo ist Helene?" fragte er betroffen. Helene ist nicht ganz wohl." entgeznete die Geheimräthin nach kurzer UnEntschlossenheit. Sie ist in ihrem Zimmer." Kann ich sie sehen?" - .N ein, sie hütet'das Bett." Sie ist doch nicht ernstlich krank?" O nein, es ist unerheblich. Ich denke, morgen wird sie wieder völlig auf dem Platze sein." Aber mir war doch, als hörte ich eben ihre Stimme?" - Mutter und Töchter blickten einander verdutzt an. die Mutter erröthets leicht. Sie irren, lieber Doktor das war Fanny bier. Die Mädchen gleichen einander so, sogar dasselbe Organ haben sie." Doktor Märkel begann ruhiger- zu werden. Die Thatsache schien doch festzusteben. daß Helene sich der vollkommensien Gesundheit erfreute. . Indessen warum hatte er während der letzten Zeit keine Nachricht mehr von ihr erhalten? Er säumte nicht, seiner künftigen Schwiegermama die Frag: vorzulegen. , Die Geheimräthin schien, von Neuem etwas aus der Fassung zu gerathen. Soviel ich weiß hat Helene recht häufig geschrieben," gab sie nach einer Weile zögernd 'zur Antwort. Vielleicht war sie der Meinung, die Briefe erreichten ihre Adresse nicht mehr." Der Doktor schüttelte den Kopf. Ich weiß doch 'nicht " Sie wird Ihnen-darüber morgen selbst die beste Auskunft geben, lieber Doktor. Es thut mir leid,- daß das arme Mädchen Sie heute nicht, empfangen kann; sie hat .sich so sehr und lange nach diesem Auqenblick gesehnt." O wirklich?" ' Das können Sie sich doch denken! Heute mütn Sie mit uns fürliebnehmen . wir freuen uns- doch so von Herzen. Sie gesund wieder in unserer Mitte zu sehen und Ihre Abenteuer und Erfolge zu hören. Sie sehen so wohl und frisch aus, als hätten Sie eineSrholungsreise gemacht, nur etwas braun beinahe wie ein Indianer." Damit ging die Geheimräthin aus ein anderes Thema über, und der Doktor, obwohl innerlich , durchaus nicht völlig beruhigt, mußte ihr Rede stehen. Bald war er wieder ganz heimisch in oem ihm so lieben Kreise, von allen Seiten gab man ihm Beweise unveränderter Herzlichkeit und Achtung, bis zum späten Abend blieb er da und plauderte und erzählte, nur die geliebte Braut fehlte, um sein Glück vollkommen zu gestalten. Erst als er sich nach seinem Hotel verfügte, fand er wieder Zeit, über alles nachzudenken. . Irgend ein Punkt wai doch nicht ganz in der alten Ordnung! Er hätte barern schwören mögen, daß er bei seinem (Antritt in das Vorzimmer Helenens ihm so vertraute Stimme vernommen dazu die Verlegenheit des Mädchens sowohl wie der übrigen, wenn von ihr die Rede war. Je mehr er grübelte, um so mehr verdüsterte sich wieder sein Gemüth, eine bange Unruhe störte seinen Schlaf. Kaum konnte er den Morgen und die Stunde erwarten, die ihm erlauben würde, von

'ceuem :m Hause oer lIettevten vorzusprechen. Am anderen Morgen um zehn Uhr erschien er pünktlichen Helenens Wohnung. Wieder dieselbe Erscheinung. Die Frau Geheimräthin, die ihn empfing. zeigte dieselbe Verlegenheit wie gestern. Helene ist leider noch immer nicht ganz wohl." cntgegnete sie auf feine hastige Erkundigung. Noch immer nicht ich kann sie nicht begrüßen?" Ich glaube nicht." .Mein Gott, liebe Mama, dann ist sie am Ende doch schlimmer krank, als Sie mir eingestehen wollen? Sie fürchten sich nur, mir die Wahrheit kundzugeben " In der That nicht, lieber Doktor beunruhigen Sie sich nicht." Märkel schritt aufgeregt im Zimmer auf und ab. Plötzlich blieb er vor der Dame des Hauses stehen und sagte mit bebender Stimme: Mama, Sie Sie verbergen mir etwas! Helenens Gefühle für mich haben sich verändert? Sprechen Sie offen. , Ich ahne die Wahrheit es kann nicht anders sein." Die Geheimräthin erschrak offenbar. Eifrig erwiderte sie: Wie kommen Sie auf diese Idee, lieber Doktor? Sie sind des Mädchens einziger Gedanke sie

liebt etc über alles! Nein. nein, das ist gewiß nicht der Fall!" Sie legte so vernehmbaren Nachdruck aus das Wörtchen das." Der Doktor blickte überrascht auf. Das nicht also doch etwas? ' O, reißen Sie rnig aus dieser quälenden Unsicherheit, ich kann sie nicht langer ertragen! Was ist mit meiner lieben Helene geschehen?" Noch einen Augenblick schien die Ge heimräthin unentschlossen, dann erfaßte Ire liebevoll des Doktors Hand, zog ihn mit sich auf das Sofa und sagte: Nun wohl, einmal müssen Sie es doch erfahren. Helene ist nicht krank, sie ist nicht einmal unwohl, sie wollte sich nur vor Ihnen nicht sehen lassen. Vor mir nicht nicht sehen lassen? Warum nicht?" Weil sie anders ist. als Ihr Ge dächtniß sie Ihnen bewahrt," fügte die Dame mit steigender Bewegung hinzu. Lieber Doktor, das unglückliche Kind ist in Ihrer Abwesenheit es. und nun vier Monate von einem schweren Unglück betroffen worden. Während sie in der Küche half, hat sie sich verbrannt schwer verbrannt." . Um Gottes willen!" Sie kniete am Herd. Der Apparat mit brennendem Spiritus fiel -herab und verbrannte ihr das Gesicht und die Oberkleider. Mehrere Wochen lag sie schwer darnieder, denn vor allem die rechte Gesichtshälfte war gefährlich verletzt. Nun ist es zwar wieder völlig ge heilt, und keine Spur des Unfalles sonst mehr vorhanden, aber auf der rechten Seite ist eine große, entstellende Narbe zurückgeblieben. Ihre einstige Schönheit ist dahin, auch von'der Zeit ist eine . Aenderung nach ärztlichem Ausspruch kaum zu erwarten.' So, nun wissen Sie. warum das arme Mädchen noch nicht gewagt hat,:, vor Ihnen zu erscheinen, und Sie können sich selbst ausmalen, was sie in den 'drei Monaten gelitten hat im Kampfe zwischen Pflicht und Liebe, denn 'ihre Liebe zu Ihnen ist unendlich und doch " . Sie schwieg und hob in banger ErWartung den Blick zu ihrem Nachbarn empor. , Dieser saß starr wie eine Bildsäule. Endlich' flüsterte er verstört: Das arme, arme Kind! Ist es denn wirklich 10 schlimm?" Ich habe darüber kein Urtheil. Sehen Sie selbst und entscheiden Sie sich dann. Denn natürlich ist Helene sich ihrer Pflichten voll bewußt, sie gibt Ihnen die Freiheit Ihrer Entscheidung zurück und legt ihr. Geschick in Ihre anoe. Aufgeregt strich 'sich Märkel den dunklen Schnurrbart. Sie erst. sehen und davon meine Entscheidung abhan gig machen, wäre ihrer und meiner unwürdig," ruf er nach einiaem.Nachdenken entschlossen. Helene ist meine Braut. Wenn sie ein Unglück betroffen hat. so betrifft es eben uns beide wären wir fchon verheirathet. so hätte ich auch keine Wahl mehr, und wenn es am ersten Tage der Ehe passirte. Nein, liebe Mama, ich bin und bleibe Helenens Bräutigam! Diese Erklärung voraus, bevor ich sie sehe! Und nun führen Sie mich zu ihr sie bedarf.des Trostes;, ich will sie aus ihrer schmerzlichen Ungewißheit erlösen." Frau Geheimrath Berthold stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Offenbar hatte die Mutter unter der Ungewißheit über die Zukunft dei Tochter ebenso schwer gelitten wie diesj selbst. Innig gerührt preßte sie di; Hand ihres künftigen Schwiegersohnes. Sie sind ein edler Mann. Doktor, ich wußte, daß Sie so sprechen würden, obwohl Niemand einen Stein gegen Sie erheben dürfte, wenn Sie das Gegentheil gethan hätten. Eine Minute Geduld, ich will zu Helene gehen." Sie ging. In ungeduldiger Erwartung blieb der junge Mann zurück. Ei verstand nun wohl die Beweggründe der Geliebten, sie waren fo edel wie sie selbst, und sein eigener Entschluß aber er liebte ja nicht die Schönheit allein, er lieble seine Helene als Ganzes, als sittliches, geistiges Wesen, und die Schönheit war ja nur die äußert Schale, deren prächtiger Anblick nui zuerst seine Augen auf sie gelenkt. Dei Inhalt des herrlichen Gefäßes war noch tausendmal schöner!

In solchen Gedanken aina er auf um

ab, ' in glühender Sehnsucht, in heroischer Sucht, die Wandlung unbeachtet zu lassen. Doch eine lange halbe Stunde verging, bis Frau Lerthold zurückkam, und zwar allein zurückkam. -Helene sendet Ihnen zunächst 'diesen Brief." berichtete sie dem Bräutigam, ihm ein kleines Billett überreichend. . Hastig überflog er die zierlichen Zeilen. Geliebter Klemens," schrieb das junge Mädchen Du handelst edel, aber unüberlegt. ' Du verpflichtest Dich mehr, als Tu halten kannst. Ich darf Dein großmüthiges Herz nicht überrumpeln. Und doch erkenne ich auch wieder die Richtigkeit Deiner' Bemerkung: es ist Deiner und meiner unwürdig, die Entscheidung vom Befund meiner Entstellung abhängig zu machen. Deshalb bitte ich Dich, zunächst noch mit Dir zu Rathe zu aeben' Du weißt jetzt alles, stelle Dir' die Narbe so häßlich vor. als Du magst, und erwöge ohne Schonung für mich und ohne Sentimentalität die Folgen für uns beide. Niemand kann Dir einen Vorwurf machen, wenn Du in Anbetracht so besonderer Umstände zurücktrittst. Wende mir nicht ein, daß wir verheirathet sein könnten, wie Du Mama gegenüber gethan, oder daß Du es Dir doch auch gefallen lassen mußtest, wenn es gleich am ersten Tage nach der Hochzeit geschehen wäre: es ist doch ein anderes. Das Unabänderliche nur erregt nicht unseren Unwillen, das Uebel aber, das wir hätten' vermeiden können, hassen wir. Wer weiß, ob Du nicht, wenn Du erst an der Seite einer Frau zu leben verurtheilt bist, welche Dein Schönheitsgefühl verletzt, . allmälig einen Groll gegen sie in Dir aufsieigen fühlst, der Dir ihre Gesellschaft zur dauernden Qual gestaltet. Ueberlege wohl, theurer Klemens, und sei versichert, ich zürne Dir nicht, darf Di? nicht zürnen, wenn Tu thust, was Vernunft und Lebensklugheit gebieten und bräche mir das Herz darüber, ich denke zu gerecht, um Dich an Pflichten zu gsmahnen, die Du unter ganz anderen Voraussetzungen übernommen hast. Verzeihe mir noch, daß ich nicht im Stande war, Dir mein Unglück zu bekennen. Ich liebte Dich zu sehr, um Dir die Wahrheit zu gestehen, und war zu wahrhaftig, sie Dir zu verhehlen. Also noch einmal bedenke Dich ernstlich. And wenn Du einen Entschluß gefaßt hast, so schreibe ihn mir, wenn er mir' ungünstig, ist, und komme, wenn Du Dich für mich erklärst. In treuer Liebe Deine Helene." Der Doktor preßte zärtlich seine Lippen auf den Brief und sagte sofort: Liebe Mama, ich bin schon entschlossen wozu die weitere Zögerung? Sie raubt uns kostbare Minuten des Glücks." ; Immerhin." versetzte die Geheimräibiit Vielleicht hat sie recht erfüllen' Sie ihren Wunsch." : So gehe ich mit der Erklärung, daß ich heute Nachmittag um vier Uhr wieder da sein werde," versetzte der junge Mann lächelnd. Sagen Sie ihr das. und auch, daß ich nicht wieder umsonst .kommen mag." :.',,.. . Klemens Märkel hielt Wort. Um vier war er zur Stelle. Hclene erwartet Sie in ihrem Zimmer, bedeutete ihm die Geheimräthin, sie wünscht bei der ersten Zusammen kunft mit Ihnen allein zu sein." Mit flüchtigen Sprüngen flog der Doktor die Treppe zur zweiten Etage, wo sich das Zimmer der Geliebten besano. hinan. Sein Herz klopfte stur misch. Die lange Zögerung hatte seine Sehnsucht .bis zur Raserei gesteigert. Sem Klopfen selbst klang ungestüm. nervös. Herein," rief eine sanfte Stimme. Er riß die Tbür auf. Meine Helene, meine liebe, süß Lem!" Sie stand feitswärts am Fenster reizvoll, schön, liebreich, so kam es ihm vor, wie immer. Wie, war alles nur ein Traum gewesen? Er flog ihr entgegen mit ausgebreiteten Armen. Da wandte sie. ihm ihr ganzes Gesicht zu. er erblickte die andere, ihm bisher entzogene Hälfte. Von der Schläfe bis zum Kiefer zog sich eine weiße, die sammtene Alabasterhaut m eme haß lichc Falte zusammenziehende breite Narbe. Einen Augenblick schreckte , er zurück, schaudernd dor dem erschreckenden Anblick, aber nür einen einzigen, dann trat er auf sie zu, sie mit liebenden Armen zu umschlingen. Doch ruhig wich das junge Mädchen zurück, ihn mit ausgestreckter Hand von sich abwehrend. Klemens. Du bist vor .meinem Anblick zurückgeschreckt' das war es, was ich fürchtete. Dein innerer Impuls hat entschieden, er hat mich verworfen! Helene," rief er bestürzt, und ein Schatten von Trauer und Gram flog über sein hübsches Gesicht,., .Helene was soll das bedeuten?" Daß ich Deinen Edelmuth nicht mißbrauchen will. Klemens. Ich will ebenso entschieden und fest, ebenso opfermüthig sein wie Du. Ich erkenne, daß Du mir ein Opfer bringst ich nehme es nicht an. Hier Dein Ring Du bist frei!" Leichenblaß, mit einer' raschen, siebernden Bewegung zog sie den Ring, der ihrer Jugend Glück und Stolz geWesen, vom Finger. Helene, ich habe Deinen Stolz verletzt ' Rein, Klemens. . Denke nicht so von mir. Du würdest dann meine Bewea?

gründe mißdeuten,' uno oas vermene ich nicht. 3ch maa nicht aus Mitleid geheirathet sein, das ist alles." Aus Mitleid.?. Aber wer sagt Dir denn, daß ich Dich aus Mitleid nehme? Ich liebe Dich ja. Leni. liebe Dich von ganzem Herzen, ganz wie immer Du bist ja gar nicht so schlimm entstellt." -Und doch schaudertest Du vor mir zurück?" ' Ein ganz erklärlicher psychologischer Vorgang. Helene. Ich habe Dich noch nie so gesehen, und die Wandlung konnte naturgemäß nicht ohne Eindruck auf mich bleiben. Ich mußte mich, wenn auch nur Augenblicke lang, , an die Veränderung gewöhnen. Sei versichert, mein Lieb, ich hab?. Dich nicht Min um Deiner Schönheit willen zur Gefährtin iru..ies Lebens gewählt. Die Summe Deiner edlen Eigenschaften ist es, die-mich fesselt, die ich anbete von solchen Äußerlichkeiten hängt doch die wahre Liebe nicht ab!" Du willst mich nur -beschwichtigen. Klemens.' Nimmermehr ich nehme Dein Opfer nicht an! Und'wie soll ich mit dem Gedanken glücklich sein können. glücklich auch nur eine Minute, daß der Mann, an dem mein ganzes Herz hängt, .mich nur aus Mitleid oefreit, daß er im Stillen ein Grauen vor mir empfindet und die Stunde verwünscht, wo er sich von seiner Gutmüthigkeit überrumpeln ließ? Nein, Klemens. wir würden beide unglücklich werden . der erste Eindruck ist immer der bleibende. Laß uns in Freundschaft scheiden, laß uns, wenn Du Willst. Freunde bleiben aber mein Entschluß steht fest!" Der Doktor rief. ihre Mutter, ihren Vater zu seinem Beistand aus. Umsonst erschöpften alle drei die besten Gründe ihrer Beredsamkeit Helene blieb fest. , Ihre Pflicht und ihr Gerechtigkeitsgefühl forderten von ihr. ihrem Bräutigam die Freiheit der Entschließung zurückzugeben. Auf ihre eigenen Gefühle käme es nicht an: möge ihr Herz auch darüber brechen, sie dürfe nicht anders handeln. Seufzend nahm Märkel endlich den Ring und gab ihr den ihrigen zurück. Auf Dich selbst fällt die Verantwortung, Helene." erklärte er wehmüthig. Doch nimm die Versicherung, daß Du mich verkannt hast, und daß ich fortfahren werde. Dich zu lieben." Auch ich werde nie einen anderen Mann im Herzen tragen." erwiderte sie, kaum im Stande ihre Thränen länger zurückzuhalten. Doch es. muß sein. Lebe wohl leben Sie wohl, Herr Doktor. Handeln Sie fortan ohne Rücksicht auf mich Sie sind frei!" Noch ein Händedruck er schied. Langsam, traurig schritt er hinaus, an der Thür sich noch einmal nach ihr umwendend und ihr ernst, schmerzlich zunickend. Du hast Dein Glück von Dir gestoßen," schalt die Geheimräthin weineno, nun geht er für immer!" , v Ich konnte- nicht anders, Mama." Wie konntest Du es über's Herz brinaen. da Du ihn so liebst?" Gerade weil ich ihn so liebe.Mutter! Uno mit emem lauten Schrcr brach Helene zusammen; ihre mühsam bebauvtete Fassung war dabin. Die Mutter hob sie auf und geleitete sie nach dem Stuhl, wo sie das Haupt des armen Maochens an ihre Zk.rust bettete. Lange, lange weinte die Ungluallche an der treuen . Mutterbrust, immer wieder die Worte hervorschluchzend: Ich kann ia nickt obne ibn leben, o Gott, o Gott, warum hast Du mn das auserlegt! Märkel schritt fchwermüthig in seinem Hotelzimmer auf und ab. Seme Augen glänzten, als ob er , geweint habe. Der Abschied von der Geliebten, die Trennung von den lange Jahre gehegten Hoffnungen und Zukunftsbildern ging ihm tief zu Herzen. Und doch überzog mit einem. Male ein. Lacheln sein Gesicht von dem Augenblicke an ward er ruhiger, er ließ sich sein Abendbrot bringen, speiste mit gutem Appetit und zeigte sich im Gespräch mit einigen Freunden den ganzen Abend über heiter und aufgeräumt. Vielleicht erkannte er doch, daß Helene recht hatte? Es schien so... Am anderen Vormittag, in der elften Stunde, hielt eine Droschke vor des Gcheimraths Haus. Derselben entstieg Doktor Märkel . im eleganten Gesellschaftsanzug, den Chapeau claque auf dem Haupte. Ganz wie ein Fremder, der das Haus zum ersten Male betritt, stieg er die Treppe hinauf, klingelte und begehrte Fräulein Helene Berthold zu sprechen.. y Erstaunt betrachtete ihn Lina. Er nahm eine Karte aus der Tasche und übergab sie ihr mit der Weisung, sie dem Fräulein zu überreichen. Helene, die mit verweinten Augen in ihrem Zimmer saß, las mit Verwunderung folgendes: Hochgeehrtes Fräulein! In strikter Festhalwng ' an unseren gestrigen Abmachungen bitte ich in einer mich nahe angehenden Sache um eine kurze Unterredung. In Verehrung und Hochachtung Klemens Märkel." Unruhig blickte Helene in den Spiegel doch sie konnte den Doktor nicht abweisen.- Er käm in -seiner neuen Rolle als Freund; er sollte nicht denken, daß sie irgendwelche Empfindlichkeit behalten habe. ' Ich lasse bitten." E? trat ein. Ueberrafcht glitt ihr Blick an seinem Anzug entlang. So feierlich, . Herr Doktor?" versuchte sie-zu scherzen. ... . So feierlich, gnädiges Fraulein, so wie es sich für mtä aüiemt.7 ' '

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Bitte Sie deutete auf einen Sessel. Er setzte sich. ' " r ' ' Nur wenige Worte, gnädiges Fräulein. Vor allen Dingen, damit keine Änklarheit zwischen uns herrscht, eine Frage. Nicht wahr, wir beide sind wie. der im unbeschränkten Besitz unsere: Freiheit?" So ist es. Herr Doktor." Ihre Stimme zitterte merklich. So daß ich jeden Augenblick von dieser Freiheit Gebrauch machen kann? Jeden?" , Jeden " Sie blickte nochmals verwundert auf ihn, senkte jedoch sofort wieder die Augen. Gedachte er die Konseauenzen der aetroffenen Bereinbarung so rasch zu ziehen? Und Sie werden es mir in keiner Weise übelnehmen, wenn ich mich der mir geschenkten Freiheit bediene, wann, wie und wo es immer geschehen mag?" Ein stolzer Blick flog nach ihm hin. Bitte. Herr Doktor, ganz nach Ihrem Belieben. Ich besitze kein Recht mehr. Ihre Handlungen zu beeinflussen." Sie stand auf. zum Zeichen, daß sie die Unterredung als beendet betrachte. So gestatten Sie mir noch die Mit" theilung" auch er erhob sich daß ich beabsichtige, von der wiedererlangten Freiheit Gebrauch zu machen. Sie haben mir volle Freiheit , gegeben, zu thun, was ich will, gnädiges Fräulein nun wohl: ich liebe Sie und bitte um Ihre Hand." . ! Helene wollte sick anfanas mit ntrüstung wegwenden, dann stand t wie erstaunt. Herr Doktor Kle Sie wollen " - Sie in voller Freiheit der Entschließung, in voller Kenntniß der Thatsachen zu .meiner Braut und Gattin erwählen' gnädiges Fräulein." Ein Thränenstrom floß aus den schönen Augen, ein Freudenschrei von ihren Lippen. Nun gab es keine Weigerung mehr, zu tief hatte sie feit dem verflossenen Abend die Gewalt der Liebe gefühlt, sie besaß auch kein Recht mehr, ihn zurückzuweisen. Im nächsten Moment lag sie an seiner Brust, innige Küsse wechselten von Lippe zu Lippe. So bist Du auf's Neue mein und diesmal für ewig!".flüstertc er, ihr den TOitt fotaSav Sin 1 s. i'i t S ftiu ivifcvt un vni uijlbc4- ltUXUU. Hand in Hand traten beide in den Kreis der hocherstaunten, hocherfreuten Familie. ; In der zweiten ü oll an dischcn Kammer bildeten bei Verc. ibung des Budgets dcs Auswärtiac''.i die Ailsweisung dos Korrcspondl'nton des Amsterdamer Algemeen Han delsblad" aus Preußen sowie die hi Köln erfolgte Verhaftung und Aus Weisung des Anarchisten Tomer Nieiiwenbuys den Gegenstand lebl?a.l ter Erörterung. Man beschloß. boi der Regierung Auskunft über die Ve. weggründe der deutscherseits ergriffe nen Maßnabmen zu verlangen. Dichann K Oradhorn, ?abrUnte vo sei. Schau -Käfien. Olaf Ladentische und Cigarreu-Tiseb,. 22 Oft Washweto Ctotfc. Neuek.relepizon 6337. Verlangt - Ztnieiaen rzend welcher Art werdend der Zndtana Zrlbüut' mit 5k vtt Seile ftr ItU Jvserttou bereiknet. 3 u dttkaufen Zeh nttzeile der Südseite Turn yaueVakeikuiil. Heinrich. entral Trust Geb Sude. verlangt: Ei tüchtige Sdchen skr allgemeine Hausarbeit, uter Lotzn uud gute Beizaud lung. Gottfried Monninger, 202 N. Alabama Etr. Serlangt iue ffrau die gut waschen und bügeln kauni Nachzutragen Z2 Nord Veridian Str. verlangt : n gute? Jung über 14 Jadre alt. mtt einem ButKle Nachzufragen tm Elob leider Laden, cke elaware und Washington Ctraie. alangt in Ldchen für eine nnne Famme. tt ter Lohn, ein Waschen Nachjusragen . 2315 Nord elawart Vtt. ' '