Indiana Tribüne, Volume 29, Number 75, Indianapolis, Marion County, 20 November 1905 — Page 5

Indianer Tribüne, 20 November 1905

6 Dir ucrljcrtc Kuh X Ö Ein Kuliurbild aus dem Osten X I Frilz von Szzvva Y

n keiner Provinz. Brandenburg vielleicht ausgenommen, ist die Zahl der Zigeuner so groß, wie in Ostpreußen. Sie sind zwar in mehreren Dörfern zwangsweise angesiedelt und besitzen Haus und Land, aber beim ersten milden Frühlingstag erwacht der Wandertrieb in ihnen. Dann packen st: ihren rumpligen Kaftenwagen, spannen den armseligen Klepper davor, der nur aus Haut und Knochen besteht, und ziehen dann in die weite Welt. Die ostpreutzischen Zigeuner smd. wenn man diesen Ausdruck anwenden darf, civilisirter als alle anderen. Sie sind wohl ebenso zudringlich im Betteln, wie anderswo, angeln und fischen Nachts in jedem Gewässer, an dem sie ihr Weg vorüberführt, stehlen auch manchmal ein Huhn und regelmäßig das Futter für' ihre Pferde, aber von groben Ausschreitungen halten sie sich fern, wahrscheinlich, weil sie ihren Lebensunterhalt sehr leicht verdienen. Es gibt Künstlerfamilien unter ihnen, die mit Geige, Guitarre und Harfe . der Dorfjugend zum Tanz aufspielen. Ja manche veranstalten sogar Vorstellungen als Taschenspieler und Akrobaten. Die meisten verstehen die Kunst, zer.brochene Töpfe und Schüsseln mit Draht zu bestricken, Kessel zu flicken und Messer und Scheeren zu schleiseit. Am leichtesten verdienen sie ihr Brot in den litauischen und masurischen Kreisen der Provinz, wo die Landbevölkerung noch völlig von abergläubischen Vorstellungen, von dem Glauben an die Kraft des Behexens und Besprechens beherrscht wird. 'Thatsache ist, daß die Zigeuner mit Glück und Geschick krankes Vieh heilen. Das Räthsel ist jedoch leicht gelöst. Sie führen eine ganze Anzahl erprobter Mittel, wie Glaubersalz u. s. w. mit sich. Der Hokuspokus, womit sie ihre sachverständige Thätigkeit einkleiden, dient nur dazu, ihre Diensie den abergläubischen Bauern werthvoller erscheinen zu lassen. Sie sind übrigens schlau genug, darauf zu verzichten, wo man nicht daran glaubt, wie z. B. auf Gutshöfen, aus denen man ihre Hilfe zum Vertilgen von Ratten und Mäusen, ja nicht selten zum Heilen eines erkrankten Viehes in Anspruch nimmt. Wurde nicht der Aberglaube der Landbevölkerung den Hokuspokus, verlangen, dann könnten sie auch ohne diese wunderliche- Einkleidung ihr Brot verdienen . . . An der Fähre zu Wiersba, die über den schmalen aber langgestreckten Belvr. r::ci r-jc 01...... - vuujcc I uiy n, uiucu Cup .Qiycuuti' wagen erschienen. Die Männer schirrten die Pferde ab und ließen sie am Seerand weiden, die Kinder sammelten im Wald dürre Aeste, und bald loderten mehrere Feuer empor, an denen die Frauen das Mittagessen kochten Es war durchaus .nicht so ärmlich wie man vielleicht annehmen möchte. ' Die Bande hatte eben das große Kirchdorf Weißuhnen abgeklappert und soviel Naturalien eingeheimst, daß die Frauen im Fährhause geräucherten Speck, Bohnen und Erbsen zum Verkauf anboten. Daß sie dabei um Salz, Pfeffer, Eier und Milch' bettelten, ist selbstverständlich. Und in der Kunst des Vettelns haben es die Zigeuner zur Meisterschaft gebracht. Man kann sie barfch gehen heißen, sie bleiben stumm siehen und erneuern nach einiger Zeit ihre Bitte. Aus Erfahrung wissen sie. daß Ausdauer zum Ziele führt. Schließlich reicht man ihnen eine Gabe, in der Hoffnung, die unbequemen Gäste . los zu werden. Damit hat man sie sich aber erst recht auf den Hals geladen. Am Nachmittag, als ein Fuhrwerk sich mit dem Prahm über den See holen ließ, zog die Gesellschaft weiter. Sie wollten noch an demselben Abend in dem großen Dorfe Schaden eintresfen und wenn möglich im Dorfkrug eine- Vorstellung geben. Ein altes Weib, dessen weißköpfiger Mann das Haupt der Bande zu sein schien, hatte sich gleich bei der Ankunft in Wiersba über den See setzen lassen und war voraus gewandert, um alles vorzubereiten. Außerdem zog sie Kundschaft ein, ob im Dorfe ein Mensch oder ein Stück Vieh krank wäre. Im Segelboot war ich den kürzeren Wasserweg den Zigeunern nachgefahren. Es reizte mich, ihr Thun und Treiben zu beobachten. Im ersten Kruge des Dorfes wußte man von der Alten nichts, sie hatte also in dem zweiien Aufnahme gefunden. Der Wirth, den ich danach fragte, bestätigte es mir. Die Alte war bei ihm erschienen und hatte ihn zuerst gefragt, ob er heute - Abend ein schönes Stück Geld verdienen wollte. Sie würde mit ihrer Gesellfchaft eine Vorstellung geben, und wenn's die jungen Leute verlangten, so würden sie ihnen zum TanZ aufspielen.. Er möchte nur sofort beim Amtsvorsicher die Erlaubniß einholen. Als der Krugwirth keine rechte Lust dazu zeigte, zog das Weib mit einem Griff eine Handvoll Silbergeld aus der Rocktasche und versicherte, seine Leute würden alles ehrlich bezahlen und auch nicht eine Stecknadel an sich nehuien. Wenn er nicht wollte, könnte sie

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ja aiijo m 5'n anoeren nrug gegen. Diese Drohung wirkte mehr als daö Versprechen ehrlicher Bezahlung. Weshalb sollte er sich den Verdienst entgehen lassen, den eine Ansammlung' der Torfbewohner in sichere Aussicht stellte? Äiin nnr Sonnenunteraana bilt,n die Zigeuner ihren Einzug in das Dorf. Der weißbärtige Anführer ritt, phantastisch aufgeputzt, auf einem Klepper vorauf und blies auf einem Piston cinrn schmetternden Marsch. Neben ihm schlugen zwei halbwüchsige Jungen in Trikot unaufhörlich Rad. Die Alte war ihnen entgegengegangen und -hatte Bescheid gegeben, denn der Trompeter hielt von Zeit zu Zeit an und schrie mit mächtiger Stimme die Nachricht aus. daß seine Gesellschaft, aus berühmten Künstlern und Akrobaten. bestehend, im Kruge bei Herrn Sobota eine große Zäubervörstellung geben würde. Die Dorfbewohner hatte natürlich der Klang der Trompete auf die Straße gelockt, und die ganze Kinderschaar des Dorfes begleitete den Zug der Wagen bis zum Kruge. ' Eine halbe Stunde später hatten die Zigeuner das geräumige Zimmer für ihre Vorstellung hergerichtet.- Ein fadenscheiniger kleiner Teppich lag in der Mitte, darauf stand ein wetßverhängter Tisch, mit allerlei Geräth besetzt. In der Ecke am Fenster hatte das aus drei Mann bestehende Orchester Platz genommen. Lustige Weisen klangen in den Abend hinaus und lockten die Männer, Frauen und Kinder, die unentschlössen vor dem Kruge standen. Als aber einige die Scheu überwunden hatten, füllte sich der Raum bald bis auf den letzten Platz. Ja, selbst an den offenen Fenstern drängte sich Kopf an Kopf. Die Vorstellung war wohl geeignet, die biederen Landbewohner zu ergötzen. Der Häuptling erwies sich als ein geschickte? Taschenspieler, der mit Hilfe eines fixen Jungen, mitten in der Ver sammlung stehend, mit Karten, Vechern und anderen .Dingen artige Kunststückchen zeigte und ebenso geschickt mit Bällen und Messern jonglirte. Ihn löste ein junges, schwarzlockiges Mädchen ab, das sich in Trikot auf dem Teppich in Verzückungen der Glieder überbot und grenzenloses Erstaunen hervorrief. Den Beschluß machten zwei Jünglinge, die mit Kraft und Gewandtheit turnten. Zwei Stunden waren schnell verflossen, nach jedem Kunststück hatte die Alte gesammelt, und merkwürdig, wie bereitwillig die Bauern in die Tasche griffen. Wer sich harthörig anstellte, wurde durch einen derben Scherz gefügig gemacht. Gleich nach der Vorstellung begann sich das junge Volk im Tanze zu drehen. Jetzt kam die Haupteinnahme für die Zigeuner, denn unter den Bauernöurschen herrschte ein förmlicher Wetteifer, den Musikanten ein Silberstück auf den Tisch zu werfen, um sich dafür einen Solotanz mit der Herzallerliebsten aufspielen zu lassen. . Ich hatte mich mit dem Lehrer und einigen älteren Bauern in das Herrenstübchen gesetzt und erfuhr von ihnen, daß die Alte am Nachmittag von Haus zu Haus gegangen war und denFrauen und Mädchen aus der Hand oder dem Kaffeesatz wahrgesagt hatte. Morgen wird's noch eine Komödie im Dorf geben," meinte der Lehrer, beim Bauern Bogdan ist eine Kuh krank, natürlich verhext wie man hier glaubt." Können S i e denn nicht durch Belehrung wirken?" Der Mann zuckte die Achseln. Die Schule ist gegenüber dem Elternhause machtlos. Schon von klein auf lernen die Kinder all den Unsinn; sie glauben steif und fest an den Hauskobold, an die weißen Männerchen, von denen jede Krankheit herstammt. Und die Verse zum Besprechen können dieKinder schon auswendig, ehe sie zur Schule kommen." Weshalb mögen die Leute so fest an die Zigeuner glauben? Das will ich Ihnen sagen," antwortete der Dorfschulze, ein älterer Mann, der einen sehr verständigen Eindruck machte. Die Tatern sind von der aufgehenden Sonne zu uns gekommen, aus dem Land Indien, wo noch jetzt viele Geheimnisse zu finden sind. Und weshalb sollen wir nicht glauben, was wir sehen?" Was zum Beispiel habt Ihr denn gesehen? Da kann ich Ihnen etwas erzählen. Herr. Bei meinem Vater war ein Hengst, den konnte kein Mensch regieren, er biß und schlug, wenn man ihn anrühren wollte. Da kam ein Tater zu uns, und nachdem er bei dem Hengst eine halbe Stunde allein im Stall gewesen war, kam das Thier mit. ihm heraus und war so zahm wie ein Füllen. Das kann ich beschwören." Noch eine ganze Reihe ähnlicher Fälle wurde mir aufgetischt. Nun wollte ich erst recht sehen, was die Zigeuner mit der kranken Kuh des Bogdan anstellen würden, und blieb im Dorfkrug über Nacht. An Schlaf war nicht viel zu denken, denn die Jugend tanzte bis in den hellen Morgen hinein. Gleich nach dem Frühstück holte ich den Lehrer ab, der mir seine Begleitung angeboten hatte, und ging mit ihm zum Gehöft. Nur auf vieles Zureden erlaubte uns der Bauer das kranke Thier zu besichtigen. Es war entsetzlich abgemagert und fraß nichts, nur ein aus gebrühter Kleie hergestelltes Getränk nahm es bisweilen an. Es war kein Zweifel, die Kuh litt an Verdauungsstörung, die ihr die Freßlust genommen hatte Bald nach uns kam die alte Zigeune-

rin an uns ging mn vem auer naa dem Stall. Unsere Begleitung wurde schroff "zurückgewiesen. Nach einer Weile kam Bogdan allein zurück und verkündete triumphirend, es wäre so. wie er angenommen hatte: die Kuh wäre behext, aber die Tatern würden sie gesund machen. Auf das Zureden des Lehrers nannte er auch den Preis: fünf Thaler! Dafür sollte die Kuh eine Stunde nach dem Besprechen m fressen anfangen. Die Zigeunerin hatte sogar schon angeordnet, was die Kuh erhalten sollte: einen Topf voll gekochter Wruken. ' Während der Bauer nach der Kücbe ging., schlenderte ich auf den Hof hinaus. Im offenen Schuppen hackte ein junger Knecht Holz. Die Solda tenmütze auf seinem Kopfe zeigte mir an, daß er seine Dienstzeit nicht lange hinter sich haben mochte. Ich grüßte und fragte: Wo bist Tu Soldat gewesen?" In Königsberg, beim Grenadierregiment Kronprinz." So, das freut mich. Dann sind wir Regimentskameraden. Wie heißt Du?" Kuba Jdun, Herr Wohlthäter." .Sag mal, Kuba, Du als Soldat wirst doch nicht an das dumme Zeug von den Tatern glauben?" Er schüttelte den Kopf, aber fein verlegenes Grinsen ließ mich nicht an die Richtigkeit dieser stummen Antwort glauben. Ich mußte mich also nach einem Bundesgenossen umsehen. Den fand ich in einem harten Thaler, den ich aus der Tasche nahm. Nun gut, Kuba, dieser Thaler gehört Dir, wenn Du belauschst, was die Tatern' im Stall machen. Aber daß Du mir nachher keine Märchen erzählst. Jch kann auch mehr als Brot essen." Jetzt leuchteten seine Augen auf. Das will ich fchon machen. Herr . . . Es liegt zwar Stroh über dem Stall, aber ich grab' mich durch bis auf die Stangen ..." Und wenn Du Deine 'Sache gut machst,' lege ich noch etwas zu." -Der Knecht verschwand im Stallgebäude, ich ging in's Haus zurück. Nicht lange danach erschienen die beiden alten Zigeuner, der Mann genau so phantastisch ausgeputzt, wie gestern Abend bei der Zaubervorstellung. Anfang? verlangten sie die Hälfte des ausbedungenen Honorars im voraus als Anzahlung, mit dem Vorgeben, ihr Besprechcn würde schneller helfen. Als der Bauer sich aber hartnäckig weigerte gaben sie sich zufrieden und gingen nach dem Stall, denen Thür sie hinter sich schlössen. Wir durften nicht einmal den Hof betreten. Ich war sehr gespannt, ob mein Helfershelfer feine Aufgale ausführen würde. Es dauerte fast eine Stunde, ehe die Stallthllr sich wieder öffnete. Das Weib trat auf die Schwelle und rief, wir möchten alle kommen, der Zauber sei gefunden. Er müsse irgendwo im Stall vergraben sein. Als wir etwa aus der Mitte des Hofes waren, öffnete sich über dem Stall die Dachluke und Kuba sprang herab, dem verdutzten Weib gerade vor die Füße. Was sagst Du, alte Tatersche? Ihr habt den Zauber gefunden? Versteckt habt Ihr ihn! Das habe ich mit meinen eigenen Augen gesehen! Und Herr " rief er seinem Bauern zu, glaubst Tu. daß sie die Kuh bespro chen haben? Kein Gedanke daran! Erst hat das Weib mit seinem dünnen Arm der Kuh so weit in den Hals gefaßt, dann haben sie ihr aus einer Flasche was in den Hals gegossen und zuletzt haben sie ihr immer das Kreuz gestrichen. bis die Kuh sich bog und " Die Thatsache, die er zum Schluß anführte, bewies deutlich, daß die Verdauungsstörung bei dem Thier gehoben war. Das Weib hatte, während Kuba sprach, kein .Glied gerührt. Jetzt hob sie beide Arme. Bauer' schaffe den Knecht weg. Er lügt, und der Zauber wird wieder auf die Kuh zurückschlagen." - Aber Herr Bogdan war hellhörig geworden'. Er gedachte wohl die fünf Thaler zu ersparen. Was geht Euch der Knecht an, wenn Ihr im Recht seid? Zeigt mir den Zauber." Ach, Herr, das kann ich auch." rief Kuba vergnügt, sprang in den Stall und scharrte mit dem Fuß ein Häufchen Dung zur Seite. Als er sich bückte, sprang der alte Zigeuner hinzu und nahm einen rundlichen, faustgroßen Ballen auf.. Aber ehe er ihn im Eewand bergen konnte, hatte der Knecht ihm den Gegenstand entrissen. Es war ein Klumpen Wolle und Haare, durcheinander geschlungen. Als wir ihn später entwirrten, fanden sich ein abgebrochener Schlüsselbart, das Skelett eines kleinen Thieres, vermuthlich einer Maus, und einige Knöchel darin. Die Komödie, die sich jetzt abspielte, war geradezu köstlich. Der alte Zigeuner verlangte von Kuba den Zauber zurück, sonst würde Krankheit und Unglück ihn treffen. Der Knäuel müsse sofort im Feuer verbrannt werden. Wahrscheinlich hatte die Drohung gewirkt, denn der Knecht reichte mir den Ballen, den ich sofort in die Tasche steckte. Nun drohte der Zigeuner, er würde uns, allen die weißen Männerchen anhexen, wenn er nicht sofort sein Geld und den Knäuelerhielte. Jetzt fuhr der Bauer auf. Was, Ihr wollt für die Betrügerei noch Geld? Raus mit Euch . . . runter .von meinem Hof!" Das Wort war für Kuba das Signal zu energischem Eingreifen.' Im nächsten Augenblick hatte er, den Zigeuner am Genick gepackt und drängte ibn nach ptm Hofthor. DaS Geschrei hatte inzwischen die Nachbarn angelockt. Sie

yorien, nne ver zcnecy: oen gtunex mit allen möglichen Schimpfnamen belegte 'der Bauer schrie, dazwischen: Ihr" Betrüger!" das genügte, um die Nachbarn zum Eingreifen zu veranlassen. Kurzum, der zaubernde Tater verließ mit einer gehörigen Tracht Prügel das Gehöft, und wäre der Lebrer nicht eingeschritten, dann wäre es noch zu einer heftigen Prügelei mit den anderen Zigeunern gekommen. ' Eine halbe Stunde später zogen sie mit Sack und Pack davon. Als wir vom Kruge zu Bogdan zurückkamen, stand er freubestrahlend bei seiner Kuh und sah zu. wie sie die gekochten Wruken fraß.Als Kuba sich bei mir seinen Thaler und die Extrabelohnung holte, fragte er stolz, ob er seine Sache gut gemacht habe. Dann sah er sich um. ob ihn niemand höre und fügte halblaut hinzu: Aber. Herr, wirklich zaubern kann der Tater doch nicht?" .Nein. Kuba, das kann er nickt." Via, dann kann er mir auch keine Krankheit oder ein Unglück anhexen!" Gipfel der Mcnschcnsreundlichkcit. Der Schöpfer der berühmten Oper Die weiße Dame," der Komponist Boieldieu. hatte freien Eintritt in viele Pariser Theater, unter anderen auch in das Vaudevilletheater; aus Mangel an Zeit hatte er jedoch von letzterem Rechte noch keinen Gebrauch gemacht. Eines Abends aber fiel ihm dies dennoch tin, da ein ihn interessirendes Stück gegeben wurde. Er betrat daher das Theater, wurde aber an der Kontrolle zurückgehalten und nach seinem Billel gefragt. . Ich habe freien Eintritt," sagte er. Wie heißen Sie?" Boieldieu." Der Komponist?" - v- . .Ja." Warum nicht gar!" Zweifeln Sie daran?" Ich bin im Gegentheil meiner Sache vollkommen gewiß,". 'entgegnete der Kontrolleur, und sage Ihnen, daß Ihre List mißglückt ist." Meine List?" Wie sollte ich den Versuch, sich unter einem falschen Namen in das Theater zu schleichen, wohl anders nennen?" Aber, mein Herr, ich bin eines solchen Betruges unfähig. Ich heiße wirklich Boieldieu." Wozu diese Behauptung? Wir kennen Herrn Boieldieu sehr gut. Er gehört zu unseren täglichen Besuchern." Ist er auch heute.Abend hier? So wäre ich wirklich neugierig ihn zu sehen." Sie bestehen also noch immer auf Ihrer Fabel und wollen Herrn Boicldieu gegenübergestellt werden?" Gewiß, das wünsche ich sehr." Das vornehme Wesen Boieldieus, di: Zuversicht, die in seinen Worten herrschte, hatte auf die Beamten der Kontrolle einen gewissen Eindruck gemacht. , Ihre Ueberzeugung . war erschüttert, und da sie zur Gewißheit gelangen wollten, gaben sie dem Wunsche des Komponisten nach. Einer von ihnen führte ihn zu dem Eingange des Orchesters. Der Vorhang war aufgezogen, die Schauspieler standen auf der Bühne, und ' man mußte daher das Ende des Aktes erwarten, um die Erklärung herbeizuführen. Inzwischen deutete der Kontrolleur auf einen der Zuschauer und sagte: Dort der Herr in der, dritten Reihe, der im blauen Rock, der die Gläser seiner Lorgnette mit dem Handschuh reibt, ist es." Das also ist Herr Boieldieu?" Wenigstens so lange, bis Sie das Gegentheil werden bewiesen haben." Boieldieu betrachtete sich den widerrechtlichen Besitznehmer seines Namens. Er war ein Mann von nettem Aussehen und schien an' dem Schauspiel großes Vergnügen zu finden. Der Komponist fah ihn , einige Augenblicke mit dem ihm so natürlichen Wohlwollen an und sagte dann zu sich selbst: Das ist ein recht glücklicher Mensch! Und ich sollte das Glück trüben, das er in meinem Namen genießt? Ich sollte ihn des Vergnügens berauben, das er alle Abende hier findet, indem ich von einem Rechte Gebrauch mache, das ich doch nur fehr selten benütze? Nein, nein, wahrhaftig, so grausam kann ich nicht sein!" Dann fuhr er, zu -dem Kontrolleur gewendet, fort: Verzeihen Sie, ich bestehe nicht mehr auf meinem Willen und gehe!" Sie gestehen also, daß Sie ein falscher Boieldieu sind, und daß der da der echte ist?" Ich gestehe alles, was Sie wünschen." Das war ein schlechter Scherz, mein Herr, ein sehr schlechter!" Und der vortreffliche Boieldieu trat heldenmüthig seinen Rückzug an, gefolgt von den Vorwürfen und den Spottäußerungen der Kontrollbeamten. (v bcnttijt nUes. Bringen Sie mir 'mal das Beschwerdebuch!" Bitte, was ist denn los?" Werden Sie schon sehen so. lesen Sie!" Papier miserabel. Einbanddecke ditto. I. Mayer. Papierreisender. (Ausgezeichnete Beschwerdeöücher'in allen Preislagen.) &(rnn3glidf. .Ich sage Ihnen. Komtesse, solche vierwöchige Seereise ist etwas Herrliches!" Ja... aber so lange ohne Automobil zu sein!"

Vielseitiger Herrscher. König arl l. von Portugal 14 Niro und Zvottmauu. König Karl von Portugal, dessen Besuch bald nach dem des spanischen Königs in Berlin erwartet widd, ist in vielen Beziehungen einer der merkwürdigsten Monarchen Europas. Eine treffende Charakteristik des nunmehr 42jährigen Herrschers gab einmal Jemand, als er erklärte, daß

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König Karl I. von Portugal. König Karl, wenn er vor die Alternative gestellt, entweder seinem Throne ode: seinem Gewehre zu entsagen, die Entscheidung über die schwierigste und unangenehmste Frage seines Lebens zu treffen haben würde. Schon in frühester Jugend bekundete Portugals Herrscher eine geradezu leidenschaftliche Neigung für den Schießsport, und es sollen wenig Männer in der großen weiten Welt existiren, die es dem König in der Handhabung von Feuerwaffen aller Art gleichthun können.' Aber auch als Athlet, Reiter und Lawn Tennis"-Spieler reichen seine Leistungen weit über das Durchschnittsmaß hinaus. Neben seinen sportlichen und gesellschaftlichen Vergnügungen widmet sich der Monarch auch mit bewundernswerther Energie und Ausdauer der Pflege seines Geistes. Er beherrscht sechs Sprachen vollkommen, und in der wissenschaftlichen Welt hat er sich durch seine Tiefseeforschungen einen Namen gemacht. Für alles Schöne und Edle begeistert, ist er natürlich auch ein Verehrer der Kunst, und-wbesondere fühlt er sich zu der Malerei hingezogen und hat selbst schon ein Anzahl Gemälde geschaffen, die von der hohen Kritik als Kunstwerke anerkannt wurden. In seiner Sturm-' und DrangPeriode war König Karl ein glühender Verehrer der Stiergefechte, ja, seine Begeisterung für dieses nervenerregende Schausviel war so groß, daß er als Kronprinz öfters als Torero" die Arena betrat, bei welcher Gelegenheit er einmal seinen Wagemuth beinahe mit dem Leben hätte bezahlen müssen. Seine Beliebtheit in allen Schichten der Bevölkerung verdankt König Karl seinem leutseligen, freundlichen und treuherzigen Wesen, und diese Eigenschaften gepaart mit seinem gewinnenden Aeußeren erobern ihm überall die Herzen im Sturm. Seit dem Jahre 1886 ist König Karl mit der Prinzessin Amalie von Bourbon-Orleans. Tochter des Grafen von Paris, vermahlt. ' Keine unnötyige Belästigung von Kajüten'Passagiercn. Obiges sagt der New Yorker Ein-wandcrungs-Commissär W a t ch o r n, und er bemerkt weiter: Die Meldungen, welche in letzter Zeit über die Belästigung der auf Ocean - Dampfern in New York eintreffenden Kajüten-Passagie-re verbreitet wurden, entbehrten jeder Begründung. Er habe den SuperintendentenDobler allerdings beauftragt, darauf zu achten, daß die in den Kajüten eintreffenden Passagiere sorgfältig beobachtet werden, damit sich keine Einwanderer, die bei ihrer Landung auf Ellis Island zurückgewiesen würden, als Kajüten-Passgiere einschmuggeln können; doch solle' vermieden werden, unanfechtbare Kajüten-Passagiere unnöthig zu belästigen. Gewisse Instruktionen zur Ueberwachung der Ka-jüten-Passagiere seien stets in Kraft gewesen; denn von Zeit' zu Zeit seien Kajütcn-Passagiere auf ärztliche Gut achten hin nach Ellis Island gebracht worden, um dort ein Spezial-Verhör zu bestehen,Vob sie zur Landung berechtigt seien, und dies werde in begründeten Fällen auch ferner geschehen. Die kllrzlicbe Entdeckuno. daß es einem mit Trachom? bchafteten Einwanderer gelang, sich in der ersten Kajüte durchzuschmuggeln. habe die Einwände-rungs-Behörde veranlaßt nachzuforschen,, ob dieser Versuch eine Wiederholung erfahren werde; doch sei damit durchaus nicht die Absicht verknüpft, die Kajüten-Passagiere anders zu behandeln, als es bisher der Fall gewesen. Alle gegentheiligen Meldungen seien unbegründet. ' . (Bitt guter Kerl. Landrichter: ... Nun, es würde mich sehr interessiren, wenn Ihr mir die Geschichte recht ausführlich erzählen wolltet!" A n g e k l a g t e r : Na, wissen S', Herr Landrichter, dös verzähl' i' Jhna amal, wenn wir ganz unter uns san!" .

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