Indiana Tribüne, Volume 29, Number 70, Indianapolis, Marion County, 14 November 1905 — Page 6

Jndiana TrZbüuc. 11. November 1905.

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Europaische Nachrichten.

Provinz ZVestfaren. Münster. Der langjährige (3t neralsuperintendent D. Neba trat in den Ruhestand.' Als Nachfolger wird Pastor Lahusen von der Dreieinigkeitskirche in Berlin genannt. Bremen. Vor einiger Zeit ver unglückte beim Errichten eines ViehHauses des Landwirths Liedhegener der Zimmergeselle Bracht. Ein schwerer ValkeN stürzte dem Bracht derart unglücklich auf den Kopf, daß er sofort zusammenbrach und kurze Zeit darauf verschied. H a m m. Vom Zuge überfahren wurde hier im Bahnhofe der Schaffuer Naktkamp. Der Tod trat sofort ein. Man nimmt an, daß er aus dem fahrenden Zuge gestürzt ist. H ö v e l. Durch die Unvorsichtigkeit des Dienstmädchens ist die Familie des hiesigen Gutspächtcrs Bergmann aus Klosterhof in Lebensgefahr gebracht worden. Zur Bereitung des Mittagsmahles holte es aus dem Garten statt Petersilie giftigen Schierling und mengte diesen unter die Speisen. Kurz nach Genuß erkrankte die ganze Familie und das Gesinde, einige so schwer, daß sie zum Krankenhause gebracht werden mußten. Der Hausherr war zufällig verreist, so daß er nur dadurch vor dem gleichen Schicksal bewahrt blieb. S p o r k e. Ein Doppel - Jubiläum feierte im vergangenen Frühjahr unser Lehrer Hengesbach: seine 25jährige Wirksamkeit als hiesiger Elementarlehrer sowie seine Thätigkeit während der 25 Wintersemester an der landwirthschaftlichen Winterschule in Elspe. Von einer Anzahl seiner früheren Schüler, die durch Hengesbach, weite? ausgebildet, theilweise auf die Mittelklaffen des Gymnasiums vorbereitet waren, wurde ibm ein schönes Pianino geschenkt. W e i d e n a u. Ein betrübender Unglücksfall ereignete sich an derFeindler'schen Ziegelei Hierselbst. Entgegen der Vorschrift wollte der Ziegelmeister Gustav Nieländer die Lehmwand int terminiren und war auch schon einen Meter weit vorgedrungen,, als sich plötzlich Erdmassen lösten und auf ihn fielen. Der Getroffene . stürzte etwa 6 bis 7 Meter herab und erlitt so schwere Verletzungen, daß er starb. Vbeinprovinz. Köln. Als Betriebsleiter Peters von der hiesigen Allgemeinen Betriebsgesellschaft für Motorfahrzeuge mit vier Herren von einer Automobilfahrt zurückkehrte, fuhr fein Fahrzeug auf der Bonner Chaussee auf einen quer über die Straße stehenden Möbelwagen auf. Die Deichsel des Möbelwagens drang Peters in den Unterleib, so daß der Tod alsbald erfolgte. Die übrigen Herren kamen mit leichten Verletzungen davon. Barmen. Vor kurzem stürzte der Monteur Wilhelm Waldmann im Neubau ier Gebrüder Alsberg aus dem zweiten Stock in die Tiefe und wurde schwer verletzt durch den Sanitätswagen zum städtischen Krankenhause gebracht. ' Bonn. Fräulein Dr. Elvira Fölzer hat als erste Dame bei der hiesigen' philosophischen Fakultät das Doktorexamen in Archäologie bestanden. . . , Duisburg. Letztens stürzte die 8jährige Tochter der Ebeleute Höffken auf der Albertstr. Zl.' Etagen hoch aus dem Fensteis in den Hof hinab. Das Kind war sofort todt. Hilgen. Letztens spielten hier mehrere kleine Kinder an einem Ziehkarren. Das 2jährige Söhnchen des Schneiders Bößling gerieth uttter die Räder und wurde so schwer verletzt, daß es bald darauf starb. K l e v e. Hauptlehrer Herm. Mönmchs von -hier feierte sein goldenes Lehrerjubiläum in seltene? Körperund Geistesfrische. Lüttringhausen. Hier erschoß der 6Pährige Invalide Kreß seinen Sohn statt seiner Frau, die er treffen wollte. München-Gladb ach. Der achtjährige Sohn des Bankdirektors Custodis stürzte M einem Kinderfest von einem Pony und war sofort todt. Neuß. Der Leutnant im Wests. Ulanenregiment No. 5, Frhr. von der Leyen, Sohn ves hiesigen Landraths, ist auf einer Pürsche im Wald bei Haus Meer verunglückt. Ein Lauf seiner Flinte hatte sich, wahrscheinlich beim Sturz von einem Baum, entladen und den Tod des Offiziers herbeigeführt. Rheinböllen. Kürzlich fuhr der Fuhrmann Joseph Holler mit seinem Wagen zum Bahnhof. Unterwegs stieg er auf den Wagen und als die Pferde ein etwas schnelleres Tempo annahmen, stürzte er herab, das Fuhrwerk ging ihm über Kopf und Hals, so daß der Tod sofort eintrat. rsVinz ,cffelasjau. Kassel. Adalbert Steffter, das frühere Mitglied unseres Hoftheaters, jetzt Direktor des Fürstlichen Schaufpielhauses in Putbus auf Rügen und Regisseur und Bonvivant am Restdenztheater in Hannover, wurde vom Fürsten von Montenegro iiurch Verlei yunz Der Medaille mit der Krone für Kunst und Wissenschaft am Bande ausgezeichnet. Jrnkfttvt. 5)it. nteldiener

Friedrich Dannhäuser aus der KrönPrinzenstraße miethete in der Booteverleihanstal von Schecker am Eisernen Steg ern Boot zu einer Vergnügngsfahrt nach der Gerbermühle mit einem in seiner Begleitung befindlichen Dienstmädchen. Bei der Rückfahrt wünschte das -Mädchen in der Nähe der Vooteverleiöanstalt weiterzufahren. was Dannhäuser, wie er behauptete, verweigerte. Das Mädchen wollte nun aussteigen und stellte sich mit beiden Füßen auf den ' Bootrand, dadurch kippte das Boot um und beide Jnsassen fielen in das Wasser. Dannhäuser konnte sich retten, während das Mädchen ertrank. F r i tz l a r. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich in der DampfZiegelei der Firma C. A. Lederle. Der Tagelöhner Kranz war in der Lehmgrübe mit d&m Loshacken desErdreichs beschäftigt, als die überhängendenErdMassen herabgestürzt kamen und ihn vollständig verschütteten. Als man denselben wieder ausgeschaufelt hatte, war der Tod bereits durch Erstickung eingetreten. H a n a u. Der fünfundfünfzig Jahre alte Bijouteriefabrikant WilHelm Bogt, der in einer großen Golddiebstahls- und Hehlerei-Angelegenheit als Zeuge vernommen werden sollte, beging aus Erregung hierüber Selbst.Mord. AIitte5deittsct)e Staaten. Alten bürg. Der im 13. Lebensjahre stehende einzige Sohn des Polizeisekretärs Köchly hatte sich vor einiger Zeit einen rostigen Nagel in den Fuß getreten. Es stellte sich Wundstarrkrampf ein, der den Tod des Knaben zur Folge hatte. C o b u r g. Einen jähen Tod fand der 78jährige Hcfconditor Sollmann. Der gelähmte, an zwei Stocken gehende Mann stieg die Treppe zu seiner Wohnung empor, da brach ein Stock und der Mann stürzte die Treppe hinab. Er erlitt einen Schädelbruch, an dem er alsbald starb. E i s e n a ch. An einem Herzschlage plötzlich verstorben ist der Vorsteher des hiesigen Bahnhofs, Stationsvorsteher 1. Klasse Kuhlmann. Der Tod ereilte ihn in der Wohnung des Medizinalraths Dr. Brauns, von dem sich der Beamte untersuchen lassen wollte. E i s e n b e r g. Einen schnellen Tod fand im nahen Rauda der'Gutsbesitzer Krehan. Er hatte sich kaum zu einem Glase Bier niedergesetzt, als er, von einem Schlaganfalle betroffen, todt zusammenbrach. Hermsdorf. Hier starb der Gutsauszügler Veteran Friedrich August Riedel. Vom hiesigen Militärverein wurden dem Verstorbenen militarische Ehren erwiesen. Königsee. Der sechzigjährige Erntearbeiter Langbein ausGarsitz gerieth beim Getreideeinfahren so 'unglücklich unter den Wagen, daß ihm beide Beine gebrochen wurden. Martinroda. Das vierjährige Töchterchcn Marie des Christian Elle machte sich, als sich die Mutter auf kurze Zeit entfernt hatte, an einem Wafchkessel zu schaffen, bekam das Uebergewicht und stürzte in das heiße Wasser, wo es sich stark verbrühte. Regenbö. rn. Der Kleinköter Wilhelm Stapel von hier, der kürzlich wegen Trunksucht entmündigt wurde, machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Sallmannshau sen. Das li Jahre alte Söhnchen des Tünchers Karl Braun stürzte, als sich die Mutter auf einige Augenblicke wieder entfernt hatte, aus dem Kinderwagen und brach das Genick. Das Kind war sofort todt. Süpplingen. Ein schwerer Automobilunfall hat sich zwischen Helmstedt und hier ereignet. In einem dem hiesigen Molkereipächter. Schuber: gehörenden Automobil zündete sich einer der drei Insassen eine Cigarre an. Dabei explodirte der Benzinbehälter, und die Insassen wurden hinausgeschleudert. Schubert ' wurde schwer verletzt, einer der Insassen erlitt" einen Armbruch, ein anderer einen Beinbruch. . Weimar. Frau Oberleutnant Horrocks wurde im Schlafzimmer in ihrer Villa an der Belvtdere - Allee todt aufgefunden. Der Gashahn war geöffnet. Frau Horrocks lebte von ihrem Manne geschieden. Sachsen. Dresden. Dieser Tage feierte Bernhard Unger sein 25jähriges'Jubiläum als Beamter der Firma Gelbke & Benedictur, G. m. b. H. Anerkennende ehrende Worte seitens der Geschäftsleiter und der Mitarbeiter bczeugten, daß der Genannte während seiner langen Thätigkeit sich Vertrauen und Anhänglichkeit in reichem Maße erworben hat. Die Cigarettenfabrik Gebr. Selowsky, hier, Pillnitzer Straße 46, beging das 25jährige Geschäftsjubiläum. A u e r h a m m e r. Die vier Jahre alten Kinder (Zwillinge) der Familie Renatas spielten mit Streichhölzern. Dabei geriethen die Kleider eines Kindes in Brand. Das arme Kind erlag bald darauf seinen Verletzungen. B au tzen. Der Gastwirth Paul Verndt aus Limbach, der kurz vor dem hiesigen Bahnhofe aus dem Zuge stürzte und sich schwer verletzte, ist hier im Krankenhause verstorben. "Höhendorf. Aus unglücklicher Liebe ertränkte sich hier die 16jährige Gutsbesitzerstochter Fischer.

Tas vicrblättrige Kleeblatt. -

Novelle von Max Walther. Fünfundzwanzig Jahre waren nun seit ihrem Hochzeitstage vorüber; das alte graue Haus mit dem Wappen über der Thür ist wieder festlich geschmückt mit Blumen und Kränzen, der Himmel steht so weit und rein und blau darÜber, dustend ist der junge Wald, die Aurikeln prangen im farbigen Sam met, die Nachtigallen singen am silberhellen Back, und in dem jungen Grün der Wiese hatte sich wieder die liebe, lichte, buntschimmernde Blumengesellschaft eingefunden. Ja, die Frühlingswelt war dieselbe wie vor fünfundzwanzig Jahren; aber die Menschenwelt war sehr unverändert. Nur hier, in dem alten grauen Hause mitten in dem frischen Wald schien alles beim. Alten geblieben zu sein. Die Einrichtung der Zimmer, die beiden Oelgemälde alter Schule mit dem großen goldenen, schwerfälligen Rahmen über dem breiten und tiefen, sehr massiven Nußbaum - Sofa mit dem kirschrothen Damast - Ueberzuge, sie zeigten alle, daß man hier an dem Alten treulich festhielt.- Auf dem Sofa saßen zwei Leute, den Bildern sehr ähnlich, nur hübscher geworden nach gegenseitiqer Uebereinkunft. Klang das thöricht? Nein,so soll es immer sein. Das Fleisch macht Raum dem Geiste. Die Züge waren wohl schmäler und schärfer geworden, aber die in fünfundzwanzig Jahren erlebte Liebe und Freude war darin zu lesen und die zusammen erlebten Sorgen und Prüfungszeiten, die das Schicksal den Menschenkindern bringt, um sie zu ziehen und wachsen zu lassen, in dem sich, wie der selige Pfarrer so gut 'zu schildern wußte, eine neue Wunderwelt aufschließt und darinnen alle menschlichen Gefühle umgezaubert werden. Das alles lebte in den Augen und in den Zügen, und es war kein Wunder, daß sich die Leute mit so getreuen Herzen schöner fanden als vor fllnfund zwanzig Jahren; aber auch die Welt und der. Kreis, in dem sie lebten, war ihnen schöner und reicher geworden. ' Der Vater der Silberbraut war zwar wenige Jahre nach ihrer Hochzeit gestorben, und der fürsorgliche Pfarrer war für sie beide ein schwerer Verlust, aber diese weniqen Jahre, die sie noch mit ihm zusammen verlebt hatten, waren auch wieder ein Reichthum zu nennen, und welch ein Kinderkreis war um sie versammelt, ja selbst zwei Enkel nahmen die Herzen der Großeltern in Anspruch, fast mit wärmerer Liebe, als die eigenen Kinder es gethan. Und mit welcker zarten Sinnigkeit' hatten sie heute dem lieben Jubelpaare den festlichen Tisch bereitet und das Haus geschmückt. Wie brachte jeder ein Zeichen der Liebe und der Dankbarkeit, und unter' all' diesen so sinnigen Geschenken prangte das goldene Medaillon mit dem eingekapselten vierblättrigen Kleeblatt auf einem violetten Seidenkissen. Ja, dieses winzige, unbedeutende Blättchen war nach ihrer Meinung der Begründer ihres Glückes, und unwillkürlich faßten sich ihre Hände inniger ineinander, um so zu verhüten, daß eines dem anderen entrissen werden könnte. Damals war es gewesen, als sie Brautleute waren; in ihrer ersten Jugendfrische lernten sie einander kennen. Das Glück lag sonnig vor ihnen lachend wie ein thaufrischer Maienmorgen so nahe, so greifbar, sie brauchten die Hand nur danach auszustrecken, um es zu fangen wie einen Vogel . . . Aber der Vogel hat Flügel, und er entwisckt, wenn man ihn schon zu fassen wähnt. Husch! er ist entschwunden, und wir hören nur noch seinen fernen Gesang ... . Und so ging es auch bei ihnen. Daß der jugendliche Großvater nicht mehr Offizier, sondern Rentmeister war und nicht mehr .fa der Residenz, sondern hier in seinem ererbten väterlichen Heim wohnte, hatte, der Krieg veranlaßt. Am 22. April 1870 hatten sie ihre Verlobung mit den seligsten Hoffnungen gefeiert, und am 15. Juli war die Mobilmachung der gesammten norddeutschen Heerkörper angeordnet worden. Dieser schwere Schlag war für die junge Braut von so nachhaltige? Wirkung, daß sie in ein heftiges Fieber verfiel, durch das . sie beinahe drei Wochen an das Bett gefesselt wurde. Es war an einem herrlichen Sommermorgen, als sie das erstemal an dem Arme ihres Verlobten seit langer Zeit in den weiten Gartenanlagen zur Erholung wandelte, und so sehr er sich auch bemühte, das Unvermeidliche ihrer traurigen Lage in dem richtigen Lichte der Begeisterung zu schildern, ließ sie doch ihr kleines Köpfchen hängen. Bei der Beschiistigung, einen duftenden Blumenstrauß für den Kaffeetisch zu binden, erblickte sie zwischen den thaufrischen Gräsern ein vierblättriges, Kleeblatt. Gleichsam, als sei ihr das ein, Vorbote kommenden Glückes, überreichte sie mit hosfnungsfreudigen .Worten dies Blättchen ihrem Bräutigam, und mit der Bitte, dasselbe als Talisman mit hinaus zu nehmen, und sollte er draußen einem solchen begegnen, so fordere sie es als Revanche. Dann kam der schwere Tag, an dem er sich fast gewaltsam aus den Augen seiner vollständig fassungslosen Braut .befreien und dem Kriegsrufe folgen mußte. Schon am 6. August kam er mit den ' preußischen Vortruppen der ersten Armee unter dem General v.

Zästrow bei einem Ansturm auf die Spicherei'Höhen in heftiges Geschützfeuer. Leider aber wurden zwei Angriffe zurückgeworfen, und man mußte warten, bis neue Zuzüge, welche General v. Alvensleben von der zweiten Armee nach dem Gefechtsfeld richtete, ankamen. Mißmuthig und etwas in seiner militärischen Ehre gekränkt, starrte er vor sich zu Boden und entdeckte dabei ein vierblättriges Kleeblatt. Eingedenk seines gegebenen Versprechens, bückte er sich, um eZ zu pflücken. In demselben Augenblick sauste ein Geschoß über ihn hinweg, das ihn sonst unfehlbar getroffen, haben würde. Mit einigen tiefbewegten Zeilen sandte er das Kleeblättchen an seine Braut, und als es ihm vergönnt war. wenn auch leicht verwundet, in die Arme seiner Lieben zurückzukehren, wurde ihm dies Blättchen zur Erinnerung von seiner Braut in einer goldenen Kapsel über-reicht.

DaS Gericht. Nach dem Leben von A. E. Hetterman. Der Winter war vorüber. Von goldener Glorie umgeben, stieg die Königin des Lichts majestätisch am Himmel auf, das neue Herrscherjahr mildleuchtend und wärmen) anzutreten. Frisch belebt von dem Frühjahrswehen, regte sich Mensch und Thier. Der große, wohlgeordnete Gutshof machte im Morgenlicht einen wohlthuenden Eindruck. Die hohen Flügel der Thore der stattlichen Scheune und Ställe waren weit geöffnet. Uebcrall war reges Leben. Im Schafstall blNten munter die jungen Lämmer, im Kuhstall brummte gemüthlich die Kuh, aus dem Pferdestall tönte freudiges Wiehern, oben am Taubenschlag girrten zärtlch die Tauben, und unten stolzirte der eitle Pfau, zur Feier seine Schönheit leuchten lassend. Auf der Terrasse des Herrenhauses ordnete man zum Frühmahl. Die Tassen und Teller klapperten. Der Kessel brodelte und dampfte, mit Mokkaduft die Luft erfüllend. Jetzt wurde die Thür des .Hauses geöffnet Zwei kräftige Gestalten mittleren Alters, Mann und Frau, erschienen auf der Schwelle. Ach," sagte die Dame tiefathmend, wie köstlich ist die Luft. Der erste wirklich durchwärmte Frühjahrstag. Nach so stürmischer Nacht hätte man dies nicht erwartet." Hm!" nickte der Herr des Hauses. Sein Falkenauge streifte prüfend die große Fläche des Hofes. Ordnung" war sein Wahlspruch, und diese verlangte er auf Hof und Feld. Kühne! Kühne!" erscholl plötzlich seine Stentorstimme. Schon von fern rief er dem Herbeieilenden im barschen Ton entgegen: Was ist mit dem Storchnest? Das hängt ja nur noch und droht jeden Augenblick herunterzufallen. Daß ihr Leute so etwas nie selbstjseht!" setzte er ärgerlich hinzu. Alle Augen wandten sich dem Schafstall zu, auf dessen einer Spitze des Giebels am Dach in der That kaum noch das Storchnest hing. Der Sturm in der Nacht!" wagte der Befragte zu bemerken. O, das Storchnest!" rief seufzend die Dame. Das bringt Unglück." Was, Unglück?" wiederholte der Gutsherr. Unsinn, es wackelt nur." Aber auch ihm schien der Vorfall des Nestes nicht ganz gleichgültig zu sein. Sogleich soll es wieder aufgerichtet werden, versteht Ihr?" sagte er zu Kühne gewendet. Jeden Augenblick können die Störche wiederkehren." Am andern Morgen jauchzte 'eine fröhliche Kinderschaar: Die Störche sind wieder da!" Richtig, da standen sie. Lebhaft begannen sie mit den Schnäbeln zu klappern. Verstanden sie die Begrüßung der fröhlichen Kinderschaat? Jetzt wandten sie ihre Aufmerksamkeit dem Neste zu. Ernst prüfend umstanden sie dieses. Hin und her neigten sie bedenklich ihre .langen Schnäbel, dann flogen sie davon. Fanden sie nicht alles so geordnet, wie sie es verlassen? Doch nach kurzer Zeit kehrte der eine, bald auch der andere wieder. Das Bedenken war überwunden, man richtete sich häuslich ein. Es grünten die Felder und blühten die Bäume, und oben im Storchnest ging es fleißig her. Emsig flog der Storch ab und zu, dem brütenden Weibchen Nahrung zu schaffen. Nach Wochen des fleißigen Hin und Her ertönten Stimmchen. Man sah das glückliche Elternpaar stolz die junge Brüt beäugeln. Wieder vergingen Wochen. - Die Felder reiften der Ernte entgegen, als eines Tages auf der Terrasse die Familie im Abendsonnen schein scherzend und plaudernd versammelt war. Da rief auf einmal der Gutsherr, von sein'm Sitze springend: Seht, was ist mit den Störchen?" Ja, merkwürdig war es.. Das ganze Dach -, des Schafstalls war dicht mit Störchen besetzt, die, dem Nest zugewandt, mit gravitätischer Miene unbeweglich dastanden. - Das Nest selbst war eng von einer Anzahl umstanden, die alle ernsthaft hinein starrten. Plötzlich begann einer von diesen heftig zu klappern. . Es klang wie Zorn, und von der Schaar wurde mit demselben Ton die

Bewegung einstimmig erwidsrt. Dann erhoben sie die Flügel, und der ganze Schwärm zog in langem Zuge dem Walde zu, Nest und Dach verödet zurücklassend. Unsere stnd auch mitgezogen," ries betrüb! der elfjährige Sohn des Hauses. Sie werden wiederkommen!" sagte begütigend die Mutter. Noch ist die Zeit des Fortziehens nicht da. Die jungen Störche müssen erst die Gewandtheit des Fliegen innehaben, um die weite Reise unternehmen zu fönnen." Aber der Abend neigte sich, man rüstete sich zur Ruh', und noch war kein Storch zurückgekehrt. Da kam ein heimkehrender Jägerbursche über den Hos geschritten. Hör', Gottlieb!" rief der kleine Kurt ihm entgegen. Hast du unsere Störche nicht gesehen?" Der Angeredete streifte das leere Nest mit seinen Blicken. Waren auch unsere dabei?" fragte er. Ich sah eine große Schaar auf der Waldwiese am Teiche. Sie werden wiederkehren," tröstete er. Die erste Frage galt am andern Morgen dem Neste. Die Störche fehlten, es war leer wie zuvor. Es soll jemand auf das. Dach sieigen, das Nest untersuchen!" befahl nun der Gutsherr. Was entdeckte man da! Vier abgemagerte, verlassene Gänselein. Eine ruchlose Hand hatte dem vertrauenden Weibchen die Eier vertauscht. Das war also die Ursache des Zornes der Versammlung. Man hatte die Schnäbel und die Beine der Nachkommenschaft zur kurz befunden. Die Ausführung des Rechtsspruchs fand man auf der Waldwiese am Teiche. Da lag die Leiche des unschuldigen Weibchens in ihrem Blut von dem spitzen Schnabel eines Storches durchbohrt. Der verzweifelte Storchvater flüchtete in die Einsamkeit. Denn die Störche haben nur ein Weibchen. Wenn sie es verlieren, bleiben sie allein. Jetzt war es aufgeklärt Gerichtssitzung war gewesen!

Eine Liga gegen die Bleichsucht ist auf Porto Rico begründet worden. Dort hat sich eine Anzahl hervorragender Bürger, hauptsächlich Männer des ärztlichen Berufs, zusammengethan zu einer nationalen Liga de Defensa contra la Anemia". Der Verein will die Insel in fünf oder zehn Bezirke- theilen und in jedem ein Krankenhaus zu vierzig Betten einrichten. Aerzte wollen von Dorf zu Dorf reisen, bis die Kenntniß der richtigen Behandlung der Bleichsucht und die Grundsätze einer gesunden Lebensweise überhaupt bis zu jedem Bewohner und bis in jeden Winkel der Insel gelangt ist. Die Liga will die Unter-, stützung der Regierung anruscn und für ihre Arbeiten Sammlungen veranstalten, vor allem sämmtliche Aerzte zur Mitarbeit heranziehen. Durch wöchentliche Vorlesungen soll das Volk über die Nothwendigkeit und die Mittel zur Verhütung der Bleichsucht aufgeklärt werden. Ferner wird beabsichtigt, Flugblätter zu veröffentlichen und jährliche Preise auszusetzen für die, die sich im Dienst der Sache auszeichnen. Glückliches Porto Rico! Einen gemeingefährlichen Menschen hat, die Berliner Kriminalpolizei verhaftet, den Besitzer einer Waffelbäckerei, Namens Hermann Lorenz, der ein richtiger Sklavenhalter war. Er versah seine Angestellten mit weißer Mütze. Jacke und Schürze, gab ihnen ein Brett mit Wasfeln und schickte sie auf den Handel. Festen Lohn bewilligte er ihnen nicht, nur einen geringen Prozentsatz vom Erlös für die verkaufte Waare. Oft reichte ihr Antheil am Ertrag nicht einmal für die geringsten Ausgaben. Häufig schlug der WaffelbLlker, der früher Artist und Dcgenschlucker war, die halbverhungerten Menschen barbarisch. Unter allen möglichen Vorwänoen behielt er auch ihren Antheil und pfändete ihnen noch dazu Ueberzieher und andere Kleidungsstücke ab. Die Leute liefen dann in der Regel davon und ließen ihre Sachen im Stich. Zu di:frm Treiben gesellten sich Betrug und .Unterschlagung. Zuletzt betrog er seine Lieferanten und verkaufte sein Geschäft mit der gesammten geborgten Einrichtung für 1700 Mark. Mit d m Erlös richtete Lorenz seiner jungen Frau in Pankow eine neue Wasvfelbäckerei ein; er selbst wollte nach London gehen, um wieder als Artist aufzutreten. Zwei Schwestern seiner Frau überredete er, mit ihm nach London mitzukommen, wo er ihnen ein sorgenfreies Leben in Aussicht stellte. Lorenz war gerade im Begriff, vom Lehrter Bahnhof aus nach London abzureisen, als er von Kriminalbeamten verhaftet wurde. Gemüthlich. In einem Coup6 fällt Herrn Kohle aus Pirna von Zeit zu Zeit, wenn der Zug eine Kurve macht, die über ihm im Gepäcknetz liegende Hutschachtel auf den Kopf. Der Eigenthümer entschuldigt sich jedesmal, bringt jedoch die Schachtel immer wieder auf seinen alten Platz. Als diese nun wieder herunterfällt, meint Kohle: Nu' brauchen Se sich nich' mehr zu entschuldigen nu' hin ich's schon gewohntl"