Indiana Tribüne, Volume 29, Number 67, Indianapolis, Marion County, 10 November 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, 10. November 1903.

&G-O4y&QQ4Q-0&'& ö Dir lirrnnciiöc Frage l i v Humoristischer Roman

von Uolf Von Tainaei? i (Fortsetzung.) ImpomrtZ Jmponirt!" schrie der Baron, indem er mit den Händen in der Luft herumfuchtelte. Sie wollen mir wohl auch imponiren? Wie? Dann, bitte, thun Sie das mit etwas anderm als mit dem ewigen ,VorMuß!" Vorschuß, ganz recht, Vorschuß." sagte plötzlich eine fettige Stimme hinter den beiden Streitenden. Der Varon und Victor drehten sich verwundert um. Im Nahmen der Thür stand mit rothem, schweißtriefendem Gesichte ein kleiner, dicker, kahlköpfiger Herr in einem glänzigen langen. schwarzen Röcke, in der Rechten einen struppigen Cylinderhut, in der Linken ein nasses, rothumrändertes Taschentuch haltend. Es war Herr Gaudig. Dem armen, kleinen, dicken Regisseur war es in der letzten Zeit schlecht gegangen. Seit jener unglückliche::, j durch das Unwetter unterbrochenen Vorstellung in Welzeneck schien ein mißgünstiger Stern über seinem von den Mühen und Sorgen eines langen Komödiantenlebens entblößten Haupte zu schweben. Seit der Verlobung des Grafen Laschek, des einzigen wirklichen Sommertheaterhabitues 1 der Stadt, fingen die Geschäfte an von Tag zu Tag schlechter zu gehen. Während der Regentage, war das Gärtchen, das den. Zuschauerraum bildete, überhaupt leer, und auch dann, als die Sonne wieder schien, wollten die klaffenden Lücken in den. Stuhlreihen unter den Kastanienbäumen sich nicht füllen. In immer schmerzlichere Falten legte sich des Direktors sorgenvolles Gesicht Abends nach dem Kassenschlusse (der in dem Schließen einer alten SchminkschatuÄe bestand) bis schließlich die Pforten des Musentempels geschlossen werden mußten. Die armen Diener der Muse mit Dolch und Jokusstab versuchten, so gut sie es vermochten, sich über die dürren sommerlichen Hungertage hinwegzubringen. Gaudig theilte das Loos der übrigen, nämlich nach und nach die entbehrliche Garderobe zum-Spe-diteur" zu schaffen und nach Möglichkeit zu hungern. Vergebens hatte er versucht, das rückständige Piccolominische Honorar das man im Trubel ihm auszuzahlen vergessen hatte, einzutreiben, zu Tode erschrocken war er vor der Flinte des mordgierigen Gewaltfürsten Silvio entflohen. Aber ein kleines Hoffnungssternchen war ihm bei dieser Flucht aufgegangen. Hinter ihm hatte sich das Schloßthor geöffnet und eine-offene Equipage war aus dem Schlosse und an ihm vorüber gefahren, in der zwei Herren saßen, von denen er den einen kannte, und von denen der andre dunkle Erinnerungen an eine frühst Bekanntschaft in ihm erweckte. Der eine war der ehemalige Hotelier Wiener, jedem Bewohner der Stadt bekannt, der andre ein Herr mit einem mä'htigen schwarzen Barte und eine: röthlichen Nasenspitze. Und gerade die röthliche Nasenspitze war es, die jene lange vergessene Erinnerung in dem bedrängten Mimen wieder auftauchen ließ. Gaudig hatte einst bessere Tage gesehen, ja. er war sogar einmal, als die ererbten' väterlichen Gelder des seligen Dresdener Kürschuermeisters Gaudig noch nicht ganz im .Diensie Melpomenens und Thaliens zusammengeschmolzen waren, selbst Direltor einer solchen Sommertheatergesellschaft gewesen, wie diejenige, dcr er die letzten Monate angehört hatte. Damals war sein erster, jugendlicher Held und Liebhaber ein gewisser mit Spreewasser getaufter junger Mann gewesen, auf dessen Namen er sich leider trotz des eifrigsten Nachdenkens nicht mehr zu besinnen vermochte, ein junger Mann, der damals, als er sich von ihm trennte, nicht nur vergessen hatte, ihm Adieu zu sagen, sondern auch einen Vorschuß von dreißig Mark sowie ein Paar von dem gutmüthigen Direktor entliehene fleischfarbene Trikots zurückzuerstatten. Dieser junge Mann war natürlich bartlos gewesen, aber die Nasenspitze, die röthliche Nasenspitze glich jener des im Wagen neben Herrn von Wiener sitzenden Schwarzbärtigen, wie ein Ei dem andern! Welch ein glücklicher Zufall gerade in dieser Zeit der Noth und Bedrängniß, wenn es wirklich die des vergeßlichen Schuldners war! Herr Gaudia eilte noch am selben Tage nach der Stadiwohnung des ehemaligen Hoteliers, um sich sowohl nach dem Namen wie nach der Wohnung des Unbekannten zu erkundigen. Er erfuhr, daß dieser Läumcher" heiße, im Hotel Kaiser von Oesterreich gewohnt habe, bereits wieder abgereist sei, aber in ein ' paar Tagen zurückkomme. Nach ein paar Tagen war Herr Bäumcher" in der That wieder dagewesen, aber abermals schon fortgefahren und zwar nach ' Schloß Kriegstein, wie der Porlier zu berichten wußte. Bäumcher. Bäumcher...das war ein Name, "der dem Ohre des armen Gaudig so fremd klang wie weiland Kalb der Unglücklicben Luise. Aber Name ist Schall und Rauch, dachte der in klassischen Citaten bewanderte, vom Hunger ge-

peinigte Regisseur und beschloß,' damit er nicht wiederum das Nachsehen habe, zur Feststellung der Identität des ihm Verdächtigen diesen gleich im Schlosse Kriegstein aufzusuchen. Er lief stundenlang so rasch ihn die Füße trugen, kletterte keuchend die steinige Straße nach dem Schlosse hinauf, ein Mädchen wies ihn nach dem ersten Stocke an die dritte Thür im Korridore, sein Klopfen wurde nicht gehört, er öffnete und trat wie auf sein Stichwort bei dem ominösen Worte Vorschuß" in's Zimmer herein. Was wünschen Sie, mein Herr?" fragte der Baron, nachdem er sich von seinem Erstaunen erholt hatte. Gaudig wischte sich schnaufend mit dem Taschentuche den Schweiß von der Stirn, der in all den vielen Furchen des runzligen Komödiantengesichtes herunterrann. Ich bitte tausendmal um Vergebung, Herr Baron. Es ist ja in der That . . . nun ja . . . man fällt ja nicht gleich so mit der Thür in's Haus, man klopft erst an, wie Nathan sagt . . Hm." Es ist nur. weil ich auch nicht weiß, ob die Sonne des morgigen Tages noch unter demselben Himmelsstriche mein Haupt bescheinen wird, das heißt, weil ich nicht weiß, ob es mir morgen noch vergönnt sein wird ... ich hab.-... ich möchte gern 'mit Herrn

Bäumcher. den ich. wenn ich mich nicht lrre, da vor mir zu sehen wohl das Vergnügen habe, sozusagen eine ge schäftliche Angelegenheit. Mein Name ist Gaudig. Fürstlich Sondershausenscher Hofschauspieler Gaudig." Bitte." sagte der Baron. Bttte. geniren Sie sich nicht, Victor." Victor!" nef Gaudig plötzlich mit verklärtem Gesichte. Also hat mich mein Blick doch nicht getäuscht! Wie geht es Ihnen, Herr Victor?" Der Himmel scheint sich heute wirklich gegen mich verschworen zu haben, dachte Victor, erst macht er den verrückten Baron aufsässig, und nun schickt er mir noch den alten Esel da auf den Hals. Aber er ließ sich von solchen Gedanken nichts merken und erwiderte, obne sich von semem Sitze zu erheben, lächelnd: Sie scheinen sich da in einem kleinen Gedächtnißfehler zu befinden, mein 'Herr... wie war doch gleich Ihr Name?" Gaudig." sagte der kleine. Regisseur. feines Geaenüber röthliche Nase anstarrend. Sie sind doch . . ." Ich habe nicht Die Ehre, jemals Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben." Aber nft bitte Sie. Ueber Victor, rief Gaudig, das Auge nicht von der Nasenspitze Bäumchers lassend, deren eigenthümlicher Schimmer es ihm allmalm zur absoluten Gewißheit werden ließ, daß er es dennoch mit seinem ehemaligen ihm mit dreißig Mark Vorschuß durchgegangenen jugendlichen Helden und Liebhaber zu thun habe, was soll der Scherz? Sie werden sich doch wohl noch erinnern, daß Sie bei mir am Sommertheater in Potschappel engagirt waren." Der Baron, der nach dem Fenster gegangen war. wandte sich aushorchend um. Herr Bäumcher lachte. Ich sage Ihnen ja. Verehrtester, daß ich mich durchaus nicht erinnere. Ich weiß überhaupt nicht, was Sie von mir wo!len." Meinen Vorschuß will ich wieder haben!" rief der kleine dicke Herr plötzlich wüthend. Und sich zu dem Baron wendend: Ich habe ihm dreißig Mark Vorschuß gegeben " Ich noch etwas mehr." unterbrach ihn mit einem bösen Blicke auf Bäumcher der Baron. Und ein Paar fleischfarbene Trikots!" . Victor lachte laut. Sie haben wohl 'nen Sonnenstich. Alterchen?" Was habe ich?" krächzte der Alte, den die Angst, wiederum erfolglos nach Hause zu müssen, die Anwesenheit des Barons ganz vergessen ließ. Sie sind ein ... ein ... ein ganz gewöhnlicher Mensch! Das hätte ich nicht von Ihnen gedacht! Jetzt, wo's Ihnen gut geht und ich hungern muß!" Bäumcher erhob sich langsam. 2it ber Baron, bitte, wollen Sie nicht den Herrn an die Luft befördern lassen, damit wir unser Geschäft zu Ende bringen können?. Er scheint aus dem Tollhause entsprungen zu sein." Geben Sie acht." krächzte Gaudig. ..daß Sie nicht noch in's Zuchthaus kommen. Sie. Sie ... Glauben Sie ihm nickt, mein Herr Varon. er lügt, ich warne Sie vor diesem Menschen, der. mit Erlaubniß des Herrn Barons zu sagen, ein ganz gewöhnlicher Mensch ist. Sie waren noch so gut wie neu. und ich habe sie ihm aus purer Gutmüthiakeit geborgt, weil er keine hatte, und weil er den Melchtbal spielen muß:?, es war iern Untyatchen Daran, und meine gute Dorothea hatte sie gerade gewaschen und mit Ocker gefärbt, sie lebte damals noch, und er hatte ein Verhältniß mit der kleinen Soubrette angefangen, ich hab' sie gleich gewarnt, weiß Gott, was aus ihr geworden ist; geheirathet hat er sie doch sicher nicht, und die dreißig Mark wollte er sich von der Gage abziehen lassen, jeden Monat fünf Mark, und da ist er heimlich in der Nacht auf und davon, und wie ich Probe abhalten will, ist er nicht da, und mir ahnte gleich so etwas! So ist die Sache, mein Herr Baron, und wenn ich gelogen habe, will ich nicht Gaudig heißen, und ich will meine dreißig Mark jetzt wieder haben, weil ich sie brauche, die fleischfarbenen Trikots mag er meinetwegen behalten, ich

schenke sie ihm!" Der kleine asthmatische Herr hielt erschöpft inne, er konnte nicht weiter. Wenn Sie nun der Sache nicht ein Ende machen und den Menschen hinauswerfen lassen, Herr Varon." sagte Bäumcher, dann muß i ch eben gehen. Mir kann's ja pimpe sein. Ich hatte Ihnen noch verschiedenes Wichtige zu sagen, aber " er zuckte die Achseln. Der Baron wußte nicht recht, was er thun sollte. Einestheils freute er sich über die Angriffe des kleinen Regisseurs, weil er gerade selbst nicht gut auf Victor zu sprechen war. andrerseitö fühlte er sich aber gewissermaßen mit angegriffen, so sehr hatte sich in ihm im Laufe der Zeit die Vorstellung der Zusammengehörigkeit zwischen ihm und Victor festgesetzt. Die drohende Haltung Bäumchers aber in Verbindung mit der Andeutung des Wichtigen," das dieser ihm noch zu sagen hatte, entschied zu Gunsten seines in Ungnade gefallenen Günstlings. Er wandte sich an den noch immer nach Athem ritzenden Schauspieler. Mein werther Herr Gaudig, ich weiß nicht sei es nun, daß Sie mit Ihren Vermuthungen und Anklagen recht haben oder nicht ob dies hier der richtige Ort ist. Ihre Angelegenheit zum Austrage zu bringen " Entschuldigen Sie, mein Herr Varon." sagte Gaudig kleinlaut, aber " Cic hören, daß ich dringende wichtige Geschäfte mit Herrn Bäumcher zu erledigen habe " Ich bitte vielmals um Entschuldigung, Herr Baron." wiederholte Gaudig noch geknickter. Vielleicht warten Sie unten ein wenig, .bis wir diese Geschäfte beendigt haben. Es ist mir nicht gerade angenehm, wenn in meinem Hause " Ich bitte um Entschuldigung, daß ich so frei war. Herr Baron " Sie haben ja den gleichen Weg nach der Stadt " Gewiß, gewiß, mein Herr Baron!" Da können Sie ja auf dem Wege " Ganz recht, Herr Baron!" Ihre Angelegenheit mit Herrn Bäumcher in'S' Reine bringen." Gaudig verbeugte sich noch dreimal respektvoll vor dem Baron und ging hinaus. Da sehen Sie, was Sie für ein Mensch sind," sagte der Baron giftig zu Victor, nachdem die Thür hinter Gaudig' in's Schloß gefallen war. Vorschuß ist Ihre Devise. Es ist nur ein Trost für mich, daß ich nicht allein so . . . so . . . gutmüthig war." Es scheint, Herr Baron." entgegnete Bäumcher mit seinem überlegenen ruhigen Lächeln, das während des ganzen Auftrittes nicht aus seinem Gesichte gewichen war, Sie halten die Phantasien des alten Narren für Wahrheit?" ..Allerdings." So. Nu, dann jut. Dann werden Sie woll nich weiter mit mir zusammen zu arbeiten wünschen. Dann also adjö." Er griff nach seiner kürbisfarfcenen Mütze, die er bei seinem Eintreten auf einen Tisch geschleudert hatte. Was wollen Sie damit sagen?" fragte der Varon erschrocken. Jar nichts. Einfach jehen." Ja, wa . . . wa . . . was soll denn

das?" stotterte der Baron. Nu, Sie werden mir doch nich zumuthcn, Herr Baron, daß ich mich länger als von Ihnen engagirt betrachten soll, wenn Sie mir janz ungeschminkt zu verstehen jeben. daß Sie mich für einen Vctrüjer halten." Das habe ich ja nicht gesagt," antwortete der Varon ärgerlich. Nich? Aber laut jedacht." Sie wollten mir doch noch etwas Wichtiges mittheilen." Unter den Umständen verzichte ich darauf." Machen Sie keine Dummheiten." sagte der Baron. Dummheiten? Jar nich. Entweder Sie vertrauen mir oder Sie vertrauen mir nich. Wenn ja, dann jut, wenn nich. dann ooch jut, dann haben wir eben bis jetzt miteinander jescherzt." . Aber natürlich!" rief der Baron. So machen Sie doch keine fo lange Vorrede. Was haben Sie mir Wichtiges mitzutheilen?" "Jut, wenn Sie wieder der alte sind, ich bin nich nachträglich," sagte Bäumcher. warf seine Mütze wieder auf den Tisch und sich in den Lehnsessel. Aber nu erst. Baronchen, etwas Feuchtes. Der Gaumen ist mir total ausgetrocknet. Ich kann, weiß Gott, keine Silbe reden, wenn ich nich wenigstens einen Schluck jetrunken habe." Der Varon 'lief nach der Klingel. Man kann Ihnen nun einmal nichts abschlagen." Er befahl dem eintretenUn Diener, die üblichen zwei Fla'chen und Gläser zu bringen. Na. und nun?" Was?" Was Sie mir sagen wollten." Der Varon zappelte förmlich mit Armen und Beinen. Ah so." Bäumcher nahm eine geheimnißvolle Miene an, während er überlegte, mit welcher Flunkerei er eigentlich den Baron beruhigen sollte; denn er hgtte ihm eben leider absolut gar nichts Wichtiges mitzutheilen. Aber schon hatte cr's gefunden. Ich habe den Grafen Laschek zu interesstren versucht." Wie? Wen?" Ich meine natürlich den alten Grafen Dominik Laschek." Was'i" ruf der Baron freudig.

Ja, ja, staunen Sie nur, und' dann sagen Sie noch einmal, daß ich weiter nichts kann, als Vorschüsse in Champagner aufgehen zu lassen." Es war ja nicht so ernst gemeint. Und ist er geneigt?" Und ob! Ich lese seinen Namm in der Fremdenliste, natürlich bin ich noch am selben Vormittage bei ihm in seinem Palais," log Bäumcher mit der größten Unverfrorenheit weiter. Sie sind ein Mordskerl!" rief der Baron. Bin ich auch." Bäumcher goß ein Glas hinunter. .Er ist zu der weitgehendsten Unterstützung bereit, wie er mir wiederholt versichert hat. In ein paar Tagen reist er nch Böhmen zurück, dort soll ich ihn so bald wie möglich besuchen, er will es mir schreiben, wann ich kommen soll, und dort will er die ganze Sache mit mir besprechen. Er ist geradezu entzückt von der Idee. Sie wissen, Baron, daß er selbst ein großer Erfinder ist. Aber die Erfindung krönt das Jahrhundert, hat er gesagt." Meine Worte!" rief der Baron verzückt. ..Meine Worte!" Nun? Ist die Nachricht einen Vorschuß werth oder nicht? Der reichste Mann in ganz Böhmen, der zweitreichste in Oesterreich!" Aber natürlich, natürlich!" rief der Baron, der im Geiste schon ungezählte Millionen des alten Laschek in den Nachen des Vogels Strauß gleiten sah. Wieviel wollen Sie? Nur nicht genirt!" Dreihundert!" Der Baron rannte nach seinem Schreibtische und holte die Scheine, die er Bäumcher in die Hand drückte. Gaudig hatte sich, nachdem er eine Zeitleng im Sonnenbrande vor dem Schlosse wartend auf und ab gegangen war, auf eine Steinbank gesetzt, die ein paar hundert Schritte vom Schlosse entfernt an der Landstraße lag. und von der aus man einen .schönen Ausblick auf das Thal und die gegenüberliegenden Berge hatte. Weniger der Aussicht wegen, als weil er müde geworden war. Er bedeckte sich das Haupt wieder mit dem rothumränderten Taschentuche und blickte kummervoll in die Ferne. Die Sonne stach. Victor kam und kam nicht. Ueber die Augen des Alten legte sich allmälig ein bläulicher Schleier, bis sie zufielen, und dem müden, gehetzten, hungrigen, armen Manne das Haupt auf die Brust herabsank. Allerlei wunderliche Traumgebilde schwebten durch sein Gehirn. Er sah sich im Geiste wieder in Potschappel als Direktor der kleinen Schaar von Musensöhnen und -Töchtern auf der Bühne der zum Musentempel hergerichteten Scheune Probe abhalten, dann tauchte seine gute Frau Dorothea in der kleinen Küche, durch die er gehen mußte, um in sein Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmer zu gelangen. vor seinem inneren Auge auf, wie sie die bewußten fleischfarbenen Trikots wusch, die plötzlich an den Beinen Victors groteske Sprünge dicht vor ihm ausführten. Plötzlich schreckte er aus seinem Schlummer auf. Ein schriller Glockenton erklang dicht hinter ihm, und ehe er noch 'den Kops drehen konnte, sauste ein grüngelbes Etwas mit Blitzesgeschwindigkeit an ihm vorbei. Gaudig starrte wie trunken der Gestalt nach, die in rasender Eile die Straße hinunterrolte. Es war Victor auf seinem Zweirade. Schwerfällig erhob sich Gaudig und wanderte mit schleppenden Schritten dem Staubstreifen nach, den die Gazelle" aufscheuchte, und der dünner und dünner wurde, bis er endlich ganz verschwand wie der, unter dem er entstanden. (Fortsetzung folgt.) ' Hundertjähriger g est o r b e n. Ein alter deutscher Ansiedler Detroits, Mich., Namens Ehlert W. Strelow, starb dieser Tage im Alter von 100 Jahren und zwei Monaten. Er kam im Jahre 1869 nach Detroit. Der ehrwürdige Greis war bis kurz vor seinem Tode im verhältnißmäßig vollen Besitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte, so daß er z. B. noch im Stande war, sich selbst zu rasiren. Geheim'niß des Meeres. An der Golfküste Amerikas wurden in letzter Zeit auf einer über 100 Meilen langen Strecke todte Fische an's Ufer gespült. Sachverständige glauben, daß irgend ein Ereigniß im tiefen Meer die Fische tödtete,' was dadurch bestätigt- wird, daß die meisten der gefundenen Fische Tiefseefische waren. Es herrscht auch die Ansicht, daß diese submarine Erscheinung die Sturzwelle verursachte, welche jüngst den Dampfer Campania" überfluthete. Erfolgreicher Bankraub. Eine Räuberbande drang dieser Tage in eine Bank in Ridgeville. Ind., ein, sprengte den Kassenschrank mittelst Nitroglycerin auf und erbeutete $6000. Der Kassirer, welcher sie dabei ertappte, wurde durch eine Kugel in's Fußgelenk kampfunfähig gemacht. Ehe die Räuber die Bank erreichten, begegneten sie dem Nachtwächter d's Ortes, welchen sie knebelten und fesselten. R i t f i a t K a s a u e l l e. Die

Philadelphia Gas Co. hat in Lewis County, W. Va., eine riesige Gasquelle angebohrt. Mit einem auf eine Entfernung von fünf Meilen vernehmbaren Getöse brach das Gas hervor. Die angebohrte Quelle dürfte genügen, um mehrere Städte von der Größe Parkersburgs, W. Va., viele Jahre lang mit Gas zu versorgen.

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