Indiana Tribüne, Volume 29, Number 67, Indianapolis, Marion County, 10 November 1905 — Page 5

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Jndiana Tribüne, 10 November 1905 5

Der Spfcscr. lUu jltaurirc Xcatl.

Im Cpielsaale des Kurhauses saßen zahlreiche Herren und Damen am grüneu Tische versammelt, aber obwohl die Goldstücke und die Banknoten unter den schwarzen Stäben der Croupiers noch immer hin- und hergeschoben wurden, lieb die Partie doch nach, und das Interesse schien zu erlahmen. Nur von Zeit zu Zeit wiederholten die Croupiers mit eintöniger Stimme in fast gleichmäßigen Zwischenräumen dieselben Sätze: Faites vos jeux... Vos jeux sont faits?...Rien ne ra plus!- Es bildeten sich Gruppen, und man wartete darauf, daß die wirklichen Spieler, die stets große Summen auf den Tcppich warfen, den Saal betreten sollten, was indessen immer erst der Fall war, wenn das Theater seine Pforten geschlossen hatte. Plöklich trat ein beliebter Stammgast" 'in den Saal Jordal. Aha. das riecht nach Pulver." sagte eine Stimme, guten Abend. Jo:dal." Tu willst wohl heute die Bank sprengen?" Sonst springe ich vielleicht selbst in die Luft," erklärte der andere lächelnd Nein, nein, 'mal ernst gesprochen. Du willst also heute den großen Coup versuchen?" Auf jeden Fall; entweder erhole ich mich wieder, oder . . ." Was wird denn im Theater gegeben, das dauert ja heute so lange." unterbrach der andere, Du warst doch im Theater?" Nein, ich habe unter den Bäumen frische Luft geschöpft und dabei meine Zeitung gelesen." Das ist mir schon seit acht Tagen nicht passirt," erklärte sein Gegenüber, ein gewisser Fremont. In dieser Gegend interessirt man sich ja für nichts weiter als für den Speisesaal, für das oder jenes System, für .Rouge et nou,' und selbst die Landschaft läßt einen kalt; man fragt nach der Herrlichen See und den prächtigen Bäumen ebensowenig wie nach den Ereignissen in Paris. Was gibt's denn Neues?" Ach. eiqentlich gar nichts." Die Politik?" Schweift augenblicklich vollständig Gott sei Dank." Na. und weiter?" Weiter wüßte ich auch nichts... Das einzige Interessante.-was in den Zeitungen steht, ist eine Lokalnotiz, deren Held eine etwas ungewöhnliche Persönlichkeit zu sein scheint. Er hat acht oder zehn Menschen mit bewasfneter Hand angefallen, Passanten auf offener Straße am hellen lichten Tage beraubt, und bei allen Unternehmungen war ein und dasselbe Individuum im Spiel. Dabei ist der Kerl nicht zu finden. Und wenn man irgend eines seiner Opf-r mit dem Messer in der Brust aufhob, so fand man stets seine Visitenkarte, die er manchmal sogar bei dem Portier des geplünderten Hauses abgegeben und die auf auf einem eleganten Bristolkarton den Namen Facchini trägt. Ueöerall will man ihn gesehen haben. Gestern war er angeblich in Paris, dieselbe Nacht hat ihn Jemand in London erkannt, man hat ihn über die Dächer yerfolgt, gehetzt und gejagt wie ein wildes Thier, und sobald man die Hand nach dem Manne ausstreckte, war er verschwunden, in den Erdboden gesunken, wie davongeflogen." Ja. davon habe ich gehört. Man hat mir erzählt, es wäre ein Bandit der guten Gesellschaft, ein deklassirtes Individuum, das sogar im Verbrechen wie ein Getleman auftritt, eine Art Cartouche . (Louis Dominique Cartouche. berühmter französischer Gauner und Hauptmann einer Räuberbande, die durch ihre Frechheit Parisin Schrecken setzte. Er wurde 1721. mit achtundzwanziz Jahren hingerichtet) der Neuzeit." Ach Gott, man sagt so viel..,. Vielleicht ist es ganz einfach ein entschlössen Verbrecher, der gleichzeitig ebenso kühn wie klug auftritt, und mit dem die Polizei wohl schwerlich fertig werden wird, obwohl ein Preis auf. seinen Kopf gesetzt ist." Viel?" Fünfundzwanzigtausend Francs." Immerhin ein werthvoller Mensch." Mach' doch keine Witze," sagte Jordal lachend. Plötzlich strömte eine aufgeregtes lärmende Menge in den Saal, die sich an den Tischen niederließ. Wie erne wilde Meute stürzte sie an den grünen Teppich, und in der überhitzten Atmo sphäre machte sich der Duft betäbender Parfüms und scharfer Cigaretten bemerkbar. In grelle Farben gekleidete Frauen. , die Hände mit Ringen überladen, gingen von einem Stuhl zum anderen, beobachteten das Spiel, ließen die Spitzen ihrer Kleider rauschen und beobachteten, wo ein Platz frei würde, uni mit nervöser Hand, die Banknoten in. ihren Fingern zerknitternd, das Golö auf den grünen Teppich zu werfen. Ein halbdurchsichtiger Nebel erhob sich langsam, der in die Augen biß; der Spieleifer machte sich immer mehr bemerkbar, und aus dieser Menschenmenge erhob sich ein grollendes Gemurmel, aus dem man einzelne hastige Phrasen verstand: Alles auf eine Karte?" Alles." Faites vos jeux Nien ne va plus."

Mit diesen ewigen Worten warfen die Croupiers, die sich wieder in Ihren

Stühlen aufgerichtet.- mit hastiger Geste das Geld den Gewinnenden hm, fegten mit ihren Rackets über das grüne Tuch, und das Spiel wurde immer heftiger in der beständig anwachsenden Menae. so daß die Tbeilnebmer bald den Begriff der Zeit, des Vermögens und des ihnen drohenden Verderbens verloren. Fünfzig Louisd'srs liegen in der Bank." .Ich halte." Hundert . . . Hundertfünfundzwanzig . . ." sagte Jordal. Ich halte hundertundfunfzig noch einmal . . . zum dritten Male. Hundertundfunfzig Louisd'or liegen in der Bank." Jordal näherte sich dem Tische.' setzte sich, reichte dem Croupier seine Banknoten hin. und die Taille begann. Zuerst machte sich nur eine geringe Aufregung bemerkbar, doch die Aufmerksamkeit stieg, als er zwei-, dreimal hintereinander auf -beiden Tableaus gewann. Von jetzt ab verließ ihn das Glück keinen Äugenblick mehr. Die Spieler, die zuerst heftig gegen ihn pointirt hatten, zögerten und verringerten ihre Einsätze. Nur ein einzelner verdoppelte noch immer und spielte mit unerschütterlichem Phlegma, ohne daß eine Muskel seines Gesichtes zitterte. Mit derselben gleichmüthigen Bewegung gab er die Karten und holte seine Banknoten aus der Brieftasche. Er antwortete auf die Fragen des Croupiers nur mit einem Kopfnicken, ohne scheinbar zu bemerken, daß sich die allgemeine Aufmerksamkeit auf ibn gerichtet hatte. Man beugte sich eifriger über den Tisch und beobachtete in seiner Haltung und seinem Blick das plötzliche Aufblitzen der Angst. . Doch seine halbgeschlossenen Augen blieben undurchdringlich, seinen Mund umspielte ein verächtliches Grinsen. und auf seinem unbeweglichen Gesicht war nichts zu lesen. Der Mann ist toll, verrückt, oder er ist ein Millionär," murmelten einige Stimmen. Die Stimme des Croupiers übertönte das Klappern des Goldes und das leise Knistern der Banknoten. Zwölfhundertundfünfzig Louisd'or liegen in der Bank. .Faites vos jeux!' " . , . Der Unbekannte legte seine Brieftasche vor sich 'hin und öffnete zum ersten Male den Mund.,, Ich halte die zwölfhundertundfünfzig Louisd'or." rw Jordal zögerte "einen 'Augenblick. Sollte er aufstehen,' e.inem anderen seinen Platz überlassen, oder die Chancen noch zum letzten :PZale 'versuchen? Ob das Glück auch diesmal Stand hielt, oder ob er mit einem einzigen Schlage seinen ganzen Gewinn wieder verlor? Jetzt richtete, sich die allgmeine Aufmerksamkeit auf ihn. Schon hatte der Croupier seine Bewegung gemerkt und sagte: Ein Platz wird . . ." Vorwärts." sagte Jordal mit lauter Stimme, indem er nervös Karten gab. Dann drehte er langsam seine Karte um und sagte: Neun!" Der Unbekannte warf einen Blick auf die seine, schleuderte sie dann hin und stieß seinen Stuhl zurück. Die .Hände auf den Tisch gelehnt, den Körper etwas nach hinten zurückgebogen, wartete Jordal. doch der Unbekannte, der aufgestanden war. rührt sich nicht, und die beiden Männer blickten sich starr 'an, während die Menge, die diese Pause nicht verstand, sich immer dichter um sie drängte. Zwölfhundertundfünfzig Louisd'or, meine Herren," sagte der CrouPier. Der Unbekannte schien aus einem Traume zu erwachen, dann wandte er sich an Jordal. Ich habe sie nicht, mein Herr." Mein Herr." versetzte Jordal. hier wird nicht auf Ehrenworr gespielt ich kenne Sie nicht. Hätte ich verloren, hätte ich bezahlt. Und Sie haben eine solche Summe mit einer leeren Brieftasche gehalten?" Das Publikum, das dem Verlierenden stets feindlich gegenübersteht, murmelte. als hätte sich jeder durch die Handlungsweise des Fremden verletzt gefühlt. Mit solchen Leuten muß man reinen Tisch machen." Das ist stark!" : Das ist ja ein Diebstahl!" Der Unbekannte maß seine Nachbarn vom Kopf bis zu den Füßen. Ich könnte Ihnen sagen, meine Herren, daß man zur Tilgung einer Spielschuld, die bekanntlich eine Ehrenschuld ist. vierundzwanzig Stunden Zeit hat, doch ich habe meine Partner nie warten lassen und will heute Abrnd nicht den Anfang machen." Dann wandte er sich an Jordal. Mein Herr, in Gegenwart aller Anwesenden gebe ich mich in Ihre Hände. Ich schulde Ihnen fünfundzwanzigtausend Francs, mein Kopf ist soviel werth. Ich heiße Facchini... Machen Sie sich bezahlt." Bei diesen Worten zog er. bevor ihn noch Jemand hindern konnte, einen Revolver aus der Tasche und schoß sich eine Kugel vor den Kopf. RttciiftclitsvoU. Fremder: An den Kopf sollten Sie Ihren Jungen nicht schlagen! Prügeln Sie ihn doch an der gebräuchlichpen Stelle!" B a u e r : Naa ... die is für den Herrn Lehrer reseröirt!"

Und ob der holde Tag vcrgangm. Den Julius Sturm. ,'

Und ob der holde Tag vergangen ' Mit feiner srühlingshcllen Pracht, . Tcr Blume wird es d?ch nicht bangen Vor trüber, sterncnloser !acht. Tenn was von Sirahlen sich ergossen, Tas webt in ihr den schönsten Trauui; Tcs Frühlings Wonne ruht verschlossen, In ihres Kelches duft'gem Raum. Co öffne Tich, o Herz, der Liebe, Schlief; ihre Strahlen in Tich ein, Ta wird's in Nächten bang' und trübe In Tcinem Innern Frühling sein. ilm ScrfleiQ. Eine kleine Strandgcschichte van Artus. Der überfüllte Passagierdampfer legte schwankend und prustend an der Brücke an. Menschen über Menschen stiegen aus, fast alle mit jener besannten Hast, wie sie den Neuanko'mmlingen zu eignen Pflegt. Mit Koffern. Handtaschen, Hutschachteln. Plaidhhüllen und dergleichen eilten sie dem Brüäenende zu, um sich dann rasch nach allen Richtungen zu vertheilen. Als einer der letzten schlenderte ein hochgewachsener blonder Mann über den langen Seestcig. Warum die Leute nur so rannten und drängten! Als ob sie auch hier zur Minute im Amte oder Geschäfte sein müßten. Nun, er, der Doktor Heidemann, hatte Zeit. Er wollte sie diesmal ganz besonders reichlich haben. Nächsten Winter würde es schon genug zu thun geben. Da mußte die Habilitationsschrift fertig werden, und über's Jahr, na, da konnte er bereits ein würdiger Privatdozent der Philosophie sein. Ach Gott, wenn die Menschen ahnten, was es da vorher zu arbeiten gibt! Ah, was! Jetzt mal erst gründlich sich erholen nach dem vielen, vielen Vücherkram! Entzückt schaute er auf das weite blauende Meer. Die weißschäumenden Wogenkämme schienen's ihm zuzurauschen: Hier wird Tir's gefallen, und hier sollst Du das Leben mal nicht blos aus Büchern und alten Pergamenten angucken! Dr. Ernst Hcidcmann lachte übermüthig vor sich hin. Eine frohe Stimmung. wie er sie nur selten sonst hatte, war über ihn gekommen, und am liebsten hätte er einen Juchzer über die See gerufen. Aber da unten am Strande waren wieder so viele Menschen, und die hätten ihn am Ende für nicht ganz richtig gehalten. Flüchtig musterte er bon seinem erhöhten Standorte aus die Strandkörbe und ihre In- und Umfassen. Es war das übliche Treiben. Die Erwachsenen räkelten sich ungenirt in dem feinen weichen Sande, oder sie lasen, plauderten, schliefen und neckten sich. Die Kleinen patschten in's Wasser, ließen Schiffchen schwimmen und bauten Wälle und Burgen. Und dort ein ganz reizendes Bild. Ein junges Mädchen von achtzehn, neunzehn Jahren in Hellem, kleidsamen Strandkostüm versucht's, den Kindern nachzuthun, 'hat Schuh' und Strümpfe ausgezogen und-springt mit graziös gerafftem Röckchen über die herankräuselnden Wellen. Nicht zu weit, Hertha!" ruft der besorgte Papa, eine vornehme Gestalt mit angegrautem Schnurrbart. Lachend wendet sie das gebräunte Eesichtchen den Eltern zu. Der Heinz und der Rudi gehen doch noch viel weiter, Papa!" Vergnügt winkt sie den Brüdern zu, die mit hochgekrempelten Beinkleidern allerdings unheimlich weit in der See herumwaten. Aber Kind. Du bist doch auch kein Junge!" menqt sich Mama in's Gespräch und läßt einen Augenblick die Handarbeit sinken. Belustigt hörte und sah Heidemann eine Weile zu. Dieses Wortgeplänkel hatte etwas so Nettes. Harmlose?, und das Ganze bot eine so hübsche Gruppe. Wäre er AmateurPhotograph gewesen, er hätt's wohl im Kodak festhalten mögen. Vor allem diese dunkeläugige Hertha mit den flatternden Stirnlöckchen unter dem schneeweißen Mützchen. Eine herzige Strandnixe. Jede Bewegung, jedes Wort so natürlich. Keine Spur von Koketterie. Heidemann riß sich endlich los. Dummer Kerl." redete er sich selbst an, kommst kaum an's Land und guckst schon den Mädels nach!" Nasch ging er vollends über die Brücke und verschwand im ersten besten Hotel. Dummer Kerl," wiederholte er in Gedanken, über so etwas bist Du doch längst hinaus mit Deinen zweiunddreißig Jahren!" Am anderen Morgen bummelte Dr. Heidrmann ziemlich planlos zwischen den Strandkörben hin und her Das heißt ganz unwillkürlich kam er wieder zu jener Stelle in der Nähe des Seesieigs, wo gestern die anmuthige Strandfee ihr Helles, Lachen ertönen ließ. Der Platz war' leer. Schade." murmelte der Doktor, na, lesen wir was!" Er warf sich behaglich in den weißen Sand und holte ein Zeitungsblatt aus der Tasche. Aber weder der ussisch-japanische Krieg, noch das Vermischte" konnte ihn heute fesseln. Er mußte fort und fort auf die verhältnißmäßig bewegte See schauen, wo die hellen Wellenjämme im frühen Sonnenlichte ganz eigenthümlich glitzerten. Und wie sie so kamen und gingen, zu Berg und zu Thale, die unruhigen Wogenspritzcr. da mußte er an das flackernde Hin und Her seines Lebens denken. Seine Kindheit Du liebe Zeit! Hatte er denn überhaupt eine gehabt? Die Eltern ewig in Unfrieden miteinander. Darüber das bittere Geldsorgen-Gespenst. Eigentlich' nie-

mals eine Stunde heiteren häuslichen Glückes. Dann die unverhoffte Erbschaft. Er kam auf's Gymnasium, und dann ging's zur Universität. So recht fcoh konnte cr auch als Student nicht sein. Als ob eine gewisse Saite in seinem jungen Dasein -zersprungen wäre, so kam's zym.woyl manchmal selber vor, wenn die anderen so jubelnd in denTag hineinlebten; und besonders, wenn sie mit fröhlichen Gesichtern in die Ferien reisten, heim zu Muttern! Seine Mutter lebte nach der Erbschaft vom Vater getrennt, bald hier, bald dort, und der Vater reiste zum Vergnügen. bald dort, bald hier. Das nöthige Geld für den Sohn kam immer prompt, und er konnte thun und lassen, was er wollte. Auf ein Brotstudium brauchte - er's nicht abzusehen.' So folgte er seinen philosophischen Neigungen, und zumal Schopenhauer hatte ihn mächtig angezogen. Ueber dessen idealistischen Pessimismus sollte sich auch die Habilitationsschrift aussprechen. Und vielleicht war das nur die Vorarbeit zu einem umfangreicheren Werke, das dann die Professur brachte. Dr. Heidemann lächelte. Da war er ja wieder bei seinen Studien und akademischen Plänen, und er wollte sich doch erholen, zerstreuen hm. hm. amüsiren! Oder hatte ihn das Schicksal nur zu ernsten Dingen bestimmt? War er nicht ein so dummer Grübler und Träumer?... Erschrocken und ärgerlich sprang der junge Gelehrte empor. Da hatte ihm ein allzueifriger Junge beim Sandschaufeln versehentlich den ganzen Rücken vollgeworfen. Verlegen stand der Knabe da und stammelte eine Entschuldigung. Dem Doktor kam der stramme kleine Kerl bekannt vyr. Richtig, einer von den Brüdern der jungen Dame von gestern. ' Der Zorn wurde durch die Erkenntniß schon wesentlich gedämpft. Ja. bald war Heidemann mit dem pausbäckigen Jungen in ein tiefgründiges Gespräch über das Bauen von Sandburgen verwickelt, und als der andere Bruder dazukam, da wurden die mehrfachen theoretischen Erkenntnisse in die großartigste Praxis umgesetzt. Der Doktor vergaß seinen Schopenhauer und seine trübselige Jugend und arbeitete mit den beiden Gymnasiasien um die Wette im Sandschippen, Wassertragen, Grenzenabstecken und Fähnchenaufpflanzen. Mutting, sieh, wie fein!" riefen die Jungen plötzlich wie aus einem Munde. Der Größere setzte stolz hinzu: Siehste, Hertha, so kannst Du's nicht!" Und dazwischen meinte der Kleinere: Papa, schipp, doch auch mit!" Unversehends war die ganze Familie herzugetreten. Man blickte staunend auf den fremden Herrn, der sich von den Jungen so ohne Weiteres in Beschlag nehmen ließ. Ueberhaupt eine komische Lage. Und jetzt lachten sie sich" alle wie auf Kommando in's Gesicht, 'bis der Doktor die Sache endlich mit ein paar Worten aufklärte und sich vorstellte. Geheimrath von Roth!" klang's mit sonorer Stimme zurück, und hier meine Frau und meine Tochter: die Bengels Heinz und Rudolf haben Sie ja schon auf's Angenehmste kennen gelernt!"... Das machte sich nun die nächsten Tage wie von selbst. Ernst Hsidemann hatte bei Geheimraths sein ständiges Strandquartier. Die Jungen waren, wie man so sagt, ganz rappelig auf. ihn, denn er war schier unerschöpflich im Erfinden neuer Meeresburgen, verzwickter Wassertunnels und anderer schöner Dinge. Hertha machte gewöhnlich mit, und die Brüder behaupteten. unter des Herrn Doktors Leitung brächte sie viel mehr zustande als früher. Papa Geheimrath sah oft mit Interesse zu. oder er 'las sein Leibblatt, während seine stattliche und immer noch hübsche Gattin mit einer Stickerei im Strandkorbe saß. Heidemann fühlte sich fast wie zur Familie gehörig. Und zum ersten Male in seinem Leben spürte er etwas vom goldigen Zauber eines wirklichen Familienglücks. Wie sich die alle lieb haben! Wie väterlich stolz der Geheimrath dreinblickte. wenn er seinem offenkundigen Liebling, der Hertha, mit kosender Hand über das braune Haar fuhr! Und wenn sie dem Vater leichtfüßig entgegenlief und ihm jubelnd um den Hals fiel! Dann konnte der Dr. Heidemann zur unerklärlichen Verwunderung der beiden Knaben höchlich zerstreut' sein und unter Umständen eine ganze Sandmauer wieder umstoßen. Närrischer Gedanke aber wenn er. Ernst Heidemann, jetzt dort gegangen käme, und wenn dieses frische, entzückende Geschöpf um ihn die weichen Arme schlänge! . . . Aber Herr Doktor." rief Heinz mit mißbilligendem Blick, nun fließt das Wasser ja in eine falsche Richtung ... Ach. und wo haben Sie denn die blaue Fahne hingesteckt?"... Die Wassergeister am Seesteio. nickten und flüsterten. Das hatten sie nun schon manchmal heimlich mit angesehen, wie zwei Menschenkinder sich kennen und lieben lernten. Dieser große, blonde Mann und diese schlanke, braune Hertha, sie müssen sich finden, sie gehörten zusammen. Und sie nickten und flüsterten weiter. Und es war nur gut. daß der Doktor und die Hertha nichts davon hören konnten. Sie wären sonst beide gar roth und verlegen geworden... Da kam Rudi eines Tages mit der wichtigen Nachricht auf den Doktor zugestürmt, der Vetter, der Husarenleutnant. werde morgen eintreffen. Er

habe ine Woche' Urlaub gekriegt, und das wäre doch famos, wenn er nun hier mitschippen und mitbauen würde. Merkwürdigerweise zeigte der Doktor nicht den geringsten Freudenausbruch ob des also Angekündigten. Er wurde schweigsamer und immer stiller. Und schließlich war er so zerstreut und unaufmerksam, daß man das Schippen für diesmal aufgab. Die Jungen vergnügten sich mit Ringen und Wettlaufen. Hertha und der Doktor saßen auf dem Sandwall am Strandkorbe. Ein Gespräch wollte aber gar nicht so recht in Gang kommen. Um so weniger, als der joviale Geheimrath und die liebenswürdige Mama nicht mit da waren. Sie hatten endlich einmal die vielen Briefschulden erledigen wollen. Hertha, wieder reizender denn je, malte mit ihrem zierlichen. Sonnenschirm allerhand Ringel und Schnörkel in den Sand. Der Doktor blickte auf's Meer, ließ seine Cigarre ausgehen und dachte an den Vetter. Hm... hm, mit einem flotten Husarenleutnant konnte er's freilich nicht aufnehmen. Und er sah ihn schon im Geiste um das bildhübsche Kousinchen herumflirten. Eine kleine weiße Muschel wurde von den unruhigen Wassern angespült. Gedankenlos nahm sie der Doktor auf. Da fiel ihm etwas Seltsames ein. Gnädiges Fräulein," sagte er ganz unvermittelt, ich hätte eine große, große Bitte; würden Sie mal Ihren Namen in dies Dingelchen schreiben?" Er sah sie ordentlich flehend an und reichte ihr auch schon seinen Taschenbleistift. Und als sie erröthete und verwundert aufschaute, fuhr er fast hastig fort: Es wäre mir ein so nettes...so werthvolles Andenken an diese Tage!" Er schluckte wie etwas Bitteres hinunter. Denn morgen . . . morgen... ja, wahrscheinlich schon morgen werde ich abreisen" . . . Ohne viel Ziererei erfüllte sie seinen Wunsch und reichte ihm die Muschel zurück. Sorgsam steckte er sie ein und sagte nur leise: Vielen, vielen Dank!" Wieder minutenlanges Schweigen. Da blickte ihn Hertha beinahe traurig an. Herr Doktor, Sie müssen wirklich schon so bald wieder fort?" Sie hatte es eigentlich nur geflüstert. Aber in der trüben Seele des Doktors ward es plötzlich ganz sonnig hell, und es klang und sang wie ein wunderbar lautes Echo in seiner Brust: Vielleicht bist Du ihr doch nicht ganz gleichgiltig . . . und wer weiß, ob einen der Husarenleutnant gleich so ausstechen wird!" Nun endlich kamen die Zweie in ein tiefes, tiefes Gespräch . . . Die Wassergeister am Seesteig hatten natürlich wieder gelauscht, und was sie nicht wörtlich gehört, das reimten sie sich sehr klug zusammen. Und als dann Papa und Mama Gebeimrath vom Briefschreiben an den Strand kamen, da fanden sie eine niedliche Bescherung vor. Heinz uyd Rudi hatten sich beim Ringen Jacken und Hosen zerrissen. Ueberdies waren sie pudelnaß. Es hatte eben Niemand auf sie acht gegeben, als sie wieder gar zu weit in das Meer hineinstromerten. Und der Dr. Heidemann, dieser ernste und wohlgcsetzte Gelehrte, er hatte den ganzen schweren Strandkorb ergriffen und tanzte damit wie ein sehr unphilosophischer Indianer juchzernd um die Jungen herum. Das Mädel, die Hertha, guckte so selig still vor sich hin, und dann umarmte sie wahrhaft stürmisch Vater und Mutter, lachte Und weinte und rief ihnen in's Ohr: Ich bin so glücklich, so glücklich; habt ihn nur auch recht lieb, den Ernst, diesen gescheiten, lieben Kerl!" Was wollten sie machen, die beiden guten Alten?" Zunächst ein paar schrecklich verdutzte Gesichter. Darauf verziehen sie den Rangen die vernichteten Jacken und Hosen. Und der Geheimrath drückte dem Doktor die Hand, und die Geheimräthin vergoß zwei kugelrunde Thränen, während ihr der zukünftige Schwiegersohn respektvoll die Händküßte. Heinz und Rudi brüllten Hurrah, daß ein paar ältere Damen erschreckt aus ihren Strandkörben auffuhren. Und dann berieth man in aller Eintracht, wo und wienan das Ereigniß hier am besten feiern könne, und welche Fassung die Verlobungsanzeige haben sollte. Wieder nickten und flüsterten die Wassergeister am Seesieige. Sie waren hochbefriedigt. Das mußte ja, so kommen. . Sie hatten es geahnt und vorausgesagt, und sie irrten sich nie. Fio Firtna. Der Grossist Feilchenfeld dient in Berlin bei den Franzern. Eines Tages begegnet er auf der Straße seinem Vrigadekommandeur, und da er ein falsches Honneur macht, so stellt ihn der General: Sie heißen?" ..Feilchenfeld." Kompagnie?" Nein .Gebrüder.' " . Ans der Ganrnlatttrstundc. Lehrer: Nennt mir einen Satz, in welchem das Wort Dialekt vorkommt!" Schüler: Meine kleine Schwester Lvd i a leckt gerne Zucker." Neue Erdhöhle entdeckt. Eine ungeheure Erdaushöhlung, die an Größe und Schönheit noch die berühmte Mammuth-Höhle übertreffen wird, ist in der Nähe von Glasgow Junction, Ky., entdeckt worden. Einen der unterirdischen Gänge hat man auf eine Strecke vdn sieben Meilen verfolgt, bis man an einen breiten und reißenden Strom gelangte.

-Der-

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