Indiana Tribüne, Volume 29, Number 66, Indianapolis, Marion County, 9 November 1905 — Page 7

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Dir brennende Frage

? Humoristischer Roman von ? 5 M ölf . von ainrtdj 0O' 0O,OO0'0-'0"'O-,'6 N (Fortsetzung.) Meinetwegen in Kuckucks Namen Abbitte! Laß doch endlich das Thor aufmachen, daß wir einfahren können!" Droben in der Luke verschwand das Gesicht des Grafen Silvio; nach ein paar Minuten gingen knarrend die Flügel des Schloßthores auseinander. Laschek und Mutzi fuhren lachend in den Schloßhof hinein. 15. Kapitel. ie Stimmung der Bewohner von Schloß Kriegstein hatte sich seit einiger Zeit gewandelt. Nannte war glücklich. Erstens glücklich darüber, daß sie damals, als sie .mit dem Vater und Victo? Bäumcher nach Eibenthal gefahren war. Eugen ihr Herz ausgeschüttet hatte. Das war ein guter Gedanke geWesen, und sie dankte der Mutter, die sie auf den guten Gedanken gebracht, und mit deren Wissen sie ihn ausgeführt hatte, tausendmal für diese' kluge Idee... Denn Eugen hatte ihren Kummer verstanden und Wort gehalten, er hatte ihren Schmerz dem berichtet, den. er am meisten anging angehen sollte: seinem Bruder Karl. Seit zwei Jahren schon liebte Nannte den kleinen Leutnant, und er liebte Nannie, aber keiner getraute sich, vom andern zu glauben, daß dieser ihn wieder liebe, so deutlich ein jeder von ihnen auch dem andern seine Liebe zu zeigen bemüht war, und so allgemein überzeugt auch' längst schon die Gesellschaft von dieser gegenseitigen Liebe war. Der Annenball in Feldes, der an dem Duell zwischen Eugen und Laschek die Schuld trug, hatte zwei Jahre früher die Flamme entfacht, die seitdem in dem Herze?. Karl Eibenthals loderte. Damals der vor Kurzem erst baronisirte alte Eibenthal hatte eben Murstetten gekauft, und die Familie war noch zu keinem der Nachbarn in gesellschaftliche Beziehungen getreten war Karl Eibenthal eben Leutnant geworden und verbrachte den ersten Urlaub in der neuen schmucken Uniform auf Murstetten. Diese neue Uniform und der Durst, in ihr von der Welt bewundert zu werden, erfüllte ganz seine Seele; vom alten Eibenthal angefangen bis hinab zum Stallburschen mußte ganz Murstetten sich an dem Himmelblau und Gold weiden und die Facon des Rockes und die Form der Hosen bewundern. Der Annenball in Feldes bot eine willkommene Gelegenheit, den Tribut solcher Bewunderung auch von schönen Frauenaugen und rosigen Mädchenlippen entgegenzunehmen. In dem Moment aber, in dem Karl den Tanzsaal im Kurhaus von Feldes betrat, traf ihn ein versengender Blick von solck, einem Paar weiblicher Augen, der ihn alle Eitelkeit vergessen und an nichts andres denken ließ, als die Besitzerin dieser Augen kennen zu lernen. 53er ist die junge Dame?" fragte er ganz roth im Gesicht werdend einen ihm bekannten Civilisten Welche?" Drüben unter dem Spiegel." Ah, die mit dem Karpfenmaule?" Karl hätte den langen Herrn von Binder erwürgen mögen. Ich meinö die. Dame in Rosa." Ah so. kenne ich nicht." Wer ist die junge Dame in Rosa?" wiederholte Karl noch dreimal hintereinander, ohne die gewünschte Auskunft erhalten zu können. Wie eine Mutter, die ihr Kind verloren hat, rannte er im Saale umher, den Badearzt zu suchen. Endlich, als er ihn gefunden, fiel er ihm direkt in die Unterhaltung mit einem dicken, höchst verwundert ob solcher Unterbrechung dreinschauenden Herrn aus Wien, und bat ihn. er möge ihn der Dame in Rosa dort unter dem Spiegel vorstellen. Baronene Kriegstein? Sofort." Baron von Eibenthal bittet um die Ebre, Ihnen vorgestellt zu werden." Der Badearzt verschwand wieder im Gedränge. Karl stand sich verneigend vor Nannie, die ihn mit verklärten Blicken ansah. Er sagte nichts, sie sagte nichts. Endlich gab sich Karl einen Äuck und stammelte: Darf ich um den nächsten Tanz bitten, gnädiges Fräulein?" ' Nannie, neigte holdselig lächelnd das . Haupt: Bitte." Der Leutnant meinte alle Engel im Himmel singen zu höcen, so klang ihm dies bitte." Da ertönten ein paar lustige Walzertakte. Nannie erhob sich des Leutnants glattes rosiges Gesicht wurde plötzlich fahl, er starrte mit so unverhülltem Entsetzen auf die zur Riesin emporgewachsene Schöne, daß die arme gute, dicke; große Nannie es hätte übelnehmen müssen, wenn s nicht ebenso verliebt in den Zwerg vor ihr gewesen wäre, wie er in sie. So aber lächelte sie nur, Karl legte den Arm um ihre Taille und tänzelte ein paarmal um sie herum; es war ihm, als ob der ganze Saal mitsammt der rothbejackten ungarischen Zigeunerkapelle auf dem Podium oben spöttisch auf ihn blickte, auf ihn und seine Her-

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zensdame, ein so ungleiches Paar, 'wie es wohl vorher noch kein Annenball ge-sehen.-Dicke Verzweiflungsiropfcn traten ihm auf die Stirn, er verwünschte seine Idee, nach Feldes zu fahren und so blind in sein Verderben hineinzufliegen, wie die Motte in das Licht. Ein Leutnant von den Windischgrätzdragonern, der sich lächerlich macht! Lichts kann fürchterlicher sein! Nein, unmöglich! Er blieb stehen und führte Nannie nach ihrem Sitze zurück. Es ist ein solches Gedränge. Baronesse ... daß .. eine solche Hitze . . ." stammelte er. Sie haben recht." sagte sie mit' ihrem Engelslächeln und setzte sich. Und als sie saß. war für Karl all das Furchtbare der letzten Augenblick: mit einemmal ausgelöscht, verschwunden, vergessen. Sie war wieder das gleiche himmlische Wesen von vorher, für das er sich gern nicht nur ewig unsterblich lächerlich gemacht hätte, nein, für das er sich hätte von tausend feindlichenSäbeln zerhacken und von ebensoviel Kugeln durchbohren lassen. Doch nein, das letztere ja. nur das erstere nicht. Nur nicht mit ihr tanzen, nicht wieder tanzen. Aber sprechen! Spre chen bis in alle Ewigkeit! -Er blieb neben ihrem 'Stuhle stehen und plauderte mit ihr. daß zuerst sich

überhauvt Niemand getraute, sie zum Tanze auszusoroern. und dann, als es einer wagte, machte er ein so finsteres Gesicht und sie ein so trauriges, daß kein zweiter dem einen folgte, und so verplauderten sie den ganzen Ball, sie sitzend und er stehend, bis die Trennungsstunde, schlug. Jener erste Tanz war auch zugleich der letzte der beiden miteinander, aber die so rasch entflammte gegenseitige Liebe blieb, und sie fand immer neue Nahrung bei den nunmehrigen öfteren Begegnungen auf diesem oder jenem der Schlösser der Umgeaend. Denn Baron Eibenthal machte nunmehr seine Nachbarvisiien Anfangs wurden diese Besuche mit großer Kalte entgegengenommen und erwidert, da man die Familie "nicht für ebenbürtig ansehen konnte, um so weniger, als man sich von ihrer Nobilisirung wunderliche Geschichten erzählte. Geschichten, die auf Wahrheit beruhten. Der Vater des alten Eibenthal war nämlich Großkaufmann in Wien göwesen und hatte sich als Herr Müller die Reichthümer erworben, die er dem einzigen Sohne hinterlassen. Reichthümer. zu denen' diesem der ererbte bürgerliche Name nicht zu passen schien. Da er aber nicht allzuviel für die ersehnte Standeserhöhung ausgeben wollte, am allerwenigsten die nicht mehr ungewöhnlichen hunderttausend Gulden für die Offizierstöchtererziehungsanstalt in Hernals, versuchte er es zuerst jahrelang mit d:r Schenkung von ebensoviel Kaiseröldruckbildern und patriotischen Büchern an Schulen und Vereine. Als dies erfolglos blieb, richtete er an den ihm befreundeten Statthalter die. Anfrage, ob man seine Leistungen höchsten Orts mit der gewünschten Auszeichnung bedenken werde, wenn er d?n einzigen größeren Fluß des Landes, an dessen Ufern sein Besitzthum Niedergrund lag. schiffbar machte. Für solch eine Leistung. deren Möglichkeit von allen Fachmännern ernstlich in Zweifel aezogen wurde, weil der Fluß nicht nur nicht reguürt war. sondern auch Stro7:'.schnellen, Untiefen und Klippen besaß, war allerdings das kleine Wortchen von" eine nicht allzu große Belohnung. Herr Mülle? kaufte sofort zwei' alte ausgemusterte Dampfschiffe der Donaudamrfschifffahrts - Gesellschaft, ließ in verschiedenen Städten flaggengeschmückte Haltestellen anlegen und die Schiffe, die er in das Flüßchen hatte setzen lassen, unter den Klängen einer Janitscharenuiusik abdampfen. Nach glücklich vollendeter Fahrt von ungefähr zehn Minuten scheiterten sie leider, ohne daß. gottlob, ein Menschenleben dabei zu Grunde gegangen wäre. Höchst peinlich für den ein wenig zu vorschnellen Statthalter war es nur, daß das delsdivlom schon vom Landesherrn unterzeichnet war. also auch ausgehändigt werden mußte. So kam es. daß troy Scheiterns der Schiffe ein goldenes Schiff im blauen Felde das Wappen der Eibenthal blieb, für alle Weltzeit." wie es im Diplom beißt. Und der einfache Ritter von Eibenthal wurde sogar nachträglich ncch Baren, weil er. wie es hieß, von einigen Ministern des Bürgerministeriums von Anno 73 ?u vielwußte. Sein Reiche thum wuchs durch geschickte Ankäufe und Ausnutzung fiskalischer Güter, die eben von jenem Bürgerministcrium verschleudert wurden; Schloß Murstetten, das an eben dem Flusse lag. d:m er seinen Adel verdan!:e, wurde von ihm für einen Vruchtbci! seiueö :r:r!lichen Werthes erworben. Allmälig schwand des Vorurtheil gegen den neuen StandesgeTicsscn. destn immenser Reichthum seiest den adelsstolzen Ungnads imponirte. gcJenseitige Einladungen ergingen und wurden angenommen. Leutnant Varon Karl von Eibenthal benutzte jeden nur möglichen Urlaub, die Soireen und Picknicks in der Umaeaend von Murstetten zu besuchen. Älle Welt sprach von der bevorstebenden Verlobung de5 jungen Eibenthal mit Nannie Kriegstein, nur eben dieser junge Eibenthal sprach nichts. Eine unüberwindliche Scheu hielt den kleinen zierlichen Offizier von dem entscheidenden Worte zurück. Es war eine aewisse Anast vor der körperlichen.

Größe seiner Angebeteten, die ihm den Mund verschloß. So tapfer und schneidig" er in seinem Berufe war, hier trauterer sich nicht. Nannie liebte und - ließ sich die schüchterne Liebe des Geliebten gefallen, ohne in diesem seligen Zustande an die Zukunft zu denken oa ira: Victor Bäumcher auf. Der Hotelier Wiener hatte den redegewandten Agenten weiß Gott wo kennen gelernt und ihn für das Unternehmen" Kriegsteins, für dessen praktische Jnszenirung er das Geld hergab, engagirt, damit er die nöthigen weiteren Kreise für dasselbe interessire. Victor übte einen geradezu hypnotischen Einfluß auf den alten Baron aus. Einen Einfluß, den weder die fortgesetzte Plünderung des dürftigen freiherrlichen Kellers, noch die in immer kürzeren Intervallen gcsorderten Vorschüsse" beeinträchtigten. Der alte Erfinder war geradezu verliebt in den mit einer verblüffeiiden Sicherheit auftretenden Flunkerer. Victor, der gar bald sein Uebergewicht über den Brotherrn merkte, benahm sich in kurzer Zeit beinah wie ein Familienmitglied. wie ein Sohn des Hauses, und ließ sich durch die offen zur Schau getragene Abneigung der beiden Damen gegen ihn in diesem Benehmen durchaus nicht stören. Nur vor Hermann hatte er einen gewissen Respekt. Da aber dieser nur sehr selten auf Schloß Kriegstein war. hatte er nach dieser Richtung hin wenig zu fürchten. Und seine Kühnheit war in den letzten Monaten bis zu den ganz und gar nicht zweideutigen Andeutungen gewachsen, daß er nicht ungern als Schwiegersöhn in dem Hause ein und aus ginge. Andeutungen, die der Baron nicht nur nicht mit Entrüstung zurückwies, sondern, wie Nannie Eugen gebeichtet hatte, sogar, gern hörte. Nannie war außer sich. Schon der Anblick dieses frechen Menschen mit dem verwilderten Barte und der rothglänzenden Nasenspitze, dieses Menschen mit seinen ewigen Witzen und Renommistereien war ihr entsetzlich. Nach langem Zögern entdeckte sie die ganze Sachlage ihrem Bruder Hermann, unbegreiflicherweise beantwortete dieser, der sich zum Aerger seines Vaters ganz undgar in die nationale Bewegung gestürzt hatte und äugenblicklich sogar als Wanderredner der Bauernpartei in verschiedenen Orten Kärntens auftrat, den Brief nicht. Da entschloß sich das geängstigte Mädchen auf den Rath der Mutter hin, Eugen Eibenthal ihr Herz auszuschütten. Eugen Eibenthal hatte eingedenk seines Versvrechens trotz seiner eigenen inneren. Kämpfe und Sorgen mit dem Bruder eine lange Unterredung. - Karl war zugleich glücklich und wüthend. Nun wußte er also mit Bestimmtheit, daß Nannie ihn liebe. Sobald er Urlaub erhielt, wollte er nach Kriegstein eilen und um Nannies Hand anhalten. Vor wenigen Tagen war Eugen in Kriegstein gewesen und hatte Gelegenheit gefunden, Nannie ein paar Augenblicke allein zu sprechen. Ich wollte Ihrem Herrn Vater meine Mcinung über einen gewissen Herrn sagen. ich hatte es Ihnen versprochen, aber es ist wohl überflüssig geworden; mein Bruder, der Sie kienlich grünen läßt, yat m:cy geveten, oies uverneymen zu dürfen," hatte er ihr gesagt. Nannie hatte ihn verstanden; wie eine glückliche Braut ging sie seit diesem Tage umher. Dazu kam und das war der zweite Grund ihres Glückes, der Grund, der ihr Glück noch erhöhte und ganz vollkommen machte daß seit einiger Zeit c unglaublich aber wahr eine gewisse Abkühlung in dem VerHältnisse ihres Vaters zu Herrn Bäumeher eingetreten war. In dem Verhaltnisse zu Herrn Bäumcher sowohl wie zu Herrn Wiener. Eine nervöse Unruhe hatte sich des Barons bemächtigt, seine fixe Idee von der Krönung des Jahrhunderts," die Idee, sein Unternehmen noch vor Thorschloß" zu beendigen, könnte zu Wasser werden, und die Flugmaschine. über deren passende Namen er halbe Nächte lang nachgrübelte, werde vielleicht erst im nächsten Jahrhunderte das Licht der Welt erblicken. Denn in der Fertigstellung des kostbaren Apparates waren Stockungen eingetreten. Es mangelte an Geld. Herr Wiener weigerte sich, noch weitere größere Summen dem Ungeheuer in den Rachen zu werfen, wie er sich ausdrückte, dem Ungeheuer, das wie der Vogel Strauß nicht nur Silber und Gold, sondern auch Tausendguldenbanknoten verschlang. Und Victor, der sonst allezeit so gewitzigte Victor, war nicht im stände, neue Kräfte zu interessiren." Mit finster gerunzelter Stirn wanderte der alte Baron um die Distanzscheibe auf dem kahlen Bergkegel herum, doppelt . glücklich schwärmte Nannie unter den Tannen am Fuße des Berges umher, zupfte unablässig Blüthenblätter jeglicher Sorte als Licbesorakel und knüpfte die Enden abacrissen Grashalme zu Ringen zusammen, um aus der mehr oder weniger gliederigen, nach solchem Spiel entstandenen Kette zu ersehen, wie viel Tage es noch dauern werde, bis Karl erschiene und das lang ersehnte Wort spräche. Heute sah sie statt des erwarteten Geliebten in aller Frühe bereits die verhaßte Gestalt Victor Bäumchers. sein Zweirad schiebend, den Hügel heraufkommen. Jt setzte eilig den .breit

randigen gelben Strohhüt auf und floh nach ihrem Lieblingsplätzchen, der Bank unter einer der höchsten Tannen dort am Fuße des Abflugkegels, um ihm nicht zu begegnen. Victor wartete ein paar Minuten im Hofe unten auf den gewöhnlichen Willkommensgruß. den der Barsn ihm hinabzurufen Pflegte; da aber alles still blieb, lehnte er sein Rad an die Mauer, stieg die Treppe hinauf, ging den offenen Korridor hinunter bis vor des Barons Zimmer und klopfte an. Ein verdrießliches Herein!" erklang. Victor öffnete die Thür und mckte mit einem jovialen Lächeln dem Baron, der die Hände auf dem Rücken mitten im Zimmer stand, zu: Morjen auch. Baron! Wieder mal kannibalisch heiß draußen." Der Baron brummte ein guten Morgen" vor sich hin. Victor schien die üble Laune seines väterlichen Freundes durchaus nicht zu bemerken. Kannibalisch heiß!" wiederholte er, vergnügt im Zimmer umherblickend, die Zunge klebt einem ordentlich am Gaumen an!" So." Womtt ich durchaus nich jleich Sekt jemeint haben will," griente Victor, die Hände wie beim Waschen ineinander reibend. Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches?" entgegnete der Baron. Ach wat. Ehre!" rief Bäumcher laut lachend. Ich glaube gar, Baronchen, Sie sind heute mit dem linken Fuße zuerst aufjestanden!" Mit welchem Fuße ich zuerst ausgestanden bin oder nicht aufgestanden bin," erwiderte der Baron, indem er eine möglichst würdevolle Miene annahm, ist meine Privatsache. Ich denke, daß Sie eine geschäftliche Angelegenheit veranlaßt hat, zu mir zu kommen." Na und ob!" lachte Victor. 'Nun?" fragte der Baron, der mit einemmal seine ganze Würde verlor, erregt. . Nu, es wird immer drauf los jeschuftet aber ich kann weiß Gott kein Wort reden, wenn ich nicht wenigstens ein Glas Moselblümchen bekomme." Er ließ sich stöhnend in einen Lehnstuhl niederfallen, daß dieser in all seinen Fugen krachte. Aber der Baron schien heute in Bezug auf Flüssigkeiten harthörig zu sein. Geschuftet! Geschuftet!" schrie er zornig. Das sagen Sie mir feit vier Wochen, und trotzdem weiß ich. daß die Sache nicht von der Stelle rückt! Herr von Wiener hat es mir vor vier Wochen schon gesagt, und ich habe mich davon selbst überzeugt! Ich war vorgestern in der Stadt! Es ist

ja überhaupt kein einziger Arbeiter mehr da! Das Jahrhundert neigt sich dem Ende zu, und ich bin um den Schweiß meiner Arbeit betrogen!" Victor zuckte die Achseln. Ja, von nichts wird nichts. Wenn Herr von Wiener kein Jeld mehr jibt " So?" rief der kleine Baron verzweifelt. Wenn der Herr von Wiener kein Geld mehr gibt! Und wozu sind Sie denn eigentlich da?" Die Jeldkräfte liegen nicht auf der Straße." Wenn sie auf der Straße lägen, brauchten wir Sie nicht!" schrie der Baron. Ich sage Ihnen ja. von nichts wird nichts," entgegnete Victor gelassen. Um Jeldkräfte zu jewinnen, braucht man Jeld. Wenn ich als Vertreter einer Erfindung, die das Jahrhundert krönen soll, nicht anders auftreten kann, wenn ich immer jeden Kreuzer dreimal umdrehen soll, ehe ich ihn ausjebe, da soll der Henker was anfangen." Was soll das heißen?" Daß ich ohne einen jrößeren Vorschuß 'nichts mehr für das Unternehmen thun kann." Sie haben Vorschuß genug bekommen!" sagte der ergrimmte Baron wüthend, von mir und von Herrn von Wiener, aber mir scheint, er ist in Champagner draufgegangen!" In was er draufjejangen is. is meiner Ansicht nach janz pimpe," entgegnete Victor, ohne sich auch nur im Geringsten aus der Fassung bringen zu lassen. Jchhabe nur jethan, daß ich standesjemäß' auftreten soll und zu standesjemäßem Auftreten jehört'meiner Meinung nach Sekt. Wenn man den Leuten nich imponirt, rücken sie auch mit den Moneten nich 'raus." L (Fortsetzung folgt.) G e g en die Dreht rankheit der Schafe sind bisher alle versuchten Heilmittel ziemlich erfolglos geblieben. Eine Operation ist nur in seltenen Fällen gelungen, und so gehen die meisten Patienten an GeHirnentzündung zu' Grunde. Handelt es sich darum, ein von der Drehkrankheit befallenes Thier noch einige Zeit am Leben zu behalten, so kann man sich auf Verhinderung allzu großen Blutandranges nach dem Gehirn beschränken. Man erreicht dies durch kühle Haltung, nicht zu kräftige Fütterung. sowie durch häufiges Tränken und Salzgcben, auch Glaubersalz kann von Zeit zu Zeit benutzt werden. Am besten ist es schon, wenn ein solches Thier gleich dem Schlachtmesser überliefert wird. . Kascrncnltofvliltlte. Feldwebel: Sie. Rekrut Zwilcher, wie ist es Ihnen eigentlich geglückt, sich in die Menschheit zu schmug-geln?"

SonntagSrcttcrs Klage.

" Herrgott, ich glaube, das Vieh hat Lenzin gesoffen!" Merkwürdige T ä t o w irungen wies der Leichnam eines Mannes auf, der unlängst unweit der Concordien - Brücke in Paris ohne Kopf aus der Seine gelandet wurde. Anfänglich glaubte die Polizei, daß ein Verbrechen vorliege, bald aber stellte es sich heraus, daß dem Todten der Kopf durch die Schraube eines Dampfers abgeschnitten worden sei. In den Taschen der Leiche fand man keinerlei Handhaben, die 'zur Identität hätten führen können. Dagegen war der Körper mit seltsamen Tätowlrungen bedeckt. Auf dem rechten Arm befand sich eine vor einem Grabhügel knieende, weinende Frau mit der Unterschrift: Meiner Mutter!", der linke Arm zeigte eine nur leicht bekleidete Tänzerin, die sich nachlässig auf einer Chaiselongue ausstreckt. Darunter befanden sich die Worte: Meiner Pauline". Auf der Brust endlich war ein Satz tätowirt, der der Wahrfpruch des Todten gewesen zu sein scheint: Die Vergangenheit war mir hold. Die Gegenwart und die Zukunft erfüllen mich mit Schrecken." Inzwischen ist es der Pariser Polizei auch bereits gelungen, die Persönlichkeit des Tätowirten festzustellen. Es han'delt sich um einen Arbeiter, der infolge von Nahrungssorgen freiwillig den Tod gesucht hat, nachdem er bereits vorher'einen verunglückten Selbstmordversuch unternommen hatte. Während eines O h nmachts - Anfalles von ihrer achtjährigen Tochter bestohlen wurde die Krankenpflegerin L. m Berlin. Kürzlich bekam Frau L., die feit vier Jahren verwittwet ist, in ihrer Wohnung einen Ohnmachtsanfall. Nun spielte sich eine höchst unerquickliche Szene ab. Die achtjährige Tochter schlich sich an die ohnmächtig amBodenLiegende heran und stahl aus der Tasche der Mutter einen Geldbeutel mit Ersparnissen von 159 Mark. Hilflos ließ das j Mädchen die Kranke zurück und flüchtete mit der Beute nach der Straße. Dort traf das Mädchen mit einem gleichaltrigen Knaben, dem Sohn einer der Frau L. bekannten Familie, zufammen, und gemeinsam mit diesem ging die Diebin in der Potsdamer und in der Hauptstraße zu Schöneberg von Laden zu Laden und kaufte im Ganzen für etwa 20 Mark allerhand Süßigkeiten und Spielsachen. Zum Schluß begab sich das Pärchen dreist in den Konzertgarten der Schloßbrauerei. Das Mädchen bestellte dort zwei Portionen Kaffee mit Kuchen. Auf die Frage des Kellners: Kinder, babt ihr auch Geld?" öffnete die Kleine ihr Fäustchen und zeigte ihre Reichthümer. Man verbuchte nun herauszubekommen, auf welche Weise das Kind zu dem Gelde gekommen war, jedoch vergeblich. Nun wurde die Revier - Polizei benachrichtigt, und diese bemühte sich vergebens, von. der jugendlichen Diebin Namen und Adresse zu ersahren. Auch ein Herumführen der Kinder durch einen Schutzmann von Haus zu Haus, was natürlich große Menschenansammlungen zur Folge hatte, war erfolglos. Schließlich aelana es Kriminalbeamten, die Wohnung der Kinder ausfindig zu machen, um beide den Eltern wieder zuzuführen. Die Strafkammer in Augsburg verurtheilte den Volksschullehrer Ulrich Ganser vonFischbach wegen Ueberschreitung des Zllchtigungsrechts zu zehn Mark Geldstrafe. Er hatte ein Mädchen von 11 Jahren mit der flachen Hand an den Kopf geschlaaen. Obwohl Ganser wegen eines Vergehens schon zweimal bestraft ist, fiel das Urtheil so milde aus, weil die Mißhandlung nicht von Belang war und er nachweislich hochgradig nervös geworden ist und werden mußte, weil er jahrelang über 100, zuletzt 110 Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren in einer Klasse zu unterrichten hatte! In diesem Jahre endlich baut die wohlhabende Gemeinde einen weiteren Schulsaal, um einen zweiten Lehrer anstellen zu können. Höhere Töchter-Zoologie. Lehrerin: Mariechen, erzähle mir etwas über die Gans!" Mariechen: Die Gans ist ein Vogel. Sie ist ein sehr nützliches Thier. Ihre Flaumfedern dienen uns zum Füllen der Betten; ihr Fleisch ist zart und weich wenn die Köchin auf dem Markt nicht eine alte erwischt hat!" Kleines Mißverstandn i ß. Frau Teiteles hat von ihrer Sommerreise an Bekannte Ansichts karten mitVersen geschickt, die sie 'henn lich aus einem Buche abgeschrieben. Nun, Frau Teiteles", sagt nach ihrer Rückkunft ein Bekannter, .Sie haben in der Schweiz ja auch den Pegasuö bestiegen?!" Das heißt", antwortet sie prahlerisch, ich v bin mit.d Zahnradbahn 'naufgefahr'nl"

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Die Kbezchnete e?ianale tverd tut m X$vam Süchte? asgtgebm da an d KtreJnd et?si Zreutung kein ZOasnkSSen mnerSmjti find Kolonie für Obdachlose. Pastor Bodelschwingh kann jetzt an die Gründung seiner Kolonie Hoffnungsthal" für Obdachlose gehen. Die städtische Deputation für die Kanalisation und Rieselfelder in Berlin, von der Bodelschwingh das für seine Zwecke nothwendige Terrain pachten wollte, hat den vorgelegten Vertrag genehinigt. Danach sind dem Verein Hoffnunasthal." an dessen Spitze Paftor v. Bodelschwingh, Generaloberst v. Häseler und andere bekannte Personlichkeiten stehen, rund 58 Hektar städtischer Besitz in Rüdnitz bei Bernau bis Ende September 1911 für 5320 Mark verpachtet. Die Obdachlosen werden dort mit gärtnerischen und landwirthschaftlichen Arbeiten beschäftigt; gleichzeitig wird ihnen Arbeit nachgewiesen.