Indiana Tribüne, Volume 29, Number 64, Indianapolis, Marion County, 7 November 1905 — Page 4

Jnvtana Tribüne 7 November 1905

Indiana Tribüne. vanLevdn vou dn ted Indianapolis, Ind. Hany O. Thudiu .... yrSfident. GeschSftSloeal: ' No, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE S6S. -

Untere! t the Pott Office ol Indianapolis as econd dass matter. Die eigene politische Meinung ist immer ehrlich die Anderer erheuchelt. Wenn jeder Wahler heute nurnach seiner Ueberzeugung stimmt, so wühlt errichtig7 - Man sollte sich nicht so sehr dar über ausregen, daß die NewZ- im Schmutze wühlt sie fischt ja immer im Trüben. Morgen möchte die Sittenrichterin an der Washington'Strrße den großen Chor fingen: Ich bin Mayor, Kann nischt davor". Wenn die Zeitungen es gewöhnli chen Wardheelern, die hinter einem Aemtchen her find, wie die Made nach dem KüS', recht zu machen versuchen würden, dann göb'S Schauerliche" Zustünde. Aus der Bundeshauptstadt. Gerade jetzt, wo Roosevelt auf dem Höhepunkte seiner Popularität 'steht, drängt sich dem Beobachter wieder die Thatsache auf. daß der in ungezählten Millionen schwelgende .Onkel Sam", der fich sonst unter den nichtigsten Vor wänden schröpfen läßt und das Geld mit vollen Händen fortzuwerfen pflegt. Niemanden schäbiger behandelt, als gerade seinen ersten Exekutiv-Beamten. dessen ganze? Streben darauf gerichtet ist, ihn vor Uebervortheilungen zu be wahren. Herr.Roosevelt hat die süd liche Tour nicht zu seinem Vergnügen unternommen, sondern er ist dem Rufe seiner südlichen Mitbürger gefolgt, welche den obersten Beamten des Lan des von Angefickt zu Angesicht zu sehen wünschten. Trotzdem? muß er die Kosten der Reise aus. seinen eigenen Mitteln be .streiten, und sie dürften 7gar keinen un 'beträchtlichen Bruchtheil" seines kürgli chen JahreSgehalteS darstellen. Unsere Herren Senatoren und Kon greßabgeordneten beziehen nicht allein für ihre Reisen nach Washington und zurück nach? der Heimath sehr reichlich bemessenelMeilengelder, obwohl sie alle sammt ihre Eisendahnfreipäffe in der Tasche haben,!sondern fie unternehmen auch alle Augenblicke ausgedehnte Bum meltouren auflRegimentSunkoften. Die Bill aber, welche das Gehalt des Prü fidenten erhöhen sollte, haben fie uner ledigt liegen gelassen, und den vielfach laut gewordenen Vorschlag, sie solltem dem Präsidenten für seine amtlichen Reisen einen besonderenZZug zur Ver fügung stellen, haben fie bisher ig norirt. . , Unser .Onkel Samuel ist überhaupt in mancher Beziehung ein schäbiger Kunde. Das zeigt fich mal, wieder an läßlich des EmpfangeS.deS Prinzen von Battenberg und feines Geschwaders. Der Besuch deS englischen Geschwaders giebt natürlich lAnlaß zu einer ganzen Reihe von Festlichkeiten, welche theils an Bord der englischen, theil an Bord der amerikanischen Kriegsschiffe abze halten werden. Zwischen . beiden aber besteht ein großer Unterschied. Die Rechnung sür.die kenglischen Festlich leiten bezahlt John Bull, wie fich daS auch nicht anders gehört. WaS aber die amerikanischen Osfiziere zur Unter Haltung ihrer englischen Kameraden thun, daS müssen fie aus ihrer eigenen Tasche bezahlen. Onkel Sam trügt zur Bestreitung der Kosten keinen Cent bei, obgleichZdie?Feftlichkeiten auf den amerikanischen Schissen in seinem Na men abgehalten werden und er den Credit dafür einstreicht. Natürlich kön . nen sich unsere Ofrnie bei einer fol chenGelegenhelt nicht lumpen lassen. DaS würde man ihnen in Washington , sehr Übel nehmen. ES dürfte also mehr als einer von ihnen in Schulden gera then, an denen er vielleicht Jahre lang zu tragen hat. Der Kongreß ist wie derholt auf diese Ungerechtigkeit auf, merksam gemacht worden, allein, ob gleich er sonst daS Geld deS Volkes mi beiden Händen zum Fenster hinaus wirst, hat er fich doch noch nicht dazu entschließen können, für solche Zwecke einen Cent zu bewilligen. - Sehr knauserig benimmt fich Onkel

Sam auch gegen seine diplomatischen Vertreter, sowie gegen seine Konsuln.

Unsere Botschafter und Gesandten wer. den sehr viel schlechter bezahlt als die rgend einer anderen Großmacht. Ihr Gehalt ist ein so geringes und die Re Präsentationspflichten, welchen fie zu genügen haben, find so bedeutende, daß nur ein sehr reicher Mann einen solchen Posten annehmen kann. Bei dem amerikanischen Botschafter in Berlin. London. Paris und Petersburg langt das Gehalt kaum zur Bezahlung der Miethe und der Dienerschaft. Den amerikanischen Konsuln ergeht eS nicht besser. Mancher Konsul hat ewe Reise von Tausenden von Meilen zu machen, um seinen Posten zu erreichen. Die gesammten Umzugskosten aber muß er aus seiner eigenen Tasche bezahlen. ind dabei kann unter Umständen daS halbe JahreSgehalt daraufgehen. 0n el Sam thut fich soviel darauf zugute. daß in seinem großen Reiche die Arbei er höhere Löhne erhalten, als in irgend einem anderen Lande der Welt. Dabei müssen fich seine eigenen Arbeiter mit den allerniedrigften Löhnen begnügen. ES mag ein wenig respektwidrig klingen, wenn man Onkel Sam als fchfr big bezeichnet. Thatsächlich richtet fich der Vorwurf ja eigentlich auch nur gegen den Kongreß, dessen Geizigkeit beinahe sprichwörtlich geworden ist. Wenn eZ dem bevorstehenden Kon greß überhaupt mit seinem angedeute en SvarsamkeitSprogramm ernst ist. o sollte er mit fich selbst den Anfang machen. Da ist z. B. der sogenannte ,Cvntingent'Fond" deS Bundes enateS, eine wahre Quelle der Kor ruption. Aus demselben werden die Kosten der senatoriellen Spritztouren, der Briefmarken, Equipagen, kost pielige TollettkN'Gegenftände, Meu blementZ für Privatzimmer, Berichte der Verhandlungen, der KomiteS, Falzung der als öffentliche Dokumente gedruckten Kampagnereden der Sena toren und tausend andere nützliche und unnöthige Sachen bezahlt. Ein an derer Fond, von dessen Gebrauch nur die Eingeweihten etwas wissen, ist der für -Verschiedenes-, welcher während einer Sitzung mitunter die Höhe von 8150,000 erreichte. Der Senat 'hat jetzt 54 permanente KomiteS und 12 besondere Ausschüsse. Jeder dieser 66 Ausschüsse befitzt einen Clerk, viele da von einen Hilssclerk und einen Boten. Für 66 Senatoren ist also je ein Vor fitz vorhanden und der Clerk des Ko miteS fungirt in jedem Falle als der Privatsekretär deS Senators, welcher den Vorfitz führt. Die weit größere Anzahl der Comite hält nie eine Sitzung ab und die Räum ltchkeiten des Comite? find nur die Privatzimmer der Senatoren. Da für 24 Senatoren keine Vorfige vorhan den find, so giebt man ihnen Zimmer außerhalb des KapitolS und je einen Privatsekretär mit $1500 Gehalt. Die als ComiteClerkS amtirenden Privat sekretäre erhalten aber wenigstens 91800 und nicht wenige stehen fich auf S2200 und 2500. Die Comite - Beernten deS Senates erfordern jährlich 8134,020. Das Amt eines Sergeant at'Armö" des Senates ist ein fettes und angenehmes. Er verfügt über eine Patronage von 107 Köpfen, welche 8115,084 an Salären öeziehen. Dem Postmeister des Senates find 14 Per fönen mit 818,183 Salär unterstellt In der Bibliothek find 5' Personen an gestellt, welche 88700 Gehalt beziehen Das Falzen der als Kampagnedoku mente gedruckten Reden und der Ver. sandt der regulären Dokumente gibt 23 Personen beständige Beschäftigung. welche dafür 822.300 beziehen. Im Annex deS Senates werden weitere 16 Personen mit ungefähr 8l8. 000 Salär beschäftigt. Durchschnittlich kosten die Angestellten deö Senates, ungefähr 321 Köpfe, jährlich in . runden Zahlen 8450.000. Der Senat selbst kostet un gefähr 81,100.000. Die Kosten deS Abgeordnetenhauses stellen fich durchschnittlich im Jahre auf 82,650.000. Im allgemeinen find die Gehälter der Beamten des HauseS viel niedriger als die deS Senats, und auch der Contingent Fund- wird viel sorg samer verwaltet. " Ans der- Georaptfiefinnde. Lehrer: Und durch welchen See geht der Mincio?" S ch ü l e r (in Gedanken):' Durch den Gerdasee." Lehrer: Sehen Sie wohl, woran Sie wieder denken." Sei letzter MnnsUs. Baue? (auf dem Sterbebette, zur Bäuerin): Und woaßt. Zenzl. wennst wtiUick no' mal heirathst, nachher nimmst 'n Hupfauer Toni, der is mir no' hundert Guld'n fchuldi'!"

Sommervende.

Von Kurt Münzer. Oben auf der Düne, hinter fich den Buchenwald, vor fich den Blick auf die See nach Westen, stand das weiße Haus. Das ganze Jahr geschlossen, öffnete es sich nur in den beiden letzten Monaten des Sommers den beiden Frauen.Mutter und Tochter, Frau Cäcme und Fraulem Beate. ??ast war kein Sommergast mehr unten im Dorf: denn wenn auch noch ein wenig Blumenduft, Sonnenschein und Vogelsang in der Luft lagen, so waren doch die Abende schon früh da, waren kalt, oft trübe, und in den Nachten klangen die Stimmen der Wmde über die See. Auf der Großen Terrasse, deren Schlinaaewächse ein Sturm zerrissen hatte, saßen die beiden Frauen, beide m weißen Kleidern, die Mutter mußig, die Tochter beschäftigt, bunte Astern und Vasen zu ordnen. Sie glichen sich beide wie Schwestern, nur daß die ewe das heitere Gesicht eines glücklichen Kindes hatte und die andere emen Zug des Grames um den Mund. Das war die Mutter, die, kaum doppelt so alt wie die achtzehnjährige Tochter, aus einer kurzen Ehe nur Schmerz undSehnsucht geschöpft hatte. Aber als sie jekt dem Tage nachsah. dessen goldene Spur noch am Himmel stand, war in ihren Augen em Glanz, wie ihn nur die Jugend kennt. Die See wurde unruhig; höher schäumte die Brandung am Ufer. Unten, klein wie Zwerge, muhten sich die Fischer um ihre Boote, die sie tiefer in's Land hineinzogen. Windstöße kamen über die schäumende See, und Wolken fielen wie ein Vorhang über dem Glanz der geschiedenen Sonne. Die Mutter stand fröstelnd auf und sah zum Strand hinab. Vom Borgebirge her kam ein Mann durch den Sand: sein Mantel flatterte und er hielt den Kopf gegen den Wind gesenkt. Frau Cäcilien's Augen gingen mit ihm mit; ihr Glanz vertiefte sich und überstrahlte das ganze Gesicht, so daß auch der Schatten des Harms verschwand. Und als sie sich nun zur Tochter wandte und leise sagte: Bernhard kommt," da stieg es auch im Antlitz der Jungeren wie ern innerliches Licht auf. Ader sie sahen es beide aneinander nicht an, denn es war schnell dunkel geworden. Die Nacht war unt t geomoig. zu rommen. Eine halbe Stunde spater saß Frau Cäcilie in ihrem kleinen, grünen Zimmer im Dunkeln. Die Thür zum Saal stand offen, und nur so kam ein Streifen Licht rn den Raum. Drmnen saß Bernhard am Flügel, und Beate sang Mit der Stimme eines kleinen Madchens die schweren und sehnsüchtigen Lieder der Nordlandfischer. Aber für die Mutter gab es nicht Wort und Metodte. Die Musik war nur Begleitung für den Gesang ihrer Seele, dem sie so ganz hingegeben war. Liebe, Liebe," sang es, Liebe Meeresstille. Abend frieden, Himmelsseligkeit. Ich und du: ein Athemzug. Wir: ein ewiger Becher Glück." Und das Leben, die Zukunft gingen ihr so strahlend auf, daß die Vergangenheit geklart wurde. Die lange Trauer d vielen Jahre wurde in dieser kurzen Stunde zu einem kurzen Augenblick des Wartens auf das Glück. Nun erwachten alle unterdrückten Kräfte ihres Lebens. Drinnen saß der geliebte Mann., Vor wenig Wochen ihr noch ein Fremder, begegnet draußen auf hoher See, wo sie sich zu weit hinausgewagt hatte. Ihre Kraft war ermüdet, die Wellen kamen rascher, und ein leichter Regen fiel. Sie fühlte etwas wie Angst. Das Land war nur noch ein Streifen am Horizont, das Meer em lauerndes Grab, der Himmel verhüllt.... Da kam er ihr zu Hilfe. Schon feine Stimme genügte; sie gab ihr die Kraft zurück. Neben ihm ruderte sie plötzlich kraftvoll ihr kleines Boot demStrande zu. Dann kam er zu ihr, öfter und öfter. Sie sprachen nicht viel, denn er war einer von den Stillen, die das Beste verschweigen, weil der Reichthum ihrer Seele in der Sprache nicht aufgeht. Aber er mühte sich um sie; und Ergebenheit, Ehrfurcht und stolze Demuth ihr gegenüber waren die Zeichen einer Neigung, die sie so unaussprech lich beglückte. Sie waren sich gleich an Jahren. Ihre Größe gab der seinen wenig nach. Und der männliche Stolz, der sein Gesicht so hell machte, stand so gut zu der fast schwcrmüthigen Weichheit ihrer Züge. .Sie liebte ihn, wie nur ein Mensch lieben kann, dessen lebenslange Sehnsucht ein einziger Blick auslöst. Sie vergaß, daß sie Mutter war und die Pflicht als ernste Warnung rn ih rem Leben stand. Sie sah nur ihn und die Blicke, die ihr galten; aber nicht die Tochter und das Geheimniß, das ihr Kind und ihr Geliebter trugen . . . . Sie geleitete ihn aus dem Hause, durch den Garten bis an den Wald, der die Düne kränzt. Die See brauste und ihr Athem strich .kalt über das Land. Es war eine dunkle Neumond nacht. Das Wetter wechselte. Achten Sie auf den Weg, Bernhard," sagte Frau Cäcilie. Es ist finster, und der Wald ist gefährlich. Geben Sie mir einen Gedanken mit," sagte er, aber mit einer Stimme, als dächte er an etwas Fernes, Strahlendes, und ich gehe sicher.", . Er sah sie an; und ihr Herz schlug ihm so stark entgegen: daß sie dachte:

Nun fühlt er es. Aber er spraa) nijt

weiter. 'Er gab ihr die Hand, sah sie

ange an mmg, so schien es ihr. Wie ihre Schwester," dachte er in einer großen Seligkeit. Soll ich es sagen? O, noch einen Tag das Geheimnitz tragen, die süße, leichte Last." Er veraan. .Gute Nackt a wnen. und war jchon langn im raujcyenoen Walde verschwunden, als sie noch immer an der Gartenpforte stand. Im großen Saale saß Beate am Flügel Nur eine Kerze brannte noch. Der Wind sang vor dem Fenster. Die junge Madchenseele träumte in Nacht und Sturm hinaus ihre Liebe. Du bist noch wach?" sagte dieMutter im Hereinkommen. Es ist spät. Komm schlafen, wenn der Sturm uns schlafen laßt. Ich aube, wir haben den letzten schönen Tag gehabt. Morgen ist der Herbst da. Wir müssen bald in die Stadt zurück. Morgen ist der Herbst da. Aber wahrend sie so sprach, dachte sie: Mas rede ich da für alltägliche Worte! Meine Seele singt und mein Mund spricht vom Wetter. Nie kommt der Herbst. Die ganze Weltordnung ist verschoben. Mein Herbst hat abgeblüht und nun kommt der zweite Frühling. Morgen geht meine Sonne auf. So gingen sie hinüber in ihrSchlafzimmer, jede so versunken in das eiqene Glück, daß sie wie allein, inmitten einer undurchdringlichenSphäre schritten. Waldesrauschen und Wogenbrausen, das Heulen des Windes und die große Stimme des Meeres umklangen das weiße Haus, rn dem die Weltordnung in Gefahr stand, durch die liebliche Thorheit der Liebe verschoben zu werden.... Um Mitternacht hatte der Sturm seine Höhe erreicht; im Walde krachten die Bäume. Am. Strande liefen glühende Punkte hin und her. Es waren die Laternen der um ihre Boote besorgten Fischer. Nur der Schein des Leuchtthurmlichtes am Vorgebirge glänzte still in die wilde, ruheloseNacht hinaus. Da bewegte em bitterer Gedanke das Herz der Mutter, zu der der Schlaf nicht gekommen war. Mein Kind," dachte sie, was wird mein Kind sagen, daß ich ihm einen Vater gebe, den es nur so nennen, nicht so lieben kann'!?" Und es bewegte sie so heftig, daß sie aufstand, eine Kerze anzündete und an das Bett ihrer Toch ter trat. Die lag im traumlosen Kinder schlaf, das verjüngte Spiegelbild der Mutter. Nichts bewegte ihre Züge. die der Schlaf durchsichtig machte. Nie," dachte die Mutter, nie könnte ich Dich betrüben. Ich will Dich fra gen, ob Du ihn Vater nennen willst. Un4 wenn es Dich schmerzt ja, wenn es Dich schmerzt, so will ich für Diz meme Liebe begraben. Ich bm kein freies Weib mehr; ich bin Deine Mutter, Beate, Glückselige! Deine Mutter!" Da schwankte die Kerze in ihrer Hand. Und ehe sie den Leuchter wegstellen konnte, fiel ein Tropfen Wachs, heiß wie eine hoffnungslose Thräne, auf die Stirn der Schläferin. Sie wachte auf, hob die Arme, flüsterte emen Namen' aber nur das Herz sprach ihn aus, der Mund war stumm. Schlaf, mein Kind," fagte die Mutter. Ich bin bei Dir." Da umschlang sie Beate, zog den geliebten Kopf zu sich hinunter und sagte voll Schlaf, voll Glück und siillenFrie dens: Er liebt mich. Er liebt mich. Ich bin seine Braut. Als ich sang, sagte er's: Ich liebe Dich! Ich hab's gewußt. Ich konnte weitersingen. Wir sprachen, nicht mehr. Nie mehr brauchen wir zu sprechen.. Wir wissen alles. Wir kennen das E'heimniß. Es ist die Liebe, die nichts kann, als sich bekennen. Dann ist sie stumm. Die Liebe. Mama! Mama!"' Wie schwer, wie unerträglich schwer lag der Kopf der Mutter auf ihrer Brust! Beate wollte ihn aufheoen. ein Lächeln sehen. Aber die Mutter klammerte sich fest, denn die Tochter durfte nicht in ihre Seele schauen, wo alle guten und bösen Geister miteinander rangen. Da schwieg der Sturm, und das Meer hielt den ewigen Athem an. Und was da draußen noch rauschte, schlenen die Fittiche des Schmerzes zu sein, der um das weiße Haus auf der hohen Dune kreiste. Lange schwieg es. Beate sagte leise: O Traum, o Leben und schlief schon wieder und erwachte wie der, als die Mutter den Kopf hob. Da war der Morgen schon gekommen, und seine rosigen Flügel streiften die ruhige See. Die Mutter hob den Kopf und lä chelte ihr Kind an. Sie lächelte. Aber die Augen hielt sie geschlossen; kein Schatten ihres Leids sollte über das Glück der Tochter fallen. Der Glanz der Jugend war in dem schönen Antlitz todt; aber das stille Licht der Herzens güte verklärte es von innen heraus. Sie wußte: es giebt etwas Höheres als das eigene Gluck. Und m 'der heut genden Schwermuth des Entsagens küßte sie ihr Kind. Und Beate, die Gluckselige, sah mcht, daß es ein La cheln war, geboren von der letenKraft eines gebrochenen Herzens, , geboren aus Sehnsucht, die den letzten Flügelschlag gethan, as Neid, der überwunden war, aus Trauer und Schmerz. Und sie fühlte nicht, daß die ungeweinten Thränen der Mutter heißer waren als der Tropfen Wachs, der sie geweckt, weil mehr als Hoffnungslosigkeit sie löste ... . ' . . .

Am Tage schien die Sonne blak und

kühl. Das Brautpaar aina im Buckenwald. . Der Sturm katte den erbst gebracht.' Den letzten Duft des Sommers und die lekte Wärme batte er fortgeweht. Noch war das Laub grun, aber verwüstet und abgerissen. und dennoch gmg die Liebe so frühlingshaft spazieren! ' Beata," sagte er. Das Herz weiß es. Aber das Ohr glaubt es nicht, das Auge glaubt es nicht. Du liebst mich nickt. ?lck bin ein aroner. alter Mann und Du ein Kind. Und so viel Jahre sind zwischen uns, wie Du' alt." Da laa er ibr zu ftüften. Sie kniete neben ihm und faltete die Hände und betete: Wenn Du mich liebst, ist nickts zwischen uns! Und der weiteste Weg von 2ir zu mir ist der von Mund zu Mund." Da küßten sie sich. Auch eine RtiseErinnerung. Eine eiqenartiqeErinneruna an eine Reise erzäblt der bekannte enaliscke Schauspieler Charles Hawtrey in seinen Memoiren. Hawtrey befand sich ..c nr..af.i.s -r. : . ." aus einer 'ausianosreije in einem ivcuentlegcnen Dorfe, dessen Name ihm entfallen ist. Ein Barbier war nicht am Orte, aber man gab dem Reisenden den vtaty, zu einem Manne zu gehen, der ab und. zu den Bart schneide. Hawtrey befolgte den viaty und machi. os;r?i. . . t ie eine niue oei . oer angcgeoenen Adresse. Er mußte sich auf dem Rücken lang auf dem Erdboden ausstrecken, dann begann die Manipulation desRasirens, die sehr exakt und geschickt vorgenommen wurde. Hawtrey erhob sich, bezahlte und fragte, warum er sich zum Rasiren habe lang hinlegen müffen. Der angebliche Barbier erwiderte mit einiger Verlegenheit: Ich habe noch niemals einen Lebenden rastrt. fondern bisher nur Todten den Bart geschnitten!Nach dem Jahresbericht des General - Auditeurs der Armee, General George B. Davis, wurden von von den im Laufe des verflossenen Fiskaljahres vor dem Kriegsgericht prozessirten Offizieren 35 verurtheilt und 13 freigesprochen. Ferner wurden vor dem Kriegsgerichte 4800 Fälle verhandelt, um 551 mehr -als im vorangegangenen Jahr. Dieser Umstand ist darauf zurückzuführen, daß die Zahl derBerurtheilungen wegenDesertion, welche 1470 betrug, um 440 größer ist als im Vorjahr. Im Ganzen sind 2529 Mann zur schimpflichen Ausstoßung verurtheilt worden. In Lexington, Ky., sollte kürzlich, nach einer Correspondenz von sechs Jahren, die Hochzeit von Kätherine Sebree mit Wm. King, einem Pferdetraineur von Boston, stattfinden. Als der Bräutigam sich nun nach Frl. Sebrees Haus begab, traf er dort unter den geladenen Gästen den Whisleyhändler C. W. Scott, mit dem er seit Jahren verfeindet ist. Er weigerte sich, den Mann zu grüßen, ein Streit entstand, und King schoß seinen Gegner schließlich nieder. Natürlich mußte, da die Polizei den schießwüthigen Bräutigam sofort beim Kragen, nahm, die Trauung verschoben werden. Sie wird jetzt auch wohl nie stattfinden, denn King versucht, die Affäre so hinzustellen, als ob Frl. Sebree den 'Scott geschossen habe, was die junge Dame entschieden in Abrede stellt. . Auf ein neues Strafmittel für jugendliche Missethäter ist Polizeirichter Sweeney in Newark, N. I., verfallen. Es besteht darin, die Burschen zu veranlassen, sich bei einer Bau- und Darlehen - Gesellschaft einzukaufen, anstatt ihnen die jeweilige sonst gebräuchliche Strafe . zuzudktiren. Charles Gormly und Stephen Reifa waren die Ersten, denen Richter Sweeney's neue Idee zu Gute kam. Die beiden Jungen waren von Joseph Schild des thätlichen Angriffs beschuldigt. Sie arbeiteten unter Schild in einer Fabrik, und als sie entlassen wurden, glaubten sie, Schild sei die Ursache gewesen. Aus Rache sollen sie ihn angefallen haben. Ich werde in Eurem Falle das Urtheil suspendiren," sagte Richter Sweeney zu den beiden Angeklagten, dasür müßt Ihr mir aber versprechen, nach Verlauf von vier Wochen hierher zu kommen, und Jeder von Euch muß mir ein Bauund Darlehenbuch, ganz gleich von welcher Gesellschaft, vorzeigen, mit einem Dollar verzeichnet". Beide Jungen gaben ihr Versprechen, dies zu IhütL. Vorher sehung. Du, was hat denn heute Deine Frau vor? Die kramt in allen Mödejournalen herum und ist so aufgeregt! Ach, daö sind bloß Ohnmachts - Symptome!" ZweiGenießer. O, mein Fräulein, der Herbst ist doch die schönste Zeit für den künstlerisch Genießenden diese sagten Mittagsstimmungen, und dann am Abend diese sanften Töne!" Ja, herrlich, Herr Meier, ich habe gestern auch neohuhn mit Sauerkohl gegessen." Pattensen. Kürzlich gerlety die Feldarbeiterin Vertha Skrzypek, geb.- Drwoll, im Betriebe des Landwirths Redeker hier in die Messer der Mähmaschine und erlitt derartige Verletzungen der Sehnen und Knochen des rechten Beines, datz sie, nach Hannover in's -Henriettenstift. geschafft werden nrukte.

Fraulein Melissa Kim, eine geborene Koreanerin, die kürzlich nach den Vereinigten ' Staaten kam, um Medizin studiren. ist 28 Jahre alt und der englischen Sprache mächtig. I n G a l a t i n, Tenn., ist der alte Martin Barth gestorben, der 1848. in Pittsburg bei der alten Atlantic & Ohio Telegraph Co. das Amt eines Bureauleiters bekleidete und zu dessen jungen Angestellten Andrew Carnegie gehörte. JmStaateJowa ist, wie aus Sioux City berichtet wird, eine Frauen - Agitation im Werk, es in der nächsten Legislatur durchzusetzen, datz die Frage des Frauen - Stimmrechtes einer Volksabstimmung, unterworfen wird. Es werden Karten vertheilt, die dann mit dem Namen der Absender versehen, an die Legislatoren verschickt werden sollen. Eine eigenartige Fcrmerhochzeit fand vorKurzem in Appleton. Wis.. statt. Dort ließ sich der 47 Jahre alte Henry Heimann mit der 67jährigenWittib Katherine Jäckels in die Ehefesseln schmieden. Die Braut ist die Schwiegermutter des Sohnes des Bräutigams und alle dessen Kinder, sowie ein ganzes Schsck Enkel wohnten der Hochzeit bei. Die falfchenZehndollarscheine, welche zuerst im Juli 1903 entdeckt wurden, sind in einer neuen, betreffs der Farbe und der Form der Ziffern verbesserten' Auflage wieder aufgetaucht. Die Fälschungen kom-

men nunmehr den echten viel näher. Auch in der Farbe der Rückseite der Banknoten, welche nicht so dunkel ist, wie auf den zuerst confiszirten Fälschungen. ist eine leichte Verbesserung wahrzunehmen, welche diese neuen falschen Noten um fo gefährlicher macht. Etwa 9 Meilen östlich von Devils Lake. N. D., im Town Crary, fanden Knaben, welche verlaufenes Vieh suchten, die Leiche des in der Nähe wohnhaften Farmers William Stewart, welchem fast der ganze Kopf weggeschossen war. Der Coroner, Sheriff und Countyanwalt untersuchten den Thatbestand und fanden, daß nach allen Anzeichen der Mann an Wildgänse im Felde herankriechen wollte, wobei sich zufällig sein Gewehr entlud und ihm den Kopf Zerfchmetterte. Ein merkwürdiger Fall von Mundsperre wird aus Louisdille berichtet: Der. etwa elf Jahre alte Robert Bartholomew erholt sich von einem Falle von Mundsperre, der -den' Aerzten räthselhaft ist. Der Junge trat sich vor mehreren Wochen einen . Holpsplitter in den Fuß und vier Tage darauf schlössen sich seine Kinnbacken. So blieben sie fast zwei Wochen. Schließlich bekam er Krämpfe und alle Hoffnung wurde aufgegeben, als das. Kind amTage darauf Zeichen der Besserung zeigte. Der. Junge wurde mit flüssiger Nahrung gefüttert. Ein Scharfschuß i m Manövergelände der 5. bayerischen Division bei Nabburg, durch den der Sergeant Stahl von der 2. Kompagnie des Infanterie - Regiments No. 11 in Regensburg getödtet wurde, ist nach strenger 'Untersuchung durch das Kriegsgericht aufgeklärt worden. Der Thäter Soldat Hanfstätter voi der 5. Kompagnie des 10. Infanterie - Regiments zu Jngolstadt. hat in sträflichem Leichtsinn und Uebermuth, allerdings ohne jegliche Ueberlegung, den Schuß abgefeuert. Um nämlich zu sehen, ob das in einer Platzpatrone' enthaltene Pulverquantum auch hinreichend sei, um einen festeren Gegenstand auf einige Entfernung hinauszuschleudern, steckte er an Stelle des rothen Holzpfropfens an derPlatzpatrone den Bleimantel einer bereits abgeschosfenen scharfen Patrone. Einige Tage vor Abgabe des verhängnißvollen Schusses hatte er Kameraden von dem von ihm beabsichtigten Versuch und dem Spaß", den er vorhabe, erzählt. Der frivole Thäter, der inzwischen dem ' Garnisongefängniß in Regensburg zugeführt wurde, diente im zweiten Jahre und wäre in den nächsten Tagen zur Reserve entlassen wordeir. Mit der Frage, ob die in der Studentensprache häufig zum Scherz angewandte Bezeichnung Polvp" für Polizist eine Beleidigung fei, hatte sich die Göttinger Strafkammer zu beschäftigen. Der Stud. jur. Vuse, der des Nachts mit einigen Freunden über die Straße ging, warnte diese als sie zu singen begannen, durch den Zuruf: Pst! ein Polyp", obgleich er einen Schutzmann in diesem Augenblick gar .nicht gesehen hatte. Im nächsien tauchte jedoch ein solcher auf, der den Ruf gehört hatte und den Studenten wegen Beleidigung anzeigte. Das Schöffengericht fah den Ausdruck Polyp" nicht als Beleidigung an und fprach den Angeklagten frei. Die Strafkammer dagegen hielt den Ausdruck für eine Beleidigung an sich, und bestätigte nur deshalb, das freisprechcnde Urtheil, weil der Ausdruck Polyp" mit Rücksicht darauf, daß B. den Schutzmann nicht gesehen hatte nicht in Beziehung auf eine bestimmte Person gefallen sei. Bemerkenswerth ist, daß der in der Schöffengerichtsverhandlung den Vorsitz führende Assessor während jener Verhandlung äußerte, daß er selbst den Ausdruck Polyp" gebrauche, wofür ihm zufolge erhobener Beschwerde beim Landgerichtspräsidium eine . Rüge ertheilt wurde. ' ,'