Indiana Tribüne, Volume 29, Number 63, Indianapolis, Marion County, 6 November 1905 — Page 4
Jndtäna Tribüne, November
Jndiana Tribüne. " . . Hnaulgeatden von der uttndtrg s. Indianapolis, Ind. Harry O. Thndinm .... Präsident. OeschöftSIoealt No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE SKS. Eatcred t the Pot Office ot Indianapolis as sccond dass matter. Die städtische Wahl. Morgen werden die Wühler ihren Wahrspruch in Sachen Holtzman gegen Boolmalter abgkben. EZ wird ein Wahrfpruch sein, der nicht nur die Parteien, sondern auch deren Anwälte d. h. die hiesigen eng. lischen Zeitungen, die mik so unerhör ter Bitterkeit die Sache der Gegner zu ihrer eigenen machten, trifft. Eine Niederlage wird die letzteren ebenso empfindlich berühren, wie die betreffen den Kandidaten. Beide Zeitungen haben eine unend liche Mlle von Material zu Gunsten der .einen oder zum Schaden der anderen Kandidaten dem großen Publikum unterbreitet. Leider haben sie c5 nicht verstanden, ihre persönlichen Gefühle dem Gemein wohl unterzuordnen und Anklagen und Verdächtigungen anstatt überzeugenden Argumenten Raum gegeben. Dem Publikum ist es vorbehalten, seine eigenen Schlüsse zu ziehen, nach dem eö die Cchmutzkruste, die um die Kandidaten gehängt wurde, entfernt hat. Nationale Wichtigkeit der Stadt, wähl zu geben, wäre einfach Blödsinn. In der vorliegenden Wahl handelt es sich nur darum zu entscheiden, wer von den beiden Kandidaten Garantien für die beste Verwaltung unserer Stadt im liberalen Sinne liefern würde. Beide Kandidaten haben als Mayor der Stadt gedient. ES ist keiner Neu. ling im Felde. Die Interessen des Deutsch.AmerikanerthumS .sind mit den Interessen des Gemeinwesens gleich. Ein Wort unsererseits zu Gunsten irgend eines der beiden Kandidaten dürste nicht dahin gedeutet werden, daß wir den gemeinen Eharakterbesudelun gen gegen den andern beistimmen. DieS wäre ungerecht. Die deutsche Zeitung steht auf einem zu hohen Plane, um sich bei der Schmutzarbeit zu detheiligen. Wir lassen daher die Persönlichkeiten der beiden Kandidaten völlig aus dem ' Spiele und beleuchten nur die beson derZ wichtigen Fragen, die von den Kandidaten selbst in den Vordergrund gedrängt wurden: 1. Die Registrirung der Prosti Wirten. Eiue solche dürfte nur durch Gesetze gerechrfertigt sein, wenn der Zweck der selben eine ärztliche Kontrolle ist und nicht durch Willkür deS Polizelsuperin
tendenten. Eine solche Registrirung ist nur an gethan, m den Graste Eingang zu verschaffen, wie die Zustände in New Vork und Chicago beweisen. Der Polizeisuperintendent hat kein Recht aus eigene Faust besetze zu machen, welche die Gefallenen völlig unter Fuchtel der Bordellhälter geben. Er hat kein Recht, das Laster offiziell an zuerkennen, wenn StaatSgetze vorhan den find, welche die völlige Unterdrü ckung desselben anordnen. 2. Die Schankwirthfchasten. ES ist zu befürchten, daß der den demokrati schen Kandidaten umgebende Einfluß danach strebt, den Muckern zu Liebe den SonntagSzwang einzuführen, wenn Herr tzoltzman erwählt wird und daß deutsche Vereinsfestlichkeiten an Sonn tagen eventuell sehr unter dem Regime zu leiden haben würden. 3. Die ökonomische Frage. Wir sind Überzeugt, daß beide Kandidaten das ehrliche Bestreben haben, die Stadt ökonomisch zu verwalten. 4. ' Die Hochgeleise. ES ist keine Ursache zu der Annahme vorhanden, daß unter Herr Bookwalter, wenn er wählt, die Arbeiten an den Hochgeleisen eingestellt werden. 5. 'Die Sträßenreinigung. Der Zu stand unserer Straßen wird derselbe, staubige und schmutzige bleiben, gleich viel wer erwählt wird. ß. Die GaSfrage. Diese Angelegen heit liegt nun der Bürgerschaft vor. Dieser liegt eS ob, eine .vortheilhafte Erledigung derselben herbeizuführen, ohne Rücksicht auf die Kandidaten. Weder unter der Administration des Hrn. Bookwalter noch deS Hrn. Holtz. mann hatte die.' Moral des Bürger thumS. unter .allzu . großer Freiheit der Wirthschaften zu leiden. ES Ist aber zu befürchten, daß, wenn der Herrn
Holtzmänn nun umgebende Einfluß maßgebend wird, die Bürger in ihren persönlichen '' Freiheiten eingeschränkt werden. Nach kühler und reiflicher Ueber legung würden wir unseren liberal ge finnten Lesern rathen, am Dienstag für Herrn Bookwalter zu stimmen. Nutzland und England
Nach dem Abschluß deS anglo.japa Nischen Bündnisses hat sich die englische Presse mit keiner Frage eifriger be schästigt, als mit der, wie man zu einer Verständigung mit Rußland gelangen könne. ES vergeht kaum ein Tag, an dem -sich nicht eine Spezialnachricht irgendeines St. Petersburger Corre spondenten vor die Oeffentlichkeit drängte. Von den Andeutungen, wie eö zu machen sei, umzu einer Beilegung deS Gegensatzes in Asien zu gelangen, ging man aus, und man vergaß nicht, in liebenswürdiger Weise Rußland da. raus aufmerksam zu machen, daß eS nichts Besseres zu thun vermöge, um sich in Ruhe den inneren Aufgaben zu wenden zu können, als die huldreich dargebotene Hand der beiden Allmäch' tigen" lnAsien zu ergreifen. Man war so freundlich, auch gleich die Vedingun gen deS Einverständnisses zu -bezeichnen, welche eS dem britischen Cabinet ermög lichen würden, Rußland im Uebrigen gewähren zu lassen. Rußland solle den Zustand, wie er jetzt, nach dem FriedenSschluß und der Erneuerung des englisch'japanischen Bündnisse bestehe. acceptiren und dafür sonst freie Hand hoben in seinen asiatischen Beftrebun gen. Dieses englische Bemühen um Her ftellung einer Uebereinkunft mit Ruß land steht in einem merkwürdigen Ge gensatze zu dem neuen englisch'japani schen Vertrage, der doch nach englischer Auffassung den Status quo in Asien zu Gunsten von England und Japan garantirt und Rußland ausschaltet. Die Sache scheint eben doch nicht ganz so zu. liegen, wie man sie darzustellen sucht. Das ist auch begreiflich. Da ist zunächst China. Welche Rolle eö in der Zukunft Asiens spielen wird, ist zunächst noch in Dunkel gehüllt. Einst, weilen liegt eS als mächtiger Block zwi schen dem von Japan beherrschten öft lichen Asien und dem Kern deS Erd theile?. An China aber schließt ' sich daS französische Südost'Asien und das britische Süd-Asien, während im Nor den. im Centrum und im Südwesten Asiens der russische Einfluß nach wie vor dominirt. DaS dürfte auch so bleiben und wenn noch so viele Missio nrn nach Kabul und durch Süd.Per fien ziehen. Daran kann kein anglo japanisches Bündniß etwas ändern. Hier liegt eben die Lücke in dem Sv ftem der Garantie Asiens durch Japan und England, eine Lücke, die keine Er klärung Über Interessensphären" aus füllen kann, denn solche Erklärungen besitzen uenig praktischen Werth, es sei denn, daß sie von anderen Staaten formell anerkannt würden.' Und das ist der Punkt, zu dem England Ruß land drängen will. Nur mit Rußlands Genehmigung hat der anglo.japanische! Bertrag für den wirklichen Schauplatz jeder asiati schen Politik der nächsten Zukunft irgend welchen realen Werth. Zu dieser Genehmigung dürfte sich aber Rußland schwerlich drängen lassen und deshalb thut man gut, sich skeptisch ge genüber allen Meldungen zu verhalten, welche über erfolgreiche Verhandlungen zwischen Rußland und England, über eine im Prinzip schon stattgefunden? Einigung betreffs der Jntereffensphä ren, über bezügliche Berathungen zwischen dem Grafen Benckendorff und dem , Marquis LanSdowne, über Ab machungen mit dem Auswärtigen Amte in St. Petersburg zu berichten wissen. Natürlich ist Rußland bereit, mit aller Welt in Frieden und Freund schast zu leben; eö hat "mithin auch nichts dagegen, sich lmil England über gewisse FriktionSpunlte zu verständl gen. Man war ja schsn vor dem Feldzuge im Begriff, dicö zu thun. Aber so wenig wie damals kann eS sich bei englisch.rusfischen Abmachungen von heute um die Preisgabe wichtiger russischer Interessen handeln, sondern eS können nur Fragen von sekundärer Bedeutung in Betracht kommen. Die Lebensinteressen Rußlands in Asien werden dadurch nicht berührt. Eine jede Nation hat ine bestimmte natür liche Richtung ihrer Entwickelung und diese ist bei Rußland die Gewinnung deS Anschlusses an eine geeignete Kü stenstrecke. Dee unglückliüe Krieg kann die Verfolgung dieses Zieles erschweren und zeitweilig aufhalten, aber Ruß land wird nicht so thöricht sein, sich deS Rechts, seine eigene Interessen jeder, zeit nach freiem Ermessen zu verfolgen, durch bindende Abmachungen mit Eng land zu begeben. (Hamd. Nachr.)
' .Nur eln MÄchen! Novellette von Helene Lang-Anton. Herr Assessor Reimer ging ruhelos in feinem- Arbeitszimmer auf und ab. Seine kurzen, hastigen Schritte verriethen Nervosität. Oft blieb er stehen und horchte angestrengt, ob nicht Schritte seiner Thür sich näherten, dabei trommelten seine Finger auf das nächste Möbelstück. Nichts rührte sich, und die lautlose Stille bedrückte ihn immer mekr. Seine Aufregung wuchs zusehends. Er wischte sich mit dem Taschentuche die Schweißperlen vom Gesicht und kaute an dessenEöen. Lauter Zeichen seines inneren Aufruhrs. Und noch immer nichts. Es war nicht auszuhalten. Da jetzt richtig, eilige Schritte im Corridor, die Thür' würde halb geöffnet, und Ein Mädchen!" meldete die behäbige Frau mit strahlendem Lächeln. Eilends entfernte sie sich wieder. Er hatte im ersten Augenblick erleichtert aufgeathmet. Da kein Nachsatz gekommen war, brauchte er' für die geliebte Frau nicht mehr zu zittern. Warum nur ließ er sich so enttäuscht in den Sessel fallen? Warum starrte er mißmuthig vor sich hin? Ein Mädchen!" und, er setzte stufzend in Gedanken hinzu: Nur ein Mädchen," wo er auf einen strammen ' Jungen, auf einen Stammhalter gehofft! Was hatte er schon für Pläne gemacht! Wie wollte er ihn erziehen, was für einen tüchtigen Menschen aus ihm machen; er sollte was Rechtes lernen und sich und den Eltern Freude und Ehren bringen. An alles hatte er gedacht,-nur niemals daran, daß dieser Junge ein Mädchen .sein könnte. Und nun war es doch so, und alle seine Erziehungspläne taugten nichts. Mit so einem kleinen Püppchen mußte ganz anders-verfahren werden. Min, seine Enttäuschung war zu groß, und er hatte Mühe, diese vor den glückstrahlenden Augen der Mutter, als er in das Zimmer trat, zu verbergen. Er wehrte ab. als ihm die Frau das Kind auf die Arme legen wollte. Dann sich erinnernd, daß er seine Freude zeigen, das Kind liebkosen müsse, nahm er es. Aber seine Liebkosung hatte etwas Gemachtes, seine Freude etwas Kühles. Die junge Frau bemerkte dies in ihrem stolzen Mutterglücke nicht. Sie konnte sich nicht sattsehen an dem kleinen, zarten Wunderwerk, das da in Spitzen und feinen Blumen fast verschwand. 'Und als er sich doch nicht enthalten konnte, bedauernd zu sagen: Schade, daß es kein Junge ist," sah sie ihn tief gekränkt an. Er bereute gleich seine Worte und küßte sie zärtlich, sie versichernd, daß er auch so ein glücklicher Vater sei. Aber er war es nicht, dies kleine Mädel är.'gerte ihn und als nun gar am nächsten Tage einStadttelegramm meldete, daß beim Bruder Arnold ein strammer Junge, acht Pfund schwer, eingetroffen sei. vermehrte sich seine Mißstimmung noch. Fast neidisch gedachte er des glücklicheren Bruders. Der hatte alles. In dessen Leben war immer alles glatt gegangen. Er war wie vom Glück getragen. Nun auch noch den protzigen Jungen. Strammer Junge, acht Pfund schwer," las er seufzend zum soundsovielten Mal: aus der Anzeige. .Die jungen Frauen der beiden Brüder, die sich sehr gut verstanden und aufrichtig liebten, wollten' die Taufe der beiden Kinder gemeinsam feiern. Doktor Reimer hatte nichts dagegen; aber Assessor Reimer wollte absolut nichts davon hören. Neben dem strammen Jungen sein zartes, kleines Mädel, das kaum fünf Pfund wog, das hätte noch gefehlt, damit er sich noch bedauernswerther vorkam. Vera hieß die Kleine, nach der vrstorbenen Großmutter, und Jochen seines Bruders Sohn. Joken! Schon dex stolze Name ärgerte ihn. Es war pdr, nicht anzusehen, wie die eingebilbeten Eltern mit dem Jungen prahlten. Frau Magda seufzte. -Sie hatte lange erkannt, wie wenig er für das süße kleine Mädel übrig hatte. Bitterkeit cs.oU in ihr auf, wenn sie die neiderfüten, mißgünstigen Blicke gewahrte, mit denen er den kleinen Neffen betrachtete. Aber still und sanft von Natur, , machte sie ihm keine Vorwürfe, sondern umschloß nur noch mit größerer Liebe ihr Töchterchen. Die ältere, einzige Schwester der beiden Brüder, die ihm Hause des Assessors wohnte, stand in dieser schweren Zeil, die nicht ohne Nachwirkung auf Magda's Empfindungen zu ihrem .Mann bleiben konnte, stillschweigend ihrer Schwägerin zur Seite. Sie verurtheilte streng ihres Bruders Verhalten, aber sie lieh dieser Verurtheilung keine Worte, um die gekränkte Frau nicht noch mehr zu erbittern. Otto war doch sonst ein correkt denkender und handelnder Mensch. Auch hatte er seine Frau aus Liebe geheira'thet. Er würde sich also schon wiederfinden, sein Unrecht einsehen, und der kleine Riß zwischen - den Ehegatten .würde sich bald vernarben. Aber zu ihrem Schmerz erkannte sie bald mit Schrecken, daß der Riß sich vergrößerte und zur offenen Kluft zu werden drohte. Mafoba, in ihrem Muttergefühlt verletzt, zog sich immer mehr von ihrem Mann zurück, um ihre ganze Zärtlichkeit auf das kleine Mädel zu häufen. Otto Reimer, über die Vernachlässigung von feiten seiner Frau aufgebracht, ließ sie die Kleine entgelten. Was toex natürlicher. al5 daß Vera sich immer mehr der Mutter
'crnjajiOB uno dem Vater scheu aus dem i Wege ging. ! Erst allmählich, als das Kind imrner reizender und. blühender aufwuchs und von allen Seiten bewundert wur,de, begann sich eine Wandlung in .des Vaters öer? u vollziehen. Dazu kam nocy, vatz. fein vittft Jocyen, em xtaji unartiger Bengel, faul und lügnerisch, den Eltern zu beständigen Klagen Anlaß gab. ' Das Verhältniß im Hause wurde ein freundlicheres, und die kluge, warm empfindende Schwägerin verstand es, die Annäherung der beiden Gatten so zu unterstützen, .daß keine Bitterkeit aufkommen konnte, keine Selbstanklage nöthig war. Kinderherzen sind ja so leicht zu gewinnen, und so dauerte es gar nicht lange.' daß Vera lhren Papa liebte. Freilich, ein kleiner bitterer Bodensatz war in den Empfindungen aller zurückgeblieben; diesen mußte erst dieZeit fortbringen. Wenn Assessor Reimer jetzt gefragt wurde, ob er Klnder besäße, so sagte er wohl auch, wie damals in der Geburts-, stunde Veras: Nur ein Mädchen"; aber es klang natürlich, und nur das schärfste Ohr würde ein leises Vedauern herausgehört haben. Fünfundzwanzig Jahre waren verstrichen seit Vera's Geburt. Reimer war als Regierungsrath inPension gegangen oder vielmehr gegangen worden", als er seine Ansicht etwas zu bestimmt einem Vorgesetzten gegenüber verfochten hatte. ' Diese eigene Meinung. die man im Dienst nur selten haben darf, hatte seiner Carriere ein schnelles Ende gesetzt, lange vor der Zeit, wo er seine Dienstjahre erreicht und dadurch Anspruch auf seine volle Pension gehabt hätte. Da hatten sich dann die Verhältnisse schnell geändert, und manche nothwendige Einschränkunaverbitterte den unzerecht gekränkten Mann noch mehr. Und da war es denn Vera's Werk, daß die Sonne im Hause nicht ganz erlsch. fondern nach überwundenen Kämpfen weiter schien. Sie hatte sich schnell in die veränderte Lebenslage hineingefunden, thatkräftig eingegriffen, verstand an allen Ecken und Enden zu sparen, war dabei immer heiter, vergnügt und liebenswürdig. Als jedoch die Einschränkung bei der Theuerung der Lebensmittel etwas zu hart war. hatte sie an einen Beruf gedacht. Durch Vermittlung war es ihr gelungen, an die Post zu kommen. Anfangs wollte Reimer nichts davon wissen. Als sich der Zuschuß in der Haushaltung doch angenehm bemerkbar machte und Vera immer wieder versicherte, daß sie sich in ihrem Berufe wohl fühle und glücklich sei, diesen zu haben, war er damit zufrieden. . Das Leben der drei Menschen gestaltete sich auf diese Weise immer besser und zufriedener. Die Liebe waltete im Hause und ganz besonders häuften die Eltern ihre ganze Zärtlichkeit auf das kleine tapfere Mädel, das so manches Schwere heimlich trug, Hoffnungen und Wünsche, die die frühere Stellung ihres Vaters genährt, begraben hatte und nun Befriedigung in dem Gedanken fand, durch ihre Arbeit, ihren Frohsinn und ihre Liebe den Lebensabend ihrer Eltern verschönern zu können. Jochen Reimer, der Neffe, um desstn Existenz er einst seinen Bruder so sehr beneidet hatte, daß darüber fast sein eigenes Lebensglück in Trümmer gegangen wäre, hatte seinen Eltern wenig Freude bereitet. Nachdem er ihnen viel Geld gekostet, lag er ihnen noch immer auf der Tasche. Als Kind schon verlogen, war er dazu in schlechte Gesellschaft gerathen, hatte Dummheiten gemacht und war über's Meer geschickt worden. Alle Verwandten, vielleicht sogar die Eltern hatten den Wunsch, daß er entweder als geläuterter, braver Mensch oder gar nicht wiederkehren möge. Wenn Reimer jetzt über seinen mißrathenen Neffen schimpfte, konnte sich seine Frau die Genugthuung, nicht versagen, lächelnd' zu bemerken: Aber es war in Junge!" Beschämt schwieg dann Reimer, bis in einem herzlichen Kusse die kleine Verlegenheit ihren Ausgleich fand. Wenn jetzt jemand Reimer fragte, ob er auch einen Sohn hätte, antwortete er schnell im Tone vollster Vefriedigung: Gott sei Dank, nur ein Mädchen
JnderSaison. Die Touristen: In diesen beiden Betten können wir doch unmöglich zu sechs Personen schlafen?" Wirth (kritisch): O doch. . .wenn Sie richtig verpackt werden!" Auch eine Entschuldigung. Richter (zum Angeklagten, der beschuldigt ist, einer auffällig gekleideten Dame nachgegangen zu fein): Sie haben also diese Dame durch unausgesetztes Nachlaufen belästigt?" Angeklagter: O nein,, ich verfolgte nur eine moderne Kunstrichtung." Auf der Sekundär bahn. Reisender (geärgert über den' ungewohnlich langen Aufenthalt zum Stationsvorstand): Warum fahren wir denn nicht?" Stationsvorstand: Der Lokomotivführer is noch beim Vespern." Reisender: So veranlassen Sie ihn doch,, sofort seine Pflicht zu thun." Stationsvorstand: Mit dem kann man nöt so umspringe, vorgestern is er aar nöt a'fabre."
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Das deutsche Reichskursbuch dient bald ganz Europa als Vorbild. In Italien, Oesterreich, ja selbst in Rußland sind mehr oder weniger gelungene Nachahmungen dieses Buch?s erschienen. Für die zahlrcichen Reisenden nach der Schweiz ist es. von besonderem Interesse, daß soeben auch dieses Land ein eigenes amtliches Kursbuch erhalten hat. Das deutsche Kursbuch hat dabei ebenfalls ausdrücklich als Vorbild gedient. Selbst das Papier des Umschlags ist dasPostgelb des deutschen Buches. Das schweizerische Kursbuch ist gemeinsam von der Generaldirektion der schweizerischen Bundesbahnen und der OberPostdirektion herausgegeben. Im Deutschen Reiche trägt bekanntlich die Post allein die Mühe und Kosten, ein amtliches Kursbuch auch für die Ei-' senbahn- wie alle anderen Verwaltungen herauszugeben. Ein M u ft e r von einem Polizeisergeanten hat, wie aus Gumbinnen berichtet wird, bis vor Kurzem das Städtchen Rhein besessen. Er hatte etwas auf dem Kerbholz sitzen und erhielt deshalb von der Staalsanwaltschaft seines früheren Wohnsitzes eine Anklage zugestellt. Schmadtke, so heißt das einzig dastehende Auge des Gesetzes, stellte sich selbst einen Todtenschein aus und. sandte ihn der Staatsanwaltschaft ein. Darauf erfolgte nämlich die Einstellung des Verfahrens. Der Ordnung halber wurde das den Todtenschein begleitende und gleichfalls von Schmadtle ausgefertigte Schriftstück der Polizeiverwaltung Menden, die den Strofantrag gestellt hatte, zugestellt, und diese erkannte Schmadtkes Handschrift. Nicht lange darauf ordnete die Staatsanwaltschaft die Ausgrabung der Leiche" an. Jetzt sitzt sie bereit? hinter schwedischen Gardinen. In der Nähe des BahnHofs Schmargendorf hat ein Berliner Kaufmann D. schon seit Jahren ein größeres Stück Land gepachtet, auf dem diesmal Kartoffeln standen. Die Ernte triar vorzüglich gerathen. Mehrere Kartoffeldiebe wollten sich dies zunutze machen. Eines Tages erschienen daher di dreisten Burschen auf dem Acker und buddelten im Schweiße ihres Angesichts. Sie hatten bereits mehrere Säcke mit , Kartoffeln angefüllt, als ein fremder Mann nahte. Die Arbeitsamen ließen sich nicht stören, sondern buddelten weiter, und machten. schließlich Anstalt, sich mit ihrer Beute zu entfernen. Der Fremde, der bis dahin der Thätigkeit der Kartoffelbuddler mit großem Interesse zugesehen hatte, trat nun hinzu und begrüßte die Arbeiter" mit den Worten: Ich danke Ihnen, daß Sie mir meine Kartoffeln so schön ausgemacht haben. Sie dürfen jetzt gehen." Er war der Pächter .selbst. Mit verdutzten Gesichtern und leeren Händen schlichen die Diebe von dannen. Mitte Juli verschwand während eines Jagdausfluges inder Nähe von' Monastir, ' Bulgarien, ein junger Engländer Namens Philip
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ooo IcoooI eoUl 19 mit I kgenüder. j rm ? Wills. Zwei Wochen später wurde der Ochrida eine Leiche gefunden, die positio als die des Vermißten identifizirt wurde. Man nahm an. daß er beraubt und ermordet sei. Kurz darauf aber wurde berichtet. Wills sei noch am Leben und habe sich einer griechischen Bande angeschlossen. Vor einigen Tagen nun traf auf dem.englischen General-Consulate in, Saloniki ein Packet ein. Es enthielt ein menschliches Ohr und ein Schreiben, wonach das Ohr Wills abgeschnitten worden sei. , Er befinde sich als Gefangener in den Händen von Briganten und sein Leben sei verwirkt, wenn nicht 600 Pfund Sterling als Lösegeld bezahlt würden.. Der Generalconsul ist daraufhin nach Monastir abgereist um die Befreiung seines jungen Landsmanns zu versuchen. Wills ist der Sohn eines englischen Ingenieurs. der lange Jahre in der Türkei thätig war. Er selbst ist bei der türtischen Tabakregie angestellt. Gegen die Errichtung kiner festen Dampferanlegebrücke aus Helgoland, die von dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg AmerikaLinie geplant war, hat sich wegen des den Helgoländer Bootsleuten dadurch entgehenden Verdienstes die Helgoländer Gemeindevertretung ausgesprochen. Die Angelegenheit hatte die Gemüther des Fischervölkchens im hochsten Grade aufgeregt, wenn auch die nahezu 26.000 Badegäste und Durchreisende, die im letzten Sommer die herrliche Nordsee - Insel besuchten, wenig davon verspürt haben werden. Aehnlich wie 1890 vor dem Ueberganz der Insel an Deutschland war eine Volksabstimmung veranstaltet worden. Während man jedoch seinerzeit überwiegend für den Anschluß an Deutschland gestimmt hat, war man jetzt einstimmig gegen die neue Anlage. Von den Versicherungen, daß die Brückenabgaben ihnen zukommen sollen und den Ausfall der jetzt reichen Einnahmen für das Ausbooten decken werden, versprachen sich die Leute nur wenig, denn auch 1890 sei ihnen, zugesichert, aber nicht gehalten worden, daß sie bis 1910 mit neuen Abgaben verschont bleiben sollten. Außerdem üMn die für den Zweck des Ausbootens beschäftiqten großen Boote ' unverwendbar sem und mindestens 40 Fischer, ' die sich jetzt in den Dienst der Dampferfahrgäste stellen, beschäftigungslos werden. Ein Held. Raucht Ihr Mann auch?" O, dem trau ich's schon zu, wenn ich nicht zu Hause bin!" -Nachdem Examen. Student: Wie doch die Zeit vergeht! Schon wieder durchgefallen!" MittelzumZweck. Herr Meyer, Inhaber einer chemischen Reinrgun'gsanstalt, hat auf seine Kosten sämmtliche Ruhebänke auf der Promenade vor seinem Hause neu anstreichen lassen. A.: Wie kommt der Mann zu dieser Uneigennützigkeit?" B.: Uneigennützigkeit? Ich danke! Heute sind ihm 'gleich sieben Röcke und achtzehn 'Hosen zum Reinigen gebracht worden."
