Indiana Tribüne, Volume 29, Number 62, Indianapolis, Marion County, 4 November 1905 — Page 7

Jndiana Tribüne, November 1905.

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Die brcnncndk Franc l Humoristischer Roman i von J ZJolk van (Zainadi I ö -OC-0000 OOOC-00'-0 , (Fortsetzung.) " Wie im Traume war er damals nach jener Begegnung im alten SchloßHofe zu Welzeneck umhergegangen. Immer hatte er sie vor sich gesehen,' wie sie in lichtem -Kleide, an eine der mächtigen grauen Säulen des Thorbogens gelehnt stand und dem Tennisspiele zuschaute mit einem halb nachdenklichen, halb mitleidigen Ausdrucke der großen dunklen Augen, als blicke sie überhaupt auf das ganze seichte Lebensspiel so herab, einer weltfremden Vestalin gleich Und dann wieder, da sie zum Himmel aufblickte,' dieser rührende Sehnsuchtsglanz in den schönen dun!len unvergeßlichen Augen! Alles war ihm durch sie verklärt worden, das alte Schloß, die gute Grä fin Therese. ja selbst der verkommene Graf Silvio, alles hatte ihn gerührt, das Lachen der kleinen koketten Mutzi, die Tollheiten des kleinen Pussi. Thek-. las Zärtlichkeit für den anwesenden jungen Germanen mit der rothen Studentenmühe. Baron Hermann Kriegstein. Aber ein Schatten war auf alles gefallen. Franz Laschek kam, von Gräfin Therese mit unverhohlener Freude empfangen und ausgezeichnet, trotz der frechen, frivolen ,Art seiner Späße, die mehr aus dem Stalle als aus dem Jockeyklub zu stammen schienen. Er, der fiakerhafte Kavalier, hatte sogar das Jiakerlied gesungen, und Jsa hatte ihn auf Befehl der Mutter auf dem Klaviere begleiten müssen. Mutzi, Thekla und Pussi hatten sich dabei halbtodt gelacht Er war nicht einmal verwundert ge Wesen, als ihm wenige Tage später Ungnad und Kömgsacker erzählt hatten, Gräfin Jsa sei zur Gemahlin des künftigen Majoratsherrn Grafen Franz Karl Laschek ausersehen. Nein, überrascht war er nicht, nur ergrimmt über sich selbst. Er war doch kein Kind mehr! Ueber die Tage der Gefühlsduselei längst hinaus. Und er hatte einem Gefühle sich hingeben können, dort Poesie zu sehen, wo doch nichts als Verechnung war! Leichtfertigkeit und Standes dunkel und allenfalls ein paar schöne Augen, das Erbtheil einer Ahnfrau aus einem alten Geschlechte von Siena, jenem Städtchen, das er auf seiner italienischen Ncise besucht, und das berühmt war durch schönäugige, aber stolze und falsche Frauen. Vielleicht machte sich die schöne Urenkelin der Sienischen Piccolomini mit dem Fiakergrafen Franz! über den sentimentalen Eugen Eibenthal lustig? Was war sein Adel gegen den der Lascheks oder Piccolominis? Sein Vater war im Jahre 1873 geadelt worden. Er. Eugen, hatte noch einen bürgerlichen Taufschein. Und war nicht seine Mutter bei der Gräfin Therese Kammerzofe aewesen? Freilich, die Gräfin sprach von der Mutter, wenn sie von ihr sprach, w'e von einer Freundin und hatte es sogar Ungnads gegenüber in Abrede gestellt, daß die nachmalige Baronin Eibenthal in ihrer Jugend Zosendienste verrichtete. Sie war gut, aber dennoch, was würde sie gesagt haben, wenn er um die für den künftigen Majoratsherrn aus-' ersehene Tochter zu werben die Kühn- . heit gehabt hätte? . Eugens Mutter war lange todt. In en Tagen seiner Qual hatte er öfter ihr Grab besucht und sich geschworen, der reißen Verklärten würdig zu leben. Am Grabe derjenigen, die einmal eine bescheidene Dienerin gewesen war, und der er außer dem Leben das Beste verdankte, was er im Herzen barg, war wieoer Frteoe m txnt seeie gekommen. Er hatte es sogar später über sich gewinnen können, dem Drängen seines jungen Aruders nachzugeben und das entzauberte Schloß wieder zu betreten. Der Bruder hoffte dort der großen Baronesse Kriegstein zu begegnen. und er, Eugen, hoffte sich zu überzeugen. daß er seine Thorheit überwunden habe. Diese Ueberzeugung wurde ihm freilich nicht ganz. Abermals hatte er das seltsame Aufleuchten in den Augen Jsas zu bemerken geglaubt, und seine Qual hatte sich erneut. Und diese Qual war ihm sog untentbehrlich geworden bis der Tag der Sintfluth kam, der Tag, der Jsa entführt hatte zu seinem und ihrem Heile Als Eugen so im offenen Wagen dahinfuhr und an die , Vergangenheit dachte, gleichsam als wollte er in'Gedanken an Ueberwundenes die rechte Kraft für die Zukunft gewinnen, that sich allmälig ein grünes Seitenthal zur Rechten auf und ganz in der Ferne konnte er droben auf einem Bergrücken das kleine freundliche Schloß Kriegsiein sehen. Unwillkürlich mußte er lächeln. Dieses- kleine Schloß, zu dem der berühmt schlechte Weg emporführte, den der alte phantastische Besitzer niemals ausbessern ließ, war so ganz das Gegentheil der väterlichen Besitzung. Seine gestrige Unterredung mit Mnnie fiel ihm ein. Das gute, große, dicke Mädchen, es war ihm lieb geworden. Er konnte ihr helfen und wollte es auch, wußte er doch, was das große Mädchen seinem kleinen Bruder war. ' Heute lächelte er sogar über diesen

unverschämten Herrn Viktor Bäumcher, der es zustande gebracht hatte, seinen Vater zu überrumpeln, die FlugMaschinenunternehmung als Eeldkraft zu unterstützen und einen großen Theil seines Vermögens, tausend Gulden, herzugeben! Er mußte sich zwingen. nicht hell aufzulachen; denn alles erschien ihm heute im rosigsten, freundOchsten Lichte er war so in der richtigen Bräutigamsstimmung; nur ein klein wenig müde dabei. 'Einer plötzlichen Anwandlung von Schlummer widerstand er; denn nun ging es auf der schönen, glatten Reichsstraße rascher vorwärts, Schloß Welzeneck mußte in kurzer Zeit erreicht sein. In wenigen Minuten sollte er Gräfin Therese um, die Hand ihrer Tochter bitten. , Die Straße machte eine Wendung, der Wagen lenkte auf einen Seitenweg ein, jetzt rollte er über die neue Brücke, unten an den Ufern des Flusses zeigten sich noch die Spuren der Verwüstung durch jene sintfluthliche Regennacht; jetzt grüßte vom Hügel herab der bunte Türke aus dem Hungerthurme. Eugen zog sich mit der Linken den Waffenrock zurecht, die Rechte in der Binde verursachte ihm plötzlich einen' Schmerz. Seit einer Woche war er völlig schmerzfrei gewesen. Der Schmerz steigerte sich derart, daß Eugen leise aufstöhnend in die Polster zurücksank und für ein paar Sekunden die Augen schloß. Der Waqen hielt plötzlich. Eugen fuhr auf. Der Anfall hatte ihn fast betäubt. Das Schloßthor ist zu," sagte der Kutscher. Der Herr Baron werden zu der kleinen Thür da hineingehen müssen. Befehlen der Herr Baron, daß ich ausspanne?" Nein. Warten Sie hier und spannen Sie nicht aus. In spätestens einer halben Stunde fahren wir in die Stadt." In einer der Luken des Hungerthurmes zeigte sich plötzlich das Haupt des Familienhauptes, das Haupt des alten Grafen Piccolomini mit feiner riesigen Adlernase, und dem grauen Knebelund Schnurrbarte, umrahmt von den Blättern des wilden Weins. Eugen griff grüßend an die Mütze. Passirt!" schrie der Graf herunter. Wie meinen Sie?" fragte Eugen verblüfft. Passirt!- brüllte der Graf noch einmal. Eugen trat, kopfschüttelnd durch die Seitentbür in den Schloßhof. er hörte seinen Kutscher hinter sich laut auflachen. Ihm selbst war durchaus nicht wie zum Lachen zu Muthe, der alte Graf Silvio war ihm wie ein Verrückter erschienen. y Er schritt die Treppe hinauf. Alles still, nichts regte sich. Nur die Schwalben, die oben im Korridore nisteten. sckosscn zwitschernd an ihm vorüber. M - ui ogenganv oiitv n uuurcgenö stehen. Es spielte jemand. Die Mondscheinsonate. Wie das merkwürdig klang in dem hellen Sonnenlichte des Vormittags bei dem Gezwitschcr der Schwalben Die schwermüthige Nachtphantasie Beethovens kämpfte mit der fröhlichen Sonne und den munteren Lauten der Sommervögel, nur indem düster beschatteten Gange fand die düstere Stimme Widerhall, die hohen Bogen der Nordseite schienen sich drohender zu wölben, die Schatten zu wachsen. Eine Hand legte sich leicht auf Eugens Schulter. Gräfin Therese stand ror ihm. Eugen bemerkte mit Schrecken, daß die Gräfin, seit er sie zum letztenmal gesehen hatte, um Jahre gealtert schien. Das dickte blonde Haar war wie bereift, das schmale' Gesicht blaß, die Züge hatten etwas Müdes, ein schmerzhafter Zug um den feinen Mund, nur die hellblauen Augen blickten so freundlich wie -immer. .Ich sah Sie kommen. Baron," sagte die Gräsin. Das ist wirklich eine Freude für mich. Thekla wird sich auch freuen. Mutzi und Pussi sind leider in der Stadt mit dem Stubenm'ädchen." Sie blickte auf Eugens Rechte, die er in der Binde trug, ergriff plötzlich seine Linke, und fuhr mit feuchten Augen fort:' Ich weiß alles, ich weiß, wir haben an Ihnen einen Freund, einen wahren Freund, Gott lohne es Jhnen! , Eugen beugte sich nieder und drückte einen Kuß auf die zitternde Hand der alten Dame. Ihn selbst hatte 1 die gleiche Rührung erfaßt, er rang nach Worten.

Kommen Sie," sagte Gräfin There;e. S:e mutn ausspannen lassen und mit uns speisen., Sie schenken uns eine frole Stunde nach langer trüber Zeit." Da aber Eugen nicht antwortete und sie nur verstört ansah, fragte sie: Oder können Sie nicht bleiben? Ist das am Ende Ihr Abschiedsbesuch?' Gehen Sie zum Regiment zurück?" Gräfin." erwiderte Eugen, ich bitte Sie um eine Unterredung unter vier Augen." Die Gräfin sah ihn eine Weile sprachlos an. . v " Eine Unterredung unter vier Augen?" fragte sie endlich. Sie war noch bleicher geworden. Mein Gott, was bedeutet denn das? Ich erschrecke so leicht, meine Nerven vertragen gar nichts mehr. Mein Mann bitte. sagen Sie mir gleich, was Sie mir zu sagen haben " Sie faßte mit beiden Händen seine Linke. Sagen Sie mir es gleich!"

Jetzt'wurde Eugen blaß. Sagen Sie mir es gleich!" wiederholte die Gräfin. Mein Mann könnte uns stören mein Mannest jetzt unberechenbar. Mein Gott, ich sehe es Ihnen an. es ist etwas Schreckliches! Ein Unglück kommt nie allein ich bin auf alles gefaßt Gräfin Therese sagte Eugen langsam mit leiser aber fester Stimme, ich bitte Sie um die Hand Ihrer Tochter Jsa." Die Gräfin stieß, mit omem leisen Aufschrei seine Hand zurück, dann lehnte sie sich an die Wand, bedeckte sich die Augen mit beiden Händen und begann bitterlich zu weinen. Sie haben mich gezwungen, hier zu sprechen," sagte Eugen, nun ganz außer Fassung. Das hatte er nicht erwartet. Die Gräfin weinte so herzzerbrechend, als hätte er ihr eine Todesnachricht gebracht. Und mit bebender Stimme fügte er hinzu: Ich habe mit Gräfin Jsa noch kein Wort gesprochen. Fassen Sie sich, Gräfin. Es war eine Uebereilung von mir." Die Gräfin weinte noch stärler und winkte nur wie abwehrend mit der Hand. Eine Thür des großen Saales öffnete sich, Thekla trat heraus. Eine Sekunde sah sie wie erstarrt auf die Mutter und Eugen, dann eilte sie auf diefe zu und rief: Was ist geschehen, Mama? Um Himmels willen, was ist geschehen?" Eugen trat einen Schritt zurück. Diese Szene abzukürzen, hatte er ein Jahr seines Lebens' hingegeben. Er fühlte sich auf das tiefste gedemüthigt eö' fehlte nur noch, daß der Graf kam und ihm die Thür wies. Aber Gräfin Therese hatte die Tochter in ihre Arme geschlossen und ihr ein paar Worte zugeflüstert. Glücklich." das Wort glücklich" hörte Eugen ganz deutlich, und jetzt sah Thekla mit strahlendem Lächeln auf ihn, und die Gräfin sagte mit noch immer nassen Augen, indem sie Eugen die Hand hinhielt: Lieber, lieber Freund, das hab' ich nicht erwartet, daß Sie mein armes Kind erretten wollen seien Sie mir nicht böse, ich kann, nur weinen, ich habe mich Jsas wegen so viel gesorgt " Jetzt hätte Eugen vor der armen Frau, der die Freude so viele Thränen erpreßte, wie andern Menschen ein großer Schmerz, auf die Kniee sinken mögen. , Thekla und Eugen führten die Gräfin in den Salon. Die Gräfin sank in einen. Sessel. Ich bin wirklich eine arme Närrin." sagte sie. Es ist so über mich gekommen, es hat mir das Herz zusammengezogen. Ich hab' Sie erschreckt, und Sie haben glauben können " Daß ich Ihnen als Schwiegersohn zu schlecht bin." sagte Eugen, ihre Hand mit Küssen bedeckend. Wie schade, daß Mutzi und Pufsi in der Stadt sind." sagte Thekla in auffallend melancholischem Tone, d:r aber weniger seinen Grund in der AbWesenheit der Schwester als in dem Gedanken an Hermann Kriegstein hatte. Sie war nicht neidisch auf Jsa. aber das Glück der Schwester ließ ihr die eigene noch unbestimmte Zukunft in doppelt trübem Lichte erscheinen. Wann würde wohl Hermann so vor die Mutter treten, wie Eugen Eibenthal es jetzt gethan? Ach." rief die Gräfin Therese. es ist besser, die Kinder erfahren gar nichts von der Sache, ehe die Verlobung wirklich ausgesprochen ist. Tu kennst Papa " Soll ich nicht mit dem Grafen sprechen?" fragte Eugen. Nein, noch nicht! Er ist jetzt unberechenbar. Ich will ibn erst vorbereiten. Aber :r schätzt Sie sehr. Es ist kein Zweifel, daß "

.Wirklich kein Zweifel? Und Gräfin Jsa?" sagte Eugen lächelnd:. Sie ist eigentlich die Hauptperson. Und ich bin gar nicht sicher " O. einen Korb werden Sie nicht bekommen!" lachte Thekla. ich weiß genau, daß Sie Jsa sehr gern hat. ja. das weiß ich. wissen Sie denn das nicht?" " ' Ich habe nur eine leise Ahnung, daß ich ihr nicht ganz zuwider bin." Da weiß ich mehr," sagte Thekla. ' Was wissen Sie?" Eigentlich hat es Mutzi herausbekommen. Erinnern Sie sich. Sie habcn doch der Jsa in das neue Stammbuch, das ich ihr zum Geburtstage schenkte, auf die erste Seite einen Vers schreiben müssen.. Franzi Laschek erfuhr das und wollte ihr auch etwas einschreiben, aber Jsa versteckte das Buch, und niemand hat sich mehr einschreiben dürfen, und alle Bücher hat die Jsa dagelassen, nur das Stammbuch hat sie in die Pension mitgenommen." Eugen lauschte dieser Eröffnung, als würde ihm eine neue große HeilsWahrheit verkündet. Und was sagt Ihr Vater?" fragte Gräfin Therese. Ich habe schon, als ich noch an der -Verwundung krank daniederlag, mit meinem Vater gesprochen, er hat mir natürlich sofort zugestimmt." Das war nicht ganz richtig. Zugestimmt .hatte der alte Eibenthal allerdings, aber erst nach längerer Ueberlegung. Und nicht die Liebe seines Sohnes, sondern die Erwägung hatte

. , ihn zu solcher Zustimmung veranlaßt, daß durch die Vermählung seines Sohnes mit einer Gräfin Piccolomini das dumme Gerede von der Kammerzofenschaft seiner seligen Frau aus der Welt geschafft würde. Gräfin Therese war sehr befriedigt von der sofortigen" Einstimmung des alten Eibenthal. Ihr Vater ist ein Ehrenmann." betheuerte sie. Nun sollte Eugen von dem Duelle erzählen, und die Gräfin fragte, ob er den Arm bald wieder werde gebrauchen können. .Sie müssen ja entsetzlich gelitten haben, und das alles um Jsas willen!" Aber Eugen bat.' die Sache ruhen zu lassen, die Wunde sei nur eine Geringfügigkeit. . Mutter und Tochter wollten Eugen wenigstens zum Frühstück dabehalten, aber Eugen ließ sich nicht halten. Er wollte, so schnell seine Pferde ihn führen konnten, in die Stadt, mit Jsa sprechen und dann'telegraphiren. Nein, telegraphiren könnte Aufsehen erregen, die Gräfin sagte, er solle .nur selbst wieder kommen, nun könnten sie alles in Ruhe erwarten, nun sei sie nicht mehr nervös. Eugen schied von den beiden -wie von Mutter und Schwester. Kaum eine Stunde hatte die Unterredung aedauert. Sein Kutscher war auf dem Bocke eingenickt. Als Eugens Wagen sich wieder in Bewegung setzte, ertönte es vom Hungerthurme herab: Passirt!" Eugen drehte sich um, aber das Haupt des alten Grafen Silvio war nicht zu erblicken.

11. Kapitel. A ls Eugen im Sprechzimmer des Pensionates Rabenau wartend unter den beiden Kaiserbildern stand, fühlte er so gut wie nichts mehr von dem Ueberschwange der Rührung, die ihn auf der Fahrt nach Welzeneck und auch im Schlosse selbst weich gemacht hatte, ja. fühlte er nichts mehr von Zuversicht und Hoffnung. Nicht nur die Nüchternheit des Raumes mit seinen blaugrauen Tapeten, dem alten Teppich unter dem Mitteltische, seinen verschossenen grünen Damastmöbeln und dem Goldfischbassin am Fenster; nicht nur der wieder nagende und stechende Schmerz in seinem Arme wirkten auf ihn auf der stundenlangen Fahrt von Welzeneck nach der Hauptstadt wären ihm Zweifel und Bedenken gekommen. Nicht Zweifel an der Echtheit seiner Liebe und Bedenken über die Korrektheit seines Schrittes, aber Zweifel an der Liebe Jsas. So weit kannte er Jsa. um sich sagen zu müssen, daß er mit der Einwilligung der Mutter noch nichts bei ihr erreicht hatte. ' Wenn ihn seine Ahnung trog? Freilich. das Stammbuch sprach für Jsas Neigung. Das Stammbuch! - Fast hätte er trotz seiner 'Schmerzen laut aufgelacht. Die Geschichte von dem Stammbuche, die ihm Thekla da erzahlt yatte. t omt torn Hoffnung machen! ' Er trat an's Fenster. Eine Equipage rollte unten vorüber. Franzi Laschek fuhr in einem offenen Wagen vorbei. An seiner Seite saß die schöne Ilona. Laschek hatte Eugen bemerkt und dann zu Ilona etwas gesagt, Ilona sah herauf. Es war zu spät gewesen, zurückzutreten, schon war das Gefährt um die Ecke gebogen. Er war nicht abergläubisch, aber dennoch diese Begegnung der Blicke beider, er fuhr sich mit der Hand über die Stirn und schloß die Augen. Die Uhr schlug. Jsa ließ lange warten. Frau von Rabenau hatte gesagt, daß Jsa eben Unterricht ertheile, er hatte sie gebeten, der Gräfin erst nach Ablauf der Stunde seinen Besuch zu mtU den. Es fehlten noch zehn Minuten. Eine Ewigkeit für ihn. Er begann das Album zu durch blättern, das auf dem Tische lag. Ein Backfisch neben dem andern. lauter runde freundliche' Gesichter, dnn und wann ein gekniffems, ein finsteres. Er klappte das Album zu und fing an, im Zimmer auf und ab zu gehen. Franzi Laschek wußte jedenfalls, daß er jetzt mit Jsa unter einem Dache weilte; er mußte das Haus ja kennen. Er wird seine Schlüsse ziehen, hat sie jedenfalls 'schon gezogen. Jetzt spricht er wohl schon, während er mit der Braut nach Feldes fährt von einem künftigen Brautpaare ... Es war Eugen, als ob er die höhnische Miene Lascheks vor sich sähe, als ob er häßliche Worte höre. Und jetzt fällt ihm die Szene im Schlosse, zu Welzeneck ein, seine Unterredung mit Laschek. Wort für Wort. Jsa hat diese Unterredung wohl zum Theil hören müssen, er hat sie damals in einer unerklärlichen AnWandlung von Sarkasmus Prinzessin von Porto d'Anzio genannt und die Gestalt in dem dunklen Gange zu spät erkannt. .(Fortsetzung folgt.) tyvoTaifd). j Aelteres Fräulein: Haben an Ihrer Wiege auch die Musen gestanden, mein Herr?" H e r r : Nee. ich habe keine Wiege gekannt ich lag im WaschkorbZZlarnroos 7,5... Nun. Herr Kommerzienrath. was hatten Sie auf dem Rigi für Wetter?" Prachtvolles! Ich sag' Ihnen, de Sonn' Zs nur so auf- und untergegan-

DaS Komplott in Wittvrzttk. Seit einiger Zeit waren in Windhu! Gerüchte im Umlauf, daß sich unter den eingcwanderten Kapländern und Transvaalern etwas abspiele, das auf feindselige Handlungen gegen die deutsche Herrschaft schließen lasse. Am 22. August erfolgte bei der Polizei Anzeige, daß im Andries de Weiscken Anwesen Versammlungen stattfänden und daß die Leute mit Cape Boysund dortigen Eingeborenen einen Handstreich auf Windhuk zu unternchmen beabsichtigten. Das Bezirksamt umstellte das Haus, nahm fünf Personen fest und beschlagnahmte Waffen u. a. Wie sich herausstellte, wollten die Leute folgenden Plan ausführen: Zunächst sollte Windhuk überrumpelt, die besten Reüpferde genommen, alles Vieh abgetr(en und" etwaige inhaftirte Volksaenossen befreit werden. Von Windhuk sollte der Zug nach Barmen gehen, das genommen werden sollie, und von da zum Kuiseb, um Verbindunq mit den Witboois und dann die Bet'schuanagrenze zu gewinnen. Ein weiterer Streifzug sollte direkt ostwärts unternommen und di'e Bastards zum Mitmachen veranlaßt' werden. Man wollte zunächst in den Besitz von möglichst viel Vieh nebst Pferden, Wasfen und Munition gelangen und die Beute über die Grenze schaffen. An der Grenze sollte eine Overationsbasis errichtet werden: Ein gewijjer Spangenberg hat sich an der Grenze etablirt. der bereits den aufständischen Hottentotten durch Lieferung von Krieasmaterial den größten Vorschub leistet. Von Versuchen, die Bastards aufständig zu machen, ist schon lange gemunkelt worden. Als Anstifter erscheinen National Scouts", Buren, die erst gegen die Engländer fochten, sich aber bei der ersten Gelegenheit ergaben. umin die Dienste des Feindes zu treten. Und mit solchen Charakteren ist den Windhuker Nachrichten" zusolge Südwestasrika zur Zeit voll gepfropft. Nach Bekanntwerden dieses Vorfalles haben eine Anzahl Buren eine Erklärung er.lassen, daß sie mit den Verschwörern nichts gemein hätten. Sie würden es gern sehen, wenn die Negierung strenqe Maßregeln ergreifen wolle, wenn sie solche Leute des Landes verweise. Die. kleinste Frau Toktor. London scheint neuerdings das Dorado aller heirathslustigen Künstlerinnen zu sein. Das süße Mädel" von Berlin, die kleinste Soubrette Mia Werber, hat sich gleichfalls über den Kanal begeben müssen, um sich den Ti kl einer Frau Doktor auf dem englischen Standesamt -zu holen. Die Vorgeschichte dieser Ehe entbehrt nicht der Romantik. Im Vorjahr wurde die Künstlerin während ihres Münchener Gastspieles krank und von Dr. Bulling, einem angesehenen Arzte Münchens.-behandelt. Der Arzt machte die liebenswürdige Miniaiur-Diva mit seiner Familie- bekannt, und das Resultat war die Verlobung der Künstlerin mit dem Sohne des Arztes, der eben im Begriff war, seinen Dokior" zu machen. Aber der Vater des Bräutigams legte fein Veto ein. Nicht, daß er an der gesell,chastlichen Positicn seiner künftigen Schwiegertochter etwas auszusetzen gehabt hätte, im Gegentheil, der Ruf der jungen Dame ist der denkbar beste, auch das Einkommen von 30.000 Mark jährlich soll kein Hinderungsgrund gewesen sein; nur der Gesundheitszustand der kleinen Mia gab dem Arzt und Vater zu denken. Das Liebespaar aber machte kurzen Prozeß, fuhr nach London und beiraihete. Kurz vor der Hoazzeit hatte der Bräutigam, der um einige Jahre jünger, aber doppelt so groß ist wie sein Weibchen, sein Doktorexamen bestanden. Tie Erlaubttitz, einen Bart zn tragcn, ist neuerdings den Dienern und Voten des französischen Ministeriums der öffentlichen Arbeiten ertheilt worden. Die Betroffenen haben diese Erlaubniß mü viel Freude und -großer Genugthuung aufgenommen und .sich natürlich sofort den Bart wachsen lassen. Ein Pariser Blatt veranstaltete nun auf Grund dieser Bestimmung eine Umfrage bei den neuen Vartträgern, warum sie ihren Bart haben stehen lassen; sie lieferte recht ergötzliche Re sultate. Sechs der Gefragten antworteten, da sie einen Bart trügen, um nicht den Barbier aufsuchen zu brauchen; drei entgcgneten, daß der Bart sie vor Erkältung schützen solle; einer will seine Zähne durch den Bart verbergen; ein anderer seine große Nase nicht ganz zum Vorschein kommen lassen; drei erklärten, daß der Bart die Athmung erleichtere; drei andere tragen einen Bart, weil mehrere bekannte und be rühmte Persönlichkeiten ebenfalls einen Bart besaßen; sieben meinten, der Bart sei nothwendig zur Erhaltung der Gesundheit; siebzehn antworteten kurz und bündig, es ginge Niemand etwas an. warum sie einen Bart trügen; zwei gestanden.daß sie sich einen Bart stehen ließen, weil sie ihren Frauen gefallen wollten, und 57 endlich gaben, wenn auch zögernd, zu,daß sie 'ihrem Barte den Erfolg bei' Frauen ver-dankten.

Die Glaserfrau Lotz. die im Mai d. I. in Offenbach die rifjä rige Rose Lücker in ihrer Wohnung ermordet und beraubt hat. wurde vom Darmstädter Schwurgericht zum Tode verurtheilt. w '

Vorn Aosianoe.

E i n fürlfundneunzig Jahre alter Handwerksburschedurchzieht gegenwärtig die Städte des Königreichs Sachsen. Der ehrwürdige Greis hat sich vordem 22 Jahre in Amerika und 18 Jahre in Rußland aufgehalten. Er ist trotz seines hohen Alters noch sehr rüstig und wird überall, wo er anklopft, reich mit Geschnken verseben: selbst von der Polizeimannlchas: in Ä!eerane, wo er'dieser Tage vorsprach, wurde ihm außer dem üblichen. Stadtgeschenk noch eine besondere klingende Unterstützung zntheil. Ein äußerst seltener Fall das Wachsen eines Zahnes vom Oberkiefer in die Nase hinein kam an der Universitätsklinik für Kehlkopf- und Nasenkrankheiten deö' Professors Dr. Chiari in Wien zur Behandlung. An die Klinik war ein 29jähriger Mann gekommen und hatte darüber geklagt, daß er durch die Nase keine Luft bekomme. Genaue, durch Röntgenbilder unterstützte Untersuchungen ergaben nun, daß der Kranke einen Zahn hatte, der statt nach unten vom Oberkiefer aus in die Nase gewachsen war und nun. vollständig ausgebildet, in der Nasenhöhle saß. Die Herausnahme des Zahnes gestalte-, te sich sehr schwierig, da mit der Zange nicht operirt werden konnte; sie gelang aber .schließlich vollkommen, und der Patient war .nun von seinem Leidn vollständig erlöst. I Ein Einbruch auf amtliche Anordnung wurde in Breslaü gegen die dortige städtische Hauptsparlasse am Karlsplatz verübt. Dort war es den mit der " Verwahrung der Schlüssel zu dem großen eisernen Hauptthor des Kassengebäudes betrauten beiden Beamten infolgeSchadhaftwerdens des Schlosses trotz aller Mühe nicht möglich gewesen, das Thor zu öffnen. Da der Verkehr gerade in den Morgenstunden an der Kasse ungewöhnlich stark zu sein pflegt und es auch einem Kunstschlosser nicht gelang, des widerspenstigen Schlosses Herr zu werden, so entschloß man sich mit saurer Miene, rite in ein Fenster des Erdgeschosses einzubrechen", um von innen öffnen zu können. Und so erlebte die sich auf der Straße ansammelnde Menschenmenge es denn, daß nach Wegstemmen der schweren eisernen Gitter bei hellem Tage in die Sparkasse amtlich" eingebrochen wurde. EinedrolligeVerwechselung passirte in Paris einem Schweizer Namens Haustoni, der dort bestohlen worden war. Der Dieb war ihm dem Ansehen nach 'bekannt, und nun ging Herr Haustoni jeden Tag stundenlang auf den Boulevards spazieren, um womöglich den Räuber seines Geldes abzufangen. Zuerst war all' seine Mühe vergebens, bis er dieser Tage glaubte, ihn plötzlich zu erkennen. Er stürzte auf einen Herrn zu, ergriff ihn beim Paletotkragen und ließ ihn von einem Schutzmann festnehmen. Dieser führte den sich willig fügenden Verbrecher" zum Polizeikommissilr. Erst hier lüftete der Arrestant sein Inkognito: Maitre Paul Olagnier, Advokat am AppellationsGericht". Herr Haustoni erschöpfte sich in Entschuldigungen oer Verwechse lung, aber der Advokat sagte ruhig: Wenn man den schuldigen aburtheilen wird, will ich ihm meine Vertheidigung anbieten. . .ich bin ihm das schuldig." Ein lustiges Zeitungöstückchen wird aus Siebenbürgen berichtet: Eine der jüngsten Nummern des magyarischen Blattes Marosvasarhelyi Reggeli Ujsag" leitet seinen neuen Roman mit folgenden Zeilen ein: Viele Hundertc Leser des Vasarhelyi Hirado" verfolgten mit Interesse den Roman Walpurga's Sohn". Dieser Roman 'wurde im genannten Blatte gesiern beendet, und zwar derart, daß der Held Orlando, von seinen Verfolgern in eine Höhle getrieben, sich dort verirrte und Hungers starb. Das ist aber nicht wahr. Der Roman hat dort nicht sein Ende, denn Orlando ist nicht gestorben, er flüchtete vielmehr aus der Höhle und mußte im Vasarhelyi Hirado" nur deshalb sterben, weil dieses Blatt dem Verfasser nicht das Honorar bezahlte Und dieser. von dem Roman nichts mehr liefern wollte. Wir aber wollen das Interesse der irregeführten Leser für den Roman befriedigen und haben die Fortsetzung des Romans erworben. Ueber das Liebesdr am a einer Vierzehnjährigen wird aus Prag berichtet: Der in dem Hotel Graf als Koch bedienstete. Zuckerbäcker Bohuslav Meister verliebte sich in die 14jährige Schwägerin des Hotelbesitzers. Rosa Neuberg, ein über ihre Jahre entwickeltes Mädchen. Niemand hatte von dem Verhältniß eine Ahnung. das auch von Rosa Neuberg bald gelöst wurde, da sie Meister's überdrüssig war. Dies versetzte ihn aber in große Erregung, und er beschloß, das Mädchen zu tödien. Eines Abends traf er sie auf einem Corridor, als sie in ihr Schlafzimmer ging, und feuerte zwei Revolverschüsse gegen sie ab. welche sie am Kopf tödtlich verwundeten. Nachdem Meister alle Patronen des Revolvers auf mehrere zu Hilfe eilende Personett abgeschossen hatte, flüchtete er sich in die Küche und feuerte dann zwei Nevolverkugeln. die er in Reserve in seiner Tasche hatte, gegen seinen Kopf ab. Meister starb auf dem Wege zum Spital. Rosa Neuberg ist ebensallL ihren Verletzungen erlegen.