Indiana Tribüne, Volume 29, Number 61, Indianapolis, Marion County, 3 November 1905 — Page 5
I V,
Jndiana Tribüne, 3 November 1905
. I ; i , !
Gante xmazen. :" Von E. Fahrom. Es war eine unbestreitbare Thatsache, daß Tante Lmchen ebenso gutmüthig wie unpraktisch war. Das hatte manihr m der Verwandtschaft schon häufig angedeutet; aber Tante Linchen gab nur die erste Eigenschaft zu und bestritt die zweite. Und wenn man es ihr einmal gerade ins Gesicht hinein sagte, so senkte sie beschämt das
graue Köpfchen und murmelte nur et- j Nas von immer hübsch sparen" und beweisen" aber zur That kam es nie. . Da die kleine Tante überzeugt von ihrem eigenen praktischen Wesen und von ihrer Sparsamkeit war. pflegte sie bei jeder Gelegenheit zu versichern, daß es neben einem moralischen Wandel nichts Wichtigeres auf Erden gäbe als zu sparen. Sie selber kam zwar nie dazu, etwas zurückzulegen, aber das war kein Wunder, denn sie hatte vom Mai bis zum nächsten April allzu häufig Logirbesuch; es war immer irgend ein Neffe oder eine Nichte bei ihr. Oder auch ein paar. Denn die Tante war eine rührende Logirwirthin, und Weimar war schön und bilvend. Uebrigens sollte das dies Jahr anders. werden! Ganz ..anders! Die Tante hatte beschlossen, es endlich einmal ihren klugen Verwandten zu beweisen", daß sie praktisch sein konnte. Vor allem den Berlinern, die immer räsonnirten. und den Stettinern auch. Und schließlich auch den Münchnern und Stuttgartern. Sie sollten sich mal wundern! Dies Jahr gab es keine Freistatt in Weimar dies Jahr wollte sie selber reisen. Dabei würde sie einen ganzen Haufen Geld sparen. Und so schrieb sie an ihre vielen Nichten, daß sie ihrerseits die Gastfreund schaft dieser Lieben in Anspruch nehmen wolle. Die Zeiten seien schlecht, was besonders ein alleinstehendes altes Fräulein spüre (warum dieses, das verschwieg sie) und deshalb werde sie. der Reihe nach zu allen ihren lieben Nichten reisen. Sie schicke während dieser Zeit ihrDienstmädchen nach Hause, was ja nicht viel koste. Und der Brief schloß mit der fröhlichen Versicherung, immer hübsch sparen, Kindeichen, das ist von jeher mein Prinzip gewesen." ' Nachdem sie sich solchergestalt und mittelst lauter gleichlautender Briefe in Nord- und Süddeutschland angesagt hatte, führ sie ab. Zunächst nach Berlin, zu Hethe. Das war herrlich dort. Diese lebhaften Kinder, dieses Schieben und Treiben in den Straßen, und die famosen Restaurants, in die man Abends oft ging! Acht Tage nach ihrer Ankunft hatte Hethe's Aeltester Geburtstag.' Geburtstage beachtete Tante Linchen aus der Ferne nie. Aber wenn man doch nun gerade im Hause war. . . Karlchen bekam einen photographischen Apparat. Der Apparat war nicht theuer, aber das Zubehör"! Es war merkWürdig, wie dieses Zubehör ins Geld lief. Dreißig Mark waren schließlich draufgegangen. Indessen Karlchen, der Tertianer, war ja selig über das Geschenk und strahlte! Tante Linchen strahlte mit. Nach vierzehn 'Tagen hörte die Tante ganz zufällig, daß ein neuer Geburtstag sich nahe. Diesmal war sie aber schlau, sie wollte dem Feste entgehen. Ganz harmlos erklärte sie, sie müsse nach Settin, dort erwarte man sie am Sonntag. Hethe sah sie mit einem ulkigen Seitenblict an. Am Sonntag? Du meinst wohl am Mittwoch, Tantchen?" Nein, nein, ich meine am Sonntag, Warum denkst du v ." nnr rnrfiH Vrfi minf fiTnfc "7 ij 0"7 -u so. In Stettin herrschte großer Jubel. Tante Linchen kam! Das war doch nun gewiß wieder nur eine ihrer Ausmerksamkeiten, daß sie gerade Muttchens Geburtstag in Settin mitmachen wollte! Zu nett von ihr! Wirklich eine Ueberraschung. Mittwoch war der Geburtstag. Ja, eine Ueberraschung war es uch für Tante Linchen! Aber sie mußte Natürlich nur so thun, als sei sie thatsächlich deshalb um eine Woche früher gekommen, um diesen Geburtstag mitzuseiern. Vertraulich fragte sie am Tage vorher ihre Nichte, ob sie nicht einen kleinen Wunsch habe, den man ihr erfüllen könne. Die Nichte fiel der Tante um den Hals. Ach a, Tantchen, das ist wirklich zu entzückend von dir! Ich wünsche mir nämlich rasend einen seidenen Unterrock. Mein Männchen kann mir sowas nicht kaufen, und ich liebe doch so ein bischen Luxus so sehr! Es gibt auch schon ganz billige. Bei Förster kriegt man die besten." Tante Linchen ging zu Förster. Da waren aber die billigen gerade alle ausgegangen, und außerdem sagte der Verkäufer mit einem mitleidigen Lächeln: Diese geringe Waare hätten Sie ja doch nicht gekauft, gnädige Frau! Ich rathe Ihnen zu diesem gelben hier er kostet nur vierzig Mark! Ausnahmepreis!" Nun war Tante Linchen schwach genug, sich jedesmal geschmeichelt zu fühlen, wenn man sie gnädige Frau titulitte' Resolut nahm sie den schönen Nock und tröstete lick selbst.- -
Na. ich hole, das im nächsten UHO nat wieder ein! Da bin ich in München, und ich weiß bestimmt, daß meine Nichte Emma dann nicht Geburtstag hat. Kinder haben sie auch nicht du lieber Gott, die Leutchen sind ja nun auch sckon über zwanna Iabre verbeirathet! Dort werde ich nun also wirklich sparen können." 'Die Freude üker den Gelbseidenen war so groß, daß Tante Linchen ganz ausgesöhnt mit ihrem Reinfall" war. So hatte sie nämlich schnöder und richtlger Weise das merkwürdige Zusammentreffen all dieser Feste mit ihrem Dortsein genannt. Sicherer war es jedenfalls in München, wohin sie demnächst ihre Schritte lenkte. Diese Nichte war eine Frau Professor Huberbauer, und da ihr Mann an der großen Kunstschule lehrte, war gewiß ein interessantes Leben und Treiben dort zu erwarten. Zu ihrem großen Erstaunen empfingen sie Herr und Frau Professor Huberbauer mit gerührten Mienen: Nein, Tantchen, daß du aber auch daran gedacht hast! Wir haben es doch keinem Menschen erzählt! Aber in deinem Familienkalender hast du ja doch alles aufgezeichnet, dir konnte der Tag nicht entgehen!" Tante Linchen war sehr verlegen. Sie konnte doch nicht sagen, daß sie absichtlich diesen Kalender nicht mitgenommen hatte, und daß sie nicht ahnte, um was es sich handelte. Das verlegene Gesicht des alten Fräuleins Uieß die Frau Professor ahneu, daß etwas besonders Nettes in Vorbereitung sei. Na ja zur silbernen Hochzeit strengt man sich ja auch wohl ein bißchen an. Herrgott ja also silberne Hochzeit. Weißt du. Tantchen, um diese Zeit ist München ganz , leer, wenigsten die Münchner sind nicht da. Die sind im Gebirge und an den Seen bloß wir sind hiergeblieben, weil wir in aller Stille den Tag feiern wollten. Daß du nun dazu herkommst, ist tühU lich reizend; du bist so gemüthlich und störst nie." Tante Linchen machte ein vergnügtes Gesicht und besann sich Tag und Nacht, was für ein Geschenk wohl hier am Platze wäre. Natürlich mußte es etwas Silbernes sein! Zum Glück half ihr der Professor auf die Sprünge, indem er gelegentlich fallen ließ, zu einem Brotkorbe hätte es seine Frau immer noch nicht gebracht, wogegen sie fünf Tortenmesser und sieben Theesiebe besäße. Die Menschen sind ja immer so unpraktisch mit ihren Geschenken, weißt du", setzte er hinzu-. Die Tante wollte doch nun aber absolut praktisch sein; deshalb kaufte sie einen schweren silbernen Brotkorb von sehr schlichter, moderner Form um'hundert Mark. Nachdem aber auch dieses Freudenfest noch überstanden war, griff Tante Linchen zu einer Kriegslist; sie fragte ganz schlau, so daß kein Mensch es merken konnte, ob bei den Stuttgartern, zu denen sie jetzt reisen wollte, irgend ein Geburtstag oder eine Hochzeit Vorstände. Gott bewahre. Tantchen. die. haben beide zu Weihnachten Geburtstag. und Kinder haben sie ja nicht, obwohl sie schon acht Jahre verheirathet sind." Acht Jahre?" kalkulirte die Tante. Nein, dann droht mir dort auch keine silberne Hochzeit." Und leichten Herzens reiste sie nach Stuttgart ab. Dort traf sie gerade zur rechten Zeit ein. um einen Wohlthätigkeitsbazar mitzumachen, den ihre Nichte in Form eines sommerlichen Jahrmarktes in threm Garten arrangirt hatte. Es ist zum Besten armer Kinder sagte man zu Tante Linchen. Wenn man selber keine hat, so muß man eben für andere sorgen, nicht wahr?" Und dies ward mit einem so wehmüthigen Seufzer gesagt, 'daß auch hier wieder Tantchen tief in ihren BeuteX greifen mußte es ging" doch nicht anders! Nun aber batte sie genug von ihrer Spar - Reise! Sie telegraphirt ihrem Mädchen, daß sie nach Weimar kommen und flugs die Wohnung instand setzen solle. Und am Ende der Woche traf sie selber wieder dahcim ein ' .Sie mußte sofort auf die Bank gehen. um sich Wirthschaftsgeld zu holen. Ueber zweihundert Mark hatte sie für Gesckenke ausgegeben dazu die theuren Reisen und nicht zu vergessen die Trinkgelder und zu'alledem das drückende Bewußtsein, daß sie doch am Ende ein Pechvogel fei. Eine Folge dieser Reise ward aber ihren sämmtlichen Nichten und Neffen bemerkbar: Tante Linchen schrieb und sagte nie mehr: Immer hübsch spa-
ren! Familienfest. Bauer (der Mitglied der freiwilligen Feuerwehr ist):'Frau, Kinder, zieht Euch an; wir machen heut 'n Ausflug in's Nachbartotf da brennt's! ,Aergerlich. Student A.: Du bist ja so verdrießlich, Franz." Student B.: Na, denk Dir, jetzt spar' ich mir für heute Abend einen Bombendurst zusammen, und nun will der Wirth nischt mehr pumpen!" Aufgeklärt. Lehrerin: In der heutigen Stunde werden wir den Storch besprechen. Der Storch gehört Schülerin (sie unterbrechend): Aber Fräulein, das ist doch nur em Märchen es gibt ja gar keine Storche! , ,
Weibliche Schönheit iu Japan. Jedes Volk, oder wenigstens jede Rasse hat bekanntlich ihre eigenen Begriffe von Schönheit, und mit den japanischen lassen sich unsere in viel facher Hinsicht gar nicht in Einklang bringen. ' Das gilt hauptsächlich in Bezug auf den weiblichen Körper. In seiner Madame Chrysantheme" schreibt Pierre Loti sehr wenig galant von den Japanerinnen: Ja, ihr Damen, ich gestehe ja gerne, ihr seid ganz niedlich, ihr seid es dank eurer Drolligkeit und den zierlichen Händchen und Füßchen aber im Ganzen genommen seid ihr doch garstig und dann so lächerlich klein!" Als die größte Autorität auf dem Gebiete japanischer Anthropologie gilt Professor Dr. E. Välz. Einem Aufsatz von ihm über die körperlichen Eigenschaften der Japaner entnehmen wir folgendes über weibliche Schönheit in japanischer Auffassung:- Ein schönes, edel gebautes Weib muß nach japanischen Begriffen etwa folgende Eigenschaften haben: Gestalt lang und schmal, Gesicht lang und schmal, Augen lang, Nase lang und schmal. Arme schlank, Hände lang und schmal, Hüften schmal, Beine lang und schmal (dünn). Die überall verbreiteten bunten Bilder geben diesen schönen Typus in übertriebener Form wieder. Der wesentliche Unterschied in der Auffassung einer schönen weiblichen Gestalt im -.Occident und in Japan liegt in der Forderung schmaler Hüften und allgemeine: Schlankheit und Magerkeit, seitens 'der Japaner. Mit. Abscheu und Verachtung wendet er sich von den Fleisch- und Fettwülsten Rubens'fcher Gestalten ab. Diäe. volle Formen sind nach seiner Ansicht Zcichen unschönen Vorwiegens des Rohsinnlichen. Materiellen in der Gestalt, während er bei einem schönen Weibe das Verfeinerte. Aetherische, das Überwiegen des höheren, dem Rohmateriellen fernstehenden Elements sucht. Die zarte, feine, schlanke Gestatt mit 'dem bleichen, durchsichtigen Teint und den scharfen Zügen ist für den Japaner ein höheres Wesen, sie ist durchgeistigt, eine Art Abstraktum aus dem Stofflichen der alltäglichen Welt. Breite Hüften gelten für das Unfeinste, was am weiblichen Körper vorkommen kann. Ein plumper Fuß und häßlicher Gang sind entschuldbar, aber breite Hüften nein! Der Gürtel der Japanerinnen hat den Zweck, die Taille auszugleichen, wodurch die Hüftenbreite kleiner aussieht. Man macht einer Japanerin ein schlechtes Compliment, wenn man voil ihrer schlanken Taille spricht. t Die Japaner sind große Verehrer einer weißen Hautfarbe und beneiden in dieser Hinsicht wohl'auch den Europäer um die seinige, aber wenn sie zur weißen Haut auch noch die blauen Augen und hellen Haare der Europäer rnit in den Kauf nehmen müßten, so Würden sie sicher ihre eigene, etwas gelbliche Haut vorziehen, meint Profcssör Bälz. Schwarzes Haar hat der Mensch, helles das Vieh und der Affe" heißt ein japanisches Sprichwort. Als Schminkpulver benutzen die Japanerinnen allgemein Bleiweiß oder das Mehl der Samen von Mirabilis jalapa. Man. färbt Gesicht und Hals gerade so weiß, heißt es in dem Buche Lauterer's über Japan, wie man es in Mexico und Peru bei den Mischlingen sieht, nur hinten im Nacken bleibt ein dreieckiges Grübchen frei. Die Lippen werden schon seit uralter Zeit mit Von! roth gefärbt, und zwar mehr zinnoberroth als fleischfarbig. Haben die Augenbrauen nicht die nöthige Schwärze, so wird mit einem feinen Kohlenpulve: nachgeholfen. Der Schönheitskanon verlangt ferner, daß die Brauen in der Mitte nicht zusammenstoßen, sondern in einem deutlichen Bogen jederseits gegen die Nasenwurzel sich neigen. ohne sie zu erreichen. Nach .der Verheirathung soll die Frau, so verlangt es die japanische Sitte, die Brauen rasiren. Auch Mädchen, die anfangen, sich als alte, Jungfern zu betrachten, was, im Gegensatz zu Europa.. oft schon im 22. oder 23. Jahre geschieht, ahmen freiwillig diesen Brauch' nach. Sehr vornehme Damen aber, vor allem die Kaiserin und ihr Hofstaat, rasiren die wirklichen Brauen und malen sich statt ihrer zwei kurze, dicke Ersatzbrauen. Ein großes Auge findet den Beifall des Japaners, ist es noch zugleich schief, so wird es allgemein bewundert. Die Frauen von feinerem Typus haben meist große, mandelförmige Augen. Die Nase spielt in der japanischen Aesthetik eine gewaltige Nolle. . Eine hohe -Nase ist immer eine gute Empfehlung im Lande des Sonnenaufganges. Deshalb gebrauchen auch Frauen, die sich schön machen, wollen, alle möglichen Mittel, die Nase hoch erscheinen zu lassen. Das Toilettenbuch sagt: Die Nase steht in der Mitte des Gesichtes und fällt daher vor allem auf. Deshalb ist es wichtig, eine schöngeformte Nase zu haben; um dieses bei einer flachen Nase'zu erreichen, muß Weiß in der Mitte der Brauen und der Augen und über der Nasenspitze dicker aufgetragen werden als an' anderen Theilen, auch an beiden Seiten der Nase, damit die Nasengrenze scharf und gerade und sie selbst höher erscheint. Biegung mit lerchter Einziehung der Spitze sind die Grundbedingungen einer schönen Nase in Japau, nicht Gradheit.
Das aalraucln." Beliebte sperttiÄe Bolköbelustigung im Lst haveand. Während der letzten Jahre hat das Radfahren in Teutschland in den Großstädten verhältnißmäßig wenig, in den kleinen Städten und, auf dem Lande umsomehr zugenommen. Biele Handwerker in der Provinz besuchen jetzt ihre Kundschaft auf dem Nad, und die jüngeren Eigenthümer und Bauernsöhne radeln ebenfalls. Man hat eben eingesehen, daß bei den großen Entfernungen und dem Mangel an Verkehrsverbindungen auf dem Lande un leugbar das Rad von großem praktischen Werthe ist. Natürlich haben sich in den Provinzstädten und größeren Dörfern auch alsbald Nadfahrvereine gebildet, die sich an Sonn- und Festtagen auch die Pflege sportlicher Veranstaltungen angelegen sein lassen. Man hält namentlich im Sommer im Freien zahlreiche Sportfeste ab; die dabei ausgeschriebcnen Konkurrenzen passen sich natürlich den ländlichen Verhältnissen in origineller Weise an. So ist bei diesen Veranstaltungen der Nadfahrvereine der Dörfer des osthavelländischen Kreises der Provinz Brandenbürg zwischen den Städten Nauen und Kremmen das ..Aalradeln" ein beliebtes Vergnügen. Der es veranstaltende Verein ladet dazu stets 'die Raöfahrvereine der Nachbarorte ein. Auf der Torfstraße vor dem WirthsHaus wird ein Futtertrog aufgestellt und mit Wasser gefüllt. Tann bringt man eine Anzahl dicker Aaale hinein. Die c,n dem Wettstreit theilnehmenden Radfahrer müssen einzeln hintereinander in schnellstem Tempo an dem Futtertroze vorbeifahren und dabei mit raschem Griffe sich eines oder mehrerer Fische zu bemächtigen suchen. Das ist nicht so leicht, denn die glatten Thiere entschlüpfen meist der zupackenden Hand. Viele Schlauberger reiben sich deshalb vorher die Hände mit Sand ein, um besser zugreifen zu können. Mroßen Jubel erregt es stets bei den zahlreichen Zuschauern, wenn einer der Fahrer seine Beute glücklich erwischt, sie ihm aber sofort wieder entschlüpft, oder, wenn bald dieser oder jener bei zu stürmischem Zufassen die Gewalt über sein Rad verliert und mit diesem kopfüber in den Sand stürzt. Ein Tanzkränzchen im Torfkruge beschließt natürlich allemal die Vereinsfestlichleii. Pfandleichen. Diz Gepflogenheit alter Zeiten, der zufolge die Gläubiger die Leichen verstorbener Schuldner von der Bestattung ausschlössen, um die Hinterbliebenen zur Auslösung der theuern Reste und Tilgung der Schul) zu veranlassen, ist noch im 18. Jahrhundert in Uebung geWesen. Eine solche Pfandleiche stand, da Är Einspruch der Gläubiger die Beerdigung verhinderte, über ein Jahrhundert lang in der Kirche zu Reval, Rußland. Ter um seine Grabesruhe gebrachte Todte war ehedem ein Prinz von Eroi gewesen, der in der Schlacht bei Narwa schwer verwundet wurde und in Reval starb. Als im zweiten Jahrzehnt des .vorigen Jahrhunderts der,, Zar Alezander I. nach Reval kam und , die dortige Kirche besichtigte, erschrak er bei dem häßlichen Anblick, den ' die mumienhaft eingetrocknete 2ei& des Prinzen darbot. Man machte den Zaren mit der Geschichte des - verschuldeten Kriegsmannes bekannt, und der russische Herrscher befahl die sofortige Beerdigung der Leiche. Man beeilte sich, die Reste des Prinzen zu begraben, sobald aber der Zar den Rücken gekehrt hatte, grub man die Leiche wieder aus und trug sie in die Kirche zurück, wo sie im Jahre 1839 noch stand und vielleicht heute noch sieht. Eine überzeugte Tschechin. Große Legate zu tschechisch-nationa-len Zwecken vermachte die kürzlich in Proßnitz, Mähren, verstorbene Frau Karoline Vojatschek. Sie hat testamentarisch ihr 548.000 Kronen (1 Krone gleich 20.3 Cents) betragendes Vermögen zu nationalen Zwecken bestimmt. So erhält der Tschechische Schulverein 40.000 Kronen, die tschechischen Schulen in verschiedenen deutschen Gegenden Mährens und die tschechische Komcnsli-Schule in Wien Legate zwischen 200 'bis 6000 Kronen, die Stadt Proßnitz für verschiedene nationale Wohlsahrts - Einrichtungen 300.000 Kronen. Die Erblasserin hat auch schon einen großen Betrag zur Unterstützung armer Studenten an der zukünftigen tschechischen Universität in Mähren ausgesetzt. Dieses Testament ist ein Beispiel, wie die nationale Bewegung von den tschechischen Frauen unterstützt wird. Eingesunkener Berg. Infolge der Ausbeutung von Schwefelgruben. die in der Nähe des Ortes Sutera. Sizilien, liegen, ist der dortige V'erg San Paelino in einer Nacht eingesunken. Die Einwohner des genannten Ortes verließen aus Furcht vor einem größeren Einsturz die Häuser und hielten sich unter freiem Himn.el auf. Einige wurden verwundet. Die erforderlichen Maßnahmen sind getroffen, um zu verhüten.' daß Menschen zu Schaden kommen falls ein weiterer Einsturz sich ereignet. Von den stehenden Hee ren weist die amerikanische Armee die höchste und die preußische di: niedrigste TodeZ-Nate auf.
3n der llMc.
5ai, Meier, Du ' thust doch, als kenntest Du Deinen Lieferanten Wollauer nicht mehr!" Ach, geh mir mit dem Menschen, der ist für mich Luft!" Aber so sieht er poch gar nicht aus! Und neulich, wo Du mit Deinem Wollsack bei ihm aus dem Laden kamst, da hat er Dir doch so freundlich die Hand geschüttelt!" So? das hast Du gesehen und da kannst Du mir noch zumuthen wo der Mensch mich in meinen heiligsten Rechten gekränkt batte?" Aber ich verstehe Dich gar nicht!" Weil Du eben kein Gefühl für so was hast. Na, aber ich sehe schon, Dir muß man alles haarklein vormachen. Also: Du weißt doch, daß ich immer die Wolle für meine Arbeiten bei dem Kerl gekauft habe. Ich zahlte immer so fünf Mark für's Pfund. Mit einem Male fing der Kerl an zu steigern. Ich redete ihm zu. wie der Fuchs den Gänsen: - wir armen Gebirgsbewohner säßen nicht so in der Wolle wie er. das könnt' er glauben, 's würde uns blutsauer. Er lachte blos und sagte: .Ja, sehen Sie, Herr Meier, die Schafe sind jetzt auch nicht mehr so dumm, die wollen jetzt auch mehr für ihre Wolle haben.' Und damit stieg er die Treppe zum Wollboden hinauf und ich natürlich auch. Unterwegs kamen wir an der offenen Speisekammer vorbei, wo die fetten Schinken nur so Herumhingen, und da dachte ich: '.Warte, Halunke. den theuern Preis sollst Tu stte ber bezahlend Ich gehe also wie ein geduldiges Lämmchen hinter ihm drein, lasse mir die Wolle abwiegen und in den Sack stecken, verziehe auch mein Gesicht nicht, wie er mit heuchlerischem Augenverdrehen sagt: .Zehn Pfund, Herr Meier, je sechs Mark, macht sechzig Mark.' Wie er nun an den Schreibtisch geht, um die Lieferug einzuschreiben, werfe ich schnell meinen Sack auf die Schulter, steige die Treppe hinunter und nehme aus der Speisekammer einen Schinken ab, stecke ihn schnell in den Sack und kam gerade wieder auf die Treppe hinaus, wie er oben die Thür zuschließt! Ich machte mein unschuldigstes Gesicht, und auch er sah beim Herunterkommen aus, als könnte er selber Wolle auf seinem Leibe erzeugen. Unten im Geschäftsladen lange ich meinen Geldsack heraus und will die sechzig Mark aufzählen, da sagt der Spitzbube mit einem Male: ,Ach, wie viel Pfund waren es doch gleich, Herr Meier? Ich erinnere mich nicht mehr genau.' ..Ich antwortete natürlich eifrig: .Genau zehn Pfund, Herr Wollauer; hier ist M Geld.' .Nein, bitte, ich könnte mich doch geirrt haben, es. könnte vielleicht doch weniger sein, ich möchte Sie nicht übers Vortheilen bitte, wir wollen doch der Sicherheit wegen noch einmal wiegen.' Mir war zu Muthe, als sollte ich in meinen Wollsack hineinsinkcn. ,J wozu denn! Was wollen Sie sich denn noch einmal die Mühe machen, Herr Wollauer! Es wird schon stimmen! Ich habe Eile ' .Nein. nein, bitte, lassen Sie nur. Herr Meier, Ordnung muß fein!' Und ttf ich es mich versah, hatte der Lehrling den Sack erwischt, und da stand ich nun dabei und mußte mit zusehen, wie die Waagschale immer tiefe? sank, und ein Gewicht nach dem andern aufgesetzt wurde. .Natürlich.' dachte ich grimmig, ,der Schinken hat sein Gewicht!' .Zweiundzwanzig Pfund. Herr Meier! Nein, wie man sich so versehen kann! Aber Sie wünschten ja wohl nur zehn Pfund? SolZ ich da vielleicht die zwölf Pfund wieder heraus ,Nein,' schrie ich wüthend, .lassen Sie nur! Ich nehme alles!" Und so zahlte ich zu den sechzig Mark noch Zweiundsiebzig Mark dazu, das Pfund Schinken für sechs Mark, das ich für fünfzig Pfennig hätte haben können. Und er. dieser Kerl, dieser Beutelschneider. strich das Geld ein. als wär's redlich verdientes Eigenthum, bedankte sich tausendmal für das geschenkte Vertrauen und ich mußte lwch so thun, als wären wir die besten Freunde und hätte den Kerl am liebsten zerrupft wie ein Knäuel Wolle. Wie uns dann zu Hause der Schinken geschmeckt hat. kannst Du Dir denken. Verstehst Du nun. daß ich diesen Menschen als Spitzbuben verachte?" Glrrlick?. Daniel Jürgen war ein sparsamer Bauersmann und hatte im Laufe der Jahre schon ein hübsches Sümmchen auf die Sparkasse getragen. Ungünstige Verhältnisse zwangen ihn aber, sein erspartes Kapital abzuheben. Als ihm sein Geld mit Zins und Zinseszins aufgezählt .wurde, machte Daniel große Augen und sprach: tt, Tettee Herr, ihrlich bllnn ich von je her all west unn wull et ok bliewen micn Lewen lang!" Sprach's und schob Zins und Zinseszins beiseite. . Vnt Vorberoitet. Cie küßte ihn gar zärtlich, Als er nach Hause kam. Tas Essen war so köstlich, . Daß er sich zweimal nahm. Eie brachte ihm den Cchlafrock Nebst den Pantoffeln her, D'rauf gab sie ihm die Zeitung Und macht' es ihm Irrere. Als die Cigarre brannte Und er gemüthlich ruht' ...... ' Dann gab sie ihm die Rechnung Vom neuen Winterhut.
Der
!w M 8 lEtailirt 1853.) ...Jndiaua'ö größter ade. Flickers :: Feind :: Süuhe für Knaben und Mädchen. Die dauerhaftesten Schuhe welche Sie kaufen können. Besitzen mehr Muster und passen besser als irgend welche in der Stadt. Knaben Schuhe von solidem Ledcr, Kalbleder und doppelte Sohlen. Knaben Größe, 2 bis 5. das Paar SS1.G5 Jüngllnas Gköße, 135 bis 2. das Paar 81.50 Kleine Knaben Größe, 9 bis 13, das Paar 81.35 Madchen Größe, 11 bis 2. das Paar 1.50 Kinder Größe, 81 bis 11, da5 Paar 81 25 SängllngS Größe, 5 bis 8. das Paar. 81.00 Hinten, Hauptflur. mm M Q00DS cq. Eine bizarre Anzeige ist unlängst bei dem PolizeikomrnissQr des Pariser Stadtviertels SaintLambert erstattet worden. Auf Um Polizei - Revier erschien eine Frau Varnier und erklärte allen Ernstes, daß sie bereits zweimal beerdigt worden sei, obwohl sie doch, wie die Polizei sich überzeugen könne, lebe und sich bei bester Gesundheit befinde. Der Beamte glaubte anfänglich, es mit einer Irrsinnigen zu thun zu haben; allein bald hellte sich die dunkle Geschichte in sehr einfacher. Weise auf. Frau Varnier lebt nämllch seit geraumer Zeit von ihrem Manne getrennt,' der an ihrer Stelle eine Geliebte in das Haus nahm. Diese starb, und Herr Varnier ließ die Todte auf den Namen seiner Frau beerdigen. Um sich über den Verlust zu trösten, schaffte . sich der von seiner Ehefrau Verlassene abermals eine Geliebte an. Doch auch diese junge Dame starb unlängst, und " Varnier ließ zum zweiten Male die Verstorbene auf den Namen seiner Frau bestatten. Die wirkliche Madame Varnier erfuhr von dieser Angelegenheit, und da sie als Lebende natürlich nicht als begraben gelten wollte. und dazu noch zweimal, erstattete sie bei der Polizei Anzeige. I ne i n e r eigenartigen Ehescheidung - Angelegenheit mußte dieser Tage die Pariser Polizei ein- . schreiten. Vom Gericht war der Po lizei - Eommissä'r des Stadtviertels Flaine Monceau aufgefordert worden, den Ehebruch einer Frau Verenge festzustellen. Der Beamte handelte dem Auftrage gemäß und begab sich nach der angegebenen Adresse, wo er sich zu seinem größten Erstaunen einer achtzigjährigen Frau gegenüber sah. die mit einem sünfundsiebzigjährigen Greise seit dreißig Jahren zusammenlebte und allgemein im Hause und in der Nachbarschaft für dessen legitime Ehefrau angesehen wurde. Auf die Fragen des Commissärs ergab sich.' daß Frau Verenge vor nunmehr dreiKig Jahren von ihrem Manne verlassen worden war und sich dem anderen Lebensgefährten angeschlossen hatte, mit dem sie still und glücklich, wie Philemon und Vaucis, so lange gelebt hatte. Da durch diese Bekundung der Frau der Ehebruch festgestellt war, mußte das greise Pärchen in dieStrafhaft wandern. Die Anzeige war von dem Ehemann der Frau Verenge ausgegangen. Er erklärte auf der Polizei, daß er wohl die ganzen Jahre hindurch von dem .Hebruch seiner Frau gewußt, sich aber darum weiter nicht gekümmert habe. Jetzt jedoch, wo cr den Tod herannahen fühle, wolle er, daß die Situation geklärt und die Ehe wegen Ehebruchs der Frau gesckieden werde. Der Mann, der daö biblische Alter von 90 Jahren erreicht hat, erkannte bei der Eonfrontation seine Ehefrau nicht wieder. Europäisches fcjmrteau Wechsel, Creditbricfc. Postanweisungen auf alle Städte EurovsZ, chtffsschetns von und nach Europa. An und Verkauf auöZSn?.Z' schen Geldes. Sko. 35 Süd Meridian Str. ' Herchant National Sank.
mm
.
