Indiana Tribüne, Volume 29, Number 60, Indianapolis, Marion County, 2 November 1905 — Page 7

Jndlana Tribüne, 2. November 1003.

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i ine urcnncnoe Franc z Humoristischer Roman ä 9 i tf olf von ainadj 1 Q-OO 'C'O 90 CQ o o ö (Fortsetzung.) Was Du aber auch sich rühren nennst! Bei Nacht und Nebel heimlich das Elternhaus verlassen! In Begleitung eines Schauspielers! Es war eigentlich ein Skandal! Ich weiß ja, daß Du nicht mit dem Schauspieler allein weggegangen bist, er war nur der Kavalier seiner Schwester, aber diese Schwester, dieses Fräulein Waldau hat Dich überredet zu dem unseligen Schritte, nicht etwa aus Menschen liebe, sondern nur um Deiner Mutter einen bösen Streich' zu spielen. Jetzt ist sie wohl schon in Alexandria, wo sie ein neues Engagement hat und ein bcsseres als bei Euch in Welzeneck, und jetzt lacht sie über Dich und Deine Mutter. Deine Mutter hat es mir selbst erzählt, daß dieses Fräulein Waldau besonders so aufgebracht war gegen Pussi und Mutzi, und nun hat sie sich an Euch gerächt. Deine Mutter war hart genug getroffen durch die Verlobung Franzis mit der gewissen Person, die unglücklicherweise gerad: in Welzeneck vor sich gehen mußte! Nun machst Du ihr obendrein noch den Kummer!" Höre mich ruhig an, Tante Laura. Ich bitte Dich, höre mich ruhig an. Ich habe Dir schon gesagt, daß ich es Mama täglich angekündigt hatte! Sogar am Tage des Festes hafo ich es Mama noch gesagt, daß ich mit Fräulein Maldan zu Frau von Nabenau gehen wollte aber Mama mochte nichts davon hören. Sie hat es jed:nfalls nie ernst genommen, und die Verlobung muß sie derart verwirrt haben, daß sie sich auf nichts' mehr besinnen kann. Und Mama hat mir ja alles verziehen, sie hat mir ja geschrieben, ich weiß nicht, warum Du mir nun solche Vorwürfe machst. Nur Papa will nichts von mir wissen, das ist zu traurig, denn ich hatte ja auch mit Papa vorher davon gesprochen, aber er hat immer nur gelacht und gesagt, wenn Dir's bei uns nicht recht ist. mir kann's recht sein!" Ar), der Papa!" rief 5ie alte Dame entrüstet. Es ist sündhaft, wie der Papa lebt, er hätte die Pflicht, sich mehr um seine Kinder zu kümmern!" Glaube mir, Pipa ist der beste Mensch " Ein schöner bester Mensch!" rief die alte Gräfin böse. Wenn Du wüßtest! Nein, so bunt hat er's wirklich noch nicht getrieben!" So hilf mir doch, ihn zu überzeuGen!" Wovon zu überzeugen?" .Davon, daß nicht von einer guten Partie alleö Glück kommt! uno trenn ich wirklich den Eltern folgte fände ich denn auch so sicher eine gute Partie?" Das magere Gesicht der Gräfin legt: sich in Falten vor Geringschätzung und Verachtung. Freilich, bei dem Egoismus der Männer von heutzutage " Du hast ja auch nicht gcheirathet!" rief Jsa. Ach, mein Kind, ich!" sagte die Gräfin traurig. Ich hätt,: oft h:irathen können aber ich war nun. Du wirst ja davon gehört haben ich liebte den Grafen Königsacker. Und ,wede? er noch ich hatten Geld, noch welches zu erwarten. Damals, liebes Kind, war es für Leute unsres Standes wiit schwieriger als heute, auf anständige Weise etwas zu verdienen. So wurde ich Stiftsdame und er Ordensritter. Und er hätte auch, um sein Wappenschild zu vergolden, heiraihen ' können, er war ein wunderschöner Mensch; aber er liebte mich und hatte Charakter. Leichter hatte er's freilich als ich. Er lebte in der Welt, als Offizier. Ich glaube, er hat vielen die Kour gemacht, ist im Kriege gewesen und jetzt hat er die reiche Komture!, Aber ich! Denke nur. meine ganze Jugend verbrachte ich bei meiner Großmutter in einer engen Gasse, in einem alten Hause, vom Himmel sah ich nur ein ganz kleines Stück. Winter und Sommer übrr dursten die Fenster nicht geöffnet werden. Ich kam fast nirgends hin als in die Kirche oder zu Kaffees, bei denen lauter so alte Damen versammelt waren, wie meine Großmutter." Sie seufzte. Ich habe erst jetzt meine schönste Zeit." Die Gräfin war gekommen, um mit Jsaura über deren Zukunft zu sprechen, und nun drehte sich plötzlich das Gespräch um ihre eigene Vergangenheit. Du arme Tante," sagte Jsa weich. Nein, ich meine ja nicht " fügte sie rasch hinzu. Ich weiß, was Du meinst," entgegnete die Gräsin. und ihre Augen schimmerten so seltsam, wie Jsaura sie noch niemals gesehen hatte Ich bin wirklich arm, aber weil ich mich zu bescheiden weiß, bin ich glücklich in dieser Armuth." Jsaura faßte mit ihren beiden weichen Händen die dürren runzligen der alten Stiftsdame. Und liebst Du den Grafen noch immer?" Ach lieben!" entgegnete lächelnd die Gräfin. Ich liebe ihn, wie man seine Jugend liebt ich liebe ihn wie das kleine Stückten Himmel, das ich vom

Fenster meines Kammerchens aus sah dies kleine Stück, das doch viel blauer und schöner war als der große Himmel, den ich jetzt sehen kann, wenn ich will." Ich danke Dir, daß Du mir das alles sagst," flüsterte Jsa,. indem sie einen Kuß auf die Hand der Gräfin drückte. Ich danke Dir, Tante Laura, ich wußte gar nicht, wie gut Du bist. Ja. das wußte ich nicht." Die alte Dame lächelte wieder. Du hast mich wohl auch für eine böse alte Jungfer gehalten?" Nein, das nicht " Es kann wohl sein, daß ich oft mitlache, wenn Königsacker seine Witze macht, und er hat eine scharfe Zunge, denn wenn ich nicht lache, wird er ganz traurig, aber auch er ist besser als Du glaubst. Das Witzeln ist sein einziges Vergnügeü. Er ist oft krank, hat oft neuralgische Schmerzen, und da wird er leicht boshaft, aber er ist gut und Dich hat er sehr lieb. Wir haben gestern von Dir gesprochen, und ich glaube, er hat recht und er kann Dir wohl auch helfen, denn er hat große Verbindunaen." Graf Konigsacker will mir helfen?" fragte Jsaura erstaunt. Ja. Er hat mir gesagt, diese Jsa. das ist eine geborene .grande dame.' Er war. wie Du weißt, einst Kammervorsieher beim Erzherzoge Ferdinand. Er ist mit der Erzherzogin Luise sogar befreundet, es kostet ihm nicht viel und Du wirst Hofdame bei der ErzHerzogin werden. Er fährt nächstens nach Wien und will mit der kaiserlichen Hoheit darüber sprechen." Hofdame? Ich soll Hofdame werden?" Ja, Hofdame. Für mein Stift ist keine Aussicht; da sind schon zu viele vorgemeldet, in andern Stiften auch und Du gehörst in's Leben und nicht in ein Stift." Aber 'Hofdame " Ist doch wohl besser als Erzieherin? Natürlich ist man auch da nicht auf Rosen gebettet. Bei vielen PrinHessinnen hat es eine Hofdame nicht beer ais eme Kammerfrau,, .cy meine, sie wird nicht besser behandelt und ist oft nicht einmal vor Ohrfeigen sicher. da könnt' ich Dir manches erzählen aber bei der Erzherzogin Luise ist es ein leichter Dienst. Sie 'ist ein Engel. ganz Gnade, die echte Fürstin. Also mach: keine Einwände. Nach Haus will Dich Dein Papa nicht lassen. Und Tu willst ja nun einmal selbst auch nicht nach Haus. Aber daß Du nicht hier bleiben kannst, wirst Du doch ein sehen .müssen. Etwas Besseres als Hofdame bei der Erzherzogin Luise gibt's gar' nicht für Dich. 'Und Du kannst dadurch auch Deinen Schwestern und Deinem Brüder! nur nützen. Der herzige Pussi! Er will Papst werden. Na, möglich ist es ja. Aus Eurer Fa:milie war ja schon einmal einer ein Papst. Und bedenke, was Du Deinem Namen schuldig bist. Sag mir jeyt nichts, nein, jetzt nicht! Uebcrleg Dir's fct Ruhe! In acht Tagen komme tcn wieder." Jsa war, nachdem sie die Gräfin Rindsmau! hinausbegleitet hatte, in ihr Zimmerchcn gegangen; denn es war heute ein freier Mchmittag für sie. Sie dachte darüber nach, wie wunderlich doch eigentlich diese Welt sei, in der sich für den einen durchaus nicht schicken solle, was für den andern nicht nur erlaubt, sondern sogar höchst ehrenvoll war. Wie oft hatte sie nicht Baron Kriegstein von der neuen Zeit" reden hören, was hatte sie nicht alles heimlich gelesen über die Fortschritte dieser neuen Zeit, und doch, wie wenig Freiheit gab es in dieser Zeit der Freiheit! Weil sie zufällig als Gräfin geboren worden war, sollte sie nicht Lehrerin sein dürfen, nicht den Beruf wählen dürfen, der ihr nun einmal als der einzige ihr wünschenswerte erschien, der einzige, in dem sie ihre Kräfte entfalten konnte! Mit Lust und Liebe zu dem Beruf: entfalten konnte! Sollte nicht? Wer hinderte sie denn? Sie hatte ja bereits gewählt, sig war es ja, was sie sich gewünscht hatte. Ihre Mutter hatt: ihr ja den eigenmächtigen Schritt schon verziehen, und der Vater wird ihn, wenn er auch jetzt noch so sehr tobt, auch verzeihen. Daß die gute Tante Laura, die ihr heut in einem so liebenswürdig schönen Lichte erschienen war wie noch nie, sie zur Hofdame ma chen wollte, war doch nicht zu verwundern. Sie war ja kein Kind dieser neuen Zeit, von ihr konnte man nicht verlangen, daß sie Anschauungen hu!dige, die weit später als die gute Alte das Licht der Welt erblickt hatten. Hofdame! Nein, sie wird bei allem Danke für die guten Absichten der mütterlichen Freundin der freien Entschließung, dem selbst gewählten Leben treu blciben. was immer auch kommen möge. Es wäre eine Schwäche und sie müßte sia selbst verachten, wenn sie nicht so viel Kraft besäße, - den ersten Ver'suchungen zu widerstehen, die ersten kleinen Hindernisse zu überwinden! Jsa wurde in diesen ihren Ueberlegungen durch das Halten eines Wagcns unter ihrem Fenster unterbrochen. Einer offenen Equipage entstieg mühsam die dicke Gräfin Ungnad. Hatte sich denn an diesem Tage die ganze Bekanntschaft, von der sich bis heute noch niemand zu ihr getraut, verabredet? Prustend und schnaufend und sich mit dem mächtigen Fächer Kühlung zuwehend, erwartete die Gräfin Ungnad sie auf demselben Sofa, auf dem vor einer halben Stunde die kleine dünne Tante fiaurc gesessen hatte. Jsa mutzte

sich Mühe geben, nicht zu lachen, so sehr fiel ihr der Kontrast zwischen dem Aeußeren der beiden Besucherinncn auf. Der Ton der ersten Begrüßungsworte der Gräfin wat nicht minder verschieden von dem der Stiftsdame. Ich hab' es Deiner Mama verszrochen. Dir den Kopf zu waschen! Ja. das hab' ich versprochen." sagte sie mit lauter Stimme. Ich bitte Dich, thue das," erwiderte Jsaura lächelnd, indem sie der Gräfin die Hand küßte. Es ist furchtbar heiß heute," fuhr die Gräfin in dem gleichen lauten Tone fort. Ich habe nur wegen dieser Affärc den Weg hierher gemacht, mein Mann hat mich nicht einmal begleiten können, mein Mann ist krank " O..." ' Ja. Fieber. Wenn auch nur um einen halben Grad. Aber immerhin. Seine Gesundheit, ist in der That angegriffen. Aber Dein Wohl liegt mir am Herzen. Kannst Du mir nicht ein Glas Wasser verschaffen? Ja? Mein Mann erlaubt mir zwar nicht, Wasser zu trinken, aber ich habe entsetzlichen Durst und verschmachte, wenn ich kein Wasser bekomme." -. Gewiß." Du weißt jedenfalls schon." begann die Gräfin, nachdem sie das Glas Wasser, das ihr Jsaura gebracht, in einem Zug hinuntergegossen hatte, daß sich der Eugen Eibenthal Deinetwegen geschlagen hat " Geschlagen? Kein Wort weiß ich." rief Jsaura entsetzt. Ja. geschlagen." Und ist er verwundet?" o U .a. Jsaura mußte sich an der Stuhllehne festhalten. Ihr schwindelte. (74-,,.,. ? Ja. schwer." Und es ist Gefahr für sein Leben?" Das weiß ich nicht. Man hat ihn nach Murstetten transvortirt. Er hat sich mit Franzi Laschek geschlagen." Wann denn?" Vorgestern in Feldes nach dem Annenball." . Und ich war die Veranlassung?" Ja, Tu. Ich bitte Dich, bringe mir noch ein Glas Wasser. Ich kann vor Durst nicht sprechen. Geh!" Jsaura wankte hinaus und brachte eine Karaffe. Ja. Tu." wiederholte die Gräfin, nachdem sie sich gestärkt hatte. Mein Mann war Augenzeuge, wie er den Franzi Laschek Deinetwegen zur Rede setzte. Augenzeuge und Ohrenzeuge." Meinetwegen zur Rede setzte?" Jawohl. Der Franzi. na. der ich will ihn nicht in Schutz nehmen; mein Mann sagt, daß er unsre (Sympathien durchaus verscherzt habe, nachdem er sich mit dieser Person verlobt hat. und mein Mann hat ganz recht, aber wenn Du nicht bei Nacht mit dem Schauspiele? durchgegangen wärst, so wär' es eben gar nicht so weit gekommen. Und darin ya: oer Franz: letoei nicht unrecht, wenn er meint, daß mit einem Schauspieler durchgehen und Lehrerin in einem Institut sein, für ein: Gräfin ein und dasselbe sei." Das hat er gesagt?" Ja. Und deshalb haben sie sich geschlagen. In der Reitbahn. Ganz früh am Morgen. Der Franzi hat sich auch noch mit einem sicheren Herrn von Deng geschlagen, der ach auf dem Balle war. und der sich mit hineingemischt hat. aber, wie man sagt, nur aus Eifersucht, weil er die gewisse Person hat heirathen wollen, ein reicher Sensenfabrikant aus Wien, ein Millionär, wie es heißt, aber da Hat'S nichts gegeven; denn er hat, wie mein Mann erzählt, dem Franzi dreimal hintereinander den Säbel aus der Hand geschlagen, und da mußten sie aushören." Aber Eibcnthal?" Nun. dem hat der Franzi mi! einem Hiebe, den, wie mein Mann sagt, die Sekundanten eigentlich nicht haben gelten lassen wollen, was weiß ich, wie sie's nennen.' den rechten Arm zerschlagen, daß er, wie mein Mann sagt, wohl zeitlebens steif bleiben wird " O Gott!" . ' - Siehst Du, waS Du angerichtet bast! Ich weiß, daß die Gräfin Laura dagewesen ist. Sie hat Dich in Schutz genommen, aber sie versteht das nicht. Ich sage Dir, Du wirst bei keinem vernünftigen Menschen auf Theilnahme rechnen können. Solche Romantik nehört in einen Roman, sagt mein Mann. Und meine Meinung ist das auch. Tu hast schlecht an Deiner Familie gehandelt." Aber Eugen Eibenthal!" rief Jsaura. in Thränen ausbrechend. Ist wirklich keine Gefahr für sein Leren? Wenn ich schuld bin an eines Menschen Tode, will ich nicht mehr leben!" - So gefährlich wird es nicht sein." fuhr die Gräfin in barschem Tone fort. Auch mein Mann hat sich seiner Zeit geschlagen, meinetwegen. Aber die Veranlassung war' nicht kompromittirend für mich. Du aber hast Dich und Deine Familie kompromittirt. Deine Sch:restern haben keine Mitgift. Das ist im Grunde genommen nicht so schrecklich.' Eure Familie ist tadellos. WaS soll aber jetzt auö Deinen Schwestern werden, wenn die älteste Schwester Lehrerin ist? sagt mein Mann. Man kann eine arme Komtesse hcirathen. aber als Zugabe eine Schwägerin, die Lehrerin ist, mit in den Kauf nehmen, das ist zu viel. Ich werde es dieser Frau von Rabenau eintränken. Mich hc.-t sie um meine Vrotek-

tion ersucht.' Sie will dem Sacre

Coeur Konkurrenz machen und hat die Taktlosigkeit. Dich gegen den Wmen Deiner Familie hier aufzunehmen." Ich bin großjährig!" Um so mehr solltest Du vernünftig sein! Auf jeden Fall muß die Sachs arrangirt werden Eibenthal hat sich für Dich geschlagen, er hat Dich, kompromittirt, das sagt auch mein Mann. Mein Mann wird mit ihm sprechen, er muß um Dich anhalten. Das ist sicher. Wenn Tu nicht nach Hause willst oder kannst, denn Dein Vater hat, wie mein Mann sagt, geschworen. Dich nicht wieder nach Welzeneck hineinzulassen, biete ich Dir bei mir ein Obdach an, das standesgemäß ist. Mein Mann ist damit einverstanden." Das wird nie' sein!" rief Jsaura aufspringend. Was wird nie sein? Steckt Dir der Franzi etwa im Kopf? Der ist für Dich verloren, und es ist vielleicht besser so. Eibenthals sind keine Familie, aber sehr anständige Leute, das sagt auch mein Mann. Willst Du jetzt etwa hoch hinaus? Ich denke, Du mußt froh sein, wenn Dich Eibenthal nimmt." Dein Mann wird weder mit Eibenthal sprechen noch werde ich Deine freundliche Einladung annehmen," sagte Jsaura mit fester Stimme. Das ist der blanke Undank!" Rimm's wie Du willst." Ich werde mit Frau von Pabenau sprechen!" Thu, was Du willst!" Mein Mann hat mir richtig prophezeit; ich hätte mir den Weg ersparen können!" Ja. das hättest Du!" Tu bist ganz so taktlos, wie, ich mir gedacht habe; mein Mann " Tein Mann und Du, Ihr beide habt ganz rechU" Weißt Du. daß Du eine " Genug!" Wenn man sich um eine Familie aus purer Menschenliebe sorgt, einem Mädchen zu ihrem Glücke verhelfen möchte, einem Mädchen, das eigentlich verdiente " Gräfin Ungnad, vergessen Sie sich nicht!" rief Jsa flammenden Gesichtes. Nun, es ist gut," sägte die Gräfin, erhob sich und rauschte hinaus, ohne Jsaura noch eines Blickes zu würdigen. Schluchzend sank Jsaura auf das Sofa nieder und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. 9. K a p Z t e l. ch hätte das doch nicht für mög lich gehalten." sagte Graf Ungnad tiefsinnig, nachdem seine Gemahlin ihren Bericht beendet hatte. Darauf schwieg, er, und die beiden gingen eine Weile stumm nebeneinander her. 'Es war in der Dämmerung am Spätnachmittage des selben Tages, in dessen Mittagsgluth die Gräfin sich in die Stadt gewagt hatte. Die beiden Galten schritten in etwas eigenthümlichen Kostümen über einen von eine: Taxushecke eingefaßten und von hohen Buchen überdies umsäumten großen Rasenplatz: nämlich barfuß und barHaupt; die Gräfin hochgeschürzt, der Graf mit aufgekrempelten Hosen. Auf diesem dem profanen Auge durch das Grün der Hecke und Bäume entzogenen Rasenplatze in dem weitläufigen Parke seiner Villa pflegte der Graf des Morgens seine Sonnenbäder zu nehmen, wie er dies während seines Aufenthaltes in der Kuranstalt von Doktor Lahmann auf dem Weißen Hirsch" bei Dresden gelernt hatte, Abends aber, wenn der Thau sich auf das Gras senkte, war der Platz wie geschaffen zur Vervollständigung der Kur nach Kneipps Vorschrift. An der einen Längsseite der Wiese stand ein nach Art der Wohnungen gewisser wilder Völkerftämme errichtetes Häuschen auf vier Pfosten, dessen eine einzige Stube im ersten Stockwerke keine Vorderwand besaß.- Hier hatte der Graf versucht, auch das Schlafen im Freien genau nach Vorschrift vorzunehmen. Da aber das Klima in dem rauheren Kärnten sich doch nicht recht für diesen Theil des berühmten Naturheilverfahrens zu eignen schien, indem es sich weder durch kameelhaarene Decken noch durch Aufstellung eines Beckens, mit glühenden Kohlen mildern ließ, -war das Haus durch Anbringung eines Drahtnetzes, dort, wo die vierte Wand fehlte, zu einer Voliere gemacht worden. als welche es sich denn auch vortrefflich bewährte, wenn auch bis jetzt nur in der Theorie, da der Graf aus Furcht vor Mardern und Iltissen sich nie entschließen konnte, die entsprechenden Vögel anzuschaffen. ' Die Gräfin pflegte ihren leidenden Gatten dadurch wirkungsvoll zu unterstützen, daß sie seine wechselnden Kuren bis zu einem Grade mit durchmachte, dafür mußte sich dieser bedingungslos ihren wechselnden Launen unterordnen. Von den Sonnenbädern hatte sie zwar trotz des eifrigen Zuredens ihres Gemahls Abstand genommen, das allabendliche Barfußlaufen aber auf dem feuchten Grase war ihr eine angenehme Abkühlung. Bei diesen abendlichen Wiesenwanderungen wurden zugleich die Tagesereignisse besprochen und Pläne geschmiedet. Wie die beiden, die sich wie Geschwister glichen, so dahinschritten mit ihren gerötheten Gesichtern und langen Nasen, waren sie zwei eben der Voliere entstiegenen Riesenputern nicht unähnlich.. ' (Fortsetzung folgt.)

Meik Dabersack's Zchreibcbrief.

.419. Seöhrter Mister Edithor! Wie mer an mei Rietörn heim sin komme, do hots noch emol ebbes Schönes gewwe. Baldrians hen ihr Haus deckorehtet gehabt, als wann se den deitsche Emperer eckspecktet hätte. Awwer ich muß sage, es Hot mich arig gut fühle mache; mer kann doch sehn, daß se ebbes von mich denke. Jnseit is das Haus noch viel schöner gewese. In alle Kornersch hen seFlauers gehabt un ich kann gar nit unnerstehir, wie der Christ zu die Eckspenses Hot gchn könne; wcll enniweh, es war schön. Die Kids hen uffgeleint do gestanne wie die Orgelpeife un hen all geschmeilt, als wann se sage wollte: Well, ich wunner, was mich der Onkel i"itgebracht Hot. Ich hen se awwer noch for e Weil zawwele losse. Die Sclma Hot ihre Droht gekliert un Hot gesagt: Meik, ich sin off Kohrs kein Spicker, wo zu ebbes emauntc duht, awwer ich kann doch soviel sage, daH mir uns all freue, daß du Widder da bist. Mir sin ja plentie in unsere Fämmillie, awwer seitdem du fort bist Hot doch die Mehn Person gefehlt. Mer hen alle Dag von dich getahkt; du weißt doch, daß du immer so laut gähne duhst; well, wann der Fischmann dorch die Stritt gefahre is un sein Mjuhl Hot J-A gemacht, dann hen ich auch immer an dich denke müsse; do kannst du sehn, wie arig mir dich gemißt hen; jetzt bist du awwer Widder do, un ich hoffe, daß mer jetzt auch Widder beisamme bleiwe". Ich hen Händs mit die Selma gcschehkt un hen danke schön un don: menschen it gesagt. Dann sin mer an den Dinnertehbel gange, ün ei tell juh do hen mer awwer t Miehl gehabt, do hätte e arme Fämmillie drei Woche dran lewe könne. Als e Ruhl duht ja die Selma arig gut koche, awwer selles Miel das war auteseit un Hot einiges geböte. Ich hen awwer auch eingehaue, als wann ich mich pripehre wollt, sechs Woche lang gar nicks mehr zu esse. Off Kohrs hen mer auch ,e paar Battelcher gute Wein gedrunke, un so bei'un bei sin mer in e Stimmung komme, daß mer die ganze Welt hätte umärmele könne. Mer hen unser Fiehling nit annerschter eckspresse könne, als indem daß mu noch emol Bruderschaft gedrunke hen. Ich hen bei die Gelegenheit jedes en Kiß gewwe. Der von die Selma Hot gar nit so schlappig geschmeckt, for den Christ sein do hen ich weniger gewwe. Wie mer dann am End von den Vergniege wäre, do hen ich gefühlt, als ob ich mich for ebaut drei Däg hinlege sollt for zu schlofe; awwer die Kids hen alle Feh-ses-gemacht, als wann se sage wollte: Bei Tschinko, der macht cwer verdollt lang, bis er mit seine FeiersehlPressents herausrückt. Beus", hen ich gesagt, daß Ihr so froh seid, daß ich Widder heim sin, das gleich ich, un weil Ihr so gute Buwe seid, hen ich euch auch ebbes mitgebracht; off Kohrs derft Ihr nit eckspeckte, daß ich e Milljohn an euch gespenv hen. bikahs der Tripp Hot en ganze Peil Geld gekost, aÄwer ich hen keins von Euch vergesse. Holt mich emol mei Sätschel herbei". Do hätte Se awwer sehn solle, wie se do all fortgesterzt sin. for das Sätschel zu hole, un in leß denn no teim wäre se mit den Sätschel do un hen do gestanne un die Auge un die Mailer uffgesperrt. Ich hen das Sätschel uffgelackt un hen Jedem sei Pressent c,?wwe. Ich muß sage, se sin all sättisfeit gewese, was ich gar nit eckspccktet hen, bikahs ich weiß wie hahlisch die Fellersch sin. Ich hen dann den Christ seine Dingses gewwe, .un der alte Schoofskopp Hot purtinier gegreint. No, no, Meik". Hot er gesagt, das duhn ich dich nit vergesse!" Jetzt schott abb", hen ich gesagt, un duh nit äckte wie e alte Mummen." Dann hen ich de Selma ihren Stoff gewwe, un Sie glauwe mich gar nit, wie die angewwe Hot. Meik", Hot se gesagt, ich weiß gar nit, was ich nor duhn soll, for das all Widder gut zu mache; so ebbes hen ich mich ja grad gewünscht, un das erzche Hot mich dran gehängt; no. was du awwer en gute Tehst Host; siehst du, Christ, von den Meik da kannst du ebbes lerne; der is nit so stinschie wie du un Hot auch en ganz annere Tehst wie du. Ja hen off Kohrs aus angeborene Bescheidenheit gesagt, se sollt nit so viel Foß immer die Kleinigkeite maehe, un in die erschte Lein sollt se mich jetzt emol en diesente Näpp nehme losse. Das hen se nit gegliche, awwer ich hen nicks drum gewwe un sin in mein Ruhm gange un hen geschlofe bis es Zeit war for Sopper. Off Kohrs hen mer Widder e feines Miehl gehabt, un wie mer puttinier mit dorch Ware, do Hot die Selma gesagt: Nau, Meik, du Host uns ja noch gar nicks verzählt

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von vie alt: Kontrle un ich delzt vocy gleiche, ebbes zu höre. Was Host du denn in die Lein von Nuhs mitgebracht?" Well", hen ich gesagt, in tschennerell hen ich ja e ganze Latt erlebt un gesehn, awtmr ich müßt nit, was ich in vertickeler verzähle sollt, was dich intereßte deht". Das duht awwer doch einiges biete", Hot die Selma gesagt, du weißt doch, an weichen Pörpes du nach die alte Kontrie gange bist. Du Host doch unsere Erbschaft settele wolle. Host du das Geld mitgebracht?" Mister Edithor, do hen ich awwer gefühlt wie dreißig Cents. Das hen ich ja ganz, vergesse gehabt! Ich hen gar nit gewißt, was ich hen sage solle. Ich hen e wenig nachgedenkt, un dann hen ich. gesagt: Ja. Selma. das geht nit so rasch, die deitsche Kohrts die mache in so Sache nit hurriopp, awwer es is alles, in gute'Schehp. un ich denke, du werscht bald ebbes höre". Sll freut mich", Hot die Selma gesagt; wieviel is denn der Emaunt?" Do hen ich schon Widder do gesosse un hen t dummes Gesicht gemacht. Selma", hen ich gesagt, iwwer den Punkt derf ich mcks sage, sell hen ich prammisse müsse, awwer ich sin schuhr du werscht surpreist sein". Do Hot se geschmeilt. bikahs se Hot schuhr gedenkt, se deht e schrecklich große Emaunt kriege. Ich muß mich jetzt nur emol e wenig pohste, wie ich das Ding täckele kann; es is e Schehm, wann'mer so vergeßlich is. Mit beste Riegahrds Juhrs trulie Meik Habersack, Eskweier un Scheriff von Appel Jäck, Holie Terrer Kauntie. ,

Länge und Areal des Nil. Die bisherigen Berechnungen der Länge und des Areals des Nil haben unter der UnVollkommenheit des Kartenmatcrials zu leiden gehabt und deshalb, immer erheblich von einander verschiedene und g'nz ungefähre Werthe ergeben. Inzwischen ist das Material an Karten, Messungen und gut fixirten Positionen im Nilgebiet besser geworden, wenigstens im englischen Gebiete, während für das deutsche solches zwar auch vorliegt, aber noch nicht durch Veröffentlichung allgemein zugänglich geworden ist. Hermann Wagner, der den Victoriasee, und nicht den Ursprung des Kagera, als dieNilquelle betrachtet, gab vor zwei Jahren dieLänge des Nil von der Mitte des Victoriasees bis zur Mündung auf 5400 Kilometer an. Das Areal des Nil ist auf 2,900,000 Quadratkilometer berechnet worden, von Bludau auf 2,803,000 Quadratkilometer mit Einschluß des zur Zeit derVerechnung noch unerforschten Gebietes im Osten des Bahr-el-Dschebel und im Süden des Sobat. Eine Neuberechnung der Länge und des Areals hat nun Kapitän H. G. Lyons vorgenommen und neuerdings mitgetheilt. Die Berechnung der Länge beruht auf modernen und offiziellen englischen Karten, darunter auch die Whitehousesche Karte des Viktoriasees, während das für die Berechnung der Kageralänge herangezogene nordwestlichste Blatt der deutschen Ostafrikakarte als veraltet bezeichnet werden muß. Nach Lyons mißt der Nil von den Riponfällen, d. h. seinem Austritt aus dem Viktoriasee, bis zur Rosettamündung 5589 Kilometer. Die Entfernung von den Riponfällen über den See hinweg , bis zur Kageraquelle gibt Lyons auf 502 Kilometer an eine Zahl, die wohl nicht als maßgebend betrachtet werden kann, weil, wie erwähnt, jene deutsche Karte längst veraltet ist. Für das Areal standen Lyons eine neue englische Karte für den Sudan und Uganda (mit dem Seengebiet) und seine ebenfalls ganz modcrne Karte für EgYPten zur Verfügung. Danach umfaßt das Nilbassrn 2.867.600 Quadratkilometer. Von Interesse sind einzelne Theilwerthe. So beträgt der Flächeninhalt des Viktoriasees und seines Entwasscrungsbereiches 238.900 Quadratkilomiter; der Bahr el-Ghasal 552.100 Quadratkilometer; der Bahr el-Dschebel mit dem Bahr es-Seraf umfaßt 190.700, der Bahr el-Ghasal 552.100Quadratkilometer; der Blaue Nil 331,500 und das westliche Thal", d. h. das Gebiet des Albert- und Albert-Edwardsces 51.100 Quadratkilometer. Für die Berechnung des Areals nördlich von Chartum ist die Breite des Nilthals mit 3 bis 4 Kilometer jenseits des unter Kultur stehenden Streifens angenommen worden. Erwähnt sei noch, daß für die Wasserzufuhr das ganze Nilbassin unterhalb Chartum und wohl auch das ganze Weiße Nil - Vassin ohne Belang sind, abgesehen von gelegentlichen lokalen Wolkenbrüchen. Ebenso hat sich gezeigt, daß auch der Bahr el-Ghasal keinen Einfluß in dieser Richtung ausübt. Ergo. Hausherr: Dem Kanzleirath muß es gut bei mir gefal len. denn er hat wieder nicht gekündigt, trotzdem ich ihm nichts machen losse und die Wohnung so feucht ist ... . also könnten wir ihn auch 'mal steigern!" Stoßseufzer. Dichter (während des großen Monologes seines Helden, nachdem das Publikum eilig die Premiere verlassen hat): Es ist richtig, daß ich hier die Worte schrieb: (Walter allein) aber so allein hab'

ich mir ihn doch nicht vorgestellt!"