Indiana Tribüne, Volume 29, Number 59, Indianapolis, Marion County, 1 November 1905 — Page 3
Jndlank Tibüne, I. November 1905
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Revolution
In Nußland ruft sehr licrschicdcnartigc Erscheinun-
gen herlior.
Das Manifest erregt in Deutschland Befriedigung. Witte sucht um die Hülfe!
der Presse nach Norwegen knüpft divlomatische Beziehungen an. Gcncralgouvcrncur Luke Wright zu Nkanila gefeiert.
NuKland. Freudeüber daS &i a ' n i f e st. St. Petersburg, 31. Oct. Die russische Hauptstadt prangte heute im Schmucke von Flaggen und Guirlanden. Alle Truppen waren von den Strsßen zurückgezogen und die Stadt bot saft den gewöhnlichen Anbltck dar. ' Die Behörden thaten AlleZ um das Gefühl der Freude unö Befriedigung zu erhöhen. Tausende von Streikern kehrten auf ihre Plätze zurück ohne die Erlaubniß des StreikkomiteS abzuwarten. Die Demonstrationen dauerten letzte Nacht fast bis zum Morgen. Ueber den NewSki-Prospekt zogen 5000 Menschen mit rothen Flaggen, die Marseillaise fingend. An der Kusan-KatKedrale schwenkte der Umzug nach der Universität ab. Dort hielten Studenten aufreizende Reden an die Massen und forderten sie auf den Kampf nicht aufzugeben bis jedes Menschenrecht erlangt sei. Die Arbeiter wurden aufgefordert nach den Gefängnissen zu ziehen und ihre Käme den zu befreien. Die Truppen rnüfe tm aus Petersburg heraus und Trepoff dürfe in Rußland nicht bleiben. Die Sozialdemokraten ermähnen ihre Anbänger sich von der Regierung nicht hinters Licht führen zu lassen, fondern den Kampf fortzusetzen. Graf Witte ist mit Glückwünschen überhäuft worden, aber auf alle ant wortet er : Wartet, haltet Eure Glückwünsche zurück, bis ich Erfolg gehabt habe." Warschau. 31. Okt. DaS kaiserliche Manifest, welches Rußland eine Konstitution gewährt, erregte hier großen Jubel an dem auch die Ossi ziere Theil nahmen. Die Militärpatrouillen sind zurück, gezogen worden. Kiew. 31. Oct. DaS Manifest. welches Rußland eine Konstitution giebt, erregte hier riesige Begeisterung. Zahlreiche Umzüge wurden veranstaltet. An verschiedenen Plätzen kniete die Menschenmenge nieder und sang D? profundiS" zum Gedächtniß Derer, die in den letzten Kampfe für die Freiheit gefallen find. Moskau, 31. Oct. Allgemeinen Jubel erregte hier daS Manifest des Zaren. Die Streiker nahmen die Ar beit wieder auf. Zehntausend Men schen hielten einen Umzug und sangen patriotische Lieder. Odessa. 31. Oct. Etwa 20.000 Menschen versammelten flch vor dem Palaste des Generalgouverneurs ttaul bar 5, welcher daS Volk zu dem glück lichen Tage gratulirte, an dem das Manisest deS Zaren eine Konstitution gab. Zum Schlüsse rief er : Hurrah für die Konstitution!" Ein Komite der Versammlung er suchte den Generalgouverneur die poli tischen Gefangenen freizugeben und die Kossacken aus der Stadt zu entfernen. Er versprach, dies werde sofort ge schehen. HilfederPresse gesucht. St. Petersburg, 31. Oct. Graf Witte berief. heute die Redacteure aller Zeitungen der Stadt zu einer Konferenz und ersuchte fie um ihre Mit Hilfe zur Wiederherstellung normaler Zustände und zur Erlangung des VolkZvertrauenS für die neue Regie rung. deren Abficht eS sei daS höchste Maß von Freiheit dem Volle zu geben, wie in dem Manifeste vorgeschrieben sei. Nicht bestätigt. Ct. Petersburg. 31. Oktober. Offiziell ist hier von einer Meuterei au der Schwarzen MeerFlotte oder von Ermordung der Vize.Aömirale Birileff und Chouknin Nichts bekannt. Tr'epoff's'Proklamation St. Petersburg, 1. Nov. Gen. Trepoff ließ nach einer Berathung mit allen yiefigen Generälen eine Pro klamation anschlagen, in welcher er sagt, daß es am 31. Octoder wieder zu Ruhestörungen gekommen sei. Er er , sucht .die Bevölkerung die Ordnung
aufrecht zu erhalten. Störungen der
selben würden mit größter Strenge unterdrückt werden. A narchie in Polen. S t. P e t e r S b u r g , 31. Oct. In Warschau und Lodz, und in der ganzen Provinz Polen überhaupt, herrscht ein Zustand vollständiger An archie. Zehntausend Bauern, welche die Re gierung bereits gestürzt glauben, stehen sozusagen vor den Thoren von War schau, und wenn fie in die Stadt ein dringen, ist furchtbares Blutvergießen zu erwarten. "In Lodz fleht zeder Verkehr vouflanbig still und außer den Revolutionären wagt fich Niemand mehr auf die Straße. Wie das Manifest auf diese Leute gewirkt hat, weiß man noch nicht. Krawalle. Lodz, 31. Okt. Die Lage ist üu. ßerst ernst, der Generalstreik besteht ort. Zwischen Menschenmassen und Truppen kam eS heute Abend um 7 Uhr auf der PiotrkowStt Straße zu mehrfachen Zusammenstößen. Zwei Persozen wurden getödtet und 3 verletzt, tzine Stunde später wur den 2 Personen getödtet und 8 verletzt. Zu derselben Zeit wurden in der Vor stadt Baluty 3 Personen getödtet and 8 verwundet. Der Mmtärgouverneur hat an die Truppen den Befehl erlassen, alle , Unordnungen rücksichtslos zu unter drücken. iO d e a. 31. Okt. 5eute Abend herrscht in der Stadt eine Art Panik. 1 I ; " w I strolche durchziehen mancheViertel und ucken eine (ütUamMt mm Nlttnd,rn. Zu einem Kampfe kam eS, als die - w wrw-r n v v nnv I u r I Strolche die jüdifchen.Läden in der Dalutzkai Straße angrissen. Die Kos. acken gebrauchten Knute und die fla chen Klingen gegen den Pöbel, die La denbefttzer aber feuerten mit Gewehren und Revolvern auf die Menge. ES sol. en mehrere Personen getödtet oder ver. wundet worden sein. Die Lage wird als kritisch betrachtet. P a b i a n i c e , Polen, 31. Oct. Infanterie feuerte heute auf eine Ar. oetierparaoe. viajt Perzonen wurden . k. . r a W m I ffft 9.1 tirtTMinS I Z l 01 Ol-i I -"'""- w v i u i u, oi. i. Zu Pultawa griffen Kossacken und In,aniic einen fniiqro umzug n: viele Personen wurden verletzt. Ein avmlcyer Borsau wtrd von Kischmew - , ueiiiyicu Un juf rf hnfint In wrl ' " u " I w M a n d s ck u r e i. Nagasaki, Japan, 31. Oct. der Korrespondent der Ass. Presse die Front in der Mandschurei verließ, vxzw eine strenge mujlarliqe öm,ur, . ni . n ...i f i . r...r I : nmuaiiu, war oer vne me oorr yerr,qenoen Jauanoe zu er klären. In der Armee wurden die höchsten Persönlichkeiten, einschließlich des Zaren scharf kritifirt. Die Zeitun gen untersuchten die Gründe deS-ttrie geS und waren in ihren Kritiken sehr scharf. Alle Regierungshandlungen wurden kritistrt. Die große Anzahl Russen, welche fich im Osten angefiedelt haben, gehören zu dem fortschrittlichen Element und waren einer R-volution geneigt. L andbolk in Aufruhr. St. Petersburg. 31. Oct. Die Bauernaufstände breiten fiÄ ia wmenartig aus. Unter der Landbevölkerung der mitt leren Provinzen find Taulende von sozialistischen Agitatoren mit erstaun lichem Erfolge thätig. Di unwienden Muschils find von! einem förmlichen FrelheitStaumel griffen und zerstören in blinder Wuth die Landsitze der Aristokratie. In der Umgebung von Kiew allein wurden in den letzten drei Tagen zwanzig große Edelhöfe niedergebrannt. Streik. SelsingforS. Finland. 31. Oct. Ehe die Nachricht von dem Mani fest hier eintraf, hatten die Arbeiter
f v MKWÄBK ) A MWWAMx t 5v - ' Qr . v, w lM 'WM w ti ft V V rt U Xn ....5?MS5?.5 AJ k'- ,1V ff ; , c s MZd jä&mm ; I V .. &m ssfäfTsmi ? stö-4H&r I &r - f- .;. h&ä J l A K -77 I I y- ;' '4f mßimi l ' I iS.' V 1 1 fcä?l I A) ;"i vVk 1 fefe ) 1 J. 'v a U V r fr it 'i Ltl X " i . IjCa V -JS, k VTf Hff in J H''ff&&fät- iA aIYta V ' m 7 ÄJl A ni- t : M töw ' i A vz-Kr'V M) V 7" Va '"' s 4 X"Vimr;V' I - "V. - I r 'vi' . J&j TREPOFF ) VW" 1 (POBgPO NQ5TZEFF WITTE )
Seraius Witte hat beim aren das
General'Gouverneur von St. BeterSbura. ailt als rücksichtsloser Vertheidiger
w Prokurator der bl. Svnode. ist bei i ' ' i ' - getreten. einen Generalstreik beschlossen. Der. selbe trat letzte Nacht in Kraft. Der ganze Bahndienft östlich von Helfing. forZ ist eingestellt und ein allgemeiner JndustrieStreik begann heute Morgen. Heute wurde angekündigt, daß in Finnland wieder eine konstitutionelle Regierung eingeführt werden soll. Fürst ObolenSky, der Gouverneur, er klärte einem Komite, daß er beauftragt sei, sofort den Landtag zu einer Extra' Sitzung zu berufen, um nothwendige Gesetze zu erlassen. Italien. Manifest des Zaren begrüßt. R o m, 31. Oct. Die Befriedigung über das Mannest des Zaren und Witte'S Stellung zur Frage ist allge mein. Man hofft, daß der Friede nun wieder einaekebrt ist und dak Rußland wieder in günstige Verhaltnisse gelangt " n mai wnm 15 m l m . mfm s. - cr.n. rr . r t crn . m mi D0n Dct val,aaze unteniflt wurde, rief er auS: Möge dieS ein v i 41 r . t ri cn. t mu unu ölua" lr UB nd veoemett. . Türkei. Hinrichtung verschoben. Konftantinopel, 31. October. Auf Drängen des amerikanischen Kon sulS Leishman hat die türkische Regie. ,ung die Hinrichtung deS naturaliftr ten amerikanischen Bürgers Nartanian verschoben. Vartanian M weaen Er mordung eines anderen Armeniers ver urtheilt. Nanama n .. . f t . r t : r r i . O U i li l 1 l I V , (I n I ö tt. 31. Or maht Ra tn Zusammenstoß zischmzw.i Materialzügen, bei dem der aondmtor Dunlad und w an. m,M,n,i, ,tum tnirrh-n I "wvj" v Deutschland. l cn x . i t m. f i i M a " 8 K m a K n 8 1 1 1 n 1 u a e r li n , 31. October. Die momu bibritt imm.r n0& b.m drucke der lekten Kundaedunn d.S ßöir. in Dresden und bier in Berlin n Verbindung mit der Enthüllung deS Denkmals des großen Schlachtenlen. Karte von
pP??WIH smsäJ2 ffaJkßT.pn'RSBURa tf $E JSgSgg A T.fJ M2CATI0U ö Ajj " Sffvoo si&PrxLMOsr.&&Sr?& :-c&CHrSD. MOBS WijiÄ' ttazjrmteoEfcB. M-ür-Vc &t&t&w-tt s-'i-r-'r ;: -' t&v'v, jA tm.Att A':?'W7tIGA . Q'.-'W. . wuw-SSvV Port 5?'Fft7XT'pRFAV7ht&i ' "" Ä F'7?'''' ---"----7 cv5 y ksizM'-SÄeM '.Zr-AZJr?-v'' - ' S- f . i". -L -Vi-i -SSijrjfzUk-S-Si SKS(fiÄ5feri' " . " .- Jaf!?-f.-ZeJ--' i .- ' " - j v - - ' - v . . . . , : - - - - . -rtN" - dLL JisJvTSiflt 49"m rm Xjfj WM M. r i i , -J L it w i Kp-ö'., iß Sf A '"1" .7rV"-s -vr V f 1 . ' ..VT.'V, ' 'V'rIV? -:'??v.'.
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Sergius Witte und seine Gegner.
Manifest durSaesekt. das dem russischen ieder Keleaenbeit aeatn alle Neuerungen u ' n ö o kerS Moltke. Doch die fieberhafte Er. regung der ersten Tage ist nunmehr einer stillen Entschlossenheit gewichen; einer Entschlossenheit, welche auS dem Bewußtsein deS Rechts und dem Ge fühle der Kraft entspringt. WaS im mer der morgige Tag bringen mag, daS deutsche Volk ist heute auf jeden Sturm gefaßt und vorbereitet. Diese Stimmung spiegelt fich in den Besprechungen der Blätter. Sie find ruhig und würdig gehalten, sie' billigen aber mit seltener Uebereinstimmung den Ton und den Inhalt der Kaiserreden. Berliner Tageblatt" und Hambur ger Nachrichten" schreiben dem Sinne nach übereinstimmend: Aus den Kaiserworten geht deutlich hervor, wie ernst die Situation gewe sen ist und für uns noch ist, und daß fie von uns volle Wachsamkeit und Schlagfertigkeit für alle Fälle er heischt." Die Tägliche Rundschau" weift auf den Ernst der Lage hin und betont, daß das Volk der Zukunft mit Zuversicht entgegensehen könne. Das Blatt schreibt: Der Ernst der Lage ist nun mehr auch von der höchsten Stelle zugegeben worden. Zugleich ist ab'er auch frisch und fest mit dem Hinblicke auf das Volk in Waffen das Bewußtsein der ruhigen Krast betont, mit welchem das Vaterland den kommenden Stür m'en entgegensieht. Es ist ein Wende Punkt in der deutschen Politik eingetreten." Japan einverstanden. Berlin, 31. Okt.' DaS japani. sche auswärtige Amt hat den Vorschlag Kaiser Wilhelm'S angenommen, daß die auswärtigen Mächte ihre Truppen zu Peking bis auf die Gesandtschafts. wachen zurückziehen. Steigen russischer Pa Piere. Berlin, 31. Okt. In Folge der Gewährung einer Konstitution, für das russische Reich stiegen an der Börse russische Papiere ganz bedeutend. Urtheile über daS russisch M a n.i fest. Berlin, 31. Oct. Kaiser Wil. lhelm schrieb letzten Winter an Kaiser dem großen LisenbahnStreik in
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Volke eine Konstitution gibt. Trepoff,
des Absolutismus und PobiedonoSzeff, im volitiscken und reliaiösen Leben auf- ' ' , u Nikolaus, er solle Rußland eine Kon ftitution gewähren, welche daS HabeaS EorpuZ.Recht einschließe. In späteren Briefen legte er ihm vor, es werde leich t er sem Rußland zu repanren, wenn er die Verantwortlichkeit gemeinsam mit erwählten Volksvertretern trage. DaS Manifest deS Zaren wurde da her auch hier mit großer Befriedigung aufgenommen. Diese wird von kon servativen und gemäßigt liberalen Blättern ausgesprochen, radikale da gegen find der Anficht, daß daS Man! fest eine Bankerotterklärung der Auto kratie war. Hochschulstreit akuter. Berlin. 31. Octbr. Der beim Beginn deS Wintersemesters von Neuem auSgebrochene Konflikt in der Tech nischen Hochschule zu Charlottenburg verschärft fich. Der Rektor hat dem geplanten Studenten Verband seine Genehmigung nicht ertheilt, die Er laubniß zu einer Studentenversamm lung verweigert, den neuzebildeten Ausschuß aufgelöst und dessen Bekannt machungen von dem Anschlagbrett der Hochschule entfernen lassen. Diesen Maßnahmen deS Rektors gegenüber wird die Studentenschaft auf einer demnächst abzuhaltenden öffentlichen Studentenversammlung Stellung neh men. Norwegen. Diplomatische Beziehun gen. C h r i st i a n i a . 31. Oct. Die Ver. Staaten, Rußland. Großbritan nien, Italien, die Schweiz und Bra filien haben fich bereit erklärt, in ofsi zielle Beziehungen zu Norwegen zu tre ten, nachdem der Minister des Auswär tigen Loveland einen diesbezüglichen Wunsch ausgesprochen hatte. Verhandlungen wegen der tt r o n e. C h r i st i a n i a, 31. Oct. Der Storthing nahm mit 87 gegen 29 Stimmen den Antrag der Regierung an. ihr Vollmacht zu ertheilen, rni Prinz Karl von Dänemark weaen An nähme der norwegischen Krone zu ver handeln, unter der Voraussetzung, daß die Wünsche des Volkes in dieser Sache schließlich durch ein Referendum zum Ausdruck gebracht würden. Rußland.
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;j I. I W V yi v, Tl!Z Alfagras im nördlichen Afrika nnd seine Verwerthung. Die Heimall) dc (Zraspapierj-Serschiedene lZrcscrten Tie Lrnte Lcsörderung deS LZohstoffc erstcUuNg vsn Papier aus Z!!Z-c?eS. TaZ nördliche Afrika, das seit Langcm und gerade in der (eJenwart so viel zu politischen und anderen Erörterungen Anlaß gilt, hat in den letzten Jahrzenien einen? ganz wesentlichen Mflchwunz m ladmrthschJftlichcr Hmstcht ginoniMLN. Narnentlich ist. nicht Zu verkennen, daß die Franzosen m Algier und Tun:s nach dieser Nichtung hin Bedeutendes geleistet haben. So haben sie in diesen beiden Cebieten auch eine Pflanze zur Ausnutzung gebracht, an deren Verwerthung nrnn früber weder in Nordafrika. noch im südlichen Spanien, wo sie gleichfalls in großen Mengen wachst, gedacht zu haben scheint. Diese Pflanze ist das Alfagras, das eine Höhe von etwa zwei Fuß erreicht und sich mit Vorliebe sonst ärmliche und zu jeder Kultur ungeeignete Bodenflächen aussucht. Demgemäß wächst es besonders auf Hochflächen und auf dem sogenannten Tell. Die Blätter des Grases sind sehr schmal, zuriictgebogen und auf der Innenseite mit Haaren besetzt. Die Fäden der Blätter und des Stengels sind aus holzigen Geweben zusammengesetzt, die eine Ausnutzung ermöglichen. Es gibt zwei Arten von Alfagras, das etwas kürzere Spartum oder Mabula und das durch seine Zähigkeit ausgezeichnete Stipa. Beide sind gebrauchsfähig. , Das Gras kann fast überall in Algier und Tunis frei geerntet werden, nur wenige Gebiete sind als Konzessionen vergeben. Wo keine Vorrechte zu beachten sind, wird das Gras von den Arabern geerntet, die es einige Tage ' an Ort und Stelle trocknen lassen, wobei es etwa ein Drittel seines Gewichts verliert. Dann wird es auf dem Rücken von Kameelen an Plätze gebracht, wo es sortirt und gepreßt wird. Und endlich kommt es dann in Ballen von etwa c-60 Pfund zur Verschiffung in die Häfen. Algier und Tunis führen nämlich nur den Rohstoff aus, während die Verarbcitung des Grases zu Papier ausschließlich in England geschieht. Man scheint jetzt aber in Frankreich auf diesen Zustand mehr als bisher aufmerksam geworden zu sein und sich zu vergegenwärtigen, daß man die 130.000 Tonnen Papiermasse, die jetzt noch jährlich aus dem Auslande bezogen werden, billiger aus den eigenen afrikanischen Kolonien herbeischaffen könnte. Frankreich führt Papiermasse namentlich aus Norwegen ein und verkauft dafür an England 230,000 Tonnen Alfagras, das durch eine chemische Behandlung ein ganz vortreffliches PaPier liefert. Dies Graspapier ist von einer cremeweißen Farbe und eignet sich wegen seines sammtartigen Aussehens hauptsächlich für Luxusverwendungen. .zumal es auch den Druck besser aufnimmt als aus Lumpen bereitetes PaPier. Nunmehr hat in Anbetracht dieser vorzüglichen Eigenschaften des AlfaPapiers ein französischer Ingenieur den Vorschlag gemacht, in Algier selbst Fabriken zu seiner Herstellung anzulegen' und die von den englischen Fabriken angewandte Sodabehandlung durch ein weit weniger kostspieliges Mittel zu ersetzen, das in einer Art des Nöstens besteht, wie es beim Hanf und beim Flachs vorgenommen wird. Dazu wird das Gras in Behälter gethan und einer besonderen Währung unterworfen, dann mit schwachem Natron und endlich mit Wasser gewaschen. Dadurch lösen sich die gummiartigen Bestandtheile, der Bindestoff der Pflanzenhäute und die Farbstoffe auf, und man erhält zum Schluß eine Masse, die zu 83 vom Hundert aus reiner Zellulose besteht, und durch die gewöhnlichen Verfahren der Papierbereitung verarbeitet werden kann. Mit der Einführung dieser Erfindung würde Algier ohne Zweifel wieder im Beginn einer neuen wichtigen Industrie stehen. Schafe mit goldenen Zahnen. Das Gerücht, daß in Australien Schafe mit goldenen Zähnen gesehen worden seien, veranlaßte Professor Liversidge in Sydney, Australien, zu Nachforschungen, deren Ergebnisse er letzthin bekannt gab. Der Gelehrte verschaffte sich den Unterkiefer eines Schafes, dessen Zähne mehr oder weniger vollständig mit einer gelben metallischen' Masse überzogen waren. Der Stoff glich freilich mehr dem Messing oder Eisenkies als eigentlichem Gold. Der Ueberzug erwies sich als sehr dünn und wenige? als einen Millimeter dick. Unter .einem Vergrößerungsglas konnte man erkennen, da er aus dünnen durchscheinenden Lagen bestand, und diesem Umstand ist auch allein der metallische Glanz zuzuschreiben. Im Uebrigen stellte sich heraus,' daß das vermeintliche Gold nur ein? Art von, Zahnstein Mi, der hauptsächlich aus organischem Stoff und phosphorsaurem Kalk bestand und in dünnen Sauren bis auf einen weißen Rückstand löslich war. Die Japaner dringen jetzt. auf ein Gesetz, das allen jungen Leuten unter ,20 Jahren den Gebrauch des Tabaks in jeder Form strengstens derbieten soll.
