Indiana Tribüne, Volume 29, Number 58, Indianapolis, Marion County, 31 October 1905 — Page 1
oo ßisKesssÄaissga 8 Taze- und g 8 Sountagsbfatt X 8 lOe PcrWoche. f N O 1 rrVB VKl 0-VO vlaae nnd A- ' A I rountaasblat: tf H lOe per Woche, jg V 7 & o-v i L'sOW SLTTSSMiSTSS SSS ES5LKL? Sf Erscheint jeden Nachmittag. Jahrgang 29. Indianapolis, Jnb., Dienstag, 31. Oktober 1905 No. 58.
' rM 1 r-r
GK' - O 7i fr 'fPT
h
1 U
u
ilyo
l.P; V J
kH
y
i y ' z '
s sr
Den GroKgeschvoreueu überBiesen. Die acht als Ladendiebe verhafteten Leute wurden heute im Polizeigericht verhört. Emma Marsh, Margaret Cassiday und Joseph Conley wurden den GrJßgeschworenen überwiesen. Diese Drei waren fftt im Maryland Hotel anfgefunden. Die Bürgschaft derselben wurde auf $2000 Bürgschaft festgesetzt. Angestellte der großen Geschäfte an der Washington Str. traten als Zeugen gegen die Leute auf.
Rief Polizei herbei und wurde verhaftet. 52m. Sedenburg, 220 Nord Liberty Str., der gestern die Polizei herbeirief, um Arthur Gentile verhaften zu lassen, wurde später verhaftet. Wie verlautet, hatte GentilS mit seiner Frau am Tage vorher ein Ar gument, welches solche Dimensionen angenommen haben soll, daß die Poli zei benachrichtigt wurde. Dieselbe er' schien aber nicht. Am nächsten Tage soll sich dann zwischen den beiden Eheleuten ein erneuter Wortwechsel ent spönnen haben, der damit endete, daß Sedenburg die Polizei herbeirief. Gen tile wurde der Ruhestörung und der Profanität beschuldigt und verhaftet. GentileS Frau erhob dann gegen Se denburg dieselbe Beschuldigung und er wurde dann gleichfalls mitgenommen. Beide wohnen 220 Nord Liberty Straße. Aus deutschen BereinS-Kreisen. Der Plattdeutsche lln terstützungS Verein hielt gestern Abend in Keller'S Halle feine regelmäßige monatliche Versammlung ab, die sehr gut besucht war. - Der Bericht der Delegaten für die deutschen Vereine wurde entgegengenommen. Da im Dezember der letzte Montag im Monat WeihnachtStag ist, wurde beschlossen, die Versammlung am 36. Dezember abzuhalten. Im Januar k. I. wird der Verein sein 9. SÜftungSfeft feiern und wurden als Fest'Komite die Herren Friedr. Schmidt, ChaZ. Weiland, Charles Brandt, ChaS. Wiese und ChaS. Kahl ernannt. Nach Erledigung der vorliegenden Routinegeschäfte trat sodann Vertagung ein, doch blieben die Plattdeutschen Landsleute noch längere Zeit in gemüthlicher Unterhaltung beisammen. - Personal-Notizen. Frau Pastor Richard D. Bie der mann feierte gestern in ihrer Wohnung 713 Süd New Jersey Str. ihren Geburtstag. Die Mitglieder des Fraum'VereinS der deutsch'lutherischen St. Paulus Kirche bereiteten dem Ge burtstagstinde eine Ueberraschung, in dem sie derselben zahlreiche, sehr hüb sche Geschenke überreichten. Gegen 100 Gratulanten hatten sich eingefunden, die sich in schönster Weise durch Spiele etc. amüfirten und von der Gefeierten in liebenswürdigster Weife bewirthet wurden. Der Wirth Albert L. Fedder von 1149 Hazel Straße fiel gestern die Treppe im Courthaufe hernieder, sich eine tiefe Kopfwunde zuziehend, die ihn längere Zeit besinnungslos machte. Der Hülfs Coroner Dr. Frank I. Robertson nahm sich seiner an und konnte Fedder schließlich ohne Hülfe sich auf dem Heimweg begeben. Edw. Kealing von Oft 10. Straße und Emerson Avenue meldete gestern Abend der Polizei, daß . zwei Burschen ihn beim Heimkommen auf der Vernda feines Hauses angifallen hätten, von ihm aber durch die Droh ung, daß er schießen werde, in die Flucht gejagt worden seien. Kealing hatte gar kein Schießeisen bei sich. Die abgesandten Polizisten fanden keine Spur der frechen Burschen. Raucht die BONANZA.
Köruer-Loge No. 1, J.O.K. osP.
Ergreifende Trauerceremonien wur den gestern Abend in der Sitzung der Körner'Loge abgehalten. Der Tod zweier Mitglieder. William Kottemann und Geo. A. R. Höfler, wurde officiell gemeldet. Beide erlagen seit der letz ten Sitzung den Verletzungen, welche sie sich bei Unfällen zuzogen. Die Körner.Loge beschloß, sich an den Leichenbegängnissen zu beteiligen. Trauerbeschlüsse wurden gefaßt, welche den Hinterbliebenen zugestellt werden sollen. Den Verstorbenen wurde durch Erheben von den Sitzen die Achtung der Loge, deren langjährige Mitglieder sie gewesen, bezeugt. Wm. Kotteman wird heute Nachmittag beerdigt, während Geo. Höfler am Donnerstag Nachmittag um 2 Uhr zu Grabe getragen wird. Ueberfahren. Das Pferd des von Ray Duncan be. dienten Grocerv-WagenS des E. H. Harmoning scheute vor denWaggonS an Belmont Ave. und' den P. & E. Schienen und ging durch, dabei im 45'jührigen Martin Farrell von Elder Str. nieder rennend, daß derselbe mit telft der Ambulanz nach dem städtischen Hospital gebracht werden mußte. Dun can wurde verhaftet, doch erklärte der Verunglückte dem Ho-pitalarzt, daß Duncan kein Tadel treffe, da er Farrell gerade die Schienen ge kreuzt und dem durchgehenden Pferde nicht schnell genug 'aus dem Wege Hütte gehen können. Vom AuLlanve. A m königlichen Theater in Kopenhagen debütirte dieser Tage ein Tenor, der noch vor kurzer als Grobschmied in den dänischen Eiseubahnwerkstätten gearbeitet hat. Sein Name ist Hans Pedersen. Er ist der Sohn eines armen Fischers in dem kleinen Hafen Randers, ber in seinem Heimathort das Schmiedehandwerk gelernt hat und dann in die StaatsWerkstätten in Kopenhagen kam. Dort hörte ihn ein früheres Mitglied der Hosoper, Nyrop, im Vorübergehen singen, und er fand, daß der junge Mann ein prächtiges Stimmmaterial habe, das der Ausbildung wohl werth wäre. Nyrop gab ihm zuerst selbst Unterricht und brachte ihn dann zu dem Gesangslehrer Rcsenfcld, der feine musikalische Ausbildung vollendete. Der jedem Besucher Jen a.s bekannte Fuchsthurm, eines der sieben Wunder" der Universität, ist infolge eines Blitzschlages ausgebrannt. Die hölzerne Thurmhalle und die Wendeltreppe sind vernichtet, das alte Gemäuer selbst aber steht noch in trotziger Festigkeit. Der Strahl ist anscheinend an einer alten Blitzableitung im Innern des Thurmes niedergefahren, hat unten gezündet, und der Thurm ist dann von unten nach oben völlig ausgebrannt. Leider sind auch einige der ältesten Urkunden der Fuchsthurmgesellschaft in der Thurmkuppe vernichtet. Das Feuer brannte stichflammenartig zu Luken und Fenstern hinaus, so daß der Brand von Ziegenhain aus den Eindruck eines großen Feuerwerks machte. Während des Brandes stürzten Theile der Wände mit lautem Krachen herab. Schieferstücke u. s. w. wurden fast bis nach Ziegenhain geschleudert. Der rauchgeschwärzte Thurm gewährt einen ruinenhaften Eindruck. Von einem merkwürdigen Sonderlinge wird aus Zwettl in Oesterreich beichtet. Es ist dies der in Nondorf ansässig gewesene Lumpenhändler Erich Koudretzi. der in einem halbverfallenen Häuschen wohnte. Da man ihn einige Tage hindurch nicht gesehen hatte, brach man die Thür auf und fand seine Leiche, umgeben von einer Schaar von zwölf Katzen, die seine Lieblinge waren. Die Thiere waren wild und wüthend und mußten sorgsam eingefangen werden. Es wurde konstatirt. daß der alte Lumpenhändler eines natürlichen Todes gestorben ist und vorher seinen letzten Willen zu Papier gebracht hatte. Er setzte nämlich die zwölf Katzen zu seinen Universalerben ein, mit der Bestimmung, daß sie von seinem 4000 Kronen betragenden Nachlasse lebenslänglich verpflegt werden sollen. In der That fand man in seiner Lade den Betrag von 4000 Kronen, der nun den Katzen zufallen soll; doch gedenken seine Verwandten das Testament anzufechten.
Aus den Gerichten.
Neue Klagen. Die International Harvester Co. klagt gegen Edw. Hall und W. S. Hall wegen angeblicher Nichtzahlung von $101 für eine geliehene Maschine. JameS H. Cordray klagt gegen Ru fus Rich auf. 810,000 Schadenersatz, weil derselbe ihn angeblich schoß, als er in seiner Eigenschaft als Konstabler im Haufe des Beklagten eine Verhaftung vornehmen wollte. Bundesgericht. Peter Van der Haegen, ein Grocer von South Bend' reichte Lestern frei willige Bankerolterklärung ein, seine Verbindlichkeiten auf $1226.59, seine Aktiva aus $568.76 angebend. Nachlaßgericht. ES wurden zur Bestätigung einge reicht: daS Testament .deS verstorbenen Pharaby L. Hastttt; Administrator Anna Holden, die $3000 Bürgschaft stellte; das Testament der verstorbenen Mary Klein; Administrator John R. 'Welch, der . $1800 Bürgschaft leistete. Kreisgericht. Vor Kreisrichter Henry Clay Allen begannen die Verhandlungen in der Klage von Scott VridgeS gegen Chr! stian Elerkamp. Der Klüger dehaup tet, daß ein Thomas Hupp in des Be klagten Wirthschaft an einem Sonntage sich betrunken und ihn, den Klüger, angegriffen und schwer verletzt habe. Klüger hält den Beklagten verantwort lich, da derselbe am Sonntag geistige Getränke verkaust, infolgedessen der Thomas Hupp betrunken und streit süchtig geworden sei. Superiorgericht. Vor Richter McMaster begannen ge stern die Verhandlungen in der Scha denersatzklage von William Lee gegen die Indianapolis Traction & Terminal Co. -m Rene Inkorporationen. Folgende Gesellschaften reichten beim Staatssekretär ihre JncorporationS Papiere ein: Fairmount GrainCo.", Fairmount, Grant County, Capital $5000; Direc toren: Jesse I. Tyler, Elijah Elliott und Charles T. Parker. Star Reduction Works", Sullivan, Capital $10,000; Directoren: August B. Kellersohn, Christian Hoffman und Peter I. Kellersohn. The Pocket Long Distance Telephon Co.", Evanöville, Capital $10.000; Directoren: Robert N. Parrett. Philip Dilly, George J. NicholS, Henry Landgrebe. Allen I. Payton, John W. Ewing und Allen Gra'.). Capital City Electric Co.", In dianapoliS, Capital $5000; Directoren: William PhippS, Lillie B. PhippS und Albert F. Cgger. Automobile Vendwg Co.", Frank fort, Capital $10,000; Directoren: Thomas E. Brumbaugh, Owen E. Brumbaugh u. Mary E. Brumbaugh. Jndiana Loan and Title Co.", Portland, $15,000. Negerjuuge ein Schvindler. Der 17.jahrige Negerjunge Paul Simmons von Madifon, der von HülfS'BundeSmarfchall Rankin wegen Uebertretung der Poftgefetze verhaftet worden war, wurde unter $250 Bürg fchaft dem Versahren der Bundes Großgeschworenen Überwiesen. SimmonZ, ein für sein Alter und seine Rasse sehr intelligenter Bursche, annonclrte inZeitschriften, die durch die Post versandt wurden, sein Hunde geschüft, welches gar nicht existirte. Er ließ sich dann Betrüge für seinen Ka talog, obgleich er einen solchen gar nicht befaß, respective für- Hunde schicken, lieferte aber weder das Eine noch das Andere. Auf Anzeige eines Mannes Namens Coffin von Newcastle, dem Simmons in beschriebener Weife $9 abgeschwindelt hatte, erfolgte seine Verhaftung.
Nachrichten aus Jndiana.
S e y m o u r , 30. Oct. E. C. Hamilton, ein alter Kriegsveteran, wurde, durch einen Zug der hiesigen Bahn überfahren und sofort getödtet. Der Mann ging die Geleise entlang, und anscheinend hatte er die Signale des nahenden ZugeS nicht gehört. Ande rson, 30. Okt. AuS eigen thllmlichem Grunde wurde der sog. Marion Flyer" der Jndiana Union Traction Co., der sonst nie auf seiner Fahrt zwischen hier und Indianapolis anhält, gezwungen, seine Fahrt in Lawrence zu unterbrechen. Ein Passagier, der in Indianapolis den Waggon bestiegen hatte, erklärte dem Kondukteur, während der Wagen in rasender Schnelligkeit dahirfuhr, daß er den Drang in sich fühle, abzuspriugen. Der Kondukteur hielt natürlich den Mann seft und konnte aus dem Grunde dem Motormann kein Signal zum Anhal ten geben. Erst als man sich Lawrence näherte und der Kondukteur nicht das übliche Signal zum Durchfahren gab, wurde der Motormanu aufmerksam und hielt an. als er die beiden Käm pfenden auf der hiuteren Platform sah. Der Fremde verließ den Waggon mit dem Bemerkn, daß jetzt das Gefühl, abzuspringen, verschwunden sei. Rtchmond, 30. Oct. Nach. dem die hiesigen Polizeibeamten 11 Tage nach den Räubern, welche die Erste Nationalbank hier beraubten, vergeblich gesucht, kehrten sie gestern in ihre Quartiere zurück. PolizeiSuper intendent Gorman nimmt an, daß die Räuber sich, sobald sie außerhalb der Stadt waren, trennten, und man die selben gar nicht, wie behauptet, in Lo ganSville gesehen hat. Die Bankdirektoren wcrden eine Be Wohnung auf die Ergreifung der Räu ber setzen, wenngleich die Bank den Verlust der geraubten Summe nicht zu tragen braucht, da sie gegen Beraubung versichert war. Fort Wayne, 30. Oktober. Nach dreitägigem Bemühen ist eS ge lunge, zwölf gute und getreue Männer zu sinden, die als Geschworene dienen sollen, um über daS Schicksal John M. Welker'S zu entscheiden, der bekanntlich unter der Anklage steht, seine Geliebte Minnie Melching am 25. April d. I. ermordet zu haben. Der Richter selbst griff verschiedent lich mit ein bei Auswahl der Geschwo renen, verschiedene Personen zurückweisend, die nach seiner Ansicht nich genügend Bildung besaßen, um über den vorliegenden Fall urtheilen zu können. Als erster auf dem Zeugenstande wird vom öffentlichen Anwalt der Vater deS ermordeten jungen Mädchens gerufen werden. L e b a n o n, 30. Oct. Charles Ruede, einer unserer beftbekanntesten Bürger erzag gestern den Folgen einer Dosis Gift, welche er am Freitag zu sich genommen hatte. Die Familie glaubt nicht an einen Selbstmord, zu mal feine Verhältnisse solche waren, daß zu einer solchen That absolut kein Grund vorhanden war. , . tt o k o m o, 30. Oct. Thomas B. CollinS von LoganSport erhielt von den Geschworenen in seiner Klage gegen die P. C. C. & St. L. Railway Co." die Summe von $12,000 zugesprochen. CollinS verlor, während er als Weichen steller für die Bahn thätig war, seinen rechten Arm unterhalb deS Ellenbogengelenks. In einem früheren Verdikt wurden ihm $11,800 zugesprochen, doch legte die Bah Berufung ein. ' Rensselaer. 30. Oct. Auf eine eigenthümliche Weise wurde ein Anschlag von Dieben zu nichte gemacht. Dieselben versuchten einen Einbruch in B. Forsythe'S WaarcnhauS zu derüben und zerbrachen dabei die Wasser röhren, sodaß sie durchnäßt wurden und die Flucht ergreifen mußten. Bevor die Sache entdeckt .wurde, hatte das Wasser an den Waaren einen Schaden von mindestens $2,000 angerichtet. l?Die beste 5 Cent Cigarre in der Stadt. Mucho'S Longfellow".
Eine merkwürdige .Form geselligen Lebens bei Thieren. Ein Mitglied der königlichen biolozischen Anstalt auf Helgoland schreibt den M. N. N.": Auf einer unserer letzten Fahrten in der nördlichen Nordsce, die der Aufsuchung der Standplatze der Jungstadien von Schellfisch und Kabeljau galt, hatte:: wir Gelegenheit, eine Form von geselligem Leben bei Thieren näher zu beobachten, die wohl weiteren Kreisen nicht bekannt ist. Es konnte nämlich festgestellt werden, daß an Orten (bezw. an Tagen), wo die in der Nordsee sonst so häufige Quallengattung Cyanea vermißt wurde, auch der Bestand an Jungfischen äußerstspärlich oder auch gleich Null war, daß dagegen ein Auftreten der genannten Qualle in größercr Menge auch jedesmal einen ergicbigen Fang von Jungsischen in dem eigens hierzu konstruirten Netze zur Folge hatte. Um dieses gleichzeitige Vorkommen etwas näher zu untersuchen, wurden von Vord aus mit langen Kätschern .einzelne vorüberziehende Quallen herausgefischt, und es zeigte sich, daß fast mit jeder Qualle (wenigstens bei den mittelgroßen) eine Anzahl Jungfische erbeutet wurden. Man konnte bei ruhiger See auch deutlich beobachten, wie die jungen Thiere sich zwischen den langen Senkfäden der Qualle aufhielten und wie ihre Eigenbewegung sich darauf beschränkte, dem Weiterschwimmen der Qualle nachzukommen. Es ist nun in der einschlägigen Literatur ein Fall bekannt, daß einer anderen Qualle. der Meduse Cassiopea, ein Fisch sicki aufdrängt (Schdophilus medusophaeus), der sich nach den Beobachtungen von den Kolben der Nesselorqane der Qualle nähren soll, merkwurdigerweise, ohne sich durch die ätzende Wirkung dieser Organe stören zu lassen. In unserem Falle dem AufentHaltsorte der jungen Schellfische und Kabeljau einen solchen räuberischen Zweck zuzuschreiben, iff zwar nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen (es wurde jedoch nichts bemerkt, was eine solche Annahme stützen könnte), es scheint aber näherliegend, dies Zusammenleben von einem anderen Gesichtspunkte aus aufzufassen: Die jungen Fische werden eifrig von den größeren Arten gejagd; die Qualle jedoch scheint vor einer Verfolgung, wenigsten von Seite der Fische, ziemlich sicher zu sein. Was liegt nun näher, als anzunehmen, daß sich im Laufe'. ihrer Entwickelungsgeschichte bei den geaenannten Dorscbarte!ö durcb Vererbung ein Instinkt herangebildet hat. während der gefährdeten Jugendzeit diese Quallen als Schützer aufzusuchen. Daß es gerade die Cyaneen sind, die diese Rolle übernommen haben. mag auf einer Art von gegenseitiger Anpassung beruhen, indem vielleicht bei dieser Quallengattung den Jungfischen weniaer störende NesselWirkungen entgegentreten, weil die Qualle ihrerseits sich instinktiv entgegenkommend verhält. Ob sie selbst einen Vortheil von ihrem Schützeramt hat. konnte nicht festgestellt werden. Immerhin ist es möglich, daß die Sckmtzlinqe ihren Schirmherrn (im wahrsten Sinne des Wortes) von parasitären Krebschen und anderen winzigen Organismen befreien. Von unserem Kronprinzen.
Wie aus Berlin gemeldet wird, ließ der Kronprinz als er an der Spitze seiner Compagnie von der Herbstparade heimkehrte, die Menge dicht an sich herantreten. Als ein kleiner Junge Gefahr lief, unter das Pferd zu kommen hob der Kronprinz ihn auf und ließ ihn unter dem del der Umstehenden auf feinem Pferde sitzen. Durch diese Leutielig seit des .Nronvrinzen ermuthiqi. wag te es ein älterer Knabe, ihm eine Zigarette anzubieten; der Kronprinz nahm sie grüßend an und erbat sich gleichzeitig noch Feuer. Zur Belohnung schenkte er dem Jungen eine Mark. Am Schöneberger Ufer winkte er einen Postboten heran, in dem er einen früheren Soldaten seiner Kom pagnie erkannt hatte, und unterhielt sich längere Zeit mit ihm, um ihm zumAbschied ein Goldstück in die Hand zu drücken. Nur mit Muhe konnte er auf dem Potsdamer Güteröahnhos unter dem Jubel dir Menge ein Au tomobil besteigen und nach dem Schlos se fahren. Eine drollige Szene spielte sich am Schlüsse der Parade ab. Das 1. Garde-Regiment zu Fuß war am Tempelhofer Ufer entlang marschirt. um vom Potsdamer Gutttbahnhof auS nach Potsdam zurückzufahren. Der Kronprinz stieg an der Einfahrt zum Bahnhof ab und wollte von hier aus sein Automobil zur Fahrt nach btm königlichen Schloß benutzen. Sofort umringte ihn ein großer Schwärm von Schuljungen, die das Aeginlent beim Marsche begleitet hatten .Gtcn
Tag, Herr Kronprinz, guten Tag!" Ter Adjutant gab sich, vergeblich Mühe, die Jungen zurückzuhalten; der Krönprinz schüttelte den munteren Burschen die Hand und gab gute Worte, ibn nur durchzulassen. Er erreichte denn auch nicht ohne 'Müke sein Automobil; eirnae der Jungen, die bereits Besitz da von genommen hatten, räumten es auf freundliches Zureden wieder, und endlich konnte der Prinz vorsichtig, noch umjubelt von der lufticn Sckaar. die Straße gewinnen. No5 im Abfahren winkte er den Knaben freundlib zu. i Dicdc mit Hnmar. Unter den Dieben, die zur Nachlzeit in fremde Wohnungen dringen und Werthsachen mitgehen heißen, befinden sich auch einzelne, die Humor habci und ihm auch Ausdruck zu geben wis-' sen. Eine englische Zeitschrift hat solche zurückgelassenen Aeußerungen von Einbrechern gesammelt. Ein . Einbrecher, der eine poetische Ader besaß, ließ in einer Villa zu Jlford einen Zettel zurück, auf dem er in folgenden Versen seiner Enttäuschung Ausdruck gab: Dieweil Ihr schlieft in holden Tränmerein, kam ich zur verschlossenen Thür herein. Im Nachttisch fand ich auch die Diamanten gleich, Toch da sie alle unecht waren, Ließ ich sie gern bei Euch. Toch, theure Tame, kehre ich zurück. Dann Hofs' ick, habe ich mehr Elück l Ich kann nicht meine ganze Zeit verbringen Mtt gefälschten Tiugeiv" Ein anderer Dieb bewies in folgender zurückgelassenen Epistel wenigstens Anerkennung und Dankbarkeit: Mein Herr! Ich kann Ihnen nur mein Kompliment machen über Ihren guten Geschmack. den Sie bei der Anschaffung Ihres Porzellans bewiesen haben. Auch nach elegant gearbeitetem Silberzeug sehnte ich mich schon lange, und wenn es so fein gearbeitet ist wie Ihre Messer und Gabeln, so ist es mir doppelt willkommen. Auch die Fischmesser und die Kompottlöffel sind aus gutem Silber und wirklich hübsch. Besonders gefallen mir aber Ihre Bowlengläser, aus denen ich mir erlauben werde, auf die Erinnerung an meinen leider so kurzen Besuch unter Ihrem gastfreundlichen Dache zu trinken. Sie waren Ihre Freude, nun sind sie die meine." Von zärtlichem Gefühl zeugt ein Schreiben, das eine niedliche Französin in Zürich eines Tages an ihrem Bett am Morgen fand: Letzte Nacht stattete ich Ihnen einen Besuch ab, und da mir leider die süße Ehre einer persönlichen Einladung ' nicht zutheil wurde, so benutzte ich das Fenster als Eingangspforte. Sie werden bemcrken, daß ich Ihre Juwelen einer genauen Betrachtung unterzogen habe, und mit tiefer Beschämung muß ich leider gestehen, daß ich mich nicht mehr von ihnen trennen konnte. Aber als ich dann Ihr niedliches Gesichtchen besah, da war ich so hingerissen, daß ich mich auf den Bettrand setzte und es lange Zeit in dem dämmerigen Lichte mit den Augen verschlang. Da wurde meine Scham noch viel größer, und ich verließ eilig, aber leise, Ihr Zimmer." Ein mehr materiell fühlender Eindrirfgling war der mitternächtliche Besucher einer Speisekammer, der neben einer harten Brotkruste, auf einer Gabel aufgespießt, den folgenden Zettel zurückließ: Liebe Dame! Ich -kann die stärksten Geldschränke aufmachen, aber diese Kruste, ist zu stark für mich, dazu müßte man etwas Dynamit haben. Im übrigen hoffe ich. daß Sie, bevor ich wiederkehre, noch ein paar Kzchstunden nehmen." , Wenn Sie diesen Käse nicht bald essen." so begann ein anderes Briefchcn. das man in einem Speiseschrank in Clapham fand, so wird er jedenfalls bald fortlaufen. Ich empfehle einen eisernen Käfig, um ihn recht gut zu behüten. Verkaufen Sie ihn doch an die Japaner; dann wird die Luft in der Mandschurei bald von allen Russen rein' sein!" ' Als ein Ehepaar aus Bristol nach mehrtägiger Abwesenheit von einem Ausflug an die See nach Hause zurückkehrte, fand es. neben anderen Anzeichen. die recht deutlich auf einen ungeladenen Besuch schließen ließen, an einem von den Hüten der Dame einen Zettel mit folgender Aufschrift angeheftet: Verehrte Frau! Sagen Sie doch Ihrem Gatten, es wäre wirklich nothwendig, daß Sie einen andern Hut bekämen. Dieser hier sieht gerade so aus, w:e der, den eine meiner alten Tanten vor zwanzig Jahren getragen hat!"
Unter Collegen. Wenn ich erst einmal hier den 'Othello spielen werde, dann wird das Publikum was sehen." College: Sie brauchen sich wenigstens nicht für den Othello schminken." Weshalb?" Weil Sie. schwarz werden, ehe der Direktor Sie den Othello spielen läßt."
