Indiana Tribüne, Volume 29, Number 55, Indianapolis, Marion County, 27 October 1905 — Page 5

Jndlsns Tribüne, 27 Oktober 1905

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LSegemüde!

Wegcmüde war der Sommer worden. Stand dort in den Rosenbüschen bleich, Schön und lieblich wie in goldnen Locken, In der Abendsonne, anmuthreich. Hatte stumm den blassenMund geschlossen, Vlickte in den Waldsec tief hinein. Wo cin matterHerbstalanz. wie verachtet, Scheu entwich dem Sommcrsonncnschcia. Wegcmüd' nun bin auch ich geworden, , Heimath sehnend, weil das letzte Blatt Blaß und bebend an den Rosenbüschcn -Sich im Llbcndroth vcrbluthct hat. Herbert Ulrich. Ter Kleine. Skizze von Carl Busse. Den ganzen Sonntag - Vormittag hatte der Kleine wieder gebastelt. Als er endlich nach der Uhr sah. weil ein Hungergefühl sich in ihm regte, stutzte er und schüttelt: mit verltgen-ärgerli-chem Ausdruck den Kopf. Es war die alte Geschichte: er hatte sich wieder einmal gründlich versäumt. In seinem Stammlokal, in dem er tagtäglich aß, war NUN allmählich alles Gute von tcr Speisekarte gestrichen, und man muhte mit dem vorlieb nehmen, was noch übrig war. Der festtägliche Enten- oder Gänsebraten hatte sicherlich schon seit einer halben Stunde sein Ende gefunden, und dafür gab es dann irgendein schnell gebratenes B:efsteak. Der Kleine hatte sich allmählich auch daran gewöhnt und es sogar zu einem Lächeln gebracht, wenn der Kellner die Achseln zuckte. Dann also nicht", sagte er mit halbem Seufzer, und. auch heute hatte er natürlich die Speisen schlucken müssen, denen die übrigen Gäste vorsichtig ausgewichen waren. Des Nachmittags hatte er sich noch einmal an dm langen Tisch gesetzt, aus dem feine Sägen und Stifte, Hölzer und Hölzchen und sonstige Geräthe lagen, aber das Meisterwerk, das er vorhatte, wollte noch immer nicht recht klappen. Da ließ er es stehen und probirte nicht weiter, denn den Kaffee bei den Hildebrandts wollte er nun doch nicht versäumen. Es war ein Vorfrühlingstag mit unbeständigem Wetter. Bald stand die Welt in hellster Sonne, bald zeigten sich Hagelschauer und verhüllten die Ferne. Als Richard Henkel.der Kleine, das Hildebrandtsche Haus betrat, fand er die ganze Familie und mancherlei sonstige Bekannte in der Glasveranda versammelt. Die Tassen waren schon bereit gestellt, und mit der porzellanenen Kanne kam Liese.die ältere der beiden Töchter, eben aus der Küche. Sie begrüßte den Kleinen, ohne viel Aufhebens zu machen, denn es war nicht nur so gut wie selbstverständlich, daß er erschien, sondern man war es überhaupt gewohnt, daß hier Besucher"aus- und eingingen. Der alte Hildebrandt mit dem runden, glattrasirten Gesicht, der als Rektor der städtischen Schule vorstand, war in seiner Art irr Lebenskünstler. Bon Anfang an hatte er auf offene Thür und Tafel gehalten. Er wollte sich nach gethaner Arbeit, freuen und sich in geselligem Kreise erholen. Dieftniczen seiner Schüler, die er liebgewonnen und die sonst keinen rechten Familienanschluß hatten, durften ihn des Sonntags besuchen, und viele gewöhnten sich so daran, daß sie es auch im späteren Leben nicht lassen mochten.' Richard Henkel gehörte dazu. Er war von der städtischen Schule aufs Gymnasium gekommen, war zum Magistrat übergetreten und saß seit kurzem als Rendant hinter dem kleinen Schiebefenster, um den Leuten das Geld abzunehmen doch in allen Lagen und Verhältnissen hatte er das Hildebrandtsche Haus aufgesucht, wo sich immer ein fröhlicher Kreis zusammenfand. Besonders eng hatte er sich mit der Zeit an die altere der beiden Töchter geschlossen. Er war seiner Freundin Liese" an' Jahren etwas voraus, doch war der Abstand nicht so groß, daß er die Kinder schon hätte trennen lönnen. Und da der Kleine auch als Knabe schon ein Bastler" war, so hatte er keine liebere Beschäftigung gekannt, als ' ausgerissene Puppenarme kunstvoll wieder zu befestigen, den Mechanismus in irgendeinem komplizirten Spielzeug wieder in Ordnung zu bringen oder gar auf eigene Faust irgend etwas zu konstruiren. So war es geschehen, daß Liese sich mit allem, was sie bedrückte, zu ihm geflüchtet hatte. Denn er machte, kannte und verstand alles, und sie beide kamen dabei auf ihre Kosten. Im Laufe der Jahre hatte sich auch nicht viel an diesem Verhältniß geändert. Aus dr kleinen Liese war eine große geworden. Richard Henkel sagte SU" zu ihr und flickte ihr keine Puppen mehr.. Er ballte" jedoch noch immer, nur mehr im großen, und ersetzte sich und seinen Bekannten fast alle Handwerker. Die gelungensten Arbeiten bekam nach wie vor Lies: Hildebrandt: GebrauchsgegenstänSi', Scherzartikel, wie es sich gerade traf. Die sinnreichsten Konstruktionen sielen ihm ein, und niemals war er stolzer, als wenn er ein neues Glan,;stück abliefern konnte. Liese bewahrte diese Erzeugnisse seiner Kunstfertig' keit auch. sämmtlich auf, und wenn ez sich gerade schickte, wurde dies oder je nes aus der Rumpelkammer" hervorgeholt. Niemals - ward dieser gesellige, freundschaftliche Verkehr auch gestört. D:e beiden Mädchen hatten dadurch,

daß. das ganze Haus immer voller Gäste steckte, eine heitere und schöne Freiheit im Verkehr mit den jungen Leuten gewonnen.- Afo' vielleicht' lag es gerade daran, an dem ständigen, harmlos - freundschaftlichen Umgange, daß niemals jemand im Scherz oder Ernst die damit a:ste.kten Grenzen ilbcrschritten hatte, so daß zwar nicht die leiseste Nachrede sich an die Hildebrandtschen Töchter hängen konnte, aber auch nteals von einer Verlobung und Hochzeit zu liöien war. Man wußte ja wohl in der ganzen Stadt, daß der Retkor nichts erspart hatte, sondern sein Einkommen gerade so weit langte, daß er dieses gastliche Haus jederzeit offen halten konnte,doch aber war und blie! :s verwunderlich, daß sich für -die tüchtigen und hübschen Mädchen noch niemals ein Freier ge funden hatte. Möglicherweise wagte sich an Liese Hildbrandt, die als die ältere doch zuerst unter die Haube kommen mußte, auch deshalb niemand heran, weil allgemein gemuthmaßt wurde, sie wäre mit Richard' Henkel längst einig'. Kein Mensch begriff recht, weshalb die beiden noch zögerten. Und der Klein? selbst? Wenn jemand ihm gegenüber eine Andeutung machte, lächelte er leise und sagte schmunzelnd: Ja. die Liese!" Als man heul: in dem fröhlich-.n Kreise mit Lust und Behagen Kaffee getrunken hatte, ging es da die Sonne gerade wieder schien, in den (harten hinaus. Weiße und blaue Veilchen blühten im Grase, und lachend und plaudernd streifte man suchend durch die Büsche. Na, Liese, wie war es die Woche?" fragte der Kleine und sah sie an. Danke. Und Sie, Richard, haben Sie viel geschafft?" D, fein, fein", nickte er und rieb sich die Hände. Liese,. Sie werden staunen. Ich hätt' es heut so gern mitgebrackt. Aber es klappt noch nicht recht. Ich muß da noch etwas 'rauskriegen." Für die Rumpelkammer?" Sie lächelte, seltsam. Was ist es denn nun wieder?" Ach", erwiderte er. eigentlich soll es noch ein Geheimniß bleiben. Ihnen kann ich's ja sagen. Wieder 'ne lütte Svielerei. Aber fein aemacbt

, i i ' V - - V I I, L 1 -1 aues. was recy: in. legsrieo als Drachentödter!" Alle Wetter!" Tja". sagte er und kniff ein Auge zu. Die Figuren sind sogar famo geschnitten. Und die ganze Maschinerie verteufelt komplizirt. Macht eine heidenmäßige Mühe. Siegfried hebt richtig sein großes Schwert, und der Drache züngelt empor. Fünktionirt schn alles tadellos. Nur daß eben Siegfried den Drachen noch nicht recht trifft. Er ist zu langsam, er haut immer zu spät. Sehen Sie, das muß ich noch besser 'rausbringen. Aber die nächste Woche krieg' ich es sicher." - Groß und ruhig blickte sie , ihn an. Wenn's Ihnen nur Freude macht, Richard." Niesig!" antwortete er. Darüber könnt' ich alles andere vergessen." Später wurde gespielt. Es setzte viel harmlose Neckereien, und am Ende gab es sogar cin Wettlaufen. , Lächelnd sckaute der Kleine seiner Freundin Liese zu, als sie sich den Rock schürzte. Natürlich wieder die Beste", sagte er. So war es ja immer!" Sie drehte ihm halb das Gesicht Zu. . Früher", nickte sie. Aber man bleibt nicht immer achtzehn." Auch das hat serir Vorzüge," fiel ein Gymnasiallehrer cin, der seit 'kurzem erst häufiger im 'Hause verkehrte. Es war ein tüchtiger Mensch, wenn auch nicht der Jüngste mehr, und dttser und jener wollte bemerkt haben, daß er Christel, die jüngere der Schwestern, sehr auszeichne. Herr Dr. Lechne? ist Optimist", meinte Liese Hildebrandt. Er sieht immer die beste Seite der Dinge. Aber wenn es keine beste Seite gibt?" Es war ungewiß, an wen sie die Frage richtete. Darum sucht-man so lang, bis sich wenigstens eine leidliche findet". an! wortete der Gymasiallehrer. Aber nun los. . .los!" Mit blanken Augen schaute der Kleine demWettlauf zu. Plötzlich zuckte es über sein ganzes Gesicht. Es erhellte sich gleichsam von ir.nrn in einem lautlosen Lachen. Gott, die Liese! dachte er. , Sie läuft ja einwärts! Mädel, wie kann man denn einwärts 'uufen! Und' er freute sich, wunderte sich und wurde ganz warm dabei, obwohl es wirklich nicht schön aussah. Spät am Abend machte er den Heimweg mit Dr. Lechner zusammen. Famose Seine", sagie der Gymna siellehrer. Es gebt ein prachtvoller Zug durch das aanze Haus. Auch die beiden Mädels Hut ab! Die Christel ist eine Eidechse flink, fröhlich, niedlich. Wenn sie so 'ruihuscht,möcht' man ihr immer nachsehen." Stimmt", erwiderte Richard Henkel, die Liese ist viel ruhiger!" Was weiter kein Wunder ist! Sie ist doch auch . wesentlich älter. Siebenundzwanzig, dächt' ich ' nicht?" Der Kleine hob den Kopf. Ach Unsinn .. . Pardon, ich . . . ich. . . . Siebenundzwanzig?' Unmög lich!" . Aber er zählte rechnete und

gab dann klein bei. Wenn man so nebeneinander her läuft, glaubt man es gar nicht", sagte er. Sein. Begleite: hatte ihn einige Male prüfend von der Seite angesehen. Jetzt begann er, als öS er etwas gut zu machen hätte, ein Loblied auf Liese Hildebrandt zu blasen. Ja, die Liefe", schmunzelte Richard Henkel, wie er es immer that, wenn der Freundin Erwähnung geschah. Und plötzlich mußte er wieder lachen. .Denken Sie", sprach er strahlend, sie läuft einwärts! Ist das nicht furchtbar komisch?" Der andere blickte ihn ganz verdutzt an. Sehr komisch", erwiderte er und schüttelte den Kops. $ $ 4 Die ganze Woche war der Kleine so vergnügt wie niemals. Selbst wenn er hinter dem Schiebefenster im RathHaus saß, brachte er die strenge Amtsmiene nicht fertig. Und nun gar in seiner Wohnung! Da pfiff er am Handwerkstisch laut vor sich hin und hielt nur inne, wenn irgendeine ganz feine Feder zu biegen oder einzusetzen war. Denn seine Glanzleistung, der drachentödtende Siegfried, näherte sich immer mehr der Vollendung. Zwischen'drein lachte der Kleine auch wohl leise auf. Dann war ihm Liese eingefallen oder vielmehr: ihr Einwärtslaufen. . Das war das Drüllsge, daß er dies in den ganzen langen Jahren noch niemals an ihr bemerkt hatte. Und viel seltsamer und komischer schien es ihm noch, daß die merkwürdige .und im ganzen doch unschöne Art, wie sie beim Laufen die Füße setzte, ihn ganz wunderlich erwärmte. Als wär sie ihm plötzlich hundert Meilen nähergekommen! Als wenn der kleine Mangel sie ihm noch tausendmal lieber gemacht hätte! Er hatte das Gefühl, als müsse er sie lächelnd und tröstend in die Arme nehme: Ach. mein gutes Lieseken, gräm' dich nicht darüber! Dummchen, Dummchen, wo hast du denn das her?" Uns immer wieder breitete sich eine wohlige Wärme über fein Herz. Gewiß er hatte wohl auch schon daran gedacht, sie sich als seine Frau zu holen. Ja, ganz zutiefst mochte es in ihm sitzen, daß es selbstverständlich und natürlich nur Liese Hildebrandt wäre, die einst seinen Namen tragen würde.' Aber es war ja noch Zeit es war jetzt fast ebenso hübsch und behaglich es ergab sich alles '.schon einmal ganz von selbst. Und er bastelte, lebte stillvergnügt hin und freute sich aus die Sonntage. Doch jetzt war es ihm wirklich, als treibe ihn eine sanfte Gewalt vorwärts' und zu ihr. Es war ihm, als müsse er ihr eine recht gror Freude machen, und um so eifriger pusselte er an seinem Meisterstück herum. Er bekam es' auch glücklich fertig: Siegfreid schlug endlich zur rechten Zeit zu. '- ,: : Da wollte er nicht' mehr bis Sonntag warten. In der Dämmerung des Donnerstag - Abends packte er. sein Kunstwerkchen ein und trug es zu ihr. Christel war bei einer Freundin; der Rektor korrigirte Schülerhefte in seiner Stube. Liese deckte schon den Tisch zum Abendbrot. v Sie hatte eine einzige Gasflamme angezündet, und da der Glühstrumpf schadhaft sein mochte, war das Eßzimmer nur schwach erhellt. Liese Hildebrandt ging von einem Platz zum andern, legte Messer und Gabel hin, sah prüfend über den Tisch, was sonst etwa noch fehlte, und hatte eben die Salznäpfchen in der Hand, als der Kleine strahlend eintrat. Sie erstaunte, daß er zu so ungewobnter Stunde ins Haus schneite,und plötzlich kam sie, die Ruhige, aus ihrer Ruhe, zuckte ein wenig, ward roth und verschüttete etwas von dem Salze, das sie trug. Soll es denn Zank geben?" fragte sie und deutete auf die weißen Körner, die den Boden bestreut hatten. Er aber schüttelte lustig den Kops: Freude, Liese, Freude! Eben bin ich fertig geworden. He, was meinen Sie dazu?" Und er packte den Siegfried, der jetzt zur rechten Zeit mit dem Schwert dreinschlug, vorsichtig aus. Sie bewunderte ihn auch genügend, doch schien es ihm, als Wär sie nur mit halbem Herzen bei der Sache. . Ja," sagte er, es macht unendlich viel Spaß. Ich hab' es gleich herschleppen müssen!" Liese Hildebrandt legte ein Messer zwecklos an eine andere Stelle. Dabei sprach sie: Ich glaubte, Sie wären aus einem anderen Grunde gekommen, Richard' Wollen Sie mir nicht gratulieren?" Gratulieren? Haben Sie denn. . . ach Unsinn, Ihr Geburtstag ist ja erst im Herbst." Sie holte tief Athem. Ich habe mich heute verlobt.' Mit Dr. Lechner. Also Sie dürfen schon!" Der Kleine zog die Schultern ein, sah sie starr an, trat langsam zwei Schritte zurück. Das. . . glaub' ich nicht", sprach er und lächelte. Es war ein krampfHaftes Lächeln. Sie hatte ihre alte Ruhe mit einemmal wiedergefunden. ' Und warum nicht, Richard? Mach' ich denn sonst solche Scherze?" r- - . .

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mer wilder. Man - merkte, daß ein großer und bitterer Schrtterz wie ein Schwert durch sein Herz schnitt, aber als wollten sich die Muskeln noch nicht lösen, zeigten seine Mienen noch immer das krampfhafte Lächeln. Auch seine Stimme umfaßte nicht ganz, was in ihm vorging. Sie war spröde, als er ihren Namen rief: Liese!" Ihr Ohr jedoch hörte aus dem einen. Wort die Klage und Anklage. Warum hast du mir das gethan? fragte dies eine Wort. Hast du wirklich nicht gewußt, daß mich dies jahrelange Nebeneinander mit immer festeren Fäde an.dich band? Es war still. Das Gas sauste ein wenig. Die Decke schüttelte: man hörte den Rektor mit schweren Schritten oben auf- und abgehen. Da gab Liese Hildebrandt ihm Antwort auf die ungefragten Fragen.Sie lehnte, sich an den angeheizten Ofen, der in diesen kühlen Apriltagen noch gespeist werden mußte, und sagte: Es ist nun einmal so, lieber Richard, und es ist nun auch gut. Ich hab' Sie sehr gern gehabt und hab' auf ein Wort von Ihnen alle die Iahre gewartet. Aber Sie haben gebastelt und alle die schönen Dinge für unser Rumpelkastenmuseum fabrizirt. Und haben nicht gesehen, daß die Zeit immer weiter lief. Meine Freundinnen haben sich verlobt und haben geheirathet. Die eine mit neunzehn, die andere mit zwanzig, eine dritte etwas später. Und ich bin Brautjungfer ge-. Wesen, hab' gelächelt und, hab' gewartct. . So bin ich siebenundzwanzig Jahre geworden, und ich fühlte, wie mir langsam Jugend und Leben unter den Händen zerrinnen wollten, Sie jedoch bastelten weiter. Sie merkten nichts. Und allmählich bin ich müde geworden, ja, unter all meiner Ruhe hab' ich oft mit : Ihnen im Stillen gehadert, daß Sie Ihres und meines Lebens beste Zeit zwecklos hinlaufen ließen. So kam Weihnachten, und es gab kein Fest, an dem ich nicht hoffte, Sie würden einst statt einer sinnreichen Konstruktion mir Ihr Herz bringen. Als aber der Weihnacht-öaum dunkel wurde und die Lichter herabbrannten, ohne daß Sie etwas gesagt hätten, da ging ich in mein Zimmer und hab' mir gelobt, dem Ersten, der mich haben wolle ,und den ich achten könne, eine gute Frau zu sein. Jetzt ist er gekommen. Sie kennen ihn und schätzen ihn. 'wie wir alle. Und.ich hab' meine-Hand fest in seine gelegt und ich weiß, daß er sie fest auch halten wird. ' Sehen Sie; lieber Richard, Sie haben" und dabei errötete sie leicht jetzt glücklich bemerkt, daß ich einwärts laufe. Vielleicht hätten Sie auch eines Tages bemerkt, daß ich anfange, ein. altes Mädchen zu werden. Möglicherweise wären Sie dann erschrocken gewesen und hätten nachholen wollen, was sich nicht nachholen läßt. Oder sie hätten gerade dann noch ruhigeren Herzens gebastelt und mir ein paarmal im Jahre Ihre Kunstwerkchen gebracht. Und darauf hätt' ich warten sollen? Nein." , Hie schwieg.. Ruhig, aber noch mit dem' leichten . Schimmer der Nöthe im Gesicht, lehnte sie gegen den Ofen. Der Kleine hatte den' Kopf gesenkt. Mechanisch griff er nach seiner Arbeit und setzte das Uhrwerk in Bewegung. Es arbeitete. tadellos. Siegfried traf mit seinem Schwert den züngelnden ,Drachen stets von neuem. Liese", sagte, er dann, und er flehte mit aller Kraft seines Herzens: lassen Sie doch noch einmal alles gut sein, sagen Sie mir doch, daß es nicht wahr ist! Das ist ja. . . nicht möglich." Und plötzlich: M es aber doch so . . . . hier, der Siegfried kam auch immer zu fpät wie ich. Aber ich hab' es geändert. Es liegt ja ganz in Jhrer, Hand, Liese', Sie können es auch hier noch ändern!" Da richtete sie sich groß auf. Ihm schien, sie wär' höher und stolzer als sonst. Nein", sprach sie fest. Nun dürfen Sie sich auch nicht irren, Richard. Ich kann Ihnen nicht einmal den Trost lassen, daß ich mit gebrochenem Herzen und einer Schwärmerei für Sie die Braut eines anderen geworden bin. So wahr ich hier vor Ihnen siehe,' lieder Freund: mein Herz hat seinen guten Gang und Takt und ist frei und zufrieden. Wenn es anders wäre hätte ich dann dies alles zu Ihnen gesprochen? Und nun möcht' ich nur eins von Ihnen: daß Sie sich selbst nicht mit Vorstellungen trösten, die grundlos sind, und daß Sie sich kein Bild von mir machen. wieJhre menschliche Eitelkeit es wohl sehen- möchte. Nein, nein Sie dürfen mir wirklich gratuliren, und , Sie sollen mir gratuliren!" Der Kleine war erst Puterroth geworden. Dann reckte es sich wie Trotz in ihm aus. Ich gratulire!" sprach er fest und gab ihr die Hand. Doch als sie diese Hand herzhaft drückte, ein Weilchen in ihren beiden behielt und mit einer herzlichen Güte Danke, danke!" sagte, da ward er weich. Er schluckte wie an Thränen. Er wollt' etwas reden, doch er schien seiner Stimme nicht sicher. Adieu", sagte er leise. Sie aber schüttelte den Kopf. Wenigstens muß es auf Wiedersehen heißen." Da nickte er nur, nahm seinen schwertschwingenden Siegfried unter den Arm und ging.

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Draußen fiel ein simer Regen. Der Kleine schlug aber nicht einmal den Kragen hoch. Unermüdlich schritt er durch die feuchten, dunklen Gassen. Er hatte plötzlich ein Grauen vor seiner einsamen Stube. Bisher war sie ihm noch niemals einsam und unwirthlich erschienen. Erst jetzt, da er wußte, daß sie immer so bleiben würde, wie sie war, schüttelte es ihn. Und während er sy dahinschritt in dem feinen Rieseln, den Siegfied imwer unter dem Arme, sagte er sich, als wolle er es sich fest empraaen. fort während vor, daß Liese Hildebrandt nun nicht mehr seine alte gute Liese wäre und 1?aß sie bald einen anderen Namen führen würde einen Namen, der nicht der seine war. Er nickte nur immer dazu, doch' plötzlich packte ihn die Wuth über sich selbst'über sein Zaudern und Versäumen, seine Stull vergnügtheit und sein behagliches Ba sieln, darüber er das Beste vergessen hatte. Auch ,hm waren gleichsam Ju gend und Leben so durch die Beine ge lausex, und nun stand er da,-verlassen und mit leeren Händen. Unwillkürlich spannten sich ihm alle Muskeln in Zorn und Wuth da gab es einen Knacks: sein Meisterstück war zerbro chen. Mit verächtlichem Achselzucken nahm er es noch fester. Müde stieg er' endlich die Treppen zu seiner Stube empor. Er zündete keine Lampe an, er sah durch , die Scheiben in die dunkle Nacht. Es mußte auch so gehen, und es würde natürlich gehen, so weh sein Herz die erste Zeit auch thäte. Alle die Jahre, die er im Rektorhause mit erlebt hatte, stiegen ihm auf. Und er mußte wieder lachen, als er sich erinnerte, wie Liese Hildebrandt hinwärts" lief. Aber während dieses Lachens liefen ihm Thränen herab. Und dann schluckte er, noch einmal. Aber das Lächeln war doch schon bei aller Wehmuth ein wem tapferer. Es würde die Zeit kommen, da er wieder basteln mußte, da er den Doktor wur de spielen können für abgerissene Puppenglieder und dergleichen. Nicht für die eigenen Kinder, aber wemgstens sur die Kinder der Liese. . . Und auch den zerbrochenen Siegfried wollt' er wieder ausbessern. Nur sollt' er das alte Uhrwerk bekommen, nach, dem Siegfried immer zu spät schlug und nie zur rechten Zeit. Es war eine Erinnerunq, und es konnte vielleicht einst auch eine Mahnung sem. Leise holte er die Lampe. Dann also nicht", sagte er zu sich selber gerade als saß er im Gasthaus, und der Kellner zuckte die Achseln, weil das Beste schon vergeben war. Nur daß der kleine es heute nicht, wie sonst, zu einem Lächeln brachte. Geoflartig. Leutnant A.: Warum steht denn hier die Badewanne voll Eis?" Leutnant V.: .Morgen GebuttS tag... Sektkühler!" Gin Unglücksrabe. Förster (verzweifelt): Wenn Sie denn absolut schießen wollen, Herr Schmelzle. dann schießen Sie doch senkrecht in die Luft; unsre ganzen Treiber sind schon hin!- (Nach eine? Weile tönt ein Jammergeschrei ans der Lust.) Treiber: Sakra, bin i da auf den Baum 'naufkraxelt, um nci z' Schanden g'schossen zu werden, nachher treffen s' m: hier aa!"

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