Indiana Tribüne, Volume 29, Number 54, Indianapolis, Marion County, 26 October 1905 — Page 7

Jndiana ?rib,'inr, 26. Oktober I90I.

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p utc vmmciior Migc 6 ? Humoristischer Noman y Ä von j Molk von (Cainadi ... O 0-o--C00- --Ä (Fortsetzung.) Gräfin Therese sprang vom Stuhle empor. Ah . . . Entschuldigen Sie. lieber Freund, aber ich muß ihn ja doch empfangen . . 4" Sie eilte 'ihrem Sohne nach. Brummend ging Baron Kriegstein langsam hinter ihr her. - I. K a v i t e I. m Schlohofe. auf dessen derbrannten Grasplatz die Sonn: ihre senkrechten Strahlen herabsandle, standen, dampseno und mit weißen Gischtflocken bedeckt, die beiden Schecken, die Franz Laschek und die Schauspieler gebracht hatten. Gräfin Therese führte den unverhofften Gast unter lauten Freudenbetheuerungen hinein in den Theatersaa'. während Gaudig und Waldau durch die ihnen bekannte Wendeltreppe auf der dem Hunzerthurm gegenüberliegenden Seite nach der Bühne hinaufeilten. Der Saal hatte sich bereits gefüllt, und die Gräfin ging von einem zum andern, die Gäste willkommen zu heißen, denn Graf Silvio, der Herr des Hauses, der nirgends zu sehen war, überließ seiner Frau bei solchen Gelegenheiten regelmäßig allein die Begrü ßungen. , Und solcher waren heute nicht wenii nöthig. Tie ganze Umgegend hatte sich versammelt. Kszivi oer israj uno Die Hraslnur? gnad, beide ebenso groß und dick wie dumm und hochmüthig, waren trotz der Hitze erschienen. Sie hielten es gcwissermaßen für ihre Pflicht, obgleich die Gesellschaft mit Ausnahme der Piccolominis ihnen durchaus nicht ebenbürtig war, die erste Familie des Landes bei solchen Anlässen zu repräsentiren. Ferner der ehemalige Hotelier Wiener mit seiner jungen, schönen Frau, die Eeldkraft" der Unternehmungen des Erfinderbarons Kriegstein und Spender des Champagners zu dem heutigen Picknickfeste. Nicht weit von ihm stand ein dürres, knöchernes weißhaariges Männchen, das ein paar stahlgraue Augen prüfend über die Menge gleiten ließ, einer der berühmtesten und reichsten Geizhälse des Landes. Baron Eibenthal auf PZurstetten, als selbst noch nicht lange Geadelter ein Verächte? des Jungadels, aber Verehrer der Ungnads und besonderer Freund d:r Gräsin Piccolomini, bei der er sich durch öftereGemüsesendungen beliebt zu machen suchte. Man erzählte sich, daß seine verstorbene Frau eine Zeitlang Kammerjungfer bei der Mutter der Gräfin Therese gewesen sei, und daß diesem Umstände der Kultus entstamme, den die beiden Söhne des Barons, die eine große Verehrung für die Mutter hatten, mit der Gräfin Piccolomini trieben. ' Die beiden Uniformen, welche zwischen den sommerlichen Gewändern im Saale herausleuchteten, gehörten diesen beiden Söhnen an. Die hellblaue Baron Karl Eibenthal, der Oberleutnant bei den Windischgrätzdragonern war, dem Regimente, in dem keine Schnurrbärte getragen werden dürfen. Sein glattrasirtes Gesicht, das nicht weit von dem seines Vaters zu dem einer junonischen Blondine emporblickte. erhöhte noch den Eindruck des Puppenhaften, den das zierliche Figürchen machte. Es ging die Rede, daß er eben diese Blondine, mit der cr sich unterhielt,BaronesseNannie Kriegstein, liebe, daß er sich aber nicht g:traue, um sie anzuhalten, ihrer Größe wegen, an der sie ihn ebenso überragte, wie ihre Mutter (die heuti.in dem Wilbrandtschen Stücke die taube Frau von Rosen spielte) den Baron Kriegstein ihren Gemahl. Sein älterer Bruder Eugen. Hauptmann im Generalstabe, ehemaliger Ulanenoffizier und Kamerad des Grafen Franz Laschek, in militarischen Kreisen bekannt durch eine wirklich praktische Erfindung, die er gemach nämlich einen Wasserfilter, ein schlanker Mann mit ernsten, nicht hübschen, etwas harten, aber interessanten Zügen, lehnte an einem Pfeiler auf der andern Seite des Saales am Eingange eines kleinen Korridors, durch den man ebenfalls auf die nach der Bühne führende Wendeltreppe gelangen konnte. Richt weit von ihm gestikulirte Graf Königsacker mit der mageren Rechten in der Luft herum, ein dem alten Eibenthal nicht unähnliches verhutzeltes Männchen, Komtur des deutschen Ordens, und machte die Stiftsdame Grafin Rindsmaul. wie man saate. eine Jugendgeliebte von ihm. mit der ihn noch immer ein platonisches Verhält- ' niß verbinde, auf die unpassende frivole Gesellschaft, Jupiter vor den versammelten Göttern thronend, aufmerksam, die in leuchtenden Farben von der hohen Decke, auf die sie ein italienischer Künstler des achtzehnten Jahrhunderts gemalt, herabblickte. Ein immer lauter werdendes Gesumme wogte durch den Saal, in den man die Stühle des gesammten Schlosses zusammengetragen hatte, weißgolden lackirte. mit verschossenem Damast überzogene Armsessel für die vorderen Reihen, geschweifte, hochlehnige, lederbeschlageüe Stühle mit Verzierungen von Messingnägeln, Strohsessel und sogar Gartenstühle dahinter, auf km

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die Honoratioren" des nahen Marktfleckens, der Notar, der Bezirksrichter. der Posthclter, der Pfarrer, zwei Kauf-

mannsfrauen. ein paar bürgerliche Sommerfrischlerfamllien, Scham Tragut, mehrere Mägde und Knechte und ein Rudel Bauernkinder Platz genom-men-hatten. Schon begann es trotz der Höhe des Raumes drückend schwül zu werden. Unterdessen arbeitete der dicke Regisseur Gaudig bereits im Kostüm des alten Gärtners Hildeörand. den zu spielen er noch neben seiner Regiethätigkeit übernommen durch eine A?t Rauberbart unkenntlich gemacht hinter dem Vorhange auf der Bühne drottn in Schweiße seines Angesichts an den letzten Vorbereitungen zu der Auffübrung, die einem hohen Adel zeigen sollte, was seine Kunst vermochte, und die ihm nicht nur. Ehren, sondern jedenfalls anen so malte es sich, seine vom pessimistischen Schwarz bis zum hoffnungsfrohsten Roth auf. und nieder schwankende Phantasie aus ein ob der Bewunderung solcher Leistungen freiwillig verdoppeltes Honorar -einbringen sollte. Roch ein letzter Blick über die von ihm selbst gefärbten Eesichter der Damen, ja, es war alles in Ordnung, ein Blick auf die Uhr: in zehn Minuten, genau wie vorgeschrieben, konnte man beginnen. Aber wo ist denn Ihr Strohhut, gnädigste Komtesse?" Ah, den babe ich in der Garderobe liegen lassen." ..Gestatten Sie mir, Komtesse " sagte Waldu. Nein, nein, ich gehe selbst." Grafin Jsaura eilt: die Wendeltreppe hinunter. Hieben Baron Eugen Eibenthal, der nocü immer allein an dem Boaenvfeiler iano. von oem aus er seit einer Viertelstunde seir.e Beobachtungen über die vielköpfige, schwatzende, erhitzte Menge im Saale anstellte, die sich mit Fächern und Taschentüchern Kühlung zuzuwehen versuchte, tauchte plötzlich das Geficht seines ehemaligen Regimentskameraden, des jungen Grafen Laschek, auf. Ah, Tu auch hier?" fragte er verwundert. Wie Du siehst." Also doch." Tu erräthst, warum ich hier bin?" Er winkte dem Hauptmann, in den Korridor hineinzutreten. Verwundert folgte ihm Baron Eibenthal. Ist das so schwer zu errathen?" Run also, warum?" Wegen Tonna Jsaura, denk' ich mir. Gräfin Piccolomini, Prinzessin Porto d'Anzio. Markgräfin von Avelino, die übrigens noch schöner und stolzer ist als alle ihre Titel." Graf Laschek lächle. So? Dann bist Du wahrscheinlich auch wegen oer schönen Donna da?" Bist Du eifersüchtig? Wenn Du sie beirathest " Meldest Tu Tich als Hausfreund, aber daraus wird nichts!" Des Hauptmanns Mienen verfinsterten sich. Dazu würde ich fern Talent haben. Ich finde nichts verächtliche? als diese Sorte von Freundschaft!" Run. nun, ereifere Tich nur nicht. Ich denke gar nicht daran, sie zu heirathen." Alle Welt spricht ja schon von Teiner Verlobung!" Muß denn gleich jeder Flirt so rerflizt ernst genommen werden! Es wäre ja der reinste Blödsinn, wenn ich daran dächte, eine hübsche Larve obne Geld zu heirathcn. Ich bin absolut nicht. Jsas wegen hier. Ich komme Deinetwegen." Meinetwegen?" Aus dem Dunkel des Korridors klang es wie das Rauschen eines Frauengewandes. Eine Thür wurde geschloffen. Ter Hauptmann wandte sich unwillkürlich um. Was war das?" Hat uns jemand belauscht? Ah, bah! Irgend eine Kulisse oben ist umgefallen. Ja, Deinetwegen bin ich gekommen. Das Wasser geht mir bis an den Mund. Mein Onkel will nichts herausrücken. Du mußt mir aus der Klemme helfen." . oW Ja, Du. Du bist Herr Deines Vermögens. Ich weiß. Du warst immer ein Meiste: im Sparen. Was starrst Du so? Hast Du etwa kein Geld?" Der Hauptmann sei) noch immer in den dunklen Kcrridcr.hinein. - Also meinetwegen bist Tu gekommen nicht wegen Jsa " Herrgott, nein, Du hörst ja. Wenn sie mich anschmachtet, was kann ich dafür? Ich trete sie Dir ab." ' Aber wenn sie Dich liebt " Bist Du denn der Anwalt dieser jungen Dame? Mir scheint. Tu bist in sie verliebt. Pardon, ich will nichts gesagt haben. Allen Respekt vor der armen Jsa, aber ich habe andere Gedanken als die Weiber in meiner Lage vergehst Du mich denn nicht?" Ich verstehe." Nun also, wann kann ich das Geld bekommen?" Ich kann Dir leider nicht helfen." Was?" Und wenn ich Dir helfen könnte" Run?" .Dann thäte ich es nicht." Das ist " iBitte. sprich es aus." Nichts." Laschek biß sich auf die Lippe, drehte sich um und ging in den Saal zurück. Nun? Alles fertig?" fragte Gaudia droben auf der Vübne, die Klingel

zum Schwingen kereit in der emporgehobenen Rechten haltend. 5?ann's anaeben?" Ich bitte." sagte Gräfin Jsaura. Ihre sonst so helle Stimme klang heiser. Um Gottes willen, noch nicht!" ruft Hermann Kriegstein, der Germanist und Philosoph. Ich muß erst ua Glas Champagner haben! Wenn ich nicht ein Glas Champagner getrunken habe, kann ich nicht spielen!" Aber Hermann!" Ich bringe keinen Ton aus der Kehle! Rasch! Champagner!" herrscht der aufgeregte Studiosus die entsetzte Mutter an. Ein Diener rennt davon. Nur Muth, Komtesse," sagt Waldau leise zu Jsaura und blickt ihr tief in die mit einemmal seltsam verschleierten Augen. Haben Sie Angst?" Durchaus nicht." Gräfin Therese läuft selbst mit dem Diener und Pussi nach dem Hungerthurmc. den Champagner zu verabfolgen. Das Geschwätz im Saale ist noch lauter geworden, eine Backofengluth erfüllt den ganzen Raum, ein sonderbar bläulicher Schimmer dringt durch die Fenster herein. Eine dünne Klingclstimme auf der Bühne versucht nun vergebens das Getose ihrer menschlichen Schwestern im Saale zu übertrumpfen. Endlich.beginnt ein Rucken und Schieben von Stühlen, ein Scharren und Husten und sich Räuspern, .von noch heftigerem Fächerschwenken begleitet, das Brausen sinkt zum Summen, allmälig ZUM Flüstern hinab, die Klingel läßt noch einmal ihr wimmerndes Gebell ertönen, der Vorhang geht auseinander. .! Entzückend!" Reizend!" Gräfin Thekla und der junge Hermann Kricgstein sind auf der Szene. Plötzlich ruft eine, laute Stimme von der an der einen Längsseite des Saales direkt in's Freie führenden, offen gelassenen, großen Glasthür her: Es regnet!" Alle Köpfe drehen sich nach dem Rufer um, der, ein Jagdgewehr in der Hand, im Rahmen der Thür steht. Der alte Baron Eibenthal, dem die Landwirthschaft über die Kunst geht, erhebt sich und antwortet dem Grafen Piccolomini mit einem ebenso lauten: Gott sei Dank!" Alles lacht, einige folgen dem alten Eibenthal, der sich durch die Reihen nach der Thür drängt. Bestürzt schweigen die Spielenden. Weiter! Weiter!" schreit ihnen Gaudig hinter der Kulisse hervor zu. Da fährt ein gelber flammender Blitz durch den Saal, ein dumpfer Donner übertönt das Klirren der vom Winde krachend zugeschlagenen Fenster. Alles steht auf. Außer sich stürzt Gaudy auf die Szene und ringt die Hände. Bergebens. Abermals Blitz und Donner, von zwanzig kreis chenden ' Frauenzimmern beantwortet. Eine blauschwarze Finsterniß lagert mit einemmal in dem Saale, strömend stürzt der Regen herunter, mit gewaltigem Rauschen Schreien und Rufen im Saale und auf der Bühne Lbertäubend. Niemand kümmert sich mehr um das, was oben . auf den Brettern vorgeht, auf denen, von seiner Garde verlassen, einsam der händeringende dicke kleine Napoleon sieht, und verzweifelt auf die Brandung hinabschaut, aus der hier ein weißer Arm. dort ein geröthete Gesicht, vom Blitze beleuchtet. auftaucht, bis auch er verschwindet, um jammernd eigenhändig den Vorhang fallen zu lassen über die so schön zusammengestellten Waldkulissen und die vom Schicksal so jäh zunichte gemachten Triumphe und Ehren. i 4. Kapitel.

Tin plötzliches furchtbares Geprasl Tm X vfirfliA O SM ff AMMAM tiiyvit uvuy ix u uuyuuciUUl Tumult. Ein faustgroßer Hagel stürzte aus den schwarzgelben Wolken nieder und bedeckte den Boden mit einer weißen Eisschicht. Durch die zerschmetterten Fensterscheiben konnte man sejn Zerstörungswerk an den in wenigen Minuten entlaubten Bäumen mit ansehend. Außer sich, wie ein vollständig ruinirter Mann, rannte der alte Eibenthal im Saal herum, immer von neuem die selben Worte jammernd: Es ist alles hin!" Mit mehr Fassung sahen die Ungnads und Kriegstein dem Wetter zu, obgleich sie auch Landwirthe waren. Die bürgerliehen Gäste aber drängten sich in gedrückte? Stimmung im Korridore und in der Vorhalle zusammen. .. Endlich beschlossen Ungnads. die in einem Landauer gekommen waren, nspannen zu lassen. Der alte Eibenthal, der seinen Söhnen laut die Unvorsichiigkeit vorwarf, ihn in einem offenen Kutschirwagen hergebracht zu haben, bat. ihn mitzunehmen. Trotz aller Warnungen und Bitten fuhren sie auch wirklich davon. Die Zurückbleibenden wurden von Gräfin Therese. die ihren guten Humor wiedergefunden hatte, zum Souper gebeten; unbekümmert um Blitz und Donner begab man sich nach dem Hungerthurme. Komtesse Jsaura ließ durch Fräulein Waldau der Mutter sagen, sie habe Migräne und wolle in ihrem Zimmer bleiben. Graf Laschek, der bleich und mit zusammengebissenen 'Zähnen stumm neben der Gräfin stand, horchte auf.

Die Gräfin hätte am liebsten den Grafen Laschek um Entschuldigung gebeten, doch sie bezwäng sich. Diese Migrane war für sie und ihre Hoffnirngen unzefähr das gleiche, wie der plötzliche Regen für Gaudig und seine Künstlerehre und der. Hagel für den alten Eibenthal und .seine Gemüseplantagen. Nun war ihr der Abend -abermals und wirklich verdorben. , An Stelle des von neuem unsichtbar gewordenen Hausherrn, des Regenverkllnders Grafen Silvio, übernahm Herr Wiener freiwillig die Sorge für die Getränke. Mit um den Arm geschlungener Serviette schenkte er selbst seinen Champagner ein. so daß sogar der stolze Komtur Graf Königsacker gerührt wurde und herablassend zu ihm sagte: Wissen Sie. Herr von Wiener, daß ich noch bei Ihrem Vater in Wien im Hotel ,Vlaue Kugel' abgestiegen bin? War ein fäv.oser Mann! Ein echter alter Wiener!" Und der Sohn, Herr Graf?" lachte der Hotelier. Ebenfalls famos, wie sein Champagner! Die Gräfin hat mir verrathen, wem wir den Champagner zu verdanken haben! Gute Idee, dieser Cliquot! Ich hasse diese neuen Marken, diesen Pommern-und wie sie alle heißen "tu ' mögen! Der junge. Karl Eibenthal hatte sich schmachtend an der langen Tafel neben Nannie Kriegstein gesetzt, der Studio--sus Hermann Kriegstein, dem die dicke rothe Gaudigsche Sommertheaterschminke noch auf den Wangen lag. flüsternd neben Thekla. Die. Gewitterstimmung, Blitz und Tonner und das Rauschen des Regens draußen schienen im Verein mit dem Wienerschen Champagner ein? bei beiden ähnliche Kühnheit erzeugt zu yaven. tttne Kühnheit, die ihre Damen nicht unangenehm zu berühren schien, denn sowohl Nannies blaue wie Theklas braune Augen strahlten, und auf dem rundwangig:n weißrothen Gesichte der Blondine wie auf dem ovalen zigeunerfarbigen unter dem schwärzen Haar der jungen Piccolomini lagerte der gleiche Sonnenschein des Glücks. Es wurden Kerzen gebracht, eine fröhliche Behaglichkeit breitete sich in dem . blumengeschmückten Raume um die wohlbesetzte Tafel herum aus. . Baron Kriegstein senior erhob sein Glas, die Hausfrau leben zu lassen, die es verstanden habe, trotz Tücken des Schicksals' die Gesellschaft wahrhaft großartig zu bewirthen. Er war eben bei seinem Lieblingsworte von der Umwerthung aller Werthe in der neuen Zeit der Arbeit, in der man lebe, angekommen, als er mitten in einem ebenso poetischen wie wahren Vergleiche dieser allgemeinen Werthumwerthung mit der augenblicklichen Beschäftigung der verehrten Tischgenossen durch das gänzlich unerwartete Erscheinen der beiden dicken Ungnads und des alten Eibenthal' unterbrochen wurde, die wie aus einer Versenkung im Halbdunkel des Verbindungsganges auftauchten. Alles wendete sich zu ihnen. Etwas Außerordentliches mußte geschehcn sein. Der alte Eibenthal, aschfahl in seinem mageren, faltigen Gesichte, bewegte unaufhörlich die Lippen, ohne ein Wort herauszubringen, während der kurzsichtige Graf Ungnad, der beim Scheine der nicht allzu hellen Kerzen Herrn Wiener offenbar für einen Kellner zu halten schien, diesen mit stummer herrischer Feierlichkeit zu sich heranwinkte. Ja, um Gottes willen, was ist denn passirt?" rief Gräfin Therese, die aufgestanden und den drei entgegengestürzt war. Ein Glas Champagner," erwiderte Ungnad, mit der Linken auf seine Frau deutend, die, den Kopf auf die Seite geneigt, wie geknickt an seinem Arme hing. Herr Wiener, der die Verwechslung durchaus nicht übel nahm, holte eilig das Gewünschte, Hauptmann Eibenthal. der neben Gräfin Therese gesessen und sie. mit ganz besonderer Aufmerksamkeit zu 'erheitern gesucht hatte, brachte einen Stuhl für die erschöpfte Gräfin Ungnad. Ein Theil der Gesellschaft war. dem Beispiele der Wirthin folgend, gleichfalls aufgestanden, man umdrängte die Angekommenen. Sintflnth!" krächzte plötzlich der alte Eibcn!hal. Der Fluß ist ausgetreten und hat die Brücke weggerissen," ergänzte Graf Ungnad. Wir wären bei einem Haare mitsammt den Pferden und dem Kutscher ertrunken." .Ah!" Das ist ja schrecklich!" Man dachte im ersten Augenblicke nur an die Gefahr, welcher die drei cntrönnen waren, bis der vom Wienerschen Champagner animirte Komtur Graf Königackev laut lachend rief: Bombenelement, da können wir ja aZt miteinander heut Nacht nicht fort!" Das Wort schlug wie eine Bombe ein. In. der That, wenn die Brücke weggeschwemmt war, konnte, ehe die Sonnberger nicht wenigens einen Nothsteg herrichteten, kein Mensch nach Hause. Man mußte also mindestens die Nacht imjbchlosse zubringen. jUSäSv- Fortsetzung folgt.) tul?tnttcttiuttß. Richter: Sie haben den Zank der beiden Ehegatten angehört! Melchen Eindruck haben Sie dabei gewonncn?" Z e u g e : Daß ich mei' Leb tag nicht heiratkr Herr Richter!"

Die Kleiduug der Bulgarinnen.

. Wer in der Lage war, zu beobachten, wie der Fortschrittsgeist die Bulgarinnen erfaßt und was er aus ihnen in den letzten Jahren gemacht hat. wird nicht genug darüber staunen können. Die orientalischen Sitten und Gebräuche, denen sie unterworfen waren, haben sie überraschend schnell aufgegeben und ihre Lebensweise ganz der der westeuropäischen Frauen angepaßt. Es ist bekannt, daß der Bulgare und namentlich die Bulgarin ein ganz besonderes Nachahmungstalent besitzen. Vor noch kaum zwei Jahrzehnten war es eine ' Seltenheit, bulgarische Frauen nach europäischer Art gekleidet zu sehen; ihre Tracht bestand zu jener Zeit für gewöhnlich aus einem Rock aus schwarzem oder braunem Alpaka und einer losen Jacke. Um den Hals wurde ein schwarzseidenes Tuch gebunden, aus dem bei Alt und Jung zwei kunstvoll geflochtene Haarzöpfe zum Vorschein kamen. Ob diese auch immer echt waren, ließ sich schwer feststellen; jedenfalls war es komisch, oft ganz alte Frauen mit röthlich - blonden Haarzöpfen zu sehen. Als Schmuck trugen sie um den Hals ein Band mit großen goldenen Münzen meistens österreichischen Fünfdukatenstücken , die einen Theil ihres Heirathsgutes bildeten. Heute kleiden sich die Bulgarinnen in modernen prunkvollen Toiletten; ihr Geschmack ist meist ein sehr guter. wenn sie auch mitunter in der Wahl der Farben etwas übertreiben. Da die Bulgaren in der Regel gute Ehemänner sind, so scheuen sie auch keine Kosten, wenn es gilt, ihren Gattinnen eine Freude zu bereiten. Zuweilen sieht man wohl noch Frauen mit dem Kopftuch und den altmodischen Zöpfen, doch wird das von Tag zu Tag seltener. Die Bulgarin aus den besseren Ständen bildet sich von Jahr zu Jahr mehr zu einer gewandten Weltdame aus, die überall auf Erfolg rechnen kann. Es darf hier nicht unerwähnt bleiben, daß das Fürstenhaus dabei kein geringes Verdienst hat. Fürst Ferdinand zeichnet sich durch feinen Geschmack und großen Kunstsinn aus; auf den Hoffestlichkeiten bleibt keine schöne Toilitte von ihm unbemerkt. Die verstorbene Fürstin wußte den Damen ihres Gefolges in einfacher, liebenswürdiger Art beizubringen, sich stets, den Umständen entsprechend, geschmackvoll zu kleiden. Manche Dame wurde zuWeihnachten oder bei anderen Gelegenheiten von der Fürstin Marie Luise sowie von der ihrer Freigebigkeit wegen bekannten Prinzessin Clementine mit Geschenken in Gestalt von eleganten Toiletten überrascht. Die BerlVerthung kleiner Fische. Es wird alljährlich eine große Menge kleiner minderwerthiger Fische gefangen, die schwer abzusetzen sind, weil das Verzehren solcher kleiner Fische, wenn sie auf gewöhnliche Art. gekocht oder gebraten, zubereitet werden, große Geduld erfordert und kein sonderliches Vergnügen gewährt. Und doch lassen sie sich in einer Weise verwerthen, die alle diese Uebelstände aufhebt, und deshalb um so praktischer ist, als sie auch den Hausfrauen mit' knappem Wirthschaftsgeld die Herstellung eines billigen Fischgerichts ermöglicht. Das gilt nicht nur für dis Leben auf dem Lande, sondern auch für die Großstädte. in denen kleinere Weißfische zu wirklich geringen Preisen käuflich sind. ' Die einfachste Art ist die Zubereitung als Suppe. Die gereinigten Fische werden so lange gekocht, bis dasFleisch in der Brühe zerfällt. Darauf wird diese durch einen ziemlich engen Durchschlag getrieben, wobei allein die Gräten zurückbleiben. Dann fügt man acht bis zehn Kartoffeln hinzu, die völlig verkochen müssen, und richtet die Suppe , mit etwas Essig oder Citrone und saurer Sahne säuerlich an. Ein klein wenig Gewürz und Zwiebel darf nicht. fehlen. Im Frühjahr und Sommer verleiht junger Dill dem Gericht einen kräftigen, pikanten Geschmack. Wenn man es noch reicher ausgestalten will, giebt man Suppenkräuter, namentlich Sellerie, Porree, PetersilienWurzel, weiße oder gelbe Rüben hinein. Ueberhaupt ist dabei der Phantasie der. erfahrenen Hausfrau viel Spielräum gelassen. Ist viel Fischfleisch vorhanden, dann wird etwas davon in rohem Zustand von den Fischen geschabt, um mit Butter, Ei, geriebener Zwiebel, Weißbrot, Pfeffer und Salz zu Klößchen verwendet zu werden, die der Suppe erhöhten Wohlgeschmack geben. Sind die Fische nicht gar zu winzig und in genügender Menge vorhanden, dann empfiehlt es sich, sie zu Klops zu verarbeiten. Das Fleisch wird in rohem Zustande von den größten Gräten befreit und dann mit einem Drittel nicht zu mageren Schweinfleisches gewiegt oder durch die Maschine getrieben. Mit Reibbrot. Ei, geriebener Zwiebel usw. in bekannter Art angerichtet und gebraten, werden diese Klopse außerordentlich locker und behalten einen zarten , Fischgeschmack. Noch besser aber eignen sich zur Herstellung des unter dem Namen Konigsberger Klops" bekannten und beliebten Grichts, dessen Eigenthümlichkeit in einer sauren Sahnensauce mit pikanten Zusätzen wie Kapern, Sardellen, Citromnscheiben besieht.

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51 it I n n tt . W Im... ..?. ?.........? ..i. .. Seltene Willensstärke. Ein italienischer Arbeite? stürzte unlängst bei Lawrenckburg. Ind.. in eine Sandgrube und brach sein Genick. Mit Hilfe eines Kameraden ging er den eine Meile langen Weg bis zu seinem Zelt und hielt während dessen seinen Kopf mit &n Händen fest. ' Blutthat an der Bahre. In Hastings, Ncb., drang neulich ein gewisser John Budenek in das Haus seines Schwagers Peter Smeall, wo seine Mutter auf der Todtenbahre lag, erschoß seinen Schwager und seinen Bruder Jacob Budenek und fügte seiner Schwester Francis eine Verletzung an der Hand bei. Ein alter Familienstreit war die Ursache dieser schauerlichen Tragödie. Ter Mörder konnte erst nach einem" heißen Kampfe überwältigt und festgenommen werden. Studenten-Kämpfe.. Mehr als 600 Studenten wurden jüngst in Madison, Wis.. im Lake Mendota bei dem jährlichen Klassenkampfe zwischen den Freshmen" und den Sophomores," dem wüthendsten in der Geschichte der Universität von, Wisconsin, untergetaucht. Ein Student Namens Clint D. North brach zwei Rippen, als er von einem Telegraphenpfosten fiel. auf den er geklettert war, um eine Klassenfahne heiabzuholen. Ein Student brach ein Bein und gegen 40 erlitten leichtere Verletzungen. ' Kollision mit Ochsen. Drei aus einem Schlachthaus in Newark, N. J.,entsprungene Ochsen ergingen sich' neulich auf dem Bahngeleise der Lackawanna-Bahn zwischenNewark und Hoboken. Ter Lokomotivführer eines heranbrausenden Lastzuges ließ gellend die Tampfpfeife ertönen, was. die drei Ochsen wenig anfocht. Da fuhr er mit dem Zuge in die. Thiere hinein, wobei zwar alle drei getödtet, die Lokomotive und fünf Waggons aber zum Entgleisen gebracht wurden. Das Geleise blieb zwei Stunden lang blockirt, weil durch die Kollision mehrere Schienen aus dem Geleise herausgerissen' worden waren. Kampf mit Banditen. Neulich wurde in das Postamt in Wild Rose, Wis., eingebrochen und ein Versuch gemacht, den Kassenschrank zu plündern, doch wurde die Bande rechtzeitig verjagt und von etwa 60 bewaffneten Bürgern bis in einen Wald in der Nähe von Wild Rose' verfolgt. Dort kam es Abends zum eigentlichen Kampfe, der 4 Stunden dauerte und in welchem schließlich einer der Räuber erschossen, zwei tödtlich verwundet und) der vierte aefanaenen wurde. Dieser ergab sich erst, als feine Genossen alle niedergeschossen waren. Für die VerHaftung der Banditen war eine Belohnung von Z400 ausgesetzt worden. Sensationelle Verhaftung. In den Büchern der Schulbehörde in Peoria. Jll., ist ein Defizit von 75,000 bis Z100.000 entdeckt und der Superintendent der Volksschulen, N. C. Dougherty. auf die Anklage der Fälschung verhaftet worden. Dougherty war bisher ein sehr angesehener Schulmann und zugleich Präsident der Peoria National-Bank'; auch war er an anderen Finanz-Jnstituten betheiligt. Er ist auch Trustee eines Fonds von $r75,(XX) der National Educational Associaton" und seine Verhaftung hat großes Aufsehen hervorgerufen. Er hat das Amt als Schulsuperintendent 25 Jahre lang bekleidet. E r m'o rdet und verb r a n n t. Einem schrecklichen Verbrechen ist eine gewisse Frau Jda Bowen in Greenview. Kal., zum Opfer gefallen. Ihr Haus wurde kürzlich durch Feuer zerstört und bei näherer Nachforschung fand man die verkohlten Ueberreste ihrer Leiche unter den Trümmern. Sie hatte ihre drei Kinder zur Schule geschickt und ungefähr eine Stunde später machte ein Nachbar die entsetzliche Entdeckung. Später fand man auf dem Hofe Blutspuren und alles deutet darauf hin, daß die Frau daselbst ermordet und die Leiche in daö Haus geschleift worden ist, worauf der Mörder das Haus in Brand steckte, um die Spuren seines Verbrechens zu zerzerstören. Der That verdächtig ist der Gatte der Ermordeten. Er hatte seit einiger, Zeit von ihr getrennt gelebt und vor Kurzem einen vergeblichen Versöhnungsversuch gemacht. Papiere in Gräbern gesucht. Ansprüche auf ein großes Vermögen veranlaßten eine Frau Amt) Erb von Philadelphia auf einem Qlten Friedhofe in Pottstown. Pa.. das Grab einer vor einem Jahrhundert verstorbenen Frau John Kasper öffnen zu lassen, um in den Besitz von Papieren betreffend eines Anleibens zu kommen, welches ein Theodor Metzger im Jahre 1691 dem König von Holland machte; diese Papiere sollen mit Frau John Kasper begraben worden sein; das Anleihen betrug tz20.000.000 und in seinem Testamente hatte Metzger bestimmt, daß die Summe seinen nach Amerika ausgewanderten Verwandten zurückbezahlt werden soll. Als der Küster das von Frau Erb bezeichnete Grab öffnete, zeigte eZ sich. daß es dasjenige des vor 114 Jahren verstorbenen Pastors John Frederick Geiger war. Frau Erb wollte noch andere Gräber öffnen, allein die Mitglieder der Gemeinde ließen es nicht zu.