Indiana Tribüne, Volume 29, Number 54, Indianapolis, Marion County, 26 October 1905 — Page 6
Jndiana Tribüne, SU. Oktober 1905.
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Europäische Nachrichten.
"g3ai??ro. München. Kammermusiker Au- , guft Freitag ist im Alter von 85 Iahreit verstorben. Er entstammte einer hier wohlbekannten ' Musikerfamilie. Im Jahre 1841 war er als Hoboist 1. Klasse im 10. Infanterie - Regiment in Amberg eingetreten. Im Jahre 1846 erhielt er dort längeren Urlaub, um sich hier in der Musik nicht nur in vraktischer, sondern auch in theoretifch:r Beziehung weiter auszubilden. A n s b a ch.. Nach längerem schweren Leiden ist der langjährige BezirksHauptlehrer und Kreisscholarch Karl Loder hier gestorben. Brück. Letztens fuhr der Hilfswagenwärter Hermann Ncumann von hier mit noch einem Manne in einem Kahn durch die Floßrin unterhalb des Nadelwehrs. Der Kahn schlug um und Neumann ertrank; sein Begleiter rettete sich selbst. Erlangen. In unserer Stadt habilitirte sich der Oberarzt und der erste Assistent von Prof. Graser an der chirurgischen Klinik. Dr. Med. Erwin Kreuter, als Privatdocent für Chirurgie. Heigenbrücken. Der Landwirthssohn Andreas Wüst wollte auf einen im Gange befindlichenZug spring?n, stürzte aber, wobei ihm beide Beine abgefahren wurden. Ins KrankenHaus verbracht, starb er alsbald. Lindau. Kürzlich ertrank während einer Kahnfahrt der 21 Jahre alte Rentamtsincipient Höhn. Er war seit länaerer Zeit schwer leidend und scyetnr ver ver großen 3Qv,t infolge eines Schwächeanfalls m den See gefallen zu sein. S ch w a b a ch. Ein Opfer der Flammen ist die hiesige PapierlackWaarenfabrik der Firma I. D. Miß & Co. geworden. Das Feuer brach in der Dampfkesselanlage aus und verbreitete sich mit großer Schnelligkeit über das langgestreckte Anwesen: Dfe Dampfmaschine und die elektrische Anläge sind vollständig zerstört; auch ein großer Theil der maschinellen Einrichtung wurde unbrauchbar gemacht. S ch l i e r s e e. Bor einiger Zeit unternahm der Schriftsteller und Vorsitzende des Deutsch - Oesterreichischen Schriftsteller - Verbandes, v. Schlier ben, genannt von Neuß, aus München, eine Tour auf die Bodenscheid, von wo er beim Almenrauschpflücken abstürzte und sich eine schwere Kopfverletzung und einen Rippenbruch zuzog. WUrtteinöerg. Stuttgart. Zum Rektor der Technischen Hochschule für das Studienjahr 190506 wurde Prozessor Oberbaurath Mörike von der Abtheilung für Aauingenieurwesen ernannt. Prof. Dr. Weidlich am hiesigen Karlsgymnasium wurde seinem Ansuchen gemäß in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesemAnlaß das Ritterkreuz des Ordens der Württemberg!schen Krone verliehen. C a l m b a ch. Vom Tode des Ertrinkens rettete dieser Tage der zur Zeit in Wildbad zur Kur weilende Feldwebel Vreinlinger den etwa 7jährigen Knaben des Malers Hiller hier. H e i l b r o n n. Letztens badeten mehrere junge Leute im offenen Neckar an einer verbotenen Stelle, darunter auch der 16jährige Taglöhner Karl Müller von Ellhofen. Er war bekleidet mit einer Hose und obwohl des Schwimmens kundig, sank er plötzlich unter und kam nicht mehr zum Vorschein. Möckmühl. Vor einiger Zeit fand man zwischen hier und Züttlingen den 22jährigen Sahn des Sodawasserfabrikanten Mack von Neuenstadt todt unter seinem Fuhrwerk liegen. Der Verunglückte ist jedenfalls auf dem Wagen eingeschlafen, heruntergefallen, unter die Räder gerathen und mußte so einen jähen Tod erleiden. . R ü b l i n g e n. Im Kreise seiner College aus den Oberämtern Kllnzelsau und Oehringen feierte Schullehrer Müller hier das 25jährige Jubilaum seines Wirkens in hiesiger Gemeinde. , Tuttlingen. Dem Lokomotivführer Gottlieb Fischer aus Rottweil, der den 14jährigen Sohn des hiesigen Kartieralamtsdieners mit eigener Lebensgefahr aus der Donau zog, wurde in Anerkennung dieser That 'die Rettungsmedaille in Silber verliehen. Tübingen. Geh. Hofrath Prof. Dr. Degenkolb 'beging sein 50jähriges Doktorjubiläum. Der jetzt 72jährige Gelehrte, der vcn Ende 1892 bis Ent: 1904 in Leipzig ordentlicher Professor für Civilprozeß war und seitdem im Ruhestand lebt, hat seinerzeit in Berlin promovirt. Ulm Das Oekonomieanwesen d:s Laupheimer Schlosses, eines der großten Gutshöfe Württembergs, in weitesien Kreisen auch als Versuchsanstalt bekannt, ist infolge Kurzschlusses vollständig niedergebrannt. Der 275 Stück betragende Viehbestand wurde gerettet, aber sämmtliche Futtervorräthe sind vernichtet. Waden. Karlsruhe. Professor Dr. med. Bernhard Honsell ist einem schweren Leiden erlegen. Der Verstorbene war 35 Jahre alt. B r e i s a ch. Forstmeier Alber, Vorstand, des hiesigen Forstamtes, wurde anläßlich seiner 25jährigen Wirksamkeit in Stadt und Bezirk das Ehrenbürgerrecht unserer Stadt verliehen. ..-
'Emmendinaen. Vor einiaer
Zeit wurde der seit etwa 20 Jahren hier wohnhafte unständige Taglöhner Wilhelm Roser beim Abladen von Schottermaterial auf dem hiesigen Bahnhofe von einem rangirenden Wagen erfaßt, in das Geleise geworfeu und ibm der Kovf total abaefabren. F o r ch h e i m. Beim Kartoffelrösten kam das 8jährige Töchterchen des Landwirths Anton Bschbach dem. Herdfeuer zu nahe und erlitt so schwere Brandwunden, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Heidelberg. Professor Kuno Fischer beging seinen 81. Geburtstag. Er erhielt von nah und fern zahlreiche Glückwünsche und sonstige Aufmerksamkeiten, mußte jedoch mit Rücksicht auf feinen leidenden Zustand von der persönlichen Entgegennahme der Gratulationen Abstand nehmen. Ludwigshafen. Beim Entladen von Kohlen im Lager des Rheinischen Kohlensyndikats stürzte eines der schweren eisernen Fässer herunter auf den Arbeiter Drescher. Lekterer erlitt einen schweren- Beckenbruch und wurde in hoffnungslosem Zustande in das Krankenhzus verbracht. - Reichenbach. Letztens stürzte die in. den 50er Jahren siehende Ehefrau des Fridolin Rehm von Schönberg beim Kirschenbrechen vom Baum und erlitt tödtliche Verletzungen. T r i b e r g. Im nahegelegenen Zinken Voqelloch brannte das Anwesen des Landwirths Matthäus Faißt vollständig nieder. Von den Fahrnissen konnte nichts gerettet werden. Verbrannt ist ein großer Heuvorratb. Der Schaden beträgt etwa 15.000 Mark. W a l d m a : t. Im Walde probtrle der junge Sohn des Taglöhners KohUx' einen Revolver. Der Schuß ging los und drang dem 13 Jare alten Sohnes Polizeidieners Kern in den Unterleib. . 'Fiheinpfakz. Bottenbach. Dieser Tage verunglückte der hier beschäftigte Maurermeiste? Pfleger ausTeschenmoschel dadurch schwer, daß sich, ein großer Felsblock loslöste und Pfleger traf. Pfleger wollte seine Leute mahnen, sich vor dem Fels block in acht zu nehmen; ' er stellte eine Leiter an, um nachzusehen, und wurde nun selbst getroffen. Der Block wiegt mindestens 4 Centner. Der schwer Verletzte wurde nach Zweibrücken gebracht. D u ch r o t h. Letztens entstand bei starkem Wind hier ein Brand, der sich bald zum Großfeuer entwickelte. Neun Wohnhäuser und 13 ankere Gebäu lichkeiten (Ställe, Scheuern) wurden ein Raub der Flammen. Auch die Kirche, das Pfarrhaus sind niedergebrannt. Edenkoben. Adam Jäger, Bauersmann von Dammheim, wollte seinen Schwiegersohn in Altdorf bcsuchen, der ihn vom hiesigen Bahnhof mit einem Wagen abholte. An der neuen Warnungstafel am Bahnübergang gegen Venningen scheute das Pferd und raste davon. Jäger wollte aus dem Wagen springen, fiel aber dabei so unglücklich auf einen Stein, daß er sich am Kopfe sehr schwere Verletzungen zuzog. Kirchheimbolanden. Kürzlich feierten hier die Eheleute Jean Kanoffsky das Fest der goldenen Hochzeit. P i r m a s e n s. In der Elisenstraße an dem Bozung'schen Neubau fand man den 11jährigen Werktagsschüler Jöckel bewußtlos auf dem Boden liegen. Jöckel ist von dem Vozunschen Baue aus einer beträchtlichen Höhe abgestürzt und blieb bis zu seinem Auffinden am Platze liegen. Er hat sich schwere innere Verletzungen zugezogen. Rh odt. Als der 42 Jahre alte ledige Gutsbesitzer Konrad Baumann an der Wasserleitung Wasser holte, erlitt er einen Herzschlag und fiel zu Boden. Sein Bruder, der nach ihm sah, um mit ihm arbeiten zu gehen, fand ihn im Kelterhaus liegen. Wiederbelebunasversuche hatten keinen Erfola. asguteVkutterherz.. Folgendes Entschuldigungsschreiben einer Mutter an den Lehrer ihresTöchterchens ist originell: Geehrter Herr Lehrer. Verzeihen Sie. daß Anna die Schule versäuhmte. Sie ist so wild und immer so sehr früh wach, gestern schlief sie ausnahmsweise so süß. und da wollte ich ihr nicht gerne stöhren, Sie wird ja wohl noch Anders werden. Hochachtungsvoll N. N." Verstanden. Ich freue mich riesig auf's Land, da kann man so hübsche Partien machen!" Freilich Es könnte ja am Ende doch noch Einer kommen!" eoerrolicyen. 'Dtan rninnu zwei ganz harte Semmel, yA Pfund Kalbsleber, yxV Pfund Kalbfleisch oder fettes Schweinefleisch, etwas Majoran, Thymian, Salz, Pfeffer, auch wohl etwas grüne Petersilie und treibt dies alles zusammen durch eine gute Fleischhackmaschine. Dann formt man mit den Händen kleine Rollen aus dem Teig. Sollten sie nicht fest zusammenbleiben, so ist es praktisch, die Hände in kaltes Wasser zu tauchen und darin die Rollen noch einmal zu formen. Man bratet sie in. steigender Butter und giebt recht schöne kräftige Kalbsjus daran. Zu diesem Gericht reicht man aern Blumenkohl mit brauner Butter und Kartoffelcroquets oder .vommes frites".
In der Kunplerlaube.
Von B. Schumann. Im Garten der großen Restauration 2 m fr t m ei IN . jan nacn eenoigung ver Prooe eine Anzahl Künstler, Mitglieder des Etadttheaters. beisammen, Männlein und Weiblein, alle in fröhlichster Laune. Man besprach e-ltriae Vorstellung sowie die heutige Probe, man krttlstrte, lachte, scherzte und ließ sich die vortreffliche Erdbeerbowle schmecken. Das war ein Durcheinander von fröhlichen Stimmen, von tollen Einfällen und Bonmots, W nach Gebühr belacht wurden. Allen uvor aber im Erzählen komischer Erlebnisse aus der Bühnenwelt that es der dicke Bassist Lummer, der aus seinem schier unerschöpflichen Erinnerungsbrunnen so viel Heiteres, noch dazu Selbsterlebtes, zum besten gab, daß die Gesellschaft aus dem Lachen nicht herauskam. Ja, Kinder", begann der joviale Herr von neuem, nachdem er sich durch ( einen herzhaften Schluck gestärkt, als ich noch mcht lange beim. Theater und in der Universitätsstadt G. engagirt war, gaben wir einmal Rigoletto". Die Oper war für solch kleine Provinzbuhne ganz vortrefflich in allen Partien besetzt, nur mit den Requisiten stand es nicht besonders; der Requisiteur war ein altes Faktotum,. der auch bei verschiedenen Studenten zugleich Aufwartedienste versah. Für den Rigoletto" - Abend war ihm aufgegeben worden, zum letzten Akt einen neuen, großen Sack zu besorgen ihr wißt ja, daß die an Stelle ihres Verführers ermordete Gilda in einem solchen zum Schluß auf die Bühne hinausgetragen und dort vom Vater beim Schein der Blitze erkannt wird. Wir hüllen also hinter der Scene, ziemlich dunkel war's, die Sängerin in den vom Requisiteur gelieferten Sack, das Stichwort fällt, ich nehme Gilda in ihrer Sackhülle auf und trage sie vorschriftsmäßig hinaus, sie auf die Rasenbank vor den gramgebeugten Rigoletto legend. Ein langer, greller Blitz erleuchtet die tragische Szene, und was sahen wir? Auf dem Sack stand in großen, schwarzen Lettern: Brauerei von Paradies und Co." Das Publikum jubelte; natürlich, es waren zumeist Studenten; ich machte, daß ich weg kam, und ließ Rigoletto zwischen Wuth und Lachen allein bei der Brauerei, über die zum Glück bald der Vorhang fiel. Wir waren um unfern Erfolg, denn da- Publikum rief schließlich die Brauerei von Paradies u. Co." Alle lachten, und die hübsche Sentimentale sagte elegisch: Ja, so kann's einem gehen! Auch mir ist durch solch ähnliches Vorkommniß einmal dieRolle des Grethchen gänzlich verdorben worden. Wir gaben Faust nach der Devrient'schen Einrichtung, und da kommt in Valentins ' Sterbescene zur Verwandlung daZ Betpult für Grethchen aus der Versenkung. Nun hatten die Arbeiter gemüthlich unter, der Bühne ihr Abendbrot verzehrt und den Fuß meines Betpultes als Tisch benutzt; wie es kam, daß die Ueberbleibsel vergessen waren, weiß ich nicht, aber denkt euch, als ich eben niedersinken will und beten: O neige, du Schmerzensreiche da erblicke ich uno in mir auch das Publikum auf dem Betfchemel ein' halbes Seidel Bier und diverse Brot-, Wurst- und Käsereste! Was blieb mir übrig? Ich mußte mein Gebet angesichts dieser Eßwaaren beenden unter dem Gelächter des Publikums, das sich den ganzen Abend nicht wieder zu ruhiger Sammlung aufschwingen konnte. Am andern Tage aber bekam ich ein Packet, worin ein großes Brot, eine frische - Leberwurst und ein Eidamer Käse, mit dem Motto: O neige, du Schmerzensreiche, dein Antlitz gnädig auf dies Brot! Vergiß mcht Wurst und Käse und sei auch nicht mehr böse! Mehrere Publikümmer!" Na. das war doch wenigstens eine humoristische Anpassung der fatalen Sache! Prosit, Kin'der!" sagte Lummer lachend. Mir ging's vor einiger Zeit fast noch schlimmer", begann die dramatische Sängerin; ich sang zum ersten Male die Donna Anna im Don Juan". wir hatten wundervolle neue Dekorationen, und in der Verwandlung zu meiner Briefarie findet ein kaschirtes Bett mit herrlicher Malerei mitten auf der Bühne Platz; düneben sitze ich !.ut meinem Brief; nun hatte ein Arbeiter, mit Anbohren des Bettes noch beschäftigt, im Zwischenakt das Aufgehen des Vorhangs nicht zeitig genug bemerkt und konnte jetzt weder Nach rechts noch links ab,' ohne vom ganzen Publikum gesehen zu werden. Da kriecht der Mann, kurz entschlossen, eilig unter das Beii, wo er nun aber erst recht zu sehen war, und ich arme Donna Anna mußte meineBriefarie singen unter dem fortwährenden Kichern und Flüstern des Publikums, das unter Donna Annas Bett an einem Ende Füße in Pantoffeln und am andern einen struwweligen Haarschöpf mit moderner Haüsmütze erblickte. Schließlich mußte ich selber mit lachen." Nachdem die Heiterkeit über den neuen Liebhaber Donna Annas sich etwas gelegt, erhob sich die kleine, hübsche Soubrette Frau Zahrt und sagte: Höchste Zeit! Nun muß ich gehen, sonst komme ich zu spat heim zum Mittagessen, und mein Mann liebt das Warten nicht! Also b'hüt Gott!"
Js nich!" sagte der lanqe Komiker
Böhme, indem er ihr molliges Händchen packte. Hieroleioen, so iung' kom men wir nicht wieder zusammen, kein Spielverderber sein, kleine Frau; Jhrem Mann kommt's auf 'ne halbe Stunde warten nicht an. das ist er gewohnt, und Sie werden fchon einen plausiblen Grund sur Ihr verspätetes H'imkommen smden!" -Da traten zwci Herren in die aeräu mige Laube der Künstler, denen man auf den ersten Blick die Zugehörigkeit zu dem heiteren Kreise ansah. , Franzius! Lindar! Junges! Wo kommt ihr so unerwartet her? Willkommen, willkommen! Nehmt Platz, setzt euch!" schwirrte.es durcheinander, und alle Hände streckten sich den beiden Sangern entgegen. Wie geht's? Wo her des Wegs?" Direkt von London, wo wir geholfen haben, die Saison zu verherrlichen , sagte der Tenorist Franzms. ,.Jch sage euch, großartig war's, wir haben uns kostlich amusirt! Und Erfolge hatten wir noch großartiger", fiel der Baritonist Lindar ein. Und Sachen haben wir erlebt, Sachen meine lieben College, mcht zu sagen, . wie- komische Sa chen!" Na raus damit", riefen alle; ihr seht, wir sperren schon Mund und Na se auf vor Erwartung!" Der Baritonist Lindar begann: Ihr alle kennt die Walküre" der erste Akt war glatt vorüber; als der zweite beginnen soll, stehen 'während des Vorspiels sämmtliche Walküren durch Engländerinnen besetzt, die doch erst den dritten Akt eröffnen sollen. noch schwatzend und lachend mitten auf der Bühne ich rufe ihnen zu, denn die Musik des Vorspieles war fast zu Ende, und ich bekam's mit der Angst: Um Gottes willen, meine Damen, fort von der Bühne, der Vorbang geht gleich auf!" Aber sie ließen sich nicht stören na ja, ich hatte ihnen ja mchts zu befehlen bis nun wirklich der Vorhang in die Höhe rauschte nee, so was hab ich doch noch nickt erlebt, wie die schwatzende Walkürenschaar auseinanderstob, wie das Publikum tachte, denn, da waren in der Eile zwei über ein Versatzstück gefallen, und während ich als. Wotan zu Brunhllde singe: Nun rüste dem Roß. reisige Maid usw.", rafften sich meine beiden, jetzt durchaus nicht hierher gehörigen Töchter beschämt und eilig vom Boden auf, was gar nicht so leicht gmg, da die Schuvpenpanzer schwer waren und Schild und Speer auch mitgerafft werden mußten! Alles lachte, und es dauerte ein ziemlichWeilchen, bis sich das Publikum beruhigt hatte!" So was kann bei uns doch nicht vorkommen", bemerkte, die dramatische Sängerin. Sicher nicht, weil deutsche Künstler gewissenhafter sind", erwiderte Lummer. Es kam noch besser", fuhr Lindar fort. Ich sah mir im Zwischenakt die Maschinerien für den Walkürenritt an, an dessen praktischer Ausführung mir gelinde Zweifel aufgestiegen waren, nachdem der englische Regisseur im vorigen Akt vor Frickas Wagen zwei lebendige Hammel mit großen, vergoldeten Hörnern gespannt hatte, die aber fortwährend ein so jämmerliches Bäh. bäh!" ertönen ließen, daß sie schleunigst aus dem Theajer entfernt werden mußten und. Fricka ohne ihr Widdergespann zu Fuß die Scene betrat. Aber hier alle Achtung! Die kunstvoll kaschirten Rosse standen parat, unddie stellvertretenden Walküren saßen halb ängstlich, halb vergnügt darauf, um den Ritt der verschiedenen Wotanstöchter, der am Vormittag unzählige Male- probirt und auch stets zur Zufriedenheit ausgeführt worden, war. nun auch Abends dem staunenden Publikum vorzuführen. In ziemlicher Höhe war die Wolkenbrücke, der Weg für die streitbarenJungfrauen und ihre Pferde, gebaut, und wie si: einzeln und paarweise, genau nach Wagners Vorschrift, in der ersten Scene des dritten Aktes vorüberstürmten, das war wirklicb ganz prachtvoll! Es störte das Publikum nicht einmal, daß die singenden Walküren ein fürchierliches Deutsch radebrechten oder eigentlich mehr Englisch als Deutsch sangen, natürlich lauter Engländerinnen!" Stärk dich erst, ich werd' weiter erzählen!" nahm Franzius das Wort. Null, meine Herrschaften, denken Sie sich die Scene: Brunhilde kommt mit Siglinde, auf die Scene und fleht die Schwestern für sich und die Frau um Schutz vor Wotans Zorn; sie hat eben Siglinde den Weg zur Flucht gewiesensich dann verborgen unter den Schwestern, um Wotans erster Wuth zu entrinnen, und nun vernimmt sie des Gottes schrecklichen Strafbefehl, bei dem sämmtliche Walküren entsetzt dem Zürnenden zu Füßen sinken und um Gnade für Brunhilde flehen als plötzlich unter donnerndem Gcrausch hoch oben auf ihrem Wolkenweg die acht kaschirten Rosse nebst draufsitzenden Walküren über die Bühne zurückgaloppirten dieselben Waltüren, die sämmtlich noch im Vordergründ vor Wotan knieen und unentwegt um Gnade singen! Meine Herrfchaften, hätten Siein dem Augenblick das verblüffte Gesicht unseres Freundes hier gesehen, ich glaube, Sie hätten auch gelacht!" .Na ja, zu geistreich werde ich wohl
nicht ausgeseöen haben, aber dann habe ich doch wohl losgelacht, es ging nicht anders! Wo alles lacht, kann Karl allein nicht ernst sein!" meinte Lindar humoristisch. Aber was wurde denn nun? Die Walküren müssen doch später auf Wo tans Befehl erst davonjagen?" fragte die dramatische Sängerin Ganz einfach", sagte Lindar, der Maschinenmeister ließ die Bühne schnell in ägyptische Fin'sterniß hüllen und in deren Schutz die voreiligen Rosse wieder zurückziehen, damit sie dann zu rechter Zeit davonjagen konnten!" Nun erzählte Franzius weiter: Am anderen Tage sang ich den Lchengrin, und ein Engländer, Mr. Robertson, den Telramund; er hatte die Partie, wie er mir erzählte, in 14 Tagen deutsch gelernt aber wie?! Da stand er vor König Heinrich in seiner ganzen Glorie als schöner Mann meine Damen, er war wirklich hübsch aber man merkte ihm das auch fortdauernd an, er wußte, wie hübfch er war; ja, diefer Mr. Robertson war höllisch eitel, und nun wollte er auch nochDcutsch singen; das sollte ein neuer Triumph für ihn werden! Er sang wirklich Deutsch, aber passen Sie auf, ungefähr so: Ermeß nun, König, meinen krummen Smarz, als meine Ehre Kleines mich verraubt. Listwandeln fuhr Elsa bei Knaben auf den Wald, doch ohne ihn führte sie ßurik; mit falschen Sarge fräg sie ihren Bruder, da sie, vrom ungemein vrom sich verwirrt, bald seinen Speer, so frag er, nie erfand!" Im zweiten Akt gab er auf Ortruds Frage: Was macht dich in so wilder Klage' doch vergehen?" die Antwort: Daß mich der Waffe selbst verraubt, mit der"ich dir verschlug!" Es war mit einem-Wort rührend, und wir athmeten auf, als er erschlagen war! Leider zu früh, denn wir hatten die Rechnung ohne Mr. Robertsons Eitelkeit gemacht. Als in der letzten Vewandlung dievier Edlen seine Leiche veraustrugen und der König wissen will: Wen führt Ihr her?" da lag auf der Bahre frei und offen, ohne bergende Hülle, Telramund, interessant blaß geschminkt, mit über der Brust gekreuzten Armen, die Augen gen Himmel gerichtet der schöne Mr. Robertson, der sich um keinen Preis hatte zudecken lassen, weil dann sein Gesicht nicht zu sehen sei! Als aber bei der nächsten Lohengrin - Aufführung" Telramund' vom Hinaustragenwerden dispensirt wurde, war's noch schlimmer! Denn statt seiner wurde ein Statist auf die Bahre gelegt, der entschieden noch ein gut Theil komischer wirkte! Man hatte den Mann wohl kostümirt, aber die Herrichtung seints edlen Hauptes vergessen. So würde also der PseudoTelramund, diesmal wohlverhüllt, auf die Scene getragen. Als nun Lohengrin mit der Frage: Da dieser Mann zur Nacht mich überfallen, sagt, ob ich ihn mit Recht erschlug?" die Decke von. seinem Feind zurückschlug, da leuchtete den Anwesenden ein glänzender Vollmond entgegen, von einem dünnen Kranz blonder Härchen umgeben.
der in mchts an das üppige ounlle Lockenhaar Telramunds erinnerte. Die Erheiterung war natürlich eine allgemeine!" Jessas, Kinder, es ist vier Uhr; für heute haben wir genug gelacht; wenn ich nun nicht gehe, holt mich mein' Mann!" sagte Frau Zahrt aufstehend. Und da war er wirklich schon, um sie zu holen, der große, gutmüthige . Herr Doktor! Nicht böse sein, Mäne-, rief die kleine Frau, ihm um den Hals fallend und ungeniert ihm einen herzhaften X Kuß gebend, du weißt, Zuspätkommen ist sonst meine Sache nicht, aber heute war's zu hübsch!" in erfolgreiches Inserat. Eine drollige Anekdote erzählt Michael Mac Donagh in einem Artikel über die Kunst des Annoncirens. Ein Herr hatte einen theuren Schirm in der Kirche stehen lassen. Der Eigenthümer hatte erfolglos eine Belohnung ausgesetzt, um ihn wiederzuerlangen, und war ganz verzweifelt. Darauf rieth ihm ein befreundeter Journalist, folgende Anzeige in die Zeitung .setzen zu lassen: Wenn der Mann, der aus der Vorhalle der St. Peterslirche am letzten Sonntag den Schirm genommen hat der Vorgang ist beobachtet worden nicht in Ungelegenheit gerathen will, da der von ihm so hochgeschätzte christliche Charakter dadurch befleckt wird, so wird er ihn sofort No. 10 High Street abgeben. Man kennt ihn genau." Wie erstaunt war nun der Mann, als er am Tage wich dieser Zeitungsannonce beim Oeffnen der Hausthür wenigstens ein Dutzend Regenschirme in allen Größen und Farben stehen sah! An vielen waren Zettel befestigt, daß die Schirme versehentlich mitgenommen" wären, und es war die Bitte daran geknüpft, die Sache nicht zu verrathen, da es Nicht wieder vorkommen würde ..." Sein Grund. Knabe: Pa pa. nicht dichten!" Papa: WeshalS denn nicht. Paul?" Knabe: Sonst müssen wir in der Schule noch mehr Gedichte auswendig lernen."
NaucZt die BQNANZA.
