Indiana Tribüne, Volume 29, Number 51, Indianapolis, Marion County, 23 October 1905 — Page 6

Jndiana Tribüne, 23 Oktober 1905

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Europäische Nachrichten. Frovinz Wrandenöurg. Berlin. Der Mediziner Dr. Borchert am physiologischen Institut der hiesigen Universität hat sich das Leben genommen, angeblich, weil er nicht Privatdozent geworden war. Dieser Tage ist der Leiter des hiesigen Straßenreinigungswesens, Direktor Max Schlosky, plötzlich gestorben. Ein quälendes Brustleiden, an dem er seit längerer Zeit litt, hat dem arbeitsaruen Leben des verdienten Beamten ein unerwartetes Ende bereitet. Im Kurhaus zu Woltersdorf hat sich der hiesige Kaufmann Gustav Beckerhoff das Leben genommen. Beckerhoff hatte wegen eines Herzleidens ein : dortiges Sanatorium aufgesucht und im Kurhaus Wohnung genommen. Dieser Tage verstarb in. seiner Wohnung Burggrafenstr. 2 A der Generalleutnant z. D. von Loellendorf, 74 Jahre alt. Unlängst verletzte der .wohnunglose 23jährige Schlosser Karl Schärdt, wahrscheinlich nach vorausgegangenem Streit, eine unter sittenpolizeilicher Aufsicht stehende Artistin, 22 Jahre alt, an .der Ecke der Weberund Waßmannstraße schwer durch ernen Stich mit einemGemssänger in die rechte Brust. Die Schwerverletzte wurde dem Krankenhause zugeführt, während man den Thäter verhaftete. Am Todestage des Mannes erhängte sich die 60 Jahre alte Steinmetzwittwe Luise Krautwurst aus der Möckernstr. 137. Die alte Frau war kränklich und wurde in ihrer Vereinsamung mehr und mehr niedergeschlagen. Vor einem Jahr verlor sie ihren Mann und wurde in der Erinnerung an diesen Tag völlig fassungslos. In der Eulmstraße verübte der verheirathete Grünkramhändler Novak im trunkenen Zustande Selbstmord. Kürzlich bekam tz einen Tobsuchtsanfall und jagte sich eine Revolverkugel in die Brust. Beim Rangiren tödtlich verunglückt ist der 23jährige Solbat Paul Richard Schneider vom hiesigen Eisenbahnregiment No. 2. Der Bedauernswerthe, der mit mehreren Kameraden dienstlich beim Rangiren beschäftigt war, gerieth zwischen die Puffer und erlitt am Unterleib so schwere Verletzungen, daß er bald darauf verstarb. Wegen Mittellosigkeit hat sich der 32 Jahre alte Kaufmann Franz Kohlert erschossen. Kohlert stammte aus Graßlitz in Böhmen und bewohnte seit 5 Jahren in der Commandantenstraße 49 ein möblirtes Zimmer. Seit 3 Jahren war er bei Poppe & Wirth in der Gertraudtenstraße angestellt. P o t s"d a m. Der Leibstallmeister des Kaisers, Major Plinzner, der lange Jahre im Dienst des Kaisers stand und sich hoher Gunst bei ihm erfreute, hat wegen andauernder Kränklichkeit seinen Abschied genommen. B e r n a u. Der Bürgermeister von hier, R. Paetzold, feierte sein 25jähriges Amtsjubiläum. Im August 1880 kam Paetzold nach hier und wurde seit der Zeit dreimal mit großer Majorität zum Bürgermeister der Stadt wiedergewählt. D o b r i l u g k. Auf der Grube Pauline" wurde der Arbeiter Rettmann aus Sch'önborn durch heiße Dämpfe verbrüht, die aus dem Pulsometer strömten. Mit schweren Brandwunden im Gesicht wurde er in die Klinik nach Halle gebracht. . Frankfurt. Der nach bedeutenden Unterschlagungen geflüchtete Kassirer Otto des hiesigen Bankhauses L. Mende wurde in Wien verhaftet. Freesdorf. Vor kurzem wurden die Gehöfte der Bauern Kraatz und Wunderlich von Blitzschlägen getroffen und eingeäschert. Sämmtliches Vieh kam in den Flammen um. Rieder-Schönhausen. Gemeindevorsteher Moldenhauer ist von seinem Amte zurückgetreten. Die Urjache der Amtsniederlegung ist in beständigen Differenzen mit einem Theil der Gemeindevertretung zu. suchen. Auch den Posten des Amtsvorstehers von hier gedenkt Moldenhauer niederzulegen. Schwedt Vor kurzem ertrank in der Oder der achtjährige Sohn der Fischerwittwe Hübner Hierselbst. Der Knabe war beim Baden über den Strom geschwommen und wurde, als er das gegenüberliegende User fast erreicht hatte, bei einer Buhne vom Strudel ergriffen und in die Tiefe gezogen. Die Leiche des Ertrunkenen wurde bald darauf aufgefunden und nach hier gebracht. Provinz Hltpreußorr. Königsberg. Geheimer Sanitätsrath Dr. Johannes Hertz, einer unserer beliebtesten und bekanntesten Aerzte, ist gestorben. Eine Kur in Reuenahr hat ibm den erwünschten Erfolg nicht gebracht, und er ist nach kurzem Krankenlager seinem Leiden erlegen. Vraunsberg. Zum , Rektor des Lyceum Hosianum hierselbst für die Zeit vom 15. October 1905 bis dahin 1908 ist der ordentliche Professor der Dogmatik, Dr. theol. Anton Kranich gewählt und vom Kultusministerium bestätigt worden. Fischhausen. Der bei dem Fabrik- und Gutsbesitzer Porr hier in Dienst siehende ca. 60 Jahre alte Arbeiter Pörschel von hier wollte nach Feierabend die Pferde von einem Arbe,itswagen ausspannen, plötzlich wurden die Pferde scheu und gingen durch.

Pörschel, der sie halten t wollte, ' kam unter den Wagen' zu liegen und die Räder gingen übe seinen Körper. Nachdem der Wagen zum Stehen gebracht war, konnte Pörschel sich nicht mehr vom Boden aufheben und mußte nach Hause geschafft werden. Der Arzt konstatirte schwere innere Verletzungen und drei Rippenbryche. Heilsberg. Bürgermeister. Weqner ist nach schwerer Krankheit im Elisabeth - Krankenhause zu Berlin gestorben. Seit dem 4. Juli 1899 hat er an der Spitze der städtischen Verwaltung gestanden. Pobethen. Ertrunken ist in einem in be Nähe liegenden Teiche der 17 Jahre alte Scharwerker Mauritz aus Adl.-Delgienen. ' . Rastenburg. Der Kürschnermeiste? Dzörr erschoß sich im Hause seiner Eltern. Der Grund zu der That ist unbekannt. Schön au. Kürzlich ertrank der 19jährige Arbeiter August Böhnke, der bei dem hiesigen Organisten Radusch im Dienste war. beim Baden im Dorfteiche. Die beiden mitbadenden Personen bemerkten das Verschwinden des Böhnke zu spät. Tilsit. Landgerichtsrath Maul ist zum Landgerichtsdirektor ernannt worden. -Derselbe wurde 1892Staatsanwalt in Lyck, kam am 1. Januar 1897 als solcher nach Tanzig und rückte im November 1900 zum Staatsenwaltschaftsrath aus. Am 1. Juni vorigen Jahres erfolgte seine Ernennung zum Landgerichtsrath in Flensbürg. Der 41 Jahre alte Zahnarzt Dürholz hat sich, weil seine Braut die Verlobung mit ihm aufhob, vergiftet. Provinz Wcstpreußen. D a n z i g. Prediger Duncker, der seit nahezu 28 Jahren an der evangelisch - lutherischen Gemeinde thätig ist, hat sich durch längeres Siechthum genöthigt gesehen, sein Amt niederzulegen. Da die Verhältnisse es nicht gestatten, daß ein neuer Geistlicher berufen wird, ist damit zugleich die Auflösung der Kirchengemeinde geboten. - E l b i n g. Rentier Wunderlich feierte bei körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 90. Geburtstag. Geheimrath Elditt llberörachte die Glückwünsche desMagistrats und überreichte Wunderlich den ihm -verliehenen Rothen Adlerorden vierter Klasse. Gut tau. In Hohenhausen verunglückte der Besitzer Fredcr von hier. Er kam von Damerau, als seine Pferde scheuten und durchgingen. Freder trug sehr schwere Verletzungen davon. K u l m s e e. Der Händler Lonkert versuchte seine Frau zu vergiften. Er eilte dann zum See, sprang mit voller Kleidung hinein und fand seinen Tod. .Die Leiche wurde nach kurzer Zeit gefunden. Lonkert war dem Trunke ergeben und leibte mit seiner Frau stets in Unfrieden. Marienburg. Ein dreifaches Jubiläum feierte der Bäckermeister Canditt: das 50jährige Berufsjubiläum, das 40jährige Meisterjubiläum und' mit seiner Gattin die silberne Hochzeit. An Ehrungen hat es natürlich nicht gefehlt. Po d w i tz. Der halbwüchsige Arbeiter Kornatzki aus Schönsee blieb auf dem Rückwege aus Kulm im Jahnke'schen Gasthause sitzen, bis er und andere Burschen einen geyorigen Rausch hatten. Unterwegs bekamen die Burschen Händel, und der 16jährige Geddert aus Podwitz brachte dem Kornatzki durch Messerstiche lebensgefährliche Verletzungen an' Hals, Körper und Arm bei, sodaß Kornatzki in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Messerstecher wurde verhaftet. Straßburg. Der Rentenempfänger Piwunski von hier war krank und erhielt vom Arzt Medizin sowie ein Medikan:ent zur Einreibung verordnet. Da Piwiwski die Krankheit wol zu lange dauerte, trank er die ganze Flasche Medizin auf einmal aus. Um die hierdurch hervorgerufenen inneren Beschwerden zu bekämpfen, trank Piwunski schließlich auch die Flasche mit der Einreibung leer, worauf er sofort starb. Zoppot. Im Hause seines jüngsten Sohnes, des Pfarrers zu Pröbbernau, ist der Geheime Regierungsrath a. D. Ehrhardt im 80. Lebensjähre gestorben. Er hatte seit seiner Pensionirung vor 10 Jahren hier seinen Wohnsitz und war allgemein beliebt und geachtet. FrsvinA ommerzr. Stettin. Schutzmann Hans Krüger feierte kürzlich sein sünsundzwanzigjähriges Jubiläum. Während seiner ganzen Dienstzeit ist er im zweiten Polizeirevier thätig gewesen und genießt gerade in seinem eigenen Bezirk, zu dem die Breitestraße gehört, eine besondere Hochachtung. B ä r w a l d e. Der Musiker Bublitz hierselbst machte seinem Leben durch Erhängen ein vorzeitiges Ende. Eheliche Zerwürfnisse stillen die Ursuche dieser That sein. Dramburg. Kürzlich entstand in der v. Merkatz'schen Fabrik Feuer. Die Tischlerei, die Schlosserei und die Kalksandsteinfabrik wurden vollständig vernichtet. ' Der Besitzer ist nur gering versichert. , G r a d e n z. In einem Wasserloch ist vor einiger Zeit das 12 Jahre alte Hütemädchen Below, das bei einem hiesigen Besitzer, in Arbeit stand, ertrunken; ein harter Schlag für seine erblindete Mutter. P ö l i tz.. Das in ttr Wiekstraße

öelegene Wohnhaus des Schiffszimmermanns Kreetz ist niedergebrannt. R Y ck. Letztens wurde hier ein Raubmord am Zimmermann Gustav Ulentat verübt. Mit einer größeren Summe Geldes hatte er sich aus seinem Wohnhause entfernt, um ein Bad zu nehmend Als er nicht zurückkehrte, stellte man Nachforschungen nach seinem Verbleib an. Man fand seinen Leichnam im benachbarten Walde. Er wies Spuren einer Gewaltthat auf. Das Geld und sonstiges Werthvolle fehlten. ' S t a r g a r d. Letztens ereignete sich aus dem Erweiterungsbau der hiesigen städtischen Gasanstalt insofern ein schwerer Unglücksfall, als ein Arbeiter Klein von einem eisernen Gerüst herunterfiel und dabei derartige schwere Verletzungen erlitt, daß-seine Ueberführung nach dem Krankenhause erfolgen mußte. U s e d o m. Ein Opfer seines Berufes wurde der auf der Quatze seines Bruders fahrende Matrose Wilhelm Haase von hier. Beim Flunderfang im Strande wurde Haase von einem Segel über Bord gerissen und fand in den Wellen seinen Tod. Frovinz Schreswtg-LdoclZein. A l t o n a. , Auf der Reise deö Hamburger Dampfers Hittfcld", Kapitän Niehage, von Stettin nach Manchester. wurde plötzlich der 36 Jahre alte Schiffskoch Louis Heinrich Orlapp von hier vermißt. Das Schiff wurde sofort gedreht und der Kurs mehrere Meilen rückwärts genommen. Von dem Vermißten wurde jedoch nichts gefunden. Die Backbordseite des Schiffes war kurz vorher frisch gestrichen worden und das Gestell noch zum Theil vorhanden. An der frischen Farbe der Schiffswand befanden sich Hand bei Hand abwärtsgehende Fingerabdrücke. Daraus ist zu entnehmen, daß der Koch sich langsam herabgelassen hat und sich dann in's Wasser hat fallen lassen. Was den Unglücklichen in den Tod , getrieben hat, ist nicht bekannt. E n g e. Der bei dem GemeindeVorsteher Sönnichsen bedienstete Knecht fuhr mit'der 25jährigen Tochter seines Dienstherrn aus, als ihm unweit des Hauses die Pferde durchgingen. In seiner Angsl sprang das Mädchen vom Wagen, fiel aber dabei so unglücklich, daß es einen Schädelbruch erlitt. Ohne das Bewußtfein wieder erlangt zu haben, ist das Mädchen alsbald gestorben. F l e n s b u r g. An einer BlutVergiftung, die er sich eben vorher auf einer Reise durch eine unbedeutende Verletzung am Finger zugezogen hatte, ist hier im Alter von nur 40 Jahren der Kaufmann Nicolai Wilhelm Petersen gestorben. Er gehörte einer hochangesehenen hiesigen Kaufmannsfamilie an. Horst. Letztens wurde wieder in der Horster Gemeinde ein Kampfgenosse von 184851 zu seiner letzten Ruhestätte geleitet, nämlich der im 85. Lebensjahre Heimgegangene Rentner Johann Gripp in Hahnenkamp, der bei der 2. Compagnie des 9. InfanterieBataillons gestanden und am 25. Juli an dem ruhmvollen Kablpfe der Brigade des Freiherrn v. d. Horst bei Oberstolk betheiligt gewesen ist. Kiel. Beim Passiren eines FuhrWerks gerieth ein Automobil von hier in den Chausseegraben und überschlug sich. Von den Insassen ist Hotelier Singelmann todt, der Besitzer des Automobils, Stadtverordneter Hagedorn, ein Marine - Ingenieur und ein Kaufmann wurden verletzt. L a n g e l n. Vor einiger Zeit ist der Besitz des Arbeiters Aug. Schröder bestehend aus Wohnhaus und Scheune, abgebrannt. O l d e s l o e. Unser Bürgermeister Mewes beging sein 30jähriges Amtsjubiläum und empfing viele Beweise der Freundschaft und ehrenden Anerkennung. Simonsberg. Unlängst wurde das Gewese des Landmanns Jacob Gertz durch : Blitzschlag eingeäschert. Hierbei verfiel die siebzehnjährige Tochter des Besitzers durch den ausgestandenen Schrecken in ein schweres Leiden, an dessen Folgen sie jetzt gestorben ist.

-Den Portweintrinkern kann eine Entscheidung des Hamburger Landgerichts die Trinklust verderben. Ein Hamburger Weinhändler war angeklagt, regelmäßig Portwein hergestellt und in den Handel gebracht zü haben, den er aus getrockneten Trauben kelterte und mit Fliederbeersaft und Pfalzwein weiter behandelte. Der Angeklagte behauptete, daß Portwein ein Gattungsbegriff sei, und in billigen Preislagen allgemein auf die von ihm geübte Weise hergestellt werde. Nach 3 des Reichsweingesetzes sei es erlaubt, Frühstückweine auf diese Art herzustellen. Der Preis dieses Portweins", den er an Weinhändler und Wirthe lieferte, betrug im Großen 5060 Pfennig das Liter. Während sechs Weinsachverständige sich- dahin aussprachen, daß das Ergebniß im reellen Handel den Namen Portweinnicht verdiene, waren ebenfalls" vernommene Chemiker der Ansicht, daß der Name Portwein schlechthin auf Künstwcin schließen lasse. Entgegen dem Antrage des Staatsanwalts kam daraufhin das Gericht zu einem freisprechenden Urtheil. Es darf also Portwein straflos weiter hergestellt werden. .

Ihr Karl.

Von Julius Keller. Meine Jda ist aus, der Art geschlagen pflegte der biedre Seifenfabritant Stumpe zu sagen, wenn er von seiner einzigen Tochter sprach. Diese väterliche Mißbilligung wurzelte aber im Grunde nur in dem unsäglichen Philistertum der ganzen Generation Stumpe. In Wahrheit nämlich war Jda Stumpe Jduna hörte sie sich lieber nennen aus der Art geschlagen nach der guten Seite hin. , Sie schwärmte nämlich für die Kunst, und zwar für die dramatische, für die Künstler im Allgemeinen insbesondere aber für Avolar Schönkopf, den genialen Heldendarsteller und populärsten Mimen der Residenz. Diese Vorliebe sür's Theater und einen seiner hauptsächlichsten Heroen ärgerte den alten Stumpe bis zum aufrichtigsten Kummer. Gestrenge Eltern mögen nicht zu hart über Jdas unkindliches Gebühren urtheilen; denn das K.ind" zählte bereits volle dreißig Sommer. Es hatte mithin eine gewisse Berechtigung zu einiger Selbständigkeit. Im Uebrigen blieb Alles in allen Ehren. Fräulein Jduna Stumpe hatte nämlich ihren angeschwärmten Schönkopf außerhalb der Bühne niemals gesehen, und von einer mehr denn platonischen Leidenschaft konnte nicht die Rede sein. Indessen übertrug die liebe Kleine wie ihre Verwandten sie nannten, wahrscheinlich weil sie ansehnlich groß und voll war ihre Schwärmerei von dem einen Künstler auf die Kunst selbst und überraschte die ganze Familie eines traurigen Tages mit der SchreckensNachricht, daß sie, um jener heißen Schwärmerei durchThaten gerecht werden zu können, dem Theaterverein Schönkopf" als ausübendes Mitglied beigctreten sei. Va.r Stumpe versuchte vergebens, dieser Entgleisung wirksam entgegenzutreten. Jduna blieb fest, und er mußte sich mit dem Trost beruhigen, daß ja in dem ganzen Verein glücklicherweise nicht ein einziger wirklicher" Schauspieler sei. Im Gegentheil lauter anständige junge Leute", die nur zu ihrem Vergnügen sich mit diesem Unfug befaßten. An einem schönen Wintertage sollte Jduna Stumpe zum ersten Male als Amalie in Schillers Räubern" vor dem - hochwohllöblichen Vereinspublikum auftreten. In freudiger Erwartung, überzeugt von ihrem Siege, ohne jede Scheu eines beängstigenden Lampenfiebers, kam für . die kühne Debütantin der Tag heran. ' Es war eine Viertelstunde vor Beginn der Vorstellung. Jduna saß in ihrem wundersam zusammengestellten Kostüm der Amalie auf dem alten, wurmstichigen Lehnsessel, der später dem gar nicht wohl aussehenden alten Moor zum Stützpunkt seiner seelischen und körperlichen Qualen dienen sollte. Und neben ihr -stand der edle Räuberhauptmann Karl, ein Hochaufgeschossener, schlanker, junger Mann mit rothem Gesicht und noch rötheren Händen, der sich, soviel Jduna wuftte, im bürgerlichen Leben Wilhelm Friesack nannte. Glauben Sie mir, sehr verehrtes Fräulein," sagte er mit einer Stimme, die in merkwürdigem Gegensatz zu dem OrlgQn stand, das die Natur dem großen Räuber Moor verliehen haben sollte, glauben Sie mir, Sie werden heute einen Triumph erleben! Meine Kunst wird neben ihrer Amalie verblassen wie wie ' ein schwaches Talglicht gegenüber der Leuchte eines Adolar Schönkopf." Jda blickte ihn überrascht und interessirt an. Ach! Auch Sie sind ein Verehrer dieses einzigen Künstlers?!" Und ob ich's bin! Ich verehre ihn nicht ich bete ihn an! Ich gehe für ihn durch das Feuer!! Und nicht nur als Künstler, sondern auch menschlich. Bin ich doch fast täglich bei dem großen Mann!" Nun pochte plötzlich das Herz des großen Kindes in fast hörbaren Schlägen. Wie Sie kennen Adolar Schönköpf persönlich?!" Na und ob! Wissen Sie denn nicht, daß ich sein daß ich sein Duzfreund bin?!" Ihre Ueberraschung oö dieser Mittheilung überstieg alle Grenzen. In bedenklicher Ekstase ergriff sie die geröthete Hand Friesacks und rief: Erzählen Sie mir von ihm,, bitte, bitte, erzählen Sie mir von ihm! Ich habe ja sihon so lange gewünscht, einem Menschen zu begegnen, der ihn Personlich kennt. Und nun sind Sie gar o o! Erzählen Sie!" Als mit der in allen Theatervereinen üblichen Pünktlichkeit die Vorstellung etwa eine Stunde nach der festgesetzten Zeit beginnen sollte, soßen Amalie und Karl noch immer zusammen' und plauderten von dem großen Adolar Schönköpf. Und dabei ruhten ihre Hände ineinander, und aus ihrenAugen strahlte das Feuer echter Begeisterung. Glaubt 'die herzenskundige Leserin zu ahnen, was in den folgenden Wochen in der Seele Jdunas vorging? Es soll nicht gerade behauptet werden, daß sie ein Gefühl heißer Liebe und hinreißender Leidenschaft für den rothwangigen Friesack empfand; aber ein unbestimmtes Etwas zog sie zu ihm hin; auf allen Proben, bei allen Vorstellungen, welche im Verein stattfanden, unterhielt sie sich fast nur mit ihm

haftete doch an seiner Persönlichkeit ein Hauch der Atmosphäre, in der Adolar Schönkopf lebte!! Und so begannen die profanen Mitmenschen denn allerlei zu reden und zu tuscheln über die zwei, und wenn man von Jduna und WilHelm sprach, so nannte man ihn mit vielsagendem Lächeln ihren Karl" Inzwischen bereitete der Verein Schönkopf" die letzte Vorstellung der Saison, eine Aufführung des Schau spiels Der Sohn der Wildniß" mit Wilhelm Friesack in der Titelrolle und Jduna als Parthenia vor.. Die liebe Kleine" war ganz im GeHeimen zu einem großen Entschluß gekommen. Niemand hatte sie etwas davon gesagt, nicht einmal ihrem Karl". Nur ein bißchen schlau ausgehorcht hatte sie ihn, und durch die Ergebnisse dieser Aushorcherei war ihr großer Entschluß nur bestärkt worden. Adolar Schönkopf sollte ihr die Rolle der Parthenia einstudiren! Sie wollte zu ihm' gehen und ihn darum bitten. So stieg denn Jduna Stumpe eines herrlichen Frühlingstages in besonders sorgsam gewählter Toilette mit lebhaft pupperndem Herzen die teppichbelegte Treppe empor, die hinauf zu des großen Mimen Junggcsellcnheim führte. Einen Moment verschnaufte sie sich an der Thür und warf einen prüfenden Blick in das kleine Spiegelchen, das dann schleunigst wieder in der Tasche verschwand. Bald zog sie entschlossen die Klingel. Eine feiste Wirthschafterin öffnete. Bitte, kommen Sie 'rein und wart:n Sie 'n bißchen im blauen Salon. Ich werde Herrn Schönkopf sofort fragen, ob er zu Hause ist." Damit schritt' die dicke Frau gemessen davon, und Jduna folgte ihr. Aber kaum hatte sie den schmalen Korridor betreten, an dessen Ende der blaue Salong" lag, da stieß sie plötzlich einen lauten Schrei aus;, ihr Gesicht entfärbte sich sie schwankte. Ihre erwartungsvollen Blicke, in denen verhaltene Sehnsucht gedämmert, waren auf die Gestalt eines schlanken, jungen Mannes gefallen, der eine blaue Schürze vor der Brust, in Hemdsärmeln in einer Ecke des Korridors der profanen Beschäftigung des Stiefelputzens oblag. Aber auch er schrak entsetzt zusammen und starrte die Eintretende an, als sei ein Gespenst vor ihm aus der Erde gestiegen. " Jduna!" stöhnte cr unwillkürlich auf, und ein Stiefel entfiel mit lautem Knall seiner Hand. Zugleich aber ertönte eine laute, wundersam singende Stimme aus dem Nebenzimmer: Wilhelm! Wilhelm! Zum Donnerwetter! Wo bleiben denn meine Stiebel!!" Und wie von einer übermächtigen' Gewalt ergriffen, bückte sich Wilhelm, hob die ihm entfallene Fußbekleidung auf und entwich hastig mit dem Stiefelpaar in das Gemach, aus dem der zornige Ruf gekommen. Jduna stand wie versteinert. Fehlt Ihnen was?" fragte erstaunt die dicke Wirthschaften, die inzwischen zurückgekommen war. O es ist nur stotterte die Ueberraschte, es verblüffte mich, daß Herr Friesack " Friesack? Wieso Friesack? Der Mann heißt Bolle, er ist ja bloß aus Friesack." Bolle heißt er Herrn Schönkopfs Duzfreund?" Duzfreund?. Haha! Daß ich man nicht lache! Na ja, duzen duht er ihm schon det stimmt. Bolle is ja unser Hausknecht un Wichsier!" Ein markerschütternder Schrei entfuhr dem bebenden Munde der einzigen Tochter des Seifenfabrikanten. Eine Ohnmacht schien sie zu überkommen sie schwankte und im nächsten Moment lag sie in den starken Armen Adolar Schönkopfs. , Ja, was geht denn hier vor?" fragte seine herrliche Stimme mit milder Freundlichkeit. Wer hat Sie so erschreckt, mein schönes Kind?" Sie schlug die Augen auf und sah ihn verklärt lächelnd an. O," flüsterte sie, wie wie soll ich Ihnen danken!" Danken wofür?" Sie schwieg verlegen. Mit der'allen Wirthschafterinncn eigenen Vertraulichkeit aber klärte die dicke Frau ihrem Gebieter den vermuthlichen Sachverhalt in wenigen Worten auf. Ich bedauere Sie aufrichtig, mein Fräulein," sagte der große Mime dann mit freundlicher Huld, dieser Bolle ist ein nichtsnutziger Kerl. Solche Chosen macht er immer. Wahrscheinlich hat er sich Ihnen in meinen besten abgelegten Kleidern präsentirt. Aber gehen Sie mit Gott es wär' so schön gewesen es hat nicht sollen sein. Ich werde dafür sorgen, daß er künftig weniger patent aussiebt. Leben Sie wohl!" Wie im Traume wandelte Jduna die Treppe hinab. Verraucht war ihr Zorn über den betrügerischen Duzfreund" des großen Adolar, nur die Erinnerung an die Seligkeit der verffangenen Minuten lebte in ihrer Seele. Sie hatte in den Armen des angeschwärmten, verehrten Künstlers geruht. Und zwar in allen Ehren. Und das verdankte sie doch nur dem Betrug des Mannes aus Friesack. Sie konnte ihn verachten, aber zürnen zürnen konnte sie ihm nicht .ihrem Karl"!