Indiana Tribüne, Volume 29, Number 47, Indianapolis, Marion County, 18 October 1905 — Page 6
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Auf der Zlucht. Von Eduar'd Hirrgardt. Wenige Mcilfn von der livländischn
Kreisstadt Wenden entfernt, an einem llemen. von dunklen Tannen und hohen Fichten umrähmten See, stand toucht am Ufer ein kleines, einfaches hölzernes Bauernraus. Hier wohnte Wladimir Berkowitsch, der geschickteste Arbeiter der einige Werst vom See gelegenen Drmnschen Maschmensaoru. Seiner Intelligenz verdankte er einen gewissen Wohlstand, wie er unter dem rusjischen Proletariat selten anzutresfen ist, und. seine ungewöhnliche Begabung erklärte es, daß man zu ihm, als dem geistigen Führer der livländischen Arbeiterbewegung, theils mit Verehrung, theils mit Argwohn aussah. Er war wiederholt mit der Justiz- und Polizeibehörde in Konflikt gekommen, die mchts verabsäumten, um diesem Deutsch-Nussen die Hölle heiß zu machen und ihn zum Verlassen nvlandlschert Bodens zu nöthigen. Immer aber hatte es die stets auf ihren Vortheil bedachte Fabrikleitung verstanden, ihren intelligentesten Mann reinzurozschen. Seit Jahren hauste der blonde Wladimir hier mit einer schönen Litauerin, die, mit allen 'Vorzügen und Schwachen ihrer Nasse behaftet, ihrem angebeteten Mann in zehnjähriger Ehe vier Kinder geboren hatte. . . Es war an einem schwülen Sommerabend. Die Sonne war langst untergegangen. Aus zerrissenen dunklen Wolkenschleiern fiel der atte Silberglanz des Mondllchts auf die hinter dem See m leicht geschwungenen Linien sich hinziehenden bewaldeten Höhen. Johanna war es nicht gewohnt, zu später Stundenden sicheren Schutz des Riesen Wladimir entbehren zu müssen, und selten gezchah es, daß die ausgelassenen Knaben noch zu so später Abenditunde sich dem prel unter der hohen, das Haus beschattenden Ulme hingaben. Die glühende Hitze war der kräftigen, Frau mit den schonen, upPigen Körperformen unerträglich geworden und hatte sie gezwungen, uch aller beengenden Kleidungsstücke zu entledigen. So stand sie nun mit halb entblößtem Oberkörper, ihr wenige Monate altes jüngstes Kind auf dem Arm wiegend, auf dem fruchtsatten Feld und starrte mit weit geöffneten dunklen Augen in die Ferne, wo Nacht und Nebel sich um die Kreisstadt gela gert hatten, so daß die Häuser selbst von dem schärfsten Auge nicht mehr zu erkennen waren. - Angst und Sorge spiegelten sich in ihrem Antlitz wider. und ihre seelische Unruhe theilte sich euch den Kindern mit, die bald angsterfüllt zur Mutter ausschauten, bald erwartungsvoll in die immer tiefer sich in Dunkel hüllende Landschaft hmaussahen. Aus der nahen, von machtigen Birken eingefaßten Chaussee sah man noch einige sinnlos betrunkene Arbeiter sict) in ihre' nahen Herbergen begeben. Plötzlich unterbrach lautes Pferdegetrapvel das Schweigen. Die Kinder schmiegten sich eng an die Mutter an, als sie einen in voller Karriere heransprengenden Reiter in den kleinen Feldweg einbiegen sahen, der gerade auf des HauZ zuritt. Ist das nicht Jpanoff?" fragte mit zitternder Stimme der älteste, flachsblonde Knabe. Ja, das ist der Polizeidiener aus Wenden", bestätigte der Zweitälteste, blauäugige Junge mit dem blonden Locker.kopf. Der war heute schon einmal hier und fragte nach dem Vater." Johanna war leichenblaß geworden. Eine trübe Ahnung stieg in ihr auf und die vor Erregung zitternden H'ände legten das jüngste Kind in die Arme des ältesten Knaben. Geht hinein", sagte sie sanft, eßt, was Ihr findet und legt Euch ruhig schlafen. Jpanoff ist dem Vatec gut und niemand kann, ihm gram sein." Dann warf sie sich ein rothwollenes Tuch um die schneeweißen Schultern, während die Kinder in das Haus liefen, sich fortwährend ängstlich nach dem nahenden Reiter umsehend. Inzwischen war Jpanoff vor das Haus gesprengt und hielt gerade vor Johanna das dampfende Pferde an. Wo ist Wladimir?" rief keuchend der Polizeidiener, eine kleine, untersetzte Gestalt mit niedriger Stirn und platter, eingedrückter Nase. Ich glaubte das von Dir erfahren zu können", sagte ruhig Johanna. Die Sache wird diesmal einen üblen Ausgang nehmen.' . . War noch keiner von den Arbeitern hier?" fragte er erstaunt. ' Bei mir war, niemand. Drüben sah ich einige Trunkenbolde sich wie die Thiere auf . der Straße herumwälzen. Ist Wladimir etwas zugestoßen, was Sie mir ausrichten sollten?" Man hat in der Stadt den Polizeimeister auf offenem Markt erschossen. Dem Wladimir ist man deshalb auf den Fersen!" rief Jpanoff. . , Wer von Euch glaubt, daß er sich an dem Schurken vergriffen hat? Traust Du ihm zu, Jpanoff, 'daß er wie ein Feigling .aus dem Hinterhalt einen Wehrlosen niedersießt?" ' Wladimir ist nicht der Thäter. Gewiß. Aber die Behörde sieht in ihm den geistigen Urheber des Attentats. Man glaubt, daß- er durch das heute erschienene Flugblatt die Arbeiter aufgehetzt und zur Anwendung von Gewalt aufgefordert hat. Darüber sind
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Sind Sie schwindlig? Schwimmt Ihr Kopf? Sind Ihre Augen trübe? Fühlen Sie übel im Magen ? Bei Frauen sind diese Symptome oft Anzeichen eines gestörten Nerven-Systcms, oder Leber- oder Herzleidens,
hervorgerufen durch Unachtsamkeit in Negnlirung der
Frauen selbst noch wichtiger als die Äerdauungs-Fuuktlonen jedes Geschlechtes. Selbst wenn keine Storuug eintritt, sollte doch manchmal ein sanftes, reinigendes Menstrual-Mittcl genommen werden jeder Arzt wird Ihnen dies sägen. Andernfalls zersetzt sich das stockende Menstrnälblut bei Ihnen und wird in Ihr System aufgenommen, und verursacht so viel Schmerz und Leiden, datz Sie alles Interesse am Leben verlieren. Um sich selbst zu kuriren, nehme man der Fran bestes und sicherstes Heilmittel, Mcnstrual-Ncinigungs-Mittel, Tonic und Schmerz-Linderungsmittel, die alte, zuverlässige, zeiterprobte Medizin, welche seit 70 Jahren zum Hausmittel in Amerika geworden ist, nämlich :
Schreibt nns aufrichtig in vollem Vertrauen, mit a-lsführlichcr Auskunft bczJzlich ttS Leidens, waS es auch sein uaa, und mit Angabe des AtterS. Wir schicken Ihnen lrcrthvollen freien Nath in insachcm, der siec.eltcm Couvert. ?ldresfe: Ladies' Addisorh Tcpt., Te !hattanooga Medicine Co., Chattanocga, Tenn.
-i-" I""IB111 Jwinii'-M.'.wrr wir nun alle einig.' In ganz Lidl'and gibt es nur einen so hellen Kopf. Der Mann ist Wladimir Berkowitsch." Er zuckte die Achsel und blickte ein wenig mitleidig auf Johanna, die ihr bleiches Gesicht mit den Händen bedeckte und leise vor sich hin weinte. Sie zweifelte Nicht meyr oaran, van Die eooroe nc Zeit für gekommen erachtete, ihren Wladimir unschädlich zu machen; ein so hervorragender Mensch bildete in unruhiger Zeit eine stete Gefahr für den Frieden der ganzen Provinz. Inzwischen war Jpanoff vom Pferde gestiegen und rieb sich den Schweiß von der Stirn. Dabei sieben Stunden nicht vom Pferd gekommen. Die ganze Zeit in Sonnengluth und brütender Hitze ausgehalten. Wahrhaftig, keine Kleinigkeit. Ist noch etwas Branntwein im Haus, Frau Berkowitsch?" Nur ein Rest. Und was gebe ich Wladimir, wenn er zurückkehrt?" Geben Sie ihm den gutenNath, die Chaussee zu meiden. Hinten um den See herum soll er sich aus dem Staube machen. Dahin hat mich solch ein Teufel von Distriktskommandant für eine ganze lange Nacht abkommandirt. Ich kenne ja den Wladimir. Er ist ein guter Kerl und ich bin kein Schurke." Damit wollte er Johanna trösten. - Aber was kann ihm denn geschehen?" fragte die blasse Frau furchtsam. Das kommt ganz darauf an, wie der Richter den Fall auslegt. Man wird ihn verbannen oder hängen. Man kann ihn aber auch begnadigen", erwiderte Jpanoff ganz trocken und mit der gleichgültigsten Miene. Ein Schauer flog über Johannas Körper. Sie athmete tief auf und in ihren Augen leuchtete es wie Blitze. Mit einem verhaltenen Schrei trat sie auf Jpanoff zu, und mit kräftiger Hand seinen Arm fest umklammernd, rief. sie mit stierem Blick: Wer will ihm die Freiheit räuben? Wer kann sein Leben wollen, wenn er nicht der Schuldige ist?. Nur weil er einer Herde blöder, unglücklicher und wehrloser Menschen ihr Recht erkämpfen. will? Aber das ist ja das Furchtbare. Man will die Wahrheit nicht hören hier." Wladimir hält zu viel Zeitungen, Frau Berkowitsch. Er schreibt zu viel und empfängt das schlechteste Pack. Und dies alles macht ihn beim Gouverneur verdächtig", meinte. Jpanoff und pfiff leise vor sich hin. Dann'lächelte er verlegen. Verzeihen Sie, liebe Frau Berkowitsch , Nun und?Hm! Ja, ich hatte Sie vorhin gebeten Ja. Komm, Jpanoff. Du bist auch kein Aristokrat. Immer Vranntwein. Dieser ewige Fusel, der alles hier zu Grunde richtet." Dabei winkte sie ihm, ihr ins Haus zu folgen. Drinnen zündete sie ein Licht an, ging damit in die Küche und reichte dem wie ein hungriger Bettler hinter ihr herschleichenden Jpanoff die Flasche, deren Inhalt dieser in einem Zuge durch die Gurgel jagte. ' Der Polizeidiener rä'usperte sich und reichte Johanna seine kleine, aber kräftige Hand. Leben Sie wohl! Ich bete für Sie. Die Angelegenheit kann ja auch einen günstigen Ausgang nehmen." Johanna sagte nichts. Sie machte Jpanoff schweigend die Thüre auf. die sie gleich darauf mit einem fchweren Seufzer verriegelte. Jpanoff trat ins Freie, schwang sich mit einem Satz in den Sattel und verschwand. Johanna schüttelte den Kopf. Sie fühlte, daß sie jetzt einem furchtbaren Schicksal preisgegeben war. Der Mann vertrieben und sie dazu Ustimmt, vier vaterlose Waisen großzu ziehen! Sie war. fassungslos und doch ." i t et n u r . emporr, oauie Die auzr uno nie lau te Verwünschungen aus. Draußen goß es in Strömen, und die dicken, gegen die Fenster klatschen den Regentropfen hatten sie daran ae
bindert, die dem Haus sich nähernden
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geräuschvllen Schritte wahrzunehmen. Wladimir Berkowitsch war am See aufgetaucht . Leise schlich er sich an das Haus heran, aus dessen mittleren Fenstern der schwache Lichtschein einer kleinen, primitiven Lampe in das geheimnißvolle Dunkel leuchtete. In athemloser Spannung beugte er den schweren, mächtigen Körper bis dicht an das Fenster. Dann sah er in die Stube. Sein Herz schien still zu ftehen, als er -das hilflose, verzweifelnde Weib in krampfhaftem Schluchzen ergittern sah. Den hünenhaften Mann 'ckien die Kraft zu verlassen. Mühsam hielt er sich, das Gesims fest umllammernd, aufrecht, denn es war, als wollte er unter der Last der auf ihn einstürmenden Gefühle zusammenbrechen. Endlich rief er mit dumpsfr, uefer Stimme: Johanna!" ' Sie sprang erschreckt auf, stürzte zum Fenster, riß es auf und umschlang mit ihren kräftigen Armen jäh aufschreiend den Nacken des bis auf die Haut durchnäßten Flüchtlings. Wladimir Du hast doch keine Sünde Du biß doch nicht der Mörder " Nein, Hanna. Aber man wird mir diesen Schurkenstreich anrechnen. Es grbt nur emen Ausweg die Flucht. Schlafen die Kinder?" Mit gefalteten Händen lagen sie in ihren Betten. Bleib', Wladimir, nur diese Nacht diese Nacht noch!" Ich komme noch zu Dir. Aber nur auf einen Augenblick, nur um Lebewohl zu sagen." Als Wladimir endlich in das Haus trat strahlten die Augen Johannes einen unheimlichen Glanz aus. Er sah sie entsetzt an.Dann über stürzte sie wie eine Rasende auf ihn zu, warf sich an seinen Hals, streichelte ihm das schone blonde Haar und bedeckte seinen Mund mit leidenschaftlichen , Küssen. Endlich ließ sie ihn los. Feige Welt! Elendes Gestndel!" rief er, mit seinen hohen Stiefeln vor Zorn auf den Boden stamvfend. Knarrend wurde die niedere Kammerthur aufgestoßen, und die aus tiefem Schlaf aufgestreckten Kinder stürmten m das Zimmer. Da. bist Du." Ich wußte es doch". So spät!" schrie es durcheinander, und jubelnd und freudestrahlend hüpften die kleinen ahnungslosen Geschöpfe mit nacktenFußchen. nur mit dem Hemd bekleidet, im Zimmer umher. Ihr kindlicher Sinn fand keine Erklärung für die feierliche und seltene Art, womit der Vater sie begrüßte. Eins nach dem andern nahm er auf den Arm, segnete sie mit feuchtem Auge, sich jedesmal dabei bekreuzigend, trug sie wieder in die Kammer und legte sie nieder. So nahm er stumm von- ihnen Abschied. Als er wieder in das große Zimmer trat, saß Johanna in einer Ecke kauernd und biß sich in furchtbarem Schmerz die Lippen wund. Wladimir war namenlos unglücklich; aber gefaßt trat er auf Johanna zu, ergriff ihre kalten Hände, drückte sie fest und hielt das kraftlos niedersinkende Weib in seinen Armen zärtlich umfangen. Nun ist es Zeit. Es ist die einzige Rettung. Nur so kann ich mich Dir und den Kindern erhalten. Ich hoffe, daß Ihr unter diesem Dach unbelästigt bleibt. Denk' an die Kleinen! Vielleicht bin ich auch bald wieder zurück. Leb' wohl, Hanna." Um den See mußt Du fliehen, Wladimir. Für Branntwein läßt Jpanoff Dich durchblitzen." So sind sie alle, die Hunde." Leb' wohl!" sagte Johanna tonlos. Wladimir hatte sie noch nie so gesehen. Nur mit Gewalt konnte er sich' losreißen. Als er aus der Thür stürzte, schlug es gerade Mitternacht. Wladimir Berkowitsch hatte sich durch seine aufopfernde Thätigkeit und die treuen Dienste, die er für die livländische Arbeiterschaft im Interesse der Realisirung ihrer freiheitlichen Ideen geleistet im ganzen Gouverne-
Qefti töne Freundin von mir litt an Nückcnfchmerz, ;til Kopfweh und Schwindel und schien völlig rntkraf' tti in Folge von Menstrual-Leiden," schreibt Frl. St? G. N. Garrett von Maycrsville, 3Hiff aber sie VllV nahm Cardui auf meinen Rath und ist jetzt ge. fund."
Menstrual - Funktionen. ment zahlreiche und 'einflußreiche Freunde erworben. Allein diesem Umstände verdankte er es, daß er sich unbehelligt bis nach Riga durchschlagen konnte. Wo er auf feinem weiten Wege auch anklopfte, überall fühlte man sich verpflichtet, dem bedrängten Manne, trotz der überall drohenden Gefahren, einen Unterschlupf zu gewähren. Das Komite der Rigaer Arbeiterschaft athmete erleichtert auf, als es den alten Kämpen in der Hafenstadt wohl geborgen wußte, und keine Mühe warde gescheut, dem hart verfolgienFlüchtling zur Flucht ins Ausland zu verhelfen. In einer kleinen, ärmlichen, mit vielen geheimen Schlupfwinkeln versehenen Spelunke, ganz in der Nähe des Hafens, hatte Wlaöimir ein Unterkommen gefunden. An seinem stillen und gedrückten Wesen sowie an dem bleichen Antlitz erkannte jede: aufmerksame Beobachter sofort einen der vielen aus ihrer Heimath Vertriebenen. Da saß er nun, der einsame. Hünenhafte Mann, in einem kleinen, niedrigen Loch und sah auf eine Rotte lärmender und halbbetrunkener Seeleute, vor der ein armes, bildhübsches Polenmädchen für einige Kopeken, wie eine Bacchantin herumtanzte. Hier konnte er nun Vergleiche anstellen zwischen seiner friedlichen Häuslichkeit und dem rohen, bestialischen Treiben heimathlofer Gesellen. Trüber al? je blickte er in die Zukunft. Er zog die Augenbrauen finster zusammen und brütete dumpf vor sich hin. Da trat ein Schiffsoffizier leise an ihn heran, und die Hand auf seine Schulter legend, sprach er leise: Wladimir, mach' Dich fertig." . Es war ein guter Freund Wladimirs und erster Offizier des zum Auslaufen im Hafen bereit liegenden dänischen Dampfers. Der Flüchtling hatte sich rasch ervoen. Ich bin fertig. Sind Deine Leute zuverlässig. Herald?" flüsterte er. Unbedingt. Aber ich rathe Dir, mach' schnell." .Wladimir drückte nun den großen, schwarzen Filzhuk tief in das Gesicht, knöpfte das schwarze Jackett fest zu und schob unbemerkt eine kleine Zeitung sowie ein von dem Dänen soeben erhaltenes Empfehlungsschreiben an den Leiter eines führenden politischen Blattes in Kopenhagen in den hohen rechten Stiefel. Dann traten die beiden hinaus in den kalten, feuchten Nebel und setzten in einer kleinen Schaluppe zum König Christian" über. Als Wladimir den Dampfer betrat, fuhr ein Lächeln über sein Gesicht. Er fühlte sich geborgen und drückte dem dänischen Schisfsosfzier lange dankbar die Hand. Der undurchdringliche Nebel aber verhinderte die Abfahrt, die nun auf den kommenden Morgen verschoben wurde. Auf einer Ladung übelriechender Häute liegend, verbrachte Wladimir eine schlaflose Nacht. ,Er träumte vor sich hin und hatte es mcht bemerkt, wie in der Frühe der von einem Schlepper in die See hinaus bugsirte Dampfer den Liegeplatz verlassen hatte. Als er auf Deck kam, befand sich das Schiff schon in voller Fahrt, und hoch am Mast flatterte das Dänebrog lustig im Winde. Die See ging hoch. Es war Sonntag, und von den Rigaer Kirchen und Kathedralen hallten die Glockenklänge weit bis an das Meer hinaus. Wladimir Berkowitsch trat an den Bordrand und sah hinüber zur Küste, die bald einem lichten Wolkenschleier glich. Eine tiefe, unendliche Sehnsucht nach den Verlorenen überkam den furchtlosen und kühnen Mann. Sein Blick suchte beständig das entschwindende Ufer. Wie Pfeile durchschossen wahnsinnige Gedanken sein Hirn. In der erhitzten Phantasie sah er sein hilfloses Weib im schweren Kamvke aeaen unoezäblte Widerwärtigkei'ten deS Lebens, ,und er sah die Kleinen, deren heiteres Lächeln durch seine Gluckt erstickt war. in kindlicher Trauer den ersten Feiertag ohne den Vater verbringen. Jetzt: ein rascher Entschluß: seiner riesigen Körperkraft traute er das Unmögliche zu. Er wollte das Ufer schwimmend erreichen, dahin-
Diese Funktionen sind bei
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Sev Frauen Heilmittel i ler die Hetmath lag. Er munie t... wieder heim. Mit einem mächtigen Satz sprang er über Bord in das tosende Meer, um im nächsten Augenblick darin unterzugehen. Wenige Tage später empfing Johanna Berkowitsch zwei amtliche Schreiben. Sie konnte sich vor Freude nicht fassen, als sie in dem ersten Briefe las, daß ihr Mann außer Verfolgung gesetzt war und seiner Rückkunft nichts im Wege stände um dann mit gellendem Schrei das Papier , ihrer Hand entsinken zu lassen, darin man ihr von dem Auffinden der Leiche Wladimirs Mittheilung machte. Ueberall in Livland nahm man innigen Antheil an dem traurigen Geschick des Wladimir Berkowitsch. Die Bienen im Aberglauben. In vielen Gegenden Deutschlands, so in Westfalen, Dithmarschen u. f. w. herrscht noch die eigenthümliche Sitte, daß, wenn der Hausherr gestorben ist. Jemand zu den Bienen acht und dort spricht: Euer Herr isttodt!" Geschieht das nicht, so müssen auch die Bienen sterben. Bei den Wenden im Spreewalde geht beim Tode des Vaters der älteste Sohn in's BienenHaus, klopft an jeden Bienenkorb und sagt: Bienchen, Vienchen, steht auf, euer Wirth ist gestorben." Auch in England besteht die Sitte, doch wird dort nicht allein den Bienen, sondern allen Hausthieren der Tod des Herrn verkündet, und die letzteren zuvor von ihrem Lager aufgetrieben. In der Bretagne ist es Sitte, wenn ein Kind geboren ist, jedem Bienenkorb dieses Ereigniß mitzutheilen und ihn mit einem rothen Tuch zu umwickeln. Bei einem Todesfall werden die Körbe mit einem Trauerflor . umhüllt, der fo lange sitzen bleibt, als die Leute ihre Trauerkleider tragen. Auch in Holstein war es ehedem Gebrauch, den Bienen die Geburt eines Kindes anzu sagen, auch legte man dort, wenn man Bienen kaufte, ein Stück Geld in den Bienenkorb, danii hatte man Glück, dann wurde auch das Sprichwort wahr: Bienen und Schafe nähren den Bauer im Schlafe." Ankündigung von Erdbeben. Der Polarforscher Borchgrevink, der sich während des vulkanischen Ausbruches des Mont Pelee auf Martinique aufhielt, machte unmittelbar nach diefer, Katastrophe eine höchst interessante und für die Wissenschaft nützliche Beobachtung. Zwölf Tage nach dem erften Ausbruch kam er mit zwei amerikanischen Professoren auf einem Dampfer zusammen, dersie nach St. Pierre brachte. Als wir in St. Pierre ankamen," schreibt er, bemerkte ich sofort, daß alle Gegenstände aus Eisen oder Stahl in allen Richtungen gebogen und gedreht waren, und als ich eine Feder einer eisernen Stange näherte, wurde die Feder stark angezogen. Die Annahme liegt ja nahe, daß bei den vulkanischen Ausbrüchen elektrische Kräfte in Bewegung gesetzt werden. Aber erst bei dieser Gelegenheit wurde es deutlich bewiesen. Diese Entdeckung wird die Menschen in Stand setzen, vulkanische Ausbrüche vorauszusagen, und das ist die große, praktische Äite der Sache. Die magnetischen Instrumente, die Nian augenblicklich besitzt, sind hierzu allerdings nicht fein genug. Man wird mit der Zeit aber schon die nothwendigen Apparate herstellen." In dem Waisenhause für Soldatenkinder zu Davenport, Ja., wurde von Jonathan Faulk der Versuch gemacht, seine dort befindlichen Kinder mit zugesandtem Candy zu vergiften. Das Confekt war von Marion, Ja., mit anderen Sachen geschickt worden; am schlimmsten erkrankte der junge George Faulk, der noch in bedenklichem Zustande ist. me?rere andere Kinder, die ebenfalls von dem Candy gegessen, sind gleichfalls krank geworden.
